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Unbeschwert genießen – leicht gemacht
Durchfall, Blähungen, Kopfschmerzen, Depression – die Beschwerden bei einer Fructoseintoleranz sind vielfältig und einschneidend. Doch die Diagnose bedeutet nicht automatisch Verzicht auf frisches Obst, knackiges Gemüse und leckere Kuchen! Mit dem richtigen Wissen und einer praktischen Ernährungsstrategie lässt sich weiterhin ohne Reue genießen. Über 130 Rezepte garantieren köstliche Abwechslung.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 167
Veröffentlichungsjahr: 2025
Thilo Schleip, Isabella Lübbe
4. Auflage 2025
Figur: © photographee.eu/stock.adobe.com
die Diagnose Fructoseintoleranz verdirbt vielen Menschen zunächst einmal den Appetit. Und tatsächlich ist es kein Zuckerschlecken, sich angesichts der Herausforderungen des Alltags nicht nur ausgewogen, vitaminreich und figurbewusst zu ernähren, sondern obendrein auch noch fructosearm. Dieses Buch wird Ihnen zeigen, wie dieses Vorhaben dennoch gelingt. Die besondere Herausforderung für uns als Autoren bestand darin, dass trotz gewisser Einschränkungen die Freude am Essen für Sie und Ihre Familie nicht zu kurz kommt. Die Auswahl an Rezepten ist außergewöhnlich facettenreich, und bei der Angleichung der Zutaten an Ihre Ernährungssituation kamen trendige, neuartige und inspirierende Lebensmittel nicht zu kurz.
Dieses Buch richtet sich an Menschen mit einer Fruchtzucker-Malabsorption, die hier aus Gründen der Vereinfachung als Fructoseintoleranz bezeichnet wird. Diese Diagnose bedeutet nicht das Ende jeden Genusses. Sie werden nicht auf Lebensmittel verzichten müssen, die »bunt und gesund« sind. Obst und Gemüse werden auch weiterhin auf Ihrem Speiseplan stehen. Und was Sie bei der Auswahl und Zubereitung zu beachten haben, das verraten wir Ihnen gerne.
Aufgrund der hohen Nachfrage ist dies nun schon die vierte, überarbeitete und auf den neuesten Stand der ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse gebrachte Auflage. In diesem Buch stellen wir uns erstmals die Frage, welche Lebensmittel den bei Betroffenen erhöhten Bedarf an Zink, Folsäure und Tryptophan zu decken helfen. Mit Sicherheit ist auch etwas für Sie dabei.
Nach nunmehr 20 Jahren Recherche und mehreren Veröffentlichungen über fructosearme Ernährungs- und Lebensweise bildet dieses Buch den aktuellen Stand des Wissens in kompakter Form ab. Gesund und abwechslungsreich essen bei Fructoseintoleranz – hier erfahren Sie, wie es funktioniert!
Guten Appetit!Thilo Schleip und Isabella Lübbe
Obst ist nach fett- und eiweißhaltigen Mahlzeiten viel verträglicher, weil die Fructose aufgrund der verlängerten Transitzeit besser aufgenommen wird.
Wenn Sie Obst essen, streuen Sie Traubenzucker in Pulverform auf. So vertragen Sie die enthaltene Fructose besser.
Testen Sie Ihre Toleranzgrenze aus und gestalten Sie Ihren Speiseplan so, dass er möglichst abwechslungsreich ist.
Genießen Sie Kräutertee sooft Sie möchten. Besonders bewährt sind Mischungen aus Anis, Kümmel und Fenchel (auch als „Darmtee“ erhältlich).
Wer sein Essen selber kocht, anstatt Fertigprodukte zu verwenden, ist auf der sicheren Seite, was die Verträglichkeit angeht.
Bereiten Sie Speisen schonend zu: Dünsten oder Kochen ist immer besser als Braten oder Grillen.
Eine ausreichende Zufuhr von Zink und Folsäure kann depressive Verstimmungen und Leistungstiefs wirksam lindern.
Die folgenden Gerichte sind in der 1. Stufe, der Karenzphase, in der Regel geeignet (grüne Ampel).
Pancakes
Schinken-Erbsen-Rührei
Manchego-Pancetta-Brötchen
Brie-Sesam-Brot
Papaya-Streich
Tatar
Porridge
Gurken-Smoothie
Bruschetta mit Pilzen
Kartoffel-Sellerie-Suppe
Avocadosuppe
Avocado-Garnelen-Salat
Kartoffel-Rukola-Salat
Gurkensalat mit Dill
Papayapute mit Feldsalat
Kräuterdressing
Kürbiskernöldressing
Limetten-Minze-Dressing
Gurkenschiffchen
Avocado mit Parmesan
Bruschetta mit Pesto
Joghurtdressing
Funghi trifolati
Gratinierte Muschelnudeln
Krabbencocktail
Spargel mit Shrimps-Sauce
Kaviar-Rukola-Schnitten
Partyfrikadellen
Ofenkartoffel mit Kräutercreme
Kräuterstreich
Ricottastreich
Bärlauchcreme
Basilikumdip
Rukoladip
Geräuchertes Rinderfilet
Mangold-Risotto
Waldpilz-Risotto
Gnocchi in Salbeibutter
Paella
Spinatlasagne
Allgäuer Käsespätzle
Linguine mit Limettensauce
Quinoa-Pfanne
Tagliatelle mit Entenbrust
Spaghetti mit Kräuterfilet
Spaghetti mit Pancetta und Safran
Gemüsecurry
Spaghetti mit Walnuss-Kräuter-Filet
Türkische Zucchiniküchlein
Kartoffel-Soufflé aus der Tasse
Wildragout in Balsamico
Rinderfilet in Thymian-Kruste
Lammfilet mit Joghurtsauce
Gefüllte Hähnchenbrust
Hähnchenrouladen
Thai-Lachs
Maki mit Avocado
Süßkartoffel-Rösti mit Lachs
Dorade im Salzmantel mit -Rukola-Kartoffel-Stampf
Vietnamesische Reispapierrollen
Rosmarinkartöffelchen
Backofenkartoffeln
Bratkartoffeln
Kartoffelbrei
Sesamspätzle
Bulgur
Couscous
Buchweizen
Papas arrugadas
Reis mit Cashewkernen
Italienischer Spargel
Kartoffel-Gurken-Salat
Gebratene Austernpilze
Schinken-Champignon-Sauce
Bärlauchsauce
Eiersauce
Pfannkuchen mit Rhabarber
Quark-Soufflé
Crème Caramel
Papayacreme
Crème Brulée
Rhabarberauflauf
Tiramisu
Limettenschaum
Schokoladenpudding
Vanillepudding
Rhabarbermuffins
Waffeln
Cappuccinowaffeln
Altdeutscher Rhabarberkuchen
Cantuccini
Fruchttörtchen
Quarkbällchen
Spekulatius
Baisertupfer
Bagels
Käsestangen
Hefehörnchen
Haferbrot
Sonntagsbrot
Mohnbrot
Die folgenden Gerichte können in der 2. Stufe vorsichtig ausgetestet werden. Wenn Sie diese vertragen, können sie auch in Ihre langfristige Ernährung, also Stufe 3, Einzug halten (gelbe Ampel).
Paprika-Rührei
Brombeermüsli
Haferbrei mit Mohn
Pfirsichmüsli
Pfirsich-Smoothie
Roter Frühstücks-Smoothie
Aprikosen-Lavendel-Marmelade
Pfirsichsmoothie
Kürbissuppe
Endivien-Fenchel-Salat
Reis-Oliven-Salat
Rettichcarpaccio mit Ziegenkäse
Vegetarischer Couscous
Asiatische Ramen-Nudeln
Grünkernbratlinge
Knusperkäse mit Buchweizen
Italienischer Kichererbseneintopf
Kaninchen mit Oliven
Fruchtiges Hähnchen
Putengeschnetzeltes mit Pfirsichen
Italienischer Sonntagsbraten mit Polenta
Reis mit Cashewkernen
Temaki mit Lachs und Avocado
Asia-Suppe mit Austernpilzen
Grüne Bohnen mit Walnüssen
Geschmorter Chicorée
Gefüllter Mandelcreme-Pfirsich
Kokos-Pfirsich-Kaltschale
Schokomousse mit Papaya
Pfirsich-Pfannkuchen
Schokoladeneis
Cheesecake-Brownies
Linzer Torte
Mandarinenkuchen
Pfirsichkuchen
Gefülltes Partybrot
Dinkelvollkornbrot
Mein perfektes Dinner
Bruschetta mit Pilzen
Vorspeise
grüne Ampel
Für 2 Personen
geht schnell
20 Min.
8 Scheiben Baguette5 EL Olivenöl1 Knoblauchzehe150 g ChampignonsSalzPfefferThymian80 g RicottaBrot mit 2 EL Olivenöl beträufeln, im vorgeheizten Backofen (200 Grad) 10 Min. rösten und mit der aufgeschnittenen Knoblauchzehe einreiben.
Champignons putzen, in Scheiben schneiden und in 3 EL Öl bei starker Hitze 3 Min. braten, salzen und pfeffern, Thymian untermischen. Brotscheiben mit Ricotta bestreichen und die Pilze darauf verteilen.
Nährwerte pro Portion 630 kcal • 17 g E • 37 g F • 59 g KH
Geräuchertes Rinderfilet
Hauptspeise
grüne Ampel
Für 4 Personen
braucht etwas mehr Zeit
2 Std.
150 g Reis150 g Vollrohrzucker40 g chin. Lapsang-Souchong-Tee4 Sternanis2 Zimtstangen800 g RinderfiletSalzPfeffer2 EL Öl1 EL Butter250 g Wurzelgemüse500 ml Rinderfond120 ml Verjus1 EL Zucker2 TL Speisestärke zum BindenEinen flachen Topf und Deckel mit Alufolie auslegen. Passenden Rost mit Alufolie bedecken und viele Löcher einstechen. Reis, Zucker und Tee im Topf mischen, Sternanis und Zimt darauflegen. Rost im Abstand von 4 cm über den Reis setzen.
Fleisch salzen und pfeffern. Öl und Butter erhitzen, Fleisch 4 Min. rundum anbraten, dann auf den Rost in den Topf legen. Topf offen bei hoher (nicht höchster) Temperatur erhitzen, bis Rauch aufsteigt.
Deckel auflegen, Fleisch bei kleiner Hitze 15 Min. räuchern. Einen Bräter im Ofen auf 80 Grad vorheizen. Fleisch hineinlegen, ca. 1 Std. (Kerntemperatur 55 °C) garen.
Gewürfeltes Wurzelgemüse im Bratfett kräftig anbraten, mit Fond ablöschen, auf die Hälfte einkochen. Verjus zugeben und erneut reduzieren. Sauce durch ein Sieb streichen, abschmecken. Angerührte Stärke in die Sauce rühren, kurz aufkochen.
Nährwerte pro Portion 780 kcal • 47 g E • 28 g F • 84 g KH
Clementinen-Joghurt mit Ingwer
Dessert
gelbe Ampel
Für 2 Personen
geht schnell
20 Min.
2 Clementinen10 g Ingwerfrische Minze300 g Joghurt (1,5% Fett)2 TL AprikosenmarmeladeClementinen schälen und die einzelnen Stücke häuten, dabei den Saft auffangen. Ingwer schälen und sehr fein hacken. Minze waschen, zupfen und in feine Streifen schneiden.
Joghurt mit Clementinensaft, Aprikosenmarmelade und Ingwer verrühren, Fruchtfleisch dazugeben. Creme auf zwei Schälchen verteilen und mit der Minze dekorieren.
Nährwerte pro Portion 130 kcal • 6 g E • 3 g F • 19 g KH
Titelei
Liebe Leserinnen und Leser,
Step by Step: So gelingt die Ernährungs-Umstellung
Die Rezepte auf einen Blick
1. Stufe: Karenzphase
Frühstücksideen
Kleine Gerichte
Hauptgerichte
Besonderes
Beilagen
Desserts und Süßspeisen
Backen
2. Stufe: Verträglichkeit testen und 3. Stufe: Dauerernährung
Frühstücksideen
Kleine Gerichte
Hauptgerichte
Besonderes
Beilagen
Desserts und Süßspeisen
Backen
Fructoseintoleranz, was ist das?
Intoleranz ja – Allergie nein
Die Resorption der Kohlenhydrate
Fructose
Was bei der Verdauung von Fructose geschieht
Was Sorbit, Xylit und Traubenzucker bewirken
Die hereditäre Fructoseintoleranz
Schwere Stoffwechselerkrankung
Die Symptome einer Fructoseintoleranz
Darmsanierung
Leiden Sie unter einer Fructoseintoleranz?
Diagnose der hereditären Fructoseintoleranz
Stoffe, die Seele und Körper guttun
Tryptophan
Folsäure
Zink
Wichtige Quellen für Zink
Richtig essen bei Fructoseintoleranz
1. Stufe: Karenzphase: streng fructosearm
Beschwerdefrei genießen
Viel trinken
Fructosearme Obst- und Gemüsesorten
Befinden entscheidet über die Dauer
2. Stufe: Verträglichkeit testen
Behutsam vorgehen
Ernährungstagebuch
3. Stufe: langfristige Ernährung
Verbesserte Fructoseverdauung dank Enzymen?
Welche Obstsorten verträglich sind
Traubenzucker verbessert die Fructoseaufnahme
Gemüse
Warum Ballaststoffe mit Vorsicht zu genießen sind
Während der Karenzphase auf Ballaststoffe verzichten
Aufgepasst bei Zuckeraustauschstoffen
Weitere Zuckeraustauschstoffe
Süßer Brotaufstrich
Getränke
Von Natur aus fructosearme Lebensmittel
Brot und Backwaren
Rezepte – schmackhaft und lecker
In 7 Tagen zur neuen Ernährung
Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4
Tag 5
Tag 6
Tag 7
Frühstücksideen
Kleine Gerichte
Hauptgerichte
Besonderes
Beilagen
Desserts und Süßspeisen
Backen
Empfehlungen von Thilo Schleip und Isabella Lübbe
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
Impressum
Egal ob Obst, Gemüse oder Fruchtsaft: Diese Lebensmittel stehen in der Gunst gesundheitsbewusst lebender Menschen ganz weit oben. Doch viele Menschen vertragen den darin enthaltenen Fruchtzucker (Fructose) in größeren Mengen nicht. Manche reagieren zusätzlich dazu empfindlich auf Fertiggerichte, die Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit enthalten. Man spricht dann von einer Fructoseintoleranz.
(Foto:© M. Bergmann/Thieme)
Man bezeichnet dieses Krankheitsbild auch als Fruchtzucker-Unverträglichkeit oder Fructosemalabsorption. Es handelt sich also um eine Lebensmittel-Unverträglichkeit, die durch die »schlechte Aufnahme bzw. Verwertung« (Malabsorption) von Fruchtzucker im Dünndarm hervorgerufen wird. Bauchkrämpfe, Blähungen und durchfallartige Störungen sind die häufigste Folge nach dem Verzehr unverträglicher Speisen und Getränke. Aber auch Antriebsschwäche, häufige Erkältungen und depressive Verstimmungen können in Zusammenhang mit dieser Lebensmittel-Unverträglichkeit auftreten.
Die Fructoseintoleranz ist keine Nahrungsmittel-Allergie, daher ist das Immunsystem nicht an der Entstehung der Symptome beteiligt. Zudem können die meisten Betroffenen – anders als bei einer Allergie – geringe Mengen an Fructose problemlos vertragen. Ursache der Fructoseintoleranz ist ein defektes Transportsystem im Dünndarm. Die Störung verhindert eine ausreichende Verdauung und Verwertung des Fruchtzuckers. Erst ab einer bestimmten Menge, der individuellen Toleranzgrenze, treten Beschwerden nach dem Genuss fructosehaltiger Lebensmittel auf. Für Menschen mit Fructoseintoleranz ist es deshalb wichtig, auszutesten, wie viel Fruchtzucker sie vertragen. Dadurch lässt sich die Vielfalt eines gut verträglichen Speiseplans erheblich erweitern und man vermeidet, lebenslang auf womöglich gut bekömmliche Speisen und Getränke zu verzichten. Doch nicht nur fructosehaltige Speisen und Getränke können Beschwerden hervorrufen, sondern auch Lebensmittel mit Zuckeraustauschstoffen sowie eine bestimmte Art von Ballaststoffen. Diese gilt es zu identifizieren und zu testen.
Ein wichtiger Aspekt bei der Nahrungsverwertung ist die Resorption der Kohlenhydrate, zu denen auch die Fructose gehört. Man unterteilt diese wichtigsten Energieträger in Mono-, Di- und Polysaccharide.
Monosaccharide (Einfachzucker) bestehen nur aus einem Zuckermolekül und können daher direkt dem Stoffwechsel zugeführt werden. Die bekanntesten Vertreter sind Glucose (Traubenzucker) und die für dieses Buch wichtige Fructose (Fruchtzucker).
Disaccharide (Zweifachzucker) bestehen aus zwei Zuckermolekülen und müssen während der Verdauung zunächst durch Enzyme in zwei Monosaccharide aufgespalten werden. Bekannteste Beispiele sind der Haushaltszucker, der aus einem Molekül Glucose und einem Molekül Fructose besteht, und der Milchzucker (Laktose), der aus einem Molekül Galaktose und einem Molekül Glucose besteht.
Polysaccharide (Vielfachzucker) bestehen aus mehreren Zuckermolekülen. Ihre Aufspaltung nimmt die meiste Verdauungsarbeit in Anspruch. Man unterscheidet hier zwischen den verdaulichen Polysacchariden, die man auch als Stärken bezeichnet, und den unverdaulichen Polysacchariden, auch Ballaststoffe genannt.
Der Einfachzucker Fructose kann auf zwei Arten in den Magen-Darm-Trakt gelangen: Entweder wird er als Bestandteil von Fruchtsaft, Obst oder Gemüse in seiner ursprünglichen Form aufgenommen und gelangt so bis in den Dünndarm, wo er direkt dem Stoffwechsel zugeführt wird. Fructose kann aber auch als Molekül eines Di- oder Polysaccharids in den Dünndarm kommen und somit erst nach der Aufspaltung durch Enzyme freigesetzt werden. Der Haushaltszucker, der ja aus je einem Molekül Glucose und einem Molekül Fructose besteht, wird beispielsweise durch das Enzym Saccharase gespalten. Fructoseketten, wie Oligofructose und Inulin, können nicht verstoffwechselt werden, weil es im menschlichen Darm nicht die entsprechenden Aufspaltungsenzyme gibt. Diese gelangen daher als Ballaststoffe unverändert in den Dickdarm und werden dort von Bakterien abgebaut. (Auf das Thema Ballaststoffe wird später noch ausführlicher eingegangen.)
Die lebenswichtigsten Prozesse bei der Verdauung von Nahrung spielen sich im menschlichen Dünndarm ab. Dieses schlauchförmige Organ ist für die Resorption (Aufnahme) der lebenswichtigen Nährstoffe verantwortlich. Der Dünndarm beginnt am Magenausgang und mündet in den Dickdarm. Die Oberfläche im Innern des Dünndarms wird durch Falten, Zotten und Mikrozotten um ein Vielfaches vergrößert. Die Barrierefunktion des Dünndarms verhindert, dass Bakterien und Toxine in den Organismus eindringen können. Gleichzeitig beherbergt die Dünndarmschleimhaut verschiedene Transportproteine, die nach dem Zeitpunkt ihrer Entdeckung mit GLUT-1 bis GLUT-14 benannt sind.
Das für die Resorption von Fructose zuständige GLUT-5 schleust die Einzelmoleküle in die Dünndarmzellen hinein, das GLUT-2 entlässt sie aus den Dünndarmzellen in die Blutbahn. Mit dem Blutstrom wird die Fructose im Körper verteilt und steht als Energielieferant zur Verfügung. Das Vorhandensein bzw. die Aktivität des GLUT-5-Transporters wird als Voraussetzung für die Aufnahme von Fructose im Darm angesehen, das heißt: Ist die Kapazität von GLUT-5 eingeschränkt oder überlastet, so kann Fruchtzucker nur bedingt in den Organismus überführt werden. Liegt ein solcher Zustand vor, so spricht man von einer Fructoseintoleranz oder Fructosemalabsorption.
Anders als bei der Aufnahme von Glucose aus dem Darminneren, bei der die Glucosemoleküle aktiv und damit vollständig über den sogenannten SGLT1-Transporter ins Darmepithel aufgenommen werden, erfolgt die Fructose-Aufnahme lediglich entlang des Konzentrationsgefälles, was auch als erleichterte Diffusion bezeichnet wird. Daher wird die Fructose nie vollständig aus dem Darminneren aufgenommen – auch bei gesunden Personen nicht.
Fructose wird vom Transportprotein GLUT-5 in die Dünndarmzelle geschleust und gelangt über den GLUT-2-Transporter in die Blutbahn des menschlichen Organismus.
Der GLUT-5-Transporter hat noch weitere Eigenheiten, die für die Fructose-Aufnahme sehr wichtig sind. Die Transportkapazität wird durch das gleichzeitige Vorhandensein von Sorbit und Xylit gehemmt, weil diese Zuckeralkohole ebenfalls den GLUT-5-Transporter nutzen. Einen gegenteiligen Effekt hat die Aufnahme von Glucose (Traubenzucker): Sie fördert die Resorptionsrate von Fructose und erhöht damit die tolerierbare Menge fructosehaltiger Speisen und Getränke. Vermutlich werden durch die Anwesenheit von Glucose zusätzliche Transportproteine bereitgestellt, die bevorzugt Glucose und Fructose in die Dünndarmzellen schleusen. Aus diesem Grund wird beispielsweise Haushaltszucker, der aus je einem Molekül Fructose und Glucose besteht, auch bei intestinaler Fructoseintoleranz problemlos verdaut. Man kann diesen Effekt nutzen, indem man Obst durch das Aufstreuen von Traubenzucker verträglicher macht.
Wissenswertes zu wichtigen Zuckerarten
Zuckerart
Resorption
Einfachzucker (Monosaccharide)
Glucose (Traubenzucker)
Glucose wird im Dünndarm über Transporter aktiv aufgenommen und landet nach dem Verzehr daher besonders schnell im Blut.
Fructose (Fruchtzucker)
Die Aufnahmekapazität für Fructose bei gesunden Menschen beträgt ungefähr 20 – 30 g pro Stunde. Bei Fructosemalabsorption meist wesentlich weniger.
Galaktose (Schleimzucker)
Galaktose ist ein Bestandteil des Milchzuckers und wird im Dünndarm resorbiert.
Zweifachzucker (Disaccharide)
Milchzucker (Laktose) besteht aus einem Molekül Galaktose und einem Molekül Glucose.
Milchzucker ist für viele Erwachsene unverträglich, weil ihnen das Enzym Lactase fehlt, das ihn aufspaltet.
Haushaltszucker (Saccharose) besteht aus einem Molekül Glucose und einem Molekül Fructose.
Haushaltszucker wird durch das Enzym Saccharase aufgespalten, bevor die beiden Einzelmoleküle aufgenommen werden können.
Vielfachzucker (Polysaccharide)
Stärke ist eine Kette aus Glucosemolekülen.
Die Stärke muss zunächst durch das Enzym Amylase aufgespalten werden, bevor sie aufgenommen werden kann.
Inulin ist eine Kette aus Fructosemolekülen mit einem endständigen Glucoserest. Oligofructose besteht aus bis zu zehn Fructosemolekülen.
Inulin und Oligofructose werden als Ballaststoffe bezeichnet, weil sie nicht verdaut werden können. Menschen fehlt das Enzym, das zur Aufspaltung notwendig wäre. Daher gelangen Inulin und Oligofructose unverändert in den Dickdarm, wo sie von Bakterien verstoffwechselt werden.
Es existieren zwei Arten der Fructoseintoleranz:
Die sogenannte intestinale Fructoseintoleranz, die auch als Fructosemalabsorption bezeichnet wird.
Die sogenannte hereditäre Fructoseintoleranz.
Um es vorwegzunehmen: Die Koch- und Rezeptvorschläge dieses Buches beziehen sich ausschließlich auf die intestinale Fructoseintoleranz. Alle hier beschriebenen Vorgänge und Zusammenhänge sind also nicht anwendbar auf die hereditäre Fructoseintoleranz und für Menschen mit dieser Erkrankung nicht geeignet!
Die hereditäre Fructoseintoleranz ist eine extrem seltene und sehr schwere Stoffwechselerkrankung, bei der Fruchtzucker auch in kleinsten Mengen strikt gemieden werden muss. Die hereditäre, also vererbliche Form wird meist schon im frühen Kindheitsalter diagnostiziert und erfordert eine strenge Diät, bei der sogar alle Zweifachzucker, die als molekularen Bestandteil Fructose enthalten (wie beispielsweise der Haushaltszucker), lebenslang gemieden werden müssen. Da auch kleinste Diätfehler bereits zu lebensbedrohlichen Zuständen führen, müssen Betroffene eine ganz spezielle Diätkost einhalten.
Anzeichen einer hereditären Fructoseintoleranz sind veränderte Leberwerte, starke Unterzuckerung und Gedeihstörungen bereits nach dem Abstillen. Hinweis: Es sei noch einmal betont, dass die Ratschläge und Rezeptvorschläge aus diesem Buch für Menschen mit hereditärer Fructoseintoleranz nicht geeignet sind!
Fruchtzucker übt bereits auf seinem Weg durch den Dünndarm und später auch im Dickdarm eine osmotische Wirkung aus. Sie hat zur Folge, dass Wasser aus dem umliegenden Gewebe in den Darm hineingezogen wird und so das Stuhlvolumen erhöht. Dadurch kommt es zu hörbaren Darmgeräuschen, krampfartigen Leibschmerzen und nicht selten zu einer osmotischen Diarrhö, also einem wässrigen Durchfall. Wird der Fruchtzucker zudem im Dickdarm von den dort ansässigen Darmbakterien fermentiert, entstehen die Stoffwechselprodukte Methan, Kohlendioxid und Wasserstoff. Diese Gasansammlung im Dickdarm bewirkt ein Spannungsgefühl im Bauchraum, welches als Völlegefühl wahrgenommen wird. Der Bauch wölbt sich dabei spürbar nach vorne, und viele Betroffene klagen wegen des Drucks auf den Magen über Übelkeit und Brechreiz. Da ein Teil der Gase durch die Darmwand diffundiert und über die Lungen abgeatmet wird, tritt in vielen Fällen Schwindelgefühl als Symptom auf. Zu guter Letzt werden die teils beträchtlichen Gasmengen in Form von Blähungen entsorgt.
Die Regeneration der Darmflora und eine Darmsanierung mit unterstützender Einnahme von Probiotika können sich bei einer Fructoseintoleranz vorteilhaft auswirken. Der Effekt zielt insbesondere auf eine »Neuorganisation« der Zusammensetzung der bakteriellen Darmflora ab. Dadurch soll eine Abschwächung der folgenreichen Abbauprozesse erreicht werden, die bei der Vergärung von Fructose durch Dickdarmbakterien verursacht werden. Zwischenzeitlich wurde die Darmsanierung als Allheilmittel jedweder Krankheitssymptome angesehen, was bei Fachleuten zu großer Skepsis führte. Mittlerweile sind ihre positiven Effekte bei bestimmten Arten von Durchfällen, bei der Unterdrückung krankheitserregender Keime sowie bei der Verdauung bestimmter Kohlenhydrate durch Studien belegt. Und nicht belegbaren Werbeaussagen wurde durch die neue, EU-weite Health-Claims-Verordnung ein Riegel vorgeschoben. Zur Wiederherstellung gesunder Verhältnisse im Darm eignen sich besonders die Bakterienstämme Lactobacillus acidophilus und Bifidobakterium. Führt man sie langfristig in Form von Nahrungsergänzungen oder probiotischen Lebensmitteln zu, so können sie zu einer Normalisierung des Darmmillieus beitragen. Probiotika sind im Handel, in Apotheken und im Internet frei erhältlich und eignen sich zur Stärkung gesunder Darmverhältnisse.
Der H2-Atemtest wird in einigen Arztpraxen sowie in den meisten Kliniken durchgeführt und bringt in wenigen Stunden Klarheit. Hierbei wird zunächst der Basalwert (Nüchternwert) der Wasserstoffabatmung festgestellt. Dazu bläst der Patient seine Atemluft in ein Messgerät, ähnlich wie bei einer Alkoholkontrolle. Damit der Test durchgeführt werden kann, muss der Basalwert unter 10 ppm (»parts per million«, also die Anzahl der H2-Teilchen in der Atemluft) liegen. Dann trinkt man eine Wasser-Fructose-Lösung. In den darauf folgenden 2 – 3 Stunden pustet der Patient seine Atemluft in festgelegten Abständen in das Messgerät. Lässt sich hierbei Wasserstoff in der Atemluft nachweisen, so ist die Diagnose einer Fructoseintoleranz erbracht, vorausgesetzt, es liegen auch die charakteristischen Symptome vor.
Bei gesunden Menschen wird sich der ppm-Wert der nachfolgenden Messungen gegenüber dem Nüchternwert nicht nennenswert verändern. Liegen alle ermittelten Werte unter 10 ppm, so ist es wahrscheinlich, dass keine Fructoseintoleranz vorliegt (oder dass man keine wasserstoffproduzierenden Bakterien im Darm hat, was gar nicht so selten vorkommt). Steigt der Wert um mindestens 20 ppm über den Ausgangswert an und liegen zeitgleich störende Darmsymptome wie Bauchschmerzen, Blähungen oder durchfallartige Störungen vor, wird die Diagnose intestinale Fructoseintoleranz gestellt. Die in der Praxis dokumentierten Werte liegen dann meist zwischen 20 und 200 ppm.
Aufgrund sich stetig ändernder Messverfahren stehen die hier genannten Werte nur beispielhaft für ein bestimmtes Vorgehen.
Gestörter Serotoninhaushalt
Die Liste möglicher Beschwerden im Magen-Darm-Bereich ist also lang. Aber damit nicht genug: Ein Großteil der Betroffenen klagt zudem über seelische Probleme wie Depressionen oder Konzentrationsstörungen sowie über häufige Erkältungskrankheiten und eine Reihe weiterer, unspezifischer Beschwerden. Heute weiß man, dass ein gestörter Serotoninhaushalt sowie Mangelerscheinungen im Hinblick auf die Versorgung mit Folsäure und Zink der Grund dafür sind. Aus Studien weiß man, dass eine Fructoseintoleranz die Aufnahme von Tryptophan in den Blutkreislauf unterdrückt. Diese Aminosäure ist aber erforderlich für die Bildung des »Glückshormons« Serotonin
