Beschreibung

Jule glaubt an Gott, findet Kirche aber doof. Marc glaubt nicht, dass Dornbüsche sprechen, liest jedoch täglich sein Horoskop. Und Tobias denkt: Wenn Gott uns liebt, warum gibt es dann die Flippers? Wir können mit Religion nichts mehr anfangen und halten ALDI für glaubwürdiger als den Papst. Sonntägliche Gottesanbetung passt nicht mehr zum Lifestyle, und Gott hat bei Facebook nur 137 Freunde. Sind wir von allen guten Geistern verlassen? Anne Weiss und Stefan Bonner nehmen Ahnungslose und Erleuchtete unter die Lupe und stellen fest: Immer mehr Menschen finden, dass sie auch als Heidenkinder einen Heidenspaß haben können. Wären wir denn ohne Religion wirklich besser dran?

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Seitenzahl: 256

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Über die Autoren

Stefan Bonner war über dreißig Jahre lang Teilzeitchrist, bevor er aus der Kirche austrat. Seit er Vater ist, überlegt er, ob man seine Kinder nicht doch im Glauben erziehen sollte und ob es einen triftigen Grund gibt, wieder einzutreten. Nach dem Studium wahrer Geschichte und lebendiger Sprachen hat er als Redakteur für die Magazine impulse und BIZZ geschrieben.

Anne Weis glaubt’s nicht: Vor kurzem wäre sie beinahe mit dem Flugzeug abgestürzt. Als ein Mann neben ihr zu beten begann und der Flieger sicher landete, kam sie ins Grübeln, ob man mit Religion nicht doch zufriedener lebt. Statt geistlicher Lehre studierte Anne Geisteswissenschaften und spricht nicht ganz so viele Sprachen wie auf dem Bau in Babel.

Ihre ersten beiden Bücher GENERATION DOOF und DOOF IT YOURSELF standen eine Ewigkeit lang auf den Bestsellerlisten. Anne und Stefan arbeiten als Lektoren in einem großen Publikumsverlag im Schatten der größten Kathedrale Deutschlands.

Stefan Bonner · Anne Weiss

HEILIGE SCHEISSE

Wären wir ohne Religion wirklich besser dran?

Mit Illustrationen von Harald Oehlerking

INHALT
EINLEITUNG. AM ANFANG WAR DAS WORT …1 DENN SIE WISSEN NICHT, WAS SIE GLAUBEN SOLLENVon der christlichen Leere in unseren Köpfen2 GESTATTEN, GENERATION GOTTLOSWarum uns der Allmächtige egal ist3 PSALMEN HABEN KURZE BEINEWas man der Bibel noch glauben kann4 DAS IMPERIUM TRITT ZURÜCKWären wir ohne Kirche besser dran?5 ES MUSS NICHT IMMER JESUS SEINWie wir uns eine eigene Religion basteln6 EDEN FÜR JEDENAuch Heidenkinder haben HeidenspaßFAZIT. GEHET HIN IN FRIEDEN!LITERATURVERZEICHNISTHANKSGIVING

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Das vorliegende Buch beruht auf Tatsachen. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden Namen und Details verändert.

Originalausgabe

Copyright © 2011 by Bastei Lübbe AG, Köln Lektorat: Anne Stadler Textredaktion: Dr. Katharina Theml Illustrationen im Innenteil: Harald Oehlerking Titelillustration: © Max Meinzold/HildenDesign Umschlaggestaltung: HildenDesign, München Gestaltung: Guido Klütsch, Köln E-Book-Produktion: Dörlemann Satz, Lemförde

ISBN 978-3-8387-0527-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Einleitung. Am Anfang war das Wort ...

Köln, 2005. Die Domstadt feiert den Weltjugendtag, und die gesamte Republik ist im kollektiven Weihrausch. Kurz zuvor hat die Bild »Wir sind Papst« verkündet und damit im Handstreich das ganze Land katholisiert. Seit Wochen hängt gegenüber dem Kölner Dom ein Plakat, das den katholischen Oberhäuptling ankündigt. Nun ist er endlich da. »Ein Besuch der Superlative: Gigantischer als ein Pop-Konzert, gesichert wie ein Staatsbesuch«, jubelt der WDR. Ratze rockt Köln, und überall feiern sangesfreudige junge Menschen und Benedetto-Gröler den Popestar.

Glaube scheint plötzlich wieder die abgefahrenste Sache jenseits von Eden zu sein, denn überall sprechen Experten und Kommentatoren von der »Rückkehr des Religiösen«. 1,1 Millionen Menschen drängen zur Abschlussmesse aufs Marienfeld, und es kommt auf Straßen und in öffentlichen Verkehrsmitteln zu Pilgerverstopfungen. Das Rheinland und besonders die Kirche sind überwältigt: Es sieht ganz so aus, als ob sich die christlichen Glaubensvereine in der kommenden Zeit auf viele neue Clubmitglieder freuen dürfen.

Wir wundern uns ein wenig über so viel Frömmigkeit bei unseren Altersgenossen. Das sind wir nicht gewohnt. Immerhin jubeln hier junge Leute, die sich in diesem Jahr ansonsten auch für den Homowestern Brokeback Mountain begeistern, eine Frau zur Kanzlerin wählen und bei Youporn ihre Höhepunkte ins Internet stellen, einem zweitausend Jahre alten Männerclub zu, der Schwulsein für eine Krankheit hält, niemals eine Frau ans Ruder der Arche lassen würde und Kondome nicht einmal als Wasserbomben benutzt.

Bei genauerem Hinsehen entdecken wir, dass der heilige Schein trügt. Nicht alle Feierlustigen sind in christlicher Mission unterwegs. Ein Kamerateam von TV Total offenbart bei einer Umfrage in der Kölner Innenstadt Unglaubliches – oder eher Ungläubiges:

»Warum bist du beim Weltjugendtag?«, fragt der Reporter.

Der Junge mit verspiegelter Sonnenbrille und weißer Basecap tritt von einem Bein aufs andere. »Party«, nuschelt er.

»Nur Party?«

Ein angedeutetes Grinsen huscht über sein Gesicht. »Weiber.«

»Ach, und sonst?«

»Ganz viele Weiber.«

»Und was ist mit Gott?«

»Gott ist korrekt. Aber der Papst«, er schüttelt den Kopf und zieht dann eine Schnute, »... ach, scheiß drauf.«

Geht es beim Weltjugendtag tatsächlich um Frömmigkeit, oder nur um Fromms? Wir mischen uns unter die Gläubigen und treffen einige Jugendliche, die freiwillig Kondome unter den Pilgern verteilen. Ein Akt der Barmherzigkeit, der zwar nicht mit den Geboten des Papstes zu vereinbaren ist, aber dessen Ansichten scheinen für die meisten hier ohnehin nicht maßgeblich zu sein. Auch die achtzehnjährige Sara aus Rom freut sich im Lokalfernsehen über das große Schlaflager in der Sporthalle: »Da dürfen Jungen und Mädchen gemischt schlafen!« Das nächtliche Treiben auf den Pilgerlumas hat offenbar viel mit Nächstenliebe, aber nichts mit katholischem Lifestyle zu tun. Wer denkt hier in diesen Tagen bei dem freudigen Ausruf »Oh, Gott!« wirklich an den Allmächtigen?

Im dichten Pilgerstrom des Erleuchtungsevents treffen wir später Krissy, der es mit einigen Freundinnen an diesem besonders schönen Sommertag gelungen ist, einen Blick auf eine ganz andere heilige Familie zu werfen – die Kelly Family. Das Erlebnis mit der modernen Christuskapelle genügt den Mädels offenbar. Sie entscheiden sich für Joey, aber gegen Benny. »Die Kellys waren voll süß. Und die haben auch immer so Benedetto geklatscht«, erzählt Krissy, auf deren T-Shirt der Spruch Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen kommen überallhin steht. Ihre Augen leuchten bei der Erinnerung ans Sakropopkonzert selig. »Den Papst gucken wir uns jetzt nicht mehr an. Wir sind voll platt.«

Der Heilige Geist war beim Weltjugendtag wohl nur Zaungast, zumindest, was die breite Masse angeht. Die Hoffnung, dass sich durch das Mega-Event eine ganze Nation und vor allem die junge Generation in die Arme der Kirche zurücktreiben lassen, war fromm gemeint, aber wenig realistisch. Die Studie Megaparty Glaubensfest kam später zu der Erkenntnis, dass die bekennenden Weltjugendtagsbesucher auch vorher schon in der Kirche aktiv gewesen waren. Unbeteiligte, die nicht zu einer kirchlichen Organisation gehörten, hatten Besseres zu tun, als sich bekehren zu lassen. Das große Revival des Glaubens war im Grunde also nicht mehr als ein kleines Dornbuschfeuer.

»Also die Hardcorechristen waren halt diejenigen, die im Flugzeug die Bibel gelesen und den Rosenkranz gebetet haben, damit sie nicht abstürzen. Die Weihrauchkiffer waren eher die, die rumgegrölt haben, Spaß hatten und Party gemacht haben.«

EIN PILGER GEGENÜBER DEM FORSCHUNGSKONSORTIUM WELTJUGENDTAG

In Wirklichkeit könnte die Lage für den Nazarener Fischerverein nicht viel apokalyptischer aussehen. Zumindest in Deutschland. Während weltweit die Zahl der 2,1 Milliarden Christen wächst, kündigen hierzulande jedes Jahr Hunderttausende ihr Abo mit der Paradiesprämie: Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus, und das seit vielen Jahrzehnten. Infolge der Missbrauchsskandale hat die Zahl der Kirchenaustritte im vergangenen Jahr sogar einen neuen Höchststand erreicht: Weit über dreihunderttausend Menschen verließen 2010 die katholischen und evangelischen Kirchen, zum ersten Mal hatte die katholische Kirche größere Verluste zu beklagen als ihr lutheranischer Ableger. Zahlreiche Statistiker wie jene von der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (FOWID) gehen durch Hochrechnungen mittlerweile davon aus, »dass etwa um 2025 die Mehrheit der bundesdeutschen Bevölkerung keiner der beiden großen Kirchen mehr angehören wird«.

Höchste Zeit, dem Christentum endlich die letzte Ölung zu verpassen, meinen Kirchen- und Glaubenskritiker. Bisher sprach für die Kirche noch eine hohe Glaubwürdigkeit in moralischen Dingen, aber die Zweifel in der Bevölkerung wachsen rasant – kein Wunder bei der miesen Presse: Die Satire-Zeitschrift Titanic kassierte einen Verweis für ihr Titelbild im April 2010, bei dem ein Priester in eindeutiger Stellung vor dem Gekreuzigten kniet. »Ist Gott nur eine Wahnvorstellung?«, will unterdessen das ZDF wissen; »Wie glaubwürdig ist die Kirche?«, fragt der SWR; »Heidenspaß statt Höllenqual« und »Auslaufmodell Kirche?«, titelt der WDR; Anne Will talkt mit ihren Gästen über die Missbrauchsfälle; der Stern enthüllt »Lügen, Blut und Weihrauch. Die dunklen Geheimnisse der Kirche« im Jahr nach dem Weltjugendtag; »Ich glaube, ich trete aus«, meinte das Zeit Magazin; der Journalist und Autor Dirk Kurbjuweit erklärte jüngst im Spiegel, »warum sich die Demokratie endgültig vom Christentum befreien muss«, und Karen Duve veröffentlicht ebenda ein »Plädoyer wider den Glauben« mit dem Titel »Welt ohne Gott«. Auch diverse religionskritische Bücher wie Der Gotteswahn des britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins verkauften sich wie früher Ablassbriefe und standen hierzulande monatelang auf den oberen Plätzen der Bestsellerlisten. Die wachsende Zahl von Ungläubigen findet ein Sprachrohr in atheistischen Verbänden wie der Giordano Bruno Stiftung, die in letzter Zeit bundesweit durch Talkshowauftritte und kirchenkritische Aktionen in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit erregen. Der Tenor der Humanisten, Kirchenkritiker und Evolutionsbefürworter: Warum sollen Christen in hohen Ämtern weiterhin Staat und Medien beeinflussen, wenn sie bald in der Minderheit sind?

Die Kirchen sind eine der Grundfesten unserer Gesellschaft, das wiederholen Politiker und Kirchenobere allerorten gebetsmühlenartig auf diese Vorwürfe hin. Doch immer mehr Menschen fragen sich, ob es angemessen ist, dass die Glaubensriesen jedes Jahr staatliche Zuschüsse in Milliardenhöhe einstreichen dürfen – und wofür überhaupt? Viele überlegen, ob sie die Kirche überhaupt vermissen würden, wenn es sie morgen nicht mehr gäbe. Diese Menschen halten sie für komplett überflüssig – oder jedenfalls nicht mehr für den Hüter von Glauben und Moral, geschweige denn für einen Hort des Friedens. Dreiundvierzig Prozent der Deutschen können sich laut einer ALLBUS-Umfrage des Gefühls nicht erwehren, dass die Welt ohne Religion friedlicher wäre.

Und Gott? Den hat es nie gegeben, zumindest wenn man dem prominenten Physiker Stephen Hawking Glauben schenkt. In seinem Buch Der große Entwurf schreibt er, kein höheres Wesen habe bei der Erschaffung des Weltalls die Hände im Spiel gehabt. »Spontane Schöpfung ist der Grund, warum es statt des Nichts doch etwas gibt, warum das Universum existiert, warum wir existieren.« Es sei »nicht notwendig, sich auf Gott zu berufen«.

Die religiöse Lage erinnert aus unternehmerischer Sicht an die letzte Finanzkrise: Der Aktienkurs der Christentum AG ist im freien Fall. Der Grund sind wie immer Managementfehler. Die Marke ist schwer beschädigt worden, nicht zuletzt deswegen, weil der Konzern nicht auf transparente Geschäftsprozesse setzt. Es fehlt an Glaubwürdigkeit. Die Nachfrage auf dem deutschen Markt ist deshalb zusammengebrochen. Die Gläubigen haben dem Vorstand die Entlastung verweigert. Der Allmächtige hat seinen Posten geräumt, das Bodenpersonal kann entlassen werden.

»Immer mehr Menschen glauben an Wiedergeburt, regenerative Energien und Brustvergrößerung. Immer weniger Menschen glauben an Gott, geschlossene Immobilienfonds und die Rente.«

DIETER NUHR

Doch was würde uns erwarten, wenn wir wirklich ganz auf Kirche und Religion verzichten? Wenn man dem Vatikan glaubt, ist die Antwort eindeutig: Chaos und Verdammnis. Papst Benedikt XVI. warnte noch vor dem Weltjugendtag 2011, dass »die Welt ohne Gott zu einer Hölle wird«. Auch aus wissenschaftlicher Sicht ist es vielleicht gar nicht so klug, auf himmlischen Beistand zu verzichten. Forscher wie der Anthropologe Richard Sosis haben herausgefunden, dass religiöse Gemeinschaften in der Geschichte im Schnitt eine vierfach höhere Überlebenswahrscheinlichkeit besaßen als jene, die keinem Glauben angehörten. Tatsächlich waren vor allem solche Gemeinschaften von Bestand, die den Lebensstil ihrer Anhänger besonders stark reglementierten. Der Publizist Ulrich Schnabel sieht in seinem Buch Die Vermessung des Glaubens gar einen Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg einer Gesellschaft und ihrer Religiosität: »Vermutlich hat sich das Christentum auch deswegen auf der ganzen Welt verbreitet, weil diese Religion das ökonomische Denken eher fördert als hemmt.« Weitere gern genannte Argumente für einen gottgefälligen Lebensstil: Gläubige Menschen sind glücklicher, sie bekommen im Durchschnitt mehr Kinder als nichtreligiöse, sie sind strebsamer, hilfsbereiter und ehrlicher. Für die Aufrechterhaltung des klerikalen Treibens sprechen danach die Aufrechterhaltung von Werten, Moral und Sozialsystem.

Klingt ganz danach, als stünden genauso viele Dinge auf der Pro- wie auf der Contra-Seite. Sie müssen sich nur noch entscheiden. Doch wem wollen Sie glauben? Immerhin gibt es keine Beweise: Manches muss man einfach glauben – oder eben nicht. Glauben Sie beispielsweise an die Jungfrauengeburt? An einen allmächtigen Schöpfer, bei dem man gleich drei Götter für den Preis von einem bekommt? Und wie finden Sie die Zehn Gebote? Sie können natürlich auch an gar nichts glauben, außer, dass selbst der Tod nicht umsonst ist und es einen am besten an der Theke oder bei Ausübung der schönsten Nebensache der Welt mit einem attraktiven Partner erwischt. Und dann stehen auch noch Schutzengel, Horoskope, Heilsteine aus Atlantis und die Kraft von magischen Händen zur Auswahl, die allesamt um Ihre Gunst buhlen.

Es muss nicht immer Christentum sein: In Sachen Religion ist Deutschland heute so vielfältig und unübersichtlich wie nie zuvor. Früher lief das alles geordneter, da gab es nur zwei große Konfessionen in Deutschland, von jeder aber reichlich: Die beiden Amtskirchen teilten die Bundesbürger zu ziemlich gleich großen Teilen unter sich auf. Statistisch gesehen. Heute ist das anders: Unser Land steckt in einem großen Transzendenztohuwabohu. Es gibt Menschen, die glauben alles Mögliche. Manche stellen sich vor, es gäbe unsichtbare Teekannen, die um die Sonne kreisen, andere finden sich zusammen, um Rituale für ein fliegendes Spaghettimonster abzuhalten. Wir wissen nicht mehr, was andere glauben, was genau wir selbst eigentlich glauben und wem wir überhaupt noch glauben könnten, wenn wir das wollten. Zu diesem unglaublichen Glaubenskompott, in dem wir stecken, fällt uns nur eines ein: Heilige Scheiße!1

Derzeit ist Religion einer der beliebtesten Gesprächsstoffe, und Befürworter und Gegner streiten in Print und TV so heftig wie seit langem nicht mehr: So zofften sich zum Beispiel prominente Atheisten und Gläubige beim Diskussionsabend »Disput Berlin!«. Der Pressereferent der Giordano Bruno Stiftung, Philipp Möller, erklärte das Christentum zur Tradition eines »primitiven Hirtenvolkes« und zitierte Albert Einstein, der die jüdische Religion einmal den »Inbegriff des kindischsten Aberglaubens« genannt hatte. Gefundenes Fressen für Wilhelm Imkamp, Theologe und Wallfahrtsdirektor, der daraufhin schimpfte: »Ich ärgere mich nur, dass Sie im Namen von Aufklärung vom jüdischen Aberglauben sprechen. Und die jüdische Religion disqualifizieren! Und dann kommen Sie hin und sagen, die Katholische Kirche hat die Juden verfolgt! Die Judenverfolger, das sind Sie!«

Wenn es um Religion geht, bleiben die Gemüter selten kühl. Auch der Islam sorgte in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren für reichlich Kontroverse. Natürlich könnten wir in diesem Buch auch darüber oder über andere Weltreligionen reden. Doch darum geht es uns nicht. Es geht um die Menschen, die wie wir selbst mit dem Christentum aufgewachsen sind, sich irgendwann dafür oder dagegen entschieden und danach nicht mehr viele Fragen gestellt haben. Es ist eine Generation, die oft nicht mal zwischen Glaube, Religion und Kirche zu unterscheiden weiß und die Mitgliedschaft manchmal nur wegen der schönen Feiern und der monatlichen Sozialspende noch nicht gekündigt hat. Reden wir also über das Christentum. Und stellen wir uns die Frage: Wären wir ohne Religion wirklich besser dran? Braucht heute überhaupt noch irgendwer das Christentum, oder könnten wir es abschalten wie ein altes Atomkraftwerk?

Es wird daher in diesem Buch um verführerische Obstbäume im Paradies gehen, um die Unmöglichkeit des Allerhöchsten, um die Kirche als Religionsverwalter und um das schönste Märchenbuch der Welt: die Bibel. Nicht zuletzt möchten wir zeigen, was aus jenen wird, die zwar gern an etwas glauben wollen, aber das Christentum trotzdem an den Nagel hängen.

Zuerst soll es aber um diejenigen gehen, die unerleuchtet im deutschen Paradies leben und denken, Spiritus Sanctus wäre eine Spezialität aus dem Schnapsregal. Wie viel christliche Lehre steckt noch in unseren Köpfen, oder herrscht dort eher christliche Leere?

Haftungsausschluss

Das vorliegende Buch ist kein Gebetsbuch, keine Predigt und auch nicht das Wort zum Sonntag. Es wirft Fragen auf. Beim Lesen kann es Ihnen passieren, dass Sie zweifeln: an Gott, der Kirche, den Gläubigen und an sich selbst. Es kann Ihnen auch passieren, dass Sie lachen: über Gott, über die Kirche, über die Gläubigen und über sich selbst. Glauben ist immer etwas Persönliches. So auch in diesem Buch. Vielleicht sind Sie anderer Meinung – diese ist uns als Teil des Spektrums höchst willkommen. Denn fest steht nur eins: Eine Wahrheit, die man pachten kann – die gibt es nicht.

1 DENN SIE WISSEN NICHT, WAS SIE GLAUBEN SOLLEN

Von der christlichen Leere in unseren Köpfen

Wenn es um Religion geht, sind heute viele von uns kleine Arschlöcher. Denn wir sind ähnlich ahnungslos wie die aufmüpfige Comicfigur, wenn wir uns zu feierlichen Anlässen ausnahmsweise einmal in die Kirche verirren. In dem Film Das kleine Arschloch und der alte Sack– Sterben ist Scheiße segnet der Großvater, der alte Sack, das Zeitliche, als er während einer Beerdigung in einen Sarg fällt und bei lebendigem Leib begraben wird. Das kleine Arschloch besucht deshalb zum ersten Mal seit langer Zeit einen Gottesdienst:

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