Heliosphere 2265 - Band 41: Der Ruf nach Freiheit (Science Fiction) - Andreas Suchanek - E-Book

Heliosphere 2265 - Band 41: Der Ruf nach Freiheit (Science Fiction) E-Book

Andreas Suchanek

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Beschreibung

Nur langsam kommen die Überlebenden der Schlacht um Alzir zur Ruhe. Die Nachricht, dass einige Welten des Imperiums nicht länger vom Militär kontrolliert werden, lässt aufhorchen. Die Präsidentin entsendet die HYPERION unter Commodore Cross, um Kontakt herzustellen. Unterdessen begibt sich Noriko Ishida zu den Alliierten der Republik, um Hilfe für ein in Lebensgefahr schwebendes Crewmitglied zu erbitten. Dies ist der 41. Roman aus der Reihe "Heliosphere 2265".

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Table of Contents

»Der Ruf nach Freiheit«

Was bisher geschah

Prolog

Alzir-System, Hope, subtropischer Breitengrad, 11. März 2270, 08:01 Uhr

Besprechungsraum in der PRÄSIDIALEN RESIDENZ, südliche Hemisphäre von Hope, 11. März 2270, 09:31 Uhr

Raumstation Alzir-12, Wartungsdock

Kepler-22b, Heimatsystem der Aaril, Zupa (Hauptwelt), 11. März 2270, 14:09 Uhr

Vor vielen Jahren

IL HYPERION, auf dem Erholungsdeck, 13. März 2270, 17:04 Uhr

Drei Tage später

Rental-System, an Bord einer Raumstation, 16. März 2270, 15:11 Uhr

Vor vielen Jahren

IL HYPERION, Indira-System, 16. März 2270, 15:09 Uhr

Rental-System, Rental I, Heimatwelt der Kybernetiker, 16. März 2270, 15:13 Uhr

Vor vielen Jahren

IL HYPERION, Indira-System, im Orbit von Indira IV, 16. März 2270, 16:41 Uhr

Rental-System, auf der Welt der Kybernetiker, 16. März 2270, 17:11 Uhr

Vor vielen Jahren

IL HYPERION, Indira-System, Indira IV, 16. März 2270, 18:19 Uhr

Acrux-System, In der alten Heimat der Kybernetiker, 16. März 2270, 19:01 Uhr

Vor vielen Jahren, in einer dem Untergang geweihten alternativen Zukunft, an Bord des Interlink-Kreuzers HYPERION

Indira-System, im Orbit von Indira IV, 16. März 2270, 18:56 Uhr

Vor einigen Wochen

Gegenwart

Indira-System, im Orbit von Indira IV, 17. März 2270, 14:30 Uhr

Epilog I – 6 Tage vor dem Ende

Epilog II – 4 Tage vor dem Ende

Epilog III – 2 Tage vor dem Ende

Epilog IV – Vor dem Ende

Vorschau

Seriennews

Die Charaktere

Impressum

Heliosphere 2265

Band 41

»Der Ruf nach Freiheit«

von Andreas Suchanek

 

 

Was bisher geschah

 

Ende des Jahres 2268 steht die Menschheit am Abgrund. Der übermächtige Imperator Björn Sjöberg konnte bei einem Staatsstreich im Februar 2266 die Macht an sich reißen. Im Würgegriff von Überwachung, Geheimpolizei und absoluter Kontrolle gibt es auf den Kolonien der ehemaligen Union keine Freiheit mehr.

Nach zahlreichen Rückschlägen, verlorenen Freunden, Kämpfen und Gefangenschaft erscheint für die aus den Rebellen hervorgegangene Solare Republik endlich ein Lichtblick am Horizont: Präsidentin Jessica Shaw ist es gelungen, die Interstellare Allianz zu gründen. Gemeinsam mit den Rentalianern, den Parliden, den Aaril und den Kybernetikern bildet die freie Menschheit eine Schicksalsgemeinschaft.

Doch die gute Nachricht wird getrübt. Die Ash'Gul'Kon, Spinnenskorpione, die Äonen in einem Tachyonengefängnis eingeschlossen waren und im November 2267 entkommen sind, holen zum großen Schlag aus. Ein lange vorbereiteter Plan wird umgesetzt. Die Tachyoneneinheit, bestehend aus zwei genetisch manipulierten Menschen, soll die Zeit im Bereich aller besiedelten Planeten der galaktischen Völker einfrieren, um den Ash'Gul'Kon den letzten Vernichtungsfeldzug zu ermöglichen.

Die Spinnenskorpione starten einen Großangriff auf das Gebiet der Allianz, der unter großen Opfern zurückgeschlagen werden kann. Der zeitgleiche Angriff auf das Imperium wird von Imperator Sjöberg mit einer Bündelung seiner Kräfte beantwortet. Dadurch wird schwachen Welten der Schutz entzogen. Ihr Schicksal bleibt ungewiss.

Auf der HYPERION schlägt die Sammelintelligenz der Ash'Gul'Kon – der Geist – unbarmherzig zu: Ferngesteuert durch einen biotechnologischen Chip feuert Tess Kensington unerwartet mit einem Pulser auf Giulia Lorencia und zerstörte die Hardware von CARA. Doch weshalb war die Junior-K.I. des Interlink-Kreuzers für den Geist gefährlich und wer alternierte einst die Basisprogrammierung der K.I.?

Die Suche nach Antworten und Heilung geht weiter …

Prolog

 

Das Gebäude umfasste vier Stockwerke, lag in einer kaum bewohnten Gegend der Hauptstadt und wirkte von außen unscheinbar.

»Diese Idioten.« Leander studierte die Holografie genau. »Ich kann nichts erkennen. Sind Sie absolut sicher?«

Protektor Florian Wen enthielt sich eines Kommentars. Der oberste Vertreter der exekutiven Sicherheitskräfte der Kolonie berührte lediglich ein Icon auf dem Touchdesk, worauf die Darstellung des Gebäudes in eine halbtransparente Falschfarbendarstellung umgewandelt wurde. Die Silhouetten von Kampfshuttles, Munitionskisten und Schutzschildgeneratoren wurden markiert, Strahlungswerte angezeigt, Signaturen projiziert.

»Das scheint eindeutig.« Er seufzte. Die Hände in den Hosentaschen trat er an die einseitig transparente Front. Es war früher Abend und die Straßen leer. Noch hielt die Ausgangssperre. »Diese Idioten«, wiederholte er.

Florian Wen schwieg. Er war einer der fähigsten Protektoren der Kolonie. Nicht umsonst war er kometenhaft aufgestiegen. Ursprünglich hatte er zur Inner Security Police gehört, war dann jedoch aufgrund eines Spezialprogramms in die örtlichen Sicherheitskräfte integriert worden.

»Ich habe nie verstanden, warum Menschen Anarchie über Ordnung stellen.« Leander spürte die Wut am Rand seines Empfindens aufwallen. Er ignorierte sie. Emotionen waren in einer solchen Situation kontraproduktiv.

»Sie haben Angst.«

»Verteidigen Sie etwa Terroristen?«

Wen hielt seinem Blick problemlos stand. »Keinesfalls. Aber ich versuche, unseren Feind zu verstehen. Nur so können wir weitere Attacken verhindern.«

»Anschläge meinen Sie. Nun, mein Vorschlag wäre deutlich radikaler.« Leander aktivierte das Interface für den Orbitalbeschuss. »Die Navy hat nahezu die gesamte militärische Infrastruktur zerstört, als sie das System verließ.«

Der Protektor presste die Lippen so fest zusammen, dass ein schmaler Strich entstand.

»Sie sind wütend?« Leander warf einen Blick auf sein Hand-Com. Von dem Augenblick an, als der Protektor das Büro betreten hatte, war das Fadenkreuz eines automatischen Pulsergeschützes auf seinen Schädel gerichtet gewesen. Vertrauen war eine feine Sache, doch absolute Kontrolle gewann den Wettstreit immer.

»Die haben uns zurückgelassen.« Wen sprach nachdrücklich, lediglich mit einem Hauch an Emotion. »Wir sind die Loyalen, die Unterstützer.«

Leander nickte. Noch vor wenigen Monaten hätte er Wen für seine Bemerkung kurzerhand desintegriert. Indira IV mochte in der Infrastruktur des Imperiums keine große Rolle spielen, doch er hatte die Kolonie stets im Sinne des Imperators geführt. Das würde er auch weiterhin tun. Sjöberg würde das Militär zurückbringen, da war er sicher. Und letztlich hätten sie beide ebenfalls auf einem Evakuierungsschiff sein sollen. Dass es anders gekommen war, nun, dafür konnte der Imperator schließlich nichts. »Wir haben uns hochgearbeitet von einer Kolonie mit unausgeglichenem Haushalt und hoher Verbrechensrate zu einem Vorzeigeplaneten. Der Imperator muss einen Grund für sein Vorgehen gehabt haben.«

»Ihr Vertrauen ehrt Sie. Trotzdem sollten wir darüber nachdenken, mit den Rebellen zu sprechen. Eine Schwächung in dieser Lage, könnte unseren Tod bedeuten. Das Ende.«

Leander atmete einen Augenblick tief durch, gab den Anschein, über den Vorschlag nachzudenken. Dann betätigte er ein Icon. »Wenn es unser Ende bedeutet, dann halte ich die Ordnung bis zur letzten Sekunde aufrecht.« Leander sank in seinen Konturensitz. Exakt drei Minuten und vierzig Sekunden später existierte der gesamte Wohnblock nicht mehr.

 

 

Alzir-System, Hope, subtropischer Breitengrad, 11. März 2270, 08:01 Uhr

 

Die rotgoldenen Funken zerstoben.

Jayden hatte oft darüber nachgedacht, wie es sich letztlich anfühlen mochte, doch die Realität übertraf jede Vorstellungskraft. Die feuchte Schwüle schlug über ihm zusammen, die Luft roch nach Blütenduft, Vögel zwitscherten zwischen dem dichten Grün gewaltiger Stauden.

»Das ist unglaublich«, hauchte Kirby neben ihm.

Gemeinsam waren sie zu den Koordinaten transloziert, die Yuna Ishida ihnen mitgeteilt hatte. Da die HYPERION und die JAYDEN CROSS II die letzten Wochen damit beschäftigt gewesen waren, Überlebende der Schlacht um Alzir zu bergen, Verwundete zu versorgen und bei Evakuierungen beschädigter Stationen mitzuhelfen, hatte es gedauert, bis sie endlich eine ruhige Minute gefunden hatten. Zudem musste jeder, der Hope – wie der Planet getauft worden war – betreten wollte, zuvor mit dem Ash'Gul'Kon-Antivirus versorgt werden. In den letzten Stunden der Schlacht hatten die Spikos die Viren auf der Oberfläche freigesetzt. Niemand konnte sagen, ob die winzigen Erreger noch aktiv waren und wie lange.

»Ich habe ganz vergessen, wie frische Luft riecht.« Jayden trug Alltagskleidung. Eine multifunktionale Jacke, die umgehend die Kühlung aktivierte, so wie einfache Jeans und Boots.

Kirby hielt es ähnlich. Sie strich ihm eine Haarsträhne aus der Stirn und stapfte los. »Dort vorne ist eine humanoide Signatur.«

Jaydens Bioneurales Tattoo markierte die Silhouette umgehend in seinem Gesichtsfeld. »Na, dann schnappen wir sie uns mal.«

Er bedauerte, dass Ishida nicht anwesend sein konnte. Natürlich hatte Kirby zahlreiche Fragen und er ebenfalls, doch Yunas Tochter wohl am meisten.

Sie schoben sich durch dichten Farn, kletterten über Wurzeln von der Größe eines Shuttles und schwangen sich an einer herabhängenden Liane zu Boden. Dabei blieben Neckereien nicht aus und nachdem Kirby im Schlamm ausgerutscht war und Jayden kurzerhand mit zu Boden gezogen hatte, lachten sie beide, bis ihnen die Puste ausging. Über ihnen schien die Sonne durch das dichte Blätterdach, warf goldene Strahlen gen Boden.

»Kaum zu glauben, was die Aaril uns hier für ein Geschenk gemacht haben.« Kirby neigte ihren Kopf leicht zur Seite, berührte Jaydens Schläfe. Gemeinsam lagen sie am Boden und schauten auf das Grün der Blätter, das Braun der Baumstämme und lauschten den Rufen und Lauten der Tierwelt um sie herum. »Was meinst du, gibt es hier Raubtiere?«

»Ja«, erwiderte er. »Ich habe mir das technische Handbuch für die Terraformierung angesehen. Sie haben sowohl aarilsche Flora und Fauna, als auch menschliche als Grundlage benutzt. Hope wird eine völlig neue Welt, mit einem einzigartigen Ökosystem. Die Biologen sind schon ganz aus dem Häuschen.«

Sie kamen auf die Beine und setzten den Weg fort.

Yuna saß auf einem gewaltigen Felsbrocken am Rand eines Bachlaufs. Ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen schien. Das Wasser plätscherte leise, Blütenblätter wurden von einem Windhauch herangeweht.

»Ah, es wurde auch Zeit.« Die quirlige Japanerin kam in die Höhe. »Es warten insgesamt vierundzwanzig Projekte auf mich. Ich hatte Sie beide schon vor einer halben Stunde erwartet.« Sie wartete einen Augenblick, dann lachte sie auf. »Nur ein Scherz.«

»Sie schulden mir eine Menge Erklärungen.« Kirby trat auf Yuna zu. »Aber ich bin Ihnen auch sehr dankbar.« Sie umarmte den Fusionsreaktor in Menschengestalt.

Jayden war etwas distanzierter. Er schüttelte Yuna lediglich die Hand.

»Setzen Sie sich.« Sie deutete auf den Stein.

Gemeinsam sanken sie in den Schneidersitz.

Yuna warf Jayden einen durchdringenden Blick zu. »Wie fühlt sich die biologische Unsterblichkeit an?«

Er zuckte zusammen. »Woher wissen Sie …?«

Erst vor wenigen Tagen war Kirby bei ihm in der Kabine aufgetaucht. Wortlos hatte sie ihm eine anthrazitfarbene Kugel gereicht, die sich verflüssigt hatte und durch die Poren in seinen Körper eingedrungen war. Sein BioTat hatte kurz darauf festgestellt, dass seine Zellen sich beständig erneuerten.

»Es ist der Blick«, erklärte Yuna. »Die Menschen hetzen durch die Minuten, die Stunden, die Tage. Es bleibt kaum ein Augenblick zum Innehalten und durchatmen. Doch ist der Alterungsprozess gestoppt, breitet sich eine Sphäre der Ruhe aus, die die Person umgibt.«

Jayden nickte. »Ich weiß, was Sie meinen. Warum bin ausgerechnet ich der Zweite?«

»Ähm.« Kirby räusperte sich. »Genau genommen bist du der Achte.«

»Wie bitte?«

»Ich habe schon sechs weitere Kugeln verteilt.«

»An wen?!«

»Ich denke, das sollen die betreffenden Personen dir selbst sagen, wenn sie es möchten«, entgegnete Kirby. »Wir reden hier immerhin von etwas, das eine Menge Neid verursachen könnte, wenn es bekannt wird.«

Yuna winkte ab. »Zuerst einmal möchte ich Ihnen beiden sagen, wie froh ich bin, dass Sie wieder hier sind, dass Sie es heil hierher geschafft haben. Was das Aetas angeht, ist es richtig, dass zwölf Personen – darunter Sie beide – biologisch nicht mehr altern werden. Trotzdem sind Sie nicht immun gegen Gewalt. Doktor Damato hat jedoch ebenfalls eine der Kugeln erhalten.«

»Die dreizehnte«, bestätigte Kirby. »Er ist ganz aus dem Häuschen. Bedeutet das …«

Yuna nickte. »Doktor Damato wird ein wenig Zeit benötigen. Doch eines Tages wird ihm das Gleiche gelingen, was der Freeman-Diktatur im Mars-2-System mit Hilfe des Rückkehrers gelang. Er wird die Funktion des Aetas entschlüsseln und der gesamten Menschheit die relative biologische Unsterblichkeit bringen. Ich nehme an, dass bereits zuvor durch Handelsbeziehungen mit den befreiten Terranern gewisse Aetas-Chargen den Weg hierher finden werden. Wir stehen vor einem großen Wandel.«

Stille senkte sich herab, nur unterbrochen von Vogelgezwitscher, als jeder seinen Gedanken nachhing. Was würde aus der Gesellschaft werden, wenn dieser Punkt erreicht war? Zusammen mit einem BioTat und Wissensspeichern könnte es das Ende des Todes bedeuten.

Jayden schüttelte den Kopf. Er war hier, um Antworten zu erhalten, nicht, um irgendwelchen Theorien nachzuhängen. »Kirby hat ihre Erlebnisse über eine Vernetzung mit mir geteilt. Was genau bedeutet diese verdammte Fixpunkt-Sache?«

Yunas Augen nahmen einen traurigen Ausdruck an. »Ich habe selbst auf das Furchtbarste feststellen müssen, was geschieht, wenn man die eigenen Interessen vor alle anderen stellt. Um meine Tochter zu schützen, habe ich Sie, Kirby, auf einen gefährlichen Pfad geschickt. Der Preis dafür ist hoch. Sie sind nun beide ein personifizierter Fixpunkt. Sobald wir im Verlauf der Geschichte auf das nächste prägende Ereignis treffen – einen historischen Fixpunkt –, wird einer von Ihnen beiden ausgelöscht. Ich kann nicht vorhersagen, wer das ist.«

»Und ebenso wenig wann«, ergänzte Kirby.

»Nun.« Yuna räusperte sich. »Wir nähern uns rasch, so viel kann ich spüren. Es wird etwas sein, was die Geschichte der Milchstraße prägt.«

»Also falls die Ash'Gul'Kon gewinnen sollten, hätte sich das Problem erledigt, dann sind wir sowieso alle tot. Sollten wir jedoch siegen …« Jayden konnte den Satz nicht beenden.

»Wird einer von uns beiden keine Freude mehr daran haben«, vollendete Kirby. »Sie haben doch so einen tollen Draht zum Schicksal, Yuna. Richten Sie ihm bitte aus, dass er ein Arschloch ist.«

Yuna ging nicht darauf ein. »Ich kann Ihnen eine Vorwarnung geben, jedoch nicht mehr. Allerdings werden Sie beide in nächster Zeit nicht viel zum nachdenken kommen.«

»Sie sind eine lausige Wahrsagerin«, stellte Jayden fest. »Sollten Sie nicht irgendwas Tolles von Reichtum und Glück brabbeln?«

Die Mutter Ishidas lächelte sanft. »Wir haben die Ash'Gul'Kon abgewehrt, dieser Planet ist die neue Heimat der Befreiten und Bewohner der Republik, wir konnten Sjöberg widerstehen und eine Gesellschaft errichten, die zusammenhält. Das alles spricht für sich, oder?«

»Dem kann ich nicht widersprechen«, stimmte Jayden zu. »Trotzdem gibt es noch so viele unbeantwortete Fragen. Und mit dem Geist ist ein ziemlich bösartiges Wesen aus seinem Winterschlaf erwacht. Es hat sich als freundliche alte Dame ausgegeben und uns dann aus dem Hinterhalt angegriffen. Am Ende entkamen wir, weil er Tess Kensington als Schläfer eingesetzt hat und diese Giulia Lorencia mit ein paar Pulserpartikeln perforierte.«

»Meine Tochter hat mich informiert.« Versonnen betrachtete sie das Wasser. »Wenn Sie einmal begriffen haben, dass Sie als einfacher kleiner Stein das Wasser nicht aufhalten können, lassen Sie es fließen. Stellen Sie sich nicht entgegen, nutzen Sie es.«

»Aha.« Jayden deutete auf das Wasser. »Die Kernaussage ist also, dass wir Steine sind?«

Yuna seufzte auf. »Sie sind auf jeden Fall ein harter Brocken. Und nein, natürlich kein echter Stein. Aber metaphorisch trifft es das ganz gut.«

»Wie alt sind Sie?«, fragte Jayden impulsiv.

Die Mutter von Ishida schenkte ihm einen vernichtenden Blick. »So etwas fragt man eine Dame nicht. Aber lassen Sie es mich so formulieren: Ich habe mich gut gehalten.«

Jaydens Hand-Com meldete sich mit einem Zirpen. Ein Blick genügte und er fluchte. »Wir werden im Kommandozentrum der RESIDENZ erwartet.«

Sie verabschiedeten sich von Yuna, die versprach, sie weiter auf dem Laufenden zu halten, was Jayden ihr keine Sekunde lang glaubte.

»Cross an PRÄSIDIALE RESIDENZ, zwei Personen translozieren.«

Augenblicke später verschwand das sphinxhafte Lächeln von Yuna Ishida hinter einem Vorhang aus Translokationsenergie.

 

*

 

Besprechungsraum in der PRÄSIDIALEN RESIDENZ, südliche Hemisphäre von Hope, 11. März 2270, 09:31 Uhr

 

Jayden sank in den Sitz, registrierte, dass der Konturensitz sich einstellte und sah in die Runde. Neben Kirby waren Präsidentin Jessica Shaw, Admiralin Isa Jansen, Doktor Siu Damato und Captain Mark Tarses anwesend. Auf seitlichen Monitoren wurden Live-Daten von überall auf Hope und im nahen Orbit übertragen. Vor jedem lag ein Pad mit einem Direktlink zum persönlichen Speicher, da es noch immer zu Aussetzern der Technik des Gebäudes kam.

Die Präsidentin nickte freundlich in die Runde. Shaw wirkte bleich und zittrig, aber gleichzeitig unbeugsam. Ihr blondes Haar trug sie länger als sonst. Das Ash'Gul'Kon-Virus hatte sie an den Rand des Todes getrieben. Der von Doktor Petrova nach vielen Monaten der Forschung erstellte Impfstoff hatte ihr und vielen anderen das Leben gerettet. »Schön, dass Sie alle so zügig hier eintreffen konnten. In der letzten Zeit war uns allen wenig Ruhe vergönnt. Doch mittlerweile sind die Überlebenden der Schlacht um Alzir geborgen und wir können unsere Wunden versorgen.«

Jayden ließ sich nichts anmerken, doch innerlich sah er die Männer und Frauen vor sich, die in ihren Raumanzügen durch das All getrieben oder in zerstörten Schiffen und Stationen eingeschlossen gewesen waren. Einige hatten sie retten können, für zu viele jedoch war jede Hilfe zu spät gekommen. Die Weiten des Weltraums ließen ein Rennen gegen die Zeit stets zu einem Wettlauf mit zweifelhaftem Ausgang werden.