Hobbytag - Jürgen Ferdinand von Scharowetz - E-Book

Beschreibung

Georg hat mal wieder Wochenende und turnusmäßig steht sein Hobbytag an. Einmal im Monat geht es raus nach Bauer Schulte, um in seiner Scheune an einem Oldtimer zu schrauben. Zusammen mit seinen Freunden Willi und Frank wird es dieses Mal zu einem Fiasko. Georg und Willi treten dabei von einem Fettnäpfchen in das Nächste. Georg macht Bekanntschaft mit einer Vertiefung in einem Bach, mit einem bekannten Politiker und mit einer bildhübschen Schauspielerin, die er aus dem Fernesehen kennt. Es ist ein heißer Sommertag, an dem man nicht ohne Schuhe gehen sollte. Georg geht ohne, aber nicht freiwillig. Wie kommt Georg an seinen Hobbytag auf den Markt und warum ist er vor der Polizei auf der Flucht?

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 208

Veröffentlichungsjahr: 2015

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Vorwort

Mit dem zweiten Buch, aus der Serie „Geschichten von Georg“, möchten wir uns bei den Lesern des Erstlingswerk, „Ich kaufe nur eine Jacke“ entschuldigen.

Unsere beiden Schreibprogramme haben sich, zu unserem bedauern, leider nicht vertragen.

Als PDF Datei an den Verlag geschickt, stellten sich diverse Fehler raus. Wir bedauern dieses sehr und versuchen die Fehlerquote in Zukunft zu minimieren.

Der Mensch ist eine Fehlerquelle und wir sowieso. Es war unser erster Versuch, aus dem wir gelernt haben.

Jetzt zu dem positiven der Geschichte. Die Resonanz war ausgesprochen gut, was uns zum weitermachen veranlasst hat. Wir haben uns bekannten Personen auf die Fehler des Buches hingewiesen und die allgemeine Reaktion war: „So ein Quatsch. Fehler sind das Salz in der Suppe, nur der Inhalt zählt und der ruft nach mehr Humor dieser Art.“

Danke! Wir bedanken uns bei Euch im voraus, weil sich sicherlich auch in Zukunft nicht jeder Fehler vermeiden lässt. Nun wünschen wir Euch viel Spaß beim lesen der neuen Geschichte von Georg.

Bisherige Bücher:

Ich kaufe nur eine Jacke

1

Mein Hobbytag!

Mein Gott! Was war das wieder für eine scheiß Woche!

Egal. Vergessen. Ich habe Wochenende, halbwegs ausgeschlafen und heute ist mein Tag! Da pfuscht mir keiner rein. Heidi ist noch im Badezimmer und richtet sich her. Ich schaue auf meine Uhr, 8.23 Uhr. Verdammt früh für einen Samstag, aber wenn es um mein Hobby geht, dann ist es nie zu früh. Ich gehe nach draußen und öffne das Garagentor. Jau, Auto steht drin und scheint in Ordnung zu sein. Man weiß ja nie, denn die Frau fährt den Wagen ja auch. Sicherheitshalber gehe ich nochmal um das Gefährt, nö, keine Macke, oder Schramme zu erkenne.

Puh, Gott sei Dank!

„Georg, was machst du an der Garage?“, hörte ich hinter mir meine Holde rufen und das hörte sich merkwürdig vorwurfsvoll an.

„Wieso, was soll ich da schon machen? Vielleicht den Wagen rausfahren, damit ich gleich mit ihm zu Bauer Schulte fahre?“

„Ne“ kam es schnippisch aus dem Hintergrund. Ich schaute sparsam und drehte mich um, ging ein paar Schritte zum Garagentor, schaute noch immer sparsam und guckte auch so in Richtung Badezimmerfenster, von der ich die Stimme vermutete. Plötzlich ging rechts von mir die Haustür auf, aus der meine Heidi trat. Ihr Gesichtsausdruck lies nicht gutes erahnen.

„Was heißt hier ne? Heute ist doch mein Hobbytag und da fahre ich mit dem Auto zu Bauer Schulte. Das ist so und das bleibt so.“

Beide Arme stemmte ich in die Hüften, um meinen Worten den nötigen Ausdruck zu verleihen.

„Nö, kannste vergessen“, kam es unbeeindruckt von ihr zurück. Ihre Augen wurden schmaler und funkelten mich bedrohlich an.

„Du hast doch kein Gewohnheitsrecht, mein Lieber, soweit kommt das noch. Ruf doch Willi an und lass dich abholen. Ich brauche das Auto heute, so!!!“

Ich schnappte nach Luft und Heidi verschwand ins Haus, nicht einmal eine Antwort hat sie abgewartet. Verdammte Hacke, hab ich hier überhaupt nichts mehr zu sagen?

Hastig folgte ich ihr, aufgewühlt und stinkig. Ich riss die Badezimmertür auf und fuchtelte erregt mit dem Autoschlüsselbund herum.

„Sag mal, was..........?“

Wo war sie? Ich riss die Tür noch weiter auf und schaute dahinter. Ich fuchtelte wieder mit dem Schlüsselbund und wollte gerade loslegen, doch da war sie auch nicht.

Bevor ich platzen konnte, hörte ich wie draußen das Auto angelassen wurde. Wie jetzt? Das kann doch nicht wahr sein! Schnell lief ich zur Haustür und sah meine Gattin, wie sie den Wagen aus der Garage fuhr. Das schlägt den Fass den Boden aus! Ich war sprachlos, dass ich vergessen hatte, dass es bis zum Boden noch drei Treppenstufen gab.

Gekonnt, jedenfalls hatte ich den Eindruck, machte ich den Abflug und landete unsanft einen Meter vom Auto entfernt auf den Boden. Jetzt nur keinen Schmerz anmerken lassen!

„Was machst Du da?“ Sie wartete aber meine Antwort gar nicht erst ab und fügte nahtlos hinzu: “Du kannst doch dein Fahrrad nehmen, so weit ist der Weg zu Bauer Schulte auch nicht.

Und außerdem, ein bisschen Bewegung tut Dir mal ganz gut. Mein „aber“ schien sie nicht vernommen zu haben.

„Mein Termin mit Mutti ist einfach wichtiger, als dein komischer Hobbytag. Schließlich kann ich sie ja nicht alleine durch die Stadt bummeln lassen. Gut, das du das verstehst!“

„Aber mein Fahrrad steht in der Scheune von Bauer Schulte, weil es kaputt ist und.............!!!!!“

„Dann nimm halt mein altes Fahrrad. Tschüüüüüüss!“

Wie eine wilde Furie fuhr sie davon, wie immer hätte sie den Neid von vielen Formel 1 Rennfahrern bekommen und ich nur den durch die Reifen aufgewühlten Dreck ins Gesicht. Ich hustete und prustete mir den Staub aus dem Hals und richtete mich entmutigt wieder auf. Wütend schaute ich auf den Autoschlüssel in meiner Hand.

Scheiße, scheiße auch! Demnächst schaffe ich den Zweitschlüssel ab. Autsch, mein Bein. Nicht einmal gefragt hat sie, wie es mir geht. Ihr altes Fahrrad! Pah!!!

Ihr neues Rad hat sie ja ihrem Bruder Basti geliehen. Na klar, geliehen....vor gut einem Jahr! Wie das wohl aussieht? Wahrscheinlicher aber ist, der hat es schon längst verscherbelt. Boah!!! Jetzt nur nicht auch noch an den Affen denken, sonst ist der Tag gelaufen, bevor er überhaupt angefangen ist. In der Garage konnte ich kein Fahrrad entdecken, nur den komischen Spiegel an der Wand. Den wollte meine Heidi haben, damit sie gucken kann, ob sie anständig ins Auto steigt. Meine Kollegen haben schon gelästert. „Na du eitler Pfau?“, haben sie gesagt und „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der schönste Mann im Land.“ Wer den Schaden hat, der spottet jeder Beschreibung. Ich habe es aufgegeben, darauf noch Antwort zu geben.

Ach ja! Jetzt fällt es mir wieder ein! Die alte Möhre von Fahrrad steht unten im Keller und rostet nur so vor sich hin. Meine Befürchtung hat sich leider bewahrheitet. Jetzt kommt mir auch in den Kopf, dass ich die Karre schon länger auf den Müll werfen wollte und meine Dame mich daran gehindert hat.

„Man weiß ja nie, wozu man das hübsche Fahrrad noch gebrauchen kann.“, waren Heidis Worte.

Na klar! Um nach Bauer Schulte zu fahren! Mein Schwager Basti gurkt mit dem E-Antriebsfahrrad durch die Gegend und ich kann zusehen, wie ich den alten Schrotthaufen zum laufen kriege. Eine wertvolle halbe Stunde hat es gebraucht, dass ich den Eindruck hatte, das die Fietse wieder funktionstüchtig ist. Nachdem ich mich gesäubert hatte, schwang ich mich auf den Drahtesel und versuchte unerkannt aus unserer Siedlung zu kommen, was mir auch halbwegs gelang. Nicht das die Nachbarn denken, bei uns ist die Armut ausgebrochen. Komm scheiß drauf, was interessiert mich das blöde Volk. Oder?

Endlich, außerhalb der Stadt und auf zu Bauer Schulte!

2

Allmählich kriegte ich die Wut. Ich strampel mir die Lunge aus dem Hals und habe das Gefühl, das ich kaum vorwärts komm. Von Bauer Schulte bin ich noch meilenweit entfernt. So ein Käse und Willi wartet schon auf mich. Ich schaute auf die Uhr.....9.48 Uhr.

Die Landstraße war nicht sehr befahren, trotzdem wankte mein Fahrrad jedes Mal, wenn ein Auto daran vorbeifuhr.

Ich sah rechts einen großen Feldweg.....den nehme ich.

Denn erstens fahren da keine Autos und zweitens brauch ich nicht den großen Bogen zu fahren. Den rechten Arm zu heben, um die Richtung anzuzeigen, wohin ich fahren will, trau ich mich nicht. Schlackert die Lenkung doch wie ein Lämmerschwanz. So biege ich ab in den Feldweg.

Schlagloch!!! Ein Tritt ins Leere, aua, Mist, verdammte Sch.........! Zwischen den Beinen schmerzte es bestialisch.

Ich ließ das Fahrrad mit schmerzverzehrtem Gesicht auslaufen und mich langsam zur Seite fallen. Es war mir völlig Piepe, dass ich im Staub lag, Hauptsache der Schmerz lässt nach. Immer noch nach Luft schnappend, richtete ich mich allmählich wieder auf. Versteht sich von selbst, noch nicht piele gerade, leicht gekrümmt.

Vorwurfsvoll blickte ich auf das Fahrrad. War doch klar!

Die Kette ist abgesprungen. Mit so einer Krücke muss ich durch die Botanik eiern. Wutentbrannt schnappte ich mir das Vehikel und schwang mich wieder drauf. Natürlich erst, nachdem ich die Kette wieder aufs Zahnrad gefummelt habe. Der noch vorhandene Schmerz ließ mich ein wenig vorsichtiger fahren, nütze nichts. Nächstes Schlagloch, wieder Kette runter. Nur diesmal hatte ich die Füße schneller unten, um schlimmeres zu vermeiden.

Ist mir auch halbwegs gelungen, nur sahen meine Finger jetzt noch besser aus. Das schmierige, alte ranzige Fett versuchte ich im Gras abzustreifen....klappte nicht.

Stattdessen hat es sich noch breiter auf meine Finger ausgedehnt....Toll! So seh ich eigentlich nach meinem Hobby aus und nicht schon vorher. Was ist aus meiner Vorfreude von heute Morgen geworden? Die paar Minuten Verspätung machen doch den Hahn nicht fett, versuchte ich mir einzureden, um wieder runterzukommen. Hielt nicht lange an, wieder Kette ab und nochmals. Der Feldweg läuft auf eine Gabelung aus, die nach links und rechts abging. Direkt davor ein mächtiger Laubbaum und dahinter ein Bach, der an dieser Stelle einen Kolk hatte.

Genau hier flog wieder die Kette runter. Mir ist nichts passiert, aber dem Fahrrad. Ich sah rot!!! Voller Wut packte ich den Drahtesel und warf ihn sonst wohin!!!

Entkräftet und desillusioniert, sackte ich mit gesengtem Haupt zu Boden! Ich atmete ein paar Mal tief durch, bevor ich überhaupt wieder denken konnte. Scheiße!! Was haste nun gemacht, schoss es mir durch die hohle Birne! Bist du denn nur blöd? Wie soll ich denn jetzt weiterkommen, ohne das Schmuckstück? Wie heißt es doch so schön?

„Lieber schlecht gefahren, als gut gelaufen.“

Wenn ich mich noch recht erinnere, hab ich da nicht im Anfall meiner Wut, im Hintergrund ein Plätschern gehört?

Verdammt, dann habe ich die Karre wohl in den Kolk geworfen, zumal ich sie nicht sehen kann. Mir bleibt aber auch nichts erspart, was soll ich machen? Per pedes weiter, oder das Rostgestell aus dem Bach holen? Ich setzte mich vor dem Bach und grübelte. Nütze ja nichts, die Karre muss da wieder raus, sonst werde ich wegen des Schrotthaufens zu Hause noch erschlagen.

Wohl oder übel zog ich mir die Klamotten aus. Unterhose lass ich lieber an....Mist, mit einer nassen Unterplinte macht es gewiss keinen Spaß weiterzufahren. Ich guckte nach links und rechts, nichts zu sehen. Gut, da vorne sind ein paar Bäume, da wird ja wohl niemand sein, redete ich mir ein. Runter damit!!!

Mit einem Satz sprang ich rein, ei verdammt war das Wasser kalt! Gottlob war der Kolk nicht so tief und ging mir nur zur Brust. Vorsichtig versuchte ich, mit den Füßen den Boden abzutasten....nichts! Ich ging rüber zur anderen Seite.

„Habt ihr zu Hause kein Wasser mehr, das du hier baden musst?“, hörte ich hinter mir eine bekannte weibliche Stimme. Verdammt!! Ich merkte, wie mir die Schamesröte in den Kopf stieg.

„Was ist? Keine Antwort? Vielleicht sehe ich das falsch und das ist dein neues Vergnügen am Samstagmorgen.

Hä?“

Nur zögerlich drehte ich mich um, auch wenn mir nicht danach war und ich lieber im Kolk abgetaucht wäre. Da stand sie, Jennifer. Zwischen ihren Beinen ein gepflegtes Fahrrad und sie lächelte zu mir rüber. Mit einem Lächeln, das ich so noch nie bei ihr gesehen habe und noch mehr Blut in meinem Kopf beförderte. Meine Schaltzentrale war nicht fähig auf Hochtouren zu arbeiten, eigentlich gar nicht. Erst recht nicht, als ich meine Unterhose vor ihr auf dem Boden liegen sah. Frech schaute sie auch noch darauf und ihr Grinsen wurde noch breiter. Wenn es die Frau von Bauer Schulte gewesen wäre, die schon über 70 ist, aber so!

„Komm schon raus, du brauchst dich nicht zu genieren, hab ich alles schon gesehen.“

Dabei stellte sie ihr Fahrrad ab und kam ein paar Schritte näher. Von unten aus meiner Sicht, sah sie eigentlich wie immer, sehr verführerisch aus. Eben jung, braune Haare, die vom Wind ein wenig zerzaust waren und dann dieser Minirock, aus der schlanke, wohlgeformte Beine meinen Augen schmeichelten. Verdammt!!! Mein kleiner da unten im Kolk, bleib schön ruhig! Schluck!!!

„Was ist jetzt? Willst du so deinen Samstag verbringen?

Ich hab ein Tuch für dich, damit kannst Du Dich abtrocknen. Denn wie ich sehe, hast du bis auf deine Klamotten nichts dabei. War wohl doch eine Spontan Aktion.“

Ich fand allmählich meine Sprache wieder.

„Ja, also, ich will mal so sagen. Spontan Aktion kommt meiner Schwimmeinlage wohl am nächsten. Und und.....!“

„Jetzt zier Dich nicht so, schließlich wartet Dein Schmuckstück von Oldie auf dich. Oder bist du nicht wie üblich auf dem Weg zu Bauer Schulte?“

Ich nickte. „Doch schon.“

Mir wurde ganz flau, doch ich musste wohl oder übel aus dem Wasser, zumal ich davon ausgehen konnte, dass Jennifer nicht vorhatte sich zu entfernen.

„Würdest du dich bitte umdrehen, dann fällt es mir leichter. Du verstehst schon, oder?“ Sie lachte und schüttelte den Kopf.

„Man Georg! Du bist doppelt so alt, wie ich und so prüde, das hätte ich nicht von dir gedacht.“

Wahrscheinlich hatte sie recht und ohne nachzudenken kam ich aus dem Wasser. Natürlich nicht, ohne mir die Hände vor meine Kronjuwelen, nebst Anhang zu halten.

Lächelnd reichte sie mir das versprochene Handtuch. Mit so einem kleinen Fetzen sollte ich mich abtrocknen?

Das reicht gerade mal für beide Arme. Sie zog ihre Mundwinkel nach unten, ohne dabei ihr vielsagendes Lächeln zu verlieren und blinkte mit den Augen.

„Mehr habe ich leider nicht, mein lieber Georg, aber immer noch besser, als mit dem Slip abzutrocknen.“

Wo sie recht hatte. Sie hatte es grade ausgesprochen und ich wollte nach dem Tuch greifen, da stieß sie einen spitzen Schrei aus. „Ihhhhhhhhh!!Du hast da am rechten Bein einen Blutegel!! Ihhhhhhhh!!“

Ihre finstere Miene sagte mir, das ist kein Spaß. Sie hatte recht!! Ahhhhhhh!! Wild schlug ich mit beiden Händen nach dem widerlichen Monstrum an meinem Bein....scheiße es will nicht abgehen!! Panik!!!!!

„Bleib stehen“, rief sie! Für einen Augenblick schaute ich sie verdutzt an, um dann weiter um mich zu schlagen.

„Verdammt Georg! Bleib endlich stehen. Ich habe gehört, das man sie mit Feuer abbekommt und ich hab ein Feuerzeug. Warte.“ Ja stimmt, dass hatte ich schon einmal gehört. „Ist gut, ist gut, ich bleib schon stehen. Mach schon! Schnell!“

Mir kam es wie eine Ewigkeit vor, bis sie das Feuerzeug aus ihrer Handtasche hervor kramte und ich sah, wie die Flamme das Tier traf. Aber es half! Hallelujah, es half!

Boah! Mit beiden Händen stützte ich mich, ein wenig gebeugt, auf meinen Knien ab und schaute nach unten.

Was für ein Schrecken! Gottlob ist das vorbei!

„Soll ich den kleinen schwarzen Egel zwischen deinen Beinen auch abflammen?“

Schreck!! Ich schaute ängstlich an mir herunter und begriff dann doch ziemlich schnell, was man so schnell nennt, was sie meinte und auch ihr dreckiges Lachen mir verriet.

Mit Scham stellte ich fest, das ich erstens ihr völlig entblößt gegenüber stand und zweitens, ich mit den dreckigen Händen meinen Schniepes total beschmiert hatte. Wie peinlich!! Ich kam mir vor, wie Rumpelstilzchen, als man seinen Namen herausgefunden hatte. Auf einem Bein drehen und im Erdboden versinken.

Mein Mund drückte ein gequältes Lächeln aus, aber meine Augen verrieten meine innere Gemütslage.

„Ich weiß nicht, wie du das geschafft hast, aber ungewöhnlich ist das schon. Findest du das nicht auch?

Vielleicht kannst du mir sagen, wie du daran gekommen bist? Denn ich gehe mal davon aus, das dein bestes Stück nicht immer so aussieht.“

Ich zuckte mit den Schultern und zog die Mundwinkel nach unten. Jennifer reichte mir ein kleines Seifstück hin, was sie aus ihrer Tasche holte und ging zu ihrem Fahrrad.

Schnell sprang ich in den Kolk und wusch mit aller Heftigkeit, wobei es schon manchmal schmerzte, den Dreck ab. Beim umdrehen sah ich, wie sie ihr Handy herausholte. Jetzt ist alles vorbei! Sicherlich wird sie es allen erzählen und ich bin der Depp über Jahre! Über Jahre? Ne, den Rest meines Lebens, da bin ich mir sicher.

Nicht auszudenken! Schnell sprang ich aus dem Wasser, nahm den Stofffetzen und trocknete mich ab, so gut es damit ging. Ich ließ sie nicht aus den Augen und sah, das sie aus den Augenwinkel zu mir rüberlinste.

„Na, sieht doch schon viel besser aus, dein gutes Stück.“

Ihr grinsen sah wohlwollend aus. Schon hatte ich den Schlüpfer angezogen und schaute sie fragend an. Nicht nur die eigene Frau kann aus deinem dummen Gesicht lesen, nein auch Fremde.

„Ne, ne, das bleibt unter uns, ich hab nur auf mein Handy geguckt, weil eine SMS von Bert gekommen ist. Der will wissen, wo ich bleibe. Na ja, ich bin ja gleich bei ihm.“

Ihre Worte empfand ich als Erleichterung, aber kann ich mich auf Dauer darauf verlassen?

„Bevor ich mich auf den Weg mache, erzählst du mir noch, wie das ganze mit dir hier zustande gekommen ist.

Sonst überlege ich mir das noch, mit dem nicht weitersagen.“

Dabei schaute sie mich fragend von der Seite an, nicht ohne ihr Dauergrinsen zu verlieren. Was sage ich? Bis ans Ende meiner Tage bin ich ihr ausgeliefert. Was soll´s, da muss ich durch.

„Natürlich bade ich hier nicht freiwillig und natürlich war ich auch dem Weg nach Bauer Schulte. Ähh, heute mal mit dem Fahrrad, das ist ja das Elend.“

Jennifer unterbrach mich. „Hat Heidi dir nicht das Auto gegeben? Du Armer.“

Ihr „Mitleid“ kam sehr zynisch rüber.

„Mach dich nur lustig. Na ja, jedenfalls bin ich mit der alten Möhre von Heidi unterwegs gewesen und die hat an dieser Stelle versagt, wie auch immer und ist in diesen Kolk gestürzt. Ich habe nur versucht, die Karre wieder aus dem Wasser zu holen, das war es.“

Sie grinste schon wieder hämisch.....was soll das? Das verunsicherte mich zusehends.

„Hat das Fahrrad vielleicht einen roten Rahmen? Und vielleicht silberne Schutzbleche?“

Hä? Woher? Aber das wird wohl sicherlich eine Vermutung sein, oder sie kennt es noch von früher.

„Ich mein ja nur, wenn nicht, dann wird es wohl nicht das Fahrrad sein, was da oben im Baum hängt?“

Verdutzt schaute ich zu dem Baum hinauf. So eine Scheiße! Was bin ich für ein Ochse! Da hängt das Fahrrad tatsächlich an einem Ast und sagt nichts. Wie zum Teufel ist es dahin gekommen? Was für eine dumme Frage, die ich mir da selber stelle. Ja wie wohl!

„Ich hab zwar keine Zeit Georg, höre mir aber gerne noch die richtige Geschichte an.“

Muss die immer noch grinsen? Sie könnte die Schwester meiner Frau sein, diese Ähnlichkeit in ihrem Wesen ist phänomenal. So erzählte ich den Hergang des Geschehens, wobei sie alles lückenlos wissen wollte.

„Donnerwetter Georg, das sieht man dir wirklich nicht an, das du in deiner Wut so eine Kraft entwickeln kannst, alle Achtung! Das hätte der stärkste Mann der Welt nicht hingekriegt, das Fahrrad da oben in den Baum zu werfen.“

Sie nickte anerkennend, dennoch stolz machte mich das wirklich nicht, eher sauer. Zumal ich davon ausgehen musste, das sie das ironisch meinte. Mit Erleichterung sah ich, das sie auf ihr Fahrrad stieg.

„Tschüss Georg und viel Spaß in der Scheune“, sagte Jennifer und trat in die Pedalen. Ich schaute wie ein begossener Pudel hinterher. „Ja danke, das wünsche ich Dir auch in eurer Werkstatt.“ Noch einmal drehte sie sich zu meiner Überraschung um, fuhr langsam weiter und rief mir zu: “Mach Dir keine Sorgen, die Sache hier bleibt unter uns, versprochen!“

Eine Zentnerlast fiel von mir ab, trotz immer noch eines mulmigen Gefühls in der Magengegend. Nun stand ich vor dem Baum und schaute rauf zum Fahrrad. Ein Kopfschütteln rang ich mir ab. Wieso habe ich das Fahrrad da oben nicht gesehen? Hätte aber und!

Behände, na ja eher behäbig und vorsichtig, kletterte ich zum Fahrrad hoch, man ist ja keine Zwanzig mehr. Es ging besser, als ich erhofft hatte. Das Fahrrad fiel zu Boden und ich war schneller wieder unten, als gedacht. Gut, ich habe den letzten Ast nicht erwischt und bin gefallen. Aber nur ein bis zwei Meter und ich habe mir auch nicht wehgetan.

Auaaaaaa! Einmal tief durchatmen, Schuhe an und dann schnell zur Scheune. Willi wird mir den Kopf abreißen!

Schuhe? Da ist nur einer! Wo ist der andere? Alles suchen war vergeblich. Dann fiel mir das Geräusch wieder ein, jenes Plätschern nachdem ich das Fahrrad voller Wut weggeschmissen habe. Verdammte Scheiße noch einmal.

Mein Schuh hat das Geräusch verursacht! Wie konnte das passieren? Ich stellte mich vor dem Kolk und versuchte auf den Grund zu gucken. Du meine Güte, das geht ja! Ja sag mal, bin ich denn total benagelt? Wenn ich das gleich gemacht hätte, dann hätte ich mir die Schwimmeinlage sparen können. Am liebsten hätte ich mir in den Arsch gebissen....Da ist auch mein Schuh im Wasser zu erkennen. Ich hatte schon die Finger am Knopf meines Hemdes. Ne! Nicht schon wieder! Scheiß auf den Schuh!

Der bleibt da unten! Warte mal, wenn ich den Schuh auf dem Grund sehe, dann hat Jennifer doch auch Einblick gehabt! Was soll´s, ist eh alles wurscht. Gekonnt schwang ich mich auf den Drahtesel und machte mich auf die Socken. Ich nahm den linken Weg, der genauso staubig war, wie der rechte, war ja auch die einzige Alternative, um zur Scheune zu kommen. Mir kam Jennifer wieder in den Kopf, sie und Bert schrauben am richtigen Auto herum. Damals hätte ich die beiden am liebsten umgebracht, schnappten die uns doch den schönen Triumpf TR4 vor der Nase weg!

Willi der Hammel, zögerte so lange herum, bis die Beiden sich das Schmuckstück unter den Nagel gerissen haben.

Und das nur, weil er einen NSU Prinz gesehen hatte. So einen hatte er mal besessen und war hin und weg. Er ist es immer noch, nur ich nicht. Haben wir uns doch tatsächlich die Karre gekauft, wenn es wenigstens ein TT gewesen wäre. Schließlich habe ich mich breitschlagen lassen und komm aus der Nummer nicht mehr raus. Sicherlich macht das Schrauben an der Karre auch Spaß, aber nicht soviel.

Ich freu mich nicht mal darauf, wenn die Gurke irgendwann einmal fertig ist. Mit 600 Kubik und 30 PS durch die Gegend zu eiern, welch ein Reiz! Wenn sich wenigstens einer darauf freut! Komisch, mir fällt auf, das die Kette noch gar nicht wieder abgesprungen ist. Hä?

Jetzt nur nicht zu laut denken! Ich schaute auf meinen total eingestaubten Fuß, als ich Treckergeräusche hörte. Vor mir tat sich eine Staubwand auf, in der ich mich eigentlich schon befand. Der Versuch, die Uhrzeit von der Armbanduhr abzulesen, war vergeblich. Mit gesenktem Haupt, kämpfte ich mich durch die undurchsichtige Wand, wie ein Beduine durch die Sahara. Motorengeräusche kommen näher, schemenhaft nahm ich den Traktor wahr.

Mir blieb nur der Grünstreifen neben dem Feldweg, um an der Dreckschleuder vorbeizukommen. Auf halber Höhe des Schleppers, konnte ich gucken. Bauer Schulte! Wer sonst! Verdutzt schaute er zu mir runter.

Er brüllte: “Wat machst denn du hier? Haste dich verlaufen?“

Ich hatte Mühe das Gleichgewicht zu halten und seine Worte wahrzunehmen. Der Trecker machten einen Höllenlärm und der Staub, kaum auszuhalten.

„Willste mir bei de Arbeit zugucken? Wat ik so mache?“

„Neee, ich will zur Scheune!“ erwiderte ich.

Unter Bauer Schultes massigen Körper wirkte der Trecker richtig zierlich. Er hatte sich ein verknotetes Taschentuch auf sein lichtes Haupt gelegt, so dass nur sein Haarkranz zu sehen war. Schweißperlen bahnten sich Wege über sein Gesicht und vereinigten sich mit dem aufgewirbelten Staub. Seine blauen Schweinsaugen schauten mich fragend an.

„Sach ma, willste heute nich inne Scheune? Is doch Samstach wa?“

Es war anstrengend, so neben den fahrenden Trecker zu bestehen, mit dem Fahrrad. Ich eierte mir einen zurecht, mal auf der Grasnarbe, mal auf dem Feldweg.

Die Antwort blieb mir im Halse stecken, obwohl ich ihm die schon vorher gegeben hatte. Der elende Staub! So fuchtelte ich mit dem rechten Arm und hustete mir die Atemwege frei.

„Ja, sag ich doch! Ich will zur Scheune!“, schrie ich.

Unvermindert blieb der Bauer stehen und ich fuhr ein Stück weiter. Rückwärts drückte ich mein Rad zurück.

Schulte von vorne, wahrlich ein exotischer Anblick, wie ein Buddha für Landleute. Nur das der Thron ein Traktor war und das wohl irgendwann mal weiße Unterhemd jetzt kohlrabenschwarz. Seine überdimensionalen Brüste lagen auf seinem Bauch und schienen sich auszuruhen. Das Bremsen verursachte eine dichte Staubwolke hinter dem Traktor, die sich langsam über uns ausbreitete. Ich wagte nicht zu atmen und schloss die Augen. War sowieso nichts zu sehen, nur das dumpfe Blubbern des Motors war zu hören.

„Wat häst sächt?“

Allmählich konnte ich die Luft nicht mehr anhalten. Ich öffnete die Augen....puh! Das Gros der Wolke hat sich verzogen.

„Ich sage doch, das ich zur Scheune will.“ Bei jedem öffnen des Mundes, setzte sich Staub auf die Zähne und die Zunge. Einfach widerlich!!!

„Wat mogst dann hier?“, wollte mein Bäuerchen wissen.

Was für eine dumme Frage! „Ja dahinfahren, was sonst?“

„Hier geiht dat aber nich längs. Do achtern über die Strote“, und zeigte mit seinen monströsen Winkarm in die Richtung, aus der ich kam. Meine Augen sahen aber zuerst nur den dichten Urwald unter seinem Arm, bevor ich den krummen Finger wahrnahm, der mir den Weg wies.