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Die zunehmende Spaltung in der Welt lässt sich durch die vom gängigen Verständnis abweichenden Überlegungen der »Singulären Psychologie« erklären. Dabei handelt es sich um eine neue psychologische Bewertung, die in diesem Buch beschrieben wird. Die »Singuläre Psychologie« geht von einem »psychologischen Determinismus« des menschlichen Willens aus und beweist, dass unsere Denkprozesse zu etwa gleichen Teilen bewusst und unterbewusst entstehen. Bewusstes und Unterbewusstes werden als zwei gemeinsam aktive Hälften unseres Denkvermögens angesehen, wobei die Einflussnahme des Unterbewussten in der Regel unbemerkt aus der Verdrängung erfolgt und zur Aufspaltung der globalen Meinungsvielfalt aus multikausalen Wertvorstellungen führt. »Singuläre Psychologie« stellt irrtümlich verdrängte Inhalte des Unterbewussten wieder her und erreicht damit eine neue rationale Ganzheit, die beide Hälften unseres Denkvermögens zu nutzen versteht. Auf diese Weise lassen sich multikausale Wertvorstellungen, die vielen Wahrheiten der zahlreichen unterschiedlichen Interessen, auf die monokausale Singularität reduzieren. Bei Akzeptanz singulärer Überlegungen entwickelt sich eine monokausale Lebensauffassung, welche das Verdrängte zum Positiven befreit hat und bevorzugt für Friedfertigkeit, eigenes Wohlbefinden und Gesundheit steht, was als Heilung der Spaltung bezeichnet werden kann. Die Heilung der Spaltung beginnt beim einzelnen Menschen, der durch sein Beispiel zur Weiterverbreitung beiträgt.
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Seitenzahl: 291
Veröffentlichungsjahr: 2018
Burkhardt von der Kall
Heilung
der
Spaltung
Copyright: © 2018: Burkhardt von der Kall
Umschlag & Satz: Erik Kinting – www.buchlektorat.net
Verlag und Druck:
tredition GmbH
Halenreie 40-44
22359 Hamburg
978-3-7469-7972-4 (Paperback)
978-3-7469-7973-1 (Hardcover)
978-3-7469-7974-8 (e-Book)
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Inhalt
Einleitung
Mein Vater
Das Singuläre Weltbild
Meine Meinung als Arzt
Einleitung
Heilung der Spaltung stellt den Versuch dar, meine geistige Entwicklung zu beschreiben, welche zu einer neuen Denkweise geführt hat, die ich Singuläre Psychologie genannt habe. Singuläre Psychologie interpretiert die zweite Hälfte unseres Denkvermögens, das Unterbewusste. Dieses wird abweichend vom gängigen Verständnis als das verloren gegangene oder nicht genutzte Verdrängte angesehen. Das Unterbewusste kann durch Überlegungen wiederhergestellt werden, wenn die Spaltung als trennende Schwelle zwischen dem Unterbewussten und dem Bewussten erkannt ist. Es ist schwierig, sie geistig zu überwinden, aber nur so kann gelernt werden, das neue Verständnis zu nutzen. Singuläre Denkweise unterscheidet zwischen vernünftigen und unvernünftigen Inhalten des Unterbewussten und stellt das verdrängte Vernünftige wieder her. Die vernünftigen Inhalte des Unterbewussten sind deshalb verdrängt, weil sie früher irrtümlich als falsch eingeschätzt worden sind. Ihre berichtigte Wiederherstellung geht mit dem Verständnis einher, dass das Bewusste und das Unterbewusste zwei ständig aktive Hälften bilden, die unsere Denkprozesse gemeinsam hervorbringen. Die singuläre Denkweise erzielt durch die Bewusstmachung der unterbewussten Hälfte unseres Denkvermögens eine neue rationale Ganzheit, die auch den Wert der zweiten Hälfte unserer Denkkapazität erkannt hat, ihre unvernünftigen Inhalte meidet und den geistigen Zuwachs monokausal zu verarbeiten versteht.
Eine solche Behauptung klingt abgehoben und vermessen, sie ist es aber keineswegs. Singuläre Psychologie hat nämlich ein entscheidendes Problem, sie gräbt absolut Ungewohntes aus der Verdrängung aus und erreicht damit auf Anhieb Verständnislosigkeit und Abwehr. Dazu kommt die unübliche vereinfachende Ausdrucksweise, die als falsch oder auch zu schwer verständlich empfunden werden kann, weil sie sich nicht anpasst. Die singuläre Bewertung filtert die Fehler aus anerkannten Wertvorstellungen, stellt wissenschaftliche Modellvorstellungen bloß und hält sich nicht an die Spielregeln diplomatischer Kunst. Sie kann nicht anders, weil es zu viel Fehlerhaftes, zu viel irrtümlich Verdrängtes in der Welt gibt. Bei Auseinandersetzungen wird aber das Respektieren anderer Meinungen verlangt, zu viel Widerspruch verhindert die erhoffte Akzeptanz. Aus diesem Grund werden die aus der Singulären Psychologie gewonnenen Schlussfolgerungen von den Experten in der Regel nicht als wegweisend, sondern als verletzend und naiv oder sogar als Spinnerei eingeschätzt. Die monokausale Ganzheitsvorstellung und die unterschiedliche Meinungsvielfalt widersprechen sich zu sehr und Unsinniges gibt es schließlich mehr als reichlich in der Welt. Somit kommt auch leider die Folgerung zu kurz, dass durch singuläres Verständnis die ständig zunehmende negative Entwicklung des Weltgeschehens erklärbar wird und sich zum Positiven verändern lassen könnte. Wer denkt schon bei der Aufspaltung unserer wechselhaften Meinungsvielfalt mit ihren ständig neuen Botschaften und schnell bedeutungslos werdenden Inhalten daran, dass sich die Neuheiten, die als bahnbrechende Ideen in die Welt kamen und sich für immer behaupten konnten, nie an den Rahmen der zeitgenössischen Wissenschaft gehalten haben und deshalb mehrheitlich Startschwierigkeiten hatten.
Singuläre Psychologie ist zu wichtig, um gegenüber Ablehnung und Widerstand zu resignieren, weil sie die Ursachen für die Spaltung unserer Denkweisen und die hierdurch verursachte Spaltung des Weltgeschehens erklären kann. Die Zunahme von Terrorismus, Gewaltbereitschaft, Populismus, frevelhaftem Umgang mit der Natur und weltweiter Unsicherheit lassen sich durch den Unverstand unterbewusst wirkender Inhalte erklären. Das singuläre Denken hat bei mir zu einer unerschütterlichen Sicherheit des Weltverständnisses geführt, zu einer monokausalen Denkweise, die für Naturschutz, Gesundheit und Friedfertigkeit steht. Es geht in erster Linie um die Gestaltung eines angenehmen Lebens, welches das Richtige und das Falsche, das Vernünftige und Unvernünftige erkennt und den bestmöglichen Weg für sich selbst und den Umgang mit Mensch und Natur findet. Eine solche Denkweise richtet sich mit geballter Kraft gegen die Spaltung und die Ablehnung singulärer Bewertungen.
Bevor die Spaltung geheilt werden kann, müssen ihre oft verkannten Auswirkungen begriffen und ihre Ursachen verstanden sein. Im ersten Kapitel werden die spaltenden Unterschiede der Philosophie und Religion vereinheitlicht. Es wird erklärt, dass das Bewusstsein der Willensfreiheit ursächlich für die Verdrängung von Inhalten in das Unterbewusste ist. Durch den Verlust dieser Inhalte kann nur selten monokausal fertig gedacht werden. Das heißt, es wird meist nur ein Denkvorgang von übertragender Bedeutung erreicht. Monokausale Erledigung setzt das Verständnis der Verdrängung voraus. Bei Willensfreiheit fehlt dieses Verständnis; das Begreifen muss sich deshalb im Regelfall wegen der bewusst anerkannten Meinungsvielfalt auf erlernte oder durch Erfahrung gewonnene multikausale Ersatzvorstellungen beschränken. Singulär betrachtet drücken sich solche Ersatzvorstellungen in einer verkörperlichten metaphorischen Sprachform aus, welche das Erreichen singulärer Denkweise zum bisher nicht gefundenen Ziel hat.
Im zweiten Kapitel wird die Restitutionstheorie vorgestellt. Sie beweist die monokausale Aussagekraft Singulärer Psychologie auch für die Naturwissenschaft und ist das Ergebnis singulärer Interpretation des gewaltigen technischen Fortschritts bei der Erforschung unseres Sonnensystems. Ihre Ausarbeitung hat ein Weltbild ergeben, das diametral den Modellvorstellungen der Schulastronomie gegenübersteht. Das Verständnis der Entwicklung der Bestandteile unseres Sonnensystems lässt sich durch monokausale Bewertung ihrer Oberflächenstrukturen singulär herleiten.
Was haben Religion, Philosophie und sogar Astronomie mit der Psychologie zu tun? Diese Frage zeigt, wie erheblich die Anfänge unserer geistigen Entwicklung verdrängt sind. Singuläres Denken beginnt am Anfang der Spaltung und arbeitet die Entwicklung zu ihrem heutigen Ausmaß auf. Vor der Ära der Psychologie war die Seelsorge und Gesundheitsfürsorge ausschließlich Aufgabe der Kirche. Auch die Astronomie wurde vor der Kopernikanischen Wende von der Kirche verwaltet. Heute gilt der Solarnebel als entwicklungsgeschichtlicher Beginn unseres Sonnensystems und lässt sich auf den Philosophen Immanuel Kant zurückführen, der die sogenannte Urnebelwolke erdacht hat. Singuläre Psychologie verfolgt mit der Hilfe des Unterbewussten die Entwicklung zu den verdrängten Anfängen zurück und erklärt, wie sich durch die zunehmende Spaltung spezialisierte Wissenschaften mit einer unübersichtlichen Vielfalt von fragwürdigen Modellvorstellungen aufgebaut haben.
Als ich in den 1970er Jahren angefangen habe, mich mit unserem Sonnensystem zu beschäftigen, häuften sich in den Medien Nahaufnahmen bisher unbekannter Oberflächen von Planeten und Monden, die mit der seinerzeit neuen Technologie der Raumsonden gewonnen wurden. Die singuläre Bewertung der Oberflächenstrukturen erwies sich als Erfolgserlebnis und das anwachsende Begreifen des ständigen Zutreffens der eigenen Vorstellungen hat durch Verarbeitung zur Restitutionstheorie geführt. Das ausnahmslose Rechthaben und Voraussein war mit einem besonders positiven Gefühlswert verbunden. Ein Erlebnis, das ich nur weiterempfehlen kann. Es macht einfach Freude, zum einsamen Entdecker und Besserwisser zu werden. Deshalb habe ich auf Abbildungen zum erklärenden Text verzichtet und nur einen Rahmen aufgezeigt. Die eigentliche Wirklichkeit unseres Sonnensystems will entdeckt und unser aktuelles Wissen kritisch beurteilt werden. Jeder kann sich das Verständnis durch Betrachtung der entsprechenden Oberflächen selbst erarbeiten und entscheiden, wo die Kausalität zu finden ist. Eine Fülle von Abbildungen aus unserem Sonnensystem gibt es im Internet, dem Fernsehen und entsprechenden Sachbüchern. Das neue Wissen ist dort abgebildet und lässt sich als eigenes Puzzle zusammensetzen. Etwas, das man sich selbst erarbeitet, bleibt etwas Nachhaltiges und der sich dabei ständig steigernde positive Gefühlswert ist nicht zu vergleichen mit der Aneignung eines Lehrstoffs, der gelernt werden muss. Die Restitutionstheorie liefert das monokausale, singuläre Weltbild im Widerspruch zu astrophysikalischen Formeln der höheren Mathematik. Und es mahnt zum Aufwachen, zu mehr Bescheidenheit und Umweltbewusstsein.
Die Singuläre Psychologie beschäftigt sich auch mit den Gründen, die zu Krankheiten führen. Diesem Inhalt ist das dritte Kapitel gewidmet. Es wird über den Begriff der autogenen Krankheit ein neues Vorsorgedenken entwickelt. Gesundheit, Wohlbefinden und Frieden sind Wertvorstellungen, die zu der Vision einer neuen Welt des Weltfriedens determinieren könnten. Das Endverständnis der Singulären Psychologie führt zu der abgeschlossenen Überzeugung eines ganz gewordenen Menschen, der sich selbst in Bezug auf ein neues Weltbild und eine neue Mitmenschlichkeit verstanden hat. Er kann den Grund für das Positive und das Negative unserer bisherigen Entwicklung erklären, zu einem neuen Weltverständnis der Friedfertigkeit und Gesundheit umdenken und weiterverbreiten.
Das Verständnis singulärer Denkweise ist gewöhnungsbedürftig und gelingt nur mit Unvoreingenommenheit. Ich habe mit der Vermittlung selbst meine Schwierigkeiten. Singuläre Bedeutungen als Sprache zu formulieren, ist mit einer Übersetzung von verdrängten zu bewussten Inhalten zu vergleichen und ausgesprochen schwer. Zum Beispiel werden im Text plötzlich Selbstverständlichkeiten auftauchen, deren Erwähnung überflüssig wirken kann. Das liegt an der vielschichtigen Bedeutung von Begriffen und Wortinhalten, die singulär vereinheitlicht werden können. Worte, wie zum Beispiel Einfachheit, Eindeutigkeit, Einvernehmlichkeit, Einfalt, Einsamkeit, Einstellung, Einigkeit, Einsicht und Einzigartigkeit, lassen sich zu einem geistigen Sammelbegriff zusammenfassen. Ein solches Umdenken öffnet die verloren gegangene Bedeutung des instinktiven, singulär gewollten Ursprungs der Einfachheit. Ursprünglich war der Sinn auf das Eine beschränkt. Durch die Entwicklung der Aufspaltung zu vielen von einander abgegrenzten Begriffen wurde der Ursprung des Einen in das Unterbewusste verdrängt. Auf eine solche Weise erhält jeder der genannten Begriffe über den singulären Sinn des Einen hinaus seine eigene Bedeutung. Ein Beispiel, welches die Spaltung des Verständnisses zwischen Einzigartigkeit und widersprüchlicher Unterschiedlichkeit zeigt und die Entwicklung zur Vieldeutigkeit der heutigen Meinungsvielfalt und der damit verbundenen Deutungsunsicherheit veranschaulicht. Ein solches Verständnis mag unwichtig oder gar lächerlich erscheinen, ist aber auch zum Beispiel dazu in der Lage, den geistigen Hintergrund von Bibeltexten zu verstehen. Die Singuläre Psychologie gewinnt ihre Logik aus dem zu Unrecht kollektiv Abgelehnten. Das muss auf viele Menschen unangenehm wirken, weil es nicht zum Gefühl der heilen Welt der Vielfalt und Willensfreiheit passt. Scheut man sich vor den vermeintlichen Unantastbarkeiten, entgeht aber auch das Anspruchsvolle und die erreichbare Steigerung der Lebensqualität; es lassen sich auch nicht die schöpferischen Möglichkeiten singulärer Überlegungen erreichen.
Die singuläre Ausdrucksweise kann wegen ihrer unüblich einfachen und doch so schwer zu verstehenden Formulierungen nur hinderlich in die anerkannten Werte eingeordnet werden. Was ich als einfach ansehe, kann schließlich nicht für jeden gelten. Die Rückführung von unterschiedlichen Begriffen auf ihre Einzigartigkeit oder Einfachheit ist nämlich bisher völlig unbekannt. Weil eine solche Ausdrucksweise etwas ganz Neues ist, hat sie auch Probleme mit der Akzeptanz eines Textes, der zwischen wissenschaftlicher Form und Umgangssprache variiert. Das kann als störend empfunden werden und war beim Schreiben nicht zu ändern. Ich konnte auch nicht vermeiden, ständig beide Seiten der Spaltung zu berücksichtigen, was zu Sätzen mit häufigen Wiederholungen gleicher Begriffe geführt hat. Die Wiederholungen ließen sich aber auch nicht löschen, weil das wiederum das Verständnis verhindert hätte. Abwertende Kritik könnte vom Wiederholungszwang einer Schizophrenie sprechen, zumal auch manches als scheinbarer Widerspruch aufgefasst werden kann. Das trifft es aber nicht, sondern es handelt sich um etwas ganz Neues, um die Öffnung der instinktiven Möglichkeiten des Verstandes zum Verständlichmachen der Ursache der Spaltung bei Schizophrenie und geistiger Fehlentwicklung überhaupt. Singulärer Psychologie geht es bevorzugt auch um das Erreichen der Kontrolle über die unvernünftigen Inhalte des Unterbewussten und die Überwindung krankhafter Vorstellungen. Um die Spaltung zu erklären, lässt sich das zweigleisige Formulieren nicht vermeiden. Der Doppelsinn muss erst erklärt werden, bevor die Heilung der Spaltung zur Einfachheit der rationalen singulären Denkweise gelingen kann.
Ich habe lange überlegt, ob ich meine schwer verständlichen Überlegungen tatsächlich öffentlich anbieten soll. Schließlich hat mein Gewissen gesiegt; die Welt hat ein Anrecht darauf. Wegen der schwer zu erreichenden Akzeptanz wird sich zunächst nur eine Minderheit überzeugen lassen. Das ist auch gut, die Singuläre Psychologie soll sich behutsam einführen und nur langsam herumsprechen. Das Ziel des Weltfriedens kann wegen der notwendigen Umstellung der Vielfalt gespaltener Wertvorstellungen nur langfristig und auf keinen Fall radikal erreicht werden. Nur eine Minderheit, der die Verbreitung freigestellt bleibt, könnte friedlich und zögerlich die erforderliche geistige Evolution anstoßen.
Mein Vater
Mein Vater hatte sein Schlüsselerlebnis während eines Gottesdienstes in den ersten Tagen der Nachkriegszeit im Jahre 1945. In den Ruinen des zerbombten Berlins herrschte das Chaos der Obdachlosigkeit und aus den Trümmern wurden noch Leichen ausgegraben. Er war in die Kirche gegangen, um wieder zu sich selbst und der Motivation zu einem Neuanfang als niedergelassener Arzt in einer eigenen Praxis zu finden.
Der Pfarrer predigte mit zahlreichen Beispielen über die Nächstenliebe und endete mit den schmetternden Worten des zentralen christlichen Gebots: „Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst!“ Während der nachfolgenden Schweigepause murmelte ein Unbekannter, der neben meinem Vater saß: „Nächstenliebe ist doch nur die halbe Wahrheit, die Schattenseite der Wahrheit ist doch das Primäre. Wegen der Schattenseite gab es doch diesen Krieg. Wird die verhängnisvolle Spaltung denn nie enden?“
Nach dem Gottesdienst ging mein Vater dem Fremden hinterher und sprach ihn vor der Kirche an: „Wie haben Sie das gemeint, Nächstenliebe, halbe Wahrheit?“ Später schilderte mein Vater immer wieder das Erlebnis, das ihn tief beeindruckt und geprägt hat, zumal der Fremde auch seine Erwartung steigerte, weil er lange gemustert wurde, bevor Verständnisfähigkeit für möglich gehalten wurde.
Ich wiederhole die Antwort des Fremden, der das Leben meines Vaters verändert hat, sinngemäß aus meinem Gedächtnis, so wie es mir mein Vater weitergegeben hat: „Also gut, ich versuche es mit Ihnen. Passen Sie auf, es ist schwer zu verstehen! Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Dieser Satz ist einfach nur Ausdruck angewandter Psychologie zur bestmöglichen Lebensbewältigung und setzt das Wissen als Selbstverständlichkeit voraus, dass der Mensch mit der primären Eigenschaft erschaffen wurde, sich selbst zu lieben. Selbstliebe ist angeboren und bestimmt den Willen eines jeden Menschen ein Leben lang. Der Begriff lässt sich als Urinstinkt, als gemeinsames Erbgut zur Selbsterhaltung verstehen. Also ist es wegen dieser naturgegebenen Grundvoraussetzung klug, auch seinen Nächsten zu lieben, weil der die gleiche Determinante des Erbguts besitzt. Nächstenliebe zu empfehlen, ist ein gut gemeinter Ratschlag, das Primäre in der Welt des Menschen, die angeborene Selbstliebe für sich selbst praktisch zu berücksichtigen. Durch die Praxis einer vernünftigen Nächstenliebe entsteht auf diese Weise ein Verhalten, mit dem das bestmögliche zwischenmenschliche Verhältnis auf Gegenseitigkeit zu erreichen ist, weil die Selbstliebe beider Seiten angesprochen wird. Es ist eine geistige Botschaft, ein praktischer Hinweis, wie sich das tägliche Leben am besten meistern lässt. Angewandte Nächstenliebe erzielt in der Regel eine positive Rückantwort und dient damit der eigenen Selbstliebe. Die christliche Lehre bezieht sich auf die Kausalität der Psychologie des Friedens, weil alle profitieren sollen. Der ursprüngliche Inhalt wird aber meist nicht verstanden und nicht ausgelebt, denn mit den verkörperlichten Ritualen und Dogmen der Kirchen hat diese bis heute missverstandene Botschaft nichts zu tun. Sie bleibt auch dem Allgemeinverständnis verschlossen, deshalb wird sich das Selbstverständnis und damit auch das Weltgeschehen in Zukunft noch weiter von der Nächstenliebe und dem Demokratie- und Freiheitsverständnis entfernen. Die Spaltung wird wegen der Unwissenheit zunehmen, Diktaturen und totalitäre politische Systeme werden sich weltweit aufs Neue entwickeln und die Massen aufbegehren!“
Mein Vater reagierte auf diese widersinnige, absolut ungewöhnliche und düstere Formulierung erschreckt und ungläubig und wollte mehr wissen, aber eine abwehrende Handbewegung bremste ihn: „Wer es fassen kann, der fasse es! Wer es lassen will, der lasse es!“ Der Fremde ging davon, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Solche Betrachtungen können unangenehm wirken. So ist die Singuläre Psychologie, sie meint es gut, aber sie provoziert leider und fordert dazu auf, auch auf die Hintergründe der negativen Entwicklung des Weltgeschehens zu sehen. Die Selbstliebe als monokausale Motivation für jede Handlung lässt sich auf Anhieb auch nicht vorstellen, weil diese verdrängte Erkenntnis erst nach langer Überlegung entstehen und wiederbelebt werden kann. Das Verständnis der positiven Inhalte der Singulären Psychologie kann sich nur langsam entwickeln und muss auf das Negative aufbauen. Die Spaltung des Liebesbegriffs in eine bewusste und eine unterbewusste, verdrängte Hälfte gilt nicht nur für die christliche Religion, sondern steht am Anfang jeder die Spaltung der Mitmenschlichkeit betreffenden singulären Überlegung.
Der Fremde hat das Leben meines Vaters verändert. Die Begegnung bestimmte von nun an seine Denkweise, wurde zum ‚Aha-Erlebnis’. In der Folgezeit entwickelte er aus dem Schlüsselerlebnis seine Überlegung des Psychologischen Determinismus. Die Begriffe des Psychologischen Determinismus und der Singulären Psychologie werden in diesem Buch ständig wiederholt. Deshalb will ich sie mit einer kurzgefassten Beschreibung erklären. Der Psychologische Determinismus sagt aus, dass der Wille des Menschen naturgesetzlich durch Selbstliebe bestimmt wird und zieht daraus die entsprechenden Schlussfolgerungen. Singuläre Psychologie beschäftigt sich mit der Schwierigkeit bei der Vermittlung des Psychologischen Determinismus und erklärt seine schwer zu erreichende Akzeptanz durch das Begreifen der Funktionen des Unterbewussten. Die ausgereifte singuläre Denkweise reicht über die psychologische Aufarbeitung hinaus und führt zu monokausalen Wertvorstellungen.
Mein Vater hatte sich nach einem abgebrochenen Studium der Philosophie für die Medizin entschieden und arbeitete zur Zeit des Schlüsselerlebnisses als angestellter Arzt im Krankenhaus. Wenig später eröffnete er seine eigene internistische Praxis. Die schreckliche Nachkriegszeit bewirkte eine aus dem Rahmen fallende Zunahme von Krankheiten. Er hatte von morgens bis abends und oft auch noch in der Nacht zu tun. Zu der beruflichen Auslastung kam eine aufreibende Freizeitbeschäftigung hinzu, die Suche nach der verkannten Bedeutung der Selbstliebe in der Philosophie und Religion. Der Fremde musste Menschenkenntnis besessen haben. Er hatte gezielt das Unterbewusste meines Vaters angesprochen und damit ein besonders ausgeprägtes Interesse geweckt. Mein Vater stürzte sich in seiner Freizeit in die Geistesarbeit, besorgte sich entsprechende Literatur und wurde fündig, aber in der Regel nur zwischen den Zeilen. Der Fremde hatte recht, der Begriff „Selbstliebe“ war verdrängt, dem Allgemeinverständnis fehlte der auf die Nächstenliebe bezogene Sinn.
Wenn der Mensch naturgesetzlich vorbestimmt sich selbst lieben sollte, wie war dann diese abartige Entwicklung während der Zeit des Nationalsozialismus zu dem Schrecken des Krieges möglich? Der hinterlassene Scherbenhaufen zeigte, was ein narzisstischer Psychopath anrichten konnte, wenn ihm das Volk die Macht gegeben hatte. Der anfängliche Jubel hatte dem Horror der bitteren Wahrheit weichen müssen. Adolf Hitler hatte sich selbst und sein Volk mit Perfektion falsch geliebt. Wie sollte so etwas naturgesetzlich erklärbar sein?
Wenn Selbstliebe als Naturgesetz den Willen des Menschen determinieren sollte, warum gab es dann so viele Gegensätze und Schlechtes in der Welt? Feindbilder, Populismus, Protektionismus, Narzissmus, Egoismus, Habsucht und Machtgier hatten das deutsche Schicksal bestimmt. Ging man von determinierender Selbstliebe aus, dann offenbarten solche Tatsachen, dass durch Selbstliebe auch Boshaftigkeit und Unvernunft entstehen konnten. Sowohl gute als auch böse oder schlechte Taten mussten durch Selbstliebe erklärlich sein. Es kam auch auf den Verstand an, auf die vom Verstand entwickelten Wertvorstellungen. Die Motivation durch Selbstliebe beeinflusste den Verstand zu Wertvorstellungen, die zu Handlungen führten. Motivation und Verstand mussten Meinungen und Handlungen immer gemeinsam erzeugen und konnten nicht isoliert funktionierten. War die Selbstliebe die Naturkonstante der Motivation des menschlichen Willens, dann war es der Verstand, der für die Spaltung, für das Gute und das Böse in der Welt verantwortlich war.
Von den Religionen wurde Nächstenliebe gepredigt, um dem Verstand die Lösung zur Beseitigung des Bösen und Schlechten anzubieten; über die Ursachen des Bösen wurde aber kaum gesprochen. Die krankhafte Ideologie des Nationalsozialismus hatte die Nächstenliebe verdrängt, war intolerant und rücksichtslos. Diese Ideologie hatte eine krankhafte Selbstliebe, eine dumme, narzisstische Egozentrik ständiger Selbstdarstellung ausgelebt. Die vermeintliche Sicherheit des Endsiegs verdrängte die Erkenntnis, dass der durch Missachtung der Nächstenliebe erschaffene Hass zur Selbstzerstörung führen musste. Menschen wie Hitler fanden ihre Lust daran, zu bestimmen und anderen den eigenen Willen aufzuzwingen. Ihre krankhaft ausgelebte Selbstliebe war besessen von ihrem freien Willen und ihrer Macht. Nur das Beweisen der eigenen Macht stand im Vordergrund. Das gelang bei einer solchen fehlgesteuerten Geistigkeit am besten mit sensationellen Entscheidungen, die dem gesunden Menschenverstand widersprachen und damit das gewollte Aufsehen erreichten. Bei einem Menschen wie Hitler durfte nur noch das geschehen, was er selbst wollte, war es auch noch so abartig. Die Persönlichkeit Hitlers konnte als Modellbeispiel für die negative Seite der Willensfreiheit betrachtet werden. Das Ende war das Stolpern in die Selbstvernichtung.
Die Religionen waren nur dazu in der Lage, gegen die böse Seite des Menschen Nächstenliebe zu predigen und die Selbstliebe als Egoismus zu verteufeln. Das war der hauptsächliche Grund für die gespaltene Mitmenschlichkeit. Bei Annahme von Willensfreiheit widersprachen sich die Begriffe Selbstliebe und Nächstenliebe, deshalb konnte sich religiöses Verständnis für den Bereich der Selbstliebe nur die Selbstlosigkeit vorstellen. Die Selbstliebe war als Begriff verdrängt. Als Ersatzvorstellung existierten Definitionen wie Egoismus, Selbstsucht, Narzissmus oder sogar die Reduzierung auf die Sexualität. Ein sich selbst liebender Heiliger, ein Egoist ist für den Frommen nicht denkmöglich, der Heilige hat selbstlos zu sein. Nächstenliebe musste nun als Barmherzigkeit, als elitäre Leistung oder etwas für Heilige verstanden werden, ihre praktische Seite für den eigenen Alltag wurde dagegen oft verdrängt und zum Beispiel mit dem Unwort „Gutmensch“ verschrieen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Wo war das Verständnis für die positive Seite der in die Verdrängung gezwungenen, abgespalteten und abgewerteten Selbstliebe geblieben? Mein Vater glaubte damals, dass der Fremde auch mit der Einschätzung der künftigen Entwicklung recht behalten würde. Das Missverständnis zwischen richtig und falsch verstandener Selbstliebe zwang zu neuen Konflikten, zum Wachstum umweltfeindlicher Technik und letztlich zum Untergang, wenn es nicht gelang entgegen zu wirken.
Er war davon überzeugt, dass das spaltende Missverständnis bei vielen Menschen gestörte Verhältnisse im täglichen Leben durch Verdrängung der Lebensweisheit verursachte, dass man sich selbst richtig und falsch lieben konnte. Das Wichtigste im Leben des Menschen war von einer Mehrheit nicht verstanden, weil das geforderte Gleichgewicht der christlichen Botschaft fehlte. Das Verständnis des vernünftigen Miteinanderauskommens war zu oft gespalten zu einem missverständlichen Unterschied zwischen natürlicher, aber verdrängter Selbstliebe und narzisstischem Egoismus, der guten und der schlechten Seite der Spaltung. Deshalb gab es Konflikte; das Zusammenleben gestaltete sich friedlich oder eben nicht. Weil der Mensch glaubte, den freien Willen zu haben, hielt er sich für frei, das Gute oder das Böse zu tun. Das Verhalten bei Willensfreiheit wurde deshalb ausgesprochen unterschiedlich. Selbstverständlich gab es auch gute Menschen. Keiner konnte sich aber vorstellen, dass allein dieses Verständnis des sich richtigen und falschen Selbstliebens über die Zukunft, das Wohl und Wehe der globalen Gesellschaft entscheiden würde. Die Spaltung saß zu tief, zum Beispiel gab es schlechte Menschen, die sich als gut einschätzten und damit zufrieden waren. Solchen Menschen konnte man nicht erklären, dass sie sich selbst falsch liebten. Die Unterschiede der Meinungsvielfalt verhinderten das übergeordnete Verständnis. Die Botschaft – liebe deinen Nächsten wie dich selbst – war etwas Essentielles und Einmaliges, das Gebot, welches alle anderen Gebote in sich vereint. Die einmalige Bedeutung reichte auch über die Religion hinaus, war zum Beispiel auch der Grund für den Umgang mit Recht und Ordnung.
Seit der Antike gilt als Grundlage für jede Art von Gesetzgebung die übergeordnete Objektivität, welche beide Seiten, die Person und die Gemeinschaft berücksichtigt und verhindern soll, dass Menschen andere oder sich selbst schädigen. Nicht nur Philosophie und Religion, sondern auch Jurisprudenz und Politik lassen sich auf eine monokausale Grundursache zurückführen, die binär zu verstehen ist, weil sie nur den Menschen selbst und seine Nächsten betrifft.
Die Überlegungen meines Vaters gelangten zu der Schlussfolgerung, dass das Verständnis für diese Einmaligkeit gemeinsamer Bedeutung überwiegend nicht entwickelt war, denn es verlangte singuläres Begreifen, das Verständnis der Bedeutung einer Gleichsetzung der Werte für Selbst- und Nächstenliebe. Diese Ebene der objektiven Monokausalität war in der Regel zu schwer zu verstehen, weil Menschen nur im Ausnahmefall singulär denken. Das Verständnis der Singularität stand monokausal den zahlreichen Unterschieden der gespaltenen multikausalen Meinungsvielfalt gegenüber. Die Umstellung auf singuläres Denken hätte die Wiederherstellung der verlorenen Instinkte bedeutet; eine geistige Revolution der Wertvorstellungen mit Rückbesinnung auf gleichgesetzte Werte für Selbst- und Nächstenliebe. Für meinen Vater ergab sich durch solche Überlegungen die Voraussetzung zu einer Vision für die Lösung der zwischenmenschlichen Probleme in Richtung Weltfrieden.
Singulär erdachte Sprüche merkt man sich: Jeder ist sich selbst der Nächste! Im Sprichwort wird aber keine verbindliche Monokausalität gesehen: Nicht alles ist Gold, was glänzt. Die Meinungsvielfalt interpretiert unverbindlich, es gibt keine monokausale Sicherheit. Wer sich aber um das Verständnis der Singularität bemüht und anfänglichen Schwierigkeiten widersteht, gerät in einen Lernvorgang, der mit unveränderlicher Sicherheit zu einer positiven Lebensbewältigung führt. Er beginnt, seine eigenen Werte gleichzusetzen, die inneren Werte mit Selbstliebe und die nach außen gerichteten Werte mit vernünftiger Nächstenliebe auszuleben. Vernünftige Nächstenliebe bedeutet, anderen mit Wertschätzung zu begegnen und darauf zu achten, was ihrer Selbstliebe bestmöglich eignet. So lässt sich die eigene Spaltung erledigen und zu innerem Wohlbefinden und eigenem Erfolg durch in der Regel positive Rückantworten im täglichen Leben verändern. Ein solches Verhalten ist erlernbar, in jedem Augenblick des Lebens verwirklichbar und dient allen. Multikausale gute Ratschläge in dieser Richtung gibt es mehr als genug, es fehlt ihnen aber die Singularität, was sich daran zeigt, dass wir uns von der Zielvorstellung des Weltfriedens immer weiter entfernen.
Mein Vater wollte in dem Gewirr der Meinungsvielfalt Ordnung schaffen und hatte verstanden, dass die zahlreichen Friedensvorstellungen gegeneinander gerichteter Eigeninteressen verschiedener Länder und Ideologien auf Dauer niemals funktionieren würden. Er wollte das ändern durch Vermittlung seiner Überlegungen des Psychologischen Determinismus. Das heißt, dass der Wille und jede Tat des Menschen naturgesetzlich durch die Selbstliebe bestimmt wird. Damit wagte er sich an das Eingemachte der Philosophie und Religion heran und sagte der Willensfreiheit, der gängigen und wissenschaftlich anerkannten Vorstellung über den Willen des Menschen den Kampf an. Mein Vater machte die Vermittlung des Psychologischen Determinismus zu seinem Lebenswerk.
Derartige Überlegungen können in unserer schnelllebigen Zeit langweilig wirken. Über Philosophie und Religion – und besonders das Willensproblem wird seit Menschengedenken diskutiert, ohne dass sich am Bösen in der Welt etwas geändert hat. Viele Menschen sind gegenüber solchen Themen interesselos geworden und an die Heilsamkeit singulärer Vorstellungen wird schon gar nicht geglaubt. Sie sind nicht nur schwer zu verstehen, sondern über die Geschichte hindurch auch immer abgelehnt worden, weil sie sich gegen die hochgelobte Willensfreiheit richten. Aber wohin hat die Willensfreiheit unsere Erde gebracht. Das globale Ergebnis ist erschreckend und spaltet das Weltgeschehen immer mehr. Das Eigeninteresse ist bei Willensfreiheit oft gegen die Mitmenschen gerichtet; das wäre vollkommen anders bei einer Denkweise, welche die Wertvorstellungen von Selbst- und Nächstenliebe gleichsetzen würde. Man würde wissen, mir geht es nur gut, wenn es auch den Menschen in meiner Umgebung gut geht. Deutschland geht es nur gut, wenn es auch Europa gut geht. Europa geht es nur gut, wenn es auch der Welt gut geht. Es wäre ein Fehler nicht weiterzulesen, denn zuerst profitiert man selbst. Über den Psychologischen Determinismus lässt sich die für jeden Menschen so überaus wichtige singuläre Denkweise entwickeln, die zu einer bisher nicht für möglich gehaltenen Verbesserung der Lebensqualität führt. Und das ist nicht als weiterer Hinweis aus der Vielfalt der Heilsamkeit verheißenden Werbung zu verstehen, sondern es stimmt. Es lässt sich eine Sicht von oben, ein fester Glaube, eine wahrhafte und unerschütterliche Überzeugung gewinnen.
Die Singuläre Psychologie existiert noch nicht als anerkannter Begriff, ihre Weiterentwicklung ist der Zukunft vorbehalten und ihr enormes Potential lässt sich heute noch nicht absehen. Sie steht für ein angenehmes kausales Denken, welches absolute Lebenstüchtigkeit erreicht und auch schöpferisch darüber hinauswachsen kann. Das sind Eigenschaften, die jeder brauchen wird, denn die Zeiten werden nicht besser werden, weil sich das Bewusstsein der Willensfreiheit – wenn überhaupt nur langsam verändern lassen kann. Der Ursprung für die Problematik des menschlichen Miteinanders liegt in der Verdrängung der Selbstliebe zu einem unverstandenen Begriff. Die meisten Menschen verstehen nicht, wie man sich selbst richtig liebt. Bei Willensfreiheit wird ersatzweise ein egoistischer, narzisstischer Selbsterhaltungstrieb ausgelebt, der sich ständig vor den Zwängen der aktuellen Wertvorstellungen beugen muss. Das Verständnis des eigenen Egoismus wird bei dieser Lebensweise verdrängt, der Egoismus der anderen aber als das Übel in der Welt angesehen. Man merke sich die Aussage des vorigen Satzes, denn so lässt sich die Grundursache beschreiben, die in der Welt der Willensfreiheit die Probleme verursacht. So entsteht die Spaltung, welche sich gegen den Menschen selbst richtet. Will man für sich selbst etwas erreichen, resultieren Verhaltensweisen, die bei Diskussionen und Auseinandersetzungen nicht vom eigenen Wohl sprechen, sondern meist nur vom Allgemeinwohl, obwohl das eigene Wohl im Vordergrund steht, wenn auch in der Regel nur unterbewusst. Diese lügnerische Spaltung besitzt ein enormes Wachstumspotential. Mit ihrer Steigerung werden auch der Narzissmus und Egoismus immer deutlicher. Sie offenbaren sich zunehmend in der modernen Gesellschaft und werden zum täglichen Beispiel. Alle Menschen sind gleichermaßen betroffen, die Spaltung umfasst den ganzen Globus. Es lässt sich immer mehr verstehen, dass es so nicht weitergehen kann und sich etwas ändern muss. Mein Vater glaubte an einen monokausalen Gott und verstand das sich steigernde negative Weltgeschehen als gottgewollte Entwicklung, die den Menschen zeigen soll, wie es nicht geht, damit sie erkennen lernen, wie es gehen könnte. Er wollte den Weg zu einem dauerhaften Weltfrieden finden.
Der Psychologische Determinismus ordnet die Selbstliebe als naturgesetzlich bestimmtes Grundwollen des Menschen ein. Das bedeutet, dass die Selbstliebe als immaterielle Substanz unserer Seele jeden Gedanken und jede Handlung eines jeden Menschen determiniert. Mein Vater verstand, dass er das Wichtigste überhaupt entdeckt hatte, aber auch gleichzeitig das Zentrum der Ablehnung, das Tabu an sich. Er hatte den Ursprung der naturgesetzlichen Singularität und die Ursache für die Spaltung menschlichen Denkens und damit auch des Weltgeschehens gefunden. Mit unserem an Willensfreiheit gewöhnten Verstand stimmt grundsätzlich etwas nicht. Das merken wir aber nicht, weil es seit Jahrtausenden verdrängt ist. Wird der Ursprung falsch verstanden, wird auch das falsch, was sich daraus entwickelt. Das wissen wir aber nicht, es ist ebenfalls verdrängt. Wir wissen aber, dass sich das Weltgeschehen zu einer sich ständig steigernden Spaltung entwickelt, welche die Bemühungen zu mehr Gemeinsamkeit überholt. Das hört niemand gern, aber unsere Denkweise ist auf der ganzen Welt gestört, die Spaltung hat das Böse in die Welt gebracht. Wir alle sind gespalten, die einen mehr, andere kaum und einige ganz besonders. Jeder hat schon mal gelogen oder etwas verheimlicht. Das sind aber Kleinigkeiten im Verhältnis zum Ausmaß der lügnerischen Spaltung des Weltgeschehens. Die Verdrängung bewirkt sogar, dass niemand sich selbst oder die gesamte Gesellschaft als gespalten empfindet. Wir glauben, dass wir den Frieden und das Wohlbefinden für unser Umfeld schon erreicht haben und verdrängen damit die weltweite Realität der zahlreichen lokalen Kriegsherde, des Terrorismus und des Elends. Vielen geht es in den Industrieländern gut, das hat zu genügen, am Weltgeschehen und am Elend kann ein Einzelner ja ohnehin nichts ändern. Die Spaltung hat Wachstumspotential. Die Bibel schildert diesen Zusammenhang mit dem Beispiel des Splitters und des Balkens im Auge. Die Spaltung ist die Ursache für das Böse und Schlechte in der Welt. Begriffe wie Erbsünde, Weltlüge oder Kollektivschuld belegen eine solche Auslegung, die jeden Menschen einbezieht. Dabei sind wir unschuldige Opfer dieser Entwicklung, die seit Urzeiten durch das Bewusstsein der Willensfreiheit unseren Verstand geformt und geprägt hat. Niemand hat uns jemals auf die Begründung allen Unheils durch die Willensfreiheit hingewiesen, weil sie als unantastbarer geisteswissenschaftlicher Standard für den Willen des Menschen gilt.
Das globale Weltgeschehen ist gespalten. Wir alle kennen die Auswirkungen, die sich durch die Globalisierung verstärkt haben. Die Globalisierung hat Vor- und Nachteile. Die Vorteile werden verkannt, weil das neue Miteinander ungerecht realisiert wird, es spaltet zu Gewinnern und Verlierern. Es wird aber nach wie vor behauptet, dass jeder die gleichen Chancen hat. Durch die Weltlüge wachsen die Probleme, die Weltverdrossenheit und Aggressivität. Kein Wunder, dass aus der Vielfalt von Lügen die Gegenlügen des Populismus entstehen. Die hochgelobte Meinungsvielfalt hat wegen ihrer Unterschiedlichkeit erhebliche Schattenseiten. Die globale Politik steht zahlreichen gegeneinander gerichteten Eigeninteressen gegenüber, weshalb in endlosen Diskussionen nur noch selten vernünftige Lösungen gelingen. Unser Alltagsleben muss immer mehr Ungerechtigkeit verkraften, weil die Welt mit immer mehr Unlogik regiert wird. Oligarchien und elitäre Gruppierungen realisieren eine Politik des verdrängten Demokratieverständnisses. Die Spaltung macht unsicher, die Realität befriedigt nicht mehr, populistische Lügen beginnen, sich durchzusetzen. Problem- und Spaltungsvielfalt wachsen zu einem sich selbst unterhaltenden Teufelskreis aus. Die Regeln des Miteinander müssen geändert werden, die Gesellschaft braucht positive Lösungen, sonst werden sich die Probleme immer mehr verselbstständigen.
Die Singuläre Psychologie sieht die Meinungsvielfalt kritisch, weil sie viele Nebenwirkungen hat. Bei einer Protestdemonstration aus politischen Gründen können zum Beispiel friedliche und gewaltbereite Demonstranten beteiligt sein. Man sollte glauben, dass alle aus dem gleichen Grund demonstrieren. Das ist aber nicht so, sie haben zahlreiche verschiedene Gründe. Kommt es zu Exzessen, wie Zerstörung und Plünderung, dann lässt sich allerdings nur ein Grund erkennen: Der Hass auf die Gesellschaft und die eigene Gier. Diese Probleme wollte mein Vater im Kern ihrer Ursachen durch Gleichsetzung der Wertvorstellungen für Selbst- und Nächstenliebe lösen. Friedfertigkeit ist eine gute gleichgesetzte Wertvorstellung; sie nützt sich selbst ebenso wie auch dem Nächsten.
Mein Vater erkannte, dass das Verständnis für seine Überlegungen fehlte. Die Selbstliebe als psychische Naturgesetzlichkeit zu erklären, bedeutete, den Schleier eines Tabus zu lüften. Er wollte das Verständnis anstoßen, die Erklärung, die Logik abliefern, deshalb die Bezeichnung „Psychologischer Determinismus“. Der Begriff konnte den Störfaktor für unsere gesamte Problematik erklären. Dazu musste sich mein Vater aber auf eine Gratwanderung begeben, denn er wollte Werte vermitteln, die den Traditionen widersprachen. Selbstbestimmung, das ist ein Begriff, der gerne gehört wird, aber man erkläre mal jemanden, dass er ausschließlich aus Selbstliebe handelt, und dass die Selbstliebe als gleichbedeutend mit Motivation und Willen und sogar als Synonym der Seele angesehen werden kann. Menschen hören nicht gerne die verdrängte Wahrheit. Daran sind sie nicht gewöhnt, weil die singuläre Wahrheit durch eine Vielfalt unterschiedlicher Ersatzvorstellungen verdrängt ist. Mein Vater ging davon aus, dass wir mit einer globalen Weltlüge leben müssen, welche die Ursache für die weltweite Problematik ist. Er war aber auch überzeugt, dass er die heilende Lösung gefunden hatte, die monokausale Überlegung, wie der Weltfrieden erreicht werden kann. Das Problem war nur die überaus schwere Vermittlung. Wie konnte erklärt werden, dass die Spaltung der Menschheit zu einer kollektiven Meinung führte, die einerseits selbstverständlich den Weltfrieden wollte, andererseits aber die einzige kausale Möglichkeit seiner Realisierung in die Ablehnung verdrängte?
Wer eine einfache Antwort auf komplexe Fragen geben will, die das menschliche Miteinander betreffen, wird sofort als Populist angesehen. Die Meinungsvielfalt lässt keine einfachen Antworten zu. Das kann doch keiner so richtig wissen, so einfach kann es doch nicht sein. Verdrängt wird dabei, dass ja gerade die einfachen Antworten zum Erfolg führen. Der Volksmund lästert: Warum einfach, wenn es auch umständlich geht! Mein Vater war das absolute Gegenteil eines Populisten.
Die Weltreligionen lehren, dass es glücklich macht, seinem Nächsten Gutes zu tun, was nur eine Seite der Spaltung berücksichtigt. Das ständige Predigen der Nächstenliebe übersieht die naturgesetzlich festgelegte Selbstliebe. Es verdrängt, dass Nächstenliebe mit Selbstaufopferung und unangenehmen Verzicht verbunden sein kann. Diese einseitig geschönte Vermittlung spaltet und wird deshalb auf herkömmliche Weise niemals der Nächstenliebe zu einem globalen Durchbruch verhelfen, der alle Menschen einbezieht. Nächstenliebe bleibt auf diese Weise etwas für Heilige oder soziale Einrichtungen. Richtigstellung könnte erst durch Gleichsetzung der Wertvorstellungen von Selbst- und Nächstenliebe zur richtig verstandenen Menschlichkeit gelingen, eben so, wie es ursprünglich gemeint ist. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wohlbefinden, Gesundheit, ein Leben ohne Krieg und Terrorismus, ohne Hunger und Durst, ein Leben mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind sowohl für sich selbst als auch für den Nächsten gute singuläre Werte auf Gegenseitigkeit, so lebt jeder glücklich und in Sicherheit. Das gilt es global umzusetzen. Solche für sich selbst und die Allgemeinheit guten Werte müssen singuläre Priorität erhalten, von einer Weltgemeinschaft erarbeitet werden und nicht gespalten sein, wie in unserer globalen Realität, in welcher sie wegen der Vielfalt sich widersprechender Eigeninteressen oft mit Füßen getreten werden. Nur durch singuläre Beurteilung kann weltweite Sicherheit darüber entstehen, was richtig und was falsch ist. Heute muss man doch froh sein, wenn man in einem Land lebt, in dem kein Krieg und keine Not herrschen. Dieses Glück ist aber bedroht, wenn sich der Psychologische Determinismus
