Herz über ins Abenteuer - Maximilian Medlitsch - E-Book

Herz über ins Abenteuer E-Book

Maximilian Medlitsch

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Beschreibung

Wirtschaftsjournalist Maximilian Medlitsch begibt sich auf eine Reise. Er soll 33 Heiler und die Initiatorin des Heiler Ohne Grenzen Camps Annette Müller, auf Schritt und Tritt begleiten um deren Wirken zu beobachten. Der Autor dokumentiert in diesem Buch viele Verwandlungen. Nicht nur die der Heiler und der Geheilten sondern auch seine, also die eines Journalisten, der in seiner Beobachterposition nicht selten an die Grenzen seines Verstandes stösst. Kurz nach Sylvester, im Januar 2018, befindet er sich mit wagemutigen Heilerinnen und Heilern aus aller Welt auf dem Weg nach Südindien. Dort erlebt er Unglaubliches. Im Rahmen einer medizinischen Studie heilen die Heiler während nur einer Woche mehr als 300 Esperenten und inspirieren tausende weitere Menschen. Die Aktion der Heiler Ohne Grenzen erlangte über die Stadtgrenzen Pondicherrys hinaus große Bekanntheit. Es entstand ein Dokumentarfilm in deutscher, englischer und französischer Sprache. Für weiteres internationales Aufsehen könnte auch die medizinische Studie sorgen, die vor Ort durchgeführt wurde um die Wirksamkeit der Heilmethode amazinGRACE(r) zu erforschen. Die Heiler, die schon jetzt als Pioniere gelten, leisteten somit nicht nur einen Beitrag zu einem besseren Leben im Sinne der Menschlichkeit, sondern auch im Sinne der Wissenschaft. Maximilian Medlitsch taucht mit dem Leser ein in eine Dimension, die nicht von dieser Welt scheint und dennoch Zukunftsvisionen auf fantastische Weise Wirklichkeit werden lässt.

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Seitenzahl: 250

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Vorwort

Einleitung

Wie alles begann

Samstag, 30.Dezember: Ein holpriger Start

Montag, 1. Januar 2018: Die Welt auf dem Weg nach Pondicherry

Dienstag, 2. Januar 2018: Niemals: Das lasse ich mir doch nicht entgehen!

Mittwoch, 3. Januar 2018: Erste Eindrücke des Subkontinents

Donnerstag, 4. Januar 2018: In Indien schreien die Eichhörnchen

Freitag, 5. Januar 2018: Gewaltfreie Staatsgewalt?

Samstag, 6. Januar: Es geht los!

Sonntag, 7. Januar: Der vergessene Rollator

Montag, 8. Januar: Serenity Beach, two figgs and math skills

Dienstag, 9. Januar: Ein ereignisreicher Tag

Mittwoch, 10. Januar: Ein Franzose will mehr

Donnerstag, 11. Januar: Der letzte Tag

Freitag, 12. Januar: Time to say goodbye

Mittwoch, 17. Januar 2018: Abschließendes Interview mit Annette Müller

Nachwort von Prof. Dr. Prabhat Poddar

Interview

IMPRESSUM

Maximilian Medlitsch, »Herz über ins Abenteuer – Was ein bayrischer Wirtschaftsjournalist mit 33 Heilern in Indien erlebt«1. Auflage 2024Umschlaggestaltung: Manuela Herbert, Leon Seipel, Christian SchulzUmschlagfotos: Annette Müller, Werner Dück, Stock FotoLektorat: Gotlind Blechschmidt, Barbara DeckerLayout, Satz, Bildbearbeitung: Tom Groß, allgraphix.de

ISBN: 978-3-943099-33-1

SAN ESPRIT VERLAG © Alle Rechte vorbehaltenDieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die Nutzung des Werks für Text- und Data-Mining im Sinne des § 44b UrhG ist ausdrücklich vorbehalten (§ 44b Abs. 3 UrhG) und daher verboten.San Esprit GmbH & Co KG, Seestr.2, 83119 Obing, [email protected]

»Herz über ins Abenteuer – Was ein bayrischer Wirtschaftsjournalist mit 33 Heilern in Indien erlebt«

Maximilian Medlitsch

Vorwort

Ich lasse mich in den maroden Sitz fallen und atme richtig tief durch. Der Bus setzt sich in Bewegung, rund 40 übereinandergestapelte Reisende werden von den ersten Schlaglöchern durchgeschüttelt. Alle lachen! Dieser Moment im Bus ist für mich überwältigend. Die ersten sehr aufregenden Stunden des Camps liegen hinter mir und die enorme Anspannung fällt von mir ab. Endlich kann ich einmal an etwas anderes denken, als an den Ablauf des Camps oder an meine Mutter im Krankenhaus. Ich sehe mich um und blicke in strahlende Augen, höre fröhliches Lachen und das eine oder andere belustigte Kreischen, wenn es durch ein besonders tiefes Loch in der Straße geht, rundum freudestrahlende, gelöste und begeisterte Gesichter. In diesem Moment realisiere ich erst so richtig: Wir sind 40 Leute in Südindien, in ›unserem‹ Bus, die gemeinsam zum Mittagessen chauffiert werden.

Zwick mich – ist das wirklich wahr? Ja, es ist kein verrückter Traum, sondern Realität. Ja! Aber ich kann es trotzdem kaum fassen. Während einer der englischsprachigen amazinGrace®Ausbildungen, die ich regelmäßig auf Mallorca durchführe, war eine Teilnehmerin aus Indien auf die Idee gekommen, ein paar Heiler von uns würden nach Indien reisen und dort kostenlose amazinGrace-Sitzungen geben. Toller Gedanke, hatte ich mir gedacht, und einfach mal per E-Mail in unserem Netzwerk angefragt, wer von den Schülern und Absolventen der Heilerschule eventuell mitreisen wollte.

Der Ansturm war geradezu überwältigend gewesen. Und am Ende konnten wir tatsächlich nicht alle mitnehmen, die gerne mit dabei gewesen wären.

Und nun sind wir hier, zusammen in diesem Bus. Der Journalist Maximilian Medlitsch und Autor dieses Buches, steht bestens gelaunt und scherzend in der Tür und muss aufpassen, dass er wegen der Schlaglöcher nicht mit dem Kopf an das Dach knallt. Das Camp hat bereits begonnen. Ich frage mich, was er wohl erfahren und schreiben wird. Die ersten Wunderheilungen sind bereits schon geschehen. Die Rührung und die Freude aufseiten der Heiler, Menschen auf diese Weise zu helfen und zu heilen, innerhalb eines solch unbeschreiblichen Abenteuers, eingebettet in eine förderliche Gemeinschaft, ist für mich überwältigend spürbar. Die Freude und das Staunen gehen mir sprichwörtlich unter die Haut. Ich fühle mich, als wäre ich inmitten Gottes eigener Familie.

Ein ganzer Bus voller bunt gemischter Heiler in Hochstimmung! Wir sind keine normalen Touristen, sondern Abenteurer, die im Außen helfen und dadurch sich selbst im Inneren unglaublich nahekommen. Jeder Einzelne hat an diesem ersten Vormittag schon eine Heilung bewirkt und dadurch den eigenen Wert unmittelbar erlebt und erfahren. Dankbarkeit ist spürbar. Eine Dankbarkeit, die berauscht, mit dabei zu sein bei dieser Reise – einer heiligen, heilenden Reise. Es sollte eine lebensverändernde Reise werden, auf der der Gebende zum Empfangenden wird. Wir sollten die wohl größte Dankbarkeit und Achtung von den Menschen empfangen, die uns zur Heilung aufsuchten. Doch das wussten wir an diesem Mittag alles noch nicht. Wir waren Abenteurer auf einem Road Trip in die Dankbarkeit.

Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich dieser »Schnapsidee« gefolgt bin, dass ich leichten Sinnes genug war, dieses Wagnis einzugehen, und für all die ungeahnten Belohnungen, die ich dafür erhalten habe. Mein Dank an alle Unterstützer, ganz besonders an jene, die wir heilen durften, wird mich für immer begleiten.

Die Geschichten in diesem Buch sind Tatsachenberichte. Es sind die Beobachtungen eines Journalisten, der selbst kein Heiler ist und deshalb eine neutrale Sicht auf die Dinge hat, nur das ein oder andere Mal durch die Brille der Begeisterung und seiner phänomenal guten Laune eingefärbt.

Es macht mir sehr viel Freude, mittels dieses Tagebuchs die ereignisreiche Zeit im Camp rückblickend nochmals zu erleben, und zwar durch die Augen eines weitgehend objektiven Beobachters. Max’ Eindrücke berühren mich zutiefst, weil dadurch meine eigene Wahrnehmung bestätigt und fundierter wird.

Was bleibt zu sagen? Herzlichen Dank für diesen wundervollen Bericht. Dieser spiegelt unsere große Freude, Euphorie und Dankbarkeit wider.

Gemeinsam haben wir viel Licht in viel Dunkles gebracht und für so manch einen eine endlose Nacht in helllichten Tag verwandelt.

Annette, »Neti« Müller

Gut gelaunt im Bus

Einleitung

Als ich das erste Mal mit Annette Müller in Kontakt kam, konnte ich mir im Traum nicht vorstellen, wohin das alles führen würde. Meine Tätigkeit als Journalist umfasste zu diesem Zeitpunkt überwiegend die Ressorts Politik und Wirtschaft. Trotzdem schrieb ich einen Artikel über einen befreundeten Unternehmer, der eine gemeinnützige Initiative in Indien starten wollte. Anlass für ihn war seine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Er selbst hatte das Glück, in einem Land aufzuwachsen, dessen medizinische Versorgung ihm einen operativen Eingriff ermöglichte, durch den diese angeborene Fehlbildung behoben werden konnte. Dieses Glück haben Kinder in vielen Teilen der Welt nicht, darunter Indien, wie er mir im Rahmen des Interviews mitteilte. Für sie wollte er sich starkmachen. Ich muss vermutlich nicht darlegen, wie berührend diese Geschichte ist. Zumindest für mich persönlich, und sie ist definitiv emotionaler als der Bericht über die neuen gesetzlichen Regelungen zur gewerblichen Drohnennutzung, den ich im Anschluss verfasste.

Weitreichende Folgen sollte der Artikel bewirken, als ihn Annette Müller las. Über den befreundeten Unternehmer suchte sie den Kontakt zu mir, und ich war neugierig, worauf das hinauslaufen würde. Bereits wenige Wochen nach unserem ersten Treffen berichtete sie mir von ihrem ambitionierten Vorhaben, ein Healing Camp in Indien durchzuführen. Schon früher hatte mich die Internationalität von Annette Müllers Unternehmensgruppe beeindruckt. Herausragend ist ihr Werdegang.

Annette Müller wurde 2004 bei einem Unfall unheilbar verletzt. Durch das energetische Heilen fand sie zu neuer Lebenskraft und entwickelte ihre eigenen Heilmethoden. Auch gründete sie die erste stationäre Klinik für energetisches Heilen und die daran angeschlossene Heilerschule École San Esprit. Annette Müller gilt als Deutschlands erfolgreichste Botschafterin für das energetische Heilen und bemüht sich erfolgreich um ein Miteinander von moderner Schulmedizin und energetischem Heilen. Im September 2019 wurde sie für diesen Brückenbau mit dem Mind-Change-Award ausgezeichnet.

Ihre Heilmethoden unterrichtet sie auch in englischer Sprache auf Hawaii, in Kalifornien und auf Mallorca. Doch mit einer so großen Gruppe von Heilern nach Indien zu reisen, sollte definitiv ein neuer Höhepunkt sein, selbst für Annette Müller. Als sie mich dann auch noch fragte, ob ich mitkommen wolle, um die Reise dokumentarisch zu begleiten, musste ich nicht lange überlegen. Was für eine großartige Gelegenheit! So weit weg zu fliegen und dort ein Reisetagebuch über das Wirken von 33 Heilern schreiben. Das klang doch mal spannend, wenngleich ich mir in keiner Weise vorstellen konnte, was mich erwartete.

Ich selbst bin ja weder Geistheiler noch hatte ich je mit dem energetischen Heilen in meinem bisherigen Leben als Wirtschaftsjournalist irgendwelche Berührungspunkte gehabt. Ich musste zunächst recherchieren, was darunter überhaupt zu verstehen war. Inzwischen bin ich absolut überzeugt, auf der Basis von Ergebnissen, die ich beobachtet habe. Ich habe gesehen wie Menschen, zuvor gekrümmt und langsam laufende über Neunzigjährige, plötzlich einen Stepptanz hinlegten und Treppen in Windeseile bestiegen. Dabei bin ich unglaublich froh, dass ein Kameramann all das Unglaubliche für einen Dokumentarfilm festgehalten hat. Niemals hätte ich ansatzweise gedacht, meine Sichtweise derart zu verändern. Ich glaube an wissenschaftliche Fakten. Doch was ist Wissenschaft eigentlich? Fragt man einen Experimentalphysiker, so wird dieser antworten: »Alles, was ich messen kann.«

Nun, ich kann die Heilerfolge sehen und ich kann sie auch messen. Genau das hat eine Studie vor Ort gemacht, die Ergebnisse gemessen, und das bisweilen mit einem sehr guten Ergebnis. Ist der Zeitpunkt also nicht mehr weit, bis energetisches Heilen auch wissenschaftlich anerkannt ist? Und sind Annette Müller, das großartige San Esprit-Team und die vielen Schüler und Absolventen demnach nicht eigentlich Pioniere im Auftrag der Wissenschaft? Das wird die Geschichte in den kommenden Jahrzehnten zeigen. Solch ein Paradigmenwechsel wäre nicht der erste in der Historie der Medizin. Ich für meinen Teil konnte mir meine fundierte Meinung an den Hunderten von Heilerfolgen bilden, die ich mit eigenen Augen sah, und ich bin bei weitem kein leichtgläubiger Mensch. So ganz verstehe ich noch nicht, wie es funktioniert, aber ich weiß, dass es funktioniert.

Doch auch jenseits dieser bewusstseinserweiternden Momente war das Healing Camp eine außerordentliche Erfahrung. Es ist eine Geschichte von 33 Helden, pardon, ich meine natürlich Heilerinnen und Heilern. Ihr selbstloser Einsatz und ihr Glaube an das Gute sind für mich wahrhaftig inspirierend, so wie dies für viele Hundert Menschen in Pondicherry lebensverändernd war. Hatte ich zunächst noch Bedenken, wie die Heiler wohl auf einen Journalisten reagieren würden, der sie auf Schritt und Tritt begleitete, nahmen sie mich ab dem ersten Tag in ihrer Mitte auf. Dafür danke ich euch! Wir haben gemeinsam Wundervolles erlebt, gelacht, geweint und an so manchem Abend zusammen getrunken und getanzt.

Wenn ich zurückblicke, denke ich an die vielen wundervollen Gespräche, den Spaß, den wir hatten und welche Ehre es mir war, euch zu begleiten! Ihr seid unglaublich, und ich danke jedem Einzelnen für die inspirierende Zeit.

Wir Abenteurer am Flughafen

Wie alles begann

Seinen Anfang nimmt das ambitionierte Projekt im Mai 2016, während Annette Müller auf Mallorca amazinGrace, ihre Methode des energetischen Heilens, in englischer Sprache unterrichtet.

Eine Inderin, extra aus Mumbai angereist, bringt den Stein ins Rollen. Von ihren Heilerfolgen inspiriert, entsteht in ihr der Wunsch, die Heilmethode zurück nach Indien, zu den Wurzeln, zu bringen und mit zwei oder drei Heilern dort Kranke zu heilen. Als sie diesen Vorschlag Annette Müller unterbreitet, ist diese hellauf begeistert.

Die San Esprit-Gründerin hat seit jeher ein besonderes Verhältnis zu Indien, studierte dort die vedischen Schriften und bezeichnet den Subkontinent als ihre spirituelle Heimat. Noch am selben Abend fragt sie innerhalb ihres Netzwerks von Schülern und Absolventen an, wer Interesse an einer solchen Reise hätte. Die Resonanz ist überwältigend. Innerhalb kürzester Zeit erhält sie 53 Anfragen für die Indienreise. Aus organisatorischen Gründen muss jedoch die Anzahl der Interessenten reduziert werden, denn Annette Müller weiß, dass die indische Infrastruktur den Anforderungen der Logistik nicht gewachsen ist und die unzureichenden Strukturen das Projekt gefährden können.

Schon im Februar des darauffolgenden Jahres reiste die Gründerin von San Esprit nach Pondicherry, um das Projekt vorzubereiten. Dort lernte sie Prof. Dr. Prabhat Poddar kennen. Der berühmte Architekt, der unter anderem den bekannten Oneness-Tempel in Varadaiahpalem geplant hat, bekundete seine Unterstützung. Ein wunderbarer Mentor für das Unterfangen! Vor Ort erkundete Annette Müller zunächst die Umgebung, besichtigte Hotels für die Heiler und Hallen für das Camp. Auch das Einholen erster Genehmigungen bei Ämtern und Ärzten stand auf dem eng getakteten Zeitplan der Initiatorin.

Im Mai 2017 zeigte sich, dass das Projekt unter einem guten Stern stand. Die renommierte Wirbelsäulenexpertin Dr. med. Cordelia Schott, die zu diesem Zeitpunkt die Ausbildung absolvierte, kündigte ihre Zusammenarbeit mit Annette Müller an. Gemeinsam sollte eine Schmerzstudie während des Healing Camps durchgeführt werden, um die Wirksamkeit der amazinGrace-Methode zu erforschen.

Inzwischen hatte auch Hollywood-Regisseur Emmanuel Itier, mit dem Annette Müller seit 2016 Filmprojekte durchführt, sein Interesse an einer dokumentarischen Filmbegleitung bekundet. Vor Ort ist Filmer Werner Dück im Einsatz, der von seiner Freundin Isabella Hayder begleitet wird. Sie und Annette Müllers Tochter, die Schauspielerin Gwenn Wunderlich alias Anya Gwenn Müller, unterstützen ihn.

Mit dabei sind Robin Johnson, die Managerin für Annette Müllers englischsprachige Einsätze, und Melanie Endres supportet die Administration. Im Herbst 2017 wird das Team noch um mich als Journalisten ergänzt, der die Erlebnisse in einem Reisetagebuch festhält.

Um einen reibungslosen Ablauf der Indienreise zu gewährleisten, reiste Annette Müller bereits am 20. Dezember 2017 nach Indien und traf abschließende Vorbereitungen. Hilfreich zur Seite stand ihr Annette Bokpe, die am 27. Dezember anreiste. Zur besseren Unterscheidung der beiden Annettes findet Annette Müllers spiritueller Name Neti Verwendung.

Der Rest der Delegation reiste in der darauffolgenden Woche an. Offizieller Beginn des Camps war der 6. Januar 2018.

Samstag, 30.Dezember: Ein holpriger Start

In wenigen Tagen ist es also so weit, die große Indienreise steht an, zusammen mit den ›Heilern ohne Grenzen‹. Noch empfinde ich alles als surreal. Indien, die Heiler, ein Healing Camp. Ich kann es kaum erwarten, doch noch sind es einige Tage bis zur Abreise. Annette Müller ist bereits dort. Heute um 20 Uhr sind wir zum Telefon-Interview verabredet. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass der Zeitpunkt gekommen ist. Es klingelt pünktlich.

»Hallo Max! Grüß dich! Na, wie geht es dir, bist du schon aufgeregt?«, eröffnet sie mir enthusiastisch das Gespräch. Das schätze ich sehr an der San Esprit-Gründerin. Sie hat stets ansteckend gute Laune.

»Hallo Neti, schön von dir zu hören. Mir geht es gut, ich bin schon sehr neugierig auf unsere Reise. Wie laufen die Vorbereitungen in Indien, hattest du eine gute Anreise?«, frage ich sie.

Neti hält kurz inne, dann antwortet sie: »Eine Katastrophe. Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit um drei Uhr nachts in Chennai gelandet bin, sollte mich eigentlich ein Fahrer abholen und in das wenige Stunden entfernte Pondicherry bringen. Leider war der Fahrer nicht vor Ort, als ich ankam. Ich wartete, aber er kam einfach nicht. Am nächsten Tag habe ich dann erfahren, dass er dachte, ich würde erst um 15 Uhr ankommen, und so hat er die Nacht stattdessen im Bett verbracht«, scherzt Neti gewohnt locker.

Das bewundere ich an ihr. Sie denkt positiv und ist optimistisch, bleibt in stressigen Situationen entspannt und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

»Wie ging es weiter?«, frage ich neugierig.

»Naja, irgendwie habe ich mir dann doch noch eine Fahrgelegenheit besorgt. Allerdings war es eine recht abenteuerliche Autofahrt. Sei gespannt auf Indien, Max!«, entgegnet sie mir und ich spüre, dass sie am anderen Ende der Leitung gerade schmunzelt.

»Wie meinst du das?«, hake ich etwas verunsichert nach.

»Sagen wir so, ich habe mir selbst verboten, aus dem Fenster zu sehen.«

»Bitte was!?«, frage ich verwirrt.

Dann beginnt die reise- und lebenserfahrene Annette Müller damit, mir die indische Infrastruktur zu schildern. Das Straßenbild ist von Hunderten von Menschen erfüllt, die sich chaotisch ihren Weg bahnen, und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Marode Straßen. Wellblechhütten. Absolutes Verkehrschaos ohne erkennbare Regeln.

»Und dann war da noch dieser Mann, der mitten auf der Autobahn an der Leitplanke stand. Plötzlich kam ihm ein verbeulter, alter Bus entgegen, der kurz langsamer wurde. Dann ist der Mann einfach in das fahrende, nennen wir es Vehikel, reingesprungen. Unfassbar!«, bringt sie die Situation auf den Punkt.

»Am Hotel angekommen«, fährt sie fort, »keine Reaktion seitens der Belegschaft. Also musste ich erst einmal vor der verschlossenen Türe warten. Nach weiterem Hin und Her konnte ich dann gegen sechs Uhr morgens ins Hotel, aber nicht in mein Zimmer. Das klappte dann erst gegen Mittag. Alles in allem … typisch Indien.

Aber halb so wild, ich habe es mir am Pool gemütlich gemacht und dort eine Runde gedöst.«

Bunt, chaotisch, laut! So in etwa habe ich mir Indien immer vorgestellt. Die Vorstellung ist eine Sache, die Realität allerdings eine andere. Ich weiß noch genau, wie schockiert ich im Alter von etwa fünf Jahren war, als mein Vater mich zu meinem zweiten Auslandsurlaub mitnahm, abgesehen von Österreich. Wir waren auf Kreta, und die Zustände dort haben mich zumindest einmal verwirrt.

Zugegeben, ich kannte zu diesem Zeitpunkt nur München, Tegernsee und Wien, da war Kreta schon etwas anderes. Trotzdem war es ein toller Urlaub. Aber genug des gedanklichen Abschweifens. Wie denn nun der erste Eindruck ist, möchte ich von Neti wissen.

»Indien ist unglaublich laut«, setzt sie ihren Bericht fort. »Ernsthaft, es ist einfach immer ohrenbetäubend laut. Warte …«, sagt die San Esprit-Gründerin, während sie ihr Hotelzimmer verlässt.

Beim Betreten des Balkons vernehme ich sofort laute Hupgeräusche, krächzende Vögel und viele weitere Eindrücke, die ich nicht so recht einzuschätzen vermag.

»Wow, das ist wirklich sehr laut!«, bestätige ich.

»Und dabei bin ich noch in einer der ruhigeren Gegenden«, scherzt sie trocken.

Ob man sich daran gewöhnt? Damals hatte ich noch keine Vorstellung davon, dass die wahre Herausforderung nicht der Lärm, sondern der Geruch sein würde.

»Wie laufen denn die Vorbereitungen?«, möchte ich von ihr wissen.

»Gut, aber es ist sehr viel zu tun. Die Hotels der Delegation checken, Gespräche mit Ärzten vor Ort, Treffen mit den ortsansässigen Schreinern, um die benötigten Massagebänke zeitgerecht in Empfang zu nehmen, Besprechung mit Star-Architekt Prabhat Poddar, der uns vor Ort unterstützt, und das ist nur die Agenda für morgen. Aber ich bin mir sicher, dass hier alles gut organisiert sein wird, wenn ihr ankommt!«

Egal was sie macht, sie macht es hundertprozentig und mit vollem Engagement. Das konnte ich in dem Jahr, das ich Neti nun kenne, beobachten.

»Ja und wie ist es sonst so, die Landschaft, die Architektur?«, frage ich sie neugierig.

»Es ist auf jeden Fall ein echter Kulturschock. Hier fühlst du dich wie auf einem anderen Planeten, auch wenn Pondicherry sehr gepflegt ist. Es ist eine ehemalige französische Kolonie. Für indische Verhältnisse ist es hier relativ modern und man trifft viele westliche Ausländer. Das wesentliche Problem in Indien ist die Infrastruktur, es gibt kaum sichere Wege und Straßen. Das ist teilweise sehr gefährlich. Zudem gilt es, den Linksverkehr zu beachten«, erklärt die auslandserfahrene Heilerin, nicht ohne auch noch über das herausragende Essen zu schwärmen: »Die Küche hier ist übrigens phantastisch. In deinem Hotel gibt es jeden Tag ein hervorragendes französisches Frühstück, mittags und abends wirst du mit Köstlichkeiten der indischen Küche verwöhnt. Das wird dir gefallen.

Außerdem wird die ›Tea Time‹ in Indien geradezu zelebriert. Hier wachsen fantastische Sorten.«

Nach diesem Gespräch habe ich Feuer gefangen. Ich lasse die Bedenken hinter mir und möchte mich überraschen lassen. Zum Abschied bringt die Initiatorin der ›Heiler ohne Grenzen‹ noch einmal zum Ausdruck, wie sehr sie sich auf das Projekt sowie meine Teilnahme freut. Mir geht es genauso. Ich kann es kaum mehr erwarten. In ein paar Tagen ist es endlich so weit.

Das Tor zur Stadt

Montag, 1. Januar 2018: Die Welt auf dem Weg nach Pondicherry

Na, da hat sich 2018 ja etwas sehr Schönes ausgedacht, ich weiß nicht so recht, was ich von einem Jahr halten soll, das mit einem Montag beginnt. Glücklicherweise verzichtete ich am gestrigen Silvesterabend auf den Genuss von Alkohol – und so fühle ich mich blendend.

Während mich die Sonnenstrahlen durch den Vorhang meines Südbalkons wecken, suche ich mein Handy und schalte es ein. Dutzende neue Nachrichten aus unserer Healing Camp WhatsApp-Gruppe, die chronologisch von »Guten Rutsch!« bis hin zu »Frohes Neues!« reichen.

So viele neue Menschen, das bereitet mir ein wenig Bauchschmerzen. Ich lebe gerne zurückgezogen, stehe ungern selbst im Mittelpunkt und genieße auch am liebsten das Wochenende allein mit einem guten Buch. Nun habe ich 14 Tage vor mir, in denen ich rund um die Uhr begleitet werde, oder vielmehr bin ich derjenige, der begleitet. Wie das wohl sein wird? Um das soziale Miteinander zu fördern, texte ich zum vermutlich zweiten Mal in die Gruppe:

»Frohes Neues!« Dazu einen Link mit einem VPN-Client. Der ist im Ausland sehr wichtig. Dort ist man die meiste Zeit auf mehr oder weniger öffentliches drahtloses Internet, kurz WLAN, angewiesen. Dass Hacker alles mitschneiden können, was wir dort virtuell tun, wissen die wenigsten. Ich gehe immer auf Nummer sicher! Kurz darauf antwortet mir eine Eva-Maria mit den Worten »Danke, Maximilian«.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie sehr mir diese Dame mit ihrer geraden, herzlichen Art in Indien ans Herz wachsen würde. Wenige Stunden später erhalte ich dann, der WhatsApp-Gruppe sei Dank, sogar ein Bild von Eva und ihrer Gefährtin Marianne.

Die beiden Damen kommen aus Wien, haben sich während der Ausbildung an der École San Esprit kennengelernt und senden ihre Grüße aus dem Airport Hotel, also sind die ersten Heiler ohne Grenzen schon in den Startlöchern, während ich immer noch mit dem Packen beschäftigt bin und an der Auswahl verzweifle. 36 Grad!

Das ist ordentlich, denke ich mir, während mein Blick aus dem Fenster auf den Schnee im Garten schweift. Was darf ich auf keinen Fall vergessen? Habe ich auch wirklich alles dabei?

Vorsichtshalber lasse ich meine Kontaktlinsen in Deutschland, denn die Augen sind empfindlich für Infektionen. Falls dem Wasser aus der Leitung nicht zu trauen ist, sollte ich mir vielleicht besser nicht mehrmals täglich ins Auge fassen. Ja, ich weiß, ich bin ein Viren-Phobiker mit ausgeprägtem Vollsyndrom. Stets weiß ich, welche kritischen Kontaktflächen ich seit dem letzten Händewaschen berührt habe. Richtig schlimm war das alles, als ich noch ein kleiner Junge war. Meine Mutter musste mich quasi mit Gewalt vom Waschbecken fernhalten. Im Winter platzte meine Haut sogar an den Händen auf, wegen des vielen Händewaschens mit anschließendem Gang hinaus in die Kälte. Damals gab es Handcreme kombiniert mit Baumwollhandschuhen, um sie über Nacht einwirken zu lassen. Aus dem kindlichen Waschzwang resultierte schließlich ein bewusstes Interagieren mit meiner Umwelt. Man kann darüber denken, was man will …, aber ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Jahren irgendwann einmal krank gewesen zu sein, trotz Grippewellen und einer Norovirus-Epidemie an meiner damaligen Schule, die deshalb sogar vom Gesundheitsamt geschlossen werden musste. Warum erzähle ich das?

Nun ja, auch wenn ich mein Verhalten im Gegensatz zu früher nicht mehr als zwanghaft einstufen würde, so ist Indien dennoch eine ganz persönliche Herausforderung für mich hinsichtlich meines Bedürfnisses nach Hygiene. In diesem Kontext hatte ich ein wirklich tolles Gespräch mit Heilerin und Bestsellerautorin Annette Bokpe, die bis zu ihrer Scheidung eine waschechte afrikanische Kronprinzessin gewesen war und während der Indienreise eine geschätzte Freundin werden sollte. Sie ist eine dieser inspirierenden Begegnungen, für die ich sehr dankbar bin, doch dazu später mehr. Als ich sie, wie einige andere der Mitreisenden, vorab interviewte, fiel das Thema auf meine Bedenken. Aus meinem kleinen Hygienetick machte ich kein Geheimnis, und so amüsierte sie sich köstlich darüber, dass der Aufenthalt eine Grenzerfahrung für mich werden würde. Danke, Annette! Genau das habe ich gebraucht. So in etwa bewertete ich zutiefst sarkastisch ihre Anmerkung am Telefon. Doch dann zeigte sie mir anhand ihrer jahrelangen Erfahrungen in Entwicklungsländern auf, wie sehr mich diese Erlebnisse persönlich weiterbringen würden.

Sie muss es wissen. Nachdem sich der Kronprinz von Allada in sie verliebt hatte, heirateten die beiden und Annette wurde Prinzessin. Dies führte unter anderem zu dem Erlebnis, dass ihr eine vollautomatische Kalaschnikow an den Kopf gehalten wurde, um sie auszurauben. Ich liebe ihre Geschichten. Und ihre Weisheit. Der Austausch mit ihr hatte mir bereits einen neuen Blickwinkel eröffnet. Trotzdem bleiben die Kontaktlinsen daheim, da lasse ich nicht mit mir reden. Dieser Entschluss geht natürlich zulasten meiner Eitelkeit, ich hasse es, eine Brille zu tragen. Nun gut, alle Klamotten sind eingepackt sowie Arbeitsmaterial und Hygieneartikel.

Überraschenderweise lässt sich der Koffer wider Erwarten schließen. Sehr gut, dann nur noch alles ins Auto tragen … geschafft. Während ich draußen den Wagen einräume, fange ich angesichts der eisigen Kälte an, mich nach Indien zu sehnen. Wow, 36 Grad Celsius und Sonnenschein. Sehr angenehm im Winter. Morgen dann, denke ich mir, und nehme zunächst noch mit meinem warmen Wohnzimmer vorlieb. Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht, dass ich meine ganzen Sachen nicht in den Koffer bekommen würde. Hat doch ganz gut geklappt so weit. Und jetzt mache ich es mir gemütlich. Oh! Ich habe das Moskitonetz vergessen. Also noch einmal raus zum Auto, Koffer wieder in die Wohnung, umräumen, überlegen, was ich daheimlassen muss; das Netz nimmt mit seiner Drahtfassung viel Platz ein, doch es ist ein unverzichtbarer Begleiter in Indien.

So, jetzt aber: Das Packen ist endgültig geschafft!

Jetzt noch ein letztes Mal ins Fitnessstudio, bevor es losgeht. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich bald am Strand spazieren werde, in einem weit entfernten Land. Meine Freunde kommen nicht aus dem Staunen heraus, als ich es ihnen bei einem gemeinsamen Abendessen berichte.

Ja, das Leben als Journalist hat auch seine Vorzüge. Den Begriff »Lügenpresse« kennt in Indien wahrscheinlich niemand. Fairerweise muss ich sagen, dass ich derartige Bezeichnungen für meinen Berufsstand nur aus dem Fernsehen vernehme. Bei uns im schönen Oberbayern sind viele Dinge weitgehend in Ordnung.

Jetzt ist es 21 Uhr: Es ist der Abend vor der Abreise. Einen letzten Blick werfe ich in die WhatsApp-Heilergruppe, bevor ich mich schlafen lege. Ein gewisser Martin Kälin verkündet, dass die Schweiz, damit meint er seine Nationalität, auch an Bord sei, und schickt einige Bilder vom Flughafen, unter anderem den Abschied von seinen bezaubernden Kindern.

Auch Martin wird mir im Zuge der Reise seine Lebensgeschichte offenbaren. Es ist die eines ehemaligen Rohstoffmanagers, eine sehr harte Branche mit bedenklichen Praktiken. Er wird während des Camps vollends zum Heiler werden und zu sich selbst finden. Seine Erzählungen sind mir bis heute eingehend im Gedächtnis. Ich will nun wirklich nicht zu viel verraten oder den Spannungsbogen übertrieben aufbauen, aber die Menschen, denen ich im Zuge meiner journalistischen Begleitung während der Indienreise begegnen und die ich kennenlernen durfte, sind allesamt außergewöhnliche Persönlichkeiten. Und es erfüllt mich mit einem gewissen Stolz, ihre Geschichten erzählen zu dürfen.

Gegen 22 Uhr abends, ich bin schon fast eingeschlafen, klingelt das Telefon. »Wer ruft denn jetzt an?«, frage ich mich etwas verwirrt. Der Blick aufs Handy zaubert mir ein Grinsen ins Gesicht: Annette Müller live aus Indien. Sicher ein letztes Update. Augenblicklich hellwach gehe ich ans Telefon:

»Hey, Neti, na wie geht’s?«

Sofort folgt die euphorische Antwort:

»Hey, Max, du bist aber gut gelaunt. Und ich dachte, du schläfst vielleicht schon. Ich bin total aufgeregt und kann das Ganze noch nicht wirklich fassen. In Kürze ist es so weit, aber ich glaube es erst, wenn ihr alle da seid.« Ja, da ist etwas dran. Auch für mich ist die Situation äußerst surreal.

»Also, meine Koffer sind gepackt«, entgegne ich ihr voller Vorfreude.

»Das ist super, ich freue mich riesig. Es ist alles vorbereitet. Jetzt fehlt nur noch ihr. Mena und Sonya aus den USA und Annette Bokpe sind bereits hier, und wir waren schon schwimmen im Pool.«

Das hört sich ziemlich gut an. Habe ich doch eine falsche Vorstellung von unserem Reiseziel?

»Wow, ein Pool? Das hört sich herrlich an. Gut, dass du das noch sagst. Dann packe ich schnell noch meine Badehose ein«, entgegne ich ihr.

»Ich glaube, du würdest da nicht rein wollen«, folgt die ernüchternde Antwort aufs Wort.

»Warum das?«, frage ich nach.

»Es riecht sehr stark nach Chlor und um uns herum lauern krächzende Krähen. Das hat durchaus etwas von einem Stephen King-Roman. Ich wollte heute noch entspannen, bevor es dann losgeht, aber die starrenden Krähen lassen einem keine Ruhe. Fürchterlich!«

Okay, aber das entspricht doch ziemlich genau meinen Vorstellungen von unserem Reiseziel.

»Und erst diese unaufhörlichen Hupgeräusche im Hintergrund. Das ist wirklich heftig«, merke ich an.

»Oh ja, aber die höre ich inzwischen gar nicht mehr. Stimmt, es hupt die ganze Zeit. Ich bin gespannt, was dich mehr überwältigt – der Geruch oder die Geräusche«, entgegnet sie trocken.

Klasse. Etwas sarkastisch antworte ich: »Du weißt wirklich, wie du Vorfreude weckst.«

Dann legt sie noch einen oben drauf: »Hey, ich habe doch noch überhaupt nichts über die Hygiene hier berichtet.«

Eine Minute lang folgt kein Wort meinerseits. Dann die Nachfrage:

»Max? Bist du noch dran?«

Es vergehen noch einige Sekunden, ehe ich antworte.

»Ja. Ich glaube schon«. Natürlich war das nur ein Spaß, wenngleich mit wahrem Kern.

Dann folgen aufbauende Worte von der Initiatorin des Healing Camps: »Aber jetzt mal im Ernst, das wird ein tolles Abenteuer. Ich kann es nach wie vor einfach überhaupt noch nicht fassen, dass das jetzt alles Realität wird. Es ist ein Traum, der nun wahr wird. Wir konnten in den vergangenen Jahren gemeinsam so vieles erreichen, doch das ist ein neuer Höhepunkt. Max, dieser Trip wird dein Leben verändern!«

Davon bin ich überzeugt. Die Reise ist schon jetzt etwas Besonderes für mich: »Ich kann es kaum erwarten. So weit war ich noch nie außerhalb meiner Komfortzone, aber ich freue mich unglaublich darauf. Ich kann mir allerdings noch überhaupt nicht vorstellen, was mich dort erwartet.«

»Also eines kann ich dir schon mal verraten, es erwartet dich großartiges Essen. Pondicherry ist außerdem ein wunderschöner Ort, hier wird es dir auf jeden Fall sehr gut gefallen. Und ich kann dir noch etwas versprechen. Wir werden jede Menge Spaß haben.«

Gute Antwort. »Darauf wette ich!«, entgegne ich enthusiastisch, »Hast du noch letzte Tipps für mich?«

Dann überlegt sie kurz, bevor es wie aus der Pistole geschossen kommt: »Führe so viele Interviews, wie es nur geht! Fange die Stimmung und die Emotionen aller Mitreisenden ein. Dieser Trip wird sie verändern. Wenn du mit deinen Worten und Werner Dück mit seiner Kamera die Stimmung schon am Flughafen einfangt, wird das großartig. Ganz wichtig ist mir dabei deine neutrale Sicht auf die Ereignisse.«

Das bekomme ich hin. »Apropos Veränderung … Hat Indien dich denn verändert?«, will ich von ihr wissen.

Ohne lange nachdenken zu müssen antwortet sie: »Selbstverständlich! Mein erstes Mal in Indien war der wichtigste Aufenthalt in meinem gesamten Leben, weil ich hier erlebt habe, wie gut es mir eigentlich geht. Armut im Fernsehen ist etwas komplett anderes, als über arme Menschen hinweg auf dem Bürgersteig gehen zu müssen.