Hunger über Hunger. - Dr. Andrea Fadani - E-Book

Hunger über Hunger. E-Book

Dr. Andrea Fadani

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Beschreibung

Als das Nobelpreiskomitee den Friedensnobelpreis im Herbst 2020 an die Welthungerhilfe der Vereinten Nationen vergab, betonte es, dass die Bekämpfung des Hungers am Anfang jedweder Konfliktlösung steht und somit eine Grundbedingung für den Frieden ist. Trotzdemist der Hunger eine Grundkonstante in der Kulturgeschichte des Menschen – auch heute. Agrarwissenschaftler und fiat panis-Vorstand Andrea Fadani verfolgt in seinem Essay in Kursbuch 204 die kulturwissenschaftlichen Spuren, die der Hunger hinterlassen hat, vom "Brot und Spiele"-Ansatz der Antike über den Hunger als Strafe Gottes bis zum Aushungern als Kriegswaffe und einer Utopie der satten Weltgemeinschaft – die gar nicht so weit entfernt ist.

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Seitenzahl: 21

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Andrea FadaniHunger über HungerEine kulturgeschichtliche Spurensuche

Der Autor

Impressum

Andrea FadaniHunger über HungerEine kulturgeschichtliche Spurensuche

Am 9. Oktober 2020 wurde dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen der Friedensnobelpreis zugesprochen. Die Hilfsorganisation unterstützte 2019 fast 100 Millionen hungernde Kinder, Frauen und Männer in 88 Ländern. Die meisten Beobachter dieser Entscheidung waren überrascht von der Wahl, obwohl die wichtigen Leistungen durch das Welternährungsprogramm seit Jahren anerkannt werden. Ob in Syrien, im Jemen oder dem Südsudan: Menschen, deren Leben oft brutal von Instabilitäten und Konflikten auseinandergerissen wurde, werden versorgt. Das Welternährungsprogramm steht zuallererst für Katastrophenhilfe, aber auch für innovative Projekte in den Ländern des Südens, die Hilfe zur Selbsthilfe beim Aufbau von Ernährungssicherung leisten sollen. Das Nobelpreiskomitee hob hervor, dass die Bekämpfung des Hungers am Anfang jedweder Konfliktlösung steht und somit eine Grundbedingung für den Frieden ist.

Die Kulturgeschichte zeigt, dass große Zivilisationsfortschritte in Friedenszeiten entstehen, Krieg und Konflikte dagegen die Entwicklung unserer Zivilisation stoppen oder sie zurückwerfen. 1970 wurde der Friedensnobelpreis an den Agrarwissenschaftler Norman Borlaug verliehen, der in seiner Preisträgerrede seine pessimistische Ansicht über die Unfähigkeit der Menschheit, aus der Geschichte zu lernen, erläuterte: »Die Zivilisation, wie sie heute bekannt ist, hätte sich ohne eine ausreichende Nahrungsversorgung weder entwickeln noch überleben können. Trotz der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung hungrig ist, ist Essen für die meisten Staats- und Regierungschefs der Welt eine Selbstverständlichkeit. Der Mensch scheint darauf zu bestehen, die Lehren aus der Geschichte zu ignorieren.« 1

Der große Wendepunkt in der Geschichte des menschlichen Hungers stellt die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 dar. Das Recht auf Nahrung für alle Menschen wird in Artikel 25 (1) fest verankert.

Im Angesicht der dramatischen Hungersnöte mit Millionen von Toten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bedurfte es einer neuen »Magna Carta«, um das Zusammenleben auf unserem Planeten zu definieren. Der amerikanische Präsident John F. Kennedy formulierte 1963 die sich daraus ableitende politische Aufgabe: »Wir haben die Fähigkeit, die Mittel und die Kapazität, den Hunger in der Welt verschwinden zu lassen. Was wir brauchen, ist nur der Wille.« Am Ende seiner Ansprache hob er hervor: »Es gibt keinen Kampf auf der Erde oder im Weltraum, der wichtiger und ehrenvoller ist als dieser, und der ein so unmittelbares Erfolgsversprechen bietet.« 2 Kennedy sah vor allem den Technologietransfer aus den entwickelten Ländern als Schlüssel für die dauerhafte Lösung des Hungers an. Aber der Feind, der bekämpft werden sollte, ist nach fast 60 Jahren – und trotz der zahlreichen Nobelpreisvergaben – immer noch nicht bezwungen.