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Als Britta die Diagnose Krebs erhält, steht die Welt für einen Moment still. Gerade läuft es endlich beruflich, sie fühlt sich frei, angekommen – und dann das. Doch was folgt, ist keine klassische Leidensgeschichte. Sondern ein wilder Ritt durch Chemotherapie, Lebensfreude, Freundschaft und jede Menge Glücksmomente. Mit entwaffnender Ehrlichkeit, einer großen Portion Selbstironie und viel Herz erzählt Britta von den Tiefpunkten – aber vor allem von den vielen Höhen, die das Leben trotz (oder gerade wegen) der Krankheit für sie bereithält. Sie schreibt über Tränen und Triumphmomente, über das Geschenk der Selbstständigkeit in einer Krise und über die heilende Kraft von Musik, Kunst, Natur – und Menschen, die für sie alles bedeuten. Ein Buch, das Mut macht. Das lachen lässt. Das umarmt – und zeigt: Das Leben ist jetzt. Und es ist wunderschön.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Table of Contents
Titel
Impressum
Widmung
Vorwort von Nicole Niewiadomski
Prolog
Einfach nur peinlich!
Traumjob mit Nebenwirkung
Mein Herz schlägt hier
Zusammenbruch und Neuanfang
Der Funke, der alles veränderte
Grafik
Die Kündigung
Out of Office
Bunte Kühe
Ein neues Leben – Start in die Selbstständigkeit
Von der Lektorin zur Verlegerin
Einfach mal machen – oder: Von null auf Podcast in zwei Tagen
Bye-bye, Energie-Räuber – hallo, neues Problem!
WTF?!
Das mit dem Recht ist recht schwierig
Endlich aufatmen – oder?
Ein mulmiges Gefühl
Die Magie der Musik
Die Diagnose
Life goes on
Ich hab da ein paar Fragen
Die Oben-ohne-Party
Tumor ist, wenn man trotzdem lacht
Selbstständig und Krebsdiagnose – und jetzt?
Lektorin aus Leidenschaft
On Air – Vom Studiogast zur Radiostimme
Die letzte Chemo
Künstlerin des Jahres
Ein Tag wie aus dem Märchen
Krebs als Geschenk
Epilog
Danksagung
Die Autorin
Hinweis
Britta Künkel
Heute bin ich nur
eine 9 von 10
Allgemeine Reihe
IMPRESSUM
Erste Auflage im Oktober 2025
Copyright © 2025 dieser Ausgabe by
Ashera Verlag, Hochwaldstr. 38, 51580 Reichshof
www.asheraverlag.net
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder andere Verwertungen – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung des Verlags.
Covergrafik: Pixabay
Schmutzseite: Pixabay
Kapiteltrenner: Pixabay
Innengrafiken: privat
Coverlayout: Atelier Bonzai
Redaktion: Alisha Bionda
Lektorat & Satz: TTT
Für meine Eltern.
Ohne euch wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.
Von Herzen DANKE.
Vorwort
von Nicole Niewiadomski
Ich bin ehrlich: Das Manuskript zu diesem Buch habe ich an anderthalb Nachmittagen verschlungen.
Nicht, weil ich wollte. Sondern weil ich musste.
Mein ursprünglicher Plan, es mit Muße und Ruhe am Strand zu lesen, ist nämlich nicht aufgegangen. Und so hatte ich, mit der angekündigten Deadline im Hinterkopf, keine andere Wahl, als es mehr oder weniger am Stück zu lesen.
Also machte ich es mir im Ohrensessel mit Blick auf den Hafen gemütlich. Dem Ort, wo ich seit Jahren sitze, wenn ich etwas Besonderes lesen oder einfach nur in Ruhe nachdenken möchte. Draußen regnete es und auf dem Beistelltisch stand mein Café Solo in einer kleinen Glastasse, wie die Mallorquiner sie lieben. Getrunken habe ich ihn allerdings nicht.
Denn die Wahrheit ist: Brittas Buch hat mich derart in seinen Bann gezogen, dass ich nicht ein einziges Mal aufgestanden bin. Stattdessen habe ich gelacht, geweint und das ein oder andere Mal „What the fuck!?“ gedacht. Und bin danach aufgestanden, um der Autorin eine Sprachnachricht mit meinen Glückwünschen zu diesem wundervollen Werk zu senden.
Liebe Leserin, lieber Leser,
was du hier in den Händen hältst, ist viel mehr als eine Geschichte über einen beruflichen Wechsel oder das Besiegen einer Krankheit. Es ist eine Geschichte über den Mut, sich selbst treu zu werden.
Verfasst von einer Frau, die aus Impulsen Gold macht – mit einer Umsetzungspower und Willensstärke, die ich in dieser Intensität nur von wenigen Menschen kenne.
Ich durfte miterleben, wie aus der Britta, die im April 2023 ein Erstgespräch bei mir buchte und mit zögerlicher Stimme von ihrer beruflichen Situation berichtete, eine kraftvolle, kreative und selbstbestimmte Frau wurde, die mit ihrer Energie und Positivität einen bleibenden Eindruck bei ihren Mitmenschen hinterlässt.
Ihr kämpferischer Spirit hat es mir als Coach an ihrer Seite leicht gemacht, sie durch die Anfänge der unglaublichen Transformation zu begleiten, von der dieses Buch erzählt.
Somit muss dieses Vorwort auch eine Danksagung an die Autorin sein – nicht nur ein Vorgeschmack auf das, was du gleich lesen wirst.
In diesem Sinne: Von Herzen danke für deine Offenheit, liebe Britta.
Mit diesem mitreißenden, humorvollen und unglaublich ehrlichen Buch machst du deinen LeserInnen Mut, ihr Leben so zu gestalten, wie es ihnen entspricht.
Und danke, dass ich an deiner Reise teilhaben durfte.
Ich bin gespannt auf alles, was noch kommen wird.
Deine Nicole
Prolog
Es ist Krebs
Mit zitternden Fingern tippe ich die WhatsApp-Nachricht in mein Smartphone. Ich setze keinen Punkt. Ich – die Lektorin.
Was fühle ich in diesem Moment? Ich weiß es nicht, begreife das alles noch nicht so richtig. Es ist so surreal, dass ich es wahrscheinlich einfach noch nicht fassen kann.
Zwei Wochen lang habe ich darauf gewartet, dass sie mir das Ergebnis der Biopsie mitteilen. Es ist der 21. Mai 2024. Zwei Wochen zuvor haben sie mir einen Lymphknoten entfernt, um ihn zu untersuchen. Heute ist es so weit. Ich weiß, meine Freunde warten auf eine Nachricht von mir – und ich habe ihnen versprochen, mich zu melden, sobald ich mehr weiß. Ich habe ihnen vorher gesagt: „Kein Grund zur Sorge, wenn es etwas Schlimmes wäre, hätten die mich doch schon längst angerufen.“
Du merkst: Ich habe keine Ahnung, wie so etwas funktioniert.
Sie warten. Also drücke ich auf „Senden“.
Es ist Krebs
Kein Punkt. Keine Erklärung. Zu mehr bin ich in diesem Moment nicht in der Lage. Ich sitze im Auto meiner Eltern, die mich ins Krankenhaus begleitet haben, und während mein Vater den Wagen zu mir nach Hause lenkt, laufen mir die Tränen runter. Ich weiß nicht, was ich fühle, aber ich kann sie nicht zurückhalten. Ich versuche es dennoch.
Stark sein!
Meine Eltern haben in den letzten Wochen schon genug durchgemacht.
Zu Hause angekommen, schnappe ich mir meinen Hund Toto, der irgendwie spürt, dass etwas nicht stimmt, und verschwinde mit ihm im Wald. Normalerweise ist er zu Beginn unserer Runden damit beschäftigt, zu gucken, ob Nachbarshunde draußen sind, die er anpöbeln kann (alter Sausack!). Aber heute ist er anders. Er ist stiller, schaut öfter zu mir, als ob er fragen wolle: „Alles okay?“
Als wir ein Stück gegangen sind, außer Sicht- und Hörweite der Nachbarschaft, fange ich an zu heulen – hemmungslos, ohne Halt. Ich lasse alles raus, bis keine Tränen mehr kommen. Es tut gut, als ob eine riesige Last von mir genommen wird.
Krebs!
Was bedeutet das? Was wird jetzt? Wie geht es weiter? Was kommt mit der Chemotherapie auf mich zu? Werde ich weiterarbeiten können? Und was ist mit Toto? Werde ich über die Runden kommen?
Es schwirren so viele Fragen in meinem Kopf herum, dass mir schwindlig wird.
Schließlich mache ich mich auf den Rückweg. Und während ich so gehe, fällt mir ein, dass ich noch den Rasen mähen wollte. Morgen soll es regnen, und nächste Woche steht die OP an, in der mir der Port für die Chemo eingepflanzt wird. Dann werde ich wieder nicht dazu kommen.
Also gehe ich nach Hause und mähe den Rasen.
Einfach nur peinlich!
Mein Leben ist durchzogen von vielen kleinen – und großen – Episoden, in denen ich Angst hatte. Schiss vor allem Möglichen. Du kannst dir nicht vorstellen, vor was ich alles Angst hatte! Angst vor anderen Kindern. Angst davor, neue Menschen kennenzulernen. Angst, irgendwo anzurufen (das fällt mir manchmal noch heute nicht leicht), Angst, aufzufallen. Ich war eine totale Schisserin.
Wann genau das angefangen hat? Keine Ahnung. Aber es war definitiv schon im Kindergarten so. Da gab es eine Situation, die mir bis heute unangenehm ist – und die ich jahrelang in die dunkelsten Ecken meiner Erinnerung verdrängt habe.
Ich hatte mir in die Hose gemacht. Einfach, weil ich mich nicht getraut hatte, zu fragen, ob ich auf die Toilette gehen darf. Mein Gott, war mir das peinlich! Und es wurde natürlich entdeckt. Ich war einfach sitzen geblieben, hatte gehofft, dass niemand es merkt. Aber dann kam der Stuhlkreis. Eine Tanzrunde. Alle Kinder mussten nach und nach aufstehen und im Kreis tanzen. Ich wusste: Wenn ich mich jetzt bewege, wird es jeder sehen. Und so kam es. Ich weiß noch genau, wie ein Junge laut rief: „Ih, die hat sich in die Hose gemacht!“ Ich wollte im Boden versinken.
Das war der erste Moment, an den ich mich erinnere, in dem ich mich so sehr für mich selbst geschämt habe. Und es sollte nicht der letzte bleiben.
In der Schule ging es weiter. Ich habe nie gewagt, etwas zu sagen. Jeder Elternsprechtag lief gleich ab: „Ja, sie ist brav, aber sie kriegt den Mund nicht auf.“ Mündlich war ich immer schlecht. Egal, wie viele Einser ich in Klassenarbeiten schrieb – meine Angst, etwas Falsches zu sagen oder mich zu blamieren, hat mich immer wieder ausgebremst.
Ich dachte ständig: Ich bin peinlich. Ich bin falsch.
Ich weiß nicht, woher diese Glaubenssätze kamen. Aber sie saßen tief. Besonders einer: Wenn die Leute wüssten, wer ich wirklich bin, dann …
Ja, dann was?
Dann würden sie mich ablehnen? Dann wäre ich nicht mehr „richtig“?
Denn wenn ich ehrlich bin, wusste ich spätestens im Teenageralter, dass ich auf Frauen stehe. Und zwar nur auf Frauen. Aber das konnte ich mir lange nicht eingestehen. Stattdessen redete ich mir ein, bisexuell zu sein – das war für mich der „leichtere“ Weg. Denn dann bestand ja die Möglichkeit, dass ich mich in einen Mann verliebe und eine „normale“ Beziehung führe. So musste ich mein „dunkles Geheimnis“ nicht verraten.
Was für ein Schwachsinn. Dunkles Geheimnis!
Heute könnte ich darüber lachen. Aber damals hat es mir Angst gemacht. Riesige Angst. Dabei haben mir meine Eltern – soweit ich mich erinnern kann – nie das Gefühl gegeben, dass es schlimm oder falsch wäre. Aber manchmal sind solche Ängste so tief in uns verankert, dass wir nicht mehr wissen, wo sie herkommen.
Genauso wie meine Angst vor Spinnen. Ich hatte eine regelrechte Phobie! Und angeblich – das behaupten zumindest andere – soll das früher mal anders gewesen sein. Es gibt sogar Gerüchte, dass ich in der Grundschule andere Kinder mit Spinnen beworfen habe. Ich halte das selbstverständlich für eine dreiste Lüge! Aber wer weiß? Jedenfalls muss später etwas passiert sein, das diese Angst in mir verankert hat.
Und genauso ist es mit Glaubenssätzen. In meiner Kindheit hat sich der Satz in mir festgesetzt: Ich bin peinlich. Und dieser eine Satz hat so viele Entscheidungen in meinem Leben beeinflusst.
Ich könnte dir von tausend Situationen erzählen, in denen ich Angst hatte. In denen ich mich für mich selbst geschämt habe. Einige davon werde ich später aufgreifen. Aber eines kann ich jetzt schon sagen: Ich bin nicht mehr die Person, die ich damals war. Und das hat mich durch die Zeit der Krankheit getragen.
Warum ich dir all das erzähle? Weil es entscheidend dafür ist, wie ich mit der Krebsdiagnose umgegangen bin. Ohne diese Reise zu mir selbst – ohne all die Erfahrungen, Umwege, Brüche und Entwicklungen, die mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin – hätte mich die Diagnose vielleicht aus der Bahn geworfen. Aber genau das ist nicht passiert. Sie hat mich nicht gebrochen, sondern stärker gemacht.
Doch bis dahin war es ein weiter Weg.
Traumjob mit Nebenwirkung
Ich war immer das Kind, das in der Klasse saß und hoffte, unsichtbar zu sein. Bloß nicht auffallen. Bloß nicht drankommen. Ich wäre lieber in ein Becken voller Piranhas gesprungen (schwimmen kann ich echt gut!), als mich im Unterricht zu melden.
Mein größter Albtraum?
Reden müssen – vor Menschen! Die Angst, etwas Peinliches zu sagen oder mich zu blamieren, saß so tief in mir, dass sie mich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben begleitete. Noch heute meldet sie sich manchmal aus den dunklen Ecken meines Kopfes und flüstert mir zu, wenn ich etwas Neues wage. Aber damals war es keine leise Stimme – es war ein brüllendes Megafon, das mich davon abhielt, mich frei zu entfalten.
Auch im Studium wurde es nicht besser. Präsentationen waren für mich der blanke Horror. Während andere anscheinend mühelos ihre Vorträge hielten, saß ich mit klammen Händen da und betete, dass mich ein plötzlicher Stromausfall oder eine spontane Zombie-Invasion aus dieser Situation retten möge.
Ein Erlebnis ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: mein Referat über Michelangelo. Ich kannte das Thema in- und auswendig! Ich hatte im Kunst-Leistungskurs darüber meine Facharbeit geschrieben, jede Anekdote, jeden Meißelschlag dieses Mannes inhaliert. Und trotzdem – als ich da in dem kleinen Italienischseminar mit nur fünfzehn Leuten saß, fühlte es sich an, als würde ich gleich vor einem Stadion voller Kritiker sprechen, die mich in der Luft zerreißen würden. Und das, obwohl ich bequem von meinem Sitzplatz aus vortragen konnte und nicht mal nach vorne musste. Trotzdem: Mein Herz raste, meine Hände waren schweißnass, und als ich endlich anfing, klang meine Stimme, als würde ich jeden Moment losheulen.
Es dauerte nicht lange, bis die Dozentin mich mit besorgtem Blick ansah und fragte: „Alles okay bei Ihnen?“
Ja, klar! Ich hatte nur das Gefühl, dass meine Seele gerade meinen Körper verlassen wolle – völlig normal.
Und trotzdem – auf wundersame Weise – habe ich es ins Berufsleben geschafft. Nach ein paar Jahren an der Uni packte mich der Wunsch nach mehr Kreativität, mehr Geschichten, mehr Leben. Also schickte ich im Herbst 2012 eine Initiativbewerbung an einen Verlag. Könnte ja klappen.
Und es hat geklappt! Nach einem Vorstellungsgespräch, in dem ich – warum auch immer – ausführlich erklärte, dass ich früher mit meiner Oma immer „Doktor Stefan Frank“ geguckt habe (warum, Gehirn, warum?!), war ich mir sicher: Das war’s. Wieder mal maximal peinlich. Wieder mal verbockt.
Aber dann kam die Zusage!
Sie wollten mich. MICH! Die komische, viel zu schüchterne Heulsuse, die den Mund nicht aufbekommt. Ein Traum wurde wahr! Ich packte meine Sachen, zog in die Großstadt und begann am 2. Januar 2013 ein neues Leben – in meinem absoluten Traumjob.
Rückblickend glaube ich, ich hätte damals so ziemlich jeden Vertrag unterschrieben, den sie mir vorgelegt hätten. „Du verkaufst damit auch deine Seele an uns.“ – „Ja, ja, wo darf ich unterschreiben?!“ Ich konnte mein Glück kaum fassen. Und in den Jahren danach fragte ich mich immer wieder, wann sie wohl merken würden, dass ich eigentlich gar nichts draufhabe.
Das nennt sich übrigens Imposter-Syndrom – dieses gemeine Gefühl, dass du nichts kannst, dass alles Glückssache war und du früher oder später auffliegst. Ein innerer Troll, der dir zuflüstert: „Irgendwann merken sie, dass du alles nur vorspielst.“ Fun Fact: Es erwischt die Besten. Aber irgendwo tief in mir drin muss ich auch gewusst haben, dass ich gut war, sonst hätte ich mich wohl gar nicht erst beworben.
Und das war ich auch. Heute weiß ich es mit Sicherheit. Ich habe einen verdammt guten Job gemacht, spannende Projekte auf die Beine gestellt, talentierte Autorinnen und Autoren entdeckt und einiges aufgebaut.
Viele Jahre war ich sehr glücklich in meinem Job. Aber glücklich in der Großstadt? Fehlanzeige.
Ich bin und bleibe ein absolutes Dorfkind. Ich bin neben einer Kuhweide aufgewachsen (was später noch eine überraschend wichtige Rolle in meinem Leben spielen sollte), liebe Lagerfeuer und Grillenzirpen – und ja, für mich ist der Geruch von frisch gemähtem Gras eine legitime Glücksdroge.
Während andere in hippen Bars Cocktails schlürften, lag ich an meinen freien Wochenenden lieber in meinem Heimatkaff auf der Wiese und betrachtete die Sterne (ein großer Nachteil in der Stadt: Du kannst die Sterne nicht gut sehen). Ich verstehe mich nun mal besser mit Traktoren als mit Straßenbahnen, höre lieber Lagerfeuerknistern als dröhnende Schrottmusik aus der Nachbarwohnung und tanze lieber auf Dorffesten als in Nachtclubs.
Ich musste da raus!
Zurück in meine Heimat. Zum Glück konnte ich meinen damaligen Chef davon überzeugen, mir pro Woche einen festen Homeoffice-Tag einzuräumen (er hat sich damals beim Vorstand für mich eingesetzt, und ich habe erst sehr viel später verstanden, wie viel Einsatz das bedeutete) – eine Notwendigkeit, wenn man bedenkt, dass ich jeden Tag anderthalb Stunden pro Strecke hätte pendeln müssen.
Okay, Haken dran. Nächster Schritt: Wohnungssuche. Doch dann erzählten mir Freunde, dass sie sich gerade ein Haus gekauft hatten – und als sie mir ihre monatliche Rate vorrechneten, machte es klick. Moment mal. Wenn ich einen längeren Kredit nehme und ein günstigeres Haus finde … wäre das für mich vielleicht gar nicht so utopisch? Zumal die Mieten in der Stadt sicher nicht günstiger werden würden.
Also begann ich, mir Häuser anzusehen – anfangs eher spielerisch, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie das funktioniert. Ich wollte ja sowieso in meine Heimat zurück, also betrachtete ich die ersten Besichtigungen als Generalprobe.
Und genau aus diesem Grund schaute ich mir ein Haus an, das auf halber Strecke zwischen meiner Heimat und meinem Arbeitsplatz lag. Kaufen wollte ich es nicht – hallo, mein Heimatkaff rief mich doch! Aber die Preise dort waren unschlagbar günstig, und das Haus lag auf dem Weg, während ich für ein paar Tage meine Familie besuchte. Also dachte ich mir: Warum nicht? Ein bisschen Routine im Häusergucken kann ja nicht schaden.
Und da war es!
Das Haus!
