Beschreibung

Das hat gefehlt - nicht schon wieder ein Buch aus der Feder eines Ex-Austauschschülers, der seine Erinnerungen aufbereitet, sondern ein Ratgeber vornehmlich für die Eltern, die das Highschool-Jahr in Amerika ja auch zu berappen haben. Wie bereitet man sich vor, welche sind die kostengünstigen und zuverlässigen Austauschorganisationen, was kostet der Spaß, worauf ist zu achten, welche Fallen gibt es? Darauf, und auf viele Fragen mehr, weiß die Autorin Antworten zu geben, so dass das Schuljahr in den USA oder Kanada auch ein Erfolg wird.

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Highschool USA

Als Gastschüler in Amerika

Henriette Lavalle

interconnections

Impressum

Reihe »Jobs, Praktika, Studium«, Band 43

Henriette Lavalle

Highschool USA

Als Gastschüler in Amerika

ISBN: 978-3-86040-269-6, Erste E-Bookausgabe 2016

ISBN: 978-3-86040-242-9, Buch, erste Auflage 2016

copyright interconnections Freiburg

Umschlagfotos flickr.com

wwworks/6098747006/, woodleywonderworks

rocketjim54/515263839/, jim simonson

Verlag interconnections

interconnections, Schillerstr. 44, 79102 Freiburg

Tel. +49 761 700 650, Fax +49 761 700 688

[email protected]

www.interconnections.de, www.interconnections-verlag.de

www.reisetops.com

Inhalt

Inhalt

Amerika

Einleitung

Erste Schritte

Sprachreise als Probefahrt

Überlegungen

Programmwahl

Gegenüberstellung: Anbieter – Eigene Planung

Innere Einstellung

Voraussetzungen

Krankheiten und Einschränkungen

Planungsbeginn

Reiseziel / Wunschland

Informationsabende

Nützliches Vokabular

Veranstalter gesucht!

Bewerbungsunterlagen

Bewerbungstipps

Bewerbungsgespräch

Checkliste Bewerbungsgespräch

Gruppenauswahl

Lehrergutachten

Wahl der Organisation

Versicherungen

Finanzielles

Unterschiedliche Programme

Stipendium

BAföG

PPP – Parlamentarisches Patenschaftsprogrammü4

Weitere Geldquellen

Weitere Ausgaben

Rund um die Agentur

Vorläufige Zusage

Elternbrief

Selbstbeschreibung

Sprachtest

Gesundheit

Impfungen

Zahnarzt

Formalitäten

Abmeldung

USA-Visum

Vokabeln zum Visum

Persönliche Vorbereitung

Auf ins Ungewisse

Allgemeinwissen

Eigenes Gastkind?

Rund um die Agentur

Partnerorganisation

Vorbereitungsseminar

Weitere Seminare

Erstkontakt, Abschied, Abreise

Suche nach der Gastfamilie

Endlich eine Gastfamilie!

Abschied

Gepäck

Flug

Und die Eltern?

Leben in der Gastfamilie

Eingewöhnung

Mails aus Amerika

Probleme mit der Gastfamilie

Kontakt zu Familie und Freunden

Traumjahr? Na ja …

Rund um Amerika

USA

Alltag und Freizeitgestaltung

Reisen im Gastland

Andere Lebensweise

Religion

Kreationismus

Sex, Drugs and Rock 'n' Roll

Schulsystem

Allgemeines zur Highschool

Rückkehr

Anbieter USA

Amerika

Einleitung

Zur Neuauflage

Knapp 14.000 Jugendliche nahmen im letzten Schuljahr an einem Auslandsaufenthalt mit Besuch einer öffentlichen Schule über einen deutschen Veranstalter teil. Dazuzurechnen sind noch Privatschulprogramme, Austausche über die Rotarier oder staatliche Austauschprogramme bzw. andere langfristige und privat organisierte Auslandsaufenthalt mit Schulbesuch. So schätzt man insgesamt eine Schülerzahl von knapp 18.000. Das ist eine beachtliche Zahl. Die Nachfrage ist also ungebrochen, insbesondere was die USA als klassisches Gastschulland betrifft.

Dieses Buch ist eine überarbeitete und aktualisierte Fassung von „Highschool USA & Kanada mit alternativen Austauschprogrammen“.

Verfasst wurde es usprünglich von einer Gastmutter, Anke Peters, sowie ihrer Tochter Johanna. Natürlich gingen auch weitere Erfahrungen von Eltern und anderen Schülern in das Buch ein.

Es handelt sich nicht nur um einen persönlichen Bericht, sondern um einen umfassenden Ratgeber für alle Interessierten. Der teils persönliche Stil wurde aber beibehalten.

Der Verlag wünscht allen Schülern, Eltern sowie anderen Beteiligten viel Erfolg beim großen Abenteuer in Amerika.

Zur Erstauflage

Ein Highschooljahr in Amerika ist der Traum vieler Schüler. Wie gehen die Eltern damit um: Amerikaaufenthalt ja oder nein?

Steht diese Frage an, so drängt bereits die Zeit zur Entscheidung, denn die Umsetzung ist nur zu bestimmten Schulzeiten oder Schuljahren möglich. Ferner darf niemand glauben, dass eine Organisation nur auf einen Schüler oder eine Schülerin gewartet hätte. So ist es nicht. Wer wirklich in die USA will, hat einen schwierigen Weg vor sich.

In der Familie werden Zweifel und Unsicherheit herrschen: "Diese Reise ist viel zu teuer", "So was haben wir früher auch nicht gemacht, und aus uns ist trotzdem etwas geworden", "Du hast doch viel zu schnell Heimweh, und was machen wir dann?", "Die Oma ist doch so krank" etc.

Doch irgendwann nimmt das Vorhaben Form an, die ersten Dokumente werden gesichtet und ausgefüllt.

Selbstverständlich hat solch eine "Bildungsreise" auch mit Geld zu tun. Wer keinen Cent auf der Naht hat, bekäme sicher Schwierigkeiten, weil ein wenig Geld vorzustrecken ist. Während der Lektüre zur richtigen Vorbereitung des Auslandsbesuches prüfe man, ob und wie einige tausend Euro vorzufinanzieren sind. Zwar gibt es Fördermittel, die aber erst kurz vor der Reise oder während des Aufenthalts ausgezahlt werden.

Der Weg nach Amerika ist steinig, die Eltern werden einige Nächte mit Grübeln verbringen, ob das alles nicht eine Nummer zu groß für die eigene Familie ist. Das ist normal und ebnet den Weg, das eigene Kind für drei, fünf oder zehn Monate fortzulassen.

Zu bedenken ist auch, dass sich der Gastschüler nach dem Aufenthalt weiterentwickelt hat. Er wird mit Schwierigkeiten besser fertig, ist selbstständiger und hat Freunde gewonnen. Das Programm betrachte man als eine Investition in die Zukunfts. Noch ein Hinweis: die Rückkehrer bekundeten fast immer, dass sie nach dem Auslandsaufenthalt wesentlich besser mit ihren Eltern zurechtgekommen seien. Das sind doch tolle Aussichten!

Dieses Buch soll Eltern also die Entscheidung erleichtern und sie bei der Bewerbung sowie der Zeit während des Highschool-Jahres beraten.

Hinweis: Die angeführten Internetseiten ändern sich ständig, auch die Programme. Daher bitte immer alle Angaben gut überprüfen.

Übrigens: Im Wort „Schüler“ sind natürlich beide Geschlechter eingeschlossen.

Viel Spaß dabei!

Henriette Lavalle

PS:

Für Hinweise, Tipps etc. sowie Erfahrungsberichte für die nächste Auflage sind wir dankbar. Kontakt über

[email protected], Betreff: Highschool

Erste Schritte

Sprachreise als Probefahrt

Öffne dein Herz und gehe hinaus in die Welt ... Diesen Spruch hat unsere Tochter anscheinend etwas zu ernst genommen, denn kurz vor ihrer Konfirmation entschied sie sich für eine Sprachreise nach Spanien. Da klar war, dass sie Geld zu diesem Fest erhalten würde, plante sie, es dazu auszugeben.

Wir sind eine ganz normale Familie, ein Vater, eine Mutter, eine zwölfjährige Tochter Leonie, eine größere, zu dem Zeitpunkt dreizehnjährige Johanna, eine Katze und ein Hund. Wir leben zwar nicht bescheiden, aber auch nicht in Saus und Braus, eigentlich ganz normal. Wie viele andere Familien wundern wir uns am Monatsende, wo das ganze Geld abgeblieben ist. Es wäre uns nicht möglich gewesen, diese Reise ohne vorhergehende Konfirmation zu finanzieren. Schließlich gibt es ja eine weitere Tochter, die sicher ebensolche Ansprüche anmelden möchte.

Damals haben wir noch nicht gewusst, dass dieser Ausflug der Anfang eines Highschooljahres würde. Diese Reise war sozusagen die Probefahrt ins Ungewisse, eine Feuertaufe, weder Eltern hintendran noch Freundin. Bereits in diesem Lebensabschnitt zeichnete sich ab, dass Johanna keine Schwierigkeit hatte, sich auf Reisen vorzubereiten, sich zu bewerben oder sich entsprechend vorzustellen, ein positives Zeichen: Die Tochter wurde groß; die Erziehung trug Früchte.

Der Spanischlehrer verfaßte eine positive Beurteilung und befürwortete die Sprachreise, eine Beruhigung für uns, denn meint eine Lehrkraft, der Jugendliche sei noch nicht reif genug, so ist das zu beherzigen.

Erst im Nachhinein haben wir erfahren, dass die Teilnehmerinnen der Sprachreise in Spanien in einem 16-Betten-Raum untergebracht waren, in einer einsamen Jugendherberge, wo die Verpflegung eher bescheiden war. Davon haben wir am Telefon während der Reise nichts vernommen. Unsere Tochter hat diese Probe mit Bravour bestanden. Dieser Aufenthalt zeigte schon, dass sie bereit war, sich mit fremden Menschen sowie fremden und ungewohnten Kulturen zu arrangieren.

Hinweis für Eltern: Den Jugendlichen beobachten und die eigene Ehrlichkeit prüfen. Es bedarf einer gewissen Offenheit, aber auch der Fähigkeit, andersartige Gewohnheiten "auszuhalten". Der Schüler ist im Ausland nur Gast, was vom Jugendlichen eine sehr erwachsene Haltung fordert. Eine wichtige Voraussetzung bei einem Jahr in Amerika, wo die Regeln Jugendliche betreffend ungewöhnlich streng sind.

Die Probefahrt zeigt auch, ob der Sprössling heimwehresistent ist oder mit dem Heimweh wenigstens leben kann. Empfindliche Jugendliche belaste man besser nicht mit einem zehnmonatigen Aufenthalt. Dabei geht es nicht nur um etwaiges Heimweh sondern auch darum, ob die Eltern diese Situation aushalten.

Nützliche Adressen

Um dem Jugendlichen einen ersten Auslandsaufenthalt zu ermöglichen, prüfe man die Angebote diverser Veranstalter wie z.B.:

Offährte, offaehrte.de, Travelworks, travelworks.de, Kolumbus Sprachreisen, kolumbus-sprachreisen.de und viele weitere.

Überlegungen

Unsere Tochter ist wieder da, braungebrannt und ziemlich abgemagert. Aber das hat sie gern in Kauf genommen, denn es hat ihr gefallen. Nach dieser Erfahrung setzte sich das Amerikavirus noch besser fest. Wie genau dieser Aufenthalt aussehen oder wie lange er dauern sollte, war noch unklar.

Hier noch einmal zur Verdeutlichung für die Eltern: Am besten erst nach einer Probefahrt weiterplanen. Einmal erst in Amerika können die Schüler meist nämlich nicht besucht werden. Die Veranstalter raten in der Regel auch dringend davon ab. Tägliche Telefonate sind ebenfalls nicht möglich und keinesfalls gestattet, aber es gibt ja Skype ... Zwar fördert z.B. das BAföG-Amt einen Transatlantikflug zwischendurch, aber davon wird abgeraten, weil es das Heimweh sicherlich anfachen würde. Daher sind Anbieter zu bevorzugen, die den Eltern regelmäßig (alle ein oder zwei Monate) einen Bericht über das Befinden des Schülers schicken. Noch wichtiger: Elternabende während des Jahres!

Länge

Hier sollten bereits Überlegungen zur Dauer des Aufenthalts stattfinden, d.h. ob dieser drei, fünf oder zehn Monate währen soll. Man lasse sich nicht täuschen: Selbst Aufenthalte von wenigen Monaten sind nicht billig. Hingegen liegt die finanzielle Belastung bei einem zehnmonatigen Auslandsaufenthalt nicht viel höher als bei einem fünfmonatigen, weil Vorbereitungen und Verwaltungsvorgänge, also bestimmte Grundkosten, fast gleich sind.

Drei oder fünf Monate bieten sich natürlich an, wenn man die Schule unbedingt ohne Wiederholung eines Jahres wieder besuchen möchte. Viele Gastschüler berichten jedoch, froh zu sein, sich für einen zehnmonatigen Aufenthalt entschieden zu haben. Die ersten Monate, in denen sich der "Fremde" einlebt, sind nämlich die schwersten. Hat man sie hinter sich gebracht und fühlt sich in der neuen Heimat gerade so richtig zu Hause, soll man schon wieder abreisen? Angesichts dessen erscheinen vielen Gastschülern selbst fünf Monate zu kurz.

Kosten

Besonders finanziell weniger gutgestellte Eltern sollten sich vor Augen führen, dass der Aufenthalt mehr kostet als der bloße Preis des Reiseveranstalters. Neben dem Taschengeld kommen Ausgaben für Telefonate, Pakete, Reisen im Land etc. hinzu, die anfangs oft nicht eingeplant sind. Erst einmal in Amerika angekommen, wird es sich der Schüler nicht nehmen lassen, dies oder jenes zu kaufen oder kleine Reisen (z.B. mit Freunden) zu unternehmen, denn: "Wann habe ich wieder die Gelegenheit dazu?" Daher ist zu den Kosten des Anbieters unbedingt noch einiges hinzuzurechnen. Kleidung und Schuhe kosten zwar nicht mehr als hier, aber es sind eben insgesamt hohe Beträge, die in kurzer Zeit anfallen. Zumal ja auch einige Impfungen, das Visum etc. zuvor aus eigener Tasche bezahlt werden mussten.

Im ersten Monat im Lande können die Ausgaben durchaus gut über tausend Dollar liegen; auch wenn der Schüler das Geld nicht zum Fenster hinauswirft, sondern es in sinnvolle Dinge investiert: Kleidung, Fahrkarten, Schulzeug etc.

Zeitpunkt und Anerkennung

Kommt die Idee zu einem Highschooljahr auf, steht ein Gespräch mit der Schule an. Diese muss entscheiden, ob der Schüler die Klasse im Ausland absolvieren kann (in Bezug auf die Fähigkeiten) und darf (in Bezug auf seine Zuverlässigkeit). Die Lehrer werden sich beraten und auf der nächsten Schulkonferenz darüber befinden. Damit weiß die Schule bei positiver Entscheidung, dass der Schüler fortgeht.

Auf jeden Fall ist zu bedenken, dass man zur Teilnahme am Programm mindestens 14, höchstens 18 1/2 Jahre alt sein darf.

In Deutschland ist eindeutig festgelegt, dass "ein Auslandsjahr bis zur Gesamtdauer eines Jahres auf den Bildungsgang angerechnet werden kann, wenn entsprechende Leistungen nachgewiesen werden und die erfolgreiche Fortsetzung des Bildungsgangs erwartet wird". Dies bedeutet im Klartext, wer gute Leistungen vor dem Auslandsjahr hatte, kann teilnehmen und bekommt diese auswärtige Schulzeit angerechnet, muss also das Schuljahr nicht noch einmal wiederholen. Das bedeutet allerdings auch, dass zum Beispiel BAföG-Leistungen nur in Frage kommen, wenn der Schüler das Jahr offensichtlich nicht wiederholen muss. Ist er nicht gut genug in der Schule und ist eigentlich klar, dass er das Schuljahr nach seiner Rückkehr wiederholen muss, wird nicht gefördert.

An achtjährigen Gymnasien ist das Abenteuer quasi nur in der 10. Klasse möglich, allerdings aufgrund der verkürzten Schulzeit mir enormen Druck verbunden. Der Schüler geht nach der 9. Klasse ins Ausland, wechselt nach seiner Rückkehr direkt in die 11. Klasse. Selbstverständlich muss zur Anerkennung nachgewiesen werden, dass der Schüler im Ausland den Regeln gemäß zur Schule gegangen ist.

Bei Gesamtschülern ist die Sache denkbar entspannter. Man fährt nach der 10. Klasse und besucht somit die 11. Klasse im Ausland.

Obacht: Die BAföG-Förderung hängt an diesen gesetzlich vorgesehenen Zeitfenstern. Wer als G8-Schüler nach der 10. Klasse ins Ausland geht, erhält keine Förderung, ebenso ein G9-Schüler, der nach der 11. Klasse ins Ausland geht.

In Österreich und der Schweiz lässt sich der Zeitpunkt des Highschooljahrs nicht eindeutig bestimmen. Beide Länder weisen viele verschiedene Schulformen, Schulansätze und Strukturen auf. Jede Schule ist anders als die des Nachbarortes, und über längere Distanzen sind Vergleiche kaum mehr möglich. Daher gilt für österreichische und schweizerische Schüler stets die Absprache mit der Schule, wann und wie lange ein Auslandsaufenthalt für den einzelnen Schüler möglich ist. Dies muss individuell entschieden sein, bevor (!) der Schüler sich bewirbt.

Nützliche Adressen

www.gastschuljahr.de

www.ice.gov/sevis

Programmwahl

Im Grunde handelt es sich bei einem Aufenthalt den USA ja um keinen Austausch, da kein Kind der Gastfamilie gleichzeitig bei einer Familie hier wohnen würde. Daher sprechen wir von Gastschülern und von Organisationen bzw. Veranstaltern und Anbietern etc., statt von Austauschschülern und Austauschorganisationen.

Künftigen Gastschülern in den USA bleiben zwei Möglichkeiten:

Bewerbung bei einem Programm mit Highschoolbesuch, mit oder ohne Gastfamilienanschluss (die könnte man auch selbst suchen). Eine Bezahlung der Gasteltern ist nicht üblich.Bewerbung bei einem Programm mit Besuch einer Privatschule, mit entsprechenden Kosten. Die Unterbringung erfolgt im Internat oder in einer Gastfamilie.

Hier stellt sich die Frage, ob die Dienste eines Veranstalters überhaupt in Anspruch genommen werden sollten. Manche stellen ganze Listen von Schulen ins Internet, so dass so mancher auf den Gedanken verfallen könnte, sie doch gleich zu kontaktieren (Advised Studies). Kann man also die Highschool nicht auch längere Zeit besuchen, ohne an den Vermittler gebunden zu sein? Ja, das geht natürlich auch. Aber dann lauern viele Gefahren und Fallstricke. Um die Entscheidung zu erleichtern hier eine Gegenüberstellung beider Möglichkeiten, sodass jede Familie überlegen kann, ob sich der Mehraufwand der eigenständigen Planung lohnt. Besonders wenn die Familie nicht weiß, worauf sie sich einlässt, kann die Vorbereitung nämlich schnell zur Quälerei werden.

Gegenüberstellung: Anbieter – Eigene Planung

AspektAnbieterPrivate DurchführungKostenCa. 7500 bis 9500 Euro (USA).Abhängig von Schule, Flugticket, Gastfamilie u.a. Faktoren. Keine Kosten f. Veranstalter, doch die Schulkosten können über denen eines Vermittlers liegen. Insgesamt also ev. höhere Kosten als bei Agenturen.ZeitaufwandHoher Zeitaufwand, aber der Teilnehmer und seine Eltern erhalten genaue Anweisungen, was wann zu erledigen ist. Geschätzter Zeitaufwand für Gespräche und Briefverkehr: 30 Stunden.Immenser Zeitaufwand, denn es gilt, sich um das Aufenthaltsrecht, die Suche nach einer Gastfamilie, einer Schule, Flügen und ums Visum zu kümmern. Fallstricke allenthalben, da viel zu beachten ist. Man beginne auf jeden Fall früh wegen zeitraubender Vorbereitung.Sicherheit

Seriöse Veranstalter haben Notrufnummern und einen Ansprechpartner im Heimatland und in den USA.

Zudem besteht ein Rücktrittsrecht bei unseriösen Machenschaften.

Ohne verlässliche Verwandtschaft oder Bekannte in Amerika ist der Aufenthalt mit Unsicherheiten belastet.VisumDie Vermittler stellen Unterlagen zur Beantragung eines Visums zur Verfügung. Durchführung und Abholung obliegen der Familie.Die Familie bemüht sich selbst um alle Visumsfragen. Gelegentlich wird es dem Schüler jedoch verweigert, wenn keine Organisation im Hintergrund und als Ansprechpartner existiert.SchuleDie Agentur sorgt für eine Schulaufnahme in Amerika.Die Bewerbung bei den Schulen obliegt dem Schüler bzw. seinen Bekannten in Amerika.FlugDer Veranstalter sorgt für den Flug. Der Schüler erhält vor dem Abflug ein Flugticket, braucht sich quasi um nichts zu kümmern.Eigenrecherche kann zu niedrigeren Flugkosten führen, manchmal aber auch zu höheren, gerade bei mehreren Zwischenstopps.GastfamilieDer Anbieter sorgt für eine passende Gastfamilie. Findet er nicht sofort eine, so lebt der Jugendliche zuerst in einer "welcome family".Suche durch Schüler bzw. Familie. Praktisch, wenn er Verwandte oder Freunde in vorhanden sind. Andernfalls Vorsicht, denn einige Familien sind auf Geld aus. Dann würden die Rahmenbedingungen nicht stimmen.VorbereitungEin seriöser Vermittler bereitet gründlich auf das Abenteuer vor, um Fettnäpfchen und Konflikten vorzubeugen und den Jugendlichen zu stärken.Bücher und andere Quellen helfen bei der Einstimmung auf Amerika. Hilfreich ist die Bekanntschaft mit ehemaligen Gastschülern, die ebenfalls bei der Vorbereitung unterstützen.NachbereitungSeriöse Agenturen kümmern sich um eine Nachbereitung, damit der Rückkehrer sich besser wieder einfinden kann.

Innere Einstellung

Soll ich tatsächlich reisen? Was ist richtig und was falsch? Wie wird man von der Umwelt beraten und "geimpft". Schwankt man eher, oder weiß man schon ganz genau was man möchte?

Um zu einem Entschluss zu kommen, sollte man sich etwas Zeit nehmen und einmal prüfen, wie viel Rückhalt man hat, also mit wie vielen positiven Gedanken man aufbrechen kann. Wichtig ist dabei Ehrlichkeit gegenüber sich selbst, denn wenn man solch eine Reise nur unternimmt, um man "mal wegzukommen", Abstand zu den Eltern bekommt oder vor dem Mobbing in der Klasse flieht, wird dies nun deutlich. Das Fazit wäre: Ein Auslandsaufenthalt ist dann nicht das Richtige, denn ein vorzeitiger Abbruch könnte schnell eintreten.

Daher notiere man die Reaktionen aller Nahestehenden (Familie, Freund, Nachbarn …) auf die Idee. Ermuntern einen z.B. die Großeltern oder andere Verwandte dazu, oder sind sie skeptisch eingestellt? Danach schaue man sich die Aufzeichnungen genau an. Es ist normal, dass nicht alle Menschen, die einem lieb und teuer sind, die Idee unterstützen. Man sollte aber genau prüfen, ob man mit den negativen Meinungen leben kann, auch wenn man im Gastland angekommen ist. Dann könnten diese nämlich plötzlich schwerer wiegen und suggerieren, dass die Entscheidung falsch war. Man kann diese Meinungen nicht ändern, aber eine Auseinandersetzung mit ihnen VOR der Reise macht einen stärker.

Hat man die Lage ein wenig sondiert, frage man sich erneut: Was will ich? Habe ich mich bei einer Entscheidung (ob für die Reise oder gegen sie) von jemandem beeinflussen lassen, oder hat tatsächlich mein Bauch entschieden? Die wichtigste Frage, die man sich vor der Entscheidung zum Aufenthalt stellt, ist tatsächlich die: Will ich das überhaupt?

Eine weitere wichtige Frage ist: Kann ich tatsächlich so lange auf meine Familie und Freunde, auf mein gewohntes Leben verzichten?

Elternwunsch

Immer wieder bestehen Differenzen zwischen den Wünschen des Schülers und denen der Eltern. Häufig sehen Eltern in einem Auslandsaufenthalt eine tolle Chance, der Schüler aber nicht.

Hier ein Beispiel:

Schüler: Meine Eltern wollen, dass ich ins Ausland gehe, weil ich im Moment nicht so gut in Fremdsprachen bin. Ich denke, sie wollen auch, dass ich mal schätzen lerne, wie gut es mir eigentlich zu Hause geht. Und ein wenig Abstand ist ja auch sinnvoll. Naja, zehn Monate gehen schnell rum. Nun frage ich mich nur, wie ich es möglichst einfach schaffe, angenommen zu werden.

Eltern: Unser Junge ist so ein schlauer Bursche, aber er tut einfach zu wenig in der Schule. Besonders in den Fremdsprachen ist er wieder abgesackt. Nun haben wir gelesen, dass ein Auslandsaufenthalt tolle Erfolge erzielen kann. Natürlich werden die Sprachkenntnisse besser, außerdem die Selbstständigkeit und Zukunftsaussichten. Wir würden ihm den Aufenthalt gern finanzieren und überlegen, wie wir ihn in das Programm bekommen. Auch wenn er im Moment noch keine Lust hat, wird er es später gut finden, diese Chance genutzt zu haben.

Man hüte sich davor, den elterlichen Wunsch, der Nachwuchs möge ins Ausland gehen (oder gar den eigenen Wunsch nach einem Auslandsaufenthalt), mit dem des Jugendlichen zu verwechseln. Um überhaupt in die nähere Auswahl zu kommen, braucht der Jugendliche einen dauerhaften Durchhaltewillen. Eine durch den Wunsch der Eltern entwickelte "Zwangshaltung" kommt bei den vielen Bewerbungstests sowieso heraus. Zudem tut man dem Jugendlichen keinen Gefallen damit. Die Reise ist in diesem Fall kein Weg, um in der Schule besser oder erfolgreicher zu werden. Viele Schritte muss der Schüler im Hinblick auf die Reise nämlich allein bewältigen. Macht er dies nicht, nicht richtig oder zu spät, so kann er nicht teilnehmen. Widerwillige junge Menschen werden nicht angenommen bzw. vorher wieder ausgegliedert.

Schon die Idee zu einem Auslandsjahr sollte vom Jugendlichen kommen. Selbst wenn die Eltern sämtlichen Schriftkram erledigen, wird die Differenz beim Vorbereitungsseminar deutlich. Denn wer keine Lust zu der Reise hat, wird sich hier nicht engagieren. Und selbst wenn sich der Schüler hier verstellt hätte und niemand etwas merkte, würde er sich um Gastland danebenbenehmen. Dann darf er nach Hause fahren.

Das gesamte Konzept des Programms liegt in dem Bemühen des Jugendlichen. Wollen es nur die Eltern, hat es keinen Erfolgswert!

Motivation

Ein Gastschüleraufenthalt ist kein Urlaub in einem Hotel mit Vollpension. Er führt auch nicht immer in angesagte Gegenden wie Florida oder Kalifornien oder auf die flippigste Highschool Amerikas. Daher sollte man rechtzeitig die eigene Motivation klären. Will ich einige Zeit die Seele baumeln lassen, will ich bloß mal was von der Welt sehen – oder will ich mich tatsächlich in eine Familie integrieren, mit allem, was dazugehört?

Künftige Gastschüler sollten sich vor Augen halten, dass das Familienleben im Ausland ebenso mit Schwierigkeiten behaftet ist wie zu Hause. Gasteltern sind nicht besser als die eigenen Eltern, nur anders. Das gilt ebenso für Schule, Mitschüler und Freunde. Das Leben im Ausland ist sicher eine aufregende Erfahrung, doch sollte man beim Träumen nicht die Wirklichkeit vergessen. Es erwarten einen ebenso Durststrecken, Durchhänger, Enttäuschungen, Traurigkeiten etc. wie zu Hause. Kann man sich darauf einstellen und damit klarkommen – prima. Kann man jedoch schon zu Hause selbst kleine Probleme und Kummer nicht bewältigen, sollte man sich besser für keinen Auslandsaufenthalt entscheiden.

In dem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob man nur der Sprache wegen verreisen möchte oder ob man sich tatsächlich für die Kultur interessiert. Wer bloß möglichst rasch und leicht seine Englischkenntnisse aufpolieren möchte, sollte sich für eine Alternative entscheiden, z.B. eine Sprachreise, einen Intensivkurs oder einen Internatsbesuch im Ausland. Bei einem Highschooljahr spielen wesentlich mehr – und wichtigere – Dinge eine Rolle als die Sprache.

Ebensowenig sollte man nach Amerika reisen, weil es "in" ist oder weil man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten endlich hautnah erleben möchte. Das ist nicht der Sinn eines Aufenthaltes in einer Gastfamilie.

Wer nicht der Kultur und der Gastfamilie wegen verreist, sollte sich besser für ein anderes Programm entscheiden. Im zweiten Teil des Buches finden Leser viele Hinweise zu weiteren Aufenthaltsmöglichkeiten (für längere und kurze Zeit).

Scheitern?

Ehemalige Gastschüler berichten oft voller Euphorie von ihrem Aufenthalt. Liest oder hört man ihre begeisterten Berichte, erscheint das Leben eines Gastschülers gradezu traumhaft zu sein. Doch leider gibt es auch die Kehrseite der Medaille; ein Gastaufenthalt kann ebensogut zum Albtraum werden. Das muss nicht am Veranstalter liegen, sondern kann auch durch ein ungünstiges Zusammentreffen der Umstände passieren. Hat sich der Reisewillige auch mit dieser Möglichkeit auseinandergesetzt?

Voraussetzungen

Möchte ein Schüler die Chance des Auslandsaufenthaltes wahrnehmen, bemühe er sich rechtzeitig um einen entsprechenden Platz. Nicht nur auf die Rahmenbedingungen des Anbieters sollte genau geachtet werden. Auch die persönlichen Voraussetzungen müssen passen. So gehört zu den notwendigen Eigenschaften: eine Portion Mut, Intelligenz, Aufgeschlossenheit, die Fähigkeit, Kompromisse zu finden und Lösungen zu suchen, statt Probleme zu sehen. Nicht so gut eignen sich Jugendliche, die schnell aus der Haut fahren und sich mit wenig Geduld durch das Leben schlagen.

Bewerber benötigen folgende Fähigkeiten:

Verfassen von BewerbungenFühren von BewerbungsgesprächenDurchhaltewillen beim Ausfüllen von BewerbungsunterlagenDen Willen zu etlichen Tests und Senimaren

Erforderlich ist zudem persönliche Reife, d.h.:

Selbstständiges DenkenOffenheit gegenüber Fremden, Offenheit für neue ErfahrungenFlexibilitätNeugierFähigkeit zur SelbstkritikToleranz gegenüber NeuemDie Fähigkeit, Probleme zu erkennen und Lösungsstrategien aufzustellenDie Fähigkeit, das eigene Land zu vertretenInteresse, Kommunikationsfähigkeit, KontaktfreudeEhrlichkeitSozialverträgliches Verhalten, auch in unangenehmen SituationenAkzeptanz von Regeln, auch von ungewohnten, unbequemen und solchen, deren Grund man nicht einsiehtAufgeschlossenheit gegenüber der neuen UmgebungMotivation zum Erfüllen der gestellten AnforderungenAnpassungsfähigkeit, auch wenn es Selbstüberwindung kostetKompromissbereitschaft und Toleranz

Einige Organisationen machen die Aufnahme von einem bestimmten Notendurchschnitt abhängig. Doch nicht nur aus dem Grund darf der Jugendliche in den letzten Monaten zwischen Bewerbung und Reisebeginn auf keinen Fall in der Schule abfallen. Die Highschool erhält nämlich das letzte Zeugnis und würde den Schüler mit einer 5 nicht mehr aufnehmen, die Reise wäre abzusagen. Kostenerstattung ist fraglich.

SprachkenntnisseGenerell wünschenswert, aber in keiner Weise ein Auswahlkriterium. Natürlich wird durch akzeptable Sprachkenntnisse der Eingewöhnungsprozess deutlich beschleunigt, der Kulturschock beträchtlich gemindert und auch der Kontakt zu "potenziellen Freunden" und Mitschülern wird um einiges erleichtert, doch habe ich in den letzten Jahren viele Gastschüler in Deutschland und auch ehemalige deutsche Gastschüler kennengelernt, die ohne große Sprachkenntnisse in ihr Jahr gestartet sind und ein tolles Auslandsjahr erlebt haben. Im Normalfall hat man spätestens nach zwei Wochen die Scheu zu sprechen verloren, und nach ungefähr zwei Monaten kann man sich selbst als Sprachanfänger annehmbar in der fremden Kultur mitteilen. Nils

Erwartungen

Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die, möglichst keine unrealistischen Erwartungen an das Jahr zu stellen. Sicher wünscht man sich eine spannende, aufregende, glückliche Zeit. Dieser Wunsch sollte jedoch nicht an Bedingungen gekoppelt sein. Wer z.B. unbedingt in eine Großstadt in Florida reisen möchte, beraubt sich der Chance, sich auch in einer Kleinstadt im Norden pudelwohl zu fühlen. Wer unbedingt zu einer Gastfamilie mit zwei Kindern ziehen möchte, findet es furchtbar, bei einer alleinstehenden Rentnerin zu landen – obwohl sich der Gast bei ihr vielleicht ebenso wohl oder noch wohler fühlen wird.

Daher: Keine Erwartungen stellen, sondern sich einfach überraschen lassen. Oft erweist sich gerade das als Glücksgriff, was man früher für das Schrecklichste hielt.

Anpassungsbereitschaft

Häufig urteilen Menschen über die Handlungen von Fremden, ohne sich mit dem Hintergrund auseinandergesetzt zu haben. Das sollte einem Gastschüler nicht passieren, denn fremde Kulturen sind nicht besser oder schlechter als die eigene – bloß anders. Gastschüler benötigen eine gewisse Offenheit und Anpassungsfähigkeit gegenüber Ungewohntem und Merkwürdigem. Dabei sollte man sich einer Wertung enthalten, denn keine Gastfamilie möchte sich gern von dem Neuling belehren lassen. Und bei all seinem Ärger und seinen Verbesserungsvorschlägen wird der Gast die Kultur nicht ändern. Zudem hat er sich ja selbst auf das Abenteuer eingelassen.

Viele Konflikte entstehen aus mangelnder Toleranz und Anpassungsfähigkeit. Das ist schade, denn schließlich wollten die Gastschüler eine fremde Kultur kennenlernen. Es ist paradox, dass sie dabei oft nicht die erforderliche Anpassungsbereitschaft mitbringen. Daher sollte man sich wirklich (rechtzeitig) fragen: Möchte ich tatsächlich der Kultur wegen den Sprung über den Atlantik wagen – oder nur der Sprache wegen und weil es eben "cool" ist, dort zu sein?

Hier hilft es, den eigenen Tagesablauf mal aufzuschreiben. Wie wichtig ist mir dieser Ablauf? Kann ich mich problemlos an einen anderen Alltag gewöhnen? Welche Dinge sind mir im Alltag besonders wichtig (z.B. eine halbe Stunde abends für mich)?

Als "praktische Übung" kann der Gastschüler mal eine Woche lang in der Familie eines Freundes / einer Freundin wohnen. Dabei zeigt sich schon recht deutlich, wo man noch an der Anpassungsbereitschaft feilen sollte, und in welchen Punkten man mit der Umstellung keine Probleme hat.

Stärke

Eine gewisse Selbstständigkeit und Stärke sind wichtig, denn im Gastland ist man (zumindest innerlich) schon mal auf sich allein gestellt. Das Einleben an einer neuen Schule bereitet mitunter Probleme, wenn man z.B. nicht so rasch Anschluss findet oder öfter Kurse wechseln muss. Fühlt der Jugendliche sich dann auch noch in der Familie nicht wohl, wird die Stressresistenz auf die Probe gestellt.

Benehmen

Bekanntlich sind Menschen verschieden, so auch Jugendliche. In Familien mit mehreren Kindern fragt man sich manchmal, wie diese bei gleichen Eltern so unterschiedlich sein können. Die eine Tochter geht ohne perfekt geschminktes Gesicht nicht aus dem Haus, hat stets vier Freunde an der Hand und weiß über jedes "must have" Bescheid. Die andere erscheint eher etwas langweilig, bodenständig, freundlich, höflich und durchschnittlich. Trotzdem haben sie dieselben Eltern.

Die obige Beschreibung soll den Blick auf das Pubertätsverhalten der Jugendlichen schärfen. In Amerika gelten strenge Benimmregeln. Jugendliche werden dort eher als Kinder behandelt, denen man eben strenge Regeln angedeihen lässt, weniger als Erwachsene. So ist es nicht üblich, dass sich Mädchen und Jungen öffentlich in trauter Zweisamkeit zeigen. Auf gar keinen Fall begeben sich Mädchen und Jungen hinter geschlossene Zimmertüren. Also ist es höchst wichtig, dass sich der Schüler dem Lebensstil der Gastfamilie anpasst und sich auf andere Gewohnheiten einstellt. Im Gastland steht die Gemeinsamkeit der Familie an erster Stelle. Diese Regeln hat der Jugendliche dort einzuhalten, denn ein Verstoß wird teuer. In den Vertragsunterlagen steht Schwarz auf Weiß, dass sich der Jugendliche zur Einhaltung der Regeln bereit erklärt; andernfalls kann er auf eigene Kosten zurückexpediert werden. Nicht nur das: Fördermittel von Schule oder einer anderen Behörde sind dann mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erstatten.

Unsere Worte nehme man sich zu Herzen. Wenn Nichteinhalten von Verabredungen, Zuspätkommen oder wechselnde Turteleien des Jugendlichen in regelmäßiger Reihenfolge auftauchen, wäre es möglich, den Auslandsaufenthalt frühzeitig zu beenden.

Krankheiten und Einschränkungen

Gesundheit

Jeder Mensch hat die eine oder andere Einschränkung, was kein Hinderungsgrund für eine Reise bedeutet. Besonders Tierhaar-Allergien oder ein Ausschlag sind keine schwerwiegenden Gesundheitsprobleme. Allerdings berücksichtige man sie bei der späteren Auswahl der Gasteltern, bei denen Felltiere nach Möglichkeit nicht gehalten werden sollten.

Bei schwerwiegenden Problemen wie einer Herzerkrankung, einer vorhergehenden Leukämie oder einer Lähmung prüfe man gemeinsam mit dem Arzt, ob ein Nordamerika-Aufenthalt infrage kommt. Zu bedenken ist auch, dass der Schüler dort sehr auf sich allein gestellt ist, denn in den meisten Fällen arbeiten beide Gastelternteile ganztags.

Hier möchten wir an Eltern appellieren, da der Jugendliche gesundheitliche Einschränkungen evtl. schnell vom Tisch wischt. Das akzeptiere man auf keinen Fall. Sonst trudeln später vielleicht Woche um Woche Meldungen über Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte etc. ein, ohne dass jemand etwas dagegen tun kann. Daher bleibe man vernünftig und frage sich ernsthaft, ob der körperliche Zustand des Jugendlichen einwandfrei ist bzw. ob er mit den auftretenden Problemen umzugehen weiß.

Im Vordergrund steht die Frage, wie der Schüler mit seiner Krankheit umgeht. Ist er in der Lage, auch Krisen in Bezug auf die Einschränkung zu überstehen? Hier ein paar Beispiele:

Fall: Ein Jugendlicher mit Diabetes hat rund um seine Erkrankung besser Bescheid zu wissen als sein Arzt. Da die Ernährung in Amerika anders ist als hier, muss er wissen, wie bei Entgleisungen zu verfahren ist. Außerdem teile er sich mit, wenn er Hilfe oder ein bestimmtes Medikament benötigt. Bestehende Unsicherheiten sind jetzt noch zu beheben.

Fall: Der Jugendliche leidet unter einer manchmal auftretenden Hyperventilation. Durch die Umstellung oder Verunsicherung, durch Schlafmangel oder Ähnliches taucht dieses Symptom in Zukunft vielleicht häufiger auf. Der Jugendliche muss dann darauf programmiert sein, niemals ohne entsprechende Tüte (die er sich im Falle des Auftretens über den Kopf zieht) aus dem Haus zu gehen. Diese Prozedur ist vorher zu üben, damit die Handlung im Notfall wirklich sitzt. Zudem ist entscheidend, dass der Jugendliche seinen Zustand verbal ausdrücken kann, da er sich sonst im Krankenhaus wiederfindet, was unnötige Kosten verursacht.

Fall: Leidet der Schüler unter einer gefährlichen Allergie (Insektenstich- oder Nahrungsmittelallergie), hat er sich damit gut auszukennen. Ein Ausweis ist stets bei sich zu tragen, wenn notwendig auch ein Gegenmittel. Die Menschen in seinem Gastland müssen über sein Problem Bescheid zu wissen, denn schnelle Hilfe im Notfall rettet bekanntlich das Leben.

Selbstverständlich gibt es auch Jugendliche mit Behinderung. Wenn sie dieses durch Hilfsmittel kompensieren oder mit ihrer Einschränkung leben können, ist der Aufenthalt kein Problem. Allerdings sollten keine psychologischen Probleme bestehen. Der Vermittler wird sehr genau prüfen, ob der Jugendliche mit seiner Einschränkung umgehen kann.

Es wird bemerkt: Wir zielen auf Selbstständigkeit in Bezug auf die eigene Person ab. Diese ist immens wichtig und würde vermutlich, sofern nicht vorhanden, zu einem vorzeitigen Abbruch des Aufenthalts führen. Jugendliche besitzen bekanntlich eine rasche Auffassungsgabe. Daher scheue man sich nicht, sie im Umgang mit einer evtl. bestehenden Erkrankung zu fördern. Dazu ist es ratsam, eine Selbsthilfegruppe oder den Arzt hinzuzuziehen.

Psychische Probleme

Bei psychischen Problemen ist von diesem Ausflug abzuraten. Die Belastung kann hoch werden, besonders bei Problemen mit der Familie oder Schule. Konflikte, Krisen, Heimweh u.Ä. können die bestehenden Probleme noch verstärken bzw. längst überstanden geglaubte Störungen (z.B. Magersucht) wiederauflordern lassen. Außerdem sind ärztliche Behandlungen in diesem Bereich nicht durch die Versicherung gedeckt. Das könnte nicht nur unglücklich, sondern auch arm machen.

Ehrlichkeit

Sie ist gegenüber Agentur und Gastfamilie von großer Bedeutung, da besonders letztere ohnehin eine große Verantwortung übernimmt. Wichtig ist daher, dass der Jugendliche seine Behinderung in der Selbstdarstellung und die Eltern dies im Elternbrief erwähnen. Auch der Arzt sollte seine Meinung zu der Einschränkung geben.

Die Beteiligten wollen nicht nur aus Selbstverständlichkeit über alle wichtigen Aspekte in Kenntnis gesetzt werden, sondern auch aus anderen Gründen: Scheitert der Aufenthalt z.B. wegen einer nicht erwähnten Erkrankung, wird sicher keine Versicherung die Behandlungskosten übernehmen. Medizinische Notfälle (z.B. wegen Magersucht) lassen sich oft vermeiden, wenn der Jugendliche seine Krankheit angibt und die Agentur ihn in eine entsprechende Gastfamilie bzw. ein entsprechendes Umfeld (z.B. mit Facharzt) gibt. Das gilt für körperliche Probleme ebenso wie für psychische. Rechtzeitige Aufklärung kann viel verhindern.

Verschweigt die Familie gesundheitliche Probleme, sitzt sie am Ende allein auf einem – mitunter riesigen – Kostenberg. Zumal der Aufenthalt für den Jugendlichen dann sicher zum negativen Erlebnis wird.

Selbst "kleine" Erkrankungen, mit denen der Jugendliche eigentlich alleine klarkommt, sollten angegeben werden (z.B. Asthma).

Nützliche Adressen

Die der zuständigen Krankenkasse. Man erkundige sich auf jeden Fall bei der Krankenversicherung über mögliche Leistungen. Beratung und Informationen erhält man zudem bei folgenden Vereinigungen:

Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland, Tel.: 030 206288-0, [email protected], www.dvka.de

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Tel.: 01 711 32, www.sozvers.at

Gemeinsame Einrichtung KVG, Abt. internationale Koordination, Krankenversicherung, Tel.: 032 625 30 30, www.kvg.org

Planungsbeginn

Nichts für Sensibelchen …

Ratlosigkeit macht sich breit. Wie fängt man bloß am besten an? Ist es ratsam, dass sich der potentielle Gastschüler erst bei einer Organisation bewirbt oder erst Informationen zur Finanzierung einholt? Wie verbindlich ist eine Bewerbung bei solchen Organisationen? Was passiert, wenn alle zusagen? Fragen über Fragen, und die größte aller Fragen: Wo fängt man am besten an? Es wäre ja enttäuschend, wenn alles in die Wege geleitet und der Schüler angenommen ist, und dann die Finanzierung nicht klappt. Man bedenke, dass Zusatzkosten wie Taschengeld, Visumgebühren, Reisekosten zu den Vorbereitungstreffen und zum Konsulat zur Visumbeantragung dazukommen.

Um hier auf die Sprünge zu helfen: Es sind zwei Wege gleichzeitig zu beschreiten. Zum einen holt der Schüler Informationsmaterial mehrerer Anbieter ein. Dies sollten vorzugsweise die Schüler, nicht die Eltern übernehmen, quasi als erste Bewährungsprobe, die eben einen Berg Arbeit aufwirft.

Zum anderen erkundigen sich Eltern und Schüler bei folgenden Behörden:

Zur Behörde, die im jeweiligen Land für die Finanzierung zuständig ist (im Fall Deutschland das BAföG-Amt, in Österreich und der Schweiz Stipendienorganisationen).Zum Gesundheitsamt, um zu erfragen, ob und wann welche Impfungen vorgenommen werden können.Zur Schulbehörde, die Auskunft darüber gibt, wie man den Übergang am besten organisiert.

Es sind auch "dumme Fragen" gestattet, denn je mehr man weiß, desto rascher gelangt man ans Ziel.

Einholung von Unterlagen

Beim Einholen der Informationsunterlagen (wie auch später beim Ausfüllen) ist es ganz wichtig, keine unbedachte Unterschrift zu leisten. Jeder seriöse Anbieter ist darauf angewiesen, dass sich Schüler und Eltern bei ihm bewerben. Daher benötigt er auf Formularen, die der Zusendung von Informationen dienen, keine Unterschrift. Möchte jemand also lediglich Auskünfte einholen, so leiste er keine Unterschrift! Sonst besteht stets die Gefahr, "aus Versehen" einen Vertrag abgeschlossen zu haben, dessen Stornierung schon mal zehn Prozent des Gesamtpreises kostet. Die Einholung der Informationen erfolgt entweder telefonisch, per Fax, E-Mail oder postalisch.

Dies ist erst die Bewerbungsvorphase, die noch ohne Gespräche auskommt. In vielen Familien stellt sich zu diesem Zeitpunkt heraus, wie unselbstständig das eigene Kind ist. Bei fremden Menschen und Organisationen anzurufen, sich kurz vorzustellen und dann um Material zu bitten, fällt vielen Jugendlichen unendlich schwer. Trotzdem ist es wichtig, sich hindurchzukämpfen. Es erweitert die persönlichen Kompetenzen des Jugendlichen.

Bereits hier bietet es sich übrigens an, den Vermittler nach Telefonnummern oder E-Mailadressen von ehemaligen Gastschülern zu fragen. Viele händigen diese dem Jugendlichen nämlich erst nach Vertragsabschluss aus.

Grundsätzlich kann sich z.B. ein Schüler aus der Schweiz auch bei einer Organisation in Hamburg bewerben und umgekehrt. Die Bedingungen werden sich nicht unterscheiden. Aber es wäre natürlich unpraktisch, den Ansprechpartner so weit weg zu haben. Wichtig ist, dass der Vermittler einen Sitz im Heimatland hat, damit Streitereien nach heimischem Recht abgewickelt werden und die Familie zu Gerichtsterminen nicht nach Amerika reisen muss.

Die Bewerbungsfristen der Anbieter sind unterschiedlich. Einige wollen die Bewerbung bis zum September des Jahres vor der Abreise haben; andere nehmen noch im Frühling des Abreisejahres Schüler auf. Hier lese man in den Unterlagen nach. Nützlich ist die Tatsache, dass einige Veranstalter ihre Bewerbungsfristen weiter hinausschieben, wenn sie noch freie Plätze haben. Sehr wichtig sind die Fristen in Bezug auf ein eventuelles Stipendium, denn dafür muss man rechtzeitig die Bewerbung abgeben.

Reiseziel / Wunschland

Der Traum vieler Schüler ist es, Amerika kennenzulernen. Aber es ist nicht selbstverständlich, dass die Reise wirklich dorthin führt. Viele Organisationen lassen die Bewerber mehrere Länder angeben. Möglicherweise darf der einzelne Schüler auch Prioritäten oder Punkte für ein Land setzen, aber das Reiseziel bleibt oft für längere Zeit offen. Dies ist vor allem dann ein Problem, wenn der Schüler klar definiert: Amerika oder gar nicht. Dann sind bereits bei der Auswahl der Vermittler sehr viele Namen zu streichen.

Sicherlich hat sich der Schüler Unterlagen vieler Anbieter zusenden lassen. Nach der Empfangnahme ist zu prüfen, ob die Möglichkeit besteht, das Wunschland entsprechend zu fixieren. Die Preise liegen unserer Ansicht nach bei Organisationen ohne Option auf ein bestimmtes Land ein wenig niedriger.

Einige Veranstalter lassen die Bewerber Bundesstaat bzw. Region wählen (evtl. gegen Aufpreis), ja sogar bestimmte Schulverwaltungsbezirke. Andere lehnen dies ab, da der Jugendliche dadurch eigentlich nur touristisches Interesse zeigt. Zumal ein Gebiet oft ganz anders ist als die eigenen Vorstellungen davon, und der Erfolg des Aufenthalts eher vom sozialen Umfeld abhängt als von der Region.

Gemeinsam mit dem Jugendlichen überlegen Eltern ernsthaft, ob wirklich nur Amerika in Frage kommt. Jugendliche unterliegen hier besonders strengen Verhaltensrichtlinien. Und: Amerika ist weit weg. Wäre vielleicht England oder Spanien eine Möglichkeit? Gefühlt und tatsächlich sind diese Länder nur einen Katzensprung entfernt. Es schadet nicht, sich auch mit anderen Zielländern auseinanderzusetzen. Vielleicht möchte man ja nur nach Amerika, weil alle dorthin gehen? Weil es "in" ist? Weil man glaubt, die USA schon recht gut zu kennen und sich daher nicht ganz so umstellen muss?

Informationsabende

Viele Anbieter veranstalten sogenannte Informationsabende. Diese sind unbedingt zu besuchen, auch wenn bereits eine Organisation in die nähere Auswahl gezogen wurde. Man erfährt dort viel über Länder, Menschen und das Prozedere des Programms.