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Wo genau verlaufen die Grenzen zwischen dem, was man als real ansieht, und dem, was ins Reich der Phantasie gehört? Franz Huber hat sich sein Leben lang als Ingenieur betätigt. Durch den Tod seiner Mutter kam er unfreiwillig zu den Hühnern. Eigentlich wollte er sie schnell loswerden. Als er aber eine Weile mit dem Gockel Bruno, mit Maria, Martha und den anderen lebte, hat sich tatsächlich so etwas wie gegenseitige Zuneigung entwickelt - und sogar noch viel mehr. Vergnügliches, Erstaunliches haben der Autor, Bruno und seine Damen miteinander erlebt. Dieses Buch ist der Versuch festzuhalten, was sich zugetragen hat, und auch ein dezenter Hinweis darauf, was einem entgehen kann, wenn man denkt, Hühner seien nur dumpfe Eierleger. Ein Buch voller Farben, Klänge und Düfte, das die komplette Bandbreite unserer Sinne bedient. Von lustig bis ernst, von witzig bis literarisch und stellenweise sogar schlüpfrig. Die Gefühle und Sinne werden hier kräftig durchgerüttelt, um am Ende festzustellen, dass die Lösung oft in der Einfachheit steckt.
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Seitenzahl: 359
Veröffentlichungsjahr: 2021
Franz Huber
Ein erfülltes Leben mit Hühnern
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Copyright © 2021 Verlag »Die Silberschnur« GmbH
ISBN: 978-3-96933-013-5eISBN: 978-3-96933-977-0
1. Auflage 2021
Umschlaggestaltung & Satz: XPresentation, Güllesheim; unter Verwendung eines Motivs von © Sonsedska Yuliia; www.shutterstock.com
Verlag »Die Silberschnur« GmbH · Steinstraße 1 · D-56593 Güllesheim www.silberschnur.de · E-Mail: [email protected]
Für Gabriela
Kennst du das Bild auf zartem Grunde,
Es gibt sich selber Licht und Glanz.
Ein andres ist’s zu jeder Stunde,
Und immer ist es frisch und ganz.
Im engsten Raum ist’s ausgeführet,
Der kleinste Rahmen faßt es ein,
Doch alle Größe, die dich rühret,
Kennst du durch dieses Bild allein.
Und kannst du den Kristall mir nennen,
Ihm gleicht an Wert kein Edelstein,
Er leuchtet, ohne je zu brennen,
Das ganze Weltall saugt er ein.
Der Himmel selbst ist abgemalet
In seinem wundervollen Ring,
Und doch ist, was er von sich strahlet,
Noch schöner, als was er empfing.
Friedrich von Schiller
unerwartet hat für mich ein neuer Lebensabschnitt – mit Hühnern – begonnen. Nein, so möchte ich nicht anfangen. Anstelle von “Lebensabschnitt”, was wohl besagt, dass etwas von meinem Leben abgeschnitten wird, möchte ich lieber so beginnen:
Völlig unerwartet hat meine Zeit mit den Hühnern begonnen. Meine liebe Mutter, die eine große Freundin der Hühner war und immer Hühner hatte, war leider verstorben. Da waren noch die Hühner … Nun musste sich jemand um das Federvieh kümmern.
Das Einfachste wäre es gewesen, die Tiere zu verschenken – allerdings brachte ich das nicht übers Herz. Aus Respekt vor meiner Mutter. Insgeheim aber überlegte ich mir, wie ich sie mit Anstand loswerden könnte.
Es ist anders gekommen. Im Laufe der Zeit habe ich mich, für mich selbst überraschend, mit Bruno dem Gockel, mit Martha, Hoffnung, Silberpfeil, Esperanza und den anderen angefreundet – und sie mit mir. Das war nicht immer einfach. Vermutlich lag es neben meiner Unerfahrenheit auch daran, dass Hühner ihre Eigenarten haben und ich dasselbe auch von mir behaupten darf. Mehr und mehr lernte ich sie mit der Zeit schätzen. Dabei wurde mir ihre Sonderstellung im Reich der Tiere bewusst: Hühner sind immerhin aufrecht schreitende Zweibeiner, gemeinsam mit Vögeln und uns Menschen. So einfach ist es nicht, sie zu verschenken. …
Gerade erst ist geschehen, was in diesem Buch beschrieben wird. Man könnte meinen, Teile davon seien meiner Einbildung entsprungen. Das ist nicht der Fall. Vermutlich konnte ich meine Herzenshühner durch unser enges Zusammenleben besser kennenlernen, konnte mehr von ihnen erfahren, viel mehr, auch Seltsames mit ihnen erleben, als sich das der kritische Zeitgenosse vorstellen kann.
Kann es sein, dass Grenzen durchlässiger werden, dass man Ungewöhnliches wahrnehmen kann, wenn die Abenddämmerung fast lautlos ‘daherpfotet’, oder, wenn in den letzten Augenblicken der vergehenden Nacht der Gockel mit sehnsuchtsvollem Krähen die Sonne ruft?
Wo genau die Grenzen verlaufen zwischen dem, was einer glaubt, was real ist und was nicht, hängt schließlich davon ab, wie bunt er sein Leben gestalten möchte.
Hand aufs Herz: Möchten Sie ein graues und langweiliges Leben führen?
Bis auf unseren geliebten Rottweiler Enrique, der viel zu früh auf seiner Lebensreise, dem Regenbogen gefolgt ist, erfreuen sich Bruno und fast alle im Text vorkommenden Hühner – wie auch Fräulein A-nette – noch heute bester Gesundheit.
Ich danke allen, die mich bis hierher so liebevoll begleitet haben. Möge ihnen das Hundertfache, das ich von ihnen erhalten durfte, zuteilwerden!
Mit diesem Buch würdige ich neben meiner Mutter, meine geliebten, sich oft so menschlich verhaltenden Herzenshühner – stellvertretend für alle Hühner und Tiere dieser Welt.
Franz Huber
Herzenshühner
Über den Autor
Die Hühner legen schlecht. Gut, das Wetter trägt das Seine dazu bei. Wer möchte schon klamm im kalten Nest sitzen, wenn Nebel und Schnee, ums Hühnerhäuschen toben? Grundsätzlich akzeptiere ich, dass die Hühner in der kalten Jahreszeit weniger Eier legen. Aber, kann es sein, dass von zwölf Damen täglich insgesamt nur ein einziges Ei gelegt wird? Und das nun schon seit zwei Wochen! Jeden Tag ein weißes Ei, nicht mehr. Das kann, das darf doch nicht wahr sein! Es deutet darauf hin, dass die schneeweiße Martha das Ei gelegt hat. Die gute Martha! Alle anderen legen entweder beigefarbene, hellbraune, mittelbraune, dunkelbraune oder hellgrüne Eier mit Blaustich. Nur Martha legt weiße Eier.
Haben die Hühner Kummer, sind sie unzufrieden? Möchten sie mir etwas mitteilen? Ist es zu kalt im Hühnerstall? Wie kann ich das herausfinden und dazu beitragen, ihr Wohlbefinden zu verbessern, damit wieder ordentlich gelegt wird? Für die Tiere trage ich die Verantwortung, das muss ich bedenken. Ich fühle mich auch bezüglich unserer Abnehmer verpflichtet. Sie schwören auf diese Eier, haben gute Erfahrungen mit ihnen gemacht, rechnen damit, dass sie Nachschub bekommen. Immer wieder wird nachgefragt. Mit wachsender Ungeduld.
Zum Beispiel von Frau Sieglinde von der anderen Straßenseite, einer älteren Dame mit schlohweißem Haar, aufgefrischt mit violett-rosa Strähnchen. Sie wohnt mit ihrem Dackel Wacki in einem putzigen Holzhäuschen, mit rot-weiß-rot gestrichenen Fensterläden. Hexenhäuschen sage ich immer dazu. Obwohl Frau Sieglinde weiß Gott nichts von einer Hexe an sich hat. Im Gegenteil. Im Gegenteil? Wacki hat die wunderbare, und gewiss bei Hunden seltene Farbe, des dem Wipfel nahen Stammes der Föhren in der Abenddämmerung.
Das Haus von Frau Sieglinde wird vor dem Zerfallen von dickstämmigen Kletterrosen bewahrt, die in der warmen Jahreszeit reich in rosa, weiß und herzensrot blühen. Es sind alte Sorten. In ihrer Lust sich zu verschenken, verdecken sie die Fensterläden und drängen die mit weißen Kreuzen geviertelten Glasflächen in den Hintergrund. Es gibt zwei kleine Fenster im Erdgeschoss, ein Fensterchen darüber. Die Eingangstüre befindet sich auf der rechten Seite des Häuschens, wettergeschützt vom hölzernen Vorbau.
Wenn der Wind günstig steht, überwiegend haben wir ja Westwind, wehen feinste Gespinste von süßestem Duft auf unsere Seite herüber. Nehme ich mir die nötige Zeit mich einzuschwingen, beschenkt von der Gunst der Stunde und trifft es zu, dass wenige Kumuluswolken über den Himmel driften, kann man gegen ihre etwas dunklere Seite – ich meine die Seite der Wolke, die sonnenabgewandt ist – am besten dort, wo das Weiß am festesten steht, diese Duftwolken wahrnehmen. Sehen sogar. Als hellgoldene Schleier wirbeln sie wie Sternenwolken über das Leuchtblau ins Kumulusweiß, sich verdichtend, dann auseinanderstrebend, endlich in die Kumuluswolken einsinkend. Ähnlich, jedoch viel gemächlicher bewegt, als man das von Wolken Tausender von Eintagsfliegen her kennt. So schnell ziehen diese Fliegen ihre Kreise, dass man sie, falls die Sonne scheint, als verdimmendes, feines Lichtliniengewirr wahrnimmt. Als einen Fragen aufwerfenden Lichtlinienknäuel. Eingedenk ihrer kurzen Lebenszeit, erklärt sich der Grund für ihre Eile. Ich habe oft beobachtet, wie diese Eintagsfliegenwolken über dem Fluss schweben, wie sie wie auf ein Kommando hin ihr Revier wechseln, plötzlich nach oben driften, von der Sonne in den Schatten, fast schluckt sie der Wasserfall. Gerade dehnt sich die Wolke hin zum tiefen Erlenast, zieht sich zusammen wie ein atmendes Luftwesen.
Zurück zu den Rosen: Gott weiß, ob und auf welche Weise sich die Kumuluswolken mit den Düften der rosa, der weißen und der herzensroten Rosen vermählen. Mehr als ein Schimmern, das sich an der Oberfläche der Wolke zeigt, sich dann in ihr Inneres zurückzieht, konnte ich von hier unten nicht beobachten. Die Distanz ist einfach zu groß. Wird der Regen, der für morgen angesagt ist, ein wenig nach Rosenblüten duften? Werden die Tropfen hauchzart eingefärbt sein, rosa, weiß und herzensrot schimmern, werden die Pfützen duften?
Ich hoffe es. Irgendwo müssen ja all diese herrlichen Düfte bleiben. Sie können sich doch nicht in nichts auflösen! Jedenfalls werde ich dem nachgehen. Ohne Schirm, versteht sich, damit sich kein Hindernis zwischen dem Duft und meiner Nase befindet. Gegen den Himmel werde ich die Regentropfen beobachten, um so hoffentlich ihre Farben zu sehen. Vielleicht bilden sich aus diesen Farben Regenbögen. Dann wäre ein Rätsel gelöst! Und man wüsste endlich, woher die Farben der Regenbögen kommen.
Kann man den Duft wirklich sehen, werden Sie fragen? Darüber haben wir in unserem engen Kreis heftig diskutiert. Auch wenn ich mit meiner Meinung ziemlich allein stand, mir gar vorgeworfen wurde, ich würde fantasieren: Die Antwort heißt ja. Allerdings muss man es für möglich halten und ganz fest darauf hoffen, dass es klappt. Man muss mit dem Herzen mögen, den Duft zu sehen. Ein wenig von der eigenen Herzenssubstanz, die – und da bin ich mir sicher – sehr nahe mit dem Rosenblütenduft verwandt ist, sollte man aussenden, um die Bereitschaft der Düfte zu fördern, sich zu zeigen. Das ist die Voraussetzung, sonst sieht man garantiert nichts.
Heutzutage sind wir daran gewöhnt, mit ungeheuren Mengen von Werbebotschaften sowie Informationen aller Art durch eine Vielzahl von Medien überflutet zu werden. Dazu bedarf es keiner eigenen Anstrengung. Wir sind zu Rund-um-die-Uhr-Konsumenten geworden. Kann es sein, dass der eine oder andere wegen dieser Dauerberieselung vergessen hat, seinen feinen Herzensregungen zu folgen? Dass keine Zeit mehr für seine Träume bleibt, er nicht mehr weiß, wie es ist, sich einzuschwingen, sich hineinfallen zu lassen in das Wunderbare?
Ich habe des Öfteren beobachtet, dass Passanten vor der Rosenblütenpracht traumverloren stehen bleiben, sich mit beiden Händen an den oben zugespitzten, schwarzen Zaunlatten aus Holz festhalten, sich weit nach vorne mit gespitzten Nasen über den Zaun neigen, um der Blütenpracht so nahe wie möglich zu kommen. Ich habe bemerkt, wie sie schnuppern, fast das Weitergehen vergessen. Dann, lustlos einige Schritte auf ihrem Weg zurücklegen, innehalten, zurückkehren, weiter vor der Blütenpracht verweilen, Fotos schießen. Manchmal sehe ich eine lächelnde Frau Sieglinde hinter ihrem Vorhang die Szene beobachten.
Düfte sind die Gefühle der Blumen.
Heinrich Heine
Vermutlich werden diese Passanten erst zu Hause bemerken, dass ihre Handinnenflächen schwarz eingefärbt und fettig sind. Bestimmt werden sie nicht darauf kommen, dass dies von den mit altem Motorenöl gestrichenen, schwarzen Zaunlatten von Frau Sieglindes Zaun herrührt.
Bei schönem Wetter setze ich mich in den Garten, in den Schatten der großen Fichte, schließe die Augen, vergesse alles um mich herum, lasse mich von diesem Duft durchströmen. An guten Tagen – vorausgesetzt ein kaum wahrnehmbares Lüftchen weht gleichmäßig und ohne Böen – meine ich die feinen Duftunterschiede zwischen den rosa, den weißen und den herzensroten Rosen unterscheiden zu können. Der rosa Duft ist der mildeste, der sich am schnellsten und feinsten in der Luft auflöst und flugs davongetragen wird. Der weiße entfaltet sich am deutlichsten beim Schnuppern gegen das Dunkel der Fichten, lebt auf im Kontrast zu ihrem herben, grünwürzigen Duft. Der herzensrote, wie könnte es anders sein, überlagert weiß und rosa, möchte mit ihnen zu einem verschmelzen, achtet gleichzeitig darauf, dass er inhaltlich nicht verwässert wird, somit seine Mission aufgäbe, falls man dazu so sagen darf.
Dann setzt sich der Gockel Bruno neben mich. Er schleicht sich so leise an, dass ich eine Weile brauche, bis ich ihn bemerke. Aufmerksam folgt er meinen Blicken, als ob er verstünde, worum es geht. Er ist ganz leise, bewegt sich kaum. Er verzichtet sogar auf die ruckartigen Bewegungen seines Köpfchens.
Ich spüre in meinen Körper hinein, wandere mit meiner Aufmerksamkeit zärtlich tastend über die Haut. Ich fahre so lange damit fort, bis sie aufwacht, lebendiger wird und ein wenig ausstrahlt. Das linke Bein hinkt wie so oft hinterher. “Komm, wach auf!” Noch einmal beschäftige ich mich mit ihm. Langsam wird es lebendiger. “Sendet eure Bitte zu den Rosen”, spreche ich zu meinen Körperzellen, “damit sie ihren Duft reichlich abgeben. Bitte genießt den herrlichen Duft! Damit ich und alle, die in mir wohnen, den vollen Riechgenuss haben werden.” Ich werfe mich in die Düfte hinein, versuche sie bis tief in meinen Bauch wahrzunehmen, sie sauber zu unterscheiden. Selten gelingt mir das, da sich die nötigen Voraussetzungen nicht so häufig zusammenfinden. Wenn es aber endlich so weit ist, bespringt, überwältigt mich eine ungeheure Freude, ein überirdisches Entzücken, eine Weite, Höhe und Tiefe. Mein Herz jubiliert. Lachen, weinen, singen möchte ich.
Am Firmament blitzen rosa, weiße und herzensrote Sterne auf, bilden duftende Rosenduftmilchstraßen. Farbenmilde Schleiertänze, in rosa, weiß und herzensrot betören mich. Duftwolken hängen in Fichtennadeln fest, kommen nicht weiter. “Sinkt herunter zu mir! Bitte!” Vollkommen, mit Haut und Haar, tauche ich in diese Augenblicke ein, vergesse, wer ich bin, was ich vorhatte. Mein Atem beginnt leicht zu werden, hebt sich, streicht zärtlich nur noch entlang der oberen Innenfläche meiner Nase, tänzelt hinein und hinaus, macht lange Genusspausen. Nur jetzt den konzentrierten Duft durch zu tiefes Atmen nicht verdünnen oder gar verschrecken! Den Kopf drehe ich sachte in alle Richtungen, schnuppere hierund dorthin, atme eine Weile durch den Mund, halte dabei die Nasenflügel zu, versuche den Duft breit auf der Zunge zu schmecken. Wieder zurück geht es in den Schnuppermodus.
Da ist ein Aufblühen, ein sachtes Ausblasen, ein Explodieren von Blütenstäuben. Insekten werden angelockt, können sich wie ich nicht von dem Wunder losreißen. Lange sitze ich bewegungslos unter meiner Fichte. Die feinsten Nuancen versuche ich aufzunehmen, sie mir tief einzuprägen, um sie später zu erinnern und wieder hervorzuholen, von dem sicheren Platz, an welchem diese Düfte aufbewahrt werden. Tage später noch, fühle ich mich froh und reich beschenkt.
Bruno bewegt sich nicht. Das Köpfchen hält er schief. Hat er die Augen offen? Ist er eingeschlafen? So gerne möchte ich seine Gefühle in mir spüren und die Gedanken lesen.
In langen Winternächten, wenn der Kachelofen lieblich vor sich hin bullert, wenn die Luft eiskalt in die Haut beißt, erinnere ich mich gerne daran, schnuppere ein wenig hier-, ein wenig dorthin, um festzustellen, ob die Düfte bereit sind, aus ihrem Sonnenversteck hervorzuschleiern. Dann wächst in meinem Herzen die Sehnsucht nach den warmen Rosentagen und mit ihr verstärkt sich die Fähigkeit, in die lebendigen Düfte einzutauchen.
Viel später, ich sitze noch unter der Fichte, Bruno hat sich bereits grödelnd in den Hühnerstall zurückgezogen. Zwischen den schwarzen Zaunlatten strahlt vergehend das müde gewordene, vom Hexenhäuschen aufgesogene Tageslicht matt herüber. Sanft glühend, das tagessattgewordene Auge schonend. Namenlos schön. Meine Finger hängen locker an den Händen, betasten ohne Auftrag das nun schon taufeuchte Gras, bohren sich in die noch sonnenwarme, mürbe Erde, bis hin zu wurzeligem Widerstand. Feucht riecht es, nach glattem Mondschein. Still senkt sich die Dämmerung hernieder, es verlischt der Tag. Die Fichtennadeln bereiten sich auf die Nacht vor, übergeben ihre Sonnenrezeptoren dem Schlaf, bald beginnt die Zeit des Tautrinkens. Ein Nachtvogel übt erste krumme Töne, lässt es sein. Recht so. Es ist noch zu früh. Etwas schwirrt über mir, zieht dunkel nach vorne, kehrt zurück, lässt sich leise raschelnd in der Fichte nieder. Der Mond gewinnt zunehmend blassen Schimmer, die Fenstergläser des Hexenhäuschens spiegeln ihn käsig auf schwarzblau.
Das Geheimnisvolle zieht uns mehr an, als das Offensichtliche.
Herbert
Schwermut springt mich an, krallt sich fest an meine Brust. Es riecht bitter nach Herbst. Ein welkes Kraut? Waren da dumpfe Schritte im Garten? Nun stocken sie, oder schluckt sie das Gras? Schallt aus der Tiefe etwas wie gebrochene Musik, dröhnen Klänge der Erdentiefe an mein Ohr? Mich fröstelt. Schattenzacken krümmen sich, vom Blauen ins Schwarze, füllen mit grobem Pinsel die Lücken zwischen sich schwärzenden Zaunlatten. Frech vorstehende Rosenblüten, zeigen bereits dunkelstes herzensrot fast schwarzes Herzensrot, versinken dann im rotlosen Schwarz. Fernes Lachen tönt zögernd auf, erstickt. Als wären sie nie gewesen, stieben letzte Bilder des Tages gedämpft auseinander, verlieren sich. Überraschend schnell kühlt die Luft ab. Es ist Zeit. ins Haus zu gehen.
Nach solchen Stunden unter der Fichte, versuchte ich oft die feinen Unterschiede der Rosendüfte zu beschreiben. Ich konnte und kann es noch immer nicht. Es ist ja schon schwierig genug, sie wahrzunehmen und auseinander zu halten. Mir scheint, unsere Buchstaben sind dafür nicht weich genug, sie scheinen mir rundum gleich dick und starr, im Gegensatz zum Rosenduft, der wie flüchtende Morgennebel, welche ja nahe Verwandte der Wolken sind, die Lüfte veredelt. Der Rosenduft ist nicht bereit, sich an irgendetwas anzupassen, schon gar nicht an dicke, unflexible Buchstaben.
Wenn diese köstlichen Augenblicke eintreten, halten sie in ihrer äußersten Intensität nicht länger als einige Sekunden, maximal kurze Minuten an. Schnell hänge, klammere ich mich an den Duft der herzensroten, manchmal auch an den der rosa oder der weißen Rosen, mache mich so leicht ich nur kann, federleicht, und noch leichter, rosenduftleicht, lasse mich hineinziehen in ihr Spiel, ein Stück mitwirbeln, hinauf-, hinaustragen, dorthin, wohin ihr Duft mich trägt. Das kann weit sein, sehr weit. Manchmal zieht es mich in die Gegenrichtung, hin zu den Rosen, direkt in ihre Blüte, in ihren Lebensmittelpunkt, in ihr liebesbereites Herz hinein. Meist sind es die herzensroten, die mich dann besonders anlocken, wenn sie sich in ihrem am weitesten aufgeblätterten Zustand, der Kulmination ihres Blütenlebens, der vollsten Blüte befinden.
Noch einmal, im letzten Lustrausch, möchten sie sich ausdehnen, leidenschaftlich hingeben, sich vollkommen verlieren und verschenken. Alle, alles und noch viel mehr, möchten sie mit übergroßer Freude zu der anstehenden Transformation einladen, die ganze Welt umfangen. Im Höhepunkt des Liebesaktes verbinden sie sich mit dem anwehenden gold-zarten Blütenstaub, teilen ihre überbordende Fülle mit tanzenden Insekten, freundlichen Winden, und allen, die noch der Liebe fähig sind und wissen, dass sie vor allem anderen geben bedeutet. Wer möchte da nicht mit dabei sein und neben seiner Freude, die allerbesten Wünsche beisteuern, noch schnell, bevor die Blütenblätter zu welken beginnen, ihre Schönheit einbüßen, abfallen und sich die wunderbare Wandlung von der Blüte zur strahlendroten Frucht vollzieht? Allergrößtes Glück, nein, höchste Glückseligkeit kann dabei empfunden werden. Ja, höchste Glückseligkeit!
Wer möchte schon ohne Freunde feiern, allein sein in Zeiten allerhöchsten Glücks? Die herzensroten, die weißen und auch die rosa Rosen möchten das nicht.
Es gibt Augenblicke, in denen eine Rose wichtiger ist als ein Stück Brot.
Rainer Maria Rilke
Wie viele andere Blumen, Apfelblüten übrigens auch, sind Rosen im Grunde fünfblättrig angeordnet, also mit fünf Kelchblättern. Bis zu einhundertfünfzig duftige Blütenblätter wurden an einer Blüte schon gezählt! Obwohl mich solche Zahlen beeindrucken, würde ich nie einer Statistik wegen, auch nur ein einziges Blütenblatt abreißen. Es gibt einen, sich in Hunderttausenden von Jahren entwickelten, vorgeschriebenen Weg für alles Leben, eine archaische Ordnung, wie sich die Dinge zu verhalten, wie sie zu sein haben. Und wie sie sich zeitlich abbilden. Dazu gehört nicht das Rosenblätter abreißen. Diese gewaltige Ordnung gilt nicht nur für Rosen, sondern auch für Menschen. Achten möchte ich sie, so wenig als irgend möglich möchte ich sie stören.
Viele Beispiele könnten genannt werden. Wer hat beispielsweise nicht schon beobachtet (um ein augenscheinliches Beispiel für den zeitlichen Ablauf dieser Ordnung zu bemühen), dass Zimmerpflanzen in der ersten Winterhälfte ihr Wachstum einstellen und dann, kaum geht es ins neue Jahr mit voller Kraft, zu wachsen beginnen.
Bei den reifen Äpfeln sieht man übrigens auf der dem Stiel entgegengesetzten Seite, mittig noch einen dunklen Rest der eingeschrumpelten Blüte und sie umgebend fünf allerliebste kleine Hügelchen. Eine Erinnerung an die Sonnentage der Blüte. Wer von Apfelblütenträumen weiß, gar selbst schon mitträumte, hält sich einen Apfel vor die Nase, freut sich daran wie das Licht an seiner Schale entlangschimmert, dreht ihn sachte, lässt seinen Duft in sein Innerstes einströmen, wartet darauf, dass Freude überspringt und sein Herz erwärmt. Fünf ist die Zahl des Menschen, wie mir gesagt wurde. Die Zahl ergäbe sich aus den Armen, Beinen und dem Kopf, welche aus dem Rumpf herausragen. Auch andere Begründungen habe ich vernommen, aber das gehört nicht hierher.
Nur außerhalb des Paradieses kann der Mensch zum Menschen werden.
Unbekannt
Kann ich nicht wenigstens zwei haben”, fragte Frau Sieglinde, “ein Grünes mit Blaustich und ein Weißes”, dabei hielt sie mir ihr geflochtenes grünbeschleiftes Weidenkörbchen unter die Nase. “Ach, liebe Frau Sieglinde … wenn Sie nur wüssten!” “Damit”, sie sah mich dabei bittend an, “damit ich das gequirlte Schaumerlebnis à la Roswitha für meine Enkelchen machen kann. Ich werde Ihnen etwas abgeben, wie immer. Es schmeckt doch so wunderbar. Sie erinnern sich doch, ich hatte erwähnt, dass Roswitha Großmamachens Vorname war. Diese”, fuhr Frau Sieglinde unbeirrt fort, “diese herrliche Nachspeise hat sie sich selbst ausgedacht. Eine feine Dame war das. Gott hab sie selig. Manche behaupten in ihren Adern floss blaues Blut. Ein bisschen was davon wäre ja dann auch in meinen Adern.”
Frau Sieglinde nahm während sie das sagte Haltung an, hob den Kopf, drehte ihn nach links und nach rechts, blickte in weite Ferne, nickt mehrmals bedächtig, sodass der runzlige Hals Falten warf. “Wie gesagt, das gequirlte Schaumerlebnis hat sie sich selbst ausgedacht. Eigenmächtig”, fährt sie fort, “habe ich à la Roswitha hinzugefügt. Zu ihrer Ehre. Das à la habe ich von à la Gundel übernommen. Hatte ich das erwähnt? Die Familie Gundel hat in Budapest die wunderbarsten Gerichte gekocht. Weltberühmt war sie.
Einmal war ich in ihrem Restaurant, mit meinem verstorbenen Joseph. An unserem Hochzeitstag, ich glaube es war der Dreißigste, wir wollten uns etwas ganz Besonderes gönnen. Hinein lassen wollte man uns nicht, da Joseph kein Sakko trug. Erst als ich die Ellenbogen in die Seite stemmte und grimmig darauf bestand, hat man ihm ein Leihsakko gegeben. Wie der ausgesehen hat! Mein Gott! Die Ärmel waren viel zu kurz. Zum Lachen!” Frau Sieglinde lachte ihr frohes Hexenhäuschenlachen.
Denken ohne Fantasie ist nutzlos.
Aus Moldawien
“Wissen Sie, die Enkelchen kommen morgen auf Besuch. Sie freuen sich schon so auf die Nachspeise. Ich möchte sie nicht enttäuschen. Und mit anderen Eiern schmeckt das gequirlte Schaumerlebnis à la Roswitha einfach nicht.” Frau Sieglinde schwieg und sah mich an, als ob die Blüte der rosa, der weißen und der herzensroten Rosen im kommenden Jahr von einem weißen und einem grünen Ei mit Blaustich abhängen würde. Es fiel mir schwer ihr zu sagen: “Ach, Frau Sieglinde … Es tut … Tut mir wirklich schrecklich leid, ich kann Ihnen nicht helfen, so gern ich das täte, derzeit legen die Hühner kaum.”
Immer wieder muss ich erklären, dass die Hühner schlecht legen, weil es kalt ist und ich deswegen keine Eier liefern kann. Enttäuschte Gesichter allenthalben. Gestern kam eine Nachbarin mit besorgtem Gesichtsausdruck zu mir, teilte mir mit, dass ihre Schwiegermama erkrankt sei. Diese wünsche sich so sehr einige von den beigefarbigen Eiern. Sie glaube, nein hundertprozentig überzeugt sei sie, dass sie nach deren Genuss schnell wieder gesunden würde. Leider konnte ich der guten Frau nicht weiterhelfen, versprach aber, dass ich ihr sofort, wenn ich beigefarbene Eier vorfände, diese unverzüglich persönlich bei ihr vorbeibringen werde. “Noch warm, verspreche ich Ihnen, noch warm. Sie können sich aufmich verlassen”, schob ich nach, als ich ihren hängenden Kopf sah. “Und gute Besserung für Ihre Schwiegermama!”
Ob mir überhaupt geglaubt wird? “Beim Supermarkt gibt es immer Eier”, hörte ich unlängst von einem enttäuschten dreitagebartbewachsenen jungen Herrn mit schwarzem Rollkragenpullover und grauer, mit ausgerissenen Gucklöchern ruinierter Jeans. “Sie können mir doch nicht im ernst weismachen, dass ausgerechnet Ihre Hinkel nicht legen.” “Wie bitte? Hinkel?” Ich war sprachlos, bin ich und werde es in dieser Sache wohl auch bleiben. Zu dieser doppelten Entgleisung möchte ich mich nun wirklich nicht äußern, das geht zu weit. Diesem jungen Herrn mangelt es offensichtlich an einer gediegenen Grundausbildung. Ich werde ihn aus meinem Verteiler nehmen.
Jedenfalls ist die derzeitige Situation für meine Hühner, meine Abnehmer und für mich höchst unbefriedigend, ein gewaltiger Imageverlust obendrein.
Erwähnen möchte ich noch: Verkauft werden unsere Eier nicht. Das kommt nicht infrage. Dafür sind sie mir zu wertvoll. Jedes Einzelne ist eine Meisterleistung in Form, Farbe, Inhalt, Lebendigkeit und Ausstrahlung. Man spürt das, wenn man sie in die Hand nimmt, die Augen schließt und sich einen nicht zu kurzen Augenblick auf sie einschwingt. Sie schmeicheln einem in den Handflächen, fühlen sich so unsagbar angenehm an.
Vor Freude möchte man sie drücken, was der gesunde Menschenverstand meist zu verhindern weiß. Gerne lasse ich ein Ei bei geschlossenen Augen von einer Handfläche in die andere kullern, erfreue mich an der feinen Bewegung, an dem leichten Eindruck in der Haut, welchen das Ei zurücklässt, an seiner Temperatur, spüre der zarten Kullerspur nach. Dann schließe ich es vorsichtig in beide Hände ein und wärme es ein bisschen. Mir kommt es vor, als ob es dabei noch lebendiger würde. Kraft geht von ihm aus. Energie. Auch Licht, wie mir von verschiedener Seite bestätigt wurde. Ein feines Schimmern wollen mehrere meiner Abnehmer wahrgenommen haben. Nicht bei allen Eiern einheitlich, die Farben der Schalen spielten dabei eine gewichtige Rolle, wurde mir gesagt. Die Weißen und die Beigefarbenen leuchteten hell, ein wenig ins Gelbliche tendierend, die Hellbraunen, Mittel- und Dunkelbraunen hingegen schimmerten von Orange bis ins kräftige Rot, während sich die hellgrünen Eier mit Blaustich, grünlich und bläulich, manchmal bis hin zum blassen Violett präsentierten.
Junghenneneier, sogenannte Glückseier, insbesondere das erstgelegte, wiesen zusätzlich etwas wie bunte Bögen, Regenbögen nicht unähnlich, auf. Mir selbst sind diese Erscheinungen längst aufgefallen. Allerdings ziehe ich es vor, die Angaben von Mitmenschen hier zu zitieren. Man könnte sonst denken, ich hätte mir das nur ausgedacht oder eingebildet. Übrigens: Man sagt, die hellgrünen Eier mit Blaustich enthielten wesentlich weniger Cholesterin als die andersfarbigen.
Die Henne ist ein kluges Tier: Erst wenn das Ei gelegt ist, gackert sie.
Bruno
Alle Eier sind befruchtet. Von einem kraftstrotzenden, sehr männlichen, sympathischen Gockel. Genauer gesagt von Bruno. Das erhebt sie im Vergleich zu den allerorts käuflichen Eiern in eine völlig andere, höhere Liga. In die Champions League der Eier, sozusagen. Und das nicht nur bezüglich ihrer Konsistenz, der Farbe, des Wohlgeschmacks. Nein, auch der gesundheitliche Wert und der geistige Gehalt müssen bedacht werden. Durch die Befruchtung wird das Ei erst zum Ei. Zum freudigen Er-Ei-gnis.
Es kann kein Zufall sein, dass in dem Wort Ereignis das Wort Ei vorkommt. Vor der Befruchtung ist es eine halbe Sache, ein Ei in Progress sozusagen. In jeder Hinsicht unvollendet. Üblicherweise wird diese wichtige Information nicht kommuniziert, die meisten Käufer haben nicht die blasseste Ahnung, was ihnen entgeht!
Diese geliebten Eier, gelegt von geliebten Hühnern, befruchtet von einem liebenden Gockel zu einem üblichen Preis zu verkaufen? Überhaupt zu verkaufen. Das ist nicht vorstellbar. Eine Beleidigung wäre dies für die Hühner. Diese Eier sind ohne Preis. Sie sind unverkäuflich! Definitiv.
Hat nicht einst der berühmte Juwelier Peter Carl Fabergé, genannt Karl Gustavovich Fabergé (1846–1920), seine berühmten sogenannten Fabergé Eier für den russischen Zaren kreiert? Diese herrlichen Kunstwerke in Miniatur. Alle feinen Leute wollten solche Eier haben, der Meister kam mit der Herstellung nicht nach. Hätte er nicht genau so gut Fabergé Würfel, Fabergé Tetraeder, Fabergé Bananen oder Fabergé Zitronen anstelle von Eiern wählen können? Er hat es nicht getan. Und dies aus gutem Grund.
Wir sind mit dem Unsichtbaren näher als mit dem Sichtbaren verbunden.
Novalis
Überzählige Eier, also solche, die über den Eigenverbrauch zahlenmäßig hinausreichen und derer sind viele, schenke ich an ausgewählte Mitmenschen. Dazu verwende ich die üblichen Eierbehälter. Allerdings nur diejenigen mit sechs Mulden. Man sollte es mit den Geschenken nicht übertreiben. Wenn Ihnen nun: “Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft”, in den Sinn käme, wäre ich geneigt Ihnen zu empfehlen, diesen Text noch einmal von ganz vorne zu lesen und in Ruhe auf sich einwirken zu lassen.
Vor dem Verschenken untersuche ich die Eier genauestens. Dazu benutze ich eine Lupe mit integriertem Lämpchen. Falls der geringste Mangel an ihnen sein sollte, werden sie dem Eigenverbrauch zugeführt. Sollte ein Stäubchen sie verschmutzen, reinige ich sie mit Umsicht, feinem Dachshaarpinsel, trockenem Brillenputztüchlein und destilliertem, lauwarmem Wasser. Dann lege ich sie behutsam in ein längliches Körbchen, das schon meine Mutter für diesen Zweck verwendete. Es ist mit sauberem, kurz geschnittenem Stroh ausgelegt. Das Körbchen stelle ich auf den quadratischen Holztisch, der vor dem grünen Sessel steht und freue mich ausgiebig über jedes einzelne Ei.
Manchmal nehme ich eines der Eier heraus, betrachte es von allen Seiten, falls man so sagen kann, lege es in anderer Ordnung wieder zurück. Meine Mutter hat die Eier manchmal in aufsteigenden Farben in das Körbchen gelegt. Also beginnend mit den weißen, dann den beigefarbenen, den hellbraunen, den mittelbraunen, dunkelbraunen und zuletzt den hellgrünen Eiern mit Blaustich. Ganz schön finde ich es, die Farben zu mischen. Das ergibt immer wieder neue interessante Farbkombinationen.
Des Öfteren hat Mutter zu mir gesagt: “Augen zu! Welche Farbe hat das Ei am rechten Ende?” Das hat mich schon als Kind dazu gebracht, Eier besonders aufmerksam zu betrachten. Hatte ich es erraten, gab es ein Leckerli.
Erst wenn alle Eier gereinigt und mit weichem Zellstoff getrocknet wurden, werden sie einzeln gestempelt. Eigens für diesen Zweck habe ich mir einen Stempel anfertigen lassen. Mit einem konturierten Herzen und kurzem Text. Nicht einen der üblichen Texte wie: Eier von frei laufenden Hühnern, Eier von glücklichen Hühnern, Eier von Hühnern aus Bodenhaltung, Eier vom Bauern Wiedemann und so weiter. Nein, die Wahrheit habe ich in den Stempel schreiben lassen: Eier von geliebten Hühnern! Der zweizeilige Text ragt in das Herz hinein, wodurch dessen Kontur auf der rechten Seite, im Bereich der Schrift unterbrochen wird. Dieses fehlende Stück Herzlinie soll andeuten, dass noch viel mehr an einem Ei dran ist, als man sehen kann. Viel mehr als durch ein Herz dargestellt werden kann. Nicht nur an physischem Material, sondern an tieferer Bedeutung und Wirkung.
Der Stempel durfte nicht zu groß sein, da auf Rundes zu stempeln nicht einfach ist. Der Abdruck soll schließlich sauber werden. Ich verwende rote Stempelfarbe. Früher habe ich mir überlegt, die Eier jeden Huhns durchzunummerieren, um einen Bezug zum Huhn und zum Datum des Legens herzustellen und um ihren Wert anzudeuten, ähnlich wie man wertvolle limitierte Stiche nummeriert. Davon bin ich abgekommen. So schön das wäre, das Verfahren ist viel zu umständlich, einfach zu aufwändig.
Das Ei steht auch für neu entstehendes Leben. Bemalte Ostereier werden verbunden mit dem Osterfest, der Auferstehung Christi. Allerdings würde ich unsere Designereier niemals mit künstlicher Farbe einfärben. Geht’s noch? Wer würde schon – um einen wie ich meine, treffenden Vergleich zu bemühen – das Gemälde der Mona Lisa, welches im Pariser Louvre hängt, übermalen wollen?
Schon mit wenig Lebenserfahrung wundert man sich über nichts mehr, was in dieser Welt passiert.
Herbert
Um das Eiergeschenk künftig noch persönlicher gestalten zu können, fotografiere ich demnächst jedes Huhn. Nicht das ganze Huhn, Brustbilder möchte ich haben. Das Gesichtlein soll vorteilhaft abgebildet, der Kamm soll leuchtendrot, wie er ja auch in Wirklichkeit ist, dargestellt sein. Und das Gefieder muss blenden wie weißer Schnee in der Mittagssonne.
Auf das Gefieder der Grünleger, wie man so wenig respektlos sagt, möchte ich besonders hinweisen. Es zeigt Ähnlichkeit mit dem weißen Winterfell des Hermelins. Behauptet wird, bevor sich die Katze als Mäusefänger bei unseren Vorfahren etablierte, sei das Hermelin auf vielen Bauernhöfen mit dieser Aufgabe betraut gewesen. Der Legende nach, möchte das Hermelin lieber sterben als sein Fell schmutzig zu machen. Auf das Fell wurden früher verstreut die schwarzen Schwanzspitzen des Tieres aufgenäht. Dies gab ihm sein charakteristisches schwarzgetupftes Aussehen. Es war Bestandteil von Wappen hochadeliger Gebiete, gehörte zu den Insignien der Macht. Päpste, Fürsten, Könige und Kaiser trugen Hermelinmäntel. Zurück zum königlichen grünlegenden Huhn. Schwarze Punkte hat es locker auf dem weißen Gefieder verstreut, zeigt also von Natur aus ganz wunderbar das, was beim Hermelinpelz erst künstlich geschaffen werden musste.
Die Fotos möchte ich mit dem jeweiligen Namen des Huhns, einer Beschreibung der Farbe seiner Eier und mit einigen seiner positiven Charakterzüge versehen. Bruno, der Gockel, in abgelegenen Regionen der Republik auch als Hahn bezeichnet, legt zwar keine Eier, aber als Chef des Hühnervolkes muss er natürlich ebenfalls und zwar an exponierter Stelle aufgenommen werden. Dann sollen noch Geschmacksnuancen der Eier vermerkt werden, kurz und prägnant, ähnlich wie man es von der Beschreibung von Weinen kennt.
Es bedarf keiner weiteren Erläuterung, dass Eier von Hühnern, welche in einer löwenzahnbewachsenen Wiese grasen, einen etwas anderen Geschmack aufweisen als solche, die sich in Kleewiesen tummeln. Nicht zu reden von dem Geschmack der Eier derjenigen Hühner, die mit Pflanzen, welche in sauren oder nassen Wiesen gedeihen, vorliebnehmen müssen. In nassen Wiesen wachsen teils harte, fast holzige Gräser und Pflanzen, bis hin zu Binsen, welche die Hühner verständlicherweise ungern auf ihrem Speiseplan sehen.
Es ist verboten zu verbieten!
Neunzehnhundertachtundsechzig
Herausgearbeitet werden wird, dass verschiedenfarbige Eier selbstverständlich unterschiedlich schmecken. Je nach Farbe werden sie eingesetzt, um ein optimales Ergebnis zu erreichen.
Wer käme zum Beispiel auf die Idee, mit weißen Eiern Ochsenaugen zu braten, oder grüne Eier mit Blaustich zum Backen eines Guglhupfs zu verwenden? Schon beim daran Denken sträubt sich einem das Gefieder!
Dann folgen noch einige Hinweise, wie man Eier am besten lagert und zubereitet, um das Aroma möglichst voll zu erschließen. Welche Art von Fetten, Ölen, Butterschmalz (bitte keine Margarine) oder Butter bei den unterschiedlich farbigen Eiern zur Verwendung kommen sollen, wie man würzt (obwohl dies bei den Eiern meiner Hühner überflüssig ist). Höchstens eine kleine Prise Salz (ohne Fluor) ist erlaubt. Und so weiter und so fort. Eines sei schon im Vorhinein verraten: Wenn man sich noch nicht zu den Eierprofis zählen darf, kann man bei Verwendung wirklich guter Markenbutter nicht allzu viel falsch machen. Das alles und mehr soll künftig auf einem ansprechenden Leporello in Größe eines Sixpack-Eierkartons gedruckt und jeder Packung beigegeben werden.
Nach einigen Monaten, wenn meine Hinweise bei den Beschenkten hoffentlich in Fleisch und Blut übergegangen sind, werde ich mein Leporello mit einem Text erweitern, der die Auswirkungen der Jahreszeiten, mit den dabei naturgemäß unterschiedlichen Futterangeboten und variierenden Getreidegaben auf Geschmack und Einsatz der Eier adressiert. Auch eine Farbtabelle mit den Farben der Dotter und der Eiweise, selbstverständlich wiederum unter Berücksichtigung der Jahreszeiten, mit dazugehörigen Erläuterungen, ist bereits in Arbeit. Auch Fragen, die weniger mit dem Verzehr zu tun haben werde ich beantworten. Zum Beispiel, warum ein Ende des Eis dicker ist als das andere, oder dass Eier länger gelagert werden können, wenn sie mit der spitzeren Seite nach unten in den Behältern gelagert werden. Nicht zu vergessen, warum es sinnvoll ist, pulverisierte Eierschalen unserem Essen beizumischen, oder was es mit dem Ei des Kolumbus auf sich hat.
Dass unsere Eier bio sind, gar den Demeter-Vorschriften entsprechen, braucht nicht eigens erwähnt zu werden. Wobei mir Demeter sympathischer ist als Bio, ist es doch der Name der griechischen Fruchtbarkeitsgöttin, der Tochter der Titanen Kronos und Rhea. Demeter wird gerne mit Weizenähren und Bienen dargestellt. Sie reitet auch. Im Wasser auf Delphinen, am Land auf Schweinen. Letzteres verdunkelt etwas das leuchtende Bild, das ich von ihr in mir trage. Bei der Vorstellung, aufzuschreiben, dass eine Göttin auf Schweinen reitet, sträubt sich die Feder. Die alten Griechen hat das offenbar wenig gestört. Demeters alljährliches Fest wurde drei Tage lang gefeiert.
Zusätzlich zu all dem Gesagten weise ich darauf hin, dass es Dutzende von Hühnerrassen gibt. Dass sich daraus feine Unterschiede im Geschmack der Eier ergeben, liegt auf der Hand.
Besser mit zehn Zwerghühnern allein zu leben, als zwanzig Brahmas mit dem Nachbargockel zu teilen.
Bruno
Verwunderlich ist es, dass die Küchengourmets das Ei mit seinen vielen Aspekten und unterschiedlichen Geschmäckern für sich noch nicht entdeckt haben. Ei ist für sie gleich Ei. Ei-nerlei. Unglaublich ist das! Das gibt mir zu denken und lässt mich an deren Professionalität zweifeln.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Gourmetköche kurz von ihren Kochbüchern, Bratpfannen und Schüsseln aufschauen und diesen Text lesen. Es könnte dann eine neue Zeit in der Kochkunst anbrechen. Nouvelle Cuisine gehörte der Vergangenheit an. Die Zukunft gehörte der Oeuf de Poule Cousine oder so ähnlich. Das ist eine ziemlich freie Übersetzung ins Französische. Sie soll ja nur zur ersten Anregung dienen. Französisch ist leider nicht meine Stärke. Die neue Bezeichnung sollte schon etwas hermachen. Da wäre Französisch gerade recht. Das deutsche Wort Eierküche, oder das englische egg kitchen hören sich ein wenig bieder an, es würde der Größe der Sache nicht gerecht.
Die Gerichte, in denen die Eier der Champions League zum Einsatz kommen, schimmern je nach Wahl der Eier in zarten Farben. Bei Verwendung der weißen und der beigefarbenen leuchten sie hell, ein wenig ins Gelbliche tendierend, bei den hellbraunen, mittel- und dunkelbraunen hingegen schimmern sie von Orange bis ins kräftige Rot gehend, während sich Gerichte bei Verwendung von hellgrünen Eiern mit Blaustich, grünlich und bläulich, manchmal bis hin zum blassen Violett präsentieren. Sollten gar Junghenneneier, sogenannte Glückseier, verwendet werden, insbesondere das erstgelegte, weisen die Gerichte zusätzlich etwas wie bunte Bögen, Regenbögen nicht unähnlich, auf.
Ich stelle mir die Verwunderung der Gourmet-Köche vor, wenn sie einen mit Junghenneneiern gebackenen Guglhupf betrachten, über welchem ein bunter Bogen/Regenbogen schwebt. Da kratzte der eine oder andere sich am Kopf, löschte gerne das Licht, um den bunten Bogen besser betrachten zu können. Ein Licht ginge ihm auf, während er ein Stück Guglhupf probierte.
Beschäftige dich mit Wundern, damit du die Realität erkennst.
Aus Österreich
Angefangen hat es mit mir und den Hühnern unerwartet und unfreiwillig. Meine liebe Mutter, die eine große Freundin von Hühnern war, immer Hühner hatte, war verstorben. Nun musste sich jemand um das Federvieh kümmern. Das Einfachste wäre es gewesen, die Tiere zu verschenken, allerdings brachte ich das nicht übers Herz. Aus Respekt vor meiner Mutter. So, in der dahineilenden Zeit, habe ich mich mit den Hühnern angefreundet – und die Hühner mit mir. Das war nicht immer einfach. Vermutlich lag es neben meiner Unerfahrenheit auch daran, dass Hühner ihre Eigenarten haben und ich dasselbe auch von mir behaupten darf.
Wie könnte ich sie besser kennenlernen? Mir wurde klar, dass ich auf meine vorgefassten Meinungen verzichten musste. Dazu gehörte unter anderem, dass die Hühner erst mal als vernunftbegabte Wesen anzuerkennen seien. Wie weit sie im menschlichen Sinne vernünftig sind, wollte ich herausfinden. Im menschlichen Sinne deshalb, weil mir bedauerlicherweise nichts anderes zur Verfügung steht. Den Hühnern jegliche Vernunft vorweg abzuerkennen, betrachtete ich als Vorurteil. Es würde uns viele Möglichkeiten des Kennenlernens verbauen. Beim Beschäftigen damit wurde mir klar, wie meilenweit höherstehend ich mich ihnen gegenüber wähnte.
Ich, sozusagen als die Krone der Schöpfung, die Hühner rechtlich als Sache betrachtet, als Geschöpfe, die sich meiner Meinung nach ziemlich am Ende der Schlange der Wesen befanden. Das verursachte mir Missbehagen. So konnte das nicht bleiben, wenn ich die Hühner besser verstehen wollte.
Um die Hühner besser kennenlernen zu können, war es notwendig, sie unterscheiden zu lernen, sprich, sie sollten einen Namen haben. Schwierig ist es, treffende Namen für Hühner zu finden. Wer es nicht glauben mag, möge es probieren. Sind unsere, meist christlich geprägten Namen für Hühner geeignet? Sollte ich mir neue ausdenken? Wären sie denn näher bei den Hühnern angesiedelt als die christlichen? Zu Mutters Zeiten hatten nur der Gockel und Mutters Lieblingshenne den Vorzug, einen Namen zu erhalten. Es gab also jede Menge weiterer Namen zu vergeben.
Schwierig war es anfänglich, die Tiere auseinanderzuhalten. Sie glichen sich sozusagen wie ein Mensch dem anderen. Manche sahen sich wirklich sehr ähnlich. So entschied ich mich, mit zwei Hühnern, die ich gut unterscheiden konnte, zu beginnen und die anderen nach und nach mit Namen zu beglücken. Der Name sollte das Einzigartige an ihnen unterstreichen, ja aufgrund des Namens sollte man unschwer herausfinden können, um welches Huhn es sich handelte.
Einige Tage habe ich mich mit der Suche nach geeigneten Namen gequält, in mich hineingehört, im Internet gesurft, Listen mit Favoriten auf- und umgeschrieben. Namen sind eben nicht Schall und Rauch, wie oft behauptet wird. Ein wenig Mühe sollte man sich deshalb schon geben. Später ging ich so vor: Ich stellte einen Namen in den Raum, stülpte ihn sozusagen einer Henne über, spürte in Henne und Namen und schließlich in mich hinein. Bei etwa dreißig provisorisch vergebenen Namen war kein einziger dabei, welcher ein gutes Gefühl erzeugte. Eigenartig. Um eine Referenz zu haben, verteilte ich diese Namen auf mir nahestehende Menschen. Dabei kam ich auf sechs Treffer. Bei Menschen scheint es offensichtlich einfacher zu sein.
Da ich so nicht weiterkam, wählte ich einen anderen Weg. Ich versuchte, mich auf ein Huhn zu konzentrieren, was nicht einfach war, da Hühner sich ständig unberechenbar durcheinanderbewegen, und mich ablenkende Töne von sich geben. Seltsame Namen kamen mir in den Sinn, die ich jedoch wieder verwarf. Einige erinnere ich noch: Akri, Somunalwegis, Tandrani, Herana, Tarti, Markera. Diese Namen waren mir zu fremd, zu eigenartig. Ich nahm davon Anstand. Heute bereue ich das.
Dann kam mir der Name Berta in den Sinn. Die Henne Berta. Berta. Nicht übel – aber trivial, einfach nicht gut genug. Die Lieblingshennen meiner Mutter hießen viele Hühnergenerationen lang Paula. Nur, und immer wieder Paula. Wenn meine Mutter nach ihr rief, gab es hin und wieder Verwechslungen mit der Nachbarin, die ebenfalls Paula hieß und immer noch heißt. Mit ein wenig gutem Willen konnten in den meisten Fällen Missverständnisse schnell ausgeräumt werden.
Aus Anerkennung und Respekt für eine mir sympathische braune Henne und zur Erinnerung an meine Mutter, habe ich mich entschlossen, ihr ebenso den Namen Paula zu geben. Warum auch nicht? Aber, ein bisschen besonders sollte er schon sein. Raffinierter. Paula schien mir ein wenig abgegriffen. Daran musste ich noch arbeiten. Auch wollte ich künftigen Problemen mit der Nachbarin vorbeugen.
Heutzutage sucht man möglichst exotische Namen für seine Kinder aus. Den Kleinen nach dem Großvater zu benennen? Um Gottes willen! Geht’s noch? Am besten ist es, wenn den Namen noch niemand vorher gehört hat und er überdies schwer auszusprechen ist. Optimal wäre es, wenn man sich beim Lesen des Namens den Kopf kratzt und im Internet recherchiert, in der Hoffnung mehr darüber zu erfahren. Machen Sie sich nicht die Mühe! Er wird dort kaum zu finden sein. So besonders und selten ist er. Wenn Sie die Eltern fragen, erhalten Sie erstaunliche Antworten.
Eine von mir befragte junge Mutter im Trachten-Look und passendem kecken, grünen Hütchen, einen blauen Kinderwagen vor sich herschiebend, habe ich nach dem Namen ihres Babys gefragt. Klar, erst nachdem ich das Kleine ausgiebig bewundert hatte. Es war wirklich ein süßes Baby. Es trug ein blaues Mützchen auf dem in weiß “Baby” stand. Wie befürchtet, habe ich trotz Mühe den Namen nicht verstanden. Noch mal nachgefragt ergab sich das gleiche Ergebnis. Das war mir peinlich. Deshalb fragte ich, woher der Name käme, um vielleicht auf diese Weise auf ihn schließen zu können. Die junge Mutter erklärte, das sei der Name der Mondgöttin eines javanischen Eingeborenenstammes gewesen. Dieser Stamm sei leider ausgestorben, ohne dass wir je seinen Namen erfahren hätten und uns Deutsche träfe die Schuld daran. Ich war betroffen. Mit Schuldgefühlen verabschiedete ich mich.
Ein weiterer Versuch, mit einer jungen Mutter mit hochhackigen knallgelben Schuhen, eine Art Zigarre oder Zigarillo rauchend, welche mich an die bei meinem Großvater beliebten Virginier erinnerte, ergab folgendes Bild: Wie zu erwarten, habe ich den Namen wieder nicht verstanden. Er rühre, wie mir stolz erklärt wurde, von einer violett-gelb gestreiften Tiefseekrabbenart, die nur in den tiefsten Stellen des Marianengrabens vorkommt. Diese Krabbenart erinnere in ihrem Aussehen an die allseits bekannte, ebenfalls gestreifte Tigerente, sei vermutlich mit ihr sogar genetisch verwandt. Diesbezügliche Untersuchungen liefen gerade. Beim Auftauchen, kein Mensch wisse warum, huste sie immer diesen Namen aus.
Der überraschte Zeitgenosse staunt vermutlich mit mir. Ich nickte einige Male anerkennend. Bravo! Da muss einer erst darauf kommen.
