Herbstwandern - Wanderherbst - Karin Storrer - E-Book

Herbstwandern - Wanderherbst E-Book

Karin Storrer

0,0
2,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Das Buch erzählt von einer Wanderung im herbstlichen Lappland, der Etappe auf dem Kungsleden von Ammarnäs nach Hemavan. Es enthält viel Wissenswertes über die Geschichte und Traditionen der Urbevölkerung Lapplands, den Samen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 74

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Karin Storrer

Herbstwandern - Wanderherbst

Wandern in Lappland

© 2021 Karin Storrer

Fotos: Karin Storrer

Verlag und Druck:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-37920-6

Hardcover:

978-3-347-37921-3

e-Book:

978-3-347-37922-0

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Für Lisa und Lukas,

die mich so oft auf meinen

Wanderungen in

Schwedisch-Lappland

begleitet haben.

Es ist September. Wieder einmal packe ich meinen Wanderrucksack. Wie schon so oft in den letzten Jahren.

Wie immer, wenn der September naht, befällt mich eine innere Unruhe. Ich habe Bilder vor Augen. Bilder von der bunten Herbstlandschaft Lapplands, von golden leuchtenden Birken, von klaren Seen und schneebedeckten Gipfeln. Und von den Begegnungen mit den Rentieren.

Ich sehne mich nach der Stille in der Weite der einzigartigen Landschaft Schwedisch-Lapplands.

Seit meinem ersten Schwedenbesuch sind schon fünfzig Jahre vergangen. Und ich komme immer und immer wieder in dieses Land. Das Land, das mittlerweile zu meiner zweiten Heimat geworden ist. Ich empfinde die Sehnsucht nach Schweden nicht als Fernweh, sondern eher als Heimweh.

Vom Süden bis in den hohen Norden habe ich das Land erkundet. Ich habe viele freundliche und hilfsbereite Menschen kennenlernen dürfen, ihre Lebenseinstellungen und Traditionen erleben können. Ich habe ihre Sprache gelernt, weil ich mich mit ihnen unterhalten und austauschen wollte. Und ich habe dadurch viele Freunde gefunden.

Irgendwann bin ich ganz im Norden, in Lappland, angekommen. Eine Reise nach Lappland war schon immer mein Traum und als er endlich Wirklichkeit wurde, war ich aufgeregt und voller Spannung, was mich in dieser nördlichsten Region erwarten würde.

Von einer schwedischen Familie mietete ich privat deren Haus in Abisko. Der Kontakt mit den Besitzern war sehr herzlich und sie stellten mir sehr vertrauensvoll ihr Haus zur Verfügung. Mitten zwischen goldgelb leuchtenden Birken lag es versteckt und ich fühlte mich dort sofort zuhause.

Jeden Tag startete ich zu einer Tageswanderung durch den Abisko-Nationalpark, suchte mir täglich neue Wanderrouten aus und war begeistert. Begeistert von der Landschaft, von der Weite und von der Stille, die über der Landschaft lag. Begeistert auch von der bunten Farbenpracht des Herbstes. Stundenlang konnte ich durch die Gegend streifen, hinter jeder Wegbiegung entdeckte ich etwas, das mich zum Stehenbleiben bewog. Ich bewegte mich in einem bunten Meer von Gräsern und Blüten. Hin und wieder flohen ein paar aufgeschreckte Schneehühner vor mir und zahlreiche Lemminge wuselten im Eiltempo vor meinen Füßen über den Pfad. Immer wieder schauten auch ein paar Rentiere neugierig zwischen den niedrig wachsenden Birken und Sträuchern hervor.

Mit allen Sinnen wollte ich diese Eindrücke genießen, setzte mich immer wieder mal auf einen Stein und ließ den Anblick auf mich wirken. Und schon nach meinem ersten Besuch hier war es um mich geschehen, ich kam immer wieder und das Haus meiner Vermieter stand immer für mich bereit.

Das Lappland-Virus hatte mich erwischt. Und es hat mich bis heute nicht mehr losgelassen.

Einige Jahre kam ich regelmäßig im September wieder und entdeckte jedes Mal wieder neue Pfade. Aber der Wunsch nach mehr, der Wunsch nach einer Mehrtageswanderung auf dem Kungsleden wuchs mit jedem Aufenthalt. Immer wenn mir auf meinen Streifzügen die Wanderer mit ihren großen Rucksäcken begegneten, dachte ich mir, so möchte ich auch gerne unterwegs sein. Nicht irgendwann wieder umkehren müssen. Einfach weiterlaufen, von morgens bis abends weiterlaufen. Abends in einer Berghütte oder im Zelt übernachten und der Natur ganz nahe sein. Aber ich war erstens schon in einem leicht fortgeschrittenen Alter und zweitens war ich solche langen Wandertouren einfach nicht gewöhnt, traute mir das nicht so recht zu. Aber der Wunsch verfolgte mich, wurde immer stärker und ließ mich nicht mehr ruhen. Irgendwann sagte ich mir: „Wenn nicht jetzt, wann dann“?

Und ich fing an zu planen. Eine Wanderung auf dem Kungsleden, dem Königspfad, sollte es sein. Auf diesem Pfad würde ich jeweils in Tagesetappen Übernachtungshütten finden. Ein beruhigender Gedanke, zu wissen, dass man abends ein Dach über dem Kopf haben würde. Insbesondere, da sich das Wetter im Fjäll ganz schnell ändern konnte.

Der Kungsleden, zu deutsch Königspfad, auf samisch Alisvággi, wurde im nördlichen Teil früher als Viehtrieb genutzt. Heute ist der Kungsleden ein 440 km langer Weg hoch oben in Schwedens historischer Provinz Lappland. Er beginnt in Abisko und endet in Hemavan. Oder umgekehrt, je nachdem, welche Laufrichtung man bevorzugt.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts begann der schwedische Touristenverein -STF- mit der Ausführung des Wanderweges. Man wollte einen Wanderpfad durch das lappländische Fjäll anlegen, wusste aber nicht so recht, wie man es angehen sollte. In Anlehnung an die Planung der Eisenbahnstrecke zwischen St. Petersburg und Moskau, die von dem Sekretär Louis Améen auf eine Anregung des russischen Zaren hin sehr pragmatisch umgesetzt wurde, in dem er einfach mit dem Lineal einen geraden Strich zwischen den beiden Städten zog, taten es die Planer des Touristenvereins ihm gleich. Sie zogen mit dem Lineal einen geraden Strich zwischen Abisko und Kvikkjokk und legten so die Streckenführung fest. Es sollte ein mit Steinmännchen markierter Wanderpfad werden. Geplant waren Übernachtungshütten und, dort wo nötig, sollten Ruderboote zur Querung der Seen zur Verfügung stehen.

Im Jahr 1900 wurden unter der Leitung von besagtem Louis Améen drei geeignete Plätze für den Bau von Hütten bestimmt. Sie sollten zwischen dem Torneträsk und dem Wasserfall Stora Sjöfallet errichtet werden. Aber es sollte dann doch noch 40 Jahre dauern, bis das Vorhaben umgesetzt wurde.

Als der Verein auf stabileren Füßen stand, wurde das Hüttennetz erweitert.

In einem Bergführer, der vom STF 1914 veröffentlicht wurde, war von der Bezeichnung „Kungsleden“ noch nicht die Rede. Der Zeichner und Fjällpionier Th. S. Gudjohnson bezeichnete ihn in seinem 1920 veröffentlichten und handgezeichneten Bergführer „Alesvaggeleden“.

Erst 1925 stieg der STF ernsthaft in den Ausbau des Pfades ein. Pfadfinder halfen mit dem Bau von Steinmännchen, den sogenannten stenrösor, bei der Markierung. Bei der Einweihung der Fjällstation in Kvikkjokk 1928 wurde erstmals die Bezeichnung „Kungsleden“ verwendet.

Weitere Hütten entstanden, alle in wegloser Wildnis gelegen, und das Interesse an Wanderungen auf dem Kungsleden wuchs. Anfang der 1950er Jahre beschloss man neue Richtlinien zu den Fjällwanderwegen und es wurde bestimmt, dass der Kungsleden von Abisko bis Ammarnäs gehen würde.

Mittlerweile genießt der Pfad auch international immer größere Aufmerksamkeit und die Anzahl ausländischer Wanderer steigt stetig.

Der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau hat zu dem Wandern seine eigene Philosophie und drückt sie so aus: „Wer wandert, macht auf einer kurzen Strecke eine lange Reise“.

Und auf dieser langen Reise bietet der Kungsleden den Wanderern eine Vielzahl von Eindrücken: blühende Heidewiesen und steile Abhänge. Sprudelnde Bäche verwandeln sich in reißende Flüsse. Der Weg führt durch wilde Berglandschaften mit engen Tälern und unzähligen Seen. Die weiten, baumlosen Hochebenen wechseln sich mit Wäldern ab und die weißen Berggipfel mit ihren Schneekuppen bilden die Hintergrundkulisse.

Nachdem ich nun den Entschluss gefasst hatte, den Kungsleden zu erwandern, begann ich, mich auch körperlich auf die erste Mehrtagestour vorzubereiten. Es ist etwas anderes, jeden Tag ein paar Stunden mit leichtem Gepäck durch die Landschaft zu streifen und abends die Annehmlichkeiten in einem Ferienhaus zu genießen, als Tag für Tag seine ganze Ausrüstung samt Proviant auf dem Rücken zu tragen. Aber jetzt wollte ich es wissen, wollte eine längere Zeit in dieser grandiosen Landschaft Lapplands unterwegs sein, die frühen Morgen beim Aufgehen der Sonne erleben, und die Abende mit ihrem besonderen Licht, mit etwas Glück sogar mit Nordlicht.

Um mich mit dem größeren Gewicht des Rucksackes vertraut zu machen, packte ich einfach Konservendosen hinein und marschierte damit in meiner näheren Umgebung wochenlang immer wieder bergauf und bergab, verlängerte allmählich die Wanderstrecke und von Zeit zu Zeit füllte ich weitere Dosen dazu, bis ich das geschätzte Tourengewicht erreicht hatte. Ich marschierte mit meinem Gepäck querfeldein über Stock und Stein. Kam abends müde, aber mit mir zufrieden nachhause und irgendwann dachte ich dann: jetzt kann ich es angehen.

Ich sprach mit meiner erwachsenen Enkelin Lisa, die schon wandererprobt war und auch schon früher eine Tour auf dem Kungsleden gemacht hatte. Sie war begeistert von meinem Vorhaben, sprach mir Mut zu und, das Beste, sie wollte mich bei der ersten Wanderung begleiten.

Schon allein die gemeinsame Planung der Tour machte viel Spaß. Wir waren schon vor dem Start ein gutes Team, ich schwedenerprobt, sie outdoorerprobt.