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Gottes Liebe erleben. Gott als Vater erfahren und verändert werden. Im Vertrauen zu ihm wachsen. Ein Buch, das berührt und verändert. Für alle, die sich wünschen, dass das Wissen, von Gott geliebt zu sein, vom Kopf ins Herz rutscht. Tief, bewegend, lebensnah!
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Seitenzahl: 241
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Seht,
welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat,
dass wir Kinder Gottes heißen sollen!
Und wir sind es.
Deswegen erkennt uns die Welt nicht,
weil sie ihn nicht erkannt hat.
1. Johannes 3,1
Titel der Originalausgabe:
The Homecoming
Unconditional Love: Finding Your Place in the Father’s Heart
Jack Winter with Pamela Ferris
© 1997 YWAM Publishing, Seattle, Washington, USA,
all rights reserved
5. deutsche Auflage 2011
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Kerstin Hack
© Copyright der deutschen Ausgabe:
Down to Earth • Laubacher Str. 16 II • 14197 Berlin
E-Mail: [email protected]
www.down-to-earth.de
ISBN 978-3-935992-07-7
ISBN eBook 978-3-86270-113-1; eBook-PDF: -115-5
ISBN Smartphone-App: -114-8
Cover: Rembrandt-Gemälde »Die Rückkehr des verlorenen Sohnes«
Grafik: www.michaelzimmermann.com
eBook Erstellung: Stefan Böhringer, eWort (www.ewort.de)
Bibelzitate stammen, wenn nicht anders angegeben, aus der Revidierten Elberfelder Übersetzung (1985, R. Brockhaus Verlag).
Jack Winter
mit Pamela Ferris
Heimkommen
zu Gottes Vaterliebe
....................
Gewidmet den Christen in allen Nationen,
die bereit waren, sich zu demütigen,
zu werden wie die Kinder
Besonderer Dank gilt
Dorothy, meiner außerordentlichen Frau, die es mir ermöglicht hat, anderen die Liebe des Vaters zu vermitteln und die in Zeiten, in denen ich gekämpft habe, mit mir stand.
Loren Cunningham, der mich ermutigt hat, die Liebe des Vaters in die Nationen zu bringen – besonders nach Europa und Asien.
Fred und Janice Hodgson und Tom Hallas, die Gott gebraucht hat, um die heilende Liebe des Vaters nach Australien zu bringen.
David und Ellen Ross, die eine weite und effektive Tür geöffnet haben, um die Liebe des Vaters nach Korea zu bringen.
David de Carvalho, der die Tür nach Chile, Brasilien und Venezuela geöffnet hat.
John und Carol Arnott, die ihre Herzen und ihre Gemeinde, Toronto Airport Fellowship, für die Offenbarung der Vaterliebe Gottes geöffnet und damit die Grundlage für eine Erneuerungsbewegung gelegt haben, die Tausende von Menschen auf der ganzen Welt berührt.
George Clover, der mich jedes Jahr einlädt, um den Studenten und Mitarbeitern bei Teen Challenge die Liebe des Vaters zu vermitteln.
Vielen anderen in verschiedenen Nationen, die uns eingeladen, für uns gebetet und uns freigesetzt haben, die Liebe des Vaters weiterzugeben.
Allen Fürbittern, die mich getragen haben.
All denjenigen, die mir ihre Geschichte erzählt haben.
Meiner guten Freundin Pam Ferris, die Stunden damit verbracht hat, dieses Buch zu planen und in eine Form zu bringen. Unsere Diskussionen waren herausfordernd und haben neue Einsichten vermittelt. Du warst mehr als ein Ghostwriter. Deine Einsichten und Inspiration haben dich zu einem heiligen Ghostwriter gemacht.
Vorwort
Die Geschichte vom verlorenen Sohn ist meine Lieblingsgeschichte und Jack Winter hat sie mir noch wertvoller gemacht. Jack bringt den Reichtum der vielfältigen Nuancen, die Jesus im Sinn gehabt haben muss, als er die Geschichte vor vielen Jahren erzählte, zum Vorschein.
Eigentlich sollte man sie nicht die Geschichte des »verlorenen Sohnes« nennen. Es ist normalerweise eine Geschichte über die Liebe eines Vaters, der so geduldig und gütig ist, dass er mit keinem irdischen Vater vergleichbar ist. Wir sollten die Geschichte die Geschichte des wartenden Vaters nennen. In dieser Erzählung über die beiden Söhne und ihren vergebenden Vater, greift Jesus verschiedenste Themen auf: Konflikt, Schmerz, Furcht und Versagen. Er zeigt uns die Tiefen der Sünde, derer wir fähig sind, und die Größe seiner Vergebung, die er gibt uns. Er stellt im Rahmen einer Familie sowohl menschliche Ergriffenheit als auch elitäres religiöses Denken dar.
Ein Experte sagte einmal: »Gott sei dank, war es nicht der ältere Bruder, der an der Straße gewartet hat.« Wie Recht er hat. Wenn wir versagen, brauchen wir jemanden, der uns willkommen heißt und Heilung vermittelt, nicht ein Gerichtsverfahren, in dem wir verurteilt werden. Wir brauchen einen Vater, der uns tröstet und wiederherstellt, nicht einen selbstgerechten Pharisäer, der uns verdammt.
Es ist wahr – wir müssen die Schweineweide verlassen. Wo Sünde ist, gibt es keinerlei Hoffnung. Erst dann, wenn wir wie der jüngere Bruder, schließlich zur Besinnung kommen, wächst in uns der Wunsch, die Schweineweide zu verlassen. Besonders dann, wenn wir uns dessen bewusst sind, dass der Vater nur darauf wartet, dass wir nach Hause kommen.
Nach Hause kommen. Jack Winter zeigt den Weg zurück nach Hause auf. Wenn man das Buch liest, ist offensichtlich, dass Jack den Weg nach Hause kennt. Lassen Sie sich von ihm den Weg nach Hause zeigen.
Vorwort zur deutschen Ausgabe
Im Sommer 1999 habe ich Jack Winter bei einem Seminar kennen gelernt. Neben seiner Lehre und seinem Dienst, der mir half, meine Beziehung zu Vater Gott zu vertiefen, haben mich am meisten seine Lachfalten beeindruckt.
Sie spiegeln Leben wider. Ein Leben voller Begegnungen mit Gott dem Vater – in traurigen, schweren, aber auch schönen Zeiten. Jack schreibt nicht vom Elfenbeinturm aus, sondern schöpft aus dem reichen Erfahrungsschatz eines Lebens voller Begegnungen mit Menschen, die wie hungrige Vögel nach Liebe geschrien haben – und denen Gott in seiner Vaterliebe begegnet ist.
Deutschland ist ein Land, dessen Geschichte von falsch verstandener Vaterschaft durchtränkt ist. Von Bismarck, dem »eisernen Kanzler«, über Hitler, bis hin zu manchen Politikern unserer Tage, haben Männer in leitenden Positionen ein mangelhaftes, verzerrtes, oft auch grundlegend falsches Bild von Vaterschaft vermittelt. Ganz zu schweigen von den gebrochenen, harten oder abwesenden Vätern unserer eigenen Generation.
Jack Winters Buch erscheint nun in der fünften Auflage. Es ist mein Wunsch, dass es dazu beiträgt, das Bild Gottes, wie ihn die Bibel darstellt, und wie er für jeden zu erfahren ist, in unserem Land und weit darüber hinaus neu sichtbar wird. Und dass vielen Menschen, die sich nach einer Begegnung mit dem Vater sehnen, der Zugang zu ihm erleichtert wird.
Vielleicht ist es gut, dieses Buch nicht zu »verschlingen«, so spannend und ergreifend die einzelnen Geschichten und Jacks Darstellungen auch sein mögen, sondern immer wieder innezuhalten und zu fragen: »Vater, wie ist das bei mir? Vater, was willst du mir damit sagen?« Die leeren Seiten laden ein, Gedanken zu notieren, und später im Gebet oder in Gesprächen mit Freunden zu vertiefen.
Ein fröhliches Heimkommen wünscht
Kerstin Hack
Verlegerin, Down to Earth Verlag
Nach einem Seminar in Ontario (Kanada) erzählte eine Frau ein beeindruckendes Zeugnis über das Bedürfnis nach Liebe, das Babys haben: Mein Mann und ich hatten im Laufe der Jahre zehn Pflegekinder. Es hat unser Leben verändert, das Leben dieser Kinder mit der Liebe Gottes in Berührung zu bringen. Die Geschichte eines kleinen Jungen ist rückblickend besonders bemerkenswert.
Stephan war in eine problembeladene Familie hineingeboren worden, die sich eigentlich ein kleines Mädchen gewünscht hatte. Es ging sogar so weit, dass die Eltern den Geschwistern sagten, dass sie nichts mit dem Kind zu tun haben wollten, falls »es« ein Junge sein sollte. Stephan bekam die Flasche und wurde fast nie in den Arm genommen. Es wurde auch kaum mit ihm geredet. Die meiste Zeit lag er auf dem Rücken in seinem Holzbett.
Als er größer wurde, wurden Flaschen mit lauwarmer Milch und Fruchtsaft ans Fußende seines Bettchens gelegt, die er zu den Mahlzeiten, oder wann immer er Hunger hatte, zu sich nehmen konnte. Als die zuständigen Behörden auf die Situation aufmerksam wurden, wurden alle drei Kinder in Pflegefamilien gegeben. Es wurde entschieden, dass sie Stephan, der mittlerweile 13 Monate alt war, in eine andere Pflegefamilie geben werden als die seiner Geschwister, von denen er von Anfang an abgelehnt worden war.
Als mein Mann und ich Stephan zum ersten Mal sahen, haben wir den Kleinen sofort ins Herz geschlossen. Er war eine knuddelige Kugel, mit großen braunen Augen, die aber anscheinend keine Reaktion zeigten.
Sein Kopf, der in keinerlei Proportion zum Rest des Körpers stand, lag einfach flach auf dem Kissen. Stephan war nicht in der Lage sich hinzusetzen, selbst wenn man ihm half. Da er über ein Jahr lang ausgesprochen wenig Stimulation erlebt hatte, schien er in seiner eigenen Welt eingeschlossen zu sein, abgeschnitten von den Geräuschen und Bewegungen seines Umfeldes. Es wurde getestet, ob er autistisch oder epileptisch sei. Auch die Gehirnströme wurden gemessen.
Man sagt uns, dass er in Bezug auf allgemeine mentale Entwicklung, nicht über den Zustand eines kleinen Kindes hinauskommen und er sehr viel von unserer Zeit beanspruchen würde. Wären wir bereit und fähig, uns dieser Herausforderung zu stellen? Keine Frage! Natürlich! Es gab da für uns keine Frage.
Vom ersten Moment an, als wir ihn im Pflegeheim gesehen hatten, wussten wir, dass wir Stephan zu uns nach Hause nehmen würden.
Alles brauchte seine Zeit. Aber indem wir alles von uns in diesen kleinen Kerl fließen ließen, saugte er all die Liebe auf, die nur so in sein Herz hineinpasste.
Jeden Tag konnten mein Mann und ich Anzeichen von Veränderung sehen. Zuerst wollte Stephan sich nicht kuscheln lassen und widersetzte sich jedem Versuch meinerseits, ihn eng umschlungen zu halten.
Als er anfing, sich mit uns zu verbünden und Vertrauen fasste, dass wir es gut mit ihm meinten, bekam er langsam seinen Körper und die Welt um sich herum in den Griff. Zuerst lag er nur am Boden, dann konnte er sich mit der Hilfe meines Mannes aufsetzen, schließlich begann er, sich selbst aufzurichten und zu krabbeln.
Er begann, die Objekte um sich herum wahrzunehmen und fing sogar an, über den Boden zu robben, um einen verloren gegangenen Laster oder seinen Lieblings-Teddy wieder einzusammeln.
Stephans erste Worte waren Worte, die wir ihm immer wieder gesagt hatten: »Ich ´ab dich lieb!« Das war so eine Ermutigung für uns als Mutti und Vati. Wir hatten ja darauf vertraut, dass Gott ein Wunder tun würde. Mein Ehemann und ich konnten jahrelang keine eigenen Kinder haben. Deshalb war Stephan für uns eine Gebetserhörung.
Ich hatte mir einen kleinen Jungen mit großen braunen Augen gewünscht und Gott, der meinen Herzenswunsch kannte, hat ihn uns geschickt! Neun Monate, nachdem wir Stephan in unserem Haus aufgenommen hatten, kam dieselbe Verantwortliche des Sozialamts vorbei. Sie war völlig schockiert, weil sie es einfach nicht glauben konnte, dass das der apathische kleine Junge aus dem Kinderheim war. Er war das reinste Vergnügen und rannte quicklebendig überall herum.
»Wie in aller Welt haben Sie das geschafft?«, fragte sie uns. »Was hat diese Veränderungen bewirkt?« Ich antwortete: »Wir haben einfach mit ihm geredet. Wir haben mit ihm gesungen. Wir haben für ihn gebetet. Wir haben ihn einfach geliebt.«
Mittlerweile ist Stephan ein Einserschüler im Gymnasium. Er spielt Posaune und liebt Computer. Nach Abschluss seiner Schulzeit möchte er als Missionar nach Afrika gehen.
1
Wie ein kleines Kind
In jedem von uns steckt ein kleines Kind,
das ein Bedürfnis nach Liebe hat.
Nur und wirklich nur dann, wenn wir uns demütigen und diese Wahrheit anerkennen,
kann der Vater zu uns kommen und
uns seine Liebe schenken.
....................
Es war ein kalter Vormittag im September.
Die Blätter der Bäume verfärbten sich langsam – von einem satten Grün zu leuchtendem Rot, Gelb und feurigem Orange und bedeckten den Parkplatz einer kleinen evangelikalen Vorortgemeinde. Ein neues Semester begann gerade. Ich war von den Gemeindeleitern gebeten worden, zu den Sonntagsschulkindern zu reden, bevor sie in ihre Gruppen gehen würden.
Als ich in dem offenen Auditorium vor dieser großen Anzahl von Kindern stand, konnte ich sehen, dass im Hintergrund auch die Eltern und Sonntagsschulleiter gespannt darauf waren zu hören, was ich sagen würde. »Wie viele von euch wollen ›groß‹ sein wie eure Eltern?« fragte ich die Kinder. Alle Hände schossen nach oben. Ich lächelte. »Das ist aber wirklich schade«, sagte ich, »denn Jesus möchte, dass all die Erwachsenen, die hier stehen, sich verändern und so werden wie kleine Kinder, wie ihr es seid.«
Die Erwachsenen im Auditorium waren zweifelsohne ebenso erstaunt über meine Antwort wie die Jünger in Kapernaum es gewesen waren. Stundenlang hatten sich die Jünger gestritten und versuchten herauszufinden, wer unter ihnen wohl der »Größte« sei und es verdienen würde, rechts oder links neben ihm zu sitzen, wenn er sein Reich auf der Erde aufrichten würde. Dann ruft Jesus ein kleines Kind und stellt es in die Mitte und sagt:
Darum, wenn jemand sich selbst erniedrigen wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel. (Matthäus 18,4)
Dies scheint manchen von uns als ein Widerspruch, wenn wir über das nachdenken, was der Apostel Paulus schreibt:
Darüber haben wir viel zu sagen, und es lässt sich schwer darlegen, weil ihr im Hören träge geworden seid. Denn während ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder nötig, dass man euch lehre, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise. Denn jeder, der noch Milch genießt, ist richtiger Rede unkundig, denn er ist ein Unmündiger; die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen. (Hebräer 5,11–14)
Wie können wir als wiedergeborene Christen in Christus zur Reife kommen und zur gleichen Zeit »werden wie die Kinder«?
Die Antwort finden wir im Textzusammenhang. Jesus erzählt uns in Matthäus 18,2–4, dass wir in unserem Glauben »kindlich« sein sollen. Paulus hingegen sagt, dass wir nicht »kindisch« und unreif in unserem Verständnis der Heiligen Schrift und unserem Verhalten sein sollen. Was unterscheidet ein kleines Kind von einem reifen Erwachsenen? Was charakterisiert ein vier- oder fünfjähriges Kind? Ein Kind vertraut. Im einfachen Glauben kommt es und streckt seine Hand aus – es bittet und erwartet, auch etwas zu empfangen. Es stellt die Bereitschaft des Vaters, zu geben oder die Fähigkeit des Vaters, zu lieben, zu versorgen und sich um es zu kümmern, nicht in Frage.
Ein Kind ist sorgenfrei. Es macht sich keine Sorgen und versucht nicht alles zu verstehen und zu durchdenken. Es erkennt seine Begrenzungen und weiß, dass es abhängig ist. Es erwartet, dass man ihm sagt, was es zu tun hat.
Ein Kind ist aufrichtig. Es kennt weder Heuchelei noch Vortäuschung und auch nicht den Zynismus und die Kompromisse, die die Erwachsenen zu einer Kunstform entwickelt haben. Es nimmt die Dinge wörtlich und wird das, was man ihm sagt, immer für bare Münze nehmen. Ein Kind ist ehrlich – manchmal sogar schmerzhaft ehrlich.
Ohne Vorwarnung platzt es mit den erstaunlichsten Offenbarungen heraus und ruft damit Reaktionen von Lächeln bis Erröten hervor – je nach dem, was es sagt, oder wer anwesend ist. In dieser Welt ist Wahrheit nicht nur etwas, nach dem wir streben sollen – es ist etwas, was wir geschenkt bekommen haben. Ein Kind ist unschuldig. In seiner Welt existieren Schmerz, Enttäuschung, Versagen und sogar absichtliche Bosheit noch nicht.
Es erwartet einfach immer das Beste vom Leben und von den Menschen, die sich liebevoll um es kümmern. Je älter wir werden, um so mehr nehmen wir an sozialer und intellektueller Reife zu. Unser ganzes Schulsystem, der Unterricht und die außerschulischen Aktivitäten sind darauf hin ausgerichtet.
Aber wenn wir nicht als Kinder oder später als Erwachsene die Elternschaft empfangen, die wir so dringend brauchen, werden viel zu viele von uns emotional unterentwickelt bleiben und nicht in der Lage sein, mit den Herausforderungen fertig zu werden, die das Arbeits- und Privatleben an uns stellt.
Die schmerzlichen Erfahrungen aus der Kindheit werden uns weiter verfolgen und uns empfänglich für Furcht, Ärger, Unsicherheit, Einsamkeit und Verzweiflung machen. Wir werden darum kämpfen, zu überleben, obwohl wir auf jeder anderen Ebene eigentlich Voraussetzungen in bezug auf Intellekt, natürliche Fähigkeiten und eigene Entschlossenheit haben, die wir brauchen, um in unserer Ellbogengesellschaft zu überleben und voranzukommen.
Lasst uns ehrlich die Frage stellen, ob wir als Erwachsene wirklich dem Druck des Lebens gewachsen sind. Oder bellen wir gleich zurück, wenn ein Freund oder Familienmitglied oder ein Arbeitgeber uns Rat oder Korrektur vermitteln will?
Sind wir in der Lage, unsere Prioritäten so zu setzen, dass genug Zeit für die Familie bleibt, nicht nur für Arbeit und Freizeitaktivitäten?
Sind wir in der Lage, zu lieben und uns lieben zu lassen? Oder wissen wir aus eigener Erfahrung, dass die Art von Sex, die uns die Medien vorspielt, unser Bedürfnis, gehalten, unterstützt und wertgeschätzt zu werden, niemals befriedigen wird? Gehen wir angesichts unserer fast leeren emotionalen Tanks auf die Suche nach etwas anderem – Drogen, Pornographie, Alkohol, Essen oder in eine außereheliche Affäre?
Alles nur, um unser verzweifeltes Bedürfnis nach Liebe auszufüllen. Die schlichte Wahrheit ist, dass wir einen Vater brauchen. Wir brauchen Elternschaft. Deshalb sagt Jesus in diesem Abschnitt aus dem Matthäus-Evangelium, dass wir uns demütigen und »wie die Kinder werden« (V.3) müssen.
Ich habe eines Tages Gott gefragt: »Herr, wie kann ein erwachsener Mann wie ein kleines Kind werden?«
Ich bekam folgendes zur Antwort: »Männer sind wie kleine Jungs und Frauen sind wie kleine Mädchen, die einfach nur groß geworden sind.« In jedem von uns steckt ein Kind, das geliebt werden muss.
Wenn wir uns demütigen und diese Wahrheit anerkennen, dann, aber nur dann, kann der Vater kommen und uns seine Liebe schenken. Loren Cunningham, der Gründer von Jugend mit einer Mission, sagte einmal: »Demut ist die Bereitschaft als derjenige bekannt zu sein, der wir wirklich sind.« Wer sind wir? Wir sind Leute mit einem großen Bedürfnis.
Gott hat uns in dem Wissen geschaffen, dass es in unserem Herzen und Leben ein Vakuum gibt, das nur er ausfüllen kann. Wenn wir diese Wahrheit nicht anerkennen und versuchen, dieses Bedürfnis auf irgendeine andere Art und Weise auszufüllen, dann drehen wir uns letztlich nur im Kreis und bereiten das Versagen geradezu vor. Nur ein Kind hat den schlichten Glauben, die Hände auszustrecken und das zu empfangen, was ihm als Geschenk gegeben wird.
Als Erwachsene sind wir in der Lage, uns selbst zu versorgen und sind nur auf Leistung orientiert. Die erste Frage, die wir stellen, wenn uns etwas angeboten wird, ist: »Wie viel kostet es? Was muss ich tun?« Ein Kind streckt nicht nur seine Hand aus und nimmt das, was ihm angeboten wird, es bittet sogar um noch mehr.
In 1. Johannes 4,19 heißt es:
Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.
Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Eigentlich müssen wir zuerst die Liebe des Vaters erfahren, bevor wir wissen, wie wir uns selbst und andere lieben können.
Dieses Buch nimmt Sie mit auf eine Reise. Es ist die Reise zurück zu dem einfachen Glauben, den Sie als Kind hatten, bevor das Leben mit all seinen Schmerzen und Enttäuschungen kam und die Angst das Vertrauen in einen liebenden Vater zerstört hat.
Vor jedem Kapitel finden sich Geschichten von Menschen, die sich gedemütigt haben und geworden sind wie kleine Kinder. Auf diese Weise konnten sie Heilung erleben und zu Männern und Frauen Gottes werden. Sie haben, obwohl sie aus verschiedensten Schichten und Berufen und in allen möglichen Problemen steckten, nach dem gesucht, das die Leere in ihrem Leben, die durch nichts anderes gefüllt werden konnte, ausfüllen kann.
Zwischen diesen Erfahrungsberichten ist die Geschichte eines Familienskandals gepackt, das im Lukas-Evangelium aufgezeichnet ist. Diese Geschichte, besser bekannt als das Gleichnis vom verlorenen Sohn, handelt von Beziehungen – oder genauer gesagt, über den Mangel davon.
Eines Tages sprach Gott zu mir und sagte: »Statt ein großer Junge mit einem kleinen Vater zu sein, solltest du lieber ein kleiner Junge mit einem großen Vater sein!«
Ich bin davon überzeugt, dass im Reich Gottes Größe nicht am angeborenen Talent, der Persönlichkeit oder sogar an der Intelligenz gemessen wird. Größe ist davon abhängig, wie sehr wir in der Lage sind, das zu empfangen und anzuwenden, was der Vater für uns als seine Söhne und Töchter in Christus hat.
Jeff erzählte: Als ich aufwuchs, wurde mir Religion regelrecht eingetrichtert. Jeden Sonntagnachmittag luden meine Eltern zu einem Treffen, das sie in unserem Haus veranstalteten, eine geistliche ›Größe‹ ein und zwangen mich, dabei zu sein. Ich ging innerlich immer mehr auf Abwehrhaltung. Am Sonntagmorgen waren wir zur Kirche gegangen. Das reichte. Ich wollte den Nachmittag mit meinen Freunden verbringen, Ball spielen oder einfach nur herumhängen. Als ich älter wurde, wurde ich immer rebellischer. Ich begann meine Eltern zu hassen und ihnen offen meinen Ärger zu zeigen.
Mein älterer Bruder Jonathan, der offensichtlich an den Treffen Gefallen fand, wurde zu meinem Rivalen. Er war immer hinter mir her und führte mir mein gottloses Verhalten und meine üblen Einstellungen vor Augen.
Ich hasste ihn, und er hat mich bestenfalls toleriert. In der siebten Klasse begann ich, aus Trotz gegen meine Eltern und meine Gemeinde, mit Drogen zu dealen: Marihuana, Heroin und einige weitere Aufputschmittel. Ich genoss sowohl den Kitzel, Drogen zu verkaufen, was immer das Risiko mit sich brachte, erwischt zu werden, als auch die zusätzlichen Gelder, die ich dadurch zur Verfügung hatte. In der Oberschule wollte ich das gleiche vorübergehende »High« erleben, wie meine Freunde, die Pillen nahmen und dann Heroin spritzten. Ich fing an Drogen zu injizieren.
Immer mehr meiner Profite flossen in meine zunehmende Sucht. Mein Leben ging in atemberaubendem Tempo bergab. Schon bald gaben mir die Drogen nicht mehr genug Auftrieb, um den Tag zu überstehen und ich begann, mich im Okkultismus nach Antworten umzusehen.
Ein Freund lud mich zu einer Seance ein, und innerhalb weniger Monate fand meine Initiation im Satanskult statt. Ich begann, den Teufel anzubeten und alles zu tun, was er von mir verlangte. Satanische Rituale, Tieropfer, sexuelle Unmoral, Blasphemie, egal, was es war – ich habe es nicht nur selbst getan, sondern auch andere ermutigt, das gleiche zu tun.
Meine Eltern und ihre Freunde beteten während dieser ganzen Zeit für mich, obwohl sie keine Ahnung hatten, worin ich verwickelt war. Das nervte mich und setze mich unter Druck, aber ich ließ mich davon nicht aufhalten. Jonathan, mein älterer Bruder, der in seinem ganzen Leben nie etwas Falsches getan hatte, hat mich ständig irritiert. Mit einer verurteilenden und selbstgerechten Haltung, hob er seine Augenbrauen und sagte: »Ich frage mich, worin der kleine Jeff nun schon wieder steckt.« Das hat mich nur angespornt, ihm auf unzweideutige Weise zu sagen, wohin er sich zu scheren habe.
Meine Eltern liebten mich, obwohl ich meistens genau die Dinge tat, von denen sie mich abhalten wollten. Aber als Eltern stellten sie Regeln auf und hatten Erwartungen an mich. Meine Gemeinde tat das gleiche. Von Anfang an war das ein Kampf, der nicht zu gewinnen war. Jeder konnte sehen, dass ich nicht aus dem Holz geschnitzt war, aus dem die Mustersöhne treuer Kirchgänger gemacht sind.
Schließlich hatte ich genug.
Ich wollte mein eigenes Leben leben, meine eigenen Entscheidungen treffen, meine eigenen Freunde aussuchen. So packte ich meine Sachen und ging. Keiner in meiner Familie schien das zu verstehen, besonders mein Vater nicht. Aber im Gegensatz zu ihm wusste ich, dass das Leben für einen jungen Mann mehr zu bieten hatte, als ich in der Zwangsjacke, die sie »christliches Zuhause« nannten, ausleben konnte.
Nachdem ich ausgezogen war, entwickelten sich die Dinge weiter zum Negativen. Ich war gezwungen, genug Geld zu verdienen, um meinen unmoralischen Lebenswandel führen zu können.
Um meine Sucht zu finanzieren, musste ich Drogen auf der Straße verkaufen. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Angst. Ich wusste, dass ich für eine lange Zeit ins Gefängnis käme, falls die Polizei jemals eine Hausdurchsuchung in meiner Wohnung machen oder mich beim Drogenverkauf erwischen würde. Dann könnte ich wohl etwas Wärme in eine kalte Zellenpritsche bringen. Kurze Zeit später wurde mein bester Freund Leighton, der gemeinsam mit mir Drogen nahm und verkaufte, von seinen Lieferanten bösartig zusammengeschlagen, weil er seine Schulden nicht bezahlen konnte.
Ich hing tagelang im Krankenhaus herum, ungewiss, ob mein bester Freund weiterleben oder sterben würde. Plötzlich wirkte meine Familie gar nicht mehr so schlecht auf mich, nicht einmal mein älterer Bruder Jonathan.
Drei Mahlzeiten am Tag, ein warmes Bett, ein Schrank voll sauberer Kleider – es war hart gewesen, auf der Straße zu leben und für mich selbst sorgen zu müssen. Vielleicht könnte ich ja wieder zu Hause einziehen. Vielleicht könnte ich auch Hilfe finden, um mit der Sucht fertig zu werden, bevor sie mich hinter Gitter bringen – oder noch schlimmer, mich umbringen würde. Die Entscheidung war nicht leicht.
Ich ging innerlich durch einen schweren Kampf und sagte mir, dass ich lieber durchhalten als nach Hause gehen und die Niederlage eingestehen würde. Mein Stolz stand mir dabei am meisten im Weg. Ein Mann gibt nicht zu, dass er falsch liegt, selbst wenn es so ist. Jeder kann das verstehen. Aber schließlich musste ich den Tatsachen ins Auge sehen.
Das Leben auf der Straße war eine Einbahnstraße, die in einem Metallsarg endet. Ich sagte mir: »Zur Hölle damit«, packte meine Taschen und ging – vor Angst schwitzend – zurück nach Hause.
So unglaublich es klingen mag – meine Eltern empfingen mich mit offenen Armen! Trotz allem, was ich getan hatte, waren sie wirklich froh, mich wieder bei sich zu haben. Sie haben mich auch nicht nach den Details meiner schillernden Vergangenheit ausgefragt, obwohl meine Arme und Beine voller Stichwunden und mehrfarbiger blauer Flecke waren, dort, wo die schmutzigen Nadeln nicht die richtige Stelle getroffen hatten.
Damit mich niemand falsch versteht, ist es wichtig zu sagen, dass es nicht leicht war. Ich stand immer noch sehr unter Druck, weil sie weiter für mich beteten und den Herrn baten, mein Leben zu ergreifen. Aber es war die Sache wert. Ich war an einem sicheren Ort und wusste, dass ich geliebt wurde. Jahrelang hatte ich Gott und alles, was nur im Entferntesten mit dem Christsein zu tun hatte, verspottet.
Jetzt als Drogenabhängiger musste ich nicht nur meine Sucht bewältigen, sondern ich hatte auch damit zu kämpfen, dass ich mich in moralischer Hinsicht unsauber fühlte. Mein Gewissen begann mich zu quälen, und ich fühlte mich unrein vor einem heiligen Gott.
Der Drogenmissbrauch, die Unmoral, die Anbetung Satans waren nichts als Rebellion gegen Gott gewesen, das wusste ich. Ich hatte mich entschieden, so zu leben, nicht er. Würde er mir vergeben? In meiner Angst schrie ich zum Herrn.
War es zu spät, um den Griff, den der Satan schon auf meinem Leben hatte, wieder zu lösen? Oder hatte ich wie Pharao einmal zu oft »Nein« gesagt.
Panik begann mich zu ergreifen. »Herr«, betete ich »Ich möchte Buße tun. Ich möchte, dass mir vergeben wird. Bitte, bitte hilf mir, durchzukommen. Mein Herz ist so hart.« Meine Familie und Freunde beteten weiter, und die Gnade gewann schließlich die Oberhand. Tränen der Reue flossen über mein Gesicht, als ich Buße tat und Gott mich rettete.« Einige Jahre später nahm Jeff an einem meiner Seminare über Gottes Vaterherz teil und auch da merkte er, dass er immer noch Rebellion in sich trug. Er erzählte mir: »Jack, in der Vergangenheit habe ich dem Satan und der Sünde gedient, aber jetzt will ich radikal für Gott sein. Deshalb kam ich zu diesem Seminar. Aber als du von der Vaterliebe Gottes erzählt hast, habe ich innerlich gesagt: ›Diesen Mann werde ich niemals für mich beten lassen.‹ «
Ich antwortete: »Jeff, beinahe wäre dein Wunsch in Erfüllung gegangen. Du bist der letzte. Die Leute, die mich zum Flughafen bringen wollen, warten schon.«
»Ich hatte echt das Bedürfnis, dich kurz und klein zu schlagen. Ich kann nicht verstehen, was da innerlich in mir vorgegangen ist. Jetzt sehe ich, wie viele Mauern ich aufgebaut habe. Ich habe mich bewusst entschieden, mich von denen fernzuhalten, die mich lieben. Ich will durch diese Mauern durchbrechen, aber ich weiß gar nicht, wo oder wie ich anfangen soll.«
»Jeff, Gott will nicht nur dein Leben, er will dein Herz. Er will dich in all den Bereichen deines Lebens berühren, die dir immer noch Schmerzen bereiten und dir seine Liebe vermitteln. Kannst du dich demütigen und werden wie ein kleines Kind? Kannst du einfach der kleine Junge sein, der einen Vater braucht?«
»Ich glaube, das kann ich. Ja, ich will es auch«, sagte Jeff mit Entschlossenheit. »Ich möchte, dass er mein Vater ist.«
Als wir beteten, berührte Gott Jeff auf machtvolle Weise. Das geschah nicht durch irgendetwas, das ich sagte. Es geschieht nie durch meine Worte. Es war einfach Gott, der an diesem Tag eine Veränderung in seinem Herzen bewirkte. Jetzt ist Jeff nicht nur ein Sohn, der von seinem Abba-Papa-Vater geliebt wird, sondern auch ein nützlicher Diener Gottes, der diese Liebe an seine Familie und andere weitergeben kann.
2
Das Zuhause verlassen
Der jüngere Sohn schätzt sein Erbe,
aber er hält es für selbstverständlich.
Oder vielleicht versteht er auch nicht die tiefe Liebe, die sein Vater für ihn hat.
Die Beziehung bedeutet ihm nichts.
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Er aber sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne; und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Vater, gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt! Und er teilte ihnen die Habe. Und nach nicht vielen Tagen brachte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste weg in ein
