Hej! - Zora Klipp - E-Book

Hej! E-Book

Zora Klipp

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Beschreibung

Als die damals 20-jährige Zora Klipp einen Roadtrip in den Norden macht, ist dies der Beginn einer großen Liebe zu Schweden, die ihr Leben auf den Kopf stellt: Zurück in Hamburg kündigt sie ihren Job und verbringt ein Jahr als Au-Pair im Land der endlosen Schären und der gemütlichen roten Holzhäuser. In "Hej!" erzählt die beliebte TV-Köchin von diesem Wendepunkt in ihrem Leben und teilt ihre kulinarische Leidenschaft, die geprägt ist von der nordischen Leichtigkeit und der Freude an saisonalen Zutaten. Neben Klassikern wie Köttbullar und Zimtschnecken bietet das Buch auch viele vegetarische und vegane Gerichte wie zum Beispiel Möhren-Lax oder schwedische Rösti. "Hej!" ist Zoras Einladung, das Beste von Schweden zu entdecken: die Küche, die Kultur und die inspirierende Lebensweise, die vom Prinzip "Lagom" geprägt ist – nicht zu viel, nicht zu wenig. Coverillustration "Wildflowers Garden 3": Labud Studio LLC - Nika Simovic Fisher

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Seitenzahl: 95

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Hej!

Auf nach Schweden! Meine Lieblingsrezepte

Zora Klipp

Mit Fotografien von Melina Kutelas Grafische Gestaltung von SIRENE Studio

Vorwort

Eins

Vorspeisen,

Snacks

und

Smörgås

Zwei

Das Herz der schwedischen Küche

Deftig Schwedisch

Köttbullar

Einfach und Schnell

Korvbröd

Schwedisches Festessen

Suppen, Eintöpfe und Aufläufe

Einwecken und Einmachen

Drei

Fika

– die Kunst der Kaffeepause

Zimtschnecken – Die Beste

Fika

Schwedische Kuchenklassiker

strandspaziergänge in

Skanör

und geräucherte miesmuscheln frisch vom grill – die perfekte kombination!

Vorwort

2010 habe ich mit meinem Dad das Auto gepackt, ordentlich Proviant vorbereitet, und los ging die Reise. Wie immer ohne genauen Plan und ohne genaue Route – aber gen Norden sollte es gehen, so viel stand fest.

Schon meine ganze Kindheit haben wir so Urlaub gemacht. Mama hat das Auto gemütlich eingerichtet und meiner Schwester und mir Spiele sowie Snacks bereitgelegt. In den frühen Morgenstunden ging es dann los. Genau so sollte es wieder sein – das war unser Plan.

Dass diese Reise ein entscheidender Wendepunkt in meinem Leben werden würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ansatzweise ahnen.

Ich war gerade zwanzig Jahre alt und hatte eine Vollzeitstelle als Köchin in einem schönen Hotel. Ich arbeitete gerne dort und hatte ein tolles Team um mich herum. Aber ich hatte mich in letzter Zeit immer öfter gefragt: „War’s das schon? Bin ich jetzt einfach immer Köchin? Ich bin gerade mal zwanzig und habe die besten Jahre noch vor mir. Ich muss doch noch die Welt entdecken!“

Ein Leben lang Spätdienst, lange Schichten – egal ob Sonntag, Weihnachten oder Mamas Geburtstag –, als Köchin hätte ich einfach immer gearbeitet. Schon während meiner Ausbildung sind viele Freundschaften daran zerbrochen. Köchin war eigentlich seit jeher mein Traumberuf, doch als ich dann immer mehr merkte, was das im Hier und Jetzt wirklich bedeutet, war ich mir auf einmal gar nicht mehr so sicher.

Also habe ich den Entschluss gefasst: Ich will mehr! Aber was? Da kam der Sommerurlaub gerade recht. Und so fuhren wir los: zwei Wochen mit dem Auto und zwei Zelten – Papa und ich.

Als wir in Dänemark unseren ersten Stopp machten und eine Raststätte betraten, erinnere ich mich nur noch an eines: „HEJ!“ Und zwar kein trübseliges „Hej“, wie man es aus Norddeutschland als recht elanloses „Moin“ kennt. Es war ein HEJ! Schon alleine bei der Aussprache ist der Mund dazu angehalten, die Mundwinkel nach oben zu ziehen – und dir ein Lächeln ins Gesicht zu malen. Ich war fasziniert von diesem Wort, von der Freundlichkeit und der Offenheit, mit der wir ab diesem Moment während der gesamten Reise konfrontiert wurden.

Angekommen in Schweden, hörte ich dann auch mal ein „HEJSAN“ oder ein doppeltes „HEJ HEJ“. Wir tauchten ein in die traumhaft schöne Landschaft und begegneten gelassenen Menschen mit einem Lächeln im Gesicht. VÄLKOMMENTILLSVERIGE.

Schon vor Ort wollte ich eigentlich gar nicht mehr zurück nach Hause. Ich begann, alles von der Sprache aufzusaugen, und fasste sofort den Entschluss, dass ich wiederkommen muss. Ich war fasziniert – von dieser herzlichen, aber trotzdem irgendwie zurückhaltenden Art der Schweden, von dem reichhaltigen Essen, das mir bisher komplett unbekannt gewesen war, und von der atemberaubenden Natur.

Wieder zurück in Deutschland, war mir schnell klar, dass ich erst mal eine Pause brauchte. Ich wollte wissen, wie ich mein Leben weiter gestalten, was ich noch alles sehen, lernen und erreichen wollte.

Über die Belastungen, die mein Job mit sich brachte, habe ich ja eben schon gesprochen. Die ständigen Spätdienste, die Wochenendarbeit, die Feiertage im Hotel statt mit der Familie – das alles hatte mich müde gemacht. Dazu kam eine Beziehung, die sich schon länger falsch anfühlte, und das Leben in einer Stadt, mit der ich nie wirklich warm geworden war. Also habe ich einen radikalen Schnitt gemacht: Job gekündigt, Beziehung beendet, Auto verkauft, Wohnung gekündigt, Möbel zu Mama – und zurück nach Schweden. Als Au-pair. Ich hatte nicht viel mehr als einen Koffer, als ich in den Zug nach Südschweden gestiegen bin. Dass ich nach Schweden ging, war also kein lang gehegter Lebenstraum, sondern eher eine Reaktion auf das, was nicht mehr passte. Mein Ziel war einfach eine Auszeit. Ich wollte ein Jahr Abstand gewinnen, zur Ruhe kommen und mich neu sortieren. Ich hatte keine großen Erwartungen – und vor allem keinen konkreten Plan, was danach kommt. Ich wusste nur, dass es sich richtig anfühlte, loszugehen.

„Ein jahr schweden – zwischen alltag, sprache und neuen wegen“

Ich wollte so richtig eintauchen in die Kultur, mir ein kleines Stück Heimat aufbauen und Teil der schwedischen Gesellschaft werden. Und ich hatte so viel Glück: Ich habe die beste Familie bekommen, die ich mir nur hätte wünschen können.

Ich landete in Älmhult, einer kleinen Stadt in Südschweden, in Småland. Malin und Claes, meine Gasteltern, hatten drei kleine Kinder.

Als ich kam, waren diese acht, sechs und anderthalb Jahre alt – und konnten natürlich kein Wort Deutsch oder Englisch. Und ich so gut wie kein Schwedisch. Trotzdem war schnell klar: Das passt. Die Familie hat mich herzlich aufgenommen und mir das Ankommen leicht gemacht.

Die ersten Wochen waren dennoch anstrengend. Ich musste mich an den Alltag gewöhnen, an den Umgang mit den Kindern, an die neue Sprache, an das Land. Meine Gasteltern hatten mich an dem Gymnasium der Kleinstadt angemeldet, und dafür bin ich ihnen bis heute extrem dankbar. Dort besuchte ich eine Klasse für Einwanderer. Ein Jahr lang bin ich jeden Tag von acht bis zwölf Uhr zur Schule gegangen – nur um Schwedisch zu lernen, angefangen beim Alphabet.

Es war mühsam, aber auch motivierend, weil ich jeden Tag gemerkt habe, wie ich ein bisschen mehr verstehe. So konnte ich mich innerhalb kurzer Zeit schon ein wenig mit den Kindern unterhalten. Nach drei Monaten sprachen Malin und Claes kein Englisch mehr mit mir, wir sprachen nur noch Schwedisch. Und plötzlich war ich mittendrin, ich hatte meinen Platz gefunden. Ich hatte meine ersten schwedischen Freunde, ich ging ins Fitnessstudio. Und so wurde aus dieser Auszeit plötzlich so etwas wie ein echtes Zuhause auf Zeit.

Dadurch, dass ich genau ein Jahr geblieben bin, habe ich auch alle wichtigen Traditionen einmal miterlebt. Ich erinnere mich gut an Midsommar in der „Sommarstuga“ der Familie – einem kleinen Ferienhaus in Karlskrona direkt am See. Wir haben Blumenkränze gebunden, Erdbeertorte gegessen, die ich vorher mit den Kindern gebacken hatte, Spiele gespielt und im eiskalten See gebadet. Und das war alles andere als „extra fürs Au-pair inszeniert“, sondern einfach echt. Ein paar Wochen später kam die Kräftskiva, das Krebsfest im Spätsommer, dann Lucia mit dem Chor in der Schule und reichlich Lusse-katter, und schließlich ein schwedisches Weihnachten mit Kerzen, viel Schnee und dem traditionellen Julbord – der Weihnachtstafel.

In dieser Zeit habe ich natürlich nicht nur Schwedisch gelernt, sondern auch sehr viel gekocht, beobachtet, mitgeholfen – und so einige Rezepte mitgenommen. Einige davon sind heute fester Bestandteil meiner Küche. Und mehr noch: Ich habe mir ein Stück Lebensgefühl bewahrt.

Heute, fünfzehn Jahre später, gibt es in meinem Café, der Weidenkantine in Hamburg, noch immer jeden Morgen frische Kanelbullar, also klassische Zimtschnecken – genau nach dem Rezept, das ich damals von Malin bekommen habe. Ich schaue noch immer schwedische Serien, lese schwedische Bücher und habe bis heute Kontakt zur Familie.

Was mir aber am meisten geblieben ist, ist das Gefühl, wie viel Veränderung möglich ist, wenn man den Mut hat, einfach mal einen ganz neuen Schritt zu gehen. Schweden war kein Neuanfang mit großem Knall – es war eher ein stilles Umsortieren, ein Sich-selbst-neu-Kennenlernen.

Und genau das möchte ich mit diesem Buch zeigen. Nicht nur, wie gut die schwedische Küche schmeckt, sondern auch, wie viel Ruhe, Wärme und Alltag darin stecken.

„Zurück in schweden – für dieses buch, für ein stück zuhause“

Für dieses Buch bin ich noch einmal zurück nach Schweden gereist. Es war mir wichtig, die Atmosphäre, die ich damals erlebt habe, nicht nur zu beschreiben, sondern auch visuell einzufangen – so, wie sie sich für mich angefühlt hat: ruhig, weit, natürlich, herzlich.

Zusammen mit der Fotografin Melina Kutelas bin ich durch den Süden des Landes gefahren. Wir sind an kleinen Seen vorbeigekommen, durch Wälder, an roten Holzhäusern entlang – und immer wieder haben wir angehalten, weil das Licht, die Landschaft oder einfach der Moment so typisch schwedisch waren.

Für mich war das keine normale Arbeitsreise – es war auch ein kleiner Rückblick. Eine Reise zu dem Ort, an dem damals so viel ins Rollen gekommen ist.

Natürlich durfte ein Abstecher zu meiner alten Gastfamilie nicht fehlen. Ich hab mich so gefreut – wir hatten uns nun schon ein paar Jahre nicht mehr gesehen. Doch kaum war ich da, war alles wie früher. Mit dem kleinen Unterschied, dass die Kinder heute groß sind, studieren, eigene Wege gehen. Aber das Gefühl war dasselbe: herzlich, vertraut und unkompliziert.

Wir haben gemeinsam gekocht, gegessen, im Garten gesessen – so wie früher. Die Gespräche über Essen, über neue Rezepte, über alte Lieblingsgerichte liebe ich immer am meisten. Das war schon damals mein gemeinsamer Nenner mit meinem Gastvater: in der Küche stehen, Ideen austauschen und über Geschmack reden – er ist so ein guter Hobbykoch.

Ich hoffe, dass wir es geschafft haben, dieses Lebensgefühl in die Seiten dieses Buchs zu bringen. Es geht nicht nur um Rezepte, sondern auch um das, was damit verbunden ist: Wärme, Gemeinschaft, Gelassenheit und eine gewisse Leichtigkeit, die ich bis heute mit Schweden verbinde.

Typisch für schwedische familien:

Fredagsmys

. Freitagsabends versammelt sich die ganze

familie im wohnzimmer, es gibt süssigkeiten und limonade, und alle gucken zusammen einen

film. Man macht es sich einfach so richtig gemütlich und läutet das wochenende ein.

EINS Vorspeisen, Snacks und Smörgås

Hier geht’s um alles, was schnell begeistert: feine Kleinigkeiten, die den Appetit wecken, zwischendurch satt machen oder perfekt zum Teilen sind. Und natürlich auch um den schwedischen Klassiker: Smörgås, die kunstvoll belegte Variante des klassischen Butterbrots und ein fester Bestandteil der skandinavischen Esskultur. Perfekt zum Snacken, Vorfreuen oder einfach, weil man Lust drauf hat.

Käsebrot mit Dill und sauren Gurken

Ostsmörgas Med Dill Och Inlagda Gurkor

Für 2 Personen

1 rote Zwiebel

Öl zum Braten

1 TL brauner Zucker

1 TL Apfelessig

2 EL Schmand

2 TL grober Senf

Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle

1 EL Sonnenblumenkerne

120 g würziger Käse (z. B. Västerbottensost oder Gruyère)

2 Scheiben Sauerteig- oder Roggenbrot

1 TL Butter

Gewürzgurken (siehe Rezept Seite 157), in Würfel geschnitten

2–3 Zweige Dill, frisch gehackt

Die Zwiebel halbieren und in feine Streifen schneiden. Anschließend in etwas Öl bei mittlerer Hitze glasig dünsten. Den Zucker und den Apfelessig hinzufügen und leicht einkochen lassen, bis die Zwiebeln weich sind (5–7 Minuten). Zum Auskühlen beiseitestellen.

Den Schmand mit dem groben Senf sowie etwas Salz und Pfeffer glatt rühren. Die Sonnenblumenkerne in einer Pfanne ohne Zugabe von Fett rösten.

Den Käse mit einem Sparschäler oder Käsehobel in Streifen schneiden. Die Brotscheiben von beiden Seiten mit der Butter bestreichen und im Ofen oder einer Pfanne knusprig anrösten. Die Schmandcreme darauf verteilen, dann den Käse auf die Schmandcreme geben. Die Gewürzgurken darauflegen, die karamellisierten Zwiebeln darübergeben. Mit den gerösteten Sonnenblumenkernen und frisch gemahlenem Pfeffer bestreuen. Mit dem Dill garnieren.

Geröstetes Brot mit Pfifferlingen

Kantarelltoast

Für 4 Personen (Als Vorspeise Oder Snack)

1 Knoblauchzehe