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Die richtige Diagnose finden und endlich ohne Beschwerden leben! Vorsicht Histamin! Ein leckeres Salamibrötchen, ein Stück Käse - dazu ein Gläschen guter Rotwein - bei 3 Millionen Menschen verursacht alleine die Vorstellung ein flaues Gefühl im Magen. Sie leiden unter Histamin-Intoleranz und ihren Folgen: Verdauungsbeschwerden, Kopfweh, Hautausschläge oder Herz-Kreislauf-Probleme. Leide ich unter Histamin-Intoleranz? Histamin-Intoleranz ist eine ernst zu nehmende Stoffwechselstörung. Die richtige Diagnose zu finden ist gar nicht so einfach. Manchmal dauert es Jahre, bis die Erkrankung erkannt wird, während der Leidensdruck größer und größer wird. Hier erfahren Sie, was die häufigsten Symptome sind und wie Sie mithilfe eines Selbsttests Klarheit gewinnen. Endlich beschwerdefrei Viele vermeintlich gesunde Lebensmittel wie Fisch, Käse, Tomaten oder Erdbeeren können unerwartet Beschwerden auslösen. Mit diesem Buch gehen Sie auf Nummer sicher: wo ist Histamin enthalten, was können Sie bedenkenlos essen? Thilo Schleip leidet selbst unter Intoleranzen und weiß, wo die Probleme bei der täglichen Ernährung liegen. Er hilft Ihnen dabei, gesund und ausgewogen zu essen - ganz ohne Beschwerden!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 146
Veröffentlichungsjahr: 2010
Thilo Schleip kennt aus eigener Erfahrung die Probleme von Menschen mit Lebensmittel-Unverträglichkeiten: Viele Jahre litt er unter den Beschwerden einer Laktose-Intoleranz und anderer Unverträglichkeiten, bis nach einer langen Ärzteodyssee endlich die richtigen Diagnosen gestellt wurden.
Um dies anderen Betroffenen zu ersparen, hat er mehrere sehr erfolgreiche Bücher zu den Themen Reizdarm, Laktose-, Fructose- und Histamin-Intoleranz geschrieben. Außerdem ist Thilo Schleip Gründer und Inhaber des Online-Shops Laktonova für Menschen mit Unverträglichkeiten.
Liebe Leserin, lieber Leser,
vielleicht haben Sie erst kürzlich erfahren, dass Sie oder ein Familienmitglied unter einer Histamin-Intoleranz leiden. Möglicherweise haben Sie aber auch nur den Verdacht, dass Ihre Befindlichkeitsstörungen ernährungsbedingt sind und ziehen eine Histamin-Intoleranz als Auslöser in Betracht? Oder aber Sie leiden schon länger unter dieser Lebensmittel-Unverträglichkeit und möchten Ihre Beschwerden nun endgültig durch die richtige Ernährung in den Griff bekommen? In jedem Falle halten Sie hierzu das richtige Buch in Ihren Händen.
Es informiert Sie in verständlicher Form über alles Wissenswerte zur Histamin-Intoleranz:
Zum Beispiel wie und warum sie entsteht. – Hier gibt es zahlreiche mögliche Ursachen. Und erst wenn man diese kennt, kann man die problematischen Lebensmittel gezielt meiden.
Ein weiteres Thema sind die typischen Symptome und ein Test, um abzuschätzen, ob die eigenen Beschwerden auf eine Histamin-Unverträglichkeit zurückzuführen sein könnten. Häufig vermuten Betroffene zunächst, sie seien gegen bestimmte Lebensmittel allergisch, denn die auftretenden Beschwerden sind die gleichen.
Daher werden auch viele Betroffene, wenn sie zum Arzt gehen, zunächst auf Allergien getestet. Der Ausschluss einer allergischen Erkrankung ist in der Tat wichtig. Allerdings wäre es hilfreich, wenn die Ärzte eher auf die Idee kämen, dass es auch eine Histamin-Intoleranz sein könnte. Diese kommt nämlich vermutlich wesentlich häufiger als eine Lebensmittelallergie vor.
In einem weiteren Kapitel geht es dann um die Therapie, also in erster Linie um die Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um zukünftig beschwerdefrei zu leben. Bei vielen Betroffenen reicht es bereits, einige Ernährungsumstellungen vorzunehmen. Es ist häufig verblüffend einfach, sich trotz Histamin-Intoleranz wieder rundum wohlzufühlen, wenn man die Beschwerdeauslöser kennt und meidet. Medikamentöse Unterstützungen sind ebenfalls möglich, wobei die angepasste Ernährung das wichtigste Behandlungselement darstellt.
Anschließend lernen Sie alle geeigneten und ungeeigneten Nahrungsmittel im Einzelnen kennen und erfahren auch, welche Inhaltsstoffe problematisch sein könnten. Sie erhalten alle notwenigen Tipps zum Einkaufen, Zubereiten und Kochen, damit Ihre histaminbedingten Beschwerden bald der Vergangenheit angehören.
Last but not least finden Sie am Ende einen Rezeptteil. Für alle, die die erste oder zweite Auflage schon kennen, sei gesagt, dass alle Rezepte neu sind.
Bereits bei der ersten Ausgabe dieses Buches fiel die Resonanz von Betroffenen und Fachleuten sehr positiv aus. Es stellte sich heraus, dass auf beiden Seiten erheblicher Aufklärungsbedarf bestand. Auch die Nachfrage war geradezu überwältigend. Aus diesem Grund hat der Verlag nun abermals beschlossen, eine komplett überarbeitete Version des Ratgebers auf den Markt zu bringen – die 3. Auflage. Insbesondere bei den Diagnosemethoden und Medikamenten gab es Neuerungen. Aber auch der Praxisteil wurde rundum erneuert. Da sehr viele Betroffene nicht nur unter einer Unverträglichkeit leiden, habe ich umfangreiche Informationen zu Mehrfach-Intoleranzen ergänzt.
Viele meiner Leser haben eine wahre Arzt-Odyssee hinter sich, bevor Sie endlich auf die Thematik »Histamin« aufmerksam werden. Vielleicht geht es Ihnen auch so? Den zahlreichen Leserbriefen entnehme ich, dass Betroffene sich oftmals wiederfinden in den Beschreibungen der Symptome, des langen Leidensweges und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten. Das ist kein Zufall. Auch ich habe eine 15-jährige Leidensgeschichte mit unnötigen Untersuchungen und unzähligen Fehldiagnosen hinter mir, bevor ich endlich über meine Ernährungssituation Bescheid wusste. Erst dann war es mir möglich, gezielt und mit einfachen Schritten eine Genesung herbeizuführen.
So war es mir dann auch ein Bedürfnis, anderen Betroffenen den aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft darzulegen und ihnen damit ein »Werkzeug« zur Bewältigung ihrer Probleme an die Hand zu geben. Ich hatte damals noch keine Vorstellung davon, dass die Anzahl der Gleichgesinnten so hoch sein würde. Sie sind nicht allein mit Ihren Problemen!
Ich wünsche Ihnen viele neue Erkenntnisse bei der Lektüre dieses Buches und hoffe, dass Sie mit seiner Hilfe Ihre Beschwerden endgültig in den Griff bekommen.
Ihr Thilo Schleip
Bei der Bei der Histamin-Intoleranz kann ein Nahrungsbestandteil – das Histamin – vielfältige Beschwerden auslösen, die keineswegs nur auf die Verdauungsorgane beschränkt sind. Welche Symptome typisch sind, lesen Sie in diesem Kapitel.
Angesichts der zahlreichen Berichte über Entdeckungen und Errungenschaften der medizinischen Forschung könnte man den Eindruck gewinnen, die Möglichkeiten unserer westlichen Heilluiude seien schier unbegrenzt. Theoretisch sollte es demnach möglich sein, den überwiegenden Teil gesundheitlicher Beeinträchtigungen problemlos zu lindern. Doch die Realität sieht anders aus.
Bis heute leiden Millionen von Menschen in den Industriestaaten unter Volkskrankheiten, gegen die kein Kraut gewachsen zu sein scheint: Verdauungsprobleme, Migräne, Asthma, niedriger Blutdruck, Hautausschlag, Regelbeschwerden …
Gesundheitsstörungen, deren Ursache meist auch nach eingehenden Untersuchungen im Verborgenen bleibt, verursachen viel Leid und lassen die Betroffenen mit ihrem Schicksal hadern. Dabei ist die Verfahrensweise zur Ermittlung eines Krankheitsauslösers meist identisch: Ärzte versuchen unter Verwendung modernster Apparatemedizin eine organische Ursache eines Leidens zu ergründen oder mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen.
Findet sich, wie dies bei jeder zweiten Arztkonsultation der Fall ist, kein Hinweis auf einen körperlichen Defekt, so werden seelische Faktoren ins Spiel gebracht. Ein dritter und ebenso wichtiger Aspekt, die Ernährung des Menschen, wird jedoch in der Diagnostik, also der Erkennung chronischer oder wiederkehrender Symptome, gerne übersehen. Die Folge ist, dass eine weit verbreitete und folgenschwere Ursache der oben genannten Gesundheitsstörungen bis zum heutigen Tag nur – wenig Beachtung findet: die Histamin-Intoleranz.
Die Ernährung, als wichtiger Faktor bei der Entstehung von Beschwerden und Erkrankungen, bleibt in der ärztlichen Praxis häufig unberücksichtigt.
INFO
Was ist Histamin?
Histamin ist eine einfache Substanz, die natürlicherweise in pflanzlichem, tierischem und menschlichem Gewebe vorkommt. Es gehört zu den sogenannten biogenen Aminen. Histamin ist bei verschiedenen wichtigen biologischen Prozessen beteiligt und spielt die unrühmliche Hauptrolle bei allergischen Reaktionen: Im menschlichen Körper ist es vor allem in den sogenannten Mastzellen gespeichert, wo es auf seine – meist unerwünschte – Freisetzung wartet. Histamin wird einerseits vom menschlichen Körper selbst gebildet und andererseits mit der Nahrung aufgenommen. Viele Nahrungsmittel enthalten Histamin, wobei die Konzentrationen meist vernachlässigbar gering sind, einige Lebensmittel enthalten allerdings sehr hohe Histaminkonzentrationen und können beim Verzehr Intoleranzreaktionen auslösen. Die Reaktionen unterscheiden sich in mancherlei Hinsicht. Welche Reaktionen es gibt und warum einige Menschen stärker betroffen sind als andere, werden wir später im Detail ergründen.
Über die Auswirkungen einzelner Lebensmittel auf die Gesundheit wurde bereits viel spekuliert und in den Medien berichtet. Inzwischen gibt es nahezu keinen Nahrungsmittelbestandteil mehr, dem nicht die eine oder andere gesundheitsfördernde oder -schädigende Wirkung zugeschrieben wird.
Die Behauptung, dass eine Histamin-Intoleranz und damit letztlich nur ein einziger Nahrungsbestandteil, nämlich das Histamin, Ursache vieler bislang ungeklärter Gesundheitsstörungen ist, erscheint in diesem Licht geradezu als fragwürdig.
Doch zahlreiche Untersuchungsergebnisse, neue medizinische Erkenntnisse und nicht zuletzt die vielen Erfahrungsberichte von Betroffenen, die durch histaminarme Ernährung ein neues Lebensgefühl erfahren, lassen nur einen Schluss zu. Aufgrund dessen ist sich die Wissenschaft seit wenigen Jahren sicher, dass sich das Vorhandensein von Beschwerden in zahlreichen Fällen von ungeklärten Krankheitszuständen auf die Wirkung nur eines Stoffes zurückführen lässt. Ein Stoff, den man weder riechen noch schmecken kann, und den wir doch täglich mit unserer Nahrung zu uns nehmen: Histamin.
Besonders Allergiker wissen, dass Histamin der wichtigste Überträgerstoff (Mediator) sämtlicher Allergien ist. Die Histamin-Intoleranz ist also eine Allergie? Nein, das ist sie nicht! Die Histamin-Intoleranz – im Folgenden abgekürzt als HIT bezeichnet – ist eine sogenannte Pseudoallergie. Man nennt die HIT deshalb Pseudoallergie, weil einerseits der Überträgerstoff der Allergie – das Histamin – beteiligt ist, wodurch ähnliche Symptome wie bei einer Lebensmittelallergie entstehen, andererseits aber das Hauptmerkmal einer allergischen Erkrankung fehlt, nämlich die Bildung von Antikörpern. Bei der HIT ist das Immunsystem nicht beteiligt und es lässt sich keine Antikörperreaktion nachweisen, wie es bei einer allergischen Erkrankung der Fall ist. Da aber sowohl eine HIT als auch eine Lebensmittelallergie zu den gleichen körperlichen Beschwerden führen können, werden sie zunächst oft verwechselt. Doch eine HIT ist keine Allergie, sondern eine Nahrungsmittelunverträglichkeit.
Während Histamin in größeren Mengen bei jedem Menschen schwere, ja sogar lebensbedrohliche Krankheitszustände hervorrufen kann, reichen im Falle einer HIT bereits kleine bis geringste Mengen, um ein individuelles Beschwerdebild zu verursachen. Dies kann sich in Verdauungsstörungen wie Durchfall, Bauchkrämpfen und Blähungen oder auch durch einen Migräneanfall äußern.
In rund 15 % aller Asthmaerkrankungen wird eine HIT als eigentliche Ursache vermutet, genauso wie bei zahlreichen Fällen von niedrigem Blutdruck, Urtikaria (Nesselausschlag), Herzrhythmus-Störungen, Regelbeschwerden und vielen anderen Gesundheitsstörungen. Da die seelische Verfassung von Betroffenen nach lang anhaltenden Beschwerdezeiträumen meist schlecht ist, werden diese zusätzlich nicht selten »psychologisiert« und es wird vorschnell von psychosomatischem Leiden gesprochen.
Wie man sieht, können die Beschwerden höchst unterschiedlich ausgeprägt sein. Und dies ist auch ein weiterer Grund dafür, dass die HIT in der Diagnostik von Krankheiten bis zum heutigen Tag ein Schattendasein führt. Zwar ist in den letzten Jahren eine gewisse Sensibilisierung der Ärzteschaft zu diesem Thema zu beobachten. Doch es dauert auch heute noch meist sehr lange, bis die Diagnose HIT gestellt wird. Hinzu kommt eine wachsende Verbreitung histaminbedingter Gesundheitsstörungen in der Allgemeinbevölkerung, an der auch die Lebensmittelindustrie nicht ganz unschuldig ist.
INFO
Industrielle Lebensmittelbearbeitung
Durch die zunehmende Industrialisierung Ländern ist bekannt und führte bereits bei der Herstellung von Lebensmitteln sinken zwar die Kosten der Endprodukte und nimmt gleichzeitig die Bequemlichkeit bei der Zubereitung der Speisen zu. Doch der Preis für diese Annehmlichkeiten ist hoch: Durch die industrielle Bearbeitung und lange Lagerung von Nahrungsmitteln, die von Mutter Natur für den direkten Verzehr vorgesehen waren, treten bei bestimmten Nahrungsmittelgruppen hohe Histaminbelastungen auf, die bei entsprechend empfindlichen Menschen ernste Beschwerden auslösen können.
Viele Gründe verhinderten bisher eine längst überfällige Sensibilisierung der Bevölkerung für dieses Thema: Die mangelnde Kooperationsbereitschaft einiger Hersteller bei der Deklaration von Inhaltsstoffen in den europäischen zu jahrelangen Machtkämpfen zwischen Industrie und Politik. Problematisch ist auch die Angabe eines Schwankungen unterliegenden Histamingehalts industriell abgepackter Nahrungsmittel.
Heute weiß man, dass die industrielle Produktion von hochwertigen Nahrungsmitteln mit extrem niedrigem Histaminlevel möglich ist. Voraussetzung sind penible Sorgfalt in allen Produktionsschritten, das Einhalten höchster Hygienestandards, ununterbrochene Kühlketten, kürzeste Bearbeitungszeiten und Transportwege sowie die Auswahl entsprechend geeigneter Rohstoffe. Würde man diese Produktionsverfahren konsequent dort einsetzen, wo sich die Möglichkeit bietet, so könnte auch hier ein besserer Verbraucherschutz erreicht werden.
Inzwischen ist die HIT ein eigenständiges und auch klar definiertes Krankheitsbild und sollte daher routinemäßig bei der Abklärung von nicht organischen Beschwerden unterschiedlichster Art Berücksichtigung finden. Besonders unter Medizinern sollte sich die Existenz dieser Krankheit längst herumgesprochen haben. Schließlich wurde das Thema Histamin-Intoleranz nicht nur über Publikumszeitschriften, Internet und das Fernsehen verbreitet, sondern auch in medizinischen Fachmedien umfangreich abgehandelt. Besonders Gastroenterologen, Fachärzte für Innere Medizin, Allergologen und Hausärzte müssten also mit der HIT vertraut sein. Doch die Praxis sieht anders aus, wie der folgende Fall verdeutlicht.
»Keiner der Ärzte diagnostizierte eine HIT«
»Ich glaube, ich war ungefähr 20, als es mit den Verdauungsstörungen anfing. Dass ich ab und zu Durchfall und Magenschmerzen hatte, fand ich zunächst nicht so schlimm. Eines Tages, nachdem meine Beschwerden wieder einmal mehrere Tage andauerten, ging ich schließlich doch zu meinem Hausarzt, der mich gründlich untersuchte.
Ich ging brav zum Allergologen, doch auch dort waren alle Untersuchungsergebnisse negativ.
Sämtliche Testergebnisse waren unauffällig und er schickte mich zur Abklärung einer Nahrungsmittelallergie zu einem Allergologen. Mein Hausarzt fragt auch nach meiner seelischen Verfassung. Ich konnte beim besten Willen keine Zusammenhänge zwischen meinen Lebensumständen und den Darmstörungen erkennen … Ich ging brav zum Allergologen, doch auch dort waren alle Untersuchungsergebnisse negativ. Er fand auch keinen Anhaltspunkt für das Vorliegen einer Allergie gegen ein bestimmtes Lebensmittel. Der Allergologe meinte, man müsse nun eine mehrwöchige Suchdiät beginnen. Das wollte ich allerdings nicht. Mein Hausarzt war offensichtlich mit seinem Latein am Ende und fing wieder damit an, nach psychischen Auslösern für meine Durchfälle zu suchen. Zur sicheren Abklärung einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung bot er mir aber dennoch an, in einer Klinik eine Darmspiegelung durchführen zu lassen. Davor grauste mir aber so, dass ich nein sagte. Dann müsse er mich jetzt zu einem Psychologen überweisen, meinte er: Na Klasse, ich habe ziemlich giftig reagiert und bin seitdem nicht wieder zu diesem Arzt gegangen. Meine Durchfälle wurden immer stärker und ich suchte weitere Ärzte auf, die aber auch nichts fanden, und mir ebenfalls zu einer psychotherapeutischen Untersuchung rieten. Ich gab also nach, mittlerweile hatte ich tatsächlich seelische Probleme. Aber auch der Psychotherapeut fand nichts, was meine quälenden Durchfälle erklären konnte. In meiner Verzweiflung landete ich auch bei alternativen Heilmethoden. Außer dass ich eine Menge Geld loswurde, änderte sich aber nichts.
Nach einem typischen italienischen Abend mit Rotwein, Pizza und Käse hatte ich oft mehrere Tage lang Probleme.
Eines Tages las ich über Histamin-Intoleranz und mir wurde alles klar: Ich trank sehr gerne Wein, und besonders nach einem typischen italienischen Abend mit Rotwein, Pizza und Käse hatte ich oft mehrere Tage lang Probleme. Auch nach einem Besuch im Wirtshaus ging es mir dreckig: Klar, das waren das Sauerkraut und das Hefeweizen… typische Histaminbomben. Oh Mann, wenn man es weiß, ist es auf einmal so einfach und logisch – da habe ich mich jahrelang gequält. Nachdem ich diese Histaminbomben von meinem Speiseplan gestrichen hatte, blühte ich richtig auf: Keine Übelkeitliach dem Essen, keine Nach einem typischen italienischen Abend mit Rotwein, Pizza und Käse hatte ich oft mehrere Tage lang Probleme. Kopfschmerzen. Mein Gott, ist das Leben schön.«
Gehören Sie zu den Betroffenen, bei denen die Beteiligung von Magen und Darm im Vordergrund steht, so haben Sie sich in diesem Fallbeispiel vielleicht schon teilweise wiedergefunden. Möglicherweise verspüren Sie aber auch keinerlei Verdauungsbeschwerden, sondern leiden unter histaminbedingten Störungen ganz anderer Art. Wie Sie sehen, handelt es sich bei der Histamin-Intoleranz also um ein ernst zu nehmendes Krankheitsbild, dessen Auswirkungen beim Einzelnen gravierend sein können.
Doch obwohl die Folgen einer Ernährung mit histaminreichen Lebensmitteln bei Menschen mit HIT einen schwerwiegenden Eingriff in die Gesundheit und Lebensqualität darstellen, werden die meisten Fälle über Jahre hinweg nicht erkannt oder fehldiagnostiziert. Dies stimmt besonders bedenklich in Anbetracht der Tatsache, dass gesundheitliche Störungen durch Lebensmittel mit hohem Gehalt an biogenen Aminen, zu denen auch das Histamin gehört, durch die medizinische Wissenschaft ausreichend dokumentiert und auch in der Lebensmitteltechnologie seit Langem bekannt sind. Aus diesem Grund scheint eine eingehende Aufklärung der Verbraucher zum Schutze ihrer Gesundheit als dringend notwendig.
Eine denkbare Maßnahme stellt in diesem Zusammenhang eine detailliertere Kennzeichnung von potenziell gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln dar. Betroffene könnten so nicht nur histaminbedingte Beschwerden vermeiden, sondern auch ihre Unsicherheit bei der Speisenauswahl verringern und damit ihren Speiseplan ausgewogen erweitern.
»Kann Histamin enthalten« – diesen oder einen ähnlichen Aufdruck sucht man im Moment vergeblich auf dem Etikett.
Erschwert wird diese Forderung allerdings durch die Tatsache, dass es sich beim Histamingehalt eines Lebensmittels nicht um eine feste Konstante handelt. Ein Umstand, auf den im weiteren Verlauf dieses Buches noch eingegangen wird. Angesichts der Vielzahl der gesetzlich vorgeschriebenen, aber teils fragwürdigen Verpackungshinweise stellt sich jedoch die Frage, ob ein Hinweis auf einen möglicherweise bedenklichen Histamingehalt für Menschen mit HIT nicht zumindest bei einigen Lebensmittelsorten sinnvoll wäre.
Zusätzlich zu diesen Maßnahmen bedarf es einer gezielten Schulung und Sensibilisierung nicht nur der Bevölkerung, sondern auch von Medizinern und Ernährungswissenschaftlern, um dem Thema Histamin-Intoleranz zu einem Bekanntheitsgrad zu verhelfen, den es aufgrund seiner teils drastischen Wirkungen verdient.
Dieser Ratgeber hat zum Ziel, Ihnen alle notwendigen Informationen über die HIT zu vermitteln und dadurch Ihre Eigenverantwortung als Betroffener zu stärken.
Ob auch Sie möglicherweise unter einer Histamin-Intoleranz leiden, können Sie mithilfe des folgenden Fragebogens bereits gut einschätzen. Kommen Sie zu dem Ergebnis, dass eine HIT die Ursache Ihrer bislang ungeklärten Gesundheitsstörungen sein könnte, so bietet sich die Durchführung einer vierwöchigen Eliminationsdiät (siehe → S. 54) an. Nur mit ihrer Hilfe lässt sich eine Unverträglichkeit von histaminreichen Lebensmitteln zuverlässig nachweisen.
Dieser Fragebogen kann und soll einen Arztbesuch jedoch nicht ersetzen. Leiden Sie unter dauerhaften oder akuten Beschwerden, so ist die Abklärung schwerwiegender Erkrankungen durch einen Facharzt weiterhin unabdingbar. Falls Sie aufgrund des Fragebogens zu dem Schluss kommen, dass eine HIT vorliegen könnte, so sollten Sie Ihrem Arzt allerdings auch von Ihrem Verdacht berichten.
Bitte beantworten Sie die nachfolgenden Fragen in Ruhe und erst nach einer ausreichenden Bedenkzeit.
Leiden Sie direkt, in den darauf folgenden Stunden oder am nächsten Morgen/Tag nach dem Verzehr der folgenden Nahrungsmittel unter Beschwerden?
Bedenken Sie bitte, dass die Beschwerden oft zeitversetzt auftreten und daher nur schwer mit einzelnen Lebensmitteln in Zusammenhang gebracht werden können. Häufig wird eine HIT nur durch den Konsum eines Lebensmittels in großen Mengen, wie z. B. einer Dose Thunfisch, aufgedeckt, weil nur danach ein unmittelbares und heftiges Beschwerdebild einsetzt. Leichte bis mittelschwere chronische Beschwerden, die durch verzehrsübliche Mengen ausgelöst werden, bleiben daher oft über lange Zeit ein Rätsel.
Leiden Sie häufiger, ständig oder nach dem Verzehr bestimmter Speisen oder Medikamente unter einer oder mehrerer dieser Gesundheitsstörungen?
Wenn Sie in beiden Blöcken mehrere Fragen mit »Ja« beantwortet haben, so sollten Sie die Möglichkeit einer Histamin-Intoleranz als Auslöser Ihrer Beschwerden dringend in Betracht ziehen. Dies gilt selbstverständlich nur für den Fall, dass eine organische Krankheit ausgeschlossen wurde.
Die HIT ist keine Allergie! Da die von ihr ausgelösten Gesundheitsstörungen jedoch von allergiebedingten Beschwerden kaum zu unterscheiden sind und es auch (wie wir noch sehen werden) weitere Parallelen zu Nahrungsmittel- und Medikamentenallergien gibt, bezeichnet man sie als Pseudoallergie.
