How We Feel - Hochsensible fühlen anders - Chris Gust - E-Book

How We Feel - Hochsensible fühlen anders E-Book

Chris Gust

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Beschreibung

Hochsensibilität verstehen und als Stärke leben Hochsensible Menschen erleben die Welt anders: Sie nehmen Stimmungen intensiver wahr, spüren Nuancen, die anderen verborgen bleiben, und sind oft besonders empathisch. Doch in einer lauten, schnelllebigen Welt kann diese Feinfühligkeit zur Herausforderung werden – in Wahrheit ist sie jedoch ein wunderbares Geschenk. SPIEGEL-Bestsellerautorin Chris Gust (@let.s.talk.gentle) zeigt einfühlsam und praxisnah, wie du deine Hochsensibilität als Bereicherung begreifen und stärken kannst. Von der Jugend bis ins Alter begleitet dich dieses inspirierende Buch durch die verschiedenen Lebensphasen und gibt dir die Werkzeuge für mehr Selbstakzeptanz, emotionale Stärke und Selbstfürsorge an die Hand.  Das macht dieses Buch einzigartig: - Hochsensibilität in allen Lebensphasen: Einblicke in die Herausforderungen und Chancen von der Jugend bis ins Alter. - Praktische Impulse für den Alltag: Strategien zur Regulation des Nervensystems, Selbstfürsorge und der Umgang mit Reizüberflutung. - Stärkung der eigenen Werte: Hilfreiche Tipps für mehr Authentizität, Selbstwertgefühl und das Setzen von Grenzen. - Empathisch und ermutigend: Chris Gust schafft Verständnis für die besonderen Stärken von hochsensiblen Personen (HSP) und inspiriert zu einem erfüllten Leben.  Lass dich von Chris Gust begleiten und entdecke, wie du deine Hochsensibilität als Geschenk und Stärke verstehen und nutzen kannst.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.

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Wichtiger Hinweis Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

Originalausgabe 1. Auflage 2026 © 2026 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH Türkenstraße 89 80799 München Tel.: 089 651285-0

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.

Redaktion: Ulrike Hollmann Umschlaggestaltung: Manuela Amode Umschlagabbildung: Adobe Stock/lukulo Layout und Satz: inpunkt[w]o, Wilnsdorf (www.inpunktwo.de)

ISBN Print 978-3-7474-0753-0 ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-98922-109-3

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.mvg-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Dieses Buch ist für alle, die sich Zeit ihres ­Lebens wie von einem anderen Stern gefühlt haben, und für alle, die für ein respektvol­leres, verständnisvolleres und aufgeklärteres Miteinander sind.

WILLKOMMEN IM SENSIVERSUM!

Sensibelchen – oder so was wie ein Vorwort

Wenn einem Feingeist

das Sein reißt,

weil es von überall Nein! heißt – ist er allein meist.

Ich bin die personifizierte Fallhöhe.

Optisch Karussellbremser und innen drin Sensibelchen.

Ein Innerling, getrieben von diesem diffusen Gefühl, von allem zu viel und von mir selbst gar nichts zu checken.

Immer Doppeldeckung oben, um die auf mich einprasselnden Eindrücke ein bisschen auf Distanz zu halten.

Das war gelernt, verinnerlingt.

Natürlich konnte mich niemand checken, ich checkte mich ja selber nicht, und keine Diagnose war dezidiert genug, damit ich mich darin fand oder sah.

Ich hab immer gekämpft. Am meisten gegen mich selbst.

Bis erst einmal, dann zweimal, dann dreimal, dann immer wieder alles über mir und in mir zusammenstürzte – irgendwann scheinbar irreparabel. Und ich kapierte, hinter der Doppeldeckung hab ich zwar einerseits Schutz gefunden, doch andererseits auch irgendwann gar nichts mehr gesehen. Nicht mehr erkannt und verstanden, wer mit mir in der Ringecke steht, was ich glauben soll hinter den geballten Fäusten, immer auf Abwehr.

Und vollkommen verblendet von der eigens kreierten Überzeugung, alles sei Kampf. Immer.

Jeder Tag.

Ich konnte das eines Tages einfach nicht mehr und hab die Doppel­deckung runtergenommen.

Es war, wie noch mal geboren zu werden, inklusive all des Wachstums­schmerzes, des Neu-Verortens in der Welt und des Erkennens meines eigenen Potenzials hinter all dem Schmerz.

Dieses Buch zeigt die Gemeinsamkeiten von Menschen, deren innerste Überzeugung das Gefühl ist, allein / nicht richtig / zu viel oder zu wenig zu sein. Chris ummantelt mit ihrer Art und schreibt einen Safespace aus Verständnis. Vor allem für einen selbst.

Es ist eine Hommage an die Diversität von Fühligkeit und ein Spiegel aus Fragmenten, in dem man immer Neues erkennen kann – wenn man es zulässt. How We Feel – Hochsensible fühlen anders ist für mich kein Ratgeber im herkömmlichen Sinne, sondern ein Gefühls-Tagebuch, das einlädt, sich einzulassen – auf sich selbst.

Kai Lüftner, Kreativitäter

POINT OF VIEW.

Für jede Person, die dich für zu sensibel hält, gibt es andere, die deine tiefe Art zu fühlen bewundern. Für jede Person, die dich für merkwürdig hält, gibt es andere, die ­deine ­authentische und unangepasste Art zu ­leben ermutigend finden. Für jede Person, die dich für zu anstrengend hält, weil du hohe ­ethische und moralische Ansprüche hast, gibt es andere, die in dir genau dafür ein Vorbild sehen. Für jede Person, die dich zu anhänglich findet, gibt es andere, die es außerordentlich schätzen, dass du so fürsorglich bist. Für jede Person, die denkt, dass du zu selbstbewusst bist, gibt es andere, die sich genau das gerade selbst versuchen zu erarbeiten. Lass nicht zu, dass einzelne Stimmen deinen Wert infrage stellen, sie sind dann einfach nicht die Richtigen für dich. Und ja. Es darf so einfach sein ...

Teil 1:Hochsensibel – was heißt das eigentlich?

EinleitungWas du über dieses Buch wissen solltest

In Bezug auf meine Hochsensibilität ist meine Geschichte eine von zu vielen und genau deshalb werde ich sie dir erzählen. In der Hoffnung, dass du dich an vielen Stellen in meinen Worten wiedererkennst, sie dich trösten, dich ermutigen und dir somit viele unnötige Umwege ersparen. Aber dieses Buch ist auch für dich, wenn du dich nicht selbst wiedererkennst. Wenn du es aus purer Neugierde und open minded liest und dabei feststellst, dass deine »überempfindliche« Schwester sich möglicherweise gar nicht einfach nur anstellt. Dass der Kollege, der sich zum Mittagessen oft allein zurückzieht, gar nicht sozial inkompetent ist, sondern diesen Moment dringend zur Reizverarbeitung und Regeneration braucht. Dass Menschen, die es mit der Wahrheit sehr genau nehmen, die einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben oder die aus Über­zeugung beispielsweise eine vegetarische oder vegane Lebensweise wählen, gar nicht freaky sind, sondern sich im Grunde genommen vorbildlich verhalten, auch wenn sie anderen dadurch manches Mal etwas unbequem den Spiegel vorhalten.

Wir müssten Hochsensibilität gar nicht so betonen, wenn Menschen sich gegenseitig so respektieren und wertschätzen würden, wie sie nun mal sind: unterschiedlich.

Doch da es noch viel zu viele Vorurteile und sich hartnäckig haltende Mythen in Bezug auf vielfühlende und andersdenkende Menschen gibt, müssen wir Hochsensibilität so lange thematisieren und darüber aufklären, bis sie zu unserem gesellschaftlichen »Normal« einfach dazu­gehört. Andersdenkend im Sinne von: Die Prozessabläufe in ihrem Gehirn unterscheiden sich in der Reizaufnahme und -verarbeitung von denen der Mehrheit. Und wie ich bereits in meinem Buch Feel to Heal geschrieben habe, braucht es Wiederholungen, Dranbleiben und Geduld, bis wir etwas Neues zur Normalität werden lassen.

Wenn du dich selbst also nicht zu den hochsensiblen Menschen zählst und trotzdem neugierig auf dieses Buch bist: Das ist wundervoll! Fühl dich bitte nicht ausgegrenzt dadurch, dass ich mich in diesem Buch in meiner direkten Ansprache an all die hochsensiblen Gedanken­tieftaucher und Vielfühler1 wende. Sie fallen als Minderheit eh viel zu oft durch das gesellschaftliche Raster, deshalb geht es hier um sie, und sie finden hoffentlich Halt in und zwischen meinen Zeilen. Ich verzichte also bewusst auf ein Diversitäts-Gendern, könnte man sagen.

Ich für meinen Teil war schon immerunbequem.Und ich war schon immer irgendwie anders …

Ich habe extrem hohe Ansprüche an mich, aber auch an andere. Es fällt mir schwer, damit umzugehen, wenn andere Menschen für mich offensichtliche Ungerechtigkeiten, sichtbares Fehlverhalten oder neue Erkenntnisse ignorieren, hinnehmen oder sie ihnen sogar egal sind. Ob Menschenrechte, Klimaschutz, Ausbeutung, Kriege oder im Kleineren das verlogene Verhalten im Alltag diesbezüglich; und/oder in vielen zwischenmenschlichen Beziehungen, wenn Menschen etwas stört, verletzt, enttäuscht, sie aber gute Miene zum bösen Spiel machen, um sich nicht weiter mit etwas auseinandersetzen zu müssen, auf gewisse Annehm­lichkeiten dann aber doch nicht verzichten wollen; wie beispielsweise der Flug in den Urlaub, oder weil sie, wie ich früher, Angst vor Ausgrenzung und Ablehnung haben.

Mein Anderssein zieht sich durch mein gesamtes Leben. Allerdings hat es weit über 40 Jahre gebraucht, bis ich endlich erkennen durfte, dass es eine Erklärung dafür gibt, sodass ich – besser spät als nie – beginnen konnte, meine Ablehnung und Härte mir selbst gegenüber abzulegen und von da an viel milder, verständnis- und liebevoller mit mir umzugehen und endlich unendlich befreiend einen Weg im Einklang mit mir zu finden.

Ich war die, bei der schon als Baby im Vergleich zu meinen Geschwistern irgendwie alles intensiver war, beispielsweise meine Reaktionen auf Veränderungen jeglicher Art, wie Ernährung, Waschmittel, Ausflüge, Ortsveränderungen im Allgemeinen und vieles mehr. Das weiß ich natürlich nur aus Erzählungen, aber da es im Hinblick auf meinen »Werdegang« absolut stimmig ist, können wir das wohl einfach so stehen lassen.

Ich war die, die Käfer, die verkehrt herum mitten auf einem Weg lagen, umdrehte oder sie zu ihrem Schutz vom Weg ins Gras getragen hat und dafür belächelt wurde. (Was nicht bedeutet, dass ich das heute nicht mehr machen würde.) Die, die schon im Kindergarten »Seelenzapfstelle« war, denn andere Kinder suchten stets meine Nähe, wenn sie traurig oder aufgewühlt waren. Ich hasste Fasching und mich noch mehr dafür, dass ich das tat. Also, dass ich den Fasching hasste. Ich wollte doch wie die anderen Kinder sein und Freude daran haben. Ich wollte bunt geschminkt und in farbenfrohe Kostüme gesteckt werden, doch meine Haut ertrug weder das eine noch das andere gut, und so waren diese Stunden für mich, noch verstärkt durch den Trubel und die Lautstärke, immer die reinste Qual. Wie so vieles erklärte sich erst rückblickend, was hinter meiner Abneigung gegenüber dieser Tradition und dem Verkleiden steckte.

Ich war die, die sich mit dem Lehrer angelegt hat, der im Physik-­Unterricht einen Schlüssel nach einem Klassenkameraden von mir schmiss, damit er still ist. Die, die sich immer für andere einsetzte, aber das für sich selbst niemals konnte. Ich war die, die nicht damit umgehen konnte, wenn man ihr sagte, sie müsse etwas – auch ohne logische Erklärung – hinnehmen, »weil das eben so ist«. Ich war die, die ständig versucht hat, zwischen Menschen zu vermitteln, was leider ziemlich oft dafür sorgte, dass ich letzten Endes diejenige war, die außen vor blieb.

Ich war die, die schon als Teenie versucht hat, ihren ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten, recyceltes Papier benutzte, obwohl damals noch die Tinte in diesem Papier verlief, und die, die andere gebeten hat, ihren Müll nicht in die Gegend zu werfen, dafür tapfer ­Augenrollen und Spott ertrug. Ich war die, die schon früh kein Fleisch mehr aß, weil sie den Gedanken an die getöteten Tiere nicht ertragen konnte. Ich war die, die eine Essstörung entwickelte, weil sie wenigstens dem gesellschaftlich definierten Schönheitsideal entsprechen wollte, wenn sie ansonsten schon in jeder Hinsicht so anders war.

Ich war die, die sich mit Freundschaften und Beziehungen schwertat, jedoch nicht wusste, warum das so ist, und unfassbar darunter litt, nicht »wie alle anderen zu sein«. Ich war die junge Frau, die oft für arrogant oder wahlweise verrucht geheimnisvoll gehalten wurde, weil ich in ­neuen Situationen immer erst einmal stiller und zurückhaltender war.

Ich war die, die nicht wusste, dass sie von klein auf durch das ständige Unverständnis in Bezug auf ihre »Vielfühlerei« zu Unrecht belächelt oder gar dafür bestraft wurde, und sich immer »falsch« fühlte, weil andere ihr sagten, sie sei anstrengend.

Ich war die, die noch nicht sehen konnte, dass sie emotionalen Missbrauch erlebt hatte, und in der Folge lange dachte, sie sei aufgrund ihres Andersseins nicht liebenswert und müsste sich nach den Menschen richten, die sie liebte. Und ich war die, die aus purem Selbstschutz falsche Verhaltensmuster entwickelte und durch den verzweifelten ­Versuch, sich vor Enttäuschungen zu schützen, viel falsch machte in Freundschaften und Beziehungen, weil sie sich anders verhielt als üblich. Die, die sich ständig verbog oder flüchtete, wenn die Gefühle zu stark wurden.

Ich war die, die dann über viele Jahre durch ihre persönliche Hölle gegangen ist, mit Angst und Panik 24/7, dabei aber auch gelernt hat, dass sie nie falsch gewesen ist, und die sich geschworen hat, sich nie mehr für sich selbst zu schämen.

Aber ich bin auch die, die, wenn sie liebt, das mit jeder Faser tut. Wenn ich jemandem meine Freundschaft schenke, dann tue ich alles, um diesen Menschen zu unterstützen und für ihn da zu sein. Und ich kann damit umgehen, wenn mir jemand sagt, dass ich etwas falsch gemacht habe, vorausgesetzt, man sagt es mir ehrlich und offen. Ich bin die, die zur lautesten und frechsten Person ever wird, wenn sie sich bei Menschen und in Umgebungen sicher fühlt.

Ich bin die mit dem riesengroßen Herzen, die es teilweise nicht ertragen kann, die Nachrichten zu sehen. Ich fühle tief und bin eine Träumerin, die ihre Visionen umsetzt. Und wenn ich unbequem bin, weil ich absolut authentisch und ehrlich bin, weil ich mich für mich und andere starkmache, weil ich für oberflächliches und egoistisches Verhalten kein Verständnis habe und in keine Smalltalk-Bubble passe, dann bin ich das mittlerweile sogar gern. Aber es war ein langer und steiniger Weg, bis ich das so empfinden konnte.

Wenn es um die Bedürfnisse anderer geht, war ich schon immer unbequem. Für mich selbst habe ich mich sehr lange unbewusst ver­bogen und versucht, vieles von mir zurückzuhalten, mich anzupassen, um dazuzugehören und gemocht zu werden. Dass das nicht gut ankommt, habe ich auf die harte Tour in den Jahren meiner Angst lernen müssen ...

Ich bin für viele unbequem, weil ich ihnen allein durch meine Art, zu sein und zu leben, in vielerlei Hinsicht den Spiegel vorhalte. Lange fühlte ich mich deshalb falsch, bis ich begriff, dass mich das ganz sicher nicht falsch macht. Don’t get me wrong: Dabei geht es niemals darum, sich als etwas Besseres zu fühlen, sondern um gegenseitige Akzeptanz.

Erst rückblickend konnte ich die vielen Parallelen zur Geschichte des hässlichen Entleins erkennen, die sich wirklich hervorragend auf viele Leidenswege hochsensibler Menschen übertragen lässt. Zeigt sie doch, wie falsch und verloren man sich fühlen kann, wenn andere einen wegen des Andersseins ablehnen, obwohl man in Wirklichkeit vollkommen richtig ist.

Und ich werde nie wieder leise sein, um andere nicht aufzuwecken. Ich werde mich nie wieder kleinmachen (lassen), damit andere sich größer fühlen. Nie wieder tiefstapeln, nur damit andere sich wohler in ihrer Haut fühlen können. Ich werde meine Gefühle nicht mehr kleinreden lassen, und mein Gerechtigkeitssinn erfüllt mich mittlerweile mit Stolz.

Ich verstelle mich nicht. You get what you see.

Und du? Wer bist du?

Hast du dich in vielen Punkten wiedererkannt? Dann hoffe ich sehr, dass sich meine Worte wie eine Umarmung für dich anfühlen werden. Dass sie den Schmerz vergangener Zeiten ein bisschen lindern, du ein wohliges Gefühl der Verbundenheit empfunden hast und in diesem Buch auch weiter empfinden wirst.

Denn du bist nicht allein. Du warst nie »falsch«, und es ist höchste Zeit, dass alle Gedankentieftaucher und Vielfühler noch viel mehr ­Hintergrundinfos zum Thema Hochsensibilität bekommen und mit viel ­Humor erleichtert feststellen: »Ach, das hängt auch damit zusammen!?«

Ganz egal, aus welchem Grund du dieses Buch gefunden hast oder dieses Buch dich gefunden hat: Schön, dass es dich interessiert, mehr darüber zu erfahren, wie unterschiedlich wir »ticken« und Situationen erleben, dafür werde ich im Buch einige Beispiele nennen. Man könnte auch sagen: normalsensibel – hochsensibel/hochsensibel – normal­sensibel, ein Wörter- ­beziehungsweise Erklärungsbuch sozusagen.

Lass uns gemeinsam eintauchen in diese Welt des Andersseins: ins Sensiversum.

with love. as always.

WAS IST DER ABSOLUTE GAMECHANGER FÜR HOCHSENSIBLE?

Herauszufinden, dass es so etwas wie Hochsensibilität überhaupt gibt, dass wir zu dieser wundervollen Minderheit gehören, und vor allem, endlich zu erkennen, dass wir niemals »falsch« gewesen sind.

Kapitel 1Der Leidensweg der ­Hochsensiblen

So viele, wenn nicht sogar die meisten Hochsensiblen erfahren erst sehr spät, dass es so etwas wie Hochsensibilität überhaupt gibt, was das (für sie) bedeutet und wie sich das auf ihr gesamtes Leben auswirkt. Zu stark sind die Prägungen durch Umfeld und Gesellschaft von klein auf, die uns dazu bringen, uns anzupassen und einzufügen. Ein verzweifelter Versuch, uns zugehörig zu fühlen. Wir werden früh zu Meisterinnen und Meistern des Verbiegens und des Missachtens unserer Intuition. Wir sind perfektionierte People Pleaser, weil wir schon sehr früh schmerzhaft erfahren, dass unser Anderssein weder verstanden wird noch erwünscht ist. In vorauseilendem Gehorsam scannen wir deshalb, ohne es zu wissen, unsere Umgebung und unsere Mit­menschen, um möglichst nicht anzuecken, und tun es dennoch ständig. Darauf gehe ich an anderer Stelle am Beispiel meiner eigenen ­Geschichte noch genauer ein. Erschwerend hinzu kommt, dass wir uns auch noch ständig selbst bekämpfen, weil wir die Maßstäbe der anderen auf uns übertragen, sie übernehmen, ja, sie schließlich so verinnerlichen, dass wir sie schlussendlich sogar selbst glauben.

Wir glauben anderen mehr als uns selbst und dem, was unser Bauchgefühl uns sagt.

Was eine absolut logische Konsequenz daraus ist, dass wir Menschen das meiste durch das Vorleben unserer direkten Bezugspersonen lernen und uns in einem sich je nach Alter verändernden Abhängigkeits­verhältnis befinden. Natürlich wollen wir, dass niemand unzufrieden mit uns ist, sondern setzen alles daran, damit es »schön und harmonisch« ist. Wir sehnen uns danach, gesehen, gemocht und anerkannt zu werden, also perfektionieren wir es immer mehr, zu erahnen, wie wir uns »richtig« verhalten, um dies zu erreichen. Das betrifft übrigens nicht nur hochsensible Menschen, sondern liegt in unser aller Natur.

Für hochsensible Kinder kommt noch hinzu, dass sie ihre Art der Wahrnehmung nicht mit jener der meisten anderen Menschen, oft nicht einmal mit der ihrer engsten Bezugspersonen, abgleichen können.

Sie wissen nicht, dass das, was sie erleben, zwar anders, aber dennoch vollkommen normal oder genauso richtig ist, deshalb erleben die meisten hochsensiblen Kinder eine gravierende Diskrepanz zwischen dem, wie sie die Welt erleben, und dem, was ihnen gespiegelt oder von ihnen erwartet wird.

Es sei denn, diese Menschen, ihre Bezugspersonen, sind ebenfalls hochsensibel, wissen um ihre Fühligkeit und gestalten ihr Leben entsprechend. In allen anderen Fällen aber verlieren wir uns bereits als kleine Menschen immer mehr.

Man könnte meinen, es handle sich bei Hochsensibilität um ein vollkommen neues Phänomen, weil man scheinbar immer häufiger Artikel darüber liest oder Beiträge zum Thema hört oder sieht, dabei ist es wie mit so vielen Dingen: Erst durch das Thematisieren erkennen sich auch andere wieder. Trauen sich aus ihrer Deckung. Beginnen zaghaft zu verstehen und Parallelen zu sich zu sehen. Fangen an zu recherchieren und erleben Momente, in denen es ihnen wie Schuppen von den Augen fällt. Sie befreien sich Stück für Stück von einer gelebten Lüge, sie häuten sich, bis sie endlich sie selbst sind, und erheben vorsichtig ihre Stimmen. Bis diese aber von der Gesellschaft nicht nur gehört, sondern auch verstanden werden, ist es noch ein langer und beschwerlicher Weg.

Gerade in Bezug auf unsere Fühligkeit heißt es oft, hochsensible ­Menschen würden sich nur wichtigmachen wollen. Wenn man sich die Bedeutung bewusst macht, stimmt das sogar. Denn hochsensible Menschen lernen erst ab der Erkenntnis, dass sie hochsensibel sind, dass ihre Bedürfnisse, dass sie selbst (!) tatsächlich wichtig sind. Anders als ihr Umfeld und die Gesellschaft ihnen das bis dahin meist vermittelt haben. So wachsen sie mit dem Gefühl auf, nirgendwo dazu zu passen. Sie fühlen sich wie Außerirdische: nicht richtig, unverstanden, ungeliebt und ungewollt. Wie schon gesagt: Man müsste nicht immer wieder daran erinnern, dass es Hochsensibilität gibt, wenn es eine Grundakzeptanz ­gegenüber den vielen Variationen, zu denken und zu fühlen, gäbe. Wenn sich Neurodiversität nicht nur auf die Minderheiten oder »Abweichungen« bezöge, sondern für Vielfalt stünde. Um an solch einen Punkt der Akzeptanz zu gelangen, bedarf es der Aufklärung. Und Aufklärung funktioniert nur, wenn wir den Menschen Themen näherbringen können, für die sie dann eine neue Schublade freiräumen können. Das liegt in unserer menschlichen Natur und ist zumindest ein guter Anfang.

Wenn du einen hochsensiblen Menschen danach beurteilst, ob er Smalltalk beherrscht, oder ihn dafür verurteilst, dass er intensiver fühlt oder die Dinge zu genau nimmt, dann wirfst du wohl auch einem Rechtshänder vor, dass er nicht alles mit links macht ...

Auch ist das Geschrei in der Neurodiversitäts-Bubble selbst sehr schnell sehr groß, wenn ich über Hochsensibilität schreibe und sich nicht alle Menschen, die auf unterschiedliche Weise davon betroffen sind, genug gesehen fühlen.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass es unterschiedliche Gründe haben kann, warum wir zu den hochsensiblen Menschen gehören. Die Hochsensibilität, über die ich in diesem Buch hauptsächlich und aus meiner persönlichen Erfahrung ­schreibe, bezieht sich auf Hochsensibilität als Persönlichkeitsmerkmal. So wie es Unterschiede in unserer Händigkeit gibt, so gibt es auch Unterschiede in unserer Reizwahrnehmung und -verarbeitung. Wir werden so geboren.

Es gibt aber auch viele Menschen, die durch traumatische Erlebnisse mental überlastet sind, deren Nervensystem so dysreguliert ist, dass sie dadurch eine Hochsensibilität entwickeln oder sich diese gar (unbewusst und ungewollt) antrainieren, wie beispielsweise, wenn die Angst vor der Angst im Spiel ist. Auch gibt es viele Überschneidungen in unserer ­Fühligkeit mit denen von Menschen mit ADHS oder Autismus-Spektrum-­Störungen. Es gibt aber auch klare Unterschiede. Und es kann auch sein, dass auf einen Menschen mehreres zutrifft.

In meinen Angstjahren kam zu meiner angeborenen Hochsensibilität durch viel ungewolltes Training ebenfalls noch eine erlernte Verfeinerung meiner Sinne obendrauf. Nimm zwei, fühl fünf, sozusagen. Sicher hast du auch schon davon gehört, wie Menschen, wenn sie einen Sinn durch ­einen Unfall oder eine Krankheit verlieren, ihre restlichen Sinne auf ­fantastische Weise trainieren können? Ähnliches passiert auch, wenn wir uns selbst und unser Umfeld immer mehr und immer häufiger beobachten. Wenn wir ununterbrochen in Habachtstellung sind und auf immer feinere, kleine körperliche Veränderungen achten, verfeinern wir unsere Sinne immer mehr. Bei all den genannten möglichen Ursachen von Hochsensibilität können wir (im Zweifelsfall mit ärztlicher Hilfe) ­herausfinden, was für uns zutreffend ist. Dabei unterstützt ein diagnostisches Ausschlussverfahren, da Hochsensibilität an sich keine Erkrankung ist und es dafür keine Diagnose gibt, für die anderen möglichen Zusammenhänge jedoch schon.