Herr Mozart wacht auf - Eva Baronsky - E-Book
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Herr Mozart wacht auf E-Book

Eva Baronsky

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Beschreibung

„Solange es nur Musik gab, war er bereit, in jeder Welt zurechtzukommen.“ Am Vorabend noch hat er auf dem Sterbebett gelegen. Nun erwacht Wolfgang Amadé Mozart an einem unbekannten Ort und - wie ihm nach und nach klar wird - in einer fremden Zeit. Die Ungeheuerlichkeit seiner Zeitreise ins Jahr 2006 kann er sich nur mit einem göttlichen Auftrag erklären: Er soll endlich sein Requiem beenden. Als wunderlicher Kauz und lebender Anachronismus irrt Wolfgang durch das moderne Wien, scheitert an U-Bahntüren und fehlenden Ausweisen. Einzig die Musik dient ihm als Kompaß, um sich in der erschreckend veränderten Welt zu orientieren. Zur Seite stehen ihm ein polnischer Stehgeiger, das Mädchen Anju und seine Lust, hergebrachte Harmonien auf den Kopf zu stellen. Doch je länger sich Wolfgang in der fremden Zeit aufhält, desto drängender wird die Frage, was ihn erwartet, wenn er das Requiem vollendet hat ... Ein göttlicher Spaß, verblüffend und tragikomisch, ein Spiel mit Zeiten und Identitäten. "Dieses Buch ist wie eine Umarmung." Robert Schneider.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 424




Eva Baronsky

Herr Mozart wacht auf

Roman

Aufbau-Verlag

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Impressum

ISBN E-Pub 978-3-8412-0239-0ISBN PDF 978-3-8412-2239-8ISBN Printausgabe 978-3-7466-2696-3

Aufbau Digital,veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, 2011© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2011Die Erstausgabe erschien 2009 bei Aufbau, einerMarke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG©2009 by Eva Baronsky

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung Henkel/Lemmeunter Verwendung eines Motivs von Rodez/getty-images

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,KN digital - die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

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Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

Informationen zur Autorin

Impressum

Inhaltsübersicht

Präludium

Requiem

Kyrie

Sequenz Dies irae

Tuba mirum

Rex tremendae

Recordare

Confutatis

Lacrymosa

Offertorium Domine

Hostias

Sanctus

Benedictus

Agnus Dei

Communio

Postludium

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Für Juliana und die Reise nach Wien

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|7|Lacrymosa dies illa,

Qua resurget ex favilla,

Judicandus homo reus.

Huic ergo parce, Deus.

Pie Jesu Domine,

Dona eis requiem. Amen.

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|9|Präludium

Der Tod ist ein kalter Bruder.

Mit klammen Fingern packt er ihn, zerrt ihn, schüttelt ihn, dass ihm die Zähne aufeinanderschlagen.

Oder sind es Sophies Arme, die unter seine Schultern greifen? Er fühlt, wie sie ihn anhebt, die zarte Person, damit Constanze sein schweißkaltes Hemd wechseln kann.

Lasst mich, will er sagen, doch mehr als ein mattes Stöhnen bringt er nicht heraus. Wie soll er all das vollführen, was noch zu tun ist, wenn er nicht einmal mehr weinen kann?

Die harten Schläge von Pferdehufen, sonst ein willkommener Taktwechsel, martern seinen Schädel, als träte der Gaul selbst auf ihm herum.

»Er kommt, dem Herrn sei Lob und Dank!«

Ein Luftzug sagt ihm, dass Sophie aufgesprungen ist, dass Kerzenflammen die Schatten durch den Raum jagen, und er spürt, wie Constanzes Hände die seinen umklammern, als könnten sie ihn festhalten. Er lässt die Augen geschlossen, dennoch weiß er um den Ausdruck ihres Gesichts, der Ton ihrer Stimme verrät die Tränen, die sie mühsam zurückhält, verrät den Wahn, der sie zu packen droht. Kraftlos hebt er die Lider, erkennt schemenhaft das vertraute Antlitz im Schein der Wachslichter. Reichlich Kerzen haben sie entzündet. Der Tod ist ein schwarzer Bruder.

Mühsam reckt er den Arm, vergebens, er reicht nicht mehr an Constanzes Wange, sein Körper ist schwer geworden, als gehöre er einem anderen.

Es pocht hart gegen die Tür, er erschrickt, zuckt und kann sich doch nicht bewegen. Will sich aufbäumen, liegt indes ergeben und weiß, er wird dort liegen bleiben.

|10|Eine Hand wiegt schwer und kalt auf seiner Stirne.

»Tücher sind vonnöten. Auch kaltes Wasser. Rasch.«

Die Stimme des Doktors, aber der hilft ihm nimmermehr.

»Clos-set.« Ein Röcheln, mehr gelingt ihm nicht.

»Lieber Mozart, bleiben Sie liegen.«

Was sollte er auch anderes tun? Clossets kalte Hände greifen seinen Arm, schieben das Plumeau zur Seite, betasten sein Bein.

Der Doktor spricht nur mehr leise. »Er hat der schlechten Säfte zu viel, deren er sich zu entledigen sucht. Der Aderlass wird ihm Erleichterung verschaffen.«

Sosehr er sich auch abplagt an einem Nein, sein Protest bleibt ungehört.

»Wohin mit den Tüchern?« Auch von Sophie kommt nur ein Flüstern. Als hätte eine reizende Frauenstimme ihm je das Leben nehmen können.

»Macht Wickel. Ist das Wasser kalt? Den Kopf kühlt ihm, die Stirne auch.«

Er fühlt die Pfanne an seiner Wade, die Kraft reicht nicht zum Wehren. Schon spürt er den kleinen Schmerz des Schnittes. O diese Blutrünstigen! Noch kälter wird ihm, als liefe mit dem Blut die letzte Wärme, der letzte Rest an Lebenskraft aus ihm heraus. Bald versteht er nicht mehr, was gesprochen wird, nur ein schwaches Murmeln, als sei er längst fort.

Der Tod ist ein stiller Bruder.

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|11|Requiem

Requiem aeternam dona eis, Domine

et lux perpetua luceat eis

Te decet hymnus, Deus, in Sion

et tibi reddetur votum in Jerusalem

Als er zu Bewusstsein kam, fror er nicht mehr. Das Gemurmel hielt noch immer an, doch klang es unvertraut – waren fremde Stimmen hinzugekommen? Er drehte sich behutsam zur Seite, zu seiner Verwunderung gelang es ihm schmerzfrei und ohne Anstrengung. Auch die alles verzehrende Mattigkeit war wie weggeblasen, als sei er gerade aus einem tiefen Schlaf erwacht. Dabei hatte er das Gefühl, nur einen Augenblick eingenickt zu sein. Sollte der alte Doktor Closset ihm gegen jede Erwartung geholfen haben? Freude durchfuhr ihn wie unverhoffte Novembersonne: Die Crisis war überwunden!

 »Stanzi …« Er sprach leise, um sich nicht zu überanstrengen, doch schon während er es sagte, war ihm klar, dass er mühelos laut nach ihr hätte rufen können. Schritte näherten sich, er blinzelte, schloss aber gleich wieder die Lider, das helle Licht blendete.

»Er kommt zu sich, na endlich.« Die Stimme – es war weder Stanzis noch Sophies – klang fremd, zweieinhalb Oktaven zu tief, aber zumindest verstand er die Worte klar.

»Stanzi«, gab er zur Antwort und bemühte sich um ein Lächeln, »Stanzi, so hat er endlich ein Gegengift gefunden?«

»Der hat ja Humor.« Jemand lachte, dann wurde er sachte am Arm gerüttelt. »Alles klar, Mann?«

Zaghaft öffnete er das rechte Auge. Ein Gesicht, ihm völlig fremd, beugte sich über ihn. »Der Closset hat ein Wunder gewirkt«, hauchte er.

|12|»Was? – Scheiße, Mann, hat der etwa …?« Mit einem Ruck zog man ihm die Decke fort und gab ihn der Kälte preis wie ein nacktes Tier.

»Reg dich ab, der ist immer noch auf dem Trip, lass ihn weiterpennen.« Die Decke senkte sich wieder herab.

»Na, der kann was erleben! Ruht sich aus, während wir die Arbeit machen.«

Er riss die Augen auf, sah schemenhaft zwei Gestalten sich entfernen, dem Habitus nach Männer, dann wurde eine Tür geschlossen, und rasch klappte er seine Augen zu.

Irgendetwas stimmte nicht.

Er war nicht mehr zu Hause. Sein Lager fühlte sich anders an, viel weicher und ungleich – ja, federnder; ein subtiler, femininer Duft lag darin. Wohin hatte man ihn gebracht? Wer um alles in der Welt waren diese garstigen Kerle? Und welche Arbeit gab es zu tun? O gütiger Himmel: Sollte das gerade der Franz Xaver gewesen sein?

Er riskierte erneut einen vorsichtigen Blick. Das Gemach, in dem er sich befand, war recht geräumig, durch ein Fenster drang fahles Winterlicht. Er nahm einen tiefen Atemzug. Tot war er jedenfalls nicht. Oder doch? Instinktiv probierte er seine Hände aus, formte die ersten Takte des Sanctus, das zu schreiben er versäumt hatte, ließ die Fingerspitzen über Brust und Bauch gleiten. Erschrocken hielt er inne: Das waren nicht seine Kleider, die er anhatte. Er schob die Decke zur Seite – sie war purpurfarben! –, hob den Kopf und sah an sich hinab. Statt seines gewohnten weiten Leinenhemdes trug er ein kurzes Hemdchen, es hatte weder Kragen noch Knöpfe und war aus einem außerordentlich anschmiegsamen, wenn auch dünnen Stoff gefertigt. Seine Beine steckten in einer dunklen Hose, die nicht bloß übers Knie, sondern weit über die Knöchel reichte. Sie war bequem, samtig und nachgiebig. Sein Sterbekleid? Ein jähes Frösteln erfasste ihn, doch sein Körper fühlte sich fürwahr gesund und lebendig an. Auch der |13|Schädel peinigte ihn nicht mehr, so dass sich die Musik schon wieder ungehindert darin ausbreitete, in bunten Farben und Formen um ihn wogte wie seit jeher und darauf drängte, niedergeschrieben zu werden. Alle Schmerzen waren ihm genommen. – also war dies am Ende … das Paradies?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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