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Er ist ihr neuer Chef und eine Beziehung zwischen ihnen scheint unmöglich. Aber im Spiel und in der Liebe ist alles erlaubt – oder? Hayley liebt ihren hart erarbeiteten Job beim Verlag Desmond, ihr Leben ist durchgeplant und strukturiert – so, wie sie es am liebsten hat. Ihr neuer Chef Caleb stellt jedoch alles auf den Kopf, indem er interne Änderungen vornimmt und Hayley als seine rechte Hand einsetzt. Sie wird aus ihm nicht schlau: Mal verhält er sich abweisend und unnahbar, mal herzlich und aufgeschlossen, und sie geraten ständig aneinander. Doch durch die Zusammenarbeit lernen sie sich besser kennen und kommen sich näher – näher, als sie sollten, denn schließlich ist er ihr Boss und eine Beziehung scheint unmöglich. Doch dann verändert ein Ereignis schlagartig alles ... Wattpad verbindet eine Gemeinschaft von rund 90 Millionen Leser:innen und Autor:innen durch die Macht der Geschichte und ist damit weltweit die größte Social Reading-Plattform. Bei Wattpad@Piper erscheinen nun die größten Erfolge in überarbeiteter Version als Buch und als E-Book: Stoffe, die bereits hunderttausende von Leser:innen begeistert haben, durch ihren besonderen Stil beeindrucken und sich mit den Themen beschäftigen, die junge Leser:innen wirklich bewegen!
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Veröffentlichungsjahr: 2023
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Bei »How to publish Love« handelt es sich um eine überarbeitete Version des erstmals auf Wattpad.com von HeyGuys77 und Tyskerfie ab 2015 unter demselben Titel veröffentlichten Textes.
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© 2015 by Eliza Hart. The authors are represented by Wattpad WEBTOON Studios.
© Piper Verlag GmbH, München 2023
Redaktion: Michaela Retetzki
Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)
Covergestaltung: FAVORITBUERO, München
Covermotiv: Bilder unter Lizenzierung von Shutterstock.com genutzt
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Cover & Impressum
PROLOG
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EPILOG
Danksagung
Inhaltsübersicht
Cover
Textanfang
Impressum
Nervös kaute ich auf meinem Stift herum und starrte auf das Blatt Papier vor mir. Ich wollte das Chaos in meinem Kopf ordnen, ihm irgendeine Struktur geben, um besser damit klarzukommen. Um über der Situation zu stehen.
Bis jetzt war ich damit noch nicht sehr erfolgreich gewesen.
Ein kleines Plus und ein Minus standen auf meinem Notizzettel. Sie sahen mich an und verhöhnten mich.
Frustriert pfefferte ich den Stift auf den Tisch und stand auf, um mir erst einmal ein Glas Wein zu holen. Am besten stellte ich die Flasche gleich mit auf den Tisch. Ich nahm einen großen Schluck, versuchte mich zu beruhigen, nachzudenken, zu sortieren.
Als ich mich halbwegs bereit fühlte, setzte ich mich wieder hin und nahm den Stift zur Hand.
Kontra.
Dazu würde mir definitiv mehr einfallen.
Er war verdammt noch mal mein Chef.
Ich war seine Angestellte.
Er war manchmal so distanziert und unnahbar, also überhaupt nicht der Typ Mann, den ich mir an meiner Seite vorstellen konnte.
Alle im Büro würden mich als billig zu haben abstempeln.
Okay, das waren schon einmal wirklich … schlagkräftige Argumente.
Pro.
Wir konnten uns fantastisch unterhalten.
Ich wollte ihn immer an meiner Seite haben.
Und da war diese Anziehungskraft.
Diese verdammte Anziehungskraft.
Ich lehnte mich zurück und schloss die Augen.
Ich war am Arsch.
Als ich an diesem Morgen in den Spiegel sah, konnte man mir die Müdigkeit an den Augen ablesen. Noch in Jogginghose und T-Shirt stand ich hier und überlegte, was ich an diesem Tag mit mir anstellen sollte. Ich entschied mich ziemlich schnell für schlichte offene Haare, schminkte mich dazu dezent und bereitete mich innerlich auf den bevorstehenden Tag vor. Ich arbeitete jetzt schon seit vier Jahren für den Verlag Desmond und ging noch immer so gern zur Arbeit wie am ersten Tag, weil ich meinen Job und auch meine Kolleginnen und Kollegen einfach liebte. Ich hatte als einfache Angestellte in der Verwaltung angefangen, aber zu meiner großen Überraschung relativ schnell eine Beförderung bekommen, weil man mir großes Talent zuschrieb. So kam es, dass ich mit vierundzwanzig Jahren Abteilungsleiterin wurde, da mein damaliger Chef in Rente ging.
Auf dem Weg in die Küche kam ich an meiner Bücherwand vorbei. Noch ein Vorteil, wenn man in einem Verlag arbeitete. Ich vergötterte Bücher und hätte inzwischen ein noch größeres Vermögen dafür ausgegeben, wenn ich nicht die Vergünstigungen über den Verlag bekommen hätte.
Ich schnappte mir mein aktuelles Buch und ging damit in die Küche, um mir meine morgendliche Dosis Koffein einzuflößen.
Ich versank völlig in meiner Lektüre, die ich kaum aus der Hand legen konnte. Die Zeit, es fertig zu lesen, hatte ich leider nicht, wie mir ein Blick auf die Uhr verdeutlichte. Seufzend begab ich mich in mein Ankleidezimmer. So etwas hatte ich mir schon als kleines Mädchen gewünscht, und da ich allein wohnte, konnte ich ein Zimmer genau nach meinen Wünschen dafür umbauen.
Ich suchte mir von der rechten Wand ein graues Kostüm und eine weiße Bluse aus, bevor ich mich nach links drehte und sich ein seliges Lächeln auf meinem Gesicht breitmachte.
Vielleicht hatte ich einen ganz kleinen Schuhtick. Aber nur vielleicht.
Unter den vielen farblich sortierten Reihen suchte ich mir ein paar graue Pumps mit einer silbernen Schnalle aus und zog mich an.
Ich schnappte mir meine Tasche und die Autoschlüssel und verließ gut gelaunt meine Wohnung. Ich wusste, dass ich mich glücklich schätzen konnte, meinen Job so sehr zu lieben. Zwanzig Minuten später befand ich mich vor dem Haupteingang des Verlages und traf dort auf Damian, einen Azubi aus der Marketingabteilung.
»Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen guten Morgen«, begrüßte er mich galant, öffnete mir die Tür und verbeugte sich.
»Witzbold«, meinte ich nur und ging durch die Tür. Damian war ein kleiner Charmeur, und wir verstanden uns trotz des Altersunterschiedes von fünf Jahren prächtig.
»Na, bereit für den neuen Geschäftsführer?«, fragte er, als wir gemeinsam die Treppen in den zweiten Stock hochstiegen.
»Heute muss ich erst einmal unseren jetzigen Geschäftsführer verabschieden«, erwiderte ich und dachte ein wenig wehmütig an Charles, mit dem ich ganze vier Jahre zusammengearbeitet hatte. Fast zwanzig Jahre war er der Geschäftsführer dieser Firma gewesen. Jetzt wollte er in Rente gehen und mehr Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern und Enkelkindern verbringen. Heute war sein letzter Tag, und es würde oben im Großraumbüro der Verwaltung eine kleine Abschiedsfeier geben. Vorher standen noch zahlreiche Meetings an, damit alles für Montag bereit wäre, wenn der neue Chef seinen Job antrat.
»Wir sehen uns später«, sagte Damian und winkte mir zu, als wir im Flur getrennte Wege gingen.
»Arbeite heute mal ein wenig, ja?«, neckte ich ihn und sah noch, wie er mir als Retourkutsche den Mittelfinger zeigte, bevor ich durch die Tür zur Verwaltung ging. Ich grüßte meine Kolleginnen und Kollegen, die schon da waren, und ging zielstrebig zu meinem kleinen Büro.
»Hayley! Um sieben bei mir!«, hörte ich plötzlich Sophias Stimme hinter mir. Ich drehte mich zu meiner besten Freundin um und zeigte ihr einen Daumen hoch. Okay, den heutigen Abend würde ich also mit meinen Freunden verbringen anstatt mit meinem Buch.
»Wenn ich zu dem Zeitpunkt hier draußen bin«, meinte ich noch augenverdrehend, als sie bei mir ankam.
»Vielleicht will Charles heute auch einfach früh nach Hause. Hat er sich nach zwanzig Jahren verdient«, meinte sie munter und fuhr sich durch ihre roten Haare. Sophia und ich waren seit ein paar Jahren eng befreundet. Sie arbeitete in der IT-Abteilung und hatte mir einmal bei Problemen mit meinem Computer geholfen. Zum Dank hatte ich sie auf ein Glas Wein eingeladen, aus dem schnell eine Flasche wurde, und nun ja, manchmal traf man auch in späten Jahren seine Seelenverwandte.
Dass ich Abteilungsleiterin in der Verwaltung war, störte unsere Freundschaft auch nicht, da ich nicht über Sophia stand. Ich war mir zwar sicher, dass wir auch das geschafft hätten, aber so, wie es jetzt war, passte einfach alles.
»Soll ich was mitbringen?«, fragte ich noch und lehnte mich an meinen Türrahmen.
»Ne, Lucas sorgt für Wein, Tess und Carl sorgen für das Fleisch und ich mache den Salat und das Zubehör.«
»Kommt Dylan nicht?«, fragte ich verwundert. Sophia zuckte mit den Schultern.
»Er hat noch nicht auf meine Nachricht geantwortet.«
»Mensch, Sophia, du solltest mit ihm reden. Am besten heute. So kann das zwischen euch ja nicht weitergehen.«
Dylan, den ich durch Sophia kennengelernt hatte und mit dem sie schon ewig befreundet war, hatte ihr vor zwei Wochen gestanden, dass er sich in sie verliebt habe. Sophia, die absolute Bindungsprobleme hatte, war ausgetickt und in Panik geraten, und seitdem hatten sich die beiden nicht gesehen.
»Ich weiß, das ist voll blöd. Ich vermisse ihn auch, nur … Ich habe einfach immer noch keine Ahnung, was ich will, und deswegen ist es zwischen uns so komisch.«
»Ihr seid schon so lange befreundet, ihr müsst einfach offen miteinander reden.« Ich legte den Kopf leicht schief und musterte meine Freundin.
»Schon, aber … Kennst du das, wenn du in deinem Kopf irgendwie ein Bild davon hast, wie ein perfektes Pärchen aussieht? Tess und Carl, zum Beispiel. Die gehören zusammen. Und das haben die schon in der Grundschule gewusst.« Carl arbeitete auch in der IT-Abteilung, und als Sophia und ich begannen, auch mit ihm abzuhängen, hatten wir seine Freundin Tess gleich mit ins Herz geschlossen. Sie gehörte zur Freundesgruppe, obwohl sie wie Dylan nicht bei Desmond arbeitete. Und ja, Carl und Tess passten einfach perfekt zusammen, sie waren so unglaublich harmonisch.
»Immer wenn ich versuche, mich mit einem Kerl zusammen zu sehen, vergleiche ich das irgendwie mit dem, was Tess und Carl haben. Und da kommen Dylan und ich einfach nicht ran. Verstehst du?«
Ich verstand sie nur zu gut. »Natürlich, aber das kann nicht gesund sein, dich und irgendjemand mit Carl und Tess zu vergleichen. Das, was sie haben, lässt sich nicht nachleben«, meinte ich ein bisschen wehmütig und lächelte schief. »So was werde ich bestimmt auch nie haben«, fügte ich hinzu.
»Vielleicht hast du recht …« Sie schien zu überlegen. »Na ja, wir werden sehen. Bis später!« Sie drückte mir einen Kuss auf die Wange und verschwand aus der Abteilung.
Leicht grinsend ging ich in mein Büro und ließ wie immer die Tür offen. Ich hatte mich gerade auf meinen Stuhl fallen lassen und meinen Computer angemacht, als Sarah, meine Sekretärin, mit einem ganzen Stapel Papiere hereinkam.
»Morgen, Hayley«, begrüßte sie mich und überreichte mir den Stapel. »Das habe ich soeben von Ralph bekommen, er meint, das brauchst du für das Neun-Uhr-Meeting.«
Stöhnend nahm ich den Stapel entgegen. Ralph konnte mich mal! Das war mal wieder typisch von ihm, so eine Nummer abzuziehen. Er hatte natürlich so lange wie möglich damit gewartet, mir diese Dokumente zu geben, damit ich schlecht vorbereitet zu dem Meeting kam.
Ralph war um die dreißig und ein Idiot ohne Ende. Seit dem Tag, an dem ich zur Abteilungsleiterin wurde anstelle von ihm, hatte er versucht, mir das Leben zur Hölle zu machen. Bis jetzt hatte er nie wirklich Schaden anrichten können, doch das kam bestimmt noch irgendwann.
Ich sah auf meine Armbanduhr. Kurz nach acht. Ich hatte nicht einmal eine Stunde, um mir die Papiere anzusehen. Genervt holte ich mir erst einmal den zweiten Becher Kaffee an diesem Morgen. Ich legte alle meine Sachen, die ich für die Meetings brauchte, zurecht und konzentrierte mich dann auf den neuen Stapel.
Schnell hatte ich die ersten Seiten überflogen. Bis jetzt uninteressant. Ich merkte, wie der Ehrgeiz und mein Kampfwille in mir aufwallten. Ralph sollte mich auch dieses Mal nicht unterkriegen!
Kurz vor neun hatte ich mir einen Überblick verschafft und fühlte mich einigermaßen vorbereitet. Ich nahm meine Sachen, sah mich noch ein letztes Mal im Spiegel an, der hinter meiner Bürotür hing, und begab mich in den dritten Stock zum Konferenzraum.
»Wie immer bestens vorbereitet, nehme ich an?«, ertönte plötzlich Ralphs tiefe Stimme neben mir. Ich sah ihn nicht einmal an. Er war an sich ein recht gut aussehender Mann. Aber seine Art und Weise war mir einfach so unsympathisch. Sein Benehmen war so durchtrieben falsch, dass man kein Wort von ihm glauben konnte. Ich zumindest nicht.
»Auch dieses Mal bin ich bestens vorbereitet.« Ich betonte das »bestens« extra und beschleunigte meinen Schritt. Ich hatte normalerweise keine Probleme damit, mich professionell zu verhalten. Nur bei Ralph geriet ich immer wieder an meine Grenzen.
Vor dem Konferenzraum standen noch einige Kollegen, die ich freundlich begrüßte. Als ich den kleinen Saal betrat, blieb ich abrupt stehen und starrte zu den Personen am Fenster. Zu der Person.
Caleb Hunter.
Unser neuer Chef.
Beziehungsweise war ich ziemlich davon überzeugt, dass dieser äußerst gut aussehende Mann der neue Geschäftsführer war, denn ich hatte ihn noch nie hier gesehen. Charles’ Rente hatte krankheitsbedingt vorgezogen werden müssen, sodass die gesamte Einarbeitungszeit des neuen Chefs immens gekürzt worden war.
»Was, hattest du nicht daran gedacht, dass unser neuer Boss heute auch da ist?«, fragte Ralph mich in dem Moment leise, und ich zog nur eine Augenbraue nach oben. Seine zurückgegelten schwarzen Haare waren fast so schleimig wie seine Stimme.
»Natürlich. Denkst du, er kommt Montag völlig unvorbereitet und zum ersten Mal in die Firma, die er leiten soll?« Ich ließ Ralph stehen und begab mich zu Charles, der mit Caleb redete. Ich hatte wirklich nicht erwartet, Caleb jetzt schon zu treffen. Auf keine der Outlook-Einladungen war bekannt gegeben worden, dass auch er an den Meetings teilnehmen würde. Aber das ergab natürlich Sinn.
»Hayley!« Charles war auf mich aufmerksam geworden und umarmte mich kurz.
»Solche Begrüßungen werde ich vermissen.« Mit einem herzlichen Lächeln auf den Lippen sah ich ihn an.
»Werde ja nicht sentimental!« Er hatte ein lustiges, lautloses Lachen, bei dem sein ganzer Körper bebte. Dann wandte er sich seinem Gesprächspartner zu und stellte mich vor. »Das hier ist Hayley Morrison, die Abteilungsleiterin der Verwaltung.«
Ich wandte mich zu Caleb und gab ihm die Hand. Er sah mich freundlich, wenn auch ein wenig verhalten an. Er hatte einen starken, selbstsicheren Händedruck.
»Sehr erfreut, Ms Morrison«, vernahm ich Calebs äußerst angenehme Stimme und staunte ein wenig darüber, dass er mich nicht beim Vornamen nannte, wie es eigentlich hier im Verlag allgemein üblich war. Wir waren also noch nicht beim Du.
»Gleichfalls!« Ich versuchte einen netten und seriösen Eindruck zu vermitteln, während ich ihn unauffällig musterte. Er konnte kaum älter als dreißig sein. Er war frisch rasiert, und seine dunklen Haare lagen geordnet auf seinem Kopf. Obwohl ich hohe Schuhe anhatte, war er trotzdem noch einen halben Kopf größer als ich. Er wirkte … verschlossen. »Herzlich willkommen«, fügte ich hinzu. »Wir sind sehr gespannt darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.«
Caleb, oder Mr Hunter, nickte nur, sagte jedoch nichts.
Okay.
»So, ich denke, wir können das Meeting beginnen.« Charles neben mir klatschte in die Hände, während ich immer noch zu Caleb sah. Gesprächig schien er nicht gerade zu sein.
Ein wenig enttäuscht von dem ersten Eindruck setzte ich mich an den Konferenztisch und versuchte mich zu konzentrieren. Ich musste einen guten, einen gebildeten Eindruck machen. Ich war nicht der Schleimertyp, aber Caleb sollte mich von Anfang an als wertvolle Mitarbeiterin betrachten.
Vielleicht sollte ich ihn auch gedanklich Mr Hunter nennen, wenn er schon so auf höfliche Distanz ging.
Ich nahm mir eine der Wasserflaschen, die in der Mitte des Tisches standen, und sah zu Charles, der vor einer Powerpoint-Präsentation stand und jetzt gleich sein letztes Meeting abhalten würde. Mein Blick rutschte ein Stück weit nach rechts zu Mr Hunter, der konzentriert dasaß. Und irgendwie konnte ich meinen Blick kaum von ihm lösen.
***
Ich stand mit Sophia an einem der Stehtische und spielte mit meinem Sektglas. Solche Arbeitstage waren hin und wieder auch ganz angenehm. Es war gerade einmal kurz nach Mittag, aber nachdem heute Vormittag bereits Mr Hunter vorgestellt wurde und dann alle ein wenig gearbeitet hatten, fand nun in der Verwaltung die offizielle Verabschiedung von Charles statt.
»Es ist schon wirklich schade, dass Charles jetzt geht«, meinte ich leise seufzend, aber Sophia reagierte nicht. Stirnrunzelnd sah ich sie an und folgte ihrem Blick. Amüsiert stellte ich fest, dass sie ihre Augen anscheinend nicht von unserem neuen Chef wenden konnte.
»Na, schon bis über beide Ohren verliebt?«, neckte ich sie so leise, dass niemand unser Gespräch belauschen konnte. Ein wenig ertappt sah sie mich an, fing sich jedoch sofort wieder. Sophia war eigentlich nichts peinlich. Deswegen konnte man mit ihr auch so unglaublich viel Spaß haben.
»Also du musst zugeben, dass er ein absolutes Sahneschnittchen ist.« Ich musste laut lachen. So ein Satz konnte einfach nur von Sophia kommen.
»Mag sein«, gab ich zu. »Aber er ist langweilig.«
Sophias empörten Blick konnte man nicht falsch interpretieren. »Er ist doch bestimmt nur schüchtern! Mit seinem Aussehen braucht er das zwar definitiv nicht zu sein, aber na ja.« Sie wackelte spielerisch mit den Augenbrauen und sah dann zu ihm.
»Ladyyyys!« Damian kam in dem Moment zu uns und stieß mit uns an.
»Was machst du hier? Azubis sind nicht eingeladen«, ärgerte ihn Sophia.
»Ich wollte meinen neuen Konkurrenten begutachten«, sagte er ernst und zeigte dabei mit seinem Glas unauffällig auf Caleb, woraufhin Sophia losprustete.
»Das ist gar nicht lustig«, meinte er weiter. »Ich sehe doch, wie sämtliche Frauen in diesem Raum Mr Hunter anschmachten. So wie sie es sonst alle bei mir tun.« Jetzt musste ich auch lachen. Damian war einfach so unglaublich unterhaltsam, wenn er in der richtigen Stimmung war.
»Wird auch Zeit, dass du mal Konkurrenz bekommst«, stichelte Sophia humorvoll weiter, aber Damian verdrehte nur die Augen und wandte sich mir zu.
»Ich soll übrigens von Sadie grüßen.«
Überrascht hob ich eine Augenbraue. »Ihr seid noch in Kontakt?«
»Ab und zu. Sie hat jetzt einen Freund«, fügte er ein wenig geknickt hinzu und brachte somit Sophia und mich wieder zum Lachen.
»Sadie hatte dich ziemlich im Griff und dir gezeigt, wo’s langgeht. Ich mochte die Kleine«, gestand ich.
»Ja, ich auch«, seufzte Damian gespielt traurig, die kleinen Grübchen in seinen Wangen verrieten ihn jedoch.
Sadie hatte bei den meisten hier in der Firma einen guten Eindruck hinterlassen, als sie vor ungefähr zwei Monaten ihr Praktikum absolviert hatte. Und sie hatte Damian auf humorvolle Weise in die Schranken gewiesen, was seinem ein klein wenig zu groß geratenen Ego nicht unbedingt geschadet hatte. Ich hoffte sehr, dass ihr das Praktikum so gut gefallen hatte, dass sie sich vielleicht nach der Schule hier für einen Ausbildungsplatz bewerben würde.
In Sadie sah ich fast ein kleines bisschen mich noch einmal, wie ich vor einigen Jahren gewesen war. Wissbegierig und fleißig, mit einer schnellen Auffassungsgabe – ohne mich dabei jetzt selbst loben zu wollen. Man hatte gemerkt, dass ihr die Arbeit Spaß gemacht hatte und sie mit vollem Elan dabei gewesen war.
»Hayley, du kennst Mr Hunter ja schon. Sophia und Damian, darf ich euch offiziell euren neuen Chef vorstellen!« Charles war an unseren Tisch getreten und hatte einen kühl dreinblickenden Mr Hunter im Schlepptau. Als wir ihm vorgestellt wurden, setzte er ein Lächeln auf, von dem ich das Gefühl hatte, dass es seine Augen nicht erreichte. Er sah mit keinem Blinzeln zu mir, sondern wandte sich an Sophia und Damian.
»Hunter«, stellte er sich noch einmal knapp selbst vor und machte damit abermals deutlich, dass er mit Nachnamen angesprochen werden wollte. Schien ja ein gemütlicher Zeitgenosse zu sein. »Ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit mit Ihnen allen«, fügte er ein wenig freundlicher hinzu, und ich meinte ein Blitzen in seinen Augen gesehen zu haben. Anscheinend freute er sich doch auf seine neue Stelle. Na gut, auf die würde ich mich auch freuen. Zwar viel Verantwortung, in den meisten Dingen jedoch freie Hand und ein durchaus ansehnliches Gehalt. Wer konnte sich da schon beschweren.
Als sich Charles und er abwandten, sah er tatsächlich noch kurz zu mir.
»Was für ein überheblicher, arroganter und langweiliger Kerl«, murmelte Damian so leise wie möglich, und Sophia und ich begannen wieder zu lachen, wie eigentlich immer, wenn Damian in der Nähe war. »Pff, der stellt doch absolut keine Konkurrenz dar!«
Ich legte meinen Arm um Damian und drückte ihn einmal an mich. »Damian, du solltest dir sowieso ein Mädchen außerhalb der Firma suchen.«
»Jaja, schon klar, ich hatte auch nicht vor, jemanden von euch zu daten«, erklärte er. »Das würde nur zu unnötigem Drama und Eifersucht führen. Aber ihr dürft mich trotzdem begehren.« Er nahm zufrieden einen Schluck von seinem Sekt.
»Du hast definitiv zu viel Selbstbewusstsein für einen Neunzehnjährigen!« Sophia kniff ihm in die Wange.
»Hey! Lass das! Das machen nur Omas bei kleinen Kindern.« Damian rieb sich leicht genervt über die Wange. Anscheinend hatte Sophia doch ein wenig fester zugekniffen.
»Dann benimm dich einfach mal erwachsener«, stichelte sie zurück, und ich lauschte amüsiert dem Geplänkel zwischen den beiden.
»Na, hat sich das Kind wieder unter die Erwachsenen gemischt?« Lucas gesellte sich in diesem Moment zu uns.
»Du weißt, dass man hier über achtzehn sein muss?«, fügte Carl hinzu, der hinter Lucas auftauchte. Während wir anderen lachten, murmelte Damian irgendwas von »Mobbing am Arbeitsplatz«.
»Na, sind die Meetings überstanden?«, fragte mich Lucas und stellte sich neben mich.
»Nein, nach der kleinen Feier hier steht noch ein kurzes Meeting an«, seufzte ich und sah ihn an. Lucas war wahrscheinlich das, was man als meinen besten Kumpel bezeichnen konnte. Wir kannten uns auch erst, seit ich bei Desmond arbeitete, aber die Freundschaft hatte sich im Laufe der Jahre vertieft.
»Ich hebe dir heute Abend eine Flasche Wein auf«, beruhigte er mich. Ich schlug ihm leicht gegen den Arm. Ich war in meiner Freundesgruppe als die Weintrinkerin bekannt. Es lag nicht unbedingt an der Menge, sondern daran, dass ich zu einem Gläschen nie Nein sagte. Und das war natürlich ein ausreichendes Fundament dafür, regelmäßig geärgert zu werden.
Generell foppten wir uns in der Freundesgruppe recht viel – und Damian bekam das oft zu spüren. Er war so was wie der Star der Firma. Er war in seinem ersten Lehrjahr und hatte mit seinem Charme alle Herzen im Sturm erobert.
Carl mit seinen einunddreißig Jahren hatte irgendwann einmal angefangen, Damian wegen seines jungen Alters zu ärgern. Er nannte ihn »Baby-Dam« oder »Damianchen«, was zwar kaum auszusprechen war, aber für einigen Spaß sorgte. Damian war unglaublich leicht zu provozieren, da er so gern zu den Großen gehören wollte. Es war einfach nur sehr amüsant. Und zum Glück sah Damian selbst das genauso, sonst hätten wir schon längst damit aufgehört, ihn derart aufzuziehen.
Ich nahm noch einen Schluck vom Sekt und ließ meinen Blick durch das Büro schweifen. Ralph, dieser eklige Schleimer, unterhielt sich natürlich mit Mr Hunter. Meine Sekretärin Sarah und einige andere Kolleginnen standen einige Meter entfernt und beobachteten die beiden mit großen, funkelnden Augen.
Ich schüttelte innerlich den Kopf. So würde ich definitiv nie dastehen. Nicht wegen Ralph, diesem Idioten, und erst recht nicht wegen unseres neuen Chefs.
Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich noch eine halbe Stunde bis zum Meeting hatte. »Leute, ich muss mich noch für das nächste Meeting vorbereiten. Wir sehen uns heute Abend!« Ich leerte mein Glas, wuschelte Damian durch seine Haare und verließ den Stehtisch, um mich zu meinem Büro durchzudrängeln. Da die Verwaltung so offen gestaltet war, benutzte man meistens diesen Raum für interne Veranstaltungen. Schön und gut, jetzt wollte ich meine Ruhe.
Ich schloss die Tür hinter mir, um das Gerede und Gelache nebenan besser ausblenden zu können, und machte mich an meinen Unterlagen zu schaffen. Ich las noch einmal meine Powerpoint-Präsentation durch, die ich halten sollte, und sammelte dann meine Sachen zusammen. Als ich mein Büro gerade wieder verlassen wollte, stieß ich beinahe mit Mr Hunter zusammen.
»Ms Morrison, ich möchte bitte gern, dass Sie die Tür zu Ihrem Büro immer offen lassen.« Ich sah ihn von der Seite an, während wir durch die jetzt mittlerweile fast leere Verwaltung gingen.
»Das habe ich normalerweise immer, jetzt gerade war es nur weg…«
»Schon gut«, unterbrach er mich, ohne mich anzusehen.
War das gerade sein Ernst?
Ich schritt stumm neben ihm her, überlegte, ob ich noch etwas dazu sagen sollte, beließ es aber vorerst dabei. Es würden sich bestimmt noch mehr Gelegenheiten ergeben, ihm meine Meinung zu sagen. Und zwar gehörig.
»Ich bin sehr gespannt auf Ihre Präsentation«, sagte Mr Hunter dann zu mir, als wir die Treppe in den dritten Stock hinaufstiegen. »Nach all dem Guten, was ich über Sie gehört habe, freue ich mich darauf zu sehen, ob Sie Ihrem Ruf gerecht werden.«
»Einfach zurücklehnen, entspannen und genießen.« Ich lächelte ihn charmant an, wobei ich versuchte, die Stimmung aufzulockern.
Er verzog keine Miene.
Innerlich stöhnte ich auf. Er machte uns den Start nicht gerade einfach.
»Mal sehen«, erwiderte er doch noch, als er mir die Tür zum Konferenzraum aufhielt.
Mit hocherhobenem Haupt ging ich durch sie durch und war mehr als bereit, einen ordentlichen Eindruck zu hinterlassen.
»Hey! Endlich bist du da!« Sophia hielt mir die Tür zu ihrer Wohnung auf, und ich umarmte sie zur Begrüßung.
»Mhm, hier riecht’s köstlich. Bitte sag, es ist noch was übrig!« Es war im Büro viel später geworden als befürchtet. Müde und hungrig stand ich jetzt endlich in Sophias Flur und freute mich einfach tierisch auf einen schönen Abend.
»Hier.« Plötzlich erschien ein gut gefülltes Glas Wein in meinem Blickfeld, und ich hätte Lucas aus Dankbarkeit abknutschen können. Als ich zu ihm sah, grinste er mich vielsagend an.
»Ich habe dir eine Flasche versprochen.«
Ich schnappte mir das Glas und genoss den ersten Schluck.
»Komm doch erst mal ins Wohnzimmer, bevor du gleich zu saufen anfängst«, neckte mich Sophia und schubste mich durch den Flur. Brav folgte ich ihr also ins Wohnzimmer und hätte beinahe mein Weinglas fallen lassen.
Vor lauter Freude fing ich an zu quietschen und drückte mein Glas Sophia in die Hand, damit ich beide Hände frei hatte, um Jesse um den Hals zu fallen. Ich drückte ihn an mich und wollte mich kaum wieder lösen.
»Was machst du denn hier?« Ich hörte Jesses Lachen an meinem Ohr.
»Ich glaube, die Überraschung ist gelungen«, meinte er und löste mich sanft von sich.
Jesse. Mein Ex-Freund aus der Schule. Der nach dem Abschluss ein Auslandsjahr machen wollte und einfach nie wieder gekommen ist.
Zu dem Zeitpunkt waren wir schon nicht mehr zusammen. Unsere Trennung war einvernehmlich gewesen, wir waren einfach erwachsen geworden. Und wahrscheinlich konnten wir deshalb auch heute noch so gut befreundet sein.
Nur sahen wir uns leider nicht oft, weil Australien nicht gerade um die Ecke lag.
»Ich dachte mir, es wird mal wieder Zeit, in heimatliche Gefilde zu kommen«, erklärte er mir zwinkernd. Ich hatte ihn bestimmt eineinhalb Jahre nicht mehr gesehen.
»Wurde echt Zeit, dass du dich mal wieder blicken lässt!« Ich strahlte ihn an und freute mich einfach, dass er da war. »Ich hatte keine Ahnung, die anderen haben kein Wort darüber verloren!«
Jesse hatte meine Freunde alle schon kennengelernt und ebenfalls ins Herz geschlossen. Jetzt nahm er Sophia mein Glas wieder aus der Hand und gab es mir zurück. Er schnappte sich seine Bierflasche – Jesse rührte keinen Wein an – und stellte sich, mit einem Arm um meine Taille gelegt, neben mich. Wir standen nun im Kreis und waren einfach glücklich darüber, alle gemeinsam hier sein zu können.
Jesse hob seine Bierflasche. »Also dann – auf mich!«, meinte er ohne jegliches Schamgefühl und prostete uns zu, was wir mit einstimmigem Lachen erwiderten.
»Hayley, ist der neue Chef so heiß, wie Sophia behauptet?«, rief Tess mir zu, und ich verdrehte die Augen.
»Er ist mehr als nur heiß!«, warf da Sophia auch schon wieder ein.
»Er ist wirklich nicht von schlechten Eltern, aber bis jetzt benimmt er sich wie ein ziemlicher Mistkerl. Immer wenn er seinen Mund aufmacht, meckert er oder redet überheblich. Er will, dass wir ihn Mr Hunter nennen!«, empörte ich mich und schnaubte.
»Der scheint’s dir ja wirklich angetan zu haben«, ärgerte mich Jesse und wackelte mit den Augenbrauen. Ich ging auf das Spiel ein und hielt mir theatralisch eine Hand aufs Herz.
»Ich verzehre mich nach ihm! Ich weiß schon nicht mehr, wie ich ohne ihn leben soll!« Ich schauspielerte ein wenig zum Amüsement meiner Freunde.
»Das ist meine Hayley.« Ich zog eine Augenbraue nach oben und sah Jesse verschmitzt an.
»Deine Hayley also, hm?«
»Du wirst immer meine Hayley sein«, meinte er zwinkernd. Ich machte es mir endlich auf der Couch gemütlich, nahm einen weiteren Schluck von meinem Wein und stellte fest, dass das Glas schon fast leer war. Ups.
»Noch ein bisschen was?«, fragte mich da Lucas auch schon neckisch, und ich nickte, woraufhin er mir nachschenkte. Gemütlich zog ich die Beine an und kuschelte mich auf die Couch, während ich den Gesprächen meiner Freunde lauschte. Sophia erzählte Tess gerade ausführlich, wie gut Caleb, also Mr Hunter aussah und was genau er alles gesagt hatte.
Ich musste mir wirklich abgewöhnen, ihn in Gedanken mit Caleb anzusprechen. Das konnte noch böse ausgehen und mich in ein riesiges Fettnäpfchen treten lassen. Ich konnte mir nämlich nicht vorstellen, dass er einen Ausrutscher diesbezüglich unbeachtet lassen würde.
»Oh, verdammt!« Sophia sprang quietschend auf und lief in die Küche. Fragend sah ich die anderen an.
»Der Auflauf ist im Ofen«, erklärte mir Tess. Ein glücklicher Seufzer entfuhr mir.
»Ach, ich bin gerade rundum zufrieden.« Ich hatte schon befürchtet, die anderen hätten das ganze Essen verputzt. Lucas setzte sich neben mich und fragte mich, wie die Meetings gelaufen waren. Er saß im Lektorat und war immer sehr daran interessiert, was auf der Managementebene besprochen wurde.
»Ich glaube, dass mit Mr Hunter auch jede Menge Änderungen kommen werden«, spekulierte ich. »Er redet die ganze Zeit von Effektivierung und so. Und man hat deutlich gemerkt, dass er viele Arbeitsabläufe und Geschäftspläne als veraltet ansieht. Ganz ehrlich? Ich weiß noch nicht wirklich, was ich von dem Ganzen halten soll.« Ich hatte wirklich das Gefühl, dass das entspannte und trotzdem meiner Meinung nach effektive Arbeiten unter Charles’ Leitung vorbei war. Bald würde ein anderer Wind wehen, und ich war mir noch nicht sicher, ob mir das gefallen würde. Das Problem war nur, dass ich daran kaum etwas ändern konnte, sondern aus der Situation wohl oder übel würde das Beste machen müssen.
Noch war es nicht so weit, und ich wollte den Teufel auch nicht an die Wand malen und mich und die anderen vielleicht unnötig verrückt machen.
»Essen ist fertig!«, rief Sophia von der Küche aus, und ich stand von der Couch auf.
»Mach dir mal nicht zu viele Gedanken, das wird bestimmt nicht so schlimm«, sagte Lucas noch aufmunternd zu mir und legte einen Arm um mich. Er kannte mich.
Während des Essens machte ich mir tatsächlich keine Gedanken, sondern genoss es einfach, Zeit mit meinen Freunden zu verbringen und von Jesse auf den neuesten Stand gebracht zu werden. Er vermisste sein Zuhause, doch wie sich herausstellte, würde er wohl Australien vorläufig nicht verlassen.
»Sie heißt Jenny, und ich habe sie beim Tauchen getroffen«, schloss er seinen Bericht darüber, wie er ein ganz besonderes Mädchen kennengelernt hatte, und auf einmal fiel mir auf, dass er dieses Strahlen im Gesicht trug, das nur Verliebten vorbehalten war.
»Jesse und Jenny? Dein Ernst?«, fragte Carl amüsiert, während Sophia schon weitere Details einforderte.
»Ich weiß, ein wenig klischeehaft, aber hey, wenn du deiner Traumfrau begegnest, lässt du sie doch auch nicht nur wegen ihres Namens abblitzen.« Jesse wandte sich wieder mir zu. »Du würdest sie mögen. Du musst unbedingt bald mal wieder kommen und sie kennenlernen.«
Vielleicht würde ich das ja tatsächlich.
***
Glücklich und ein wenig beschwipst machte ich mich mit Jesse auf den Heimweg. Er hatte darauf bestanden, dass er mich noch begleiten würde, und jetzt liefen wir die dunklen Straßen entlang und genossen die Stille. Jesse hatte einen Arm um meine Schultern gelegt, wie er es schon immer getan hatte, und ich fühlte mich fast wieder wie die Siebzehnjährige, die damals den jungen Jesse kennengelernt hatte.
Nur mit dem Unterschied, dass uns beiden heute nie wieder in den Sinn kommen würde, so etwas wie eine Beziehung miteinander einzugehen.
Mit siebzehn konnte man manchmal einfach noch nicht zwischen tiefer Freundschaft und Liebe unterscheiden. Ich war froh, dass Jesse und ich heute noch befreundet waren.
»Jesse?«, fragte mein leicht angetrunkenes Ich. Wie viel Wein hatte ich getrunken? Ich wusste es nicht mehr genau. Es war noch ein Gläschen geworden und noch eins … und noch eins …
»Hm?« Er sah fragend zu mir runter.
»Bist du glücklich?«, wollte ich von ihm wissen und war mehr als froh, als sich ein Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete.
»Ja, Hayley, ich bin glücklich. Sehr sogar.«
Ich nickte zufrieden und sah wieder nach vorn.
»Und du? Bis du glücklich, Hayley?«
War ich glücklich?
Ich hatte keinen Partner, mit dem ich alles teilen konnte. Dafür hatte ich die besten Freunde, die man sich überhaupt vorstellen konnte. Ich hatte einen Job, den ich liebte.
»Ja. Ja, ich bin auch glücklich.« Und es war die Wahrheit. Ich war mit meiner Situation einfach gerade, so wie sie war, rundum zufrieden. Kurz darauf erreichten wir meine Wohnung. Ich gab Jesse eine gefühlt minutenlange Umarmung und wollte ihn am liebsten nicht wieder loslassen, so froh war ich, dass er wieder im Lande war.
»Schlaf gut, ich schreibe dir morgen«, sagte er noch zum Abschied, und ich erklomm die Treppe nach oben zu meiner Dachgeschosswohnung.
Als ich im Flur meine Jacke aufgehängt und die Schuhe ausgezogen hatte, schmiss ich mich auf meine Couch und schloss die Augen. Was für ein Tag …
Als ich merkte, wie nah ich am Einschlafen war, rappelte ich mich auf und machte mich bettfertig. Ich nahm mein Buch mit ins Bett und checkte am Handy noch schnell meine Mails. Es war zwar Freitagabend, doch die Arbeit ließ mich trotzdem nie wirklich los.
Meine Müdigkeit verflog mit einem Mal, als ich eine Mail von Mr Hunter sah. Meine Augen weiteten sich, und mein Mund klappte mehr und mehr auf, je weiter ich die Mail las. Er verlangte von mir, dass ich bis Montagmorgen einen kompletten Bericht der letzten sechs Monate von der Verwaltung verfasste. In alle Bereiche aufgeteilt. Mit Zukunftsprognosen.
Das konnte er doch unmöglich ernst meinen?
Freitag in meiner Präsentation hatten wir schon eine Analyse der Verwaltung durchgeführt. Mr Hunter hatte eine verdammte Frage dazu gestellt. Für mich und auch für alle anderen war die Sache ja wohl erledigt gewesen.
Für diesen Bericht würde ich das ganze Wochenende brauchen.
Ich stöhnte und schüttelte genervt den Kopf. Ich konnte ja verstehen, dass er die Firma gut kennen wollte. Aber er hatte heute jede Möglichkeit gehabt, Fragen zu stellen oder da schon diesen Bericht zu erwähnen.
Was, wenn ich normalerweise nie meine Arbeitsmail am Wochenende checkte?
Er ging also davon aus, dass ich auch an Wochenenden arbeitete.
Frustriert legte ich mein Handy auf meinen Nachttisch und klappte mein Buch auf. Mr Hunter konnte mich mal. Falls ich den Bericht tatsächlich schreiben würde, ich wiederhole, falls, dann erst morgen.
***
Ich versuchte, so gut wie möglich meine Augenringe mit Schminke zu überdecken. Ich malte ausnahmsweise einen dünnen Lidstrich auf meine Augenlider, meine Wangen bekamen eine Extraportion Rouge und ein braun-rötlicher Lippenstift vollendete mein Erscheinungsbild.
Es war Montagmorgen und ich hatte nur wenige Stunden geschlafen. Ich sah nicht nur komplett gerädert aus, ich fühlte mich auch so.
Seit Samstagfrüh hatte ich wie eine Besessene an dem Bericht für Mr Hunter gearbeitet. Alles in mir schrie danach, ihm zu sagen, dass er seinen Bericht gern selbst schreiben konnte, und ihm zu erklären, wie wir bei Desmond arbeiteten.
Aber ich war nicht ohne Grund Abteilungsleiterin. Und das wollte ich Mr Hunter auch zeigen. Vor allem, da ich wusste, dass, wenn ich es nicht täte, Ralph sofort seine Chance wittern würde, mich vom Thron zu stoßen. Ich ging bei der Bäckerei um die Ecke vorbei, kaufte mir einen Kaffee und ein Croissant und machte mich auf den Weg zur Arbeit.
Beim Haupteingang des Verlags traf ich wie fast jeden Morgen auf Damian, der mir wie immer die Tür aufhielt.
»Du siehst aus, als hättest du die ganze Nacht …«
»Halt die Klappe, Damian.« Ich nahm meinen Worten mit einem müden Grinsen die Schärfe und ging durch die Tür.
»Na, na, da ist aber jemand an diesem wunderschönen Morgen besonders gut gelaunt«, provozierte er mich ein wenig, und ich musste schmunzeln.
»Ich habe das ganze Wochenende wie verrückt gearbeitet«, murrte ich und schritt eilig zur Treppe.
»Dann hast du das auch einmal probiert«, warf Damian neckend ein, und ich konnte nicht anders, als zu lachen. Der Junge schaffte es immer wieder, meine Laune zu verbessern.
»Was sollte ich nur ohne dich tun, Damian?«, fragte ich ihn halb sarkastisch, halb ernst gemeint, als wir im zweiten Stock ankamen.
»I don’t know, honey!« Er zwinkerte mir zu und ging Richtung Marketing.
»Guten Morgen!« Ich versuchte betont gut gelaunt zu wirken, als ich meine Mitarbeiter begrüßte.
»Sarah, ist Mr Hunter schon da?«, fragte ich meine Sekretärin, als ich an ihrem Tisch vorbeikam.
»Ja, er ist in seinem Büro.« Sie drückte mir noch einige Papiere in die Hand, bevor ich zu meinem Büro ging und meine Sachen ablegte. Den leeren Kaffeebecher warf ich in den Mülleimer, die Tüte mit dem halben Croissant legte ich auf meinen Tisch, und dann stellte ich erst einmal meine Maschine an. Ich sah auf die Uhr. Zehn vor acht.
Ich sah mich noch einmal in meinem Spiegel an, bevor ich meinen mehrseitigen Bericht nahm und mit gestrafften Schultern aus meinem Büro ging. Die Wut in mir wurde mit jeder Stufe, die ich bis zum dritten Stock erklomm, größer.
Die Tür zu Mr Hunters Büro stand offen, und ich marschierte hinein, ohne anzuklopfen. Er hob den Kopf, als er meine Schritte hörte, und für einen Moment war ich ein wenig aus dem Konzept gebracht. Ich hatte vergessen, wie gut er in Wirklichkeit aussah. Und dieser Anzug saß einfach perfekt. Er war wie am Freitag glatt rasiert und strahlte eine Frische und eine Energie aus, von der ich nur träumen konnte.
Trotzdem warf ich ihm meinen Bericht auf den Tisch und sah ihn herausfordernd an. »Damit eins klar ist, Mr Hunter. Das war das erste und das letzte Mal, dass ich für Sie an meinem Wochenende einen Bericht dieser Art angefertigt habe. Sie hatten Freitag genug Zeit, weitere Fragen zu der Verwaltung zu stellen. Ich weiß nicht, wo Sie früher gearbeitet haben und was Sie sich dort erlauben konnten. Aber ich bin weder Ihre Sekretärin noch Ihre Assistentin.«
Ein amüsierter Zug erschien um seinen Mund, als er den Bericht in die Hand nahm. »Ms Morrison.« Er blätterte die ersten Seiten durch, legte den Bericht wieder auf den Tisch und stand auf, sodass seine körperliche Erscheinung die vollste Wirkung auf mich entfalten konnte. Mit den Händen in den Hosentaschen ging er um seinen Tisch herum und stellte sich vor mich. Sein Aftershave erfüllte den Raum um ihn herum, und ich versuchte mich nur auf ihn zu konzentrieren, statt auf sein Aussehen, seinen Duft, seine Ausstrahlung.
»Setzen wir uns doch kurz.« Er zeigte mit einer vagen Bewegung auf die Sofagruppe, die sich in einer Ecke des Büros befand. Ich zögerte. Ich hatte Mr Hunter nicht so ruhig eingeschätzt. Ich hatte eine Diskussion erwartet. Ich hatte eine Diskussion gewollt.
Mr Hunter ging zur Tür und schloss sie. Das sah ich als mein Zeichen und setzte mich. Er nahm mir gegenüber Platz, lehnte sich nach vorn und stützte sich mit seinen Ellbogen auf seinen Knien ab. Und dann sah er mich einfach an. Mehrere Sekunden lang musterte er mich nur. Als mir das zu bunt wurde, hob ich eine Augenbraue und sah ihn abwartend an.
»Der Bericht ist nicht für mich«, sagte er schließlich ruhig. Er verschränkte seine Finger ineinander und begann seine Hände zu kneten. Er machte dabei keinen nervösen Eindruck, sondern es schien eher wie eine Angewohnheit. Nebenbei erwähnt, hatte er übrigens extrem schöne Hände.
»Für wen dann?« Ich räusperte mich und sah ihm direkt in die Augen. Ich konnte auf die Entfernung die Farbe nicht genau erkennen. Aber es schien wie eine Mischung aus Grau und Grün.
»Der Bericht ist für den neuen Abteilungsleiter der Verwaltung.«
Für den neuen Abteilungsleiter der Verw…
WAS?!
»Wie bitte?« Meine Stimme war eiskalt, genauso wie mein Blick. Feuerte er mich gerade, nachdem ich das ganze Wochenende geackert hatte, um diesen Scheißbericht für meinen Nachfolger zu erstellen?
»Es werden einige Änderungen in Kraft treten, vor allem in der Verwaltung. Wir werden einige Kollegen verabschieden müssen. Und Ralph Simmons wird Ihre Stelle als Abteilungsleiter übernehmen.«
Geschockt sah ich Mr Hunter an. Das konnte er nicht ernst meinen. Ich hatte mir jahrelang den Arsch für diese Firma aufgerissen. Ich liebte meinen Job! Er konnte doch nicht einfach hier auftauchen und mich rausschmeißen?
»Sie werden uns aber nicht verlassen, Ms Morrison. Ich habe Pläne mit Ihnen.«
Ich sah ihn verblüfft an, immer noch außerstande, irgendetwas zu sagen.
»Interessieren Sie sich für Bücher?«
Was war das denn für eine Frage?
»Natürlich. Ich liebe Bücher.« Worauf wollte er hinaus? Mr Hunter nickte nur und lehnte sich im Sessel zurück. Und wieder betrachtete er mich genau.
»Wieso trotzdem der Bericht?«, fragte ich ihn. »Ralph arbeitet länger hier als ich. Er weiß, wie es in der Verwaltung abläuft. Er kennt die Arbeitsvorgänge, er kennt die Mitarbeiter, er kennt die Herausforderungen.«
»Er hat nicht den Überblick, wie Sie ihn haben. Und am Freitag war er bei Ihrer Präsentation nicht anwesend, wie Sie sich erinnern.«
»Sie kennen uns nicht, Mr Hunter. Sie wissen nichts über uns und die Arbeit, die wir verrichten. Woher wollen Sie wissen, dass Ralph als Abteilungsleiter besser geeignet ist als ich?«
»Das weiß ich auch nicht«, sagte er ehrlich. Er war so gefasst, so ruhig. »In dieser Angelegenheit vertraue ich auf das Urteil von Charles.«
Ich konnte es nicht fassen. Ich konnte es nicht glauben! Charles würde nie behaupten, dass Ralph meinen Job verdiente. Charles selbst hatte mich seinerzeit befördert! Er hatte mir immer den Rücken gestärkt. Log Mr Hunter mich nur an? Damit er selbst nicht als der Bad Guy dastand?
Auch Mr Hunter schien zu überlegen. »Außerdem haben Sie bei der Präsentation einen kompetenten Eindruck gemacht«, fügte er hinzu.
Was redete er da? Wieso musste ich dann meinen Posten abgeben? Mit leicht zusammengezogenen Augenbrauen sah ich ihn an und versuchte zu verstehen, was er von mir wollte.
»Sie werden eine neue Stelle bekommen. Mehr Verantwortung, besser bezahlt.«
Vor lauter Überraschung fiel mir die Kinnlade herunter.
»Charles hat das noch veranlasst, und ich werde mich dem nicht in den Weg stellen. Ich möchte Sie jedoch auch darauf hinweisen, dass ich mir das Recht vorbehalte, Ihnen diese Stellung wieder zu entziehen, sollten Sie meinen Anforderungen nicht gerecht werden«, fügte er hinzu und stellte gleich wieder klar, wer hier der Boss war. Aber im Moment freute ich mich einfach viel zu sehr, als dass mich das übermäßig nerven würde.
Kurz herrschte in meinem Hirn freudiges Chaos. Dann räusperte ich mich.
»Was genau wären meine neuen Aufgaben?«, brachte ich endlich eine vernünftige Frage zustande.
Wieder zögerte er kurz. »Sie werden sozusagen meine rechte Hand«, erklärte er, und ich merkte, wie sehr ihm das eigentlich gegen den Strich ging. »Sie werden die Aufsicht über alle Abteilungen haben, diese managen und für Struktur und Ordnung sorgen. Ich erwarte täglich Rückmeldungen und natürlich bei größeren Entscheidungen Absprache mit mir.«
Das klang ja … vielversprechend.
»Ab wann?«
»Mit sofortiger Wirkung.«
»Wann hatten Sie vor, mir das zu sagen? Nachdem Ralph in mein Büro gekommen wäre, um sich breitzumachen?« Wenn ich nicht zu Mr Hunter gegangen wäre, würde ich jetzt ruhig bei meiner Arbeit sitzen und denken, dass ich die nächsten Jahre Abteilungsleiterin sein würde.
Mr Hunter sah auf seine Armbanduhr. Sie war klassisch und modern, bestimmt sehr teuer. »Ich habe mit Ralph Simmons in zehn Minuten ein Meeting. Wenn Sie nicht zu mir gekommen wären, hätte ich Sie holen lassen. Heute Nachmittag lade ich zu einem Vorstandstreffen ein, an dem alle Abteilungsleiter teilnehmen werden, und nachher wird eine Rundmail verschickt.«
Es war alles geplant und geregelt.
»Was, wenn ich lieber Abteilungsleiterin bleiben möchte?« Nicht dass ich das wollte. Aber fragen musste ich trotzdem. Jetzt schien es, als hätte mich Mr Hunter total in seiner Hand.
»Dann nicht in dieser Firma.« Immer noch im Sessel zurückgelehnt, sah er mich ausdruckslos an. War Charles sich tatsächlich so sicher gewesen, dass ich die Beförderung annehmen würde, dass er mir gar keine Alternative im Unternehmen gelassen hatte? Oder war das wiederum Mr Hunters Entscheidung?
»Wo wird mein Büro sein?«
»Nebenan.«
»Wie viel Zeit haben Sie, um zu bewerten, ob Sie mich als geeignet ansehen?« Ich wollte eine Deadline.
Er zuckte mit den Schultern. »Zwei Monate Probezeit? Was sagen Sie dazu?«
Zwei Monate.
Das war fair.
Fühlte ich mich der Aufgabe gewachsen?
Keine Ahnung, aber ich kannte mich selbst. Was meine Arbeit und mein Können anbelangte, konnte ich sehr stur sein. Ich würde arbeiten, bis ich alle Fertigkeiten beherrschte, die ich anwenden musste. Ich würde alles geben, um die Probezeit zu bestehen. Ich war nicht ohne Grund mit vierundzwanzig Jahren Abteilungsleiterin geworden. Da ließ ich mich nicht so leicht feuern.
»Okay.« Ich sah ihn selbstbewusst an.
»Gut.« Er stand auf, und ich tat es ihm gleich. »Dann können Sie Ihre persönlichen Gegenstände aus Ihrem alten Büro zusammenräumen. Die Outlook-Einladung für das Meeting später bekommen Sie gleich von mir.«
Ich nickte knapp und ging zur Tür. Als ich sie öffnete, wäre ich fast mit Ralph zusammengestoßen, der ein selbstsicheres Grinsen im Gesicht trug. Ich erwiderte dieses gelassen.
»Bitte sehr, du kannst rein«, sagte ich gut gelaunt.
»Ralph, komm rein!«, hörte ich hinter mir noch Mr Hunter sagen. Mit hocherhobenem Haupt ging ich zurück zu meinem Noch-Büro. Ich überlegte, Sophia gleich eine Mail zu schreiben, aber dann dachte ich mir, es müssten, wenn schon, dann alle aus dem Betrieb gleichzeitig erfahren, also musste ich geduldig auf die Rundmail warten. Mit einem Lächeln schnappte ich mir mein Handy. Einer konnte es zumindest sofort erfahren.
Keine fünf Minuten später erhielt ich Jesses Antwort.
Verdammt, Glückwunsch! Ich bin stolz auf dich!
Lächelnd steckte ich mein Handy wieder weg. Wir mussten unbedingt darauf anstoßen! Aber jetzt wartete noch ein Berg Arbeit auf mich.
***
Etwa eine halbe Stunde später, als ich metaphorisch ungefähr mit beiden Armen bis zum Ellbogen in Dokumenten steckte, die ich abgleichen musste, hörte ich an der Tür ein Räuspern, das mich aus meinen Gedanken aufschreckte. Ich blickte hoch und sah Ralph in mein Noch-Büro eintreten. Er sah aus wie ein begossener Pudel. Von seinem selbstsicheren Grinsen war nichts mehr übrig.
»Mr Hunter möchte, dass ich mit dir die Unterlagen einmal komplett durchgehe, die du zusammengestellt hast.«
Ralph hatte das kaum nötig, da er die Abläufe kannte. Höchstens für einen oder zwei Unterpunkte wäre es wirklich ratsam gewesen, dass wir uns noch einmal zusammensetzten. War das etwa Absicht von Mr Hunter gewesen? Wollte er Ralph schon mal zeigen, wie der Hase lief, und ihn ein wenig in die Schranken weisen? Oder wollte er einfach nur auf Nummer sicher gehen und kein Risiko eingehen, dass bei der Übergabe irgendetwas vergessen wurde?
Ich wusste es nicht, doch ich machte mir gedanklich einen Strich auf der Seite mit positiven Überraschungen von Mr Hunter. Natürlich konnte er nichts von meinen Aversionen Ralph gegenüber wissen, aber ich bildete mir ein, dass er auf meiner Seite war.
»Gern. Schließ schon einmal die Tür. Ich brauche nur noch eine Minute, um das hier fertig zu machen.« Eigentlich brachte mir diese Minute gar nichts. Aber ja, ich wollte die Situation ein wenig auskosten. Zu lange ließ ich Ralph jedoch nicht warten, das war einfach nicht meine Art, und ich weigerte mich, mich auf sein Niveau hinunterzubegeben. Also packte ich die Unterlagen ordentlich zusammen und legte sie auf die Seite, um Platz für meinen Bericht zu schaffen, der mich mein ganzes Wochenende gekostet hatte. Unter diesen Umständen machte mir das gar nicht mehr so viel aus.
»Sollen wir die Unterlagen am besten Stück für Stück durchgehen und du stellst Fragen, falls welche aufkommen?« Ralph nickte nur mit angespannten Gesichtszügen. Na, das konnte ja heiter werden.
Nur noch zehn Minuten. Dann war das Abteilungsleitermeeting und Mr Hunter würde bekannt geben, dass ich bald eine neue Stellung hätte.
Über allen anderen.
Ein wenig nervös war ich schon. Einige der Kollegen waren schon länger beim Verlag als ich und auch schon älter. Wie würden sie auf meine Beförderung reagieren? Ich kam mit allen bestens klar, und ich wollte nicht, dass sich an unserem guten Verhältnis etwas änderte, nur weil ich bald eine kleine Stufe über ihnen stand.
Die letzte halbe Stunde hatte ich damit verbracht, meine persönlichen Gegenstände aus meinem alten Büro zusammenzupacken, damit ich nach dem Meeting gleich mein neues Büro beziehen konnte. Ich wollte die Sachen nicht jetzt schon hochbringen, um unnötigem Getratsche aus dem Weg zu gehen. Der Karton mit all meinen Sachen stand vor mir auf meinem Schreibtisch.
Einmal sah ich mich noch in meinem Büro um, bevor ich mich mit einem Lächeln auf den Weg zum Meetingraum machte. Als ich dort ankam, stand Mr Hunter bereits mit einem Kollegen aus dem Lektorat zusammen, der mir freundlich zunickte, während mir Mr Hunter lediglich einen neutralen Blick zuwarf und sich wieder abwandte.
Wieso konnte er nicht ein wenig freundlicher sein? Ein zugänglicher Chef wurde doch viel eher akzeptiert, und man arbeitete lieber für ihn als für einen Chef, der unnahbar war und bei dem man jeden Schritt, den man tat, abwägen musste. Kleine Bedenken schlichen sich in meinen Kopf, wie wohl die Zusammenarbeit zwischen Mr Hunter und mir in Zukunft aussehen würde. Hätte ich meine Entscheidung überdenken sollen?
Kopfschüttelnd suchte ich mir einen Platz und warf einen Blick auf meine Uhr. Zwei Minuten noch bis zum angesetzten Termin. Mr Hunter legte wahrscheinlich auch einen enormen Wert auf Pünktlichkeit. Ihm würde ich es sogar zutrauen, die Tür zu verschließen und niemanden mehr hineinzulassen, wenn er zu spät kam.
Schätzte ich Mr Hunter als so kindisch ein? Er sah aus wie ein gestandener Mann, keine Frage. Doch von seinem Charakter wusste ich noch nicht allzu viel. Wenn ich ab sofort jedoch enger mit ihm zusammenarbeitete, würde ich schon noch herausfinden, wie er so tickte.
Die nächsten Kollegen kamen in den Raum, und wir waren pünktlich vollzählig. Auch Ralph war mit eingeladen worden und hatte schon irritierte Blicke von einigen erhalten. Bevor noch irgendjemand fragen konnte, was er hier zu suchen hatte, stellte sich Mr Hunter in die Mitte und begrüßte uns alle.
»Wir haben uns alle ja bereits kurz kennengelernt. Ich freue mich schon auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Ihnen.« Für den Bruchteil einer Sekunde schlich sich so etwas wie ein Lächeln auf seine Lippen.
»Zuerst möchte ich mit Ihnen ein paar allgemeine Abläufe durchgehen. Sie haben in dem letzten Meeting Ihre Abteilungen bereits vorgestellt, haben berichtet, wie Sie bisher gearbeitet haben, und ich möchte Ihnen nun zeigen, wo wir noch ein paar Optimierungen vornehmen können.« Und da hatten wir den Salat auch schon. Kam neu in die Firma und wollte gleich alles umschmeißen. Ich warf meinen Kollegen einen flüchtigen Blick zu und konnte erkennen, dass auch sie alles andere als begeistert über diese Ankündigung waren.
»Ich möchte Ihnen erst noch sagen, dass es eine strukturelle Änderung geben wird. Ms Morrison«, begann er und sah kurz zu mir, »wird ab sofort nicht mehr die Abteilungsleiterin der Verwaltung sein.« Leise, erschrockene Laute waren zu hören. »Stattdessen wird Mr Simmons diesen Posten übernehmen.« Eine Grabesstille legte sich über den Raum, und alle sahen erst zu Ralph und daraufhin total entsetzt zu mir. Ihnen ging es wie mir noch vor ein paar Stunden. Ich hatte wahrscheinlich exakt den gleichen Gesichtsausdruck, als mir Mr Hunter die Neuigkeit eröffnet hatte. Der Mann hatte aber auch ein Talent dafür, die Dinge so dramatisch zu präsentieren, dass erst einmal alle geschockt waren, anstatt den positiven Aspekt hervorzuheben.
»Ms Morrison wird stattdessen eine neue Position einnehmen. Es war Charles’ Wunsch, dass Ms Morrison eine Stelle als seine rechte Hand bekommen sollte. Er hatte diesbezüglich auch schon alles in die Wege geleitet, bevor sich sein Zeitplan verschoben hat. Deshalb wird Ms Morrison mit sofortiger Wirkung befördert.« Kurz mussten meine Kollegen diese Neuigkeit verdauen, bevor sie zu applaudieren anfingen. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich sah in ihre Gesichter und konnte erkennen, dass mir keiner diese Stellung neidete, sondern mir gönnte, weil sie wussten, dass ich hart dafür gearbeitet hatte.
Nun ja, alle außer Ralph natürlich. Der klatschte nur halbherzig mit, und man konnte ihm ansehen, dass ihm meine erneute Beförderung gegen den Strich ging, obwohl er ja selbst auch eine erhalten hatte. Die, nebenbei bemerkt, von den Kollegen ja nicht ganz so gut aufgenommen wurde wie meine.
»Ich hoffe, Sie werden die beiden in ihren neuen Positionen tatkräftig unterstützen«, lenkte Mr Hunter die Aufmerksamkeit wieder auf sich. »Zum nächsten Punkt.«
Dann ging es Schlag auf Schlag. Mr Hunter stellte anhand von diversen Diagrammen fast schon trocken fest, wie schlecht es um den Verkauf von eingekauften Manuskripten stand, und beorderte, dass die Prozedur, wie Manuskripte eingekauft wurden, neu strukturiert werden sollte.
»Wir leben davon, Bücher zu verkaufen. Wir leben davon, neue Manuskripte einzukaufen, um sie zu verkaufen. Der Erfolg des Verlags hängt davon ab«, stellte er noch einmal für alle fest, und deswegen wurde ein neues Gremium ins Leben gerufen, das zusammen mit den Lektoren an der Auswahl der Manuskripte arbeiten sollte.
Ein Kollege hob ein wenig zaghaft die Hand.
Noch nie hatte jemand bei einer Konferenz eine Hand gehoben, als würden wir hier noch die Schulbank drücken. Mr Hunter hatte diese einschüchternde Wirkung. In meinem Mund breitete sich ein bitterer Geschmack aus. Ich verfluchte diesen Mann jetzt schon. Schnell nahm ich einen Schluck von meinem Orangensaft, der vor mir stand, und hörte weiter meinem Kollegen zu.
»Wer wird in diesem Gremium sitzen?«, stellte er die berechtigte Frage, die wahrscheinlich uns alle interessierte.
»Ich werde mit in diesem Gremium sitzen, und natürlich auch Ms Morrison.« Beinahe hätte ich mich verschluckt. »Dann die jeweiligen Lektoren, inklusive des Abteilungsleiters des Lektorats und der Abteilungsleiterin des Marketings.«
Ich warf einen kurzen Blick auf Mike und Maya, die besagten Abteilungsleiter, die kreidebleich zuhörten. Mir musste auch sämtliche Farbe aus dem Gesicht gewichen sein, denn was sollte ich bitte dazu beisteuern, Manuskripte auszuwählen?
Kaum hatten wir diesen Punkt verdaut, informierte uns Mr Hunter über den geplanten Ausbau des Bereichs E-Books und die komplette Neugestaltung der Website.
»Diese Änderungen und Initiativen sind dringend, können aber natürlich nicht auf einmal stattfinden. In den kommenden Tagen wird ein detaillierter Zeitplan erstellt. Diesen werden Ms Morrison und ich in Zusammenarbeit mit Ihnen allen ausarbeiten.« Sein Blick ruhte wieder für einen kurzen Moment auf mir. Ich hatte wohl soeben meine erste offizielle Aufgabe als rechte Hand bekommen. Schnell schrieb ich also auf: Zeitplan erstellen.
Mr Hunter drehte sich wieder zur Leinwand und ein Grundriss erschien auf der nächsten Folie. Ich runzelte die Stirn. Dieser Grundriss … war von unserem Erdgeschoss! Was hatte er denn bitte damit wieder vor?
»Wie Sie vielleicht schon erkannt haben, handelt es sich hier um einen Grundriss des Erdgeschosses in diesem Gebäude. Im Moment dient dieser Bereich nur als Empfang und enthält eine kleine Ausstellung unserer aktuellen Bestseller. Dort ist also noch viel Platz, der nicht gewinnbringend genutzt wird. Deshalb werden wir bald eine eigene Buchhandlung eröffnen, in der all unsere Werke erhältlich sein werden. Es fallen hier keine zusätzlichen Mietkosten an, lediglich in den Umbau, in Mobiliar und einen oder zwei weitere Angestellte muss investiert werden. Wenn diese Buchhandlung ein Erfolg wird, werden wir uns Gedanken über weitere Filialeröffnungen machen.«
Und mit »wir« meinte er wahrscheinlich »ich«, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass er diese Entscheidung aus der Hand geben würde.
»Gibt es bis hierher noch Fragen?« Mr Hunter wartete kurz, aber alle waren anscheinend noch so perplex, dass es mucksmäuschenstill blieb. »Gut«, fuhr er nach einer kurzen Pause fort. »Ich werde die Arbeitsabläufe in den nächsten Wochen weiter beobachten und sehen, ob noch weitere Änderungen nötig sind. Ansonsten war es das nun von meiner Seite. Ms Morrison wird Sie im Laufe des Tages zu den nächsten Meetings einladen.«
Ich hob eine Augenbraue. Ach, würde ich das?
Wir standen alle auf, als ich noch einmal Mr Hunters Stimme hörte.
»Ms Morrison?« Ich drehte mich zu ihm um und sah ihn an. »Ich erwarte Sie in einer halben Stunde in meinem Büro. Bis dahin können Sie sich schon einmal Gedanken zu den anstehenden Änderungen machen.« Ich nickte knapp zum Zeichen, dass ich verstanden hatte, und Mr Hunter wandte sich wieder von mir ab.
Mir platzte fast der Kopf von all den Informationen, die gerade auf mich eingeprasselt waren. Mit zügigen Schritten lief ich in das Stockwerk unter uns, um meinen Karton abzuholen. Zum Glück war Ralph noch nicht da. Wahrscheinlich musste er auch erst noch seine Sachen holen.
Auf dem Weg in mein neues Büro liefen mir zwei Kollegen über den Weg, die mir freundlich gratulierten, aber man sah ihnen an, dass auch ihnen das Meeting noch zu schaffen machte. Alle anderen würden später mit einer Mail von der »Umstrukturierung« in Kenntnis gesetzt werden.
Ich stellte meinen Karton auf meinem neuen Schreibtisch ab und zückte mein Handy. Jetzt durften es meine Freunde ja doch erfahren. Schnell schrieb ich eine kurze Message in unseren Gruppenchat, mit der Bitte, noch die Klappe zu halten, bis sie die Mail bekamen.
Dann schickte ich noch schnell meinen Eltern und meinen Geschwistern eine Nachricht. Die vier würden wahrscheinlich gleich heute noch zum Feiern mit mir essen gehen wollen.
Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und atmete einmal tief ein und aus. Ich sah mich in dem noch kargen Büro um, das vorher das Zimmer von Charles’ Sekretärin gewesen war, die aber bei Charles’ Bekanntgabe, dass er in den Ruhestand gehen würde, eine Freistellung bis zu ihrer Pensionierung beantragt hatte.
Zusätzlich zum Schreibtisch befanden sich an der einen Wand ein noch leeres Regal und in der entgegengesetzten Ecke ein kleines Sofa mit passendem Sessel und ein Beistelltisch. Der persönliche Touch fehlte aber noch.
Ich nahm meinen Block, den ich beim Meeting dabeihatte, und las noch einmal alle meine Notizen durch. Das Herrichten meines Büros müsste erst einmal warten. In einer Viertelstunde musste ich schon wieder bei Mr Hunter sein und sollte bis dahin das Meeting verdaut und meine Gedanken sortiert haben.
Wir hatten über diese neue Lektoratssitzung gesprochen, E-Books, eine neue Website und dann noch die Buchhandlung im Erdgeschoss. Das waren extrem große Veränderungen und Initiativen. Im Grunde hatte sich Mr Hunter wirklich gute Gedanken darüber gemacht, was für die Firma am besten war. Gerade ein verlagseigener, physischer Shop war extrem innovativ.
Nur vergaß er dabei die Kultur, die bei Desmond herrschte.
Das würde wohl meine Aufgabe werden, Mittelsfrau zu spielen und die Wogen zwischen den beiden Seiten zu glätten.
Ich drehte meinen Kopf und sah die Wand an. Dahinter befand sich Mr Hunter in seinem Büro. Ich konnte gedämpft seine Stimme hören. Wahrscheinlich telefonierte er.
Zu was hatte ich eigentlich heute Morgen eingewilligt? Das Ausmaß meiner Beförderung würde ich wahrscheinlich erst in einigen Wochen verstehen.
Als es Zeit war, schnappte ich mir meine Notizen und ging nach nebenan. Die Tür war offen, ich klopfte am Türrahmen und betrat das Zimmer. Mr Hunter sah von seinen Notizen hoch und lächelte mich flüchtig an.
»Könnten Sie vielleicht irgendwo noch Kaffee auftreiben?«, fragte er, während er einige Unterlagen sammelte.
Ob ich Kaffee für ihn holen könnte? Wer war ich denn bitte?
»Mit Verlaub, aber …«, fing ich an, wurde jedoch von ihm unterbrochen.
»Ich weiß, dass sie nicht meine Sekretärin sind. Ich würde mir normalerweise auch selbst meinen Kaffee holen. Nur weiß ich nicht wo.« Er stand auf und ging zu der Sofaecke, wo er seine Papiere auf den Tisch legte.
»Dann zeige ich Ihnen, wo Sie das können.« Kokett hob ich eine Augenbraue. Er musterte mich einige Sekunden, bevor sich ein kleines Lächeln auf seine Lippen schlich.
»Okay, warum nicht? Irgendwann muss ich das schließlich lernen.«
Ich legte meine Sachen ab und verließ wieder, gefolgt von Mr Hunter, das Büro. Ich ging den Flur entlang zu der kleinen Teeküche, die in jedem Stockwerk installiert war.
»Normalerweise müsste hier immer fertig gebrühter Kaffee sein.« Ich nahm die halb gefüllte Kanne, die in der Kaffeemaschine stand, und grinste Mr Hunter triumphierend an. Aus dem Schrank holte ich einen Becher und schenkte ihm den Kaffee ein.
»Wenn nicht, müssen Sie sich einfach Kaffee machen.« Ich reichte ihm den Becher und sah seinen leicht verwirrten Gesichtsausdruck.
»Sie wissen doch wohl, wie man Kaffee kocht?« Ich konnte mir die Frage nicht verkneifen und lächelte automatisch, als ich das Funkeln in seinen Augen wahrnahm.
»Natürlich«, gab er nur knapp von sich und nahm den Becher entgegen. Wir ignorierten beide geflissentlich, dass sich unsere Fingerspitzen dabei leicht berührten.
