Heute hat die Welt Geburtstag - Flake - E-Book
SONDERANGEBOT

Heute hat die Welt Geburtstag E-Book

Flake

0,0
8,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 8,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

»Ich trete auf das Rad des Kessels, um mich hineinzuschwingen, stelle aber wieder mal fest, dass dort kaum noch Platz fu¨r mich ist, denn da steht schon die Gasflasche fu¨r die Flammen drin. In den Boden sind Lampen eingebaut, an die ich nicht rankommen darf, weil die viehisch heiß werden. Ich habe mich bei einer Probe mal darauf abgestu¨tzt und mir dabei fu¨rchterlich die Ha¨nde verbrannt, da blieb richtig meine Haut an dem du¨nnen Schutzgitter davor kleben. Es hat ganz eklig nach verbranntem Fleisch gerochen. Warum riecht es dann beim Grillen so lecker? Liegt es an dem Salz oder dem Bier? Oder an der Fleischsorte?« Flake erzählt in seinem zweiten Buch, wie es sein könnte, mit einer Band wie Rammstein einen Tag unterwegs zu sein.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2017

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Leseprobe zu:

Flake

Heute hat die Welt Geburtstag

FISCHER E-Books

Erfahren Sie mehr unter: www.fischerverlage.de

Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung von Text und Bildern, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen.

© S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main

Inhalt

HinweisMottoVorspannIIIIIIIV

Ich habe endlich keine Träume mehr

Ich habe endlich keine Freunde mehr

Hab endlich keine Emotionen mehr

Ich habe keine Angst vorm Sterben mehr

 

Alles Grau Isolation Berlin

Ich habe kein Gefühl mehr dafür, wie spät es eigentlich ist. Wir sind heute Vormittag irgendwo losgeflogen, und mein Handy stellt selbständig die Uhr um, wenn wir mit dem Flugzeug auch nur in die Nähe einer neuen Zeitzone kommen. Meter für Meter schiebt sich der Bus durch die Innenstadt. Budapest scheint ziemlich groß zu sein. Wir stecken mitten im Berufsverkehr. Da heute Freitag ist, wollen alle ganz schnell aus der Stadt raus. Aber schnell geht hier überhaupt nichts.

Ich schaue aus dem Fenster. Mein Blick endet nach einem halben Meter, neben uns fährt ein großer schmutziger Lkw. Sogar der ist schneller als wir. Unser Fahrer erträgt diese Situation überhaupt nicht, bei der kleinsten Lücke gibt er Vollgas. Dann drückt es mich richtig in die stinkenden Sitze. Sofort muss er wieder bremsen, und ich kippe nach vorne. Als der Lkw uns erneut überholt, gibt er den Blick auf eine graue Mauer frei. So langsam scheinen wir uns doch der Vorstadt zu nähern. Ich hätte lieber vorne gesessen, aber der Fahrer hat seine ganzen Sachen auf dem Sitz neben sich verteilt und komisch gekuckt, als ich die Beifahrertür öffnen wollte. Als hätte ich versucht, in sein Bett zu steigen.

Hinten komme ich mir immer so abgestellt vor, so als wäre ich Gepäck. Als hätte ich kein Mitspracherecht. Außerdem mag ich es, mich mit den Fahrern zu unterhalten, denn sie sind oft der einzige echte Kontakt zu dem Land, in dem wir gerade sind. Ich würde ihn jetzt gerne fragen, von wem die Musik ist, die mich aus den Boxen anschreit.

Ich habe schon einmal in einem Shuttlebus eine neue Band entdeckt. Für mich war die Band zumindest neu. Die Musik, die sie machten, klang sehr drängend und wand sich immer in neuen Schleifen, ein bisschen so, als ob eine Platte springt. Ich war ganz fasziniert davon und fragte den Fahrer, wer diese Band sei. Wir waren gerade in Barcelona, und der Fahrer konnte sich mir nicht richtig verständlich machen. Das war nicht seine Schuld, ich spreche weder Spanisch noch ein akzeptables Englisch. Da zog er kurzerhand die CD aus dem CD-Player und schenkte sie mir. So habe ich es jedenfalls verstanden. Wieder in Berlin angekommen, spielte ich die CD ganz stolz meiner Tochter vor. Ich wollte ihr zeigen, dass ich in meinem Alter noch voll am Puls der Zeit bin. Ich versuchte ihr zu erklären, dass mir diese Musik so gefällt, weil es so klingt, als ob eine springende Platte zufällig die Melodien bestimmt. Meine Tochter brauchte nur einen Blick auf das Display des CD-Players zu werfen, um festzustellen, dass ganz einfach die CD wirklich sprang. Der Blick, mit dem sie mich ansah, ist nicht zu beschreiben.

Ich höre die CD trotzdem noch sehr gerne, sie ist irgendwie so meditativ, und außerdem kann wirklich niemand voraussehen, wann sie wieder springen wird. Es fühlt sich nicht so an, als würde ich eine Musikkonserve hören, sondern als wäre ich aktiver Bestandteil des Musikhörens. So höre ich immer etwas Neues.

Das Lied, das eben lief und mir auch ganz gut gefallen hat, ist mittlerweile vorbei. Jetzt kommen die Nachrichten, natürlich auch auf Ungarisch. Da ist es zu spät, um noch nach dem letzten Lied zu fragen. Ich weiß auch sonst nicht, wie ich ein Gespräch mit dem Fahrer beginnen könnte, zumal er einen sehr wortkargen Eindruck macht. Es gibt gerade auch nichts zu besprechen. Beim Einsteigen wollte er nur von mir wissen, ob noch mehr Leute von uns mitfahren wollen. Falls ich ihn richtig verstanden habe. Und selbst diese einfache Frage konnte ich nicht beantworten, denn seitdem wir in Einzelzimmern schlafen, weiß ich nicht mehr, wo die anderen sind.

Ich hatte gehofft, dass wir alle zusammen zur Halle fahren würden, aber als ich runterkam, war ich der Einzige von uns, der da stand, und so fuhr der Fahrer nur mit mir los. Wahrscheinlich wissen die anderen, wie sinnlos es ist, um diese Uhrzeit loszufahren. Falls es jetzt wirklich so spät ist, wie ich denke.

Es ist auch schon vorgekommen, dass die Uhr sich nicht zurückgestellt hat, wenn wir von einem weit entfernten Konzert wieder zurückgeflogen sind, jedenfalls kann ich mich nicht mehr auf meine Uhr im Handy verlassen. Und selbst dem Fernseher kann man nicht trauen, denn die Sender kommen aus verschiedenen Ländern. Wenn es in England drei ist, kann es hier schon viel später sein.

In Australien gibt es sogar Zeitverschiebungen von einer halben Stunde. Die Zeitgrenze geht manchmal mitten durch eine Stadt. Da kommt man sogar zu spät zum Zahnarzt. Vielleicht war das auch in Amerika. In Hartfort oder so.

Da sind wir als Mutprobe mal über eine Eisenbahnbrücke geklettert. Wenn ich als Kind weniger in der Wohnung gehockt und mehr mit den anderen Kindern gespielt hätte, müsste ich so etwas nicht erst im hohen Alter machen, wo die Angst noch größer ist. Natürlich kam dann auch ein Zug, und zwar genau in dem Moment, als wir die Mitte der Brücke erreicht hatten. Wir mussten uns ganz an den Rand drängen, ein Geländer gab es nicht, und zwischen den Eisenbahnschwellen blickten wir direkt auf das Wasser. Da der Zug schier unendlich lang war und deshalb wohl auch so langsam fuhr, verging nach meinem Gefühl eine Ewigkeit, bis alles überstanden war, zumal ich dabei noch in Ruhe einen überfahrenen Dachshund oder Waschbären betrachten konnte, der wie ein zerschnittener Teddy aussah. Auf dieser Brücke habe ich wieder einmal gespürt, wie sehr sich die Zeit strecken kann. Leider streckt sie sich meistens in unangenehmen Situationen.

Auch jetzt im Bus kommt es mir so vor, als ob wir schon ewig unterwegs wären. Ganz schuldlos bin ich daran nicht, denn ich habe angeregt, unser Hotel mal im Stadtzentrum zu buchen, damit man gleich alle Sehenswürdigkeiten vor der Nase hat. Dabei interessieren mich die Sehenswürdigkeiten eher wenig. Das klingt komisch, aber in Berlin gehe ich auch nicht auf den Fernsehturm oder zum Brandenburger Tor. Die Hallen, in denen wir spielen, liegen wiederum meistens außerhalb der Stadt, schon damit die Fans, egal ob nun unsere oder die einer Fußballmannschaft, nicht das Stadtbild versauen. Das klappt ziemlich gut, und jetzt merke ich, dass wir anscheinend zur Halle kommen, da ich schon ziemlich viele Fans links und rechts der Straße sehen kann. Sie haben ihre Autos am Straßenrand geparkt und ziehen in Grüppchen weiter. Zu Fuß sind sie schneller als ich im Bus.

Früher bin ich auch manchmal zu Fuß zum Konzert gegangen, verlaufen konnte ich mich ja nicht, da ich einfach den Fans hinterhergelaufen bin, aber bei den großen Hallen hatte ich dann manchmal Schwierigkeiten, zur Garderobe zu kommen, denn es kommt vor, dass die Telefone in so einer Halle nicht funktionieren, und die Sicherheitskräfte rechnen nicht damit, dass einer von der Band ratlos vor ihrer Tür steht. In Berlin wollte ich einmal mit dem Taxi zum Konzert fahren, damit ich auch ein Bier trinken kann und das Auto dann nicht stehenlassen muss. An der Halle angekommen, bat ich den Taxifahrer, mich zum Bühneneingang zu bringen. Ich war etwas in Zeitdruck, weil ich am Nachmittag noch so viel hatte erledigen wollen und erst auf den letzten Drücker losgegangen war. Wenn wir dort spielen, wo wir wohnen, haben wir ja praktisch doppelt zu tun. Ich vergesse dann gerne mal, dass abends noch ein Konzert ist. Jedenfalls wollte ich schnell zum Künstlereingang.

»Da hinten ist das Ende, Großer!«, sagte der Fahrer und zeigte auf die Menschenschlange, die sich um die Halle wand. Da blieb mir nur übrig, ihm zu sagen, dass ich zur Band gehöre. »Nee, nee, Kollege!«, lachte er mich aus. »Heute spielt Rammstein hier, da kommst du mit solchen Tricks nicht weiter.« Als ich ihm vorsichtig zu erklären versuchte, dass ich da mitspiele, erwiderte er mit brutaler Logik: »Wenn du«, und da musste er schon wieder lachen, »da mitspielen würdest, säßest du nicht hier bei mir im Taxi.« Mit diesen Worten setzte er mich am Ende der Schlange ab. Deshalb fahre ich jetzt lieber mit dem Bus, den der Veranstalter für uns bereitstellt.

Draußen ist inzwischen ein hässliches Industriegebiet zu sehen. Das bedeutet, dass ich gleich ankommen werde. Ich blicke genauer aus dem schmutzigen Fenster. Da stehen ja auch schon unsere großen Nightliner, die Busse, in denen die Crew schläft. Also jetzt natürlich nicht, aber in der Nacht, wenn sie zum nächsten Konzertort fahren. In einiger Entfernung dahinter kann ich etwas sehen, das wie eine Messehalle oder ein Sportstadion aussieht. Davor dehnt sich ein Parkplatz aus. Alles ist grau. Und das soll jetzt Rock ’n’ Roll sein?

 

Der Rock ’n’ Roll ist längst nicht mehr das, was er mal war, würde ich behaupten. Es ist natürlich fraglich, ob ich ein kompetenter Gesprächspartner zu diesem Thema bin, bloß weil ich Musik mache. So richtig Ahnung habe ich übrigens von überhaupt nichts. Und Rock ’n’ Roll, was ist das überhaupt? War das nicht diese lustige Musik, die unsere Eltern früher gehört haben? Oder waren das unsere Großeltern? Waren die nicht dabei, als dieser Bill Haley kurz nach dem Krieg in der Deutschlandhalle gespielt hat? Oder war es die Waldbühne? Für uns Kinder aus der DDR war das egal, wir konnten mit den beiden Namen nicht viel anfangen, und auch später als Jugendliche kannten wir kaum mehr als den Kulti und das Haus der jungen Talente. Manche der Talente, die dort spielten, waren allerdings schon über siebzig, aber die spielten Blues, da war das in Ordnung.

So unglaublich es auch klingt, in meiner Jugend gab es keine alten Rockmusiker, da der Rock ’n’ Roll an sich noch so jung war. Mick Jagger war damals zwanzig Jahre jünger, als ich jetzt bin. Das muss man sich mal vorstellen. Ich war auch der festen Meinung, dass man gar keine Rockmusik mehr spielen darf, wenn man älter als dreißig ist. Und keinen Jazz, wenn man jünger ist. Bundeskanzler darf man auch erst mit vierzig werden.

Ich sprach von Rockmusik. Das ’n’Roll hat man zu meiner Zeit schon weggelassen. Nicht einmal die Sitzenbleiber sagten das noch. Die sprachen wiederum von Hard Rock, wobei ich natürlich Hart Rock verstand. Wer schreibt denn Hart mit weichem D? Und die Rock ’n’ Roll-Bands, die ich kannte, spielten ihre Lieder auch mehr wie Museumsstücke, sie versuchten förmlich, dieses spezielle Lebensgefühl mit den Klassikern wie Sweet Little Sixteen wieder aufzuwecken. Zu diesem Leben gehörte auch eine Lederjacke oder ein Motorrad. Und Jeans. Als Kind habe ich wirklich mal gehört, wie eine Oma über diese ollen Jenshosen geschimpft hat. Und man muss als Rocker in Grüppchen herumlungern. Selbstverständlich ist das nur etwas für ganz harte Jungs. Sind die Heavy-Metal-Fans Rocker? Bei AC/DC singen sie auch ständig von Rock ’n’ Roll. Und was ist mit den Rockabilly-Fans? Dürfen die sich auch als Rocker bezeichnen? Man konnte so viel falsch machen. Erst recht, als dann noch der Punk ins Spiel kam. Wenn man Pech hatte, durfte man sich gar nicht als Punk bezeichnen, dann wurde man gleich als Plastic abgestempelt.

Darf man als Punk noch bei seinen Eltern wohnen? Meiner Meinung nach ja, schließlich bin ich selbst dort erst ausgezogen, als ich schon 23 Jahre alt war. Es war auch sehr hilfreich, wenn man als Punk über gute Westkontakte oder wenigstens eine Menge Geld verfügte, denn wo sollte man sonst die Springerstiefel herbekommen? Und die Lederjacke? Lederhosen konnte man sich im Osten nicht einfach kaufen, die musste man sich extra nähen lassen. Das dauerte dann etwa ein Jahr, bis man die Hosen hatte, und es war wirklich nicht billig. Viele Punks, die ich kannte, kamen aus einem wohlsituierten Elternhaus und konnten sich das leisten. Sie waren am allgemeinen Geschehen sehr interessiert und konnten ein gutes Abitur vorweisen. Wenn sie nicht in einer Band spielten, malten oder dichteten sie. Manchmal auch alles zusammen. Mit ihren proletarischen Vorbildern aus England verband sie nur die Liebe zur Punkmusik und dass sie es aushielten, auf der Straße beschimpft oder verprügelt zu werden. Die beruflichen Perspektiven waren zwar nicht überwältigend, wenn man wie ein Punk aussah, aber die meisten von uns waren mit ihren Jobs bei der Post, der Volkssolidarität oder auf dem Friedhof sehr zufrieden. Ich habe keinen getroffen, der es wirklich ernst meinte, wenn er No Future auf seine Jacke malte. Einige sahen höchstens keine Zukunft für sich in der DDR, dafür umso mehr im Westen. Manchmal bekamen sie die Ausreise bewilligt, bevor ihre Lederhosen fertig waren, dann konnte ich sie fragen, ob ich die kriegen kann.

Aber es geht ja eigentlich um Rock ’n’ Roll. Johnny Cash hat mal gesagt, dass er, wenn er aus dem Busfenster schaut, auf fünf Kilometer genau sagen kann, wo er sich gerade befindet. Ich glaube ihm das. Es bedeutet, dass er so oft mit dem Bus durch Amerika gefahren ist, bis er fast jede Stelle des Weges kannte. Er hat einfach unwahrscheinlich viele Konzerte in seinem Leben gegeben. 300 Konzerte im Jahr waren damals nichts Besonderes. Und dass die Bands jahrelang am Stück unterwegs waren, auch nicht. Jetzt lösen sie sich immer gleich bei den ersten Schwierigkeiten auf. Manchmal schon, bevor ich sie wahrgenommen habe. Aber selbst ich, der schon einige Jahre Musik macht, kenne höchstens ein paar Straßen in Ostdeutschland. Das Hermsdorfer Kreuz und so weiter. Oder das Schkeuditzer Kreuz, wo jetzt der Höffner-Klotz steht. Wenn wir mit dem Flugzeug zu unseren Konzerten fliegen, sehe ich allerdings nur ein paar Wolken. Daran kann ich mich schlecht orientieren, denn die sind am nächsten Tag schon wieder verschwunden. Richtiger Rock ’n’ Roll findet eben auf der Straße statt.

Und dann die Frauen. Bei den Stones standen die Frauen vor den Hotelzimmern der Musiker geduldig in einer Schlange an, bis sie drankamen. Das ist nicht zu fassen. In einer Schlange! So etwas ist schon rein technisch nicht mehr möglich. Jetzt muss man im Hotel die Zimmerkarte in einen Schlitz im Fahrstuhl stecken, sonst fährt der erst gar nicht los. Wie sollen die Frauen da hochkommen? Da bin ich froh, wenn ich selbst an meinem Zimmer ankomme.

Wenn man den Erzählungen Glauben schenken darf, hatte man früher als Musiker vor, während und nach dem Konzert Sex. Die Musiker strahlten das auch aus. Jedes Gitarrensolo war schon ein Vorspiel. Die Hemden waren immer bis zum Bauch aufgeknöpft. Heutzutage stehen monogame, politisch engagierte Veganer auf der Bühne, die wie zum Hohn auch noch nüchtern sind. Dafür haben sie sich mit Yoga-Atemübungen gewissenhaft auf das Konzert vorbereitet. Und mit Dehnübungen ihre Muskeln erwärmt.

Wahrscheinlich stimmt das alles nicht, und ich habe nur so eine Sicht auf die Dinge, weil ich so alt geworden bin. Mein eigenes kleines Leben hat sich wohl schon zu weit vom Rock ’n’ Roll entfernt. Falls es überhaupt je dort war. Objektiv gesehen spricht nicht viel dafür. Es hat auch niemand außer mir je wahrgenommen, dass ich mich jahrelang als Punk verstanden habe. Genau! Es liegt nicht an meinem Alter. Ich bin Punk und kein Rock ’n’ Roller. Ich weiß deshalb nicht, was Rock ’n’ Roll ist und was man da machen muss. Ich weiß auch nicht, was man als Punk machen muss, aber ich fühle mich einfach besser, wenn ich mir einrede, dass ich ein Punk bin.

[...]

Über Flake

Flake wurde 1966 in Ostberlin geboren. Er war u.a. Keyboarder der Bands Feeling B und Magdalene Keibel Combo. Seit 1994 spielt er bei Rammstein. Sein erstes Buch »Der Tastenficker« ist 2015 erschienen. Flake lebt in Berlin.

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Über dieses Buch

Flake erzählt sich selbst sein Leben – und wir dürfen zuhören.

 

»Ich trete auf das Rad des Kessels, um mich hineinzuschwingen, stelle aber wieder mal fest, dass dort kaum noch Platz für mich ist, denn da steht schon die Gasflasche für die Flammen drin. In den Boden sind Lampen eingebaut, an die ich nicht rankommen darf, weil die viehisch heiß werden. Ich habe mich bei einer Probe mal darauf abgestützt und mir dabei fürchterlich die Hände verbrannt, da blieb richtig meine Haut an dem dünnen Schutzgitter davor kleben. Es hat ganz eklig nach verbranntem Fleisch gerochen. Warum riecht es dann beim Grillen so lecker? Liegt es an dem Salz oder dem Bier? Oder an der Fleischsorte?«

 

Flake erzählt in seinem zweiten Buch wie es sein könnte, mit einer Band wie Rammstein einen Tag unterwegs zu sein.

Impressum

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

© 2017 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main

 

Coveridee: Flake

Covergestaltung: Schiller Design, Frankfurt

 

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 978-3-10-490341-5