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Dieses Buch ist die Essenz jahrzehntelanger Praxis mit ätherischen Ölen und der intensiven Erforschung ihrer Wesen und Wirkungen. Nach dem Leitsatz: "Je grundlegender wir ein Öl verstehen, desto stärker wirkt es" führt uns der erfahrene Heilpraktiker Thomas von Rottenburg tief in die faszinierende Welt der ätherischen Öle. Mit diesem Buch halten wir eine umfassende praktische Hausapotheke in den Händen, in der die Wirkungen der Öle durch deren innewohnende Lebensprinzipien verständlich werden. Die dreizehn zentralen ätherischen Öle decken eine beeindruckende Bandbreite von Krankheiten und Beschwerden ab. Der ausführliche Anwendungsteil geht auch auf bislang wenig bekannte, jedoch besonders wirksame Anwendungsarten ein. Sowohl Neuankömmlinge im Reich der Öle als auch erfahrene "alte Hasen" werden aus diesem Buch reiche Früchte ernten.
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Seitenzahl: 482
Veröffentlichungsjahr: 2016
Bücher haben feste Preise.
2. durchgesehene Auflage 2020
Thomas von Rottenburg
Heilkunde der Ätherischen Öle
© Thomas von Rottenburg/Neue Erde GmbH 2015
Für die Zeichnungen: Ana Pogačnik
Alle Rechte vorbehalten.
Titelseite:
Foto: Thomas von Rottenburg
Gestaltung: Dragon Design
Satz und Gestaltung:
Dragon Design
eISBN 978-3-89060-190-8
ISBN 978-3-89060-659-0
Neue Erde GmbH
Cecilienstr. 29 · 66111 Saarbrücken
Deutschland · Planet Erde
www.neue-erde.de
Widmung, Danksagung, Haftungsausschluß
Einleitung
Eine kleine Gebrauchsanweisung
GRUNDLAGEN
Die vier Wege der Wirksamkeit und die vier Tore zum Menschen
Die mineralische Welt und die konventionelle Medizin
Die ätherische Welt und die ätherischen Öle als Brücke
Der Emotionalkörper und die ätherischen Öle
Die Ich-Kräfte in ihrem Bezug zu den ätherischen Ölen
Das ätherische Öl als ein lebendiges Gegenüber und Träger eines höheren Lebensprinzips
Die Destillation – ein ätherisches Öl wird geboren
Andere Gewinnungsverfahren von ätherischen Ölen
Die Wesenserkenntnis als Schlüssel zu einer höheren Wirksamkeit
Das innere Verbinden mit den Ölwesen – ein meditativer Weg
Offene Meditation zu einem Ölwesen
Die Lebensprinzipien der ätherischen Öle
Erlöster und unerlöster Ausdruck
Der diagnostische Wert der Öle
Eine ganzheitliche Biochemie
Zu der »Gefährlichkeit« von ätherischen Ölen
DIE ÄTHERISCHEN ÖLE
Die Botschaften der Ölwesen und die Beschreibungen ihrer Lebensprinzipien
Die Zeichnungen der Ölwesen – von Ana Pogačnik
Das Basilikumöl
Das Immortellenöl
Das Ingweröl
Das Nelkenknospenöl
Das Pfefferminzöl
Das Ravintsaraöl
Das Rosengeranienöl
Das Schafgarbenöl
Das Silberwermutöl
Das Thymian-thujanol-Öl
Das Vetiveröl
Das Zypressenöl
Das Drachenblut
DIE ANWENDUNG
Die ätherische Wahrnehmung – so unbekannt und doch unschätzbar für die Arbeit mit ätherischen Ölen
Wege zum richtigen Öl – die Ölefindung
Wege der Anwendung
Die Öldispersionsbäder – der Quantensprung in der Anwendung der Öle
Symptom- und Wirkungsregister
Anmerkungen
Bibliographie
Über den Autor
Dieses Werk hätte nie seine Form und Qualität erreicht ohne meine geliebte Frau Ana. Liebste Ana, deine Liebe, deine Anregungen, deine Geduld und deine Inspiration haben mich durch die ganze Zeit der Entstehung dieses Buches getragen und beflügelt. Dein Sein und deine Gaben haben in mir entscheidende Wendungen und Vertiefungen für dieses Buch bewirkt. Hab Dank für deine starken und wunderbaren Zeichnungen, die den Wesen der Öle eine noch intimere Präsenz in diesem Buch geben und ihnen eine weitere Tür in das Bewusstsein der Menschen öffnen.
Dieses Buch ist ein Gemeinschaftswerk. Viele Menschen haben zu diesem Buch beigetragen. Menschen, die sich den Ölwesen und mir in meiner Praxis anvertrauten, durch die ich so viel gelernt habe; Menschen, die in meinen Seminaren oder den Seminaren von Ana und mir gemeinsam mit uns geforscht und gelernt haben; Menschen, die bereit waren, zusammen mit den Wesen der Öle in Tiefen abzutauchen und Höhen zu erklimmen, um verwandelt und bereichert wieder zurückzukommen.
Euch allen gilt mein tiefster Dank. Mein inniger Dank gilt auch den unermüdlichen Freunden, den sichtbaren und den unsichtbaren, die dieses Buch mit mir überarbeitet haben. Insbesondere danken möchte ich Sibylle und Thomas Batsching sowie Zita Weckenmann für Eure geduldige und treue Hilfe. Mögen die Früchte unserer gemeinsamen Arbeit durch dieses Buch vielen, vielen Menschen zugute kommen.
Die Inhalte dieses Buches wurden vom Autor nach bestem Wissen zusammengestellt und dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen, Heil- oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information oder Quellen garantiert oder eine diesbezügliche Haftung übernommen werden. Autor und Verlag übernehmen keine Haftung, wenn ein bestimmter Zweck oder Erfolg nicht eintritt.
Das Buch ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker und darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Die hier dargestellten Informationen sind nicht als Aufforderung zur Selbstbehandlung oder Selbsterkennung von Krankheiten oder Beschwerden zu verstehen. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Heilpraktiker, Arzt oder Zahnarzt Ihres Vertrauens! Bei Erkrankung eines Tieres suchen Sie einen Tierarzt auf.
Wie in anderen Bereichen auch, kommt ein Quantensprung an Wirksamkeit dann zustande, wenn fortgeschrittene geistige Erkenntnisse ins Praktisch-Physische übersetzt werden können. Was für technische Fortschritte gilt, wo konsequente Forschung in raffinierte Technik umgesetzt wird, so dass beispielsweise Automotoren bei höherer Leistung immer weniger Energie verbrauchen, gilt genauso für den Bereich unserer Gesundheit und Krankheit. Man kann sagen, dies gilt sogar in gesteigertem Maße für unsere Gesundheit und Krankheit – und zwar aus dem schlichten Grund, dass wir nicht nur physisch-vegetative Wesen sind, sondern auch aus Seele und Geist bestehen. Als Seele und Geist sind wir direkt empfänglich für höchste seelisch-geistige Kräfte. Die ätherischen Öle sind solche Kräfte, die noch dazu ihre seelisch-geistige Kraft bis in unseren physischen Körper übersetzen. Je besser wir sie verstehen und uns mit ihnen verbinden können, desto kraftvoller werden die Resultate sein, desto größer die Entwicklungssprünge, die wir vollziehen können. Von daher geht es in diesem Buch neben der Hausapotheke auch um innere Weiterentwicklung.
Im Bereich von Gesundheit und Krankheit sind die Ausgangspositionen klar. Wir haben Krankheiten und Krisen, die wir so fruchtbringend wie möglich überwinden wollen. Und wir haben Heilmittel, wie die ätherischen Öle, die uns evolutionär sehr nahestehen. Im Unterschied zu anderen natürlichen Heilmitteln teilen wir mit den ätherischen Ölen sogar unsere unmittelbare seelisch-geistige Herkunft. Viel mehr als Mineralien, Pflanzen oder Tiere, sind sie unsere allernächsten Verwandten. Nur leider, man kann auch sagen zum Glück, sprechen sie eine andere Sprache, als wir das tun. Ihre äußere Sprache ist der Duft. Sie sprechen auch in anderer Weise. Doch müssen wir uns innerlich ein wenig aufschwingen, um ihre Sprachen zu verstehen. Ein großer Schatz an Heilwegen und Entwicklungsmöglichkeiten wartet darauf, gehoben zu werden. Wir stehen erst ganz am Anfang dieses Weges.
In den hier behandelten 12 + 1 ätherischen Ölen liegt quasi eine ideale »Mannschaft« vor, die eine erstaunliche Bandbreite von Symptomen und Erkrankungen des Alltages meistern hilft.
Dieses Buch will einen Beitrag dazu leisten, die Sprache der ätherischen Öle besser zu verstehen und die enormen Möglichkeiten, die sie für uns bereithalten, tiefer zu durchdringen. Damit diese Reise so erfreulich und gewinnbringend wie möglich wird, braucht es eine angemessene Grundausstattung. Im Folgenden bemühe ich mich, diese Grundausstattung bereitzustellen, und wünsche eine gute Reise.
Herzlichen Glückwunsch zur Entscheidung für dieses Buch! Es ist als ein echter Lebensbegleiter konzipiert, der einem Jahr für Jahr weitere Türen in die reiche Welt der ätherischen Öle öffnen kann – ob für die Behandlung der kleineren und größeren Notfälle und Erkrankungen, die zum Leben dazugehören, oder für die eigene innere Entwicklung. Da die Kapitel auf einander aufbauen, ist es natürlich am besten, das Buch von vorne nach hinten zu lesen. Genauso kann man jedoch jedes Kapitel unabhängig von den anderen lesen. Es ist wie ein Lesebuch zur Heilkunde der ätherischen Öle, das man sich mit der Zeit immer tiefer erschließen kann.
Über das allgemeine Symptomregister und die Symptomverzeichnisse der Öle hat man bei Bedarf einen schnellen Zugang, um zu dem passenden Öl zu kommen. Wirklich fruchtbar wird das Symptomregister allerdings erst vor dem Hintergrund der Ölcharakterisierungen, die das Herzstück dieses Buches bilden. In diesen Ölkapiteln gibt es jeweils einen Abschnitt, in dem das Ölwesen selbst zu Wort kommt. Anschließend erläutere ich das Lebensprinzip des Ölwesens. Erst durch die Lebensprinzipien sind wir in der Lage, den Kontext zu verstehen, aus dem heraus ein Öl seine Wirksamkeit entfaltet. Die Lebensprinzipien der ätherischen Öle helfen uns zu differenzieren, welches Öl in einer gegebenen Situation richtig ist.
Der Zugang zu den Ölkapiteln wird um einiges schöner, befriedigender und inniger, wenn man beim Lesen das jeweilige ätherische Öl riechen kann und so im unmittelbaren Kontakt mit dem Ölwesen steht. Für die bessere Lesbarkeit benutze ich verschiedentlich die männliche Sprachform, die gleichermaßen für die weibliche und männliche Schreibweise steht.
Ätherische Öle wirken auf verschiedenen Wegen auf den Menschen. Und der Mensch wiederum ist durch verschiedene Vermittlungsebenen oder verschiedene Bereiche seines Wesens erreichbar. Um diese unterschiedlichen Vermittlungsprozesse in ihrer therapeutischen Bedeutung genauer zu verstehen, ist die Viergliederung in mineralische Welt, Welt der Lebenskräfte, Welt der Emotionen und Gefühle und die Ich-Sphäre enorm hilfreich. Darum charakterisiere ich im Folgenden diese Viergliederung – auch vier Vermittlungsebenen, Leiblichkeiten, Reiche oder Wesensglieder genannt:
Die erste der vier Sphären ist die mineralische Welt. Sie umfasst die gesamte unbelebte Welt. Die belebten Pflanzen, Tiere und auch wir Menschen, obwohl aus Erdenstoffen aufgebaut, fallen dem Mineralreich erst wieder zu, sobald sich das Leben aus unseren Körpern zurückzieht. Mit dem Tod setzen die Verfallsprozesse ein, die den physischen Körper wieder ganz zu Erde, in seine mineralischen Einzelbestandteile zerfallen lassen. Die gesamte Physik mit all ihren Gesetzmäßigkeiten, wie wir sie kennen, bezieht sich auf diesen Bereich. Der enorme technische Fortschritt unserer Zivilisation baut darauf auf. Die konventionelle Medizin, obwohl sie sich mit Krankheit und Gesundheit des Menschen befasst, bezieht in ihrer therapeutischen Ausrichtung die anderen drei Vermittlungsebenen bislang kaum mit ein. Sie nimmt zwar die Phänomene teilweise zur Kenntnis, setzt sich jedoch mit deren Gesetzmäßigkeiten bislang nicht auseinander. Zwar entschlüsselt sie immer weitergehende Zell- und Körperfunktionen und weiß um den biochemischen Aufbau von Enzymen, Botenstoffen, Hormonen und vielem mehr. Und natürlich wirkt die konventionelle Medizin über mineralische Substanzen auch auf die drei anderen Leiber. Allerdings geschieht das hauptsächlich in abbauender, dämpfender oder manipulierender Art und nicht so, dass sich die verwendeten Substanzen organisch aufbauend in die höheren Leiber eingliedern können.
Ein Beispiel wären Antidepressiva, die zwar zunächst scheinbar entlastend auf die Gefühle und damit auf den Emotionalleib wirken. Menschen, die über Jahre Antidepressiva genommen haben und dann davon weggekommen sind, sagen im Nachhinein: »Es war zwar eine Entlastung, doch letztlich war ich die ganze Zeit gedämpft und mir selbst fremd – eigentlich war das eine verlorene Zeit. Das, was der Depression zugrunde lag, wurde nicht verarbeitet, sondern an die Seite gestellt.« So gibt es viele eigentlich segensreiche Entwicklungen der konventionellen Medizin, die erst, wenn sie im Übermaß und mit Ausschließlichkeitsanspruch eingenommen werden, mehr Schaden als Nutzen bringen.
Für starke Schmerzen gibt es glücklicherweise Mittel, die die Schmerzweiterleitung blockieren. Entzündungen können eingedämmt und viele Infektionen mit Antibiotika beseitigt werden. Fehlende Hormone werden künstlich synthetisiert und gegeben. Unerwünschte Hormone werden durch die synthetische Variante des Gegenspielers ausgesetzt. Es wird substituiert, unterdrückt, anästhesiert und, wenn nötig, beispielsweise durch Antibiotika abgetötet. Gerade in der Intensivmedizin werden phantastische Leistungen erbracht und tagtäglich Leben gerettet. Wer will schon die herausragenden Möglichkeiten der Chirurgie missen, wenn sie notwendig werden? Charakteristisch für die Mittel der konventionellen Pharmazie ist, dass ihre Präparate ausschließlich in eine festgelegte Richtung wirken. Nehmen wir den Blutdruck als Beispiel – ein Präparat senkt zu hohen Blutdruck, ein anderes steigert zu niedrigen. Jedes Präparat hat eine bestimmte Wirkrichtung, für die es tätig wird. Es gibt kein konventionelles Präparat, das, je nach Bedarf, sowohl zu hohen Blutdruck senkt wie einen zu niedrigen steigert. Das verhält sich anders bei ätherisierten Heilmitteln aus der nächsten Sphäre. Mehr dazu im nächsten Kapitel.
Eines der Hauptgesetze der unbelebten Welt ist das Gesetz der Schwerkraft. So können wir genau berechnen, wenn ein Apfel vom Baum fällt, wie lange er fallen wird, wie groß die Beschleunigung sein wird und wie stark der Aufprall auf den Boden. Was uns diese Gesetze nicht erklären können, ist jedoch, wie der Apfel auf den Baum hinauf gelangt. Wie der Baum entgegen der Schwerkraft Wasser und Mineralien aus der Erde herausholt und daraus den Apfel wachsen lässt. Wie wir wissen, treten Gesetzmäßigkeiten in aller Regel in Polaritäten auf. Das heißt, zur Schwerkraft muss es eine Auftriebskraft geben. Hier kommen wir allerdings in den Bereich der nächsten Sphäre mit anderen Gesetzen.
Wie der Name schon sagt, sind ätherische Öle nicht nur Teil der physischen, sondern genauso Teil der ätherischen Welt. Die ätherische Welt ist die Grundlage des Lebendigen schlechthin, sie ist das, was alles Lebendige am Leben erhält. Sie baut uns auf und versorgt uns mit Lebenskräften. Der Vermittler dieser Lebenskräfte ist das wässrige Element. Die Ätherwelt durchdringt die physische Welt – und ist in vielerlei Hinsicht doch ihr Gegenteil. Die physikalischen Gesetze gelten nur für die physische Welt. Die Ätherwelt hat ihre eigenen, sehr anderen Gesetzmäßigkeiten. In der physischen Welt ist alles voneinander getrennt – für die ätherische Welt gilt das Gegenteil. Wie in einem unendlichen Meer ist alles verbunden.
Eine wunderbare Weisheit waltet hier. Es ist die Welt der Lebenskräfte. Wie wir unseren physischen Leib als dichteste Materie haben, ist es für die Elementarwesen, zu denen auch die ätherischen Öle gehören, ihr ätherischer Körper. Auch wenn die Flüssigkeit des ätherischen Öles auf eine Art ihr physischer Körper ist, sind sie nicht daran gebunden. Sie können sich auch völlig unabhängig davon bewegen. Ihre eigentliche Form finden wir in der ätherischen Welt und in der Astralwelt,* wo ihr seelisches Element zuhause ist.
Diese Sphäre war den Menschen der Urvölker noch zugänglich – weshalb für sie die Welt in einem ganz anderen Maße als für uns eine sprechende war. Deshalb erlebten sie jeden Busch, jeden Fels, jede Blume als ein wesenhaftes Gegenüber. Auch wir können uns diese Welt wieder erschließen.
Einmal abgetrennt von allem, der Welt gegenüberstehend, konnten wir ein individuelles Bewusstsein erwerben. Auch wenn es so erscheinen mag, ist dies kein Rückschritt, sondern evolutionäre Notwendigkeit und Fortschritt. Aus dem individuellen Einzelbewusstsein heraus können wir uns jedoch wieder Brücken in die ätherische Welt bauen, an der wir immer noch teilhaben. Das uns Selbstverständliche, Bewusste und Allgegenwärtige ist die physische Welt. Die ätherische Welt ist genauso allgegenwärtig, nur ist sie uns in aller Regel nicht bewusst. Die ätherischen Öle als Schwellenwesen beider Welten können uns helfen, diese andere Welt besser zu verstehen.
Jedes wie auch immer geartete Medikament muss von unserem Ätherleib ätherisiert, das heißt, in den Bereich des Lebendigen aufgenommen werden, bevor es in uns wirksam werden kann. Man kann unseren physischen Leib nicht unabhängig vom Ätherischen betrachten. Tut man es doch, kann man nur vom toten Körper sprechen. Ätherisierte Heilmittel wie ätherische Öle können, im Gegensatz zu synthetischen, ihre Wirkung an die Bedürfnisse des Körpers anpassen. Nehmen wir den Blutdruck als Beispiel: So kann das Basilikumöl sowohl zu niedrigen Blutdruck steigern als auch zu hohen senken. Die Ölwesen lesen sich quasi in die vorliegenden Verhältnisse ein und bringen ihr ausgleichendes Prinzip zur Wirkung.
Wir erleben an uns selbst, wie es um unsere persönliche Äthersphäre, unseren Ätherleib bestellt ist. Auf welchem Fuße wir mit den Auftriebskräften stehen, merken wir daran, wie schwer oder leicht wir uns fühlen, wie schwer oder leicht unser Gang ist, ob wir zu physisch geworden sind oder zu flüchtig, zu leichtfüßig. Um dieses gesunde Gleichgewicht geht es: gut geerdet und zugleich beschwingt und frei in unserer Bewegung und unserem Sein. Mit unserem eigenen Ätherleib, auch Lebenskräfteleib oder Vitalleib benannt, sind wir Teil der Ätherwelt. Körperlich reicht der Ätherleib etwas über unseren physischen Leib hinaus, je vitaler wir sind, desto mehr. Als unser Lebensleib ist er der Träger unserer Lebenskräfte und Lebensprozesse. Er erhält alles im Lebenszusammenhang, was ohne ihn vergänglich ist. Durch ihn heilen Wunden; sämtliche Heilvorgänge in uns hängen mit ihm zusammen.
Generell bauen sich tagsüber, in unserem Wachbewusstsein, die Ätherkräfte ab und nachts im Schlaf regenerieren sie sich wieder. Organisch hängt die Leber, unser regenerativstes Organ, innig mit unserem Lebensleib zusammen – nicht umsonst sind die Wörter »Leber« und »Leben« sehr ähnlich. Das zentrale Steuerorgan des Ätherleibes ist die Hypophyse. In dem Zusammenhang sollten wir wissen, dass Jod, beispielsweise im Jodsalz, die Hypophyse blockiert und damit den gesamten Ätherleib schwächt. Das Argument, die Schilddrüse brauche es, hinkt, da die Schilddrüse schon mit der Jodkonzentration einer D12 den gesamten Stoffwechsel steuert.* Durch biologisch angebaute Lebensmittel nehmen wir in der normalen Nahrung mehr als genug Jod auf. Die Therapien, die speziell auf den Ätherleib wirken, sind beispielsweise die Akupunktur, die Osteopathie, die Craniosakrale Therapie, die rhythmische Massage oder Shiatsu. Alle anderen Therapien, die höhere Wesensglieder erreichen, wirken natürlich auch auf den Ätherleib.
Etwas von den Gesetzmäßigkeiten dieser Ätherwelt erleben wir schon, wenn wir uns kräftig und ungut mit jemandem gestritten haben. Danach fühlen wir uns ausgelaugt, unsere Lebenskräfte haben gelitten. Sie wurden durch unsere Lieblosigkeit und die unseres Gegenübers aufgezehrt. Unwissend haben wir uns gegen die Gesetzmäßigkeiten der ätherischen Welt verhalten und spüren dies durch einen unvermeidlichen Verlust an Ätherkräften. Haben wir jedoch einen besonders liebevollen Austausch mit jemandem, spüren wir, wie unsere Lebenskräfte aufblühen.
Als Steigerung gilt: Gelingt es uns, zu einem Menschen, den wir nicht mögen, freundlich zu sein – und zwar keine vorgetäuschte, sondern eine echt gemeinte Freundlichkeit – bewirkt das eine tiefgreifende ätherische Stärkung. Es ist eine starke Überwindungsleistung, unserer nicht unbeträchtlichen Neigung, die eigene Antipathie auszuleben, zu entsagen. Der sprichwörtliche »grüne Daumen« ist nichts anderes, als diese Liebeskräfte, die von dem Menschen auf die Pflanzen übergehen und sie besonders gut gedeihen lassen.
Es gibt allerdings im Leben manchmal herausgehobene, beglückende und beseelte Momente, bisweilen auch kürzere oder längere Zeiträume, in denen wir in viel elementarerer Weise als sonst mit der Welt, der Natur um uns verbunden sind. Dies kann durch die Liebe geschehen, durch Meditation oder uns in geeigneten Momenten auch spontan ereilen. Dann können wir mit der Natur fühlen, erleben uns in ganz anderer Art mit ihr verbunden, sind dann im wahrsten Sinne des Wortes eingebettet. Es sind poetische Momente, Momente, die an die Türen der Ewigkeit klopfen. Die Zeit bekommt eine völlig andere Qualität. Wir sind dann außerhalb dessen, was wir normalerweise als Zeit, unsere Alltagszeit, erleben und bezeichnen – in Wahrheit fangen wir dann erst an, in der Zeit, mit dem Wesen der Zeit zu sein. Dies sind schon stärkere Anklänge unserer Verbindung mit der ätherischen Welt, die Welt, in der die Wesen der ätherischen Öle zuhause sind, die Welt, von der sie künden, die Welt mit der sie uns verbinden können, uns zu verbinden wünschen.
Wie der Name schon kündet, besteht der Emotionalkörper aus unseren Emotionen, Gefühlen und Instinkten. Es gibt einige andere Bezeichnungen für den Emotionalkörper, wie Emotionalleib, Gefühlsleib, Gefühlskörper, Empfindungsleib oder Astralleib, die ich nachfolgend verwende, um etwas beweglich zu bleiben. Der Gefühlsleib ist unsere Empfindungssubstanz. Die ganze Bandbreite von Sympathie, Antipathie, Trieben, Begierden bis hin zu unseren höchsten Idealen gehört in diesen Bereich. Seine physischen Anker sind das Nervensystem und die Nieren. Deshalb gehen uns emotionale Tiefschläge so stark an die Nieren.
Der Emotionalkörper durchdringt den physischen Leib und Ätherleib, ragt dabei über den Ätherleib noch hinaus. Je älter wir werden, desto sichtbarer schreibt sich der Emotionalkörper mit seinen Färbungen und Haltungen in den physischen Körper ein, am stärksten in unserem Gesichtsausdruck. Während der Ätherleib uns belebt, beseelt uns der Emotionalkörper. Er macht uns zu emotionalen, fühlenden, sehnenden, empfindenden, liebesfähigen und liebessehnsüchtigen Wesen. Von den höchsten, erhabensten Gefühlen über die einfachsten Triebe bis hin zu unseren negativsten Emotionen – alles das gehört in diese Sphäre. Das vermittelnde Element zwischen der empfindenden Substanz und unserem physischen wie ätherischen Körper ist die Luft. Schon die alten Griechen wussten: Mit dem ersten Atemzug zieht die Seele in uns ein, so, wie wir sie im letzten Atemzug wieder ausatmen. Je tiefer unser Atem, desto wohler fühlen wir uns und verbundener mit uns selbst sind wir. Umgekehrt, je ängstlicher oder gar panischer wir sind, desto flacher wird der Atem. Wie stark Seele und Atem zusammenhängen, kann man beim Asthma sehen. Schon ein kleiner Auslöser, vielleicht das Bild einer Katze, kann bei einem Katzenhaarallergiker einen asthmatischen Anfall auslösen, ohne einen wirklichen Kontakt mit Katzenhaaren. In der klassischen Medizin findet der Bereich des Emotionalkörpers am ehesten in der Psychosomatik Eingang, die sich im weitesten Sinne mit der Wirkung der Seele auf den Körper befasst.
Ein Charakteristikum des Emotionalleibs ist, dass er sich gegen alle wahre Veränderung stemmt, insbesondere gegen Selbsterkenntnis, die ihn an einem ungezügelten Sich-selbst-Ausleben hindert. Es ist jedoch auffällig, wie oft wir bei uns selbst Nachsicht walten lassen und wie streng wir mitunter in der Beurteilung anderer sind. Wer weiß nicht, wie es ist, wenn einen schier übermächtige Gefühle geradezu übermannen, wir die Beherrschung verlieren und es dann später sehr bereuen. Da hat sich der Emotionalkörper durchgesetzt.
Andere Vereinseitigungen des Emotionalleibes sind Neid, Geiz, Eifersucht, Habsucht, Geschwätzigkeit oder Kritiksucht, eine verstecktere Form des Neides. Ebenso gehören die Ängste dazu, deren Hauptursache noch wenig bekannt ist. Grundsätzlich ist die Angst eine Nebenwirkung unseres falschen Denkens. Wenn wir im Denken Irrtümern aufsitzen und sie nicht bemerken, entsteht ein Spalt. Wir reichen nicht mehr ganz an die Realität heran. Dadurch wird unser innerer Lebensboden wackeliger – woraus unter anderem die Ängste resultieren.
Ein gravierender Irrtum ist der Materialismus, die Verleugnung des Geistigen. So gehen Angst und Irrtum Hand in Hand. Die Seele ist ein wirklicher Kampfplatz, auf dem sich verschiedenste Einflüsse geltend machen, viele davon nicht in unserem höheren Interesse. Es ist das Feld, wo sich entscheidet, inwieweit wir Herr im eigenen Hause werden oder hin und her gerissen von widerstrebenden Gefühlen, Sympathien, Antipathien, Trieben und Begierden. Im Emotionalleib befinden wir uns im Subjektiven und Halbbewussten. Das Gefühl ist an sich schon eine Wahrnehmung, die noch nicht gedankenklar ist und doch etwas Wichtiges und Wahres mitteilen möchte. Wenn wir merken, etwas stimmt nicht an einer Angelegenheit, ist es zunächst einmal ein unbestimmtes, doch reales Gefühl. Daraufhin können wir gedanklich untersuchen, wo die Widersprüche liegen – was nicht stimmt. Wir überprüfen, was dem Gefühl zugrunde liegt. So sind wir mit dem Gefühl oft zunächst näher an der Realität, als mit unseren Gedanken. Nicht umsonst spricht man von einem Wahrheitsgefühl oder Wahrheitsempfinden und nicht von einem Wahrheitsgedanken. Vor zwei starke Wahlmöglichkeiten gestellt, für die beide sehr viel spricht, können wir oft nur mit dem Bauchgefühl, oft gegen manche vordergründige Vernunft entscheiden, was das Richtige für uns ist. Oder wie oft realisieren wir im Nachhinein, nachdem wir einen schweren Fehler machten oder getäuscht wurden: Eigentlich haben wir es vorher geahnt und gefühlt.
Für unsere gesamte höhere Entwicklung spielt der Emotionalleib und das richtige Verhältnis von unserer Gefühlsfähigkeit zum Denken eine entscheidende Rolle. Gibt uns der Gefühlsleib doch das Feingefühl, das empfindende Wahrnehmen dessen, was stimmig und richtig ist. Das Taktgefühl beispielsweise lebt ganz von dieser feinen Empfindungsfähigkeit für den anderen. Die ganze Art, wie wir uns zueinander in Beziehung setzen, lebt davon. Und gerade bei der geistigen Weiterentwicklung ist die Verfeinerung des Gefühls gar nicht hoch genug einzuschätzen, warnt sie uns doch im Gefühl vor Wesen, die sich perfekt zu verkleiden wissen, die Meister der Täuschung sind. Rudolf Steiner weist immer wieder darauf hin, dass Christus und Luzifer in der geistigen Welt äußerlich nicht zu unterscheiden sind. Beide sind sie wunderschön und lichtvoll. Der einzige Unterschied: Luzifer fehlt die Demut – und die kann man nur erfühlen, wenn man sie sich selbst erschlossen hat. Zusammen mit unserem Karma, das ja in der Regel mit alten Verfehlungen unseres Emotionalleibes zusammenhängt, spielt der Emotionalleib eine maßgebliche Rolle für unsere Krankheitsdisposition, für die Ursachen unserer Erkrankungen.
Je mehr wir zum Spielball unseres Emotionalleibes werden, desto stärker ist das der Fall. Schmerz und Krampfgeschehen kommen zustande, wenn sich der Gefühlsleib im Ätherischen gewissermaßen verhakt. Es geschieht Folgendes: Der Gefühlsleib braucht den Ätherleib, um sich mit dem physischen Körper zu verbinden. Im Bild gesprochen, bedient er sich eines bequemen Ätherbettes. Ist der Ätherleib stark, kann der Gefühlsleib sich frei darin bewegen, hat es sozusagen gemütlich. Wird der Ätherleib in manchen Körperbereichen zu dünn, muss der Gefühlsleib sich gewissermaßen verhaken, um sich überhaupt halten zu können. Und das erleben wir als Schmerz oder in gesteigerter Form als Krampfgeschehen. So sind Menschen mit einem schwachen Ätherleib schmerzempfindlicher als glücklichere Zeitgenossen mit einem stärkeren Ätherleib. Während der Ätherleib in der Substanzbildung lebt, hat der Emotionalleib körperlich mehr mit Formkräften und Abbauprozessen zu tun.
Entzündungen werden im Emotionalleib gezündet. Die Führung der Entzündung obliegt allerdings der nächst höheren Organisationsebene, den Ich-Kräften. Sowohl überschießende Entzündungsreaktionen, beispielsweise in Allergien oder manchen Autoimmunprozessen, wie im Gegenteil, bei gedämpfter Reaktionsfähigkeit, der Anergie, beispielsweise bei Krebs, stehen im direkten Bezug zum Emotionalleib. Überschießende Reaktionen oder eine zu schwache Reaktionsfähigkeit deuten auf eine fehlende innere Balance und Ruhe. Der Emotionalleib bekommt dadurch zu sehr seinen »Eigenlauf« – es fehlen die ordnenden und stärkenden Ich-Kräfte.
Die Therapien, die in diesen Bereich und ebenso in dem vom Emotionalleib durchdrungenen ätherischen und physischen Leib wirken, sind zum Beispiel die Homöopathie, die Phytotherapie, die Bachblüten sowie die klassische Aromatherapie. Aber auch auf Akupunkturpunkte gesetzte Stimmgabeln oder geklebte pflanzengefärbte Seidenstücke sprechen unseren Gefühlsleib an.
Jedes Öl kündet uns von seelischen Urbildern, von höheren Lebensprinzipien. Die Ölwesen sind himmlische Boten, die uns an unsere kosmische Heimat erinnern und uns hier auf der Erde unseren Stand zu den Idealen aufzeigen, die sie verkörpern. Insofern wirken sie unmittelbar erhebend, verfeinernd und reinigend auf unseren Emotionalleib – abhängig davon, wie tief wir ihr heilendes Angebot in uns aufnehmen können. Ätherische Ölwesen sprechen unmittelbar unsere Gefühle an und wirken über den Gefühlskörper auf die anderen Leiber. Sie sind uns sympathisch oder weniger sympathisch. Im Riechen des Öles liegt etwas ausgesprochen Geheimnisvolles vor, das bei keiner anderen irdischen Substanz der Fall ist. Wir riechen nicht, wie beim Geruch des Plätzchenbackens den Duft der Plätzchen, die im Ofen gerade gebacken werden – was wir geruchlich alle ähnlich beschreiben würden, sondern wir riechen die innere Substanz des Ölwesens, den himmlischen Bezug des Ölwesens auf unseren Gefühlsleib oder Sternenleib übersetzt. Das Ölwesen ist wie eine geistige Flamme, die unsere momentan erreichte Qualität oder Entwicklungsstufe seines Lebensprinzips beleuchtet. Sprich, indem wir ein ätherisches Öl riechen, riechen wir natürlich das Öl, aber noch vielmehr riechen wir uns selbst. Es zeigt uns, wie wir mit unserem Gefühlsleib von seinem höheren Prinzip, von unseren höheren Möglichkeiten Gebrauch machen oder uns davon entfernt haben.
Zu dieser Erkenntnis gelangen wir allerdings nur, wenn wir über unsere Sympathie und Antipathie hinauskommen. Sympathie oder Antipathie sind wertvolle Wahrnehmungen, sie werden jedoch zum Hindernis, wenn wir uns mit ihnen identifizieren. Um ihnen den rechten Platz einzuräumen, brauchen wir jedoch unser nächst höheres Wesensglied, die nächsthöhere Bewusstseinsebene – unser Ich.
Die Wesen der Öle bringen unsere ungelösten Emotionen hoch. Emotionen sind gefrorene, nicht gefühlte Gefühle, die bei entsprechendem Anlass hochkommen, um gefühlt und erkannt zu werden. Dazu jedoch müssen wir innehalten, zunächst einmal aushalten, was da hochkommt, dem Raum geben und es fühlen – auch wenn es schmerzhaft, traurig und scheinbar unerträglich ist. Das Ausagieren unserer Emotionen befreit sie nicht – sie bleiben ungefühlt und unerkannt und werden sich bei nächster Gelegenheit wieder ihren Raum nehmen. Im Fühlen dagegen nehmen wir uns ihrer an. Sie schmelzen, können integriert und erlöst werden, und unser Gefühlsleben ist um diese Nuance gereifter. Natürlich verlangt das eine ganz andere innere Aktivität als ein eher automatisches Ausagieren. So sind die ätherischen Ölwesen eine unschätzbare Hilfe für die Reinigung und Verfeinerung unseres Emotionalleibes.
Auf der anderen Seite können die ätherischen Ölwesen aber auch unglaublich befreiend wirken. Dann nämlich, wenn wir uns mit einem Ölwesen verbinden, dessen Lebensprinzip für uns wie eine Offenbarung ist. Nehmen wir das Basilikumölwesen mit seinem Prinzip der Authentizität als Beispiel: Wenn jemand, der von Kindesbeinen an zuerst durch seine Eltern, dann in der Schul- und Berufsausbildung stets an seinem authentischen Ausdruck gehindert wurde, nun das Basilikumölwesen tief in sich aufnimmt, wird er Glücksgefühle bis hin zur Euphorie erleben. Endlich wird eine große Sehnsucht erfüllt. Wie Balsam wirkt das Ölwesen, körperlich wie auch seelischgeistig. Es ist ein echtes Nach-Hause-Kommen, ein Gefühl, wie nach der Befreiung aus einem Gefängnis: Ein ganz neues Lebensgefühl stellt sich ein. Tiefe Entspannung und Glücksgefühle machen sich breit.
Eine solche Reaktion zeigt an, dass nichts in ihm dem Basilikumprinzip im Wege steht, alle Türen stehen offen. Wie Manna kann er das Ölwesen in alle Schichten seines Wesens aufnehmen. Es ist natürlich ein großes Geschenk, wenn so etwas geschieht. Finden wir für einen Menschen ein Ölwesen, welches so etwas auslöst, bedeutet das eine Erlösung. Nicht selten brauchen wir allerdings ein Öl, das zunächst Blockiertes und Ungelöstes hochholt, um es zu verarbeiten – und das sind in der Regel nicht die Öle, die wir gerne riechen.
Leider bleiben viele Menschen im Umgang mit den ätherischen Ölen bislang noch im Emotionalleib hängen. Man nimmt die Öle, die einem besonders gefallen oder von denen man weiß, dass sie symptomatisch helfen. Sie werden nach den bekannten Indikationen eingesetzt. Um sicherzugehen, dass sie ihre Wirkung auch tun, mischt man verschiedene Öle mit denselben Indikationen zusammen. Damit lässt sich symptomatisch auch einiges erreichen. Es kommt beispielsweise zu einer ätherischen Stärkung, manche Blockaden werden gelöst, astrale Verhakungen in Schmerzen und Krämpfen gelockert, Schmerzen gelindert, Muskeln entspannt, Wunden heilen schneller oder Nerven beruhigen sich. Obwohl durch die Öle emotional wie körperlich schon viel geschieht, ist die erste Begegnung im Gefühlskörper erst das Tor zu einer wesentlich tieferen und heilsameren Begegnung mit dem Wesen des Öles. Bleiben wir vor diesem Tor stehen, bringen wir uns um das wirklich Kostbare, Besondere und schlichtweg Revolutionäre der ätherischen Ölwesen. Begegnen wir ihnen dagegen bewusst, können wir nicht nur ihre wunderbaren Qualitäten immer tiefer in uns aufnehmen, sie helfen uns zu erkennen und überwinden, was in uns ihrem Wesen im Wege steht. Natürlich verlangt das eine höhere Aktivität, natürlich kommen unter Umständen unbequeme Gefühle und Erkenntnisse hoch, aber dafür werden wir reich belohnt. Auf der Gefühlsebene entscheidet sich, ob wir bei unseren Empfindungen zu einem Öl stehenbleiben oder daran erwachen, sie als Selbstwahrnehmung und Eingangspforte zu einer großen Möglichkeit der Verwandlung und Begegnung begreifen. Die innere Instanz, die uns dabei beflügelt, der es um unser inneres Wachstum geht, ist unsere nächsthöhere Vermittlungsinstanz, unser Ich.
Das Ich ist unser Wesenskern, das Bleibende in all unseren Wandlungen und Entwicklungen. Unser Wesenskern ist geistiger Natur. Er trägt alle unsere zukünftigen Potentiale in sich, ist die Quelle unserer schöpferischen Kraft und ist die Kraft der Liebe. Das Ich arbeitet unaufhörlich daran, dass wir unsere Potentiale und Liebeskraft immer mehr verwirklichen. Obwohl wir zum Beispiel mit fünf Jahren ein solch anderes Menschenkind waren, äußerlich ganz anders aussahen, seitdem viel erlebt, erkannt, verarbeitet und gelernt haben, sorgt doch ein stetes inneres Gefühl dafür, dass wir uns durchgehend als Ich erleben. Unabhängig, ob mit 5, 23, 47 oder 72 Jahren – dieses Kontinuumgefühl ist die Wahrnehmung unseres Wesenskernes, unseres Ichs. Das vermittelnde Element des Ichs ist die Wärme. In unserer Wärmeresonanz sind wir höchst individuell. Was den einen vor Begeisterung geradezu sprühen lässt, lässt den anderen völlig kalt. Inneres Interesse und Erwärmung hängen unmittelbar zusammen. Verbindende und verbindliche Wärme hilft uns, einer Sache oder einem Menschen treu zu sein. Begeisterung kann mich schnell von einer Sache zur nächsten tragen, für die ich entflammen kann.
Das körperliche Äquivalent zu dieser bisweilen überschießenden Begeisterung ist die Tendenz zu Entzündungen. Erst ein verinnerlichtes Wärmegefühl bringt die Früchte tragende Vertiefung. Andererseits, wenn ich mich für gar nichts erwärmen kann, mich nichts wirklich berührt, werde ich auf Dauer konstitutionell erkalten und im weiteren Verlauf potentiell Kälteerkrankungen wie Rheuma oder Krebs entwickeln. Unser Wärmeorganismus begegnet einer solchen Erkaltungstendenz wiederum mit durchwärmenden Entzündungen. Je schwächer das Immunsystem, desto überschießender und damit schädigender sind die Entzündungen.
Das Ich trägt unsere tiefsten Lebensmotive in sich. Es ist die treibende Kraft, wenn wir spüren, dass wir etwas verändern müssen, dass etwas Entscheidendes in unserem Leben nicht mehr stimmt. Es möchte, dass wir ein immer stärkeres, schöpferischeres, verantwortungsvolleres und liebenderes Glied der Menschheit werden. Das ist das Ziel der Ich-Werdung, der heute oft falsch verstandenen Individualisierung. Als Menschen sind wir auf Entwicklung ausgerichtete Wesen. Je stärker dieser Entwicklungsimperativ in uns zum Tragen kommt, desto stärker wirkt die Ich-Kraft.
Die Ich-Kraft ist unmittelbar mit der Körpertemperatur und unserem Immunsystem verbunden. Die ideale Körpertemperatur liegt bei etwa 37° C – da schöpft unser Immunsystem aus dem Vollen, unsere Ich-Kräfte sind optimal wirksam, wir befinden uns in unserem Lebensstrom, auch wenn es äußerlich gerade schwierig sein mag. Mit anderen Worten, wir können den Dingen, die uns herausfordern, aus unserer eigenen inneren Substanz, unserer eigenen Quelle heraus begegnen. Heutzutage gilt eine Temperatur von 36° C - 36,5° C als normal – ein Zeichen, wie geschwächt die Ich-Kräfte und das Immunsystem allgemein sind.
Unser Ich hilft, uns die Ereignisse unseres Lebens in einen sinnstiftenden Zusammenhang mit unserer Biographie zu bringen, manchmal auch erst Jahre später, unabhängig wie freudig, schmerzhaft, willkommen oder abstrus die Ereignisse sind. In unserem Ich ist der Geist lebendig. Es ist unser Anteil am Ewigen. So erringt sich das Ich mehr und mehr Führung über Leib und Seele. Es ist unsere heilige Aufgabe, dieses Zukünftige immer mehr in unser Leben zu bringen. Das Ich beflügelt unsere Antwortfähigkeit auf die Dinge, die auf uns einstürmen. Nicht, was von außen auf uns zukommt, egal wie niederträchtig es sein mag, verletzt uns oder macht uns krank – unsere Antwort darauf ist es, die uns schwächt oder stärkt, kränkt oder gesundet. Was für ein wunderbares Element der Freiheit uns da geschenkt ist!
Allerdings liegt es an uns, es auch zu ergreifen. Unsere Ich-Kraft wird herausgefordert, wenn wir stark kritisiert werden, große Verluste oder Traumata erleiden oder schwer erkranken. Gerade schwere Schicksalsschläge können die größten Beförderer unserer Ich-Kräfte sein, wenn wir sie denn für uns fruchtbar machen können.
Im Gegensatz zur Pathogenese, der Entstehung von Krankheit, hat der Begründer der Salutogenese, der israelische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky, die Entstehung von Gesundheit erforscht. In einer breit angelegten Studie zur Menopause machte Antonovsky eine aufschlussreiche Entdekkung: Ein erstaunlich hoher Prozentsatz der Frauen, die im Holocaust seelisch und körperlich schrecklichste Traumata erlitten hatten, waren im hohen Alter bei guter Gesundheit. Als er sich näher mit den Ursachen dafür beschäftigte, stellte er fest, dass das von ihm so benannte »Kohärenzgefühl« der ausschlaggebende Faktor dafür ist. Es ist die Fähigkeit, auch extreme Stressfaktoren bis hin zu traumatischen Ereignissen in einen sinnhaften Kontext einzuordnen und in die eigene Lebensgestaltung positiv zu integrieren. Antonovsky beschreibt die drei bestimmenden Faktoren, die ein kohärentes Lebensgefühl vermitteln.1
Erstens das Gefühl der Verstehbarkeit, das uns in die Lage versetzt, bislang Unverständliches verstehbar zu machen und in unser Gesamtverständnis des Lebens einzuordnen. Hier geht es vor allem um die Möglichkeit, zu verstehen. Diese Qualität bringt uns auf einen Pfad des Wachstums.
Zweitens das Gefühl der Handhabbarkeit, wobei wir das Gefühl haben, das Leben gestalten und steuern zu können, und wir somit auch unsere Zukunftsfähigkeit bewahren.
Drittens das Gefühl der Sinnhaftigkeit, das uns hilft, auch den schwierigsten Umständen im Leben einen Sinn zu verleihen und dadurch für die Zukunft aus ihnen Früchte bilden zu können.
Interessant ist, dass Antonovsky jeweils das Gefühl in den Vordergrund stellt. Das Gefühl stellt sich ein, selbst wenn die eigentliche Fähigkeit der oben genannten Punkte noch nicht vollständig errungen ist und höchstwahrscheinlich auch nie vollständig errungen werden kann. Ich kann das Gefühl der Verstehbarkeit haben, selbst wenn ich noch längst nicht alles Schwierige in meinem Leben oder in der Welt verstanden habe; aber ich weiß, es ist verstehbar, und ich werde es mir mehr und mehr erschließen. Diese drei Fähigkeiten vermitteln ein souveränes Lebensgefühl, das in gewisser Weise unabhängig macht von den äußeren Umständen. Auch in den schrecklichsten Verhältnissen geben diese Fähigkeiten innere Freiheit und Unabhängigkeit. Ohne dass er den Begriff des Ichs benutzt, beschreibt Antonovsky grundlegende Ich-Fähigkeiten. Mit ihnen können wir die größten Widerstände, die übelsten Widrigkeiten in unsere größten menschlichen Fortschritte verwandeln.
Ein anderes beeindruckendes Beispiel für eine starke Wirkung der Ich-Kraft ist Victor Frankl. Nachdem die Nazionalsozialisten seine ganze Familie umgebracht hatten, stand er vor der Alternative, den Rest seines Lebens zu hassen oder innerlich einen großen Schritt zu vollziehen. Er entschied sich für Letzteres und setzte alles daran, gerade die Menschen zu lieben, bei denen er allen Grund gehabt hätte, sie zu verabscheuen. Im Konzentrationslager war ihm aufgefallen, dass diejenigen, die einen tieferen Sinn im Leben hatten, auf die ein geliebter Mensch oder eine Lebensaufgabe wartete, wesentlich größere Überlebenschancen hatten. Aufgrund seiner Erfahrungen begründete er die Logotherapie. Zentrale Punkte darin sind die Selbsttranszendenz, womit er die Hingabe an hohe ethische Werte, einen Menschen oder eine wichtige Aufgabe meint, sowie die Selbstdistanzierung, der humorvolle Abstand zu sich selbst.2
Goethe formulierte so treffend: »Wer ist denn dieses Wesen, das mir Freude, das mir Leid bewirkt? Ich nenn es ›Ich‹. Spricht in mir der Intellekt, so bin ichs nicht. Spricht in mir der Geist, dann kann ich´s werden.« Welch wahre Worte Goethe hier spricht und gleichzeitig auf eine große Gefahr hindeutet, der wir gern aufsitzen: unserem Intellekt, der das Gegenteil unseres Ichs ist. Wie leicht können wir uns in der dünnen Sphäre des Intellekts verfangen und merken oft erst danach: Nichts Substantielles, nichts wirklich Neues, nichts in der Tiefe Berührendes ist geschehen. Wir können ihn sehr wohl fühlen, den Unterschied zwischen unlebendigen Gedanken und stärkendem, schöpferischem, geistinspiriertem Denken.
Das Ich lebt in der Freude – die Freude, etwas Schönes oder Gutes vollbracht zu haben, die Freude an einer warmen menschlichen Begegnung, die Freude über eine gute Nachricht oder einen überraschenden, lieben Besuch. Wir alle kennen ja auch das schale Gefühl freudloser Zeiten. Die Freude ist unser wirklicher Lebensausdruck, und das fühlen wir schmerzlich, wenn sie uns fehlt. In der Langeweile, der inneren Leere oder weiter gesteigert in der Depression, meldet sich unser leidendes Ich, das uns sagt: »Es wird Zeit, dass du aktiv wirst und mehr zu dem kommst, was dich ausmacht. Sonst lebst du an dir selbst vorbei.« Dies sind nicht unbedingt die Ermahnungen, die man gerne hört. Erst, wenn wir der wenig hilfreichen Neigung der Zerstreuung, der Selbstbetäubung und der Flucht vor uns selbst entsagen und unserer inneren Stimme folgen, wendet sich das Blatt.
Leicht wird das Ich mit dem Ego verwechselt, das Teil unserer weltlichen Persönlichkeit ist, um gut dazustehen, eine bessere Position zu haben oder unsere selbstbezogenen Interessen durchzusetzen. Zunächst ist das Ego durchaus wichtig für uns, hilft es uns doch, überhaupt unseren Platz in der Welt zu finden, eine gesunde Selbstbehauptung zu entwickeln und für unsere irdischen Belange einzustehen.
Bevor wir in gesunder Weise selbstlos werden können, müssen wir erst einmal in gewisser Weise »selbstvoll« werden. Manche spirituellen Richtungen machen den Fehler, das Ego nur als Übel darzustellen, das es zu überwinden gilt. Das Ego hat jedoch die klare Mission, uns erst einmal dezidiert selbst zu behaupten und gründlich zu erden. Sonst entsteht die Gefahr, zu selbstlos zu werden und damit die Ich-Entwicklung gravierend zu schwächen. Die andere Falle besteht darin, im Ego hängenzubleiben und so die eigene Ich-Entwicklung zu sabotieren. In diesem Fall geht es in erster Linie um uns, um unsere persönliche Erfüllung, und dann gibt es nichts, was die Selbstbezogenheit bändigt und läutert – denn dazu bedarf es des Ichs.
Das Ich ist demgegenüber die innere Stimme, die warnt, wenn wir zu weltlich werden oder zu abgehoben, wenn wir anderen Unrecht tun oder zu sehr auf den eigenen Vorteil bedacht sind. Es ist die Stimme, die uns zu neuen Ufern treibt, wenn die alten nicht mehr tragen, die uns die Richtung ändern lässt, wenn wir uns im Leben verlaufen haben, uns zur Verinnerlichung ruft, wenn wir zu äußerlich geworden sind, oder die uns in die Welt ruft, wenn wir uns zu sehr zurückgezogen haben. Das Ich steht für das gesunde Maß, das wir für unsere Weiterentwicklung brauchen. Es ist die Kraft der Läuterung bis hin zu überpersönlicher Entfaltung. Man kann sagen, das Ich-Gefühl ist unser Entwicklungsbarometer, das uns immer wieder an unsere doppelte Bürgerschaft von geistiger und irdischer Welt erinnert.
Das Immunsystem als biologischer Abdruck unseres Ichs unterscheidet eigen von fremd, bekämpft konsequent alles Fremde und bewahrt so biologisch unser Bestehen. Alles Neue müssen wir verarbeiten, mit dem Bekannten ins Verhältnis setzen, um es dann in richtiger Form zu integrieren oder abzuweisen. So ist Leben ein ständiges Sich-neu-Ausrichten, Neu-Justieren, Sich-neu-Finden. Die Konstante darin, der gesunde Maßstab, die Wahrheitsinstanz, der Leitstern ist unser Ich. Das Ich ist die treibende Kraft, unser Bewusstsein fortlaufend zu erweitern, unsere Beziehungen inniger werden zu lassen und tiefer in die Liebe einzutauchen. Bei allem Wandel erleben wir es als unser tiefes inneres Zufriedenheitsgefühl. Insofern ist es wichtig, das landläufige Verständnis des Immunsystems, das in erster Linie auf die Bekämpfung von Krankheitserregern und entarteter Zellen abhebt, um die Kraft des Integrierens, des innerlichen Vertiefens und Erweiterns zu ergänzen. Wir werden nicht dadurch immunstärker, dass wir alles vermeintlich gegen uns Gerichtete bekämpfen. – Im Gegenteil, dabei erschöpfen wir uns.
Das Beispiel der Pestärzte im Mittelalter kann uns da im Verständnis des Immunsystems entscheidend weiterhelfen. Wohl wissend um die damit für sie selbst verbundene Gefahr, konnten sie nicht anders, als den leidenden Pestkranken in ihrer Not zu helfen. Ihr Mitgefühl für die Hilfsbedürftigen war größer als die Angst um die eigene Gesundheit. Und diese echte Menschenliebe hat sie immun gemacht. Ebenso gibt es zahlreiche Beispiele von HIV-Erkrankten, die erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert wurden. Obwohl ihre Krankheit schon Jahre bestand, wurden ihre Partner, trotz eines aktiven Liebeslebens, nicht angesteckt.
Das Immunsystem wird um so stärker, je stärker wir unser Ich, unsere wirkliche Rolle im Leben zur Geltung bringen, je mehr wir zur Welt das beitragen, was in uns veranlagt ist. So anspruchsvoll sich das auch anhören mag, um nichts weniger geht es. Und was ist denn befriedigender, als wenn wir große Schritte darauf zu tun?
Wenn wir die Biographien großer Menschen betrachten, die Maßgebliches zur Weltentwicklung beigetragen haben, wie Mahatma Ghandi, Nelson Mandela, Martin Luther King, Abraham Lincoln, Samuel Hahnemann oder Rudolf Steiner, so leuchtet ein hohes Maß an Transzendenz hervor. Sie verbanden eine außergewöhnliche Selbstlosigkeit mit der beeindruckenden Ich-Kraft für das einzustehen, was ihr höherer Auftrag verlangte.
Was die Realisierung unserer Potentiale angeht, dürfen wir die berühmten zwei Straßengräben links und rechts der Straße, des goldenen Mittelweges nicht vergessen: Der eine Graben ist das Zuviel und der andere das Zuwenig: das Zuviel im Sinne von zu gierig, zu selbstbezogen, zu machtorientiert und das Zuwenig im Sinne von zu altruistisch, zu schnell nachgebend, zu selbstlos, die eigene Größe verleugnend, zu wenig seiner selbst mächtig – beides schwächt unser Ich, beides schwächt unseren Beitrag in der Welt, beides schwächt unser Immunsystem.
Das große Geheimnis des Ichs ist die Selbstlosigkeit gepaart mit einer starken Denkkraft, Liebeskraft und Tatkraft, sich für Gutes, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, die rechte Entwicklung einzusetzen. Das Gegenteil liegt beispielsweise in der Autoimmunerkrankung vor: Das Immunsystem erkennt bestimmte eigene Körperstrukturen nicht mehr und bekämpft sie deshalb als fremd. Für fast jedes Organ gibt es eine Autoimmunvariante. Diese Immunverwirrung ist das körperliche Abbild einer Entfremdung von sich selbst, von dem eigenen Potential auf der Ich-Ebene. In der Behandlung von Autoimmunerkrankungen gilt es herauszufinden, worauf diese tiefe Entfremdung oder Abspaltung zurückgeht, die zumeist in der frühen Kindheit liegt. Es geht darum, das Öl zu ermitteln, das diese Entfremdung überwinden hilft. Ich erlebe es immer wieder: Ist nur die wirkliche Ursache erst einmal gefunden, wird der innerseelische Zusammenhang seiner Autoimmunerkrankung für den Menschen bewusst, tritt gleich eine Besserung ein, noch bevor ein Öl gegeben wurde. Dies zeigt wie unmittelbar die Ich-Wirkung ist.
Die Ich-Kraft ist unser schöpferisches Potential, unsere kreative Kraft, deshalb leiden wir, wenn wir uns davon entfernen oder uns sogar dagegen verhalten. Gerade besonders kreative Menschen sind oft Beispiele, die uns zeigen, wie wir uns von Konventionen freimachen müssen, um die schöpferischen Kräfte in uns zur Geltung zu bringen. Martin Luther oder in späterer Fortsetzung der gleichen Linie Martin Luther King sind sprechende Beispiele für diese weit über den persönlichen Bereich wirkenden Kräfte. Die Ich-Kraft lässt uns gegen Ungerechtigkeit aufstehen. Sie möchte, dass wir ins Gericht mit unseren eigenen Schwächen gehen. Sind wir niedergeschlagen, ist es die Ich-Kraft, die uns an unser eigenes Potential erinnert. Sie hilft uns, konstruktiv mit Kritik umzugehen, die uns ja letztlich weiterhelfen kann, so sie denn berechtigt ist. Über unsere Ich-Kräfte sind wir an den Evolutionsprozess der Menschheit angeschlossen – sie befeuern uns, unseren Anteil an der Gesamtentwicklung beizutragen. Durch geistreiche Taten setzen wir die Schöpfung fort. Dem Ich geht es nicht um seelische Erfüllung, vielmehr offenbart es sich in unseren tiefsten Sehnsüchten und Idealen. »Das Ich kann sein Lichtverlangen an dem Sonnenschein der Außenwelt nicht befriedigen. Aber nach Sonnenschein verlangt es. Ahnend lebt es in dem Verlangen nach Sonnenschein. Als Selbst verlangt das Ich, Erfüllung aus der Selbstlosigkeit. Es ist immer auf dem Weg, aus dem Quell der Selbstsucht den Strom der Selbstlosigkeit erstehen zu lassen«, wie es Rudolf Steiner ausdrückt.3
Wir alle kennen Momente, in denen wir neben uns stehen – nicht bei uns sind, wie es der Volksmund so schön umschreibt, wenn die Ich-Kräfte schwach und wir von uns selbst entfremdet sind. Genauso kennen wir das zart erhebende Gefühl, den stillen Jubel von Momenten, in denen wir, über uns hinausgewachsen, Dinge vermochten, die wir uns selbst nicht zugetraut hätten, uns selbst überwunden haben zu einer größeren Wirksamkeit, zum Gewinn für viele. Nicht gemeint ist der sich selbst auf die Brust trommelnde Ego-Triumph, der das Gegenteil davon ist. Das physische Vehikel unserer Ich-Kräfte nennt man die Ich-Organisation – dazu gehören neben dem Immunsystem das Herz, das Blut, die Bauchspeicheldrüse, die Haut, die Sinnesorgane, das Bindegewebe und das Knochensystem. In diesem Zusammenhang ist es gut zu wissen, dass Cortison die Ich-Organisation angreift, Knochensubstanz abbaut, zu Osteoporose beiträgt, unsere Aufrichtung und Augen schwächt, die Abwehrkräfte dämpft und bei Kindern zu Wachstumsstörungen führen kann.
Rudolf Steiner wies uns in diesem Zusammenhang auf eine für uns bahnbrechende Erkenntnis hin. In seinem Medizinerkurs 19204 schildert er aus seiner geistigen Forschung, dass es dieselbe geistige Quelle ist, die Pflanzen dazu veranlasst, ätherische oder fette Öle zu bilden, die bei uns dafür sorgt, dass unser Ich sich mit seiner Zentralorganisation in unserem Körper verbindet. Unser Ich und die Wesen der ätherischen Öle entstammen derselben geistigen Heimat, schöpfen aus derselben geistigen Quelle – das macht unsere innige Verwandtschaft mit ihnen aus. So wird verständlich, warum die ätherischen Öle das Potential haben, so tief in unsere Ich-Sphäre zu wirken.
Allerdings bedarf es eines Zwischenschritts, um diesen bedeutsamen therapeutischen Quell zu erschließen: Das ätherische Öl ist das Resultat des Ölbildungsprozesses innerhalb der Pflanze. Die ölbildende Pflanze hat die Fähigkeit, eine kosmisch-dynamische Kraft in sich aufzunehmen und in ihrem ätherischen Öl zu verdichten. Durch diesen Verdichtungsprozess geht unweigerlich ein wesentlicher Teil der Dynamik verloren. Um die ursprüngliche kosmische Dynamik wieder zugänglich zu machen, müssen wir die ölverdichtenden Schritte im Ölbildungsprozess wieder zurück Richtung der viel höheren Dynamik umkehren. Dies gelingt über die Potenzierung im Wasserwirbel des Öldispersionsbades (mehr dazu in Kapitel »Wege der Anwendung«). So können wir die im Öl gebundene Dynamik über die Verwirbelung und Feinstverteilung des Öls im Wasser wieder zugänglich machen. Das ätherische Öl ist die Eingangspforte, durch die wir die wesentlich höhere Dynamik und therapeutische Potenz des vorgelagerten Ölbildungsprozesses erschließen.
Deshalb regte Rudolf Steiner an, Bäder mit feinstverteilten ätherischen Ölen zu geben, die die Ich-Kräfte therapeutisch ansprechen und stärken. Knappe dreißig Jahre später griff Werner Junge diesen Impuls auf und brachte damit die Öldispersionsbäder in die Welt. Jedes ätherische Öl vermittelt uns ein höheres Lebensprinzip aus der gleichen kosmischen Sphäre, der unser Ich entstammt. Damit sind sie direkte Verwandte unserer Ich-Kräfte. Weil das Ich direkt mit unserem kreativen Potential zusammenhängt, sprechen die künstlerischen Therapien, etwa Maltherapie, Musiktherapie, Theatertherapie, Sprachtherapie oder die Heileurhythmie, unsere Ich-Kräfte an. Unter den Therapien, die mit Substanzen arbeiten, sind es die Öldispersionsbäder, die über den Ölbildungsprozess unmittelbar unsere Ich-Kräfte erreichen. In nicht ganz so direkter Weise wirken auch die potenzierten Metalle auf unser Ich, da sie den Wärmehaushalt und damit unser Ich nicht so unmittelbar erreichen.
Der uns vertraute Teil des ätherischen Öls ist seine Flüssigkeit und der aus ihm aufsteigende Duft. Damit erleben wir jedoch nur das Äußerliche, den kleineren Teil seiner gesamten Wirklichkeit. Das flüssige Öl ist untrennbar mit dem lebendigen Wesen des Öles verbunden. Es ist dessen physischer Körper. Der Duft ist seine Aura. Immer wieder berichten Menschen von besonderen Situationen, in denen sie den Duft eines Öles gerochen haben, ohne dass ein ätherisches Öl physisch vorhanden war.
Ich kenne es aus Anamnesesituationen mit Patienten. Plötzlich ist der Duft eines Öles anwesend, ohne dass ich ein Fläschchen geöffnet habe. Das Wesen eines Öles gesellt sich zu uns und macht sich bemerkbar. Ich selbst habe eine Weile gebraucht, um dieses Phänomen richtig zu verstehen und hätte mir manchen Umweg ersparen können. Heute gebe ich dieses Öl zu riechen und sehe, was es bewirken kann. Meist stellt sich dann heraus: Es ist das entscheidende Öl für den nächsten Schritt im Prozess.
Hier kommen wir an die entscheidende Schwelle, die uns zu verstehen hilft, was ein ätherisches Öl wirklich ist. Es ist so viel mehr als eine mehr oder weniger gut riechende und heilkräftige Flüssigkeit. Der Umstand, dass ätherische Öle flüchtig sind, sie also vom Irdischen in den Kosmos zu entfliehen trachten, zeigt ihre kosmische Orientierung – ihren kosmischen Bezug.
Die Wesen der ätherischen Öle stehen auf der Schwelle zwischen irdischer und geistiger Welt – substantiell gesehen sind sie die geistigsten Substanzen, die es auf der Erde gibt. Man erkennt das an dem geheimnisvollen Umstand, dass ein ätherisches Öl für jeden anders riecht. Wenn wir Kaffee riechen, werden wir uns schnell einigen, womit wir es zu tun haben – jeder würde mehr oder minder die gleiche Duftnote beschreiben. Das ist beim ätherischen Öl sehr anders. Da kann es passieren, dass eine Gruppe von Menschen ein Öl riecht und die Duftbeschreibungen reichen von blumig über Garagengeruch bis hin zu Katzenurin. Warum? – Was wir im Öl riechen, ist unsere eigene Seelensubstanz. Wir riechen unsere Entwicklungsstufe in dem Lebensprinzip, welches das Öl verkörpert. Je unangenehmer ein Öl für uns riecht, desto blockierter unser Ausdruck seines Lebensprinzips.
Es ist ein Akt völliger Hingabe, den die Wesen der ätherischen Öle da für uns vollbringen – auch wenn wir das nicht zur Kenntnis nehmen. Im Duft, den sie für uns persönlich annehmen, geben sie sich ganz unseren Qualitäten oder Unzulänglichkeiten in ihrem Lebensprinzip hin. Sie fungieren für uns als eine Art Duftbarometer, das uns in der Duftnuance, die wir riechen, zeigt, wie unser momentaner Ausdruck ihres Prinzips riecht.
Man kann sich vorstellen, dass es für ein himmlisches und ebenso duftendes Ölwesen wie dem Rosenöl keine Freude ist, wenn es uns einen Uringestank oder Schimmelgeruch zu spiegeln hat – es sein eigenes Prinzip in so umgekippter, verunstalteter Weise für uns darstellen muss, weil das gerade unser momentaner Ausdruck seines hohen Prinzips ist. Die ätherischen Ölwesen liefern sich uns somit komplett aus, damit wir an ihnen lernen, an ihnen aufwachen können. Dabei stellen sie es vollständig in unsere Freiheit, ob wir etwas verändern und lernen wollen oder ob wir, abgestoßen von dem Geruch und in Unkenntnis seiner Bedeutung, uns einfach abwenden. Die Ölwesen spiegeln uns im Duft, welche Reinheit und welches Bewusstsein wir uns in ihrem Lebensprinzip bereits erarbeitet haben. Nicht umsonst sagen wir, wenn wir spüren, eine Angelegenheit ist moralisch in hohem Maße unsauber, dass sie stinkt. Natürlich stinkt sie nicht physisch, aber sie stinkt seelisch-geistig. Wir drücken damit eine Seelenrealität aus.
So spürt der Riechsinn auch die seelischgeistige Moralität auf, nämlich inwieweit wir im Einklang mit den höheren geistigen Gesetzen stehen. Gemeint ist die objektive Moralität der höheren Welten, der wir selbst entstammen und nach deren Prinzipien wir innerlich aufgebaut sind, und nicht die bürgerliche, gesellschaftliche oder weltliche Moral, die erfahrungsgemäß zuweilen fragwürdig ist. Die ätherischen Ölwesen sind Botschafter, Lehrer und Übersetzer von hohen Lebensgesetzmäßigkeiten, unter denen wir angetreten sind. Es ist die gleiche gesetzmäßige geistig-moralische Substanz, die unserer Gesundheit, unserer inneren Befriedigung und unserer höheren Entwicklung zugrundeliegt. Zwar kann ich mir Vorteile auf Kosten anderer verschaffen, nur werde ich damit langfristig nicht glücklich werden und werde meiner Entwicklung schaden. Ohne jeden moralischen Zeigefinger künden die ätherischen Ölwesen uns objektiv in ihrem Duft, wie gut wir auf unserem Weg oder wie weit wir abgeirrt sind.
Es ist so, als ob sie uns sagen würden: »Du sprichst meine Sprache gut oder eben nicht gut.« Das Ölwesen kann es wirklich beurteilen, da dieses Lebensprinzip seine Muttersprache ist. Nehmen wir diese Botschaft an, öffnet sich das Tor zu einer Fülle von Entwicklungsmöglichkeiten. Dazu allerdings müssen wir in einen inneren Dialog mit ihnen treten. Gerade dann, wenn der Geruch unangenehm ist, sprich, wir seine Sprache schlecht sprechen, sein Prinzip unbewusst eher verletzten, uns bislang dagegen verhalten, können wir unglaublich profitieren. Durch den Lernweg mit dem Ölwesen sehen wir unsere blinden Flecken innerhalb seines Prinzips. Wir verstehen, was wir in unserem Leben, an unseren Einstellungen ändern müssen, um zu einem reineren Ausdruck seines Prinzips zu kommen. Hat unser nachteiliger Umgang mit einem Lebensprinzip bereits zu körperlichen Symptomen geführt, kann das entsprechende Öl uns diesbezüglich physisch helfen. So wir innerlich auf die Ölwesen zugehen, ihre Sprache verstehen lernen und bereit sind, uns zu ändern, haben wir in den ätherischen Ölwesen unschätzbare und unfehlbare Meister, Lehrer und Heiler.
Zu einem Weg, wie man besonders fruchtbar mit den Ölwesen innerlich arbeiten kann, mehr in Kapitel »Das innere Verbinden mit den Ölwesen – ein meditativer Weg«.
Das Destillieren ist nichts anderes,
als das Subtile vom Groben
und das Grobe vom Subtilen
zu scheiden,
das Zerbrechliche oder
Zerstörbare unzerstörbar,
das Materielle unmateriell,
das Leibliche geistig,
das Unschöne schöner zu machen.
HIERONYMUS BRUNSCHWIG, 1512
Ätherische Öle sind eine gemeinsame Schöpfung von Pflanzenwelt und Menschenhand. Ohne den destillierenden Menschen hätten wir ebenso wenig ätherische Öle in unseren Händen wie ohne die pflanzliche Grundlage. Als erstes müssen wir zwischen dem ätherischen Öl in der Pflanze und dem ätherischen Öl, das wir durch die Destillation gewinnen, unterscheiden. Jeder, der einmal an einer frisch aufgeschnittenen Ingwerwurzel riecht und es mit ihrem destillierten Öl vergleicht, stellt diesen enormen Unterschied fest. Das destillierte Öl riecht milder, weicher und tiefer – spürbar verfeinert und geläutert. Es ist eine andere Welt. Die ganze Schärfe, das Drängende, fast Aufdringliche der Ingwerwurzel ist stark abgemildert, man könnte sagen, in eine fast balsamische Version dieser Schärfe verwandelt. Etwas Enormes, Tiefgreifendes muss sich in dieser Verwandlung ereignet haben. Grund genug, sich diesen geheimnisvollen Verwandlungsprozess der Destillation einmal näher anzuschauen.
Unterhalb des Pflanzenguts, das man destillieren möchte, wird Wasser zum Kochen gebracht. Der Wasserdampf steigt auf, löst das in den Pflanzen enthaltene ätherische Öl und nimmt es mit. Naturgemäß nimmt der Dampf nur die Duftmoleküle auf, die leicht genug sind, sich von ihm mitnehmen zu lassen – alles, was zu erdenschwer ist, bleibt in der Pflanze. Jene kleineren und leichteren Bestandteile des ätherischen Öles durchlaufen jetzt einen weiteren Feuer- und Wasserprozess.
Die Natur hat es so eingerichtet, dass die Temperatur des Wasserdampfes unter der Siedetemperatur der Ölbestandteile liegt. So erleiden die Duftmoleküle keine Einbußen. Der Wasserdampf verleiht den ätherischen Ölmolekülen Flügel in einen neuen Aggregatzustand hinein – nämlich den des Dampfes. Aus der Bindung in der Pflanze befreit, streben sie auf den Schwingen des Dampfes dem Kosmischen entgegen. Ätherische Öle sind innerhalb der Pflanze schon das Resultat von Abbauprozessen und damit ihrer Form weitgehend entledigt – so können sie als Blütenduft zum Beispiel weit über die Pflanzenform hinausduften und vom Seelischen der Pflanze künden. Dieses schon äußerst feine, jedoch noch irdische Gefüge unserer Duftmoleküle löst und lockert sich weiter in eine neue Empfänglichkeit und Transparenz. Sie werden noch subtiler; empfangsbereit, um neu imprägniert, neu informiert, kosmisch neu durchdrungen zu werden.
Über ein Rohr wird der nun bereicherte, kosmisch beschenkte, ölhaltige Dampf abgekühlt und in der sogenannten »Florentiner Vase« aufgefangen. Aus dem Dampf wird wieder Wasser und auf dem Wasser schwimmt das ersehnte ätherische Öl. Jetzt kann es abgeschieden werden. Öle wie zum Beispiel Vetiver oder Gewürznelke, die schwerer als Wasser sind, sinken auf den Grund der Florentiner Vase und werden dort über einen Hahn abgelassen. Das verbleibende kondensierte Wasser enthält auch noch Spuren des ätherischen Öls, vor allem größere wasserlösliche Duftmoleküle. Es ist das geschätzte Hydrolat. Meist durchläuft das Hydrolat den Destillierprozess mehrmals. Auf diese Weise wird es angereichert und so im Duft wie in der Wirksamkeit intensiviert.
Im Falle des Rosenöles ist es das Rosenwasser, das dem Marzipan seinen einzigartigen Geschmack verleiht. Man setzt es auf vielfältige Weise therapeutisch sowie in der Kosmetik ein. Im Gegensatz zum ätherischen Öl ist das Hydrolat nur begrenzt haltbar. Nach der Destillation ist das destillierte Pflanzengut ausgelaugt und von gräulicher Farbe. Die gesamte Lebenskraft ist in das ätherische Öl übergegangen. Unmittelbar nach der Destillation riecht das Öl noch verbrannt – wenig nach dem, wie es später duften wird. Je nach Öl dauert es Wochen, Monate oder gar Jahre, wie bei der Rose oder der Myrrhe, bis das Ölwesen seine volle Reife und Fülle entwickelt hat, bis es sich vollständig neu konstituiert hat. Man spricht vom sogenannten »Destillationsschock«. Das Pflanzenwesen geht in der Destillation durch einen Todesprozess und ersteht auf einer höheren Ebene wieder auf – das braucht seine Zeit. Die verschiedenen Stufen im Prozess der Verfeinerung, Läuterung, Vergeistigung und Reifung kann man riechen. Das ist das Einzigartige der ätherischen Öle – sie sind wiederauferstandene Wesen und doch über ihren Duft noch physisch wahrnehmbar!
Worin besteht nun die große Verwandlung der Destillation? Das irdische ätherische Öl der Pflanze ist zu einem kosmischen Botschafter geworden, zu einem Seelenlehrer, der unseren Geist beschenken möchte, unsere Seele läutern hilft und unseren Körper heilen kann. Etwas Unglaubliches ist geschehen. Das ursprünglich irdische, sterbliche, ätherische Öl der Pflanze ist kosmisch geworden. Unsterblich! Und doch irdisch verfügbar – in Form des destillierten ätherischen Öles. Es ist nun ein Wanderer zwischen den Welten geworden, zuhause in der geistigen Welt, ebenso zuhause im Irdischen. Entstanden ist die geistigste Substanz auf Erden.
