Heliosphere 2265 - Band 27: Der letzte Gefangene (Science Fiction) - Andreas Suchanek - E-Book

Heliosphere 2265 - Band 27: Der letzte Gefangene (Science Fiction) E-Book

Andreas Suchanek

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Beschreibung

Der Kampf um die Zukunft beginnt, die Ash'Gul'Kon greifen den ersten menschlichen Staat an. Captain Jayden Cross wird gemeinsam mit einem kleinen Team an Bord der ILLUMINA ins Kampfgeschehen geschickt, um zu beobachten. Doktor Petrova ist ebenfalls anwesend und stellt klar: Gelingt es nicht, einen der feindlichen Aliens gefangen zu nehmen, wird Alpha 365 sterben. Dies ist der siebenundzwanzigste Roman aus der Serie "Heliosphere 2265". Ab sofort ist auch das erste Hörspiel zur Serie "Das dunkle Fragment" im Handel erhältlich (www.heliosphere2265-hoerspiel.de). Im November 2265 übernimmt Captain Jayden Cross das Kommando über die Hyperion. Ausgerüstet mit einem neuartigen Antrieb und dem Besten an Offensiv- und Defensivtechnik, wird die Hyperion an den Brennpunkten der Solaren Union eingesetzt. Heliosphere 2265 erscheint seit November 2012 monatlich als E-Book sowie alle 2 Monate als Taschenbuch. Hinter der Serie stehen Autor Andreas Suchanek (Sternenfaust, Maddrax, Professor Zamorra), Arndt Drechsler (Cover) und Anja Dyck (Innenillustrationen).

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Heliosphere 2265

Band 27

„Der letzte Gefangene“

von Andreas Suchanek

Was bisher geschah

Ende des Jahres 2267 ist es Richard Meridian gelungen, den Jahrhundertplan erfolgreich zu vollenden. Er konnte das Tachyonengefängnis der uralten Rasse der Ash’Gul’Kon öffnen, worauf die gefährlichen Aliens in die Milchstraße zurückkehren.

Die galaktischen Mächte sind zerstritten wie nie zuvor und liegen untereinander im Krieg. Die Solare Republik, das Imperium, die Zukunftsrebellen, die Rentalianer und die Aaril sind damit keine wirklichen Gegner für den gnadenlosen neuen Feind.

Nach einem verlustreichen Kampf fliegt die HYPERION zurück ins Alzir-System. Dort angekommen empfangen sie eine Übertragung der Ash’Gul’Kon aus dem Kriegsgebiet. Die Aliens beginnen sofort mit ihrem Vernichtungsfeldzug und zerstören die verbliebene Flotte des Ketaria-Bundes. Unter den Heeren der Spinnenskorpione fallen die letzten Streiter der Assassinen, die Kolonien und Habitate. Dann offenbart sich die geheimnisvolleStimme,die die gegnerischen Einheiten befehligt. Es ist Tess Kensington, die auf der anderen Seiten des Tachyonentunnels körperlich und geistig verändert wurde. Sie steht nun offenbar an der Spitze des feindlichen Heeres, dazu bereit, die Völker der Milchstraße auszulöschen.

Um überhaupt eine Chance gegen die Ash’Gul’Kon zu besitzen, greift Präsidentin Shaw nach einem letzten Strohhalm: Sie will eine Allianz formen. Die HYPERION wird ausgeschickt, um mit den Parliden über einen Pakt zu verhandeln. Im Verlauf der Gespräche kommt es jedoch zu dramatischen Ereignissen, durch die Commander Ishida von den Sternköpfen gefangen genommen wird und die Ash’Gul’Kon angreifen.

DieStimmedemonstriert ihre Macht und am Ende bleibt nur der Rückzug. Die Parliden überdenken aufgrund der Geschehnisse das Angebot der Menschheit. Sollte es zu einem Pakt kommen, fordert die Republik die Freilassung aller menschlichen Sklaven, bietet dafür aber die Koordinaten der letzten Brutwelt an, auf der die Sternköpfe wieder Nachwuchs züchten könnten. Wie werden die Parliden sich entscheiden?

Das Abenteuer geht weiter ...

Alzir-System, Alzir-12, IL HYPERION, 02. Februar 2268, 08:05 Uhr

Verbindung hergestellt.

Commander Noriko Ishida beobachtete auf dem Display die schnell wechselnden Statusdaten. Schließlich entstand vor ihr in der Luft ein Flimmern. Leuchtende Photonen bildeten erst eine menschliche Silhouette und erweiterten sich dann um einen Tisch. Ein Stuhl manifestierte sich, dahinter verschiedene Einrichtungsgegenstände.

Das holografische Abbild bekam Tiefe, Farbe ... wurde vollständig.

„Schön Sie zu sehen, Commander.“ Captain Jayden Cross grinste jungenhaft. Sein dunkles Haar war frisch frisiert, er funkelte sie mit blitzenden Augen an, die Uniform saß tadellos.

Woher nimmt er nur die Energie?Unweigerlich fegte sie ein Staubkorn von ihrer Schulter. „Gleichfalls, Captain.“

Sie nutzten zum ersten Mal den Holokonferenzraum der HYPERION. Neben dem Translokator wurde auch diese Einrichtung auf allen neuen Schiffen installiert.

Der Raum war im Grunde genommen ein großer Quader, dessen Decken und Wände aus einem halbtransparenten dunklen Material bestanden. Dahinter, deutlich sichtbar, erkannte sie die Holoprojektoren. Es gab einen Tisch mit einem Stuhl, sonst keinerlei echte Einrichtungen. Weitere Sitzgelegenheiten konnten bei Bedarf aus dem Boden ausgefahren werden.

Grundsätzlich war es möglich, ganze Konferenzen auf diese Art stattfinden zu lassen und den Raum holografisch ständig zu erweitern. Dem Gesprächspartner wurde, wenn die Steuerung entsprechend konfiguriert war, auch eine Hintergrundkulisse präsentiert. Hinter dem Captain zeigte sich ein Abbild der Brücke des Stealth-Kreuzers ILLUMINA.

„Kaum zu glauben, was Damato zustande gebracht hat“, sagte Cross. „Die Verbindung funktioniert tadellos. Stabiler Kontakt, gigantische Bandbreite, keine Störungen; dabei sind die Wanderschlünde nach wie vor überall unterwegs, wo kein großer Massepunkt sie fern hält.“

Noriko nickte. „Zumindest hier im System läuft die Verbindung stabil. Wenn wir irgendwann wieder ein galaxisweites unabhängiges Kommunikationsnetz aufbauen können, haben weit entfernte Raumschiffe damit auch die Option, mit der Admiralität in Echtzeit zu kommunizieren. Einstweilen ist es aber ein riesiger Schritt, dass es überhaupt hier im Alzir-System möglich ist.“

„Es geht voran“, sagte Cross. „Kaum zu glauben, doch trotz all der Rückschläge arbeiten wir uns – zumindest fühlt es sich so an – langsam wieder aufwärts. Erzählen Sie, wie steht es um mein Schiff?“

Sie griff nach dem Pad, das auf dem Tisch bereitlag, und brachte den Captain auf den neuesten Stand. Als sie geendet hatte, sah sie auf. „Die Instandsetzung liegt hinter dem Zeitplan zurück. Ich bin sicher, dass dafür ein gewisser Werftarbeiter verantwortlich ist, dem wir das letzte Mal auf die Füße getreten sind.“

„Durchaus möglich.“ Cross verzog abschätzig das Gesicht. „Niwen hat nicht kapiert, was wir ihm sagen wollten.“

„Dass Commander Lorencia ihn aus dem Maschinenraum geworfen hat, hat wohl auch eher weniger dazu beigetragen, dass er einen Fanclub gründet.“

Cross kicherte leise. „Aber es war ein toller Anblick.“ Er wurde wieder ernst. „Behalten Sie in meiner Abwesenheit alles im Auge, Commander. Bis jetzt kann ich nicht überblicken, wie lange die Mission dauern wird. Sobald ich zurück bin, möchte ich einen Vorschlag für die Neubesetzung des Sensoroffiziers auf dem Schreibtisch.“

Wieder schaute Noriko auf ihr Pad. Eines der Dinge, die sie bisher erfolgreich vor sich hergeschoben hatte - wie auch Captain Cross zuvor -, waren die Gespräche mit den aussichtsreichsten Kandidaten, die auf der Liste von Admiral Jansen standen. Die Oberbefehlshaberin der Flotte hatte bereits angedeutet, dass sich einige davon vermutlich aus den falschen Gründen auf den Posten bewarben. Zudem brachte es das Thema mit sich, über die beiden verlorenen Kameraden nachzudenken.

Tess Kensington, die von den Ash’Gul’Kon gefangen genommen und körperlich wie geistig in dieStimmetransformiert worden war. Und Lieutenant Nurakow, der das letzte Gefecht gegen die Spinnenskorpione nicht überlebt hatte.

„Wird erledigt.“ Sie räusperte sich, legte das Pad zurück. „Schreiten die Missionsvorbereitungen denn wenigstens voran?“

Cross zuckte mit den Achseln. „So genau bin ich nicht eingeweiht. Admiral Pelsano wird die Mission leiten. Bisher ist nur klar, dass zwei Schiffe in den Einsatz gehen. Die MÖBIUS unter seinem und die ILLUMINA unter meinem Kommando.“

„Ehrlich gesagt war ich verblüfft, dass die Zukunftsrebellen so lange durchhalten“, sagte Noriko.

Das noch recht neue Imperium, das von Flüchtlingen aus der alternativen Zeitlinie gegründet worden war, die mittlerweile nicht mehr existierte, behauptete sich seit wenigen Tagen gegen den Ansturm der Spinnenskorpione. Ihnen zur Seite standen lediglich die Eriin-Piraten.

„Geht mir genauso, aber das lässt immerhin hoffen“, sagte Cross. „Die Beobachtungsschiffe, die bisher ins Tikara-System entsandt wurden, halten uns leider nur mit gigantischer Zeitverzögerung auf dem neuesten Stand der Dinge. Außerdem müssen sie einen Sicherheitsabstand wahren. Meine Hoffnung ist, dass die ILLUMINA das gesamte System im Tarnflug überprüft.“

Noriko schenkte ihm einen durchdringenden Blick. „Sir, Sie denken doch nicht daran ...“

Er bedeutete ihr, nicht weiterzusprechen. „Es ist mir gelungen durchzuboxen, dass auch Doktor Petrova und Lieutenant Larik mit an Bord sind. Falls es hart auf hart kommt, werde ich die notwendigen Entscheidungen treffen.“

Sein Blick sprach Bände.

Sie erschauerte. „Sir, wenn Admiral Pelsano an der Mission beteiligt ist, wird er am Ende einen Bericht schreiben. Sie stehen auf der Liste zur Beförderung in den Rang eines Commodores. Jeder Ihrer Schritte wird beobachtet. Ein Fehler und das war‘s.“

„Ich weiß“, sagte er. „Aber das Leben von Alpha 365 ist wichtiger.“

„Natürlich.“ Ihre Gedanken wanderten zu dem bleichen Gesicht des genetisch designten Sicherheitschefs, der durch ein Virus der Ash’Gul’Kon dem Tode entgegen sah. „Sie sollten nur die Konsequenzen im Blick behalten. Der gesamte Admiralsrat ist neu gegründet worden, daher kann ich die einzelnen Offiziere nicht einschätzen. Jeder von denen mag uns freundlich oder feindlich gesinnt sein.“

„Da haben Sie absolut recht. Aber Sie wissen ja, ich habe einen Ruf zu verlieren.“

„Und eine Karriere. Trotzdem stimme ich Ihnen zu. Leider ist es eben meine Aufgabe, Ihr Gewissen zu sein. Übrigens ein sehr undankbarer Job.“ Sie setzte eine leidende Miene auf.

Der Captain lachte auf. Sie wechselten einen Blick.

„Viel Glück“, sagte Noriko.

„Danke.“ Cross neigte den Kopf leicht zur Seite und taxierte sie. „Ist da sonst noch etwas?“

„Bitte?“

„Ich kenne Sie mittlerweile gut genug, Commander. Raus damit.“

Noriko überlegte, ob sie sich dem Captain in dieser Sache tatsächlich offenbaren sollte. Irgendwie handelte es sich ja um ein persönliches Problem. Andererseits auch wieder nicht. „Es geht um einen Einsatz, den ich vor dreizehn Jahren mitmachte. Ich war noch eine junge Lieutenant an Bord der VICTOR STONE. Kommandant damals war Commodore Juri Michalew.“

Der Name des einst so verhassten Admirals, der ihre Karriere beinahe ruiniert und den Staatsstreich auf der Erde eingeleitet hatte - aufgrund einer Manipulation von Sjöberg - hallte überlaut in der Stille wider.

Cross schwieg, gab ihr Zeit. Trotzdem sah sie die Neugier, die in seinen Augen erwachte.

„Wir waren auf NORTHSTAR unterwegs, einer Kolonie am Rande des Parlidenreichs“, sagte sie. „Ich verlor damals eine gute Freundin, als wir ein geheimes Projekt aufdeckten. Es war vom Verteidigungsministerium und Hallmark Industries auf den Weg gebracht worden.“

„Eine Verbindung zu Melnikow?“

Sie zuckte mit den Schultern. Richard Meridian, der in einer seiner früheren Inkarnationen Melnikow gewesen war, war tot. Das würden sie also nicht mehr klären können. „Es könnte sein. Immerhin ging es dabei um das Aufbrechen oder Erzeugen von Tachyonenfeldern. Am Ende verschwand das gesamte Außenteam, nur ich überlebte.“

„Da ich davon nichts weiß und auch keine Legende geboren wurde, wie damals beim Verschwinden der PROMETHEUS, gehe ich mal davon aus, dass das Ganze zur Verschlusssache erklärt wurde?“

„So ist es.“ Wieder musste sie sich räuspern. „Ich selbst befand mich für kurze Zeit an der Energiequelle. Goldene Kugeln schwebten durch den Raum, Blasen aus puren Tachyonen. Ein wunderschöner Anblick, aber ebenso tödlich. Es gelang, die Energieversorgung zu unterbrechen, doch eine der Blasen traf mich. Ich war für mehrere Tage verschwunden, die ich jedoch nur als Sekunden wahrnahm. Innerhalb dieser Zeit sah ich ... Bilder.“ Sie massierte sich die Schläfen. „Damals tat ich sie als Hirngespinste ab.“

Cross beugte sich nach vorne. Kurz flackerte die Verbindung, sein Abbild wurde instabil. „Was haben Sie dort gesehen?“

Sie schluckte. „Sie.“

„Mich?“

„Unter anderem. Eingehüllt in einen Schimmer. Heute glaube ich, dass ich Sie so wahrgenommen habe, weil Sie ein zeitlicher Fixpunkt sind.“

Der Captain lehnte sich zurück, betrachtete sie einige Sekunden schweigend. „Sie vermuten, dass Sie irgendwie die Zukunft sahen?“

„Möglicherweise. Experimente mit Tachyonen ... da liegt der Gedanke doch nahe. Der Menger-Schwamm entpuppte sich immerhin als Zeittunnel.“

„Es ist durchaus möglich, ja. Was sahen Sie noch?“

„Das ist es ja, was mir seit Tagen Albträume beschert. Seitdem ich geistig mit dem Whispernetz der Parliden verbunden war, sehe ich wieder alle anderen Bilder. Eine gigantische Flotte aus Kampfsternen der Parliden, die kämpfen - aber ich weiß nicht, gegen wen. Dann einen Shuttlehangar. Drei Parliden verlassen ihr Schiff.“ Sie schwieg.

„Weiter.“

Noriko zuckte mit den Achseln. „Ich weiß nur, dass mehrere Personen anwesend sind, und spüre Gefahr. Angst. Kurz darauf wache ich schreiend auf. Vermutlich ist Giulias Laune aufgrund dessen auch nicht die Beste.“

„Hm. Vielleicht hat die Nähe zu den Parliden die Erinnerungen wieder aus der Verdrängung zurückgeholt.“ Er kratzte sich gedankenverloren am Kinn. „Das gefällt mir gar nicht. Bisher scheint die Hegemonie keinen Kontakt hergestellt zu haben. Falls der Pakt nicht zustande kommt, könnten die Sternköpfe sich durchaus erneut als Feinde erweisen. Vielleicht beschließen sie, dass es sinnvoller ist, sich die Koordinaten der dritten Brutwelt mit Gewalt zu holen.“

Sie nickte. „Falls die Albträume nicht bald aufhören, werde ich Doktor Tauser aufsuchen.“

„Machen Sie das. Er wird sowieso unglücklich, wenn er niemanden therapieren kann.“ Wieder erschien das Grinsen auf Cross‘ Gesicht. „Wenn Sie schon in seiner Kabine sind, könnten Sie mir einen kleinen Gefallen tun.“

„Vergessen Sie es,Sir.“ Noriko gönnte sich den Hauch eines Lächelns, schüttelte aber vehement den Kopf. „Ich lasse mich nicht in ihren gegenseitigen Streichekrieg hineinziehen. Schlimm genug, dass CARA da mitmacht.“

Der Captain nickte. „Es ist wirklich furchtbar, dass er unsere arme K.I. instrumentalisieren konnte. FürpersönlicheZwecke. Das sollten Sie ihm sagen, Commander.“

Nun musste Noriko laut lachen. „Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, Sir. Kommen Sie gesund wieder. Und bringen Sie alle mit zurück.“

„Ich gebe mein Bestes, Commander. Wie immer.“

Sie beendete die Verbindung.

Noch lange nach dem Erlöschen der Hologramme starrte sie nachdenklich ins Leere. Warum kamen die Erinnerungen an NORTHSTAR genau jetzt wieder auf? Was wollte ihr Unterbewusstsein ihr sagen?

*

Stealth-Kreuzer ILLUMINA, Auf dem Weg ins Tikara-System, 06. Februar 2268, 14:00 Uhr

Die Deckplatten vibrierten ganz leicht, kaum wahrnehmbar. Trotzdem merkte Jayden sofort, dass er sich nicht auf der HYPERION befand. Sein Schiff klang anders. Das konnte vermutlich nur ein Kommandant nachvollziehen.

Er lächelte.

Vor wenigen Minuten hatten die Raumschiffe ihre Auftankphase in einem unbewohnten Sonnensystem beendet und waren wieder auf Interlink-Geschwindigkeit gegangen. Während des Fluges in der Blase, die die Schiffe der normalen Raumzeit entzog, war eine Translokation unmöglich. In diesem Fall hatte das den Vorteil besessen, dass die Konferenz auf der MÖBIUS nicht allzu lange dauerte. Niemand konnte ins Fabulieren geraten, weil keine Zeit dafür blieb.

Admiral Pelsano hatte sich als überraschend sympathische Person entpuppt. Er begrüßte Jayden, machte ihn mit seinem Flag Captain bekannt und legte kurz die Rahmenpunkte für den Einsatz dar. Die Order waren recht simpel. Die MÖBIUS würde im Ortungsschatten des Kuipergürtels im Tikara-System warten, während die ILLUMINA unter Stealth ins Innere vordrang. Am Ende hatte er Jayden verabschiedet und viel Glück gewünscht.

Damit stand exakt das auf dem Plan, was er bereits vermutet hatte. Außerdem behielt Ishida recht. Admiral Pelsanos symmetrisch geschnittenes Gesicht - seine Schönheit -, hatte nicht über die wachen Augen hinwegzutäuschen vermocht. Der Mann würde ihn genau beobachten. Seitdem Jaydens Name aufdieListegewandert war, hatte sich etwas verändert. Nur unmerklich zwar, aber eben doch gerade noch wahrnehmbar.

Das pneumatische Zischen des Schotts zur Krankenstation holte ihn in die Wirklichkeit zurück. Die ILLUMINA war seit dem letzten Einsatz deutlich modernisiert worden. Die winzige medizinische Station zeugte davon.

Der Raum war gerade mal so groß wie Jaydens Bereitschaftsraum, beherbergte ein Biobett und eine Projektionsröhre. Bedachte man, dass die Besatzung lediglich aus drei Personen bestand - Lieutenant Michael Larik, ihm selbst sowie Doktor Irina Petrova - reichte das aber auch problemlos. Letztere saß hinter einem winzig anmutenden Schreibtisch und studierte 3D-Anzeigen auf ihrem Pad, während in der Projektionsröhre das Abbild einer menschlichen Silhouette vertikal rotierte. Auf kleinen Feldern wurden die dazugehörigen Daten projiziert.

„Sir!“ Doktor Petrova stand auf. „Wie ist es gelaufen?“

„Unsere Order ist glasklar“, sagte er. „Nur beobachten.“

Die weißhaarige Ärztin in den Fünfzigern sackte förmlich in sich zusammen. „Dann ist es vorbei. Alpha 365 wird den nächsten Monat nicht überleben, das steht völlig außer Frage.“

„Immer langsam“, beschwichtigte Jayden. „Vor Ort im Einsatz obliegt es dem jeweiligen Kommandanten - also mir - Entscheidungen zu fällen. Warten wir einfach ab, was geschieht.“

Petrova warf ihm einen abschätzigen Blick zu, der schließlich ein Lächeln auf ihr Gesicht zauberte. „Ich verstehe. Danke, Captain.“

„Wofür?“

„Schon kapiert. Ich weiß von nichts.“

Nun musste er schmunzeln. „Das trifft hoffentlich nicht wortwörtlich zu. Bringen Sie mich auf den neuesten Stand. Wie steht es um unseren unpässlichen Sicherheitschef?“

Bei einem Kampf in der Zukunft hatte ein Ash’Gul’Kon-Soldat Alpha 365 mit einem Virus infiziert. Doktor Petrova war es mit Hilfe von Damato gelungen, dem Rätsel um eine Heilung näherzukommen.

Das Virus tötete genetisch designte Menschen. Einzig die Tatsache, dass Alpha 365 ein fehlerhaftes Modell seiner Linie war - so grausam das auch klang - hatte ihm bisher das Leben gerettet. Der Erreger hatte eine Mutation ausgelöst, die den Alpha immer mehr auf seine Instinkte reduzierte. Ähnlich einem Zombie hatte er Doktor Petrova angegriffen. Es war ein letztes Aufbäumen gewesen. In wenigen Wochen würde er nicht mehr lebensfähig sein.

Auch beim Menschen drang das Virus in den Wirtskörper ein und gestaltete ihn um – und doch war die Wirkung eine ganz andere. Nicht nur Stoffwechsel und Hormonhaushalt mutierten, sondern auch Muskeln, Zellen, Organe. Die Veränderung lief jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt. Der Verdacht, dass die Ash’Gul’Kon Menschen in Wesen ihrer eigenen Art transformierten, hatte sich nicht bestätigt. Der Sinn und Zweck des Virus blieb ein Rätsel.

„Es ist recht simpel, Captain“, sagte Petrova. Sie trat an die Projektionsröhre und rief den Virenstamm auf. „Wir haben zwei mutierte Stränge, die sich ständig verändern, und damit unangreifbar für unsere Behandlungsweise mit Nanotechnologie werden. Was wir benötigen, ist die unmutierte Ursprungsvariante. Aus ihr kann ich ablesen, nach welchem Muster die Mutationen ablaufen und einen Nanostamm programmieren, der das Virus in seiner mutierten Form auslöscht.“ Sie seufzte. „Aber dazu brauchen wir das Virus direkt von einem Ash’Gul’Kon. Es darf nicht in einen Menschen injiziert werden.“

Jayden schnaubte. „Eine Fingerübung! ... Entschuldigung, Doktor, Galgenhumor.“

Er setzte sich auf die Kante des Schreibtischs, starrte geistesabwesend ins Leere. „Wir kriegen das hin. Irgendwie.“

„Sie sehen nicht sehr überzeugt aus.“

„Hm? Oh, nein. Ich dachte nur gerade daran, dass Kirby vermutlich grinsend und im Alleingang in ein Heer der Ash’Gul’Kon fliegen würde, um es möglich zu machen.“

„Noch immer keine Neuigkeiten?“

Er schüttelte den Kopf. „Wussten Sie, dass wir uns hier auf der ILLUMINA zum ersten Mal begegnet sind?“ Auf Petrovas verneinendes Kopfschütteln fuhr er fort: „Damals waren wir auf dem Weg nach KASSIOPEIA, um ein Gegenmittel für die Killchips zu finden. Alpha 365 war auch dabei. Eine hochgefährliche Mission, aber am Ende ging alles gut.“ Er musste grinsen. „Wieder zurück bei den Rebellenschiffen hat sie mir erlaubt, sie auf einen Drink einzuladen. Eins führte zum anderen und wir ... nun ja, das können Sie sich bestimmt denken.“