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Das Homöopathie Handbuch beinhaltet als Standardwerk zwei ineinandergreifende Behandlungskonzepte. Zum einen findet der Leser hier alle homöopathischen Mittel, die sich für eine Selbstbehandlung bei leichteren Beschwerden eignen, zum anderen stellt das Buch Mittel für die therapiegestützte Behandlung bei chronischen und schweren Erkrankungen vor. Im ersten Kapitel wird über Geschichte und Wesen der Homöopathie informiert. Der Leser erfährt, wie ein individuell passendes Mittel zu finden ist und welche Potenzen und Dosierungen in Frage kommen. Das zweite Kapitel widmet sich den Organen und ihren Beschwerdebildern. Nach einer kurzen Erläuterung des medizinischen Hintergrundes sind die dazugehörigen homöopathischen Mittel aufgelistet. Das dritte Kapitel enthält eine Sammlung aller in diesem Buch genannten homöopathischen Mittel mit Informationen über Herkunft, Leitsymptome und Anwendungen. Auf einen Blick sind so alle Mittel mit den dazugehörigen Beschwerde Anwendungen zu sehen.
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Seitenzahl: 806
Veröffentlichungsjahr: 2012
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© eBook: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München, 2012
© Printausgabe: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München, 2007
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Projektleitung: Barbara Fellenberg
Lektorat: Barbara von Wirth
Covergestaltung: independent Medien-Design, Horst Moser, München
eBook-Herstellung: Renate Hutt
ISBN 978-3-8338-3099-0
3. Auflage 2018
Bildnachweis
Coverabbildung: Dieter Knapp
Fotos: Andreas Beck; BIOS; Corbis; DHU (Franz Stempfle, Hr. Maus); Beat Ernst, Basel; Flora Press; Focus/SPL; Gettyimages; GU (Kai Stiepel, Harry Bischof); Frank Hecker, Naturfotografie; Josef Hlasek; IFA-Bilderteam; Interfoto; Jump; Lavendelfoto; Mauritius; Okapia; Pflanzenbildarchiv MFW, Basel; Manfred Pforr, Naturbild-Archiv; Henrieke Schechter; Sebastian Seidl; Roland Spohn, Botanik-Fotoarchiv Engen; Franz Stempfle; Wildlife.
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Die Ratschläge zur Selbstbehandlung in diesem Buch sind von den Autoren und vom Verlag sorgfältig erwogen und geprüft. Dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Bei ernsthafteren und/ oder länger anhaltenden Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt oder Heilpraktiker Ihres Vertrauens zu Rate ziehen. Eine Haftung der Autoren und des Verlages für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.
„Wähle, um sanft, schnell, gewiss und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll.“
(Samuel Hahnemann)
Das Homöopathie-Handbuch beinhaltet als neues Standardwerk zwei ineinander übergehende Behandlungskonzepte: Zum einen finden Sie hier alle homöopathischen Mittel, die sich für eine Selbstbehandlung bei leichteren Beschwerden eignen, zum anderen stellt das Buch Mittel für die therapiegestützte Behandlung bei chronischen oder schweren Erkrankungen vor.
Im ersten Kapitel informieren wir Sie unter anderem über Geschichte und Wesen der Homöopathie. Sie erfahren, wie Sie ein individuell passendes Mittel finden und welche Potenzen und Dosierungen für Sie in Frage kommen. Das zweite Kapitel widmet sich den großen Organsystemen und ihren Beschwerdenbildern. So finden Sie zum Beispiel unter „Atemwege“ Erkrankungen wie Asthma oder Bronchitis. Nach einer kurzen Erläuterung des medizinischen Hintergrundes sind die dazugehörigen homöopathischen Mittel aufgelistet: Als Erstes die Präparate, die bei einem akuten Geschehen helfen, anschließend die Mittel, die Sie im Fall einer chronischen Krankheit zusätzlich zu Ihren üblichen Medikamenten einnehmen können. Das dritte Kapitel enthält eine alphabetische Sammlung aller in diesem Buch genannten 260 homöopathischen Mittel mit Informationen über Herkunft, Leitsymptome, Modalitäten sowie den Einsatz des jeweiligen Homöopathikums. Schließlich bietet Ihnen das vierte Kapitel neben einer Auflistung der wichtigsten Mittel für Ihre Haus- und Notfallapotheke zusätzlich eine große Übersichtstabelle aller Mittel mit den dazugehörigen Beschwerdenanwendungen.
Dieses Standard-Nachschlagewerk soll Ihnen und Ihren Angehörigen in sämtlichen Fragen zum Thema Gesundheit und vor allem im Krankheitsfall ein guter Begleiter und eine nützliche Hilfe sein.
Dr. med. Markus Wiesenauer
Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns
Die Homöopathie hat eine mehr als 200-jährige Tradition. Erlöste sie einst die Menschen von therapeutischen Maßnahmen wie Aderlässen und Schröpfkuren, so ist sie bis heute eine der wenigen Behandlungsmethoden, die sich nicht nur um den Menschen in seiner Gesamtheit kümmert, sondern auch seine grundlegende Heilung anstrebt. Im folgenden Kapitel informieren wir Sie über die Grundlagen der Homöopathie und ihre Anwendung in der heutigen Zeit.
Das Interesse an der Homöopathie steigt unaufhörlich. Die sanfte Heilmethode zählt heute zu den beliebtesten alternativen Therapieformen. Sie wird von all diesen auch am häufigsten in Anspruch genommen. So haben Umfragen zufolge 38 % der Deutschen schon einmal homöopathische Mittel angewandt, und mehr als 70 % der Befragten wünschten sich, dass die homöopathische Behandlung zu einem selbstverständlichen Angebot in der ärztlichen Versorgung würde. Die zunehmende Akzeptanz zeigt sich auch darin, dass heute doppelt so viele Ärzte wie vor zehn Jahren die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ erworben haben.
Die Begeisterung für die Homöopathie ist verständlich, denn aufgrund ihrer vielen positiven Aspekte ist diese Behandlungsmethode einmalig. Dazu zählt in unserem medizinisch hoch technisierten Zeitalter, dass in der Homöopathie der Patient nicht auf ein Organ reduziert wird. Der Therapeut geht stattdessen ganzheitlich vor. Er betrachtet den gesamten kranken Menschen einschließlich seiner Persönlichkeit und seines Befindens. Mithilfe des dann ausgewählten homöopathischen Mittels werden die Selbstheilungskräfte des Körpers angeregt, um eine wirkliche Heilung zu erzielen und nicht nur eine vorübergehende Abwesenheit der Beschwerden.
Auch dass die mehr als 2000 homöopathischen Arzneimittel vorwiegend aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Grundsubstanzen gewonnen werden, ist ebenso vorteilhaft wie die Tatsache, dass Homöopathika – bei ihrer sachgerechten Anwendung – so gut wie frei von Nebenwirkungen sind.
Kein geschützter Begriff
Homöopathische Ärzte haben nach einem abgeschlossenen Medizinstudium eine von den Landesärztekammern anerkannte und vorgeschriebene dreijährige Weiterbildung absolviert. Der Begriff „Homöopathie“ ist jedoch nicht geschützt. Auch ohne entsprechende Fachausbildung dürfen Praxen für Homöopathie eröffnet werden. Daneben gibt es außerdem Heilpraktiker, die homöopathisch behandeln. Ein seriöser Homöopath sollte immer bereitwillig über seine Qualifikation Auskunft geben. Scheuen Sie sich nicht, diesbezüglich Fragen zu stellen.
ANERKANNTE METHODE
Die Erfolge der Homöopathie stellt heutzutage keiner mehr in Frage. Allen voran attestiert die WHO (Weltgesundheitsorganisation) ihr eine positive Wirkung: „Die Mehrzahl der wissenschaftlichen Studien in den letzten 40 Jahren haben gezeigt, dass Homöopathie gegenüber Placebos (Scheinmedikamente aus Zuckerlösung) überlegen ist und der konventionellen Medizin in der Behandlung von Menschen und Tieren gleichgestellt werden kann.“ (Studie der WHO aus dem Jahr 2000)
Vor diesem Hintergrund sind homöopathische Mittel schon lange nicht mehr aus der Medizin wegzudenken. Ihr Anwendungsspektrum ist breit gefächert: Sowohl akute als auch chronische Erkrankungen – körperliche ebenso wie psychische und psychosomatische – lassen sich homöopathisch behandeln; Erwachsene gleichermaßen wie Kinder und Neugeborene. So hilft die Homöopathie bei mehr als 90 % der an Neurodermitis erkrankten Kinder.
Auch viele anerkannte Sportmediziner behandeln ihre Schützlinge heutzutage mit homöopathischen Präparaten, denn diese helfen, ohne dass die Gefahr besteht, mit dem Doping-Gesetz in Konflikt zu geraten.
Selbst aus der Tierheilkunde ist die Homöopathie nicht mehr wegzudenken. Vor allem in der Nutztierhaltung kommt sie zum Einsatz, weil Homöopathika keine Arzneimittelrückstände in Fleisch und Milch hinterlassen.
SELBSTVERSTÄNDNIS DER HOMÖOPATHIE
Die Homöopathie hilft, das innere Gleichgewicht wiederherzustellen. Um dies zu erreichen, beschäftigt sich der Homöopath ausführlich mit dem kranken Menschen. Er betrachtet ihn, hört ihm zu und versucht, ihn zu verstehen. Es wird also im Rahmen der Erhebung einer Krankengeschichte der gesamte Mensch erfasst. Das bedeutet, dass seine ganze Erscheinung – hierzu zählen unter anderem Größe, Körperbau, Gewicht und Zustand der Haut, ebenso wie seine Persönlichkeit, Konstitution und seelische Verfassung (beispielsweise zu erkennen an seinem Verhalten und seiner Sprache) – zu einem Gesamtbild zusammengefügt wird. Der medizinische Krankheitsbegriff spielt für den Therapeuten bei dieser so genannten Anamnese nur eine untergeordnete Rolle.
All dies macht die Ganzheitlichkeit der Methode aus, und das Gesamtbild bestimmt dann die Auswahl des homöopathischen Mittels. So werden z. B. Magenschmerzen bei einem nervösen, gereizten, cholerischen Menschen anders behandelt (mit Nux vomica) als Magenschmerzen infolge von Kummer oder Kränkung (mit Ignatia).
Deshalb spricht man in der Homöopathie auch von einer „Arzneimitteldiagnose“. Was das heißt, verdeutlichen die zahlreichen unterschiedlichen Anwendungsgebiete der einzelnen Mittel bzw. deren Vielzahl zum jeweils gleichen Krankheitsbild (siehe hierzu Kapitel 3 „Homöopathische Mittel von A bis Z“, > ff., sowie die Zuordnungstabellen in Kapitel 4, > ff.).
ANREGUNG ZUR SELBSTREGULATION
Im Gegensatz zur reinen Symptombekämpfung der Schulmedizin unterstützt die Homöopathie die Selbstheilungskräfte des Körpers. So gibt der Therapeut im Fall von Fieber kein temperatursenkendes Mittel, sondern eines, welches das Fieber unterstützt. So stärkt das homöopathische Mittel das geschwächte Immunsystem, aufgrund dessen die erhöhte Temperatur zustande kam.
Bestimmt haben Sie im Sommer schon einmal festgestellt, dass warme Getränke übermäßiges Schwitzen reduzieren, Ihnen nach dem Genuss kalter Getränke hingegen immer nur noch heißer wird. Dies ist ein Beispiel dafür, dass sich ein Zustand nicht durch sein Gegenteil beheben lässt, sondern nur dadurch, dass man den Körper in seinen Abläufen unterstützt.
Gezielter Reiz
Um eine Heilung hervorzurufen, setzt der Therapeut mit dem individuell passenden homöopathischen Mittel einen Reiz, mit welchem er den Organismus auffordert, entsprechend zu reagieren. Es handelt sich hierbei um Regulationsvorgänge, welche die Abläufe im Körper wieder in die richtigen Bahnen lenken. Folglich ist die Homöopathie eine Reiz-Regulations-Therapie. War das Mittel richtig gewählt, lässt die Wirkung nicht lange auf sich warten: Die Beschwerden lassen nach, es geht dem Betroffenen deutlich besser.
• Wichtige Voraussetzungen
Aufgrund ihrer Ganzheitlichkeit und individuellen Ausrichtung birgt die Homöopathie in der Behandlung große Möglichkeiten. Weil sie aber eine Reiz-Regulations-Therapie ist, sollte der Körper in der Lage sein zu reagieren. Dies ist jedoch nicht oder nur eingeschränkt möglich, wenn z. B. die Selbstheilungskräfte geschwächt oder sogar blockiert sind. Auch äußere Einflüsse wie übermäßiger Genuss von Alkohol und Kaffee oder der Konsum von Zigaretten können den Heilungsversuch negativ beeinflussen. Damit eine homöopathische Behandlung ihre vollen Kräfte entfalten kann, sollte man einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Schlaf, regelmäßiger Bewegung und mäßigem Stress sowie einen seelisch ausgeglichenen Zustand anstreben.
Die Bereitschaft des Patienten, sich mit seinen Beschwerden auseinander zu setzen, sich selbst zu beobachten und in seinen Körper hineinzuhören, ist für den Erfolg einer homöopathischen Behandlung mit entscheidend. Die veränderte Selbstwahrnehmung bietet auch die große Chance auf ein verändertes Körpergefühl. So berichten viele homöopathisch behandelte Menschen, dass sie erst durch die Therapie zu einem gesunden Lebensstil gefunden haben.
MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER HOMÖOPATHIE
Eine Universal-Therapie, mit deren Hilfe sich alles und jedes heilen lässt, ist die Homöopathie allerdings nicht; und sie ist nicht losgelöst von der Schulmedizin zu betrachten. Je nach Erkrankung (und für die Diagnose bedarf es in vielen Fällen der schulmedizinischen Untersuchungsmethoden) bietet unter Umständen die Schulmedizin vorrangig die Behandlungsmethode der Wahl. Für eine notwendige Operation ist die Homöopathie ebenso wenig ein Ersatz. Bei einem Kind beispielsweise, das sich vor Bauchschmerzen krümmt, muss zunächst mit schulmedizinischen Kenntnissen und Verfahren geklärt werden, ob es sich hier um eine Blinddarmentzündung oder vielleicht nur um zu viel Luft im Darm handelt. Erstere muss eventuell operiert werden, Blähungen hingegen lassen sich mit einem Homöopathikum behandeln. So kann selbst der homöopathisch tätige Therapeut nicht auf die modernen Kenntnisse der Medizin verzichten.
• Teil der Gesamtmedizin
Möglicherweise ist es aber auch sinnvoll, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. So gibt es schwere Infektionen, die selbst der homöopathisch tätige Arzt mit einem Antibiotikum behandeln muss. Zusätzlich wird er aber ein homöopathisches Mittel geben, um die Nebenwirkungen des Antibiotikums zu reduzieren, seine Verträglichkeit zu verbessern und die Krankheitsdauer abzukürzen. Ein Homöopathikum kann aber auch die Folgen einer Narkose mindern, die Heilung einer Wunde unterstützen oder eine rasche Genesung fördern.
Die ergänzende Wirkung macht ein Beispiel aus der Praxis noch deutlicher: Eine 25-jährige, bislang gesunde Frau mit stressigem Beruf und einem Säugling fühlt sich seit einiger Zeit ständig müde und schlapp. Ihr Arbeitspensum schafft sie nicht mehr, obwohl man sie früher als „Energiebündel“ bezeichnete. Tabletten, um einen eventuellen Eisenmangel auszugleichen, haben allerdings keine Besserung gebracht. Die Patientin wünscht sich „homöopathische Powerkügelchen“, um wieder fit zu werden. Eine eingehende Untersuchung ergibt allerdings, dass sie schwer an Diabetes erkrankt ist. Diese Stoffwechselkrankheit ist für die Beschwerden verantwortlich. Von nun an muss die junge Frau mit Insulinspritzen versorgt werden. – Die Diagnose „Diabetes“ schließt aber, wie Sie in diesem Buch nachlesen können, nicht aus, dass die Patientin nach der Einstellung des Blutzuckerspiegels mithilfe von Insulin zusätzlich ein homöopathisches Mittel erhalten kann. Im Gegenteil! Hiermit lassen sich sogar die herkömmlichen Medikamente auf Dauer reduzieren. Schulmedizin und Homöopathie ergänzen sich also. Man sollte die Homöopathie deshalb immer als einen integrativen Ansatz und niemals als Gegensatz zur Schulmedizin betrachten.
Auch gibt es zahlreiche Erkrankungen, bei denen die Homöopathie allein große Erfolge aufweisen kann. Dazu zählt neben Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder Infekten der Harnwege ebenso die Neurodermitis: Je frühzeitiger der Betroffene homöopathisch behandelt wird, desto eher kann ihm der übliche Behandlungsweg, etwa mit Cortisonsalben, erspart bleiben.
Im zweiten Kapitel werden Sie sehen, welche große Bandbreite an Behandlungsmöglichkeiten die Homöopathie abdeckt.
Die klassische Homöopathie sieht den Menschen als einzigartiges Wesen. Diese individuelle Betrachtungsweise ist ihr wichtigster Grundsatz; und so, wie der einzelne Mensch unverwechselbar ist, sind es auch seine Krankheitssymptome. Dementsprechend wird mit großer Sorgfalt und Aufmerksamkeit das auf den Einzelnen jeweils passend zugeschnittene Medikament gesucht.
Der Name „Homöopathie“ setzt sich aus den griechischen Wörtern „homoios“ (ähnlich) und „pathos“ (Leiden) zusammen, heißt also „ähnliches Leiden“. Der Begriff wurde von dem Entdecker und Begründer der Homöopathie, Christian Friedrich Samuel Hahnemann (geboren am 10. 4. 1755 in Meißen, gestorben am 2. 7. 1843 in Paris) geprägt.
Der deutsche Arzt Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755–1843) ist der Entdecker und Begründer der Homöopathie.
Ehe er als Mediziner zu Ruhm gelangte, finanzierte Hahnemann sein Studium als Fremdsprachenlehrer und Übersetzer. Im Jahr 1779 schloss er sein Medizinstudium ab und ließ sich mit einer eigenen Praxis in Leipzig nieder. Die damaligen äußerst groben Heilmethoden, die aus Aderlässen, Brech- und Abführkuren oder aus der Gabe von giftigen Mitteln wie Quecksilber und Arsen bestanden, ließen ihn allerdings an seiner Aufgabe zweifeln und seine Praxis bald wieder schließen. Er übte öffentlich Kritik an der gängigen Medizin, was ihn nicht gerade beliebt machte. Rasch galt er als „Nestbeschmutzer“. Hahnemann blieb nichts anderes übrig, als sein Geld wieder mit Übersetzungen zu verdienen.
ERSTER HINWEIS
Bei der Bearbeitung eines Arzneimittelbuchs des Schotten Dr. William Cullen stolperte er über eine der Schlussfolgerungen des Pharmakologen. Dieser behauptete, dass die Wirkung der Chinarinde bei Malaria auf ihre magenstärkende Wirkung zurückzuführen sei. Dies erschien Hahnemann unlogisch. In seinem ersten von unzähligen Selbstversuchen nahm er Chinarinde ein, obwohl er nicht an Malaria erkrankt war. In der Folge beobachtete er an sich ähnliche Symptome wie bei einem Malariakranken: etwa Schläfrigkeit, Herzklopfen, Ängstlichkeit und Durst. Von da an stand für ihn fest, dass Chinarinde Malaria heilt, gerade weil sie bei einem Gesunden die Symptome der Malaria hervorruft. Damit war seine Idee „Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden“ geboren.
In den nächsten sechs Jahren ging er dieser Hypothese systematisch nach. Durch unzählige Versuche an sich selbst, an seiner Familie und seinen Freunden untermauerte er dieses Prinzip. Die gewonnenen Erkenntnisse veröffentlichte er 1796 am Beispiel der Chinarinde in der angesehenen medizinischen Fachzeitschrift „Hufeland Journal“.
• Revolutionierende Methode
Für damalige Verhältnisse wagte sich Hahnemann mit seiner Theorie weit vor; zumal er behauptete, dass die heilende Wirkung umso größer ausfiele, je geringer die Dosis des Symptome verursachenden Stoffes wäre.
Diese neue, sanfte Medizin bedeutete für die Patienten jedoch eine Erlösung von den üblichen, oftmals rüden Behandlungsweisen; und so nahmen sie Hahnemanns Methode begeistert an. Der Apothekerschaft allerdings war diese ein Dorn im Auge. Schließlich sah die Homöopathie jeweils nur ein Medikament in der Behandlung vor, und das auch nur in niedriger Dosierung.
Nachdem 1830 Henriette, Hahnemanns Frau, gestorben war, heiratete der 11-fache Vater fünf Jahre später die Französin Mélanie d’Hervilly. Gemeinsam zogen er und die 45 Jahre jüngere Dichterin und Malerin nach Paris. Dort betrieb der Homöopath mit ihrer Unterstützung bis an sein Lebensende sehr erfolgreich eine Praxis.
DIE ÄHNLICHKEITSREGEL
Der Lehrsatz „Similia similibus curentur“ – „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ – ist die Grundlage der Homöopathie. Ihr zufolge kann eine Krankheit nur mit dem Mittel geheilt werden, welches bei einem gesunden Menschen dieselben Symptome hervorruft. Hier einige Beispiele: Bei einem Schnupfen leidet man unter tränenden, brennenden Augen, aus der Nase fließt ein scharfes, wund machendes Sekret. Hier hilft nur das Mittel, das bei einem Gesunden genau diese Symptome hervorruft. Das homöopathische Mittel Allium cepa, aus der Küchenzwiebel hergestellt, ist in diesem Fall die passende Medizin. Jedem, der schon einmal eine Zwiebel zerschnitten hat, werden diese Beschwerden bekannt vorkommen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen Erkältungsschnupfen oder um einen allergisch bedingten Schnupfen handelt. Entscheidend ist die Ähnlichkeit der Symptome.
Gegen Juckreiz und brennende Schmerzen der Haut wie bei einer Nesselsucht hilft das homöopathisch aufbereitete Mittel aus der Brennnessel (Urtica urens). Bei Schwellungen wie nach einem Bienen- oder Wespenstich sowie bei einer Flüssigkeitsansammlung im Gewebe (Ödem) findet ein Mittel Verwendung, das aus der Honigbiene (Apis mellifica) gewonnen wird. Gegen Übelkeit und Schwindel wie beim Rauchen der ersten Zigarette kommt Tabacum, das aus Tabak aufbereitete Mittel, zum Einsatz.
Wichtig für die heilende Wirkung des Homöopathikums ist die größtmögliche Übereinstimmung zwischen dem Krankheitsbild und dem Arzneimittelbild: Man spricht vom ähnlichen Mittel, dem „Simile“. Hahnemann benutzte gerne den Ausdruck „Inbegriff“ der Arznei und beschrieb, dass ein homöopathisches Mittel künstlich ähnliche Beschwerden auslöst wie die eigentliche Erkrankung, diese aber an Stärke noch übertrifft und dadurch den Heilungsprozess in Gang setzt.
ARZNEIMITTELPRÜFUNG AM GESUNDEN
Ehe Hahnemann die Naturstoffe am Kranken anwendete, prüfte er in einem aufwändigen Verfahren die möglicherweise geeigneten Substanzen am Gesunden. Bewies das Arzneimittel in dieser so genannten Arzneimittelprüfung seine Wirkung, war es zur Behandlung beim Kranken mit vergleichbaren Beschwerden geeignet.
Inzwischen sind die Arzneimittelbilder von über 2000 Mitteln bekannt; und auch heute noch hat dieses Verfahren seine Gültigkeit, werden Arzneimittelprüfungen durchgeführt, um neue Mittel zu finden und Arzneimittelbilder zu vervollständigen.
Diese Vorgehensweise ist also Voraussetzung, um die Ähnlichkeitsregel therapeutisch umsetzen zu können. Dabei ist sie die wichtigste Forschungsaufgabe der Homöopathie, denn je intensiver ein Mittel geprüft wird, umso präziser ist seine Anwendung. Zudem sind die Arzneimittelprüfungen der wesentlichste Baustein des Arzneimittelbildes. Auch heutzutage sind sie immer noch einer der wichtigsten Schwerpunkte der Homöopathie-Forschung. Die Prüfungen werden meist von Ärzten an sich selbst durchgeführt.
Genaue Protokollierung
Bei der Arzneimittelprüfung nehmen gesunde Menschen vorschriftsmäßig das zu prüfende Mittel ein. Hierbei wissen sie jedoch nicht, um welche Substanz es sich handelt. Die auftretenden Symptome, wie ein Stimmungswechsel, psychische und körperliche Reaktionen (Angst, Schwitzen, Erröten und Ähnliches) werden dann genauestens beobachtet und protokolliert. Auch wird vermerkt, wodurch sich die Beschwerden bessern bzw. verschlechtern (beispielsweise vor oder nach dem Essen, Besserung in Ruhe, durch Wärme, frische Luft, Verschlechterung durch Kälte oder Feuchtigkeit).
Darüber hinaus spielen ebenso die Interaktionen mit der Umwelt eine Rolle. Verändert sich das Verhalten? Kommt es beispielsweise zu Aggressivität oder Unsicherheit?
DAS ARZNEIMITTELBILD
Sämtliche Ergebnisse der Prüfung eines Homöopathikums an Versuchspersonen werden in einer Symptomenliste zusammengestellt.
In Verbindung mit den pharmakologischen Erkenntnissen über eine Substanz, der Prüfung beim Gesunden, den langjährigen Erfahrungen in der Anwendung beim Kranken und anderen Hinweisen entsteht das eigentliche Bild einer Arznei. Dieses Arzneimittelbild spiegelt die gesamten Anwendungsmöglichkeiten („Wirkungsprofil“) des betreffenden Mittels wider. Es beschreibt alle gesundheitlichen Reaktionen auf eine bestimmte Substanz. Dabei ist das Arzneimittelbild nach dem „Kopfzu-Fuß-Schema“ aufgebaut; es beschreibt also die Wirkung eines Mittels auf die einzelnen Organbereiche von oben nach unten. Außerdem gehören auch die emotionalen Reaktionen sowie die so genannten Modalitäten dazu. Darunter versteht man die Begleitumstände, die eine Besserung oder Verschlechterung der Beschwerden hervorrufen. So können sich beispielsweise Symptome durch Wärme und Bewegung verschlechtern, wohingegen Kälte und Ruhe eine Verbesserung hervorrufen.
• Große und kleine Mittel
Sämtliche Arzneimittelbilder werden ständig durch die Erkenntnisse aus der Anwendung am Kranken, sowohl am Menschen als auch am Tier, ergänzt. Sich bestätigende sowie neue Beobachtungen werden von den Anwendern in der Literatur (wie in Zeitschriften und Büchern) festgehalten sowie auf Fortbildungsveranstaltungen verbreitet, sodass die Kenntnisse über ein Mittel immer umfangreicher werden. Dies führte dazu, dass man in der Homöopathie auch von „großen“ und „kleinen“ Mitteln spricht, in Abhängigkeit von der Menge der Erkenntnisse über dieses Homöopathikum. Beispielsweise ist Pulsatilla pratensis (Küchen- oder Kuhschelle) ein großes Mittel: Hahnemann listete hier 1163 Symptome auf. Beinhaltet ein sehr umfassendes Arzneimittelbild auch einen gut zu beschreibenden Menschentypus, insbesondere mit seinen „Geistes- und Gemütssymptomen“, spricht man von einem „Konstitutionsmittel“. So sind z. B. Pulsatilla-Menschen nachgiebig und sanft. Sie neigen zum Weinen und können nicht gut allein sein.
Die Arzneimittelbilder werden in so genannten Arzneimittellehren alphabetisch zusammengefasst. Man spricht hier von einer „Materia Medica“. Eine solche Mittelzusammenstellung für dieses Buch finden Sie im Kapitel 3 ab > ff.
ENTSCHEIDEND: DAS INDIVIDUELLE KRANKHEITSBILD
Jeder Mensch ist wie sein Fingerabdruck einzigartig. Diese Sichtweise ist eines der wichtigsten Grundprinzipien in der Homöopathie und wird in der praktischen Anwendung der Mittel stets berücksichtigt. Denn so wie jeder Mensch auf seine Weise durch das Leben geht, so individuell sind auch seine Krankheitssymptome. Deshalb ist die Mittelfindung – vor allem bei chronischen Erkrankungen – die wirkliche Kunst in der Homöopathie. Denn die Symptome müssen mit einem Arzneimittel behandelt werden, das genau auf den jeweils Einzelnen zugeschnitten ist. Dementsprechend intensiv ist die homöopathische Anamnese. Der Arzt muss sich dem Patienten mit viel Zeit, Geduld, Wissen und Erfahrung zuwenden. Der Einsatz von technischen Hilfsmitteln und Geräten allein, wie Ultraschall oder Computertomographie, ist hier sicherlich kein Ersatz.
Nicht die Krankheit an sich oder die allgemeine Diagnosestellung sind also von Bedeutung, sondern durch welche Symptome sich die Krankheit bei genau diesem einen Patienten äußert. Aus den Antworten und Erkenntnissen ergibt sich für den Homöopathen das individuelle Krankheitsbild des Patienten. Dies bedeutet, dass ein Mittel, das z. B. den Schnupfen Ihrer Schwester geheilt hat, nicht das passende Mittel für Sie selbst sein muss und umgekehrt.
Homöopathika können also nicht bei jedem Krankheitsbild gleichermaßen eingesetzt werden, und sie lassen sich auch nicht im gleichen Krankheitsfall von Patient zu Patient austauschen.
Umfassende Anamnese
Weil der Mensch aus homöopathischer Sicht eine Einheit aus Seele, Geist und Körper bildet, werden im Rahmen der Anamnese auch alle Faktoren berücksichtigt. Dazu zählen:
Art der Beschwerde, QualitätZeitpunkt des AuftretensEreignisse und Lebensumstände–Ursachen für Besserung oder Verschlechterung der BeschwerdenSeelische Verfassung (schlechte/gute Laune, weinerlich, traurig, ruhig usw.)CharakterFrühere Krankheiten (auch in der Familie)DIE HERSTELLUNG VON HOMÖOPATHIKA
Die Ausgangsstoffe homöopathischer Mittel stammen zum größten Teil aus der Natur. Rund 70 werden aus Pflanzen oder Pflanzenteilen wie Blättern und Wurzeln hergestellt. Andere Mittel gewinnt man aus Tieren wie der Honigbiene (Apis mellifica), Roten Waldameise (Formica rufa) oder aus tierischen Produkten, etwa dem Gift der Buschmeisterschlange (Lachesis) oder dem Kittharz der Bienen (Propolis).
Auch Metalle wie Kupfer (Cuprum metallicum) oder Gold (Aurum metallicum), Mineralien wie Kalk (Calcium carbonicum) oder Säuren wie die Salpetersäure (Acidum nitricum) werden verwendet. Darüber hinaus dienen ebenso chemische Ausgangsstoffe wie Nitroglycerin als Grundlage.
• Strengste Qualitätsansprüche
Durch das spezielle homöopathische Herstellungsverfahren sind alle Substanzen keimfrei und ungiftig. Auch enthalten sie keinerlei Verunreinigungen. Damit dies gewährleistet ist, unterliegt jeder Hersteller von homöopathischen Arzneimitteln strengsten Vorschriften, wie sie auch im Homöopathischen Arzneibuch (HAB) nachzulesen sind.
Das Arzneibuch hat quasi die Funktion eines Gesetzestextes. Es enthält für jede in der Homöopathie verwendete Substanz eine exakte Beschreibung des Ausgangsstoffes zur Sicherung der gleich bleibenden Qualität und damit auch der Wirksamkeit. So wird z. B. im HAB für die Herstellung von Arnica montana der verwendete Pflanzenteil genau beschrieben: Als Arzneigrundstoff dienen die getrockneten unterirdischen Teile der Arnika, die dann weiterverarbeitet werden.
Die Tradition der Homöopathie zeigt sich nicht nur darin, dass die Beschreibungen der verwendeten Naturstoffe bereits von Hahnemann begonnen und durch moderne Erkenntnisse ergänzt wurden. Auch die Verarbeitung der Substanzen – man spricht von einer Standardisierung – geht im Wesentlichen auf ihn zurück. Im Besonderen betrifft dies den Herstellungsprozess, der als Potenzierung bezeichnet wird.
POTENZEN UND DOSIERUNG
Hahnemann stellte im Laufe der praktischen Anwendungen fest, dass manche der angewandten Mittel nicht ungefährlich waren. So kam es z. B. nach der Gabe von Tollkirsche (Belladonna) oder Brechnuss (Nux vomica) zu Vergiftungserscheinungen. Das veranlasste ihn, die Dosis des Mittels systematisch zu verringern, um die giftige Wirkung oder auch Überreaktionen bei den Behandelten zu vermeiden. Hahnemann benutzte dazu das bis heute unverändert vorgeschriebene Verfahren der stufenweisen Verarbeitung – der Potenzierung –, damals als „Dynamisation“ bezeichnet. Dabei stellte er fest, dass die Wirksamkeit des Mittels umso stärker sein konnte, je höher die Potenzierung war. Auf diese Weise gewann er die Erkenntnis, dass der menschliche Organismus die „Informationen“ eines Arzneimittels auch dann empfängt, wenn der Reiz nur minimal ist.
Bei Mitteln mit niedriger Potenz (D1 bis D12) lassen sich noch Moleküle der Ursubstanz nachweisen; deshalb ist davon auszugehen, dass auch bei höheren Potenzen das entsprechende Mittel energetische Informationen der Ursubstanz enthält. Diese beeinflussen das sensible biologische System des gesamten Organismus auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene.
Jeder Potenzierungsvorgang muss selbst heute noch von Hand durchgeführt werden. Deshalb spricht man auch von handverschüttelten Arzneien. Jeder Hersteller homöopathischer Arzneimittel ist an diese arzneimittelrechtliche Vorschrift gebunden.
Potenzen für den Therapeuten
Die so genannten Höchstpotenzen (C200, C500, C1000 und höher) sollten wie die LM- oder Q-Potenzen ausschließlich dem sehr erfahrenen Homöopathen vorbehalten bleiben, weil sie eine möglichst exakte Übereinstimmung zwischen dem Krankheitsbild und dem Arzneimittelbild erfordern. Bei ihrem Einsatz muss auch häufiger mit einer so genannten Erstverschlimmerungs-Symptomatik gerechnet werden. Darüber hinaus haben sie, je nach Höhe der Potenz, eine Wirkungsdauer von bis zu sechs Monaten.
• Unterschiedliches Wirkungsspektrum
Niedrige Potenzen (D1 bis D12) haben eine breite – vor allem auf organische Beschwerden und Erkrankungen ausgerichtete – Wirkung. So findet Arnica montana D6 beim Bluterguss Anwendung, Luffa operculata D6 kann bei wiederkehrenden Entzündungen der Nasennebenhöhlen genommen werden.
Ab der Potenz D12 und C12 bis hin zu D30 bzw. C30 beginnt der zunehmende Einfluss auf den seelischen Bereich. So helfen höhere Potenzen bei psychischen Beschwerden und Erkrankungen. Ein Beispiel hierfür ist Ignatia D12, das gegen ein Kloßgefühl im Hals bei seelischen Belastungen hilft. Aber auch bei schwereren chronischen Krankheiten, die häufig mit seelischen Leiden einhergehen und die mit „in die Wiege gelegten“ Erkrankungen verbunden sind, kommen diese Potenzen zum Einsatz.
Zwar gibt es von Homöopath zu Homöopath unterschiedliche Ansichten bezüglich der Frage der Potenzhöhe. Entscheidend ist jedoch stets die Richtigkeit des gewählten Einzelmittels. So empfehlen sich in der Selbstbehandlung vor allem die praxisbewährten Potenzen D6 und D12, denn sie erlauben ein sicheres und wirksames Behandeln.
Zwei verschiedene Herstellungsschritte
Gewinnung der Urtinktur, einer flüssigen Arzneiform, sowie der Ursubstanz, einer festen Arzneiform, als Arzneigrundstoff:
– Es wird z. B. Material aus Frischpflanzen mit hohem Saftgehalt (etwa Avena sativa) ausgepresst und der Saft dann im Verhältnis 1:1 mit Alkohol gemischt.
– Sonstige pflanzliche und tierische Materialien (z. B. Chamomilla recutita, Coccus cacti) werden entsprechend den Vorgaben des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB) in Abhängigkeit vom Trockengehalt mit Alkohol im Verhältnis 1:1 bis 1:10 versetzt. Nach fünf bis zehn Tagen wird die alkoholische Lösung abgepresst und filtriert.
– Feste Ausgangsstoffe werden soweit möglich in Wasser oder Alkohol gelöst (z. B. Kalium chloratum).
– Unlösliche Ausgangsstoffe wie etwa Cuprum metallicum werden mit Milchzucker im Verhältnis 1:10 verrieben.
Die weitere Verarbeitung erfolgt mittels Potenzierung. Hierbei wird die Urtinktur bzw. Ursubstanz stufenweise mit einem Arzneistoffträger (Alkohol oder Milchzucker) in einem bestimmten Mengenverhältnis vermischt und danach entweder verschüttelt oder verrieben. Je nach Mengenverhältnis existieren drei verschiedene Arten von Potenzen:
– Die Dezimalpotenzen, hergestellt im Verhältnis 1:10, bezeichnet als D1, D2, D3 usw.
– Die Centesimalpotenzen, hergestellt im Verhältnis 1:100, bezeichnet als C1, C2, C3 usw.
– Die LM-Potenzen, auch als Q-Potenzen bezeichnet, hergestellt im Verhältnis 1:50000, bezeichnet als LM I, LM II, LM III usw.
Die Zahlen hinter den Buchstaben geben an, wie oft diese stufenweise Verarbeitung stattgefunden hat. So bedeutet beispielsweise eine D4-Potenz: 1 ml Urtinktur wird mit 9 ml Alkohol vermischt, von der D1-Potenz, die dabei entstanden ist, verwendet man 1 ml und vermischt ihn wieder mit 9 ml Alkohol. Dieser Vorgang wird insgesamt 4-mal durchgeführt (deshalb die Bezeichnung D4).
Entsprechend wird bei einer D6-Potenz dieser Vorgang 6-mal wiederholt usw.
Homöopathika kommen vor allem als Streukügelchen (Globuli), Tabletten und Tropfen sowie in Form von Ampullen zur Anwendung.
DARREICHUNGSFORMEN UND MITTELARTEN
Homöopathische Mittel gibt es als Globuli (Streukügelchen), Tropfen und Tabletten. Ampullen sind zur Injektion durch den Therapeuten vorgesehen, können aber auch als Trinkampullen eingesetzt werden. Außerdem sind manche Mittel in Form von Augentropfen oder Salbe erhältlich.
Globuli bestehen aus Saccharose, also Zucker, auf welche die Tropfen aufgebracht wurden. Sie sind folglich die feste, Tropfen die flüssige Arzneiform. Die Behandlung mit Globuli eignet sich auch für Neugeborene und (Klein-)Kinder, ebenso wie für Schwangere und Stillende.
Tropfen, die man früher besonders häufig verwendete, enthalten als natürliches Konservierungsmittel Alkohol, sind also nicht für jeden ratsam. Homöopathische Tabletten wiederum sind auf Basis von Milchzucker (Laktose) hergestellt, sodass sich bei einer Milchzucker-Unverträglichkeit diese Arzneiform nicht empfiehlt.
• Einzel- oder Komplexmittel?
Neben den unterschiedlichen Darreichungsformen gibt es zwei verschiedene Mittelarten: Entweder werden Homöopathika als „Einzelmittel“ oder als „Komplexmittel“ angeboten. Letztere bestehen aus mehreren homöopathischen Mitteln, die sich in ihrer Heilwirkung ergänzen oder gar verstärken.
Manche Therapeuten verwenden Komplexmittel aus Gründen der Vereinfachung. Sinnvoll kombinierte Komplexmittel sollten jedoch nicht mehr als drei bis fünf verschiedene homöopathische Substanzen enthalten. Dabei ist es wünschenswert, dass sie als Einzelmittel in ähnlicher oder gleicher Weise wirken. Bewährt haben sich entsprechende Kombinationen beispielsweise bei akuten Halsschmerzen oder fieberhaften Infekten.
In der klassischen Homöopathie wird allerdings in Abstimmung mit dem individuellen Krankheitsbild stets nur ein Einzelmittel verabreicht. Eventuell gibt man auch mehrere Einzelmittel hintereinander. Die gleichzeitige Gabe mehrerer Mittel hingegen wird nicht favorisiert, weil dadurch möglicherweise das Krankheitsbild verfälscht und die Behandlung erschwert werden könnte.
In der täglichen medizinischen Praxis ebenso wie in der Selbstbehandlung spielt die homöopathische Therapie eine wichtige Rolle. Im Vergleich mit der Schulmedizin liegt der Homöopathie jedoch ein völlig anderes theoretisches Konzept zugrunde. Dies ist einerseits durch die unterschiedliche Sichtweise von Krankheit und Heilung bedingt, andererseits durch die verschiedenartige Herstellung und Anwendung von homöopathischen sowie schulmedizinischen Arzneimitteln.
Die unterschiedlichen Auffassungen von Homöopathie einerseits und Allopathie, das heißt Schulmedizin, andererseits spiegeln sich vor allem in dem wissenschaftlichen Bereich wider, der für die Prüfung eines Medikamentes verantwortlich ist, bevor es auf den Markt kommt. So sind die in der Schulmedizin üblichen Modelle zur Prüfung der Wirksamkeit von Arzneimitteln nicht ohne weiteres auf die Homöopathie übertragbar. Dennoch besteht die Forderung, auch die Wirksamkeit homöopathischer Mittel ausschließlich anhand so genannter Doppelblindstudien, wie sie in der Schulmedizin Standard sind, zu prüfen.
GRUNDSÄTZLICH ANDERES PRINZIP
Bei dieser Art von Studien wissen weder Arzt noch Patient, ob ein Arzneimittel oder eine Scheinarznei (Placebo) eingenommen wird. Beide sind in Bezug auf die Therapie „blind“. Ein solches Vorgehen setzt jedoch voraus, dass es sich um eine exakt beschriebene Erkrankung handelt, wie beispielsweise einen Erkältungsschnupfen. Während dafür nun in der Schulmedizin ein bestimmter Wirkstoff eingesetzt wird, ohne dabei die individuellen Beschwerden des Patienten zu berücksichtigen, gibt es in der Homöopathie gleich mehrere Mittel. Aufgrund des jeweils speziellen Arzneimittelbildes wählt man ein entsprechendes Homöopathikum aus (siehe Kapitel 2, ab > ff.); und das ist das Problem.
Der Forschungsansatz der Doppelblindstudien ist darum für die Homöopathie letztlich nur in Ausnahmefällen geeignet. Dennoch existieren auch für Homöopathika aussagekräftige Studien. In Deutschland hat vor allem die Karl und Veronica Carstens-Stiftung als unabhängige Einrichtung hierzu erhebliche Forschungsarbeit geleistet.
• Wichtige Studienergebnisse
Damit Sie eine Vorstellung von der Art der Studien zum Thema Homöopathie bekommen, seien hier einige wichtige Studien der letzten Jahre genannt. Die dabei teilweise relativ kleinen Fallzahlen liegen daran, dass an den Universitäten keine systematische Forschung zur Homöopathie durchgeführt wird.
Studie zum Prämenstruellen Syndrom
An der Studie am Center for Integrated Complementary Medicine, Jerusalem, im Jahr 2001 nahmen 20 Frauen im Alter von 20 bis 48 Jahren teil. Eine Gruppe von ihnen, nach dem Zufallsprinzip – „randomisiert“ – ausgewählt, erhielt eine individuelle homöopathische Therapie. Die Vergleichsgruppe bekam ein Placebo. Vor und nach der Behandlung füllten die Patientinnen einen Fragebogen aus über ihre Symptome und ihr Befinden. Durch psychologische Tests wollte man sichergehen, dass die Testergebnisse nicht durch äußere Ereignisse beeinflusst wurden. Bei 90 % der homöopathisch behandelten Patientinnen besserten sich die Beschwerden teilweise sogar erheblich, im Gegensatz zu insgesamt nur 37,5 bei denjenigen, die das Placebo bekamen.
Metaanalyse bei kindlichem Durchfall
Wissenschaftler der Universität von Washington werteten im Jahr 2003 drei klinische Doppelblindstudien mit insgesamt 242 Kindern zusammenfassend aus. Die Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren hatten entweder ein Homöopathikum oder ein Placebo über fünf Tage als Einzeldosis erhalten, und zwar immer dann, wenn ihr Stuhl flüssig war.
Bei diesen Studien führten die Eltern Buch über die Häufigkeit des Durchfalls, zudem wurden die kleinen Patienten einmal täglich von einem Arzt untersucht. Die Kinder galten als geheilt, wenn weniger als drei Stuhlgänge an zwei aufeinander folgenden Tagen auftraten. Mit der homöopathischen Behandlung dauerte der Durchfall 3,3 Tage, mit Placebo fast einen Tag länger (4,1 Tage).
Randomisierte Doppelblindstudie zum Thema „Fibromyalgie“
An dieser Studie der Universität von Arizona, USA, aus dem Jahr 2004 nahmen 62 Personen mit starken Muskelschmerzen teil. Über einen Monat hinweg erhielten sie eine individuelle homöopathische Behandlung, die Kontrollgruppe bekam Placebos.
Zwei und vier Monate später beantworteten die Teilnehmer Fragebögen über Schmerzen, Lebensqualität, Stimmung sowie ihre generelle Gesundheit. Es konnte eine deutliche Verbesserung nicht nur der Schmerzen, sondern auch der anderen Parameter im Vergleich zu Placebo festgestellt werden.
Doppelblindstudie zum Thema „Allergie“
Während der Allergiesaison von Februar bis Mai wurde in Phoenix, USA, im Jahr 2005 der Einsatz von Homöopathika zur Behandlung von Allergien im Vergleich zu Placebo getestet. Die Studie lief jeweils über einen Zeitraum von vier Wochen. Die 40 Teilnehmer, sowohl Männer als auch Frauen im Alter von 26 bis 63 Jahren, litten unter schwerem allergischen Schnupfen mit einer Entzündung der Augenbindehaut. Die Probanden füllten dabei Fragebögen aus über ihre Lebensqualität, ihr Befinden während der Allergiezeit und über ihre Aktivitäten. Die Auswertung zeigte deutlich, dass sich unter der homöopathischen Therapie die Beschwerden reduzierten und die Lebensqualität zunahm.
Studie zu chronischen Erkrankungen
In einer groß angelegten Studie an der Berliner Universitätsklinik Charité überprüfte man im Jahr 2005, wie Homöopathika bei chronischen Erkrankungen wirken (unter anderem bei Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Allergien). Es wurden 3981 Patienten (2851 Erwachsene und 1130 Kinder), die sich bei niedergelassenen Ärzten schulmedizinisch bzw. homöopathisch behandeln ließen, über ein Jahr hinweg begleitet. Ihre Beschwerden erfasste man dabei in standardisierten Fragebögen, wobei sowohl die Ärzte als auch die Patienten befragt wurden.
Bei den Kindern konnte unter homöopathischer Therapie eine eindeutige Verbesserung der Symptome beobachtet werden (Selbstauskunft sowie ärztliche Untersuchung). Auch bei den Erwachsenen trat eine spürbare Besserung ein.
Die homöopathische Behandlung setzt die genaue Beobachtung eines Patienten mit all seinen gesundheitlichen Symptomen voraus. Bei dieser so genannten Anamnese wird der gesamte Mensch mit seiner physischen und psychischen Grundstruktur, seiner körperlichen und seelischen Verfassung, seinen Vorlieben und Abneigungen sowie seinen charakterlichen Besonderheiten und seinem Verhalten erfasst.
Körperbau, Körperhaltung, Bewegungsweise, Zustand der Haut, Haare und Nägel, Mimik und Gestik, Sprache und Sprechweise, Neigungen, Talente und vieles mehr lassen Rückschlüsse auf die Lebensenergie eines Menschen zu. Für diese übergeordnete Lebenskraft wiederum sind Veranlagung und Konstitution ausschlaggebend, weshalb sie bei der homöopathischen Anamnese eine nicht wegzudenkende Rolle spielen.
Krankheit: gestörte Lebenskraft
Die Lebensenergie steuert alle Lebensfunktionen des Organismus. Ihr Ziel ist es, die natürliche Ordnung und Ausgeglichenheit im Körper zu erhalten bzw. diese wiederherzustellen. Jede Zelle des Körpers trägt zu dieser Kraft bei; gleichzeitig wird sie aber auch von ihr beeinflusst.
Faktoren wie z. B. Stress, Überlastung oder psychische Probleme können die Lebenskraft negativ beeinflussen und schwächen. Der Körper ist dann nicht mehr in der Lage, sich vor Bakterien, Viren und schädigenden Einflüssen zu schützen. Er wird krank.
Entzündungen, Geschwüre und andere Veränderungen weisen darauf hin, dass etwas mit dem inneren Gleichgewicht nicht stimmt. Körperliche oder auch psychische Symptome sind also nicht die Krankheit selbst, sondern die Folge der Disharmonie.
Je stärker dieses Ungleichgewicht ist, umso ausgeprägter oder schwerer ist die Erkrankung. Homöopathische Mittel bringen wie kleinste Gewichte diese innere Waage ins Lot. Befinden sich dann Körper, Geist und Seele wieder in Einklang miteinander, ist die Lebenskraft ausbalanciert und der Mensch gesund.
DIE KONSTITUTION
Welches geistige, seelische und körperliche Potential ein Mensch besitzt, wie seine grundsätzliche Verfassung ist und welche Tendenz bei ihm besteht, an bestimmten Leiden zu erkranken, das ist im Wesentlichen eine Frage seiner Konstitution. Diese wird entscheidend von der genetischen Veranlagung, der „Disposition“, geprägt. Manche Menschen sind durch nichts zu erschüttern, haben eine robuste Konstitution. Andere hingegen geraten schon bei minimalsten Anforderungen psychisch und/oder physisch an ihre Grenzen. Ihre Konstitution ist eher zart.
Die Konstitution bestimmt aber nicht nur, wie ein Mensch mit Stress umgeht, sondern auch, wie anfällig seine Organe für Krankheiten sind. So hat jeder Mensch eine oder mehrere „Schwachstellen“. Der eine erkrankt wiederkehrend an Infekten, weil seine Abwehrkräfte nicht besonders stark sind. Der andere reagiert auf Stress mit Magenbeschwerden oder Rückenschmerzen, oder die Belastung schlägt ihm auf das Gemüt.
Im Laufe eines Lebens verändert sich die Konstitution in Nuancen durch die Erziehung, die Umwelt sowie den eingeschlagenen Lebensweg. In gewissen Grenzen ist die Konstitution also beeinflussbar. Die Homöopathie macht sich dies zunutze, indem sie die seelische, körperliche und geistige Verfassung eines Menschen positiv umstimmt.
Die Diathese
Bedeutet Disposition die Veranlagung zu einer Erkrankung, so versteht man unter dem Begriff der Diathese die angeborene Krankheitsbereitschaft. So spricht man beispielsweise im Fall einer allergischen Erkrankung in der Homöopathie von einer „allergischen Diathese“. Das heißt, auch wenn z. B. keine akuten Heuschnupfen-Symptome bestehen, ist die Erkrankung dennoch latent vorhanden. Sie kann bei einsetzendem Pollenflug jederzeit auftreten.
• Lange Tradition
Bereits in der Antike beschäftigte man sich in der Heilkunde mit der Konstitution. Die berühmte „Humoralpathologie“ des griechischen Arztes Galen (129–199 n. Chr.) ging davon aus, dass im Körper vier Säfte fließen: die gelbe Galle („cholos“), die schwarze Galle („melancholos“), der Schleim („phlegma“) und das Blut („sanguis“). Fließen diese Säfte nicht richtig oder vermischen sie sich zu sehr, entsteht ein Ungleichgewicht; der Mensch wird seelisch und/oder körperlich krank.
Aber auch die unterschiedlichen Temperamente der Menschen wurden den Körpersäften zugeschrieben. Galen zufolge prägte ein Zuviel an gelber Galle den Choleriker, der Phlegmatiker hatte zu viel Schleim und der Melancholiker zu viel schwarze Galle.
Eine moderne Konstitutions- und Typenlehre entwickelte der deutsche Psychiater Ernst Kretschmer (1888–1964). In seinem 1921 erschienenen Lehrbuch „Körperbau und Charakter“ werden drei Typen unterschieden: der hochwüchsige, mit einem schmalen Körperbau ausgestattete Leptosome, der von seinen Gefühlen her entweder überempfindlich oder unempfindlich ist; der eher kleinwüchsige, stämmige Pykniker, der heiter, lebhaft, aber auch depressiv veranlagt ist; dann der Athletiker mit einem muskulösen Körperbau und der Neigung zu einer schizophrenen Gemütslage.
Hahnemann und die Mediziner seiner Zeit waren zwar noch von der antiken Humoralpathologie beeinflusst, gleichzeitig entwickelten sich aber bereits die Anfänge der Zellularpathologie (die auf der Zellenlehre basierende Krankheitslehre), auf welcher die moderne Medizin basiert.
MIASMATISCHE BELASTUNG
Bei einer miasmatischen Belastung ist die Lebensenergie aufgrund einer solchen vererbten Störung reduziert. Diese Schwächung ist mit Ursache für chronische Erkrankungen. Denn die Selbstheilungskräfte reichen hier nicht aus. Die angeborene schwache körpereigene Abwehr hat deshalb einer Erkrankung nicht genug entgegenzusetzen.
Ein guter Homöopath wird deshalb den Patienten immer auch nach Krankheiten im Verwandtenkreis fragen, so wie er gleichfalls über zurückliegende Erkrankungen in der Kindheit informiert werden will.
AKUTE KRANKHEITEN
Sowohl bei der akuten als auch bei der chronischen Erkrankung ist die Lebenskraft geschwächt. Im akuten Krankheitsfall kann die Beeinträchtigung jedoch in der Regel innerhalb kurzer Zeit durch die Selbstheilungskräfte überwunden werden. Der Körper versucht hier, das innere Gleichgewicht durch entlastende Maßnahmen zu erreichen. Zu diesen zählen Ausscheidungs- und Reinigungsvorgänge wie Erbrechen, Durchfall, Fieber, Schnupfen und Hautausschläge.
Unterdrückt man diese den Körper entlastenden Vorgänge mit Medikamenten, entwickelt sich eine akute Erkrankung möglicherweise zu einem chronischen Leiden. Die Beschwerden können sich dann im Inneren festsetzen oder auch ausbreiten. So verändern sich beispielsweise unter Umständen akute Symptome wie eine akute Hauterkrankung mit Pustelbildung zu anhaltenden Gelenkbeschwerden. Deshalb wird eine solche Erkrankung trotz der Hautsymptome homöopathisch in der Regel „von innen her“ behandelt; eine mögliche homöopathische äußerliche Therapie unterstützt allenfalls zusätzlich den Heilungsprozess.
CHRONISCHE KRANKHEITEN
Gerade bei chronischen Krankheiten wird das weitergehende Konzept der Homöopathie deutlich. Denn diese Krankheiten entstehen, wenn die Selbstheilungskräfte des Körpers zu schwach sind, um die Gesundheit wiederherzustellen. Im Verständnis der Homöopathie gibt es vor allem drei Gründe hierfür:
die miasmatische Belastung (tiefe, vererbte Störung der Lebenskraft),
die Persönlichkeitsmerkmale und
die Unterdrückungen – das heißt, wie bereits oben beschrieben, die wiederholte Unterdrückung der Symptome bei akuten Erkrankungen und damit möglicherweise die Blockierung der natürlichen Ausscheidung.
Üblicherweise entwickelt sich eine solche Krankheit schleichend über viele Jahre hinweg, wobei die Beschwerden zunächst kaum wahrgenommen werden, bis sie dann zunehmend verstärkt auftreten.
WAS BEDEUTET HEILUNG?
Eine schulmedizinische Behandlung beseitigt zwar in der Regel die Symptome einer Krankheit, aber nicht deren eigentliche Ursache. Auch wenn der Mensch in diesem Fall von seinen Beschwerden befreit ist, heißt dies nicht, dass er geheilt ist. Echte Heilung bedeutet eine Wiederherstellung der harmonischen Lebenskraft. Homöopathische Arzneimittel stärken immer die Lebenskraft.
Bei chronischen Erkrankungen wie Kopf- und Nervenschmerzen, Allergien, Asthma bronchiale oder auch Depressionen hilft die länger angewandte Homöopathie sogar, die Erkrankung auszuheilen.
• Anderer Heilungsverlauf
Der Heilungsverlauf in der Homöopathie – zumal bei chronischen Krankheiten – unterscheidet sich von demjenigen in der schulmedizinischen Behandlung. Gerade nicht erwünscht ist dabei das rasche Verschwinden lange bestehender Beschwerden: Verständlicherweise fühlt sich ein Patient mit juckendem Hautausschlag wie „erlöst“, wenn seine Symptome durch eine schulmedizinische Salbenbehandlung rasch abklingen. Umso größer ist die Enttäuschung, tritt nach Absetzen der Salbe der Hautausschlag wieder auf, und das dann oft auch noch verstärkt.
Typisch für den Verlauf wäre hier in der Homöopathie möglicherweise zunächst die kurze Intensivierung des Hautausschlags als Zeichen einer ersten Reaktion des Körpers („Erstverschlimmerung“, siehe >). Danach würden die Beschwerden dann allmählich, zwar über mehrere Wochen oder Monate hinweg, dafür aber auf Dauer abklingen. Bei der homöopathischen Behandlung muss jedoch mit Tagesschwankungen der Symptome gerechnet werden.
Typischer Heilungsverlauf
Üblicherweise erfolgt bei einer homöopathischen Therapie die Heilung nach einem Schema: Als Erstes bessert sich der Hautausschlag im Gesicht, am Hals und Oberkörper, während er an (Unter-)Armen, Unterschenkeln und Knöcheln sowie an den Händen noch lange Zeit bestehen kann.
Diese Systematik wurde von dem amerikanischen homöopathischen Arzt Constantin Hering (1800–1880) beobachtet und in den „Hering’schen Regeln“ zu drei typischen Heilungsverläufen zusammengefasst. Der Heilungsprozess erfolgt:
anatomisch betrachtet von oben nach unten bzw. vom Körperstamm hin zu den Armen und Beinen,von innen nach außen, das heißt, innere Erkrankungen heilen ab, wobei dabei ein Hautausschlag auftreten oder ein bestehender sich verstärken kann (die Haut dient als Ausscheidungsorgan),in der umgekehrten Reihenfolge des Auftretens der einzelnen Erkrankung (z. B. treten die längst vergessenen, früher aber häufigen Kopfschmerzen – abgeschwächt – wieder auf).Nachdem im ersten Schritt die Krankheit bzw. die Beschwerden durch den Homöopathen oder auch eine eingehende Selbstbeobachtung festgestellt wurden, kann nun danach – im zweiten Schritt – das passende Mittel gefunden werden und die homöopathische Behandlung erfolgen.
GRUNDSÄTZLICHES ZUR EINNAHME
Wie bereits geschildert, werden homöopathische Mittel üblicherweise in Form von Globuli, Tropfen oder Tabletten eingenommen. Für eine Selbstbehandlung sind die Streukügelchen am besten geeignet. Bitte beachten Sie jedoch, dass bei manchen Mitteln Globuli aus herstellungstechnischen Gründen erst ab der Potenz D12 zur Verfügung stehen. Es können aber auch ohne weiteres die anderen Darreichungsformen gewählt werden.
Homöopathika sind durch das Potenzieren feinstoffliche Mittel, die entsprechend empfindlich sind. Damit sie nicht auf äußere Reize reagieren und dadurch möglicherweise an Wirksamkeit verlieren, gilt es bei ihrer Einnahme einiges zu beachten:
Berühren Sie das homöopathische Mittel nicht mit der Hand. Nehmen Sie es auch nicht mit einem Metalllöffel ein. Verwenden Sie stattdessen immer einen Plastik- oder Porzellanlöffel.
Schlucken Sie das Mittel nicht einfach hinunter, zerkauen Sie es auch nicht. Lassen Sie es auf der Zunge etwa eine Minute lang zergehen, da das Mittel über die Mundschleimhaut in den Körper aufgenommen wird.
Alkoholhaltige Tropfen können mit Wasser eingenommen werden.
Nehmen Sie das Mittel etwa eine Viertelstunde vor oder nach dem Essen oder Trinken ein. Rauchen Sie in dieser Zeit auch nicht.
Bestimmte Substanzen können die Heilwirkung eines Homöopathikums, zumal in höheren Potenzen, beeinträchtigen oder gar verhindern, weil sie entweder einen Gegenreiz setzen oder in Wechselwirkung zum Mittel treten. Vermeiden Sie deshalb während der gesamten Behandlungsdauer den gleichzeitigen Konsum oder die Einnahme bzw. Anwendung von: Kaffee, koffeinhaltigen Getränken (wie Cola), Kamille und ätherischen Ölen wie Kampfer oder Menthol (sind enthalten in Erkältungsbädern, Hustenbalsam, Husten-/ Halspastillen, Mundspülungen, Zahnpasta, Kaugummi, Pfefferminztee ebenso wie in Pfefferminzbonbons und -schokolade).
DOSIERUNG
In diesem Ratgeber empfehlen wir Ihnen die Potenzen D3, D6 und D12. (Die Einnahme höherer Potenzen sollten Sie auf jeden Fall mit einem erfahrenen Therapeuten abstimmen!) Dabei erfordern die Art der Beschwerden sowie die Höhe der Potenz einen jeweils unterschiedlichen Einnahmemodus.
• Akute Beschwerden
D3- und D6-Potenzen: Hier können Sie eine Gabe des Mittels (5 Globuli bzw. 1 Tablette) stündlich bis alle zwei Stunden einnehmen. Ab dem 2. Tag nehmen Sie es alle zwei Stunden ein, ab dem 3. Tag 3 x täglich.
D12-Potenzen: Am 1. und 2. Tag das Mittel 4–5×täglich einnehmen, ab dem 3. Tag 2×täglich.
Im Notfall
Bei sehr heftigen Beschwerden können Sie eine Gabe der Arznei in einem Viertelliter Wasser auflösen und davon alle fünf Minuten einen kleinen Schluck trinken. Oder Sie nehmen die Flüssigkeit mit einem Plastik- oder Porzellanlöffel ein, nicht jedoch mit einem Metalllöffel.
Besserung der Beschwerden nach der ersten Arzneimittelgabe
In diesem Fall warten Sie so lange mit der nächsten Einnahme, bis Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung des ittels nachlässt. Erst dann nehmen Sie es erneut ein (so wie links unter „Akute Beschwerden“ beschrieben). Es macht hier keinen Sinn, eine höhere Potenz oder mehr Globuli einzunehmen. Denn der Körper benötigt seine Zeit, um auf den Reiz zu reagieren.
Generelle Besserung der akuten Beschwerden
Haben Sie mehrfach das Mittel eingenommen und verspüren eine Besserung, dann reduzieren Sie die Einnahmehäufigkeit um die Hälfte; das heißt, die D12-Potenz nehmen Sie dann nur noch 1×statt 2×täglich ein. Auch wenn Sie den Eindruck haben, die Beschwerden sind vorübergegangen, so nehmen Sie das Mittel noch 2–3 Tage weiter und setzen es dann endgültig ab.
Besserung seit längerem bestehender Beschwerden
D3- und D6-Potenzen: Nehmen Sie 3×täglich eine Gabe.
D12-Potenzen: Nehmen Sie 2×täglich eine Gabe.
Kinder erhalten analog 3 Glob. pro Gabe.
Mittel richtig aufbewahren
Damit Ihre homöopathischen Mittel nicht an Wirksamkeit verlieren, sollten Sie bei der Aufbewahrung auf Folgendes achten:
Schützen Sie die Arzneimittel generell vor Hitze und Licht – deshalb werden sie auch in einer braunen, Licht abweisenden Arzneiflasche geliefert.Lagern Sie sie nicht in der Nähe von intensiv duftenden Substanzen wie Parfüms, ätherischen Ölen, Seifen, Wasch- und Reinigungsmitteln.Bewahren Sie die Mittel nicht im Bereich von elektromagnetischen Feldern auf, also nicht in der Nähe von Handys, Computern oder Mikrowellengeräten.• Chronische Beschwerden
D3- oder D6-Potenzen: Nehmen Sie 3×täglich eine Gabe.
D12-Potenzen: Nehmen Sie 2×täglich jeweils 5 Glob. bzw. 1 Tablette.
Das Mittel ist hier langfristig einzunehmen, wobei sich die Dauer nach den bestehenden Beschwerden richtet. Achten Sie hierbei auf Therapiepausen, die Sie alle drei Wochen für eine Woche einlegen sollten.
Für Frauen ist es sinnvoll, die Therapiepause in die Zeit der Periodenblutung zu legen. Denn die Menstruation entspricht aus homöopathischer Sicht einem natürlichen Ausscheidungsvorgang des Körpers. Dieser soll durch homöopathische Mittel weder verstärkt noch abgeschwächt werden. Handelt es sich jedoch um die Therapie einer Periodenstörung, wird das Mittel selbstverständlich weiter genommen.
Treten die Beschwerden nach Abschluss einer Behandlung zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal auf oder spüren Sie diese bereits im Ansatz, so können Sie nochmals 5 Globuli des entsprechenden Mittels als einmalige Gabe einnehmen.
Dosierungsangaben
Zur Vereinheitlichung der Mengen spricht man von einer „homöopathischen Gabe“. Die folgenden Angaben entsprechen einer solchen Gabe:
•
Dilution (Dil.)
•
Tablette (Tabl.)
•
Globuli (Glob.)
•
Ampulle (Amp.)
Kinder unter sechs Jahren erhalten 3 Globuli, gegebenenfalls 3 Tropfen in etwas Wasser oder Fruchtsaft gelöst; Neugeborene und Säuglinge 1 Globulus oder einen kleinen Teil einer zerdrückten Tablette.
ERSTVERSCHLIMMERUNG
Unter Umständen verschlechtern sich zu Beginn einer homöopathischen Behandlung die Beschwerden vorübergehend. Dieses Phänomen, das in aller Regel nach einigen Tagen auftritt, wird als Erstverschlimmerung bezeichnet. Im Grunde genommen wäre dafür der Begriff Erstreaktion passender. Denn diese Erscheinung zeigt, dass der Körper reagiert und der Heilungsprozess einsetzt. Die Erstverschlimmerung ist also durchaus als positives Zeichen anzusehen.
Interessanterweise lässt sich bei manchen homöopathischen Mitteln vermehrt eine Erstreaktion feststellen, so beispielsweise bei Sulfur. Aber auch bei höheren D- und C-Potenzen tritt sie gehäuft auf. In der Behandlung chronischer Erkrankungen ist sie ebenfalls des Öfteren zu beobachten.
• Unterschiedliche Symptome
Die Reaktionen sind dabei je nach Potenz des Mittels und Konstitution des Patienten individuell unterschiedlich. So äußert sich bei dem einen die Erstverschlimmerung z. B. in Durchfall, bei dem anderen durch vermehrtes Schwitzen, je nachdem, wie der Körper auf das Mittel reagiert.
In der Regel werden auch Selbstreinigungsprozesse in Gang gesetzt. Sie zeigen sich beispielsweise in vermehrter Schleimausscheidung und in Hautausschlägen. Auf der psychischen Ebene wirken stärkere Gereiztheit oder Weinen bei eigentlich sehr ausgeglichenen Menschen wie ein Ventil, durch das sich der überforderte Organismus entlastet. Mitunter treten auch frühere Symptome wieder auf, die nicht ausgeheilt waren.
Setzen Sie für einige Tage das Mittel ab, nehmen Sie aber erst einmal kein anderes Mittel ein. Versuchen Sie auch nicht, die neu auftretenden oder sich vorübergehend verschlechternden Symptome mit herkömmlichen Medikamenten zu unterdrücken. Nach Abklingen dieser verstärkten Beschwerden führen Sie die Behandlung dann fort.
BEGLEITBEHANDLUNG
Die gleichzeitige Einnahme eines homöopathischen Mittels zu dem von Ihrem behandelnden Arzt verschriebenen Präparat kann sehr sinnvoll sein, da Homöopathika zusätzlich die Beschwerden lindern. Darüber hinaus können sie auch – vor allem bei einem chronischen Krankheitsgeschehen – dazu beitragen, die Behandlung zu verkürzen und die Menge des schulmedizinischen Medikamentes auf Dauer zu reduzieren. Da fast alle allopathischen Arzneien im Gegensatz zu Homöopathika mit mehr oder weniger starken Nebenwirkungen verbunden sind, ist diese Kombination für den Heilungsprozess wie auch zur Behandlung der Nebenwirkungen sinnvoll; vor allem auch deshalb, weil es keine Wechselwirkungen gibt. Sie werden darum in diesem Ratgeber eine sehr große Anzahl chronischer Erkrankungen finden, bei denen die zusätzliche Einnahme eines Homöopathikums empfohlen wird.
BEHANDLUNGSVERLAUF
Genau wie das Krankheitsbild jedes Menschen individuell ist – einschließlich seiner Konstitution bzw. miasmatischen Belastung (siehe >) –, so unterschiedlich ist auch der Zeitraum, den die Heilung bei jedem Einzelnen in Anspruch nimmt.
Eine akute Erkrankung heilt zwar in der Regel schneller wieder ab als eine langsam oder chronisch verlaufende. Aber auch hier gibt es von Mensch zu Mensch Unterschiede. Von Bedeutung ist außerdem, wie schwerwiegend die Erkrankung ist, das heißt, wie ernsthaft Organe und Gewebe in Mitleidenschaft gezogen oder verändert sind.
Chronisch krank?
In diesem Fall beachten Sie bitte unbedingt, dass die zusätzliche Einnahme eines homöopathischen Mittels mit Ihrem Arzt abgestimmt werden sollte. Es darf auf keinen Fall bei einer schweren oder chronischen Erkrankung ohne Rücksprache mit dem Therapeuten das schulmedizinische Präparat reduziert oder gar abgesetzt bzw. durch ein homöopathisches Präparat ausgetauscht werden! Denn dies hat unter Umständen nicht einschätzbare gesundheitliche Probleme zur Folge.
• Lebensenergie mit entscheidend
Der Körper muss die Energie zur Reaktion haben; die Lebenskraft muss in der Lage sein, die Harmonie wiederherzustellen. Junge Menschen und Kinder sind in der Regel diesbezüglich kraftvoller als Ältere. Bei denjenigen Menschen, die bereits oft krank waren bzw. schon häufig allopathische Medikamente über längere Zeit eingenommen haben, verzögert sich der Heilungsprozess, da der Körper nicht „rein“ auf das homöopathische Mittel reagieren kann: Er spricht weniger schnell auf die feinen Arzneireize an. So kann es bei der Behandlung chronischer Erkrankungen oftmals Monate dauern, ehe der Körper auf das Mittel reagiert. Auf keinen Fall sollten Sie aus Ungeduld oder Enttäuschung die Therapie zu früh ab brechen. Der Körper benötigt eine gewisse Zeit, um auf den homöopathischen Reiz antworten zu können. Bedenken Sie überdies, dass eine ungesunde Lebensweise den Heilungsprozess negativ beeinflussen kann.
Bei einer Selbstbehandlung sollten Sie außerdem wissen, dass die Heilung im Fall akuter und chronischer Beschwerden unterschiedlich verläuft. Zwar können sich die Symptome sofort nach der Einnahme eines Mittels bessern. Im Allgemeinen gilt jedoch: Je ausgeprägter und akuter sie sind, desto schneller hilft das Mittel. Bestehen die Beschwerden schon länger oder sind sie gar chronifiziert, braucht der Organismus auch länger, um auf das Mittel zu reagieren. Die Wirkung bezieht sich dabei immer auf die psychische und die körperliche Verfassung.
• Unterdrückung
Treten bei einem Menschen die gleichen Beschwerden in regelmäßigen Abständen auf, zeugt dies letztlich von einer großen Lebenskraft. Denn der Körper ist in der Lage, immer wieder die gleichen Symptome zu produzieren. Schlimmer ist es, wenn statt der alten Symptome neue auftreten. Eventuell verlagert sich die Erkrankung sogar von außen nach innen. Es besteht dann die Gefahr, dass sie chronisch wird und sich verschlimmert. Diesen Effekt nennt man Unterdrückung.
Nicht selten werden bei einer allopathischen Behandlung die neu auftretenden Beschwerden nicht mit der ursprünglichen Erkrankung in Verbindung gebracht und auch wieder nur rein symptomatisch behandelt. Die Homöopathie strebt im Gegensatz dazu eine echte Heilung an – und nicht nur ein (oftmals lediglich vorübergehendes) Nachlassen der Symptome.
Ein wichtiges Therapieziel sollte deshalb darin bestehen, dass unter der homöopathischen Begleitbehandlung zunächst – in Absprache mit dem behandelnden Arzt – die stark wirkenden chemischen Arzneimittel reduziert werden. Inwiefern dann bei diesem Vorgehen schließlich nur noch homöopathisch behandelt werden kann, hängt von der Art und Schwere der Erkrankung und damit auch von der Reaktion, sprich von der „Lebenskraft“ des Patienten, ab. Bitte bedenken Sie jedoch, dass es Krankheiten gibt, die eine lebenslange Behandlung mit allopathischen Mitteln und Homöopathie zwingend erforderlich machen (z. B. insulinpflichtiger Diabetes oder schwere Nierenleiden).
Inwiefern neben der Homöopathie andere gleichfalls „regulierend“ wirkende Verfahren und Maßnahmen eingesetzt werden können, wie etwa ein Kuraufenthalt am Meer, Kneipp-Anwendungen, Akupunktur oder pflanzliche Arzneimittel, ist nicht pauschal zu beantworten: Es kommt hier stets auf den Einzelfall an. Bedenken Sie jedoch, dass viel eben nicht viel hilft. Wird der Organismus mit einer zu großen Anzahl von verschiedenen Reizen konfrontiert, weiß er schließlich nicht mehr, auf welche dieser Stimuli er reagieren soll.
• Heilungshindernis und Regulationsblockade
Im Zusammenhang mit der Unterdrückung kann sich eine mangelnde Reaktionsfähigkeit entwickeln, die von Hahnemann als „Heilungshindernis“ bezeichnet wurde. Er brachte damit zum Ausdruck, dass das richtig gewählte und dosierte Mittel nicht die zu erwartende Arzneiwirkung zeigte; der Patient reagierte gar nicht oder aber nur ausgesprochen schwach auf das Homöopathikum. In der heutigen Zeit spricht man von einer Regulationsblockade. Diese Blockade kann sowohl auf der körperlichen (somatischen) als auch auf der seelischen (emotionalen) Ebene bestehen, etwa durch ein Schockerlebnis (Trennung, Unfall, Verlust des Arbeitsplatzes). In solch einem Fall wird Ihnen der erfahrene Therapeut weiterhelfen.
HOMÖOPATHIE IN DER SELBSTMEDIKATION
Wann können Sie sich mit homöopathischen Mitteln selbst behandeln? Diese Frage lässt sich klar beantworten: bei Befindlichkeitsstörungen und leichteren Erkrankungen ebenso wie bei der Mehrzahl aller akuten Beschwerden, abgesehen von schweren Notfällen, sowie bei den meisten chronischen Erkrankungen. Voraussetzung ist jedoch ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit. Lesen Sie dazu die Ratschläge im Kasten links.
Da die Homöopathie eine individuelle Therapie ist, kann nicht jeder mit den gleichen Beschwerden das gleiche Homöopathikum einnehmen. So muss stets eine intensive Suche nach dem persönlich passenden Mittel stattfinden. Bei der Selbstbehandlung einer chronischen Krankheit sollten Sie
sich das entsprechende Wissen über Ihre Krankheit aneignen,
die homöopathische Therapie mit Ihrem behandelnden Arzt abstimmen,
die verschriebenen schulmedizinischen Präparate auf jeden Fall weiter einnehmen (in genauer Dosierung),
niemals ein schulmedizinisches Präparat auf eigene Faust durch ein Homöopathikum ersetzen.
Das ist bei der Selbstbehandlung zu beachten
Behandeln Sie sich selbst nur, wenn Sie sich sicher sind. Dies gilt insbesondere für Erkrankungen, die mit Fieber einhergehen, sowie für die Behandlung von Kindern und während einer Schwangerschaft.
Ziehen Sie im Zweifel stets einen Arzt/ Homöopathen zu Rate.Wählen Sie stets nur ein Mittel aus; probieren Sie auch nicht wahllos mehrere hintereinander aus.Beobachten Sie die Symptome und gegebenenfalls Veränderungen im Verlauf der Behandlung ganz genau.Brechen Sie bei einer über Tage anhaltenden Verschlimmerung die homöopathische Behandlung ab.Nehmen Sie wegen eines chronischen Leidens ein Homöopathikum und erkranken Sie akut, z. B. an einem Infekt, dann setzen Sie das Mittel so lange ab, wie Sie nun ein Akutmittel benötigen. Nach Abklingen der Beschwerden beenden Sie die Akutbehandlung und nehmen wieder das vorherige Mittel.• Homöopathie und Schwangerschaft
Durch ihre spezielle Verarbeitung haben Homöopathika keine Nebenwirkungen (zumal wenn die in diesem Buch angegebenen Potenzen und Dosierungshinweise berücksichtigt werden). Deshalb sind homöopathische Mittel in Schwangerschaft und Stillzeit von so großer Bedeutung. Denn sie ermöglichen es hier, Beschwerden sanft zu lindern.
• Die Mittelfindung
Das A und O der homöopathischen Kunst besteht in der Mittelfindung. Dazu ist eine genaue Selbstbeobachtung notwendig (siehe Kasten >). Diese müssen Sie unbedingt vornehmen, wollen Sie sich mit einem homöopathischen Mittel behandeln, ohne einen Therapeuten in Anspruch zu nehmen. Auch sollten Sie grundsätzlich nur ein Homöopathikum einnehmen. Lediglich in Ausnahmefällen wird in diesem Buch zu einem weiteren Mittel in Kombination oder im Wechsel geraten.
Sämtliche der hier genannten Empfehlungen gelten natürlich nur für die in diesem Ratgeber aufgelisteten Mittel und Potenzen. Lassen Sie sich bitte von einem Therapeuten beraten, falls Sie an der Einnahme anderer Mittel interessiert sind.
• Das richtige Mittel gewählt?
Ob das Homöopathikum richtig ist, das Sie ausgewählt haben, können Sie anhand folgender Veränderungen prüfen:
Sie fühlen sich einfach besser, wohler, weniger müde, ausgeglichener – und dies selbst dann, wenn die körperlichen Beschwerden noch bestehen. Die Heilung erfolgt von Seele zu Körper.
Die Beschwerden verschwinden rasch oder nach einigen Tagen.
Bessern sich die eigentlichen Symptome, treten aber andere Beschwerden auf, und zwar anhaltend, dann suchen Sie nach einem neuen Mittel.
Lassen die Symptome nicht eindeutig nach, verändern sie sich in ihrer Qualität und/oder kommen neue hinzu, ist ebenfalls eine neue Mittelwahl notwendig.
Bessern sich die Beschwerden, geht der Heilungsprozess aber nicht weiter und treten auch keine neuen Symptome auf, nehmen Sie das Mittel noch zwei Tage lang ein. Tritt dann keine Besserung ein, suchen Sie einen Homöopathen auf.
Alle Symptome sind wichtig
Die bei einem Mittel genannten Symptome oder Modalitäten können sich sowohl auf das erkrankte Organ als auch auf das Gesamtbefinden des Patienten beziehen. Dies erklärt, weshalb Beschwerden genannt sind, die scheinbar in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Erkrankung stehen. Für die Mittelfindung sind dies jedoch zusätzliche Informationen, die den entscheidenden Hinweis geben können.
• Grenzen der Selbstbehandlung
Bei einer Selbstbehandlung sollten Sie die Therapie abbrechen bzw. einen Arzt aufsuchen, wenn …
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