Heliosphere 2265 - Band 46: Verlorene Heimat - Andreas Suchanek - E-Book

Heliosphere 2265 - Band 46: Verlorene Heimat E-Book

Andreas Suchanek

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Beschreibung

Die Spezialisten im Opal-System versuchen alles, Sjöbergs Plan zu vereiteln. Dabei stoßen sie auf weitere Informationen, die Commodore Cross zum Handeln zwingen. Unterdessen versucht das Team um Kirby mit den Rebellen auf Terra Kontakt herzustellen und den Mars zu erreichen. Dies ist der 46. Roman aus der Reihe "Heliosphere 2265".

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Seitenzahl: 134

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Table of Contents

»Verlorene Heimat«

Was bisher geschah

Prolog

Sol-System, Terra, Neu Berlin, 12. Juli 2270, 09:01 Uhr

Terra, Neu Berlin, 12. Juli 2270, 10:11 Uhr

Opal-System, Opal II, 12. Juli 2270, 10:31 Uhr

Hyperion, Sicherheitsbüro

Sol-System, Terra, Neu Berlin, 12. Juli 2270, 12:51 Uhr

Opal-System, Opal II, 13. Juli 2270, 13:16 Uhr

Terra, zur gleichen Zeit

Sol-System, Terra, Neu Berlin, 16. Juli 2270, 15:01 Uhr

IL HYPERION, Opal-System, 0,1 AE entfernt von Opal II, 13. Juli 2270, 17:04 Uhr

Sol-System, Terra, Neu Berlin, 16. Juli 2270, 21:52 Uhr

Opal-System, Opal II, 13. Juli 2270, 18:02 Uhr

Sol-System, Terra, Neu Berlin, 17. Juli 2270, 09:05 Uhr

IL HYPERION, Opal-System, Opal II, 13. Juli 2270, 18:41 Uhr

Sol-System, Terra, Neu Berlin, 17. Juli 2270, 10:40 Uhr

Epilog I – Der Gipfel

Epilog II – Kein Zurückweichen

Epilog III – Hetzjagd

Epilog IV – Das allsehende Auge

Vorschau

Seriennews

Die Charaktere

Impressum

Heliosphere 2265

Band 46

»Verlorene Heimat«

von Andreas Suchanek

 

 

Was bisher geschah

 

Anfang des Jahres 2270 haben sich die Fronten verhärtet. Das bisher übermächtige Imperium Björn Sjöbergs musste zahlreiche Rückschläge hinnehmen: Der Mars ist unter der Kontrolle von Rebellen, Randwelten wurden aufgegeben. Trotzdem herrscht die Inner Security Police mit eiserner Hand.

Die Interstellare Allianz konnte sich stabilisieren und den Großangriff der Ash'Gul'Kon zurückschlagen. Menschen, Rentalianer, Kybernetiker, Aaril und Parliden bilden eine immer stärker werdende Gemeinschaft. Eine Verteidigungsflotte wurde errichtet, die Infrastruktur ausgebaut.

Trotz eines Großangriffs der Künstlichen Intelligenz Geist gelingt es der HYPERION-Crew, die positive Künstliche Superintelligenz auf CORE I zu aktivieren. Eine Tat, die das Kräfteverhältnis entscheidend zugunsten der Galaktischen Völker kippen lässt, Lukas Akoskin jedoch das Leben kostet.

Nun müssen die Menschen, Aaril, Parliden, Rentalianer und Kybernetiker die Schwäche ihrer Gegner so schnell wie möglich nutzen.

Die Republik wird auf ein geheimes Labor Sjöbergs in einem Sonnensystem des Imperiums aufmerksam und schickt die HYPERION. Hier wurde einst das Incept-System für die Killchips entwickelt. Ein Außenteam stößt auf ein gewaltiges unterirdisches Maschinensystem und schlafende Wissenschaftler. Es stellt sich heraus, dass Sjöberg Nanokiller entwickelt hat, eine neue Version der Killchips. Jede Person im Imperium wurde damit infiziert, auf ein Signal von ihm können die Nanokiller aktiv werden. Damit hat er endgültig das gesamte Imperium in seiner Hand. Die Republik befestigt das Opal-System, um nach einer Lösung zu suchen.

Kirby, Sienna McCain und Ian McAllister schleusen sich unterdessen auf der ABIGAIL ein, einem Schiff der Imperiumsflotte. Auf diese Art wollen sie bis ins Sol-System vordringen. Doch bevor die Heimat angesteuert wird, erhält das Schiff einen neuen Auftrag. Es soll untersuchen, was die Ash'Gul'Kon auf unterschiedlichen Monden innerhalb des Imperiums bergen. Die Crew stößt auf einen Riss in der Raumzeit und entdecken, dass der Richard Meridian der alternativen Zukunft in der zweiten Zeitlinie in einem letzten stabilen System überlebt hat. Er will überwechseln, um die Macht auch in unserer Zeitlinie an sich zu reißen. Der Plan kann vereitelt werden. Das letzte Fragment der zweiten Zeitlinie wird vernichtet. Die ABIGAIL kehrt nach Terra zurück und Kirby, Ian und Sienna erhalten Landurlaub.

Das Geheimnis um die Artefakte, die von den Spinnenskorpionen geborgen werden, bleibt ungelöst.

Kirby, Sienna und Ian betreten Terra …

Prolog

 

Durchscheinende Silhouetten eilten vorbei, metallene Koffer in der Hand. Ingenieure, Techniker, Sicherheitspersonal – es wimmelte vor Offizieren und Mannschaftsdienstgraden. Ein junger Mann kniete auf dem Boden, hatte ein Interface mit den Paneelen verbunden und las Daten ab.

»Amüsant«, kommentierte Björn.

»Armselig trifft es ebenfalls«, ergänzte Harrison Walker, Chef der I.S.P. zufrieden, aber vorsichtig. »Du bist dir des Risikos bewusst?«

In der heutigen Zeit wagten es nur noch wenige, Björns Pläne derart offen zu hinterfragen. Harrison achtete stets darauf, dass sie unter vier Augen waren, wenn er es tat. Zudem überschritt er nie die Linie zwischen »hinterfragen« und »infrage stellen«.

»Ein kalkuliertes Risiko«, erwiderte Björn nach einigen Sekunden. »Sie haben einen Planeten voller Technologie. Es wird die Spanne eines Lebens dauern, alle Daten auszuwerten. Cross, Jansen und die Präsidentin wissen, dass ein falscher Knopfdruck alle Bürger im Imperium tötet.« Er lachte. »Sie glauben es.«

Harrison schmunzelte. Nach dem Debakel um den Mars, der unter dem Roten Vater in die Unabhängigkeit – wenn auch vollständig abgeriegelt – entschwunden war, geschah das nicht mehr oft.

»Ist alles bereit?«, fragte Björn.

»Es liegt an der Republik, uns den Weg zu ebnen. Bis dahin müssen wir geduldig warten.«

Geduld.

Nach den Jahren des Wartens und Planens war ihm dieses Wort verhasst. Überall und jederzeit konnten Feinde aus dem Schatten treten. Er durfte keine Schwäche zeigen. Erst kürzlich hatte die ABIGAIL in einer Raum-Zeit-Falte Rückstände der alternativen Zeitlinie entdeckt, in der sein alter Mentor – Richard Meridian – noch am Leben war. Nicht auszudenken, was daraus hätte erwachsen können.

»Ich will sofort informiert werden, wenn Projekt ›ARROW‹ eingeleitet wird«, stellte Björn klar.

»Natürlich.« Harrison wirkte verblüfft, als wundere er sich darüber, dass Björn etwas so Offensichtliches überhaupt erwähnte.

Vermutlich werde ich gerade leicht paranoid. Gut so. Das ist die Garantie für ein langes Leben.

Und immerhin hatte die Republik keine Ahnung, was er getan hatte. Die Nanokiller, ein perfektes Instrument zur absoluten Kontrolle, waren in jedes Lebewesen im Imperium eingesickert. Ja, das wusste die Allianz mittlerweile. Doch niemand kannte den finalen Trigger.

Gedankenverloren glitten Björns Finger auf Höhe seines Herzens.

Wenn ich sterbe, stirbt jedes Lebewesen im Imperium.

Er war der Killswitch. Falls er starb, ging das Todessignal hinaus ins Universum und das Einzige, was vom Imperium übrigbleiben würde, war Asche und Staub.

Sol-System, Terra, Neu Berlin, 12. Juli 2270, 09:01 Uhr

 

Angst.

Sie war überall. Die Menschen eilten mit gesenkten Köpfen durch die Straßen, niemand schaute auf. Blickkontakt wurde sofort abgebrochen, immerhin könnte die andere Person zur I.S.P. gehören. Und dann? Landete man dann in einer Verhörzelle oder folgte vielleicht eine Neuronale Restrukturierung?

Kirby trug multifunktionale, einfarbige Kleidung. Sie ging unter in einem Meer aus Grau. Von den früheren farbenfrohen Tupfen in Neu Berlin war nichts geblieben. Die Menschen kleideten sich in Einheitsfarben, meist grau, blau und anthrazit, sie wollten mit der anonymen Menge verschmelzen, um ja nicht aufzufallen.

Überall in den Städten waren Sensoren verbaut. Unsichtbare Überwachung. Die Transponder, die für jeden Bürger Pflicht waren, wurden lückenlos erfasst. Die Regierung verfügte über ein vollständiges Bild der Bewegungsabläufe eines jeden Menschen. Hand-Coms mit der persönlichen ID mussten ergänzend mitgeführt werden und konnten jederzeit via Fernsteuerung zu Überwachungskameras und Mikrofonen gemacht werden.

Wollte sich jemand einer Verhaftung entziehen, hatte er keine Chance. Das Untertauchen in der Menge war in Wahrheit nämlich gar nicht möglich. Der äußerliche Einheitslook war eine trügerische Sicherheit, die nur aus Emotionen bestand.

Verdammt! Wie sollen wir hier einen Schritt unbeobachtet tun?

Kirby hatte einen Software-Agenten ihres BioTat-Companions vorsichtig in das öffentliche Netz geschleust – und es beinahe bereut. Die Sicherheitsalgorithmen waren hochgerüstet worden. Trotzdem war die Infiltration gelungen, wenn auch nicht ohne einige quälend lange Schrecksekunden. Über die nächsten Tage und Wochen würden die Algorithmen ihres BioTats nun einen blinden Fleck generieren. Falls sie jemals darauf zurückgreifen mussten, lag dieser dann bereit.

Doch einstweilen waren Ian, Sienna und sie noch sicher. Ihre falschen Identitäten waren in der Datenbank hinterlegt und durch den Dienst auf der ABIGAIL legitimiert. Solange niemand ihre Personalakten zu genau untersuchte, gingen sie in einem Meer aus Millionen von Männern und Frauen unter, die in der Navy des Imperiums Dienst taten.

Während sie durch die sommerlichen Straßen von Neu Berlin schritt, zeichneten die Okularimplantate ihres BioTats alles auf. Bereits zweimal war sie von Sicherheitskräften angehalten worden, die sie, die ›dreckige Marsianerin‹, hatten mitnehmen wollen. Bis sie ihre ID prüften. Dann verwandelte sich ihr Gebaren in Unterwürfigkeit.

Durch die Unabhängigkeitsbestrebungen des Mars hatten die hier auf Terra lebenden Marsianer einen schweren Stand. Da die Presse von der Regierung gesteuert wurde, gab es nur einseitige Berichte zum ›Terrorismus auf dem Roten Planeten‹. Die Anti-Mars-Stimmung wurde immer weiter angeheizt. Sjöberg beherrschte die Klaviatur der Manipulation durch falsche Nachrichten perfekt. Seine Ministerin, Svea Christensen, hielt die Zügel der öffentlichen Information fest in der Hand und die Imperatrice, Abigail Rosen, kümmerte sich mittlerweile mit einem eigenen Ministerium um Schüler und Studenten.

Kirby erschauerte.

Wenn es ihnen nicht bald gelang, Sjöberg zu stürzen, würde er eine Generation willfähriger Helfer und Unterstützer heranziehen. Leider sah es nicht nach einem inneren Zersetzungsprozess aus.

Sie hielt inne, als ihr Ziel in Sichtweite kam.

Nach der Zerstörung des SOL-Centers erbaute Sjöberg hier in Neu Berlin dutzende neuer Wahrzeichen. Die Universität war ein Steckenpferd von Abigail Rosen, eine Kaderschmiede, die ihresgleichen suchte. Ein Störfeld entzog die Bauarbeiten dem Blick Außenstehender und neugieriger Passanten. Doch der Gebäudekomplex sollte größer und moderner werden als alle vergleichbaren Institutionen. In wenigen Tagen fand die Einweihung statt.

Vermutlich hatte Sjöberg genug von einem dauerhaften Aufenthalt auf SOL-1 und wollte wieder mehr auf Terra verweilen. Aktuell ließ er sich nur selten blicken, doch sein Erscheinen bei der Einweihungszeremonie war angekündigt worden.

Kirby ließ ihren Companion den Fraktalalgorithmus berechnen und ihre Okularimplantate entsprechend kalibrieren. Das Störfeld wurde neutralisiert. Dahinter kam ein gewaltiger Bau aus Glas, Stahl und Duspanit zum Vorschein. Eine stilisierte Faust, die gen Himmel gereckt wurde.

»Du erfüllst auch wirklich jedes Klischee von Größenwahn«, murmelte Kirby an Sjöberg gerichtet. »Jemand sollte dir das Teil in den Hintern schieben.«

Bei der Vorstellung musste sie grinsen.

Die verblüfften Blicke der vorbeieilenden Passanten machten ihr deutlich, dass Fröhlichkeit hier nichts zu suchen hatte. Schnell setzte sie wieder eine emotionslose Miene auf. Doch zwei Sicherheitskräfte hatten sie bereits entdeckt und kamen näher.

Kirby seufzte.

Sie konnte das Verhalten der Menschen mittlerweile besser nachvollziehen. Ein kurzer Gang durch Neu Berlin und es setzte sich auch in ihrer Gefühlswelt fest, wenn auch nur unterschwellig, gerade so wahrnehmbar. Angst.

 

*

 

Terra, Neu Berlin, 12. Juli 2270, 10:11 Uhr

 

Kirby schloss die Tür hinter sich. »Ich wurde noch nie in meinem Leben so oft kontrolliert.«

Ian McAllister blickte ihr grinsend entgegen. »Ich habe die Wette gewonnen.« Er saß in einem einfachen Shirt und Jogginghosen hinter einem 3D-Monitor und grinste. Ohne Uniform wirkte er auf Kirby sogar noch jünger als die Mitte zwanzig, die er tatsächlich war. Als Techniker war er trotzdem ein Ass.

»Ich lag nur knapp daneben.« Sienna saß wie McCain hinter einem gebogenen Monitor, auf dem Dutzende kleinere Fenster geöffnet waren. Sie zeigten alle Überwachungsdaten des Kontrollnetzes von Neu Berlin. »Die beiden am Ende hatten ihre Schicht fast schon durch. Ein normaler Terraner wäre nicht mehr untersucht worden. Aber Sie als Marsianerin haben da natürlich Aufmerksamkeit erregt.«

Kirby kickte wütend ihre Stiefel beiseite. »Das Schicksal lässt mich dafür bluten, dass ich das BioTat bekommen habe. Diese verdammten Idioten.«

»Seien Sie froh, dass Sie nicht im australischen Sektor wohnen«, gab Sienna zurück. »Dort gibt es eine Ausgangssperre, weil ein Aufstand erfolgte.« Die hochgewachsene blonde Frau knabberte an ihrer Unterlippe.

Der australische Sektor war ihre Heimat und so schmerzten die Ereignisse dort sie umso mehr. Im Herzen des Imperiums, hier auf Terra, regte sich zaghafter Widerstand, doch es war nicht mehr als eine zittrige Flamme im Wind. Wo sie aufloderte, wurde sie gelöscht.

»Was sagt der Scan?«, wechselte Kirby das Thema. »Haben wir Kontakt?«

»Alle bisherigen Phasenfunk-Adressen waren deaktiviert«, antwortete Ian. »Die I.S.P. hat das alte Rebellennetz von Admiralin Jansen in den letzten Jahren fast vollkommen ausgetrocknet.«

»Wenn wir Pech haben, gibt es von den geheimen Phasenfunk-Adressen keine mehr.«

Genau das war Kirbys Angst. Um mit dem Widerstand in Kontakt zu treten, benötigten sie einen Ansatzpunkt. Admiralin Jansen hatte vor ihrer Rettung von Terra den Widerstand angeführt und in Zellen unterteilt aufgebaut. Nicht alle waren geflohen. Einige Widerständler hatten auf Terra bleiben wollen, um den Kampf von innen heraus zu führen.

In den vergangenen Monaten war dieser Widerstand gewachsen.

»Drei Adressen verbleiben«, meldete Ian. »Ich route, verschlüssele und kontaktiere die nächste.«

Sienna gähnte. Ihre Hand tastete nach dem ViKo-Becher. »Herrlich. Ein ewiger Nachschub an frischen Geschmacksstoffen. Einige Kreationen sind allerdings eine Beleidigung.«

»Sind Ihre Geschmacksnerven nichts mehr gewöhnt?«, hakte Kirby nach, während sie die Daten ihres BioTats in den sicheren Speicher lud.

»Oh, ich meinte nicht den Geschmack. Eher die Bezeichnung. Mittlerweile gibt es an jedem Kiosk die Sjöberg-Mischung, die Rosen-Mischung und, passen Sie auf, die Imperiale-Hochzeitsmischung.«

Kirby stieß ein knappes Lachen aus. »Du liebe Güte. Ernsthaft? Was für Minderwertigkeitskomplexe will dieser Abklatsch eines Imperators eigentlich noch kompensieren?«

»Ich fange gar nicht erst damit an«, erwiderte Sienna.

»Adresse ist ebenfalls außer Funktion«, meldete Ian. »Es geht weiter.«

Kirby schloss die Datenübertragung ab. »Langsam wird es knapp. Unser offizieller Urlaub endet in fünf Tagen. Wenn wir bis dahin keinen Kontakt hergestellt haben, müssen wir zur Flotte zurückkehren oder untertauchen. Der Software-Agent nistet sich im Überwachungsnetz ein, aber letzteres bliebe trotzdem ein unkalkulierbares Risiko.«

»Kontakt!«

Kirby war mit wenigen Schritten neben Ian. Auf dem Monitor erschien eine maskierte Silhouette.

»Wir sind ebenfalls maskiert«, sagte Ian schnell.

»Wer sind Sie?«, fragte der Unbekannte auf dem Monitor. Seine Stimme wurde von einer Vocoder-Software verzerrt, war jedoch eindeutig männlich.

»Ein Gast aus der Republik. Und Sie?«

»Ein Bewohner Terras.«

So kommen wir nicht weiter. »Ich möchte Kontakt zum Widerstand herstellen.«

»Ach, möchten Sie das?«

Kirby nannte eine Zahlenfolge, die Admiralin Jansen ihr übergeben hatte. Der unbekannte nickte und gab eine Codefolge zurück. »Mein Name ist Captain Kirby Belflair.«

Ihr Gegenüber schwieg. Sekunden verstrichen, dehnten sich aus. »Sie lügen.«

»Wir stehen einem DNA-Abgleich offen gegenüber.«

Das Schweigen wiederholte sich.

»Der Weg hierher war lang und beschwerlich. Unsere Sicherheit ist nicht garantiert«, erklärte Kirby. »Wir kommen mit Informationen und neuen Kontaktmöglichkeiten für den Widerstand zur NOVA.«

»Ich melde mich wieder.«

Die Übertragung erlosch.

»Tja«, sagte Kirby, »dann bleibt uns wohl nur, zu warten.«

 

*

 

Opal-System, Opal II, 12. Juli 2270, 10:31 Uhr

 

Dutzende kleiner Raumschiffe umflogen den Mars wie Bienen ihren Stock. Feuerblumen erblühten auf der Oberfläche, Risse durchzogen die Planetenkruste. In diesem Augenblick war dort unten schon niemand mehr am Leben. Schließlich platzte der Mars wie eine überreife Frucht auf. Gase, Metalle, Leben, alles wurde zu einem chaotischen Wirrwarr aus Tod und Verderbern.

Jayden schloss die Augen, um die 3D-Simulation nicht mehr sehen zu müssen.

»An dieser Stelle kommt der neu entwickelte Gravitationskern zum Einsatz«, erklärte Admiralin Jansen. »Ein Wellenbrecher sorgt zudem dafür, dass die Umgebung vor Schaden bewahrt wird. Das wäre das Ende des Mars.«

Sjöbergs Plan war simpel. Er wollte den Roten Vater und die Rebellen des Mars loswerden. Endgültig und vollständig. Aufgrund der Komplettisolation konnte kein Bürger des Roten Planeten diesen derzeit verlassen. Zudem wurden sämtliche Datenströme abgefangen und ausgewertet.

»Ist Kirby dort?«, fragte er.

Admiralin Jansen erwiderte seinen Blick mit einem sanften Funkeln. »Dazu darf ich Ihnen nichts sagen.«

Sie ist dort. Oder zumindest im Sol-System. »Ich verstehe. Konnte Captain Falk uns sonst noch Informationen zukommen lassen?«

Die Admiralin strich sich eine hellblonde Strähne aus der Stirn, die sich dorthin verirrt hatte. Ihre Uniform saß nicht ganz so akkurat wie sonst, sie hatte abgenommen. Der Stress machte vor niemandem halt. Nun ja, das BioTat sorgte dafür, dass Jayden immer ausreichend Nährstoffe zu sich nahm und sich Ruhephasen gönnte, außerdem schützte es die Nerven. Insofern besaß er einen Vorteil. »Sie cheaten, Sir«, war Lieutenant Commander Tasks Kommentar gewesen.

»Leider konnte er das nicht.«

Der befreite Kommandant der Indira-Flotte und seine Brückencrew waren intensiv befragt worden, doch mehr als den Plan für die Zerstörung des Mars hatten sie sich nicht aneignen können. Aktuell befanden sie sich auf Hope, um in der neu erblühenden Central City aufzuatmen und zu genesen.

Auf der Holokonsole neben Admiralin Jansen blinkte ein Icon hektisch auf. Sie hatten ihr Ziel erreicht. Die Kabinen-K.I. schaltete einen Teil des rückwärtigen Shuttles transparent, während der Pilot auf Position verharrte.

Gemeinsam schauten die Admiralin und Jayden hinaus in das All.

Gewaltige Tender von der Größe kleiner Häuser schwebten durch die Schwärze und trugen Chassis-Elemente mit Traktorstrahlen herbei. Wachschiffe starteten und landeten von Tendereinheiten, Schwere und Leichte Kreuzer schützten den Planeten. Zur Sicherheit hatte die Admiralität einen ganz neuen Typ herbeigeschafft.

»Das sind also Evakuierungsschiffe«, murmelte Jayden.

Jansen nickte leicht. »Ausgestattet mit Wurmlochgeneratoren, Translokatoren und ersten Versionen von Projektoren. Die Geräte besitzen unterschiedliche Reichweiten und eine differente Materialdurchdringungsmöglichkeit. Wir können tausend Menschen pro Minute an Bord holen, die Fassungskapazität beträgt bei voller Auslastung 500.000 Personen – wenn auch ohne Komfort. Integriert sind Ärzteteams und Sicherheitskräfte. Bei den Simulationen hat die Crew sich wacker geschlagen.«