Hypnose lernen - Praxishandbuch - Benedikt Ahlfeld - E-Book

Hypnose lernen - Praxishandbuch E-Book

Benedikt Ahlfeld

4,5

Beschreibung

Dieses Praxishandbuch ermöglicht es jedem, in kurzer Zeit und ohne Vorkenntnisse sicher zu hypnotisieren und nachhaltige, positive Veränderungen im Unterbewusstsein zu verfestigen. Die Autoren lassen durch ihre langjährige Erfahrung viel Fachwissen und wichtige Tipps direkt aus der Praxis einfließen. Mit 75 detaillierten Beispieltexten und 2 gratis Trance-CD Downloads ist es sofort möglich, erstaunliche hypnotische Effekte zu erzeugen: Armlevitation, Zahlen vergessen, Blitzhypnose, am Boden festkleben, Katalepsie (Körperstarre), Rückführung, Halluzination und viele andere mehr. Mit dem umfangreichen Coaching-Modell, das in „Hypnose lernen“ auch für Anfänger verständlich dargestellt wird, wird eine nachhaltige, positive Veränderung ermöglicht. Dabei werden auch Themen der Hypnosetherapie und Medizin behandelt: Raucherentwöhnung, Gewichtsreduktion, Schlafstörungen, Prüfungsangst, Konzentrationsschwäche und ADHS, Fingernägel kauen, Agoraphobie, Leistungssport u. v. a. m. Im Kapitel „Selbsthypnose“ werden zudem effektive Methoden gezeigt, wie man besonders schnell und ohne fremde Hilfe in Trance gelangt und wie man erfolgreich eigene Affirmationen und Suggestionen aufbaut, um auch bei längeren Beschwerden einfache Besserungen zu erreichen. Das Praxishandbuch „Hypnose lernen“ vermittelt dem Leser das Wissen und alle Fähigkeiten, um andere Menschen innerhalb kürzester Zeit zu hypnotisieren und sicher in tiefe Trance zu führen.

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Inhaltsverzeichnis

VORWORT

TEIL I: MODERNE HYPNOSE

KAPITEL 1: EINFÜHRUNG

1.1 Was ist Hypnose?

1.2 Wie wird Hypnose empfunden?

1.3 Die Geschichte der Hypnose

1.4 Die Aufgaben unseres Unterbewusstseins

1.5 Rechtliche Bestimmungen

1.6 Zusammenfassung

KAPITEL 2: VORAUSSETZUNGEN

2.1 Rapport

2.2 Rapport aufbauen

2.3 Rapportübergabe

2.4 Rapportverlust

2.5 Die Stimme

2.6 Gefahren der Hypnose

2.7 Trancetiefen

2.8 Der Aufbau von Suggestionen

2.9 Beispielsuggestionen

2.10 Erwartungshaltung

2.11 Zusammenfassung

KAPITEL 3: INDUKTIONSMETHODEN

3.1 Zählen

3.1.1 Verbale Induktion

3.1.2 Sicherheitsort

3.1.3 Grundlagen einer Trance-Induktion

3.2 Exduktion

3.3 Gesprächshypnose

3.4 Gruppenhypnose

3.5 Fixationsmethode

3.6 Blitzhypnose

3.7 Überlastung

3.8 Konfusion

3.9 Dave Elman Induktion

3.10 Schock

3.11 Handshake-Interrupt

3.12 Doppelinduktion

3.13 Vertiefung der Hypnose

3.14 Fraktionierung

3.15 Posthypnotischer Befehl

3.16 Verfestigung der Suggestionen

3.17 Trancetiefenverifizierung

3.18 Zusammenfassung

KAPITEL 4: HYPNOSE PHÄNOMENE

4.1 Wachhypnose

4.2 Levitation

4.3 Katalepsie

4.4 Halluzination

4.5 Amnesie

4.6 Hypermnesie

4.7 Temporäres Vergessen und Ersetzen

4.8 Anästhesie

4.9 Kinästhetische Delusion

4.10 Ideomotorik

4.11 Altersregression

4.12 Rückführung und Seelenleben

4.13 Automatisches Schreiben

4.14 Zusammenfassung

TEIL II: KETTEN SPRENGEN

KAPITEL 5: COACHING MIT HYPNOSE

5.1 Das Vorgespräch

5.2 Der Sitzungsablauf

5.3 Coaching Werkzeuge

5.3.1 Kompetenzstufen

5.3.2 Ziele wohlgeformt formulieren

5.3.3 Augenzugangshinweise

5.3.4 Repräsentationssysteme

5.3.5 Ressourcenzustände

5.3.6 Anker setzen

5.3.7 Reframing

5.3.8 Das T.O.T.E. Modell

5.4 Beispielsuggestionen

5.4.1 Allgemeine Entspannung

5.4.2 Raucherentwöhnung

5.4.3 Gewichtsreduktion

5.4.4 Stärkung des Selbstbewusstseins

5.4.5 Gesunder Schlaf

5.4.6 Gedächtnisleistung steigern

5.4.7 Konzentrationssteigerung beim Lernen

5.4.8 Prüfungsangst

5.4.9 Stress-Abbau und Burn-Out-Prävention

5.4.10 Lampenfieber

5.4.11 Kreativität steigern

5.4.12 Sport allgemein

5.4.13 Verbesserung der sozialen Kompetenz

5.4.14 Rückenschmerzen

5.4.15 Asthma

5.4.16 Besser verkaufen

5.4.17 Agoraphobie

5.4.18 Abhängigkeit von Energydrinks

5.4.19 Fingernägel kauen

5.4.20 Frei von Spielsucht

5.4.21 Frei von Panikattacken

5.4.22 Traumreisen und Metaphern

5.4.22.1 Reise zur Quelle

5.4.22.2 Buch des Lebens

5.4.22.3 Kraft der Herkunft

5.4.22.4 Ent-Täuschung

5.4.23 Schmerzkontrolle

5.4.24 Gelassenheit

5.4.25 Allergie

5.4.26 Disziplin

5.4.27 Selbstheilung

5.5 Zusammenfassung

KAPITEL 6: VERHALTEN VERÄNDERN

6.1 Was ist Verhalten?

6.2 Werte und Glaubenssätze

6.3 Die neurologischen Ebenen

6.4 Definition des Selbstwertes

6.5 Sekundärgewinn

6.6 Verhaltensveränderung

6.7 Wirksamkeit

6.8 Commitment

6.9 Hypno-Coaching: der Quality Coach Prozess

6.9.1 Hypno-Coaching Praxisbeispiel: Abnehmen

6.9.2 Hypno-Coaching Praxisbeispiel: Parkinson

6.10 Zusammenfassung

KAPITEL 7: SELBSTHYPNOSE

7.1 Selbsthypnose im Unterschied zur Fremdhypnose

7.2 Die Phasen der Selbsthypnose

7.2.1 Der Vorsatz

7.2.2 Der geeignete Bewusstseinszustand

7.2.3 Suggestionen

7.2.3.1 Visualisierung

7.2.3.2 Affirmation

7.2.3.3 Ressourcen aktivieren

7.2.4 Rückkehr zum Wachbewusstsein

7.3 Verankerung

7.4 Selbsthypnosetraining

7.4.1 Induktion nach Betty Erickson (3-2-1-Methode)

7.4.2 Die „Zehn bis eins“ Technik

7.4.3 Die Arm-Senk-Induktion

7.4.4 Selbsthypnose Induktion nach Eberwein

7.5 Stressmanagement

7.5.1 Stressabbau

7.5.2 Stressvermeidung

7.6 Schneller, besser lernen

7.7 Ängste

7.8 Zum Nichtraucher werden

7.9 Mehr Leistung im Sport

7.9.1 Neue Bewegungsabläufe lernen, Bewegungs-abläufe optimieren

7.9.2 Schnellere Erholungsphasen

7.10 Zusammenfassung

ANHANG

X.I Über die Autoren

X.II Hypnose Ausbildungen

X.III.I Buchempfehlung: Körpersprache & NLP

X.III.II Buchempfehlung: Manipulationsmethoden

X.IV Vereinbarung mit dem Klienten

X.V Empirische Studien zur Wirksamkeit der Hypnose

X.VI Trance-Downloads

X.VII Quellenverzeichnis

VORWORT

Vielleicht überrascht es Sie zu lesen, dass seit einiger Zeit eine Debatte von hoher Tragkraft in akademischen Kreisen stattfindet. Es dreht sich dabei um die Frage der Abwesenheit des freien Willens. Dafür gibt es viele Gründe, da in den letzten Jahren durch zig Studien bestätigt wurde, dass unser bewusster Verstand nur denkt, er hätte die Kontrolle über unser Handeln. Tatsächlich sieht es jedoch so aus, als würde unser Unterbewusstsein Entscheidungen treffen und unser Verstand rationalisiert diese Handlungen dann so, als wären sie willentlich geschehen. Albert Einstein sagte dazu, basierend auf dem Zitat von Arthur Schopenhauer: „Ein Mensch kann tun, was er will, aber er kann nicht beeinflussen, was er will.“i Ist unser freier Wille also nicht viel mehr als bloße Illusion? Wenn das Unterbewusstsein die Entscheidungen trifft, wer oder was programmiert es dann?

In diesem Buch werde ich Ihnen aufzeigen, wieso unser Unterbewusstsein größtes Potential und schlimmster Feind unser selbst zugleich ist und wie wir es so lenken können, dass es nicht gegen, sondern für uns arbeitet. Mein Wunsch ist, dass Ihnen dies als Quelle für Kreativität und hin zu positiven Emotionen dient, denn ich vertraue darauf, dass in uns allen das größte Potential schlummert, fernab von allem bisher Vorstellbaren. Ich durfte während der unzähligen Sitzungen mit meinen Klienten und mit den Teilnehmern in meinen Hypnose Ausbildungen teilhaben an erstaunlichen, verblüffenden und von Zeit zu Zeit erschreckenden Ereignissen. Die wichtigste Grundhaltung, die dabei stets Licht ins Dunkel bringen konnte, war meiner Meinung nach die Erkenntnis, dass Hypnose ein mächtiges, vielleicht sogar das bisher effektivste Werkzeug positiver Veränderung ist. Durch den intimen Kontakt mit dem Unterbewusstsein wird jedem Menschen, ganz gleich, ob er an Hypnose glaubt oder nicht, sofort dessen reinigende, spirituell heilende und für die praktische Anwendung im Alltag höchst sinnvolle Wirkungsweise bewusst.

Der Bekanntheitsgrad der Hypnose wird zudem immer größer. Via Fernsehen und Shows wird sie zunehmend einem breiteren Publikum vorgestellt - allerdings leider mit einem manchmal nicht so guten Image. Dabei ist die Hypnose ein wunderbares Werkzeug, das in vielen Lebenslagen Unterstützung und Hilfe bietet. Trotz der Negativwerbung durch Hypnoseshows wird auch die therapeutische Hypnose und Lebenshilfe bekannter. So kommt es, dass der Bedarf an ausgebildeten Hypnotiseuren wächst. In meinen Seminaren bilde ich genau für diesen Themenbereich verstärkt Hypnotiseure aus.

Hypnose ist nichts Mystisches und hat auch nichts mit Magie zu tun. Der hypnotische Zustand ist nichts anderes als eine künstlich eingeleitete Trance, in welcher der Hypnotisierte ganz besonders leicht Suggestionen aller Art annehmen kann. Die Hypnose per se ist auch keine Heilmethode, aber sie kann bei vielen Heilmethoden unterstützend und begleitend angewendet werden. Die Voraussetzungen für das Erlernen der Hypnose sind nicht besonders groß und die Technik ist leicht erlernbar. Erforderlich ist neben ein wenig Intelligenz ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein. Auch ein gutes Einfühlungsvermögen ist von Vorteil. Jeder Hypnotiseur übernimmt während und auch nach der Hypnose die Verantwortung für seinen Klienten und muss diese im Problemfall auch wahrnehmen.

Nicht umsonst vergleiche ich unser Unterbewusstsein stets mit einem riesigen Tankschiff, welches das volle Potential unserer Fähigkeiten darstellt. Auch wenn wir nur einen Bruchteil dieser unserer Fähigkeiten nutzen, so fährt das Schiff kontinuierlich weiter – selbst wenn wir schlafen. Es liegt jedoch an uns, das Steuer dieses Tankers in die Hand zu nehmen. Ansonsten kann es passieren, dass er in die falsche Richtung fährt. So ist unser Unterbewusstsein nun einmal: es unterstützt uns in allem, was wir tun, auch wenn wir das gar nicht wollen. Es lässt uns traurig fühlen, wenn wir traurig sind, vielleicht, weil wir das so wollen. Doch lassen wir die Zügel weiter los, könnte aus Trauer Enttäuschung werden und aus Enttäuschung Frust. Genauso funktioniert es jedoch auch in die andere Richtung: aus Freude wird Glück, aus Glück wird Erfüllung, aus Erfüllung wird Zuversicht, aus Zuversicht wird Glück. Dieses Beispiel der emotionalen Zustände, die unseren Alltag ganz wesentlich (und meist zur Gänze unbewusst) beeinflussen, ist nur eines von vielen, wie unser Verhalten, Denken und Handeln ganz wesentlich von unserem Unterbewusstsein bestimmt wird. Wenn Sie Ihr Unterbewusstsein zum Freund hätten, mit ihm quasi „per Du“ wären – worum würden Sie es bitten?

Auch wenn das im ersten Moment für manch einen nach dem „New Age Philosophy“ Gesetz der Anziehung klingen mag (und tatsächlich ist es das auch), so ist doch eines durch unzählige Studien1 immer wieder bewiesen worden: Hypnose funktioniert. Und zwar außerordentlich gut. Mit Hypnose ist es möglich, eben genau das zu tun: Das Unterbewusstsein zu lenken, das Potential, das in uns schlummert, zu entfalten und die Ziele, die wir uns setzen, auch zu erreichen. Dennoch existieren in den Köpfen mancher Menschen negative Assoziationen und Glaubenssätze, die auftauchen, sobald das Wort „Hypnose“ fällt. Oftmals wird damit „Manipulation“ oder „Willenlosigkeit“ in Verbindung gebracht. Dies sind durchaus zwei in unserer Gesellschaft mit sehr negativen Emotionen verknüpfte Begriffe. Doch betrachten wir das Wort Manipulation genauer, wird schnell klar: Alles ist Manipulation, denn Kommunikation ist Manipulation. Sobald wir eine Botschaft senden, reagiert unsere Umwelt darauf, selbst wenn wir nichts sagen, fasst unser Gegenüber dies mitunter als ein Signal auf. „Wir können nicht nicht kommunizieren“, wie es Paul Watzlawick schon so schön formulierte. Ebenso wenig ist Hypnose Willenlosigkeit, denn gerade durch Hypnose kommen wir in direkten Kontakt mit unserem Unterbewusstsein. Richtig ist jedoch, dass wir einen veränderten Bewusstseinszustand erleben. Unser Fokus richtet sich während einer Trance nach innen, die Atmung wird langsamer und wesentlich entspannter, Puls und Blutdruck sinken und der Körper fällt oftmals in einen dem Schlaf sehr ähnlichen Zustand. Die Erfahrung ist de facto für jeden meiner Klienten und Teilnehmer positiv gewesen, auch wenn anfangs ungewohnt, so doch höchst angenehm und erholsam.

Was braucht es also, um einen Menschen erfolgreich zu hypnotisieren, ihn in Trance zu führen und wieder zurückzuholen? Die wichtigste Eigenschaft ist meiner Meinung nach die Fähigkeit, sich empathisch und schnell auf andere Menschen einzustellen. Ebenso ist ein meisterhafter und gut trainierter Umgang mit der Sprache vonnöten, denn Hypnose ist eine ganz besondere Art der Kommunikation. Dies ist einer der wesentlichen Gründe, weshalb ich jedem, der sich mit dem spannenden Gebiet der Hypnose mehr beschäftigen möchte, empfehle, dies in einer praktischen Ausbildung zu erlernen. Erst nachdem auch in der Praxis und unter professioneller Anleitung erlernt und erlebt wurde, was Hypnose kann und wie es sich anfühlt, ist die tiefere Einarbeitung in die theoretische Materie sinnvoll. Dennoch möchte ich allen Interessierten und auch den fortgeschrittenen Anwendern der Hypnose mit diesem Buch ein Werkzeug in die Hand geben, das, natürlich mit Beispiel- und kompletten Anleitungstexten, sowohl die wichtigsten Trance Phänomene nachvollziehbar macht, als auch als ein Nachschlagewerk für praktizierende Coaches, Manager, Therapeuten und alle Menschen, die in ihrem privaten und beruflichen Alltag mit Kommunikation beschäftigt sind, dienen soll.

So wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen und Erfolg bei der Hypnose.

Alles Liebe,Benedikt Ahlfeld

1 Möchten Sie mehr über die medizinwissenschaftlichen Forschungen zum Thema erfahren, empfiehlt sich das Buch „Hypnose und Hypnotherapie“ von Dr. Revenstorf, insbesondere Kapitel 2.5 mit dem Titel „Physiologische Grundlagen“ (ab Seite 9). Genaue Literaturangaben finden Sie im Quellennachweis. Ebenfalls findet sich im Anhang unter Punkt X.V eine Liste mit wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit der Hypnose empirisch bestätigen.

TEIL I: MODERNE HYPNOSE

KAPITEL 1: EINFÜHRUNG

„Jeden Morgen aufzustehen mit dem ersten Gedanken daran, glücklich zu sein… bedeutet jeden Tag eigene Maßstäbe für unsere Erlebnisse zu definieren. Dies erreichen wir, indem wir die Umwelt beeinflussen, anstatt von der Umwelt beeinflusst zu werden.“– Ralph Waldo Emerson

Dieses Buch ist in zwei Teile und mehrere Kapitel unterteilt, die aufeinander aufbauend gestaltet sind. Es empfiehlt sich, es in der gedachten Reihenfolge zu lesen. Zu Beginn eines jeden Kapitels möchte ich einen kurzen Überblick über den Inhalt geben und am Ende die Conclusio anschließen. Möchten Sie sich also schnell informieren, bevor Sie ein Themengebiet vertiefen, empfiehlt es sich, diese Teile zuerst zu überfliegen. In der Einführung möchte ich aufzeigen, was Hypnose tatsächlich ist, was sie kann und was sie nicht kann. Dann soll kurz auf die Geschichte der Hypnose und die wissenschaftliche Erforschung derselben eingegangen werden. Ebenso ist zum Verständnis dieses wirkungsvollen Veränderungs-Werkzeugs nötig, in Grundzügen zu verstehen, wie unsere Wahrnehmung funktioniert. Abschließend soll gezeigt werden, wie wir in unserem Alltag ständig Botschaften mit suggestibler Wirkung ausgesetzt sind, vor allem durch die Medien, aber auch im Beruf und in der Familie.

1.1 Was ist Hypnose?

Der Begriff „Hypnose“ ist durch viele Mythen geprägt, teilweise durch die Überlieferung in TV und Film, aber auch durch den „zauber“-haften Umgang bei öffentlichen Aufführungen von so genannten „Show-Hypnotiseuren“. Aktuell ist noch nicht vollends geklärt, welche exakten Bereiche unseres Gehirns in einem Trance-Zustand aktiviert werden, hier wird nach wie vor intensiv geforscht. Ein Grund für dieses hohe Interesse der modernen Medizin an Hypnose ist der Fakt, dass sie funktioniert. Noch einmal möchte ich darauf hinweisen, dass es besonders sinnvoll ist, Hypnose in einer praktischen Ausbildung kennen zu lernen, um tatsächlich begreifen zu können, worum es geht. Dennoch soll hier eine Annäherung in theoretischer Form geboten werden.

Hypnose ist ein veränderter Bewusstseinszustand, in dem die Wahrnehmung eingeschränkt ist und sich komplett nach innen dreht, auf die eigenen Gedanken und Gefühle hin. Hypnose ist nicht Schlaf, sie ist keine Ohnmacht und man ist nicht willenlos. Der Wille wird vielmehr auf einen Punkt fokussiert, beispielsweise einen Gedanken, Glaubenssatz oder eine schöne Vorstellung, bis der bewusste Verstand beiseite steht. Das macht es möglich, in diesem Zustand tiefer Entspannung besonders intensiv mit dem Unterbewusstsein in Kontakt zu treten, so wie wir es beispielsweise beim Träumen in der REM Phase tun. Der Unterschied ist jedoch, dass wir hier mit einem Fünkchen Bewusstsein beobachten und auf Wunsch mit unserer innersten Stimme direkt interagieren können. Da in diesem Zustand unser Unterbewusstsein Wünsche (Suggestionen) besonders klar aufnimmt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass diese umgesetzt (in unsere künftigen Verhaltensmuster integriert) werden, als wenn diese Wünsche im normalen Wachzustand geäußert werden.

Deshalb kommen viele Menschen, die sich zum ersten Mal hypnotisieren lassen, oftmals mit einer übermäßig hohen Erwartungshaltung zum Hypnotiseur oder Coach und glauben, einen „übernatürlichen“ oder „magischen“ Zustand, fernab alles bisher Bekannten, erleben zu können. Dies ist nur teilweise richtig, denn auch wenn der Zustand doch etwas Magisches hat, so ist er uns allen wohlbekannt. Erinnern Sie sich zurück, als Sie das letzte Mal vor dem Fernseher gesessen haben und Ihr Partner oder Ihre Partnerin Sie tatsächlich anschreien musste, damit Sie überhaupt wahrnehmen konnten, dass er oder sie etwas von Ihnen möchte. Oder der Moment, als Sie spätabends auf der Autobahn nach Hause fuhren: es war dunkel und vielleicht regnete es, die Scheibenwischer klappten monoton vor und zurück, und in Ihre Gedanken vertieft, schrecken Sie plötzlich auf und fragen sich: „Wie bin ich eigentlich nach Hause gekommen, ich bin doch gerade erst losgefahren?“

Dieser Zustand, in dem wir uns tagsüber sehr oft befinden, ist auch als „Tagträumerei“ bekannt, tritt aber ebenso auf, wenn wir in einen leichten Schlaf fallen, langsam aus tiefem Schlaf aufwachen oder unsere Aufmerksamkeit auf irgendetwas fokussieren. Im Fachjargon bezeichnen wir dies als den so genannten Alpha-Zustand oder das Alpha-Bewusstsein. Wir unterteilen unsere Bewusstseinszustände in vier Kategorien. Normales Wachbewusstsein ist „Beta“, leicht modifiziertes Bewusstsein „Alpha“, tiefer Schlaf „Theta“ und komatöse Zustände sind „Delta“. Diese Niveaus werden in Gehirnwellen-Raten gemessen (Anzahl der Zyklen pro Sekunde). Der Beta Zustand befindet sich zwischen 15 bis 30 Zyklen pro Sekunde, Alpha zwischen 8 bis 14 Zyklen pro Sekunde, Theta zwischen 4 bis 8 Zyklen pro Sekunde und Delta unterhalb von 4ii.

Im normalen Wachzustand arbeiten unser Gehirn und unser Geist mit größter Kritikfähigkeit. Das Gehirn bewertet konstant Einflüsse vom eigenen Selbst und von außen. Es selektiert und reagiert, und das sehr schnell. Oftmals, wenn wir noch glauben, wir würden erst abwägen, ist unsere Entscheidung bereits getroffen. Der Grund für die Schnelligkeit ist unsere Umwelt. Wir wären völlig überfordert damit, alle Informationen, die konstant durch unsere fünf Sinne auf uns einprasseln, einzeln zu bewerten und in Relation zu setzen. Deshalb hat unser Vorbewusstsein eine ganz spezielle Funktion: es selektiert die Informationen aus, die unser bewusstes Denken erreichen. Sie kennen das bestimmt von äußeren Einflüssen wie unangenehmen Gerüchen: kommen Sie in einen Raum, in dem die Luft schlecht ist, bemerken Sie dies sofort. Entschließen Sie sich jedoch in dieser Umgebung zu verweilen, gewöhnen Sie sich sehr schnell daran und bemerken den Geruch gar nicht mehr, obwohl er noch da ist. Genauso funktioniert es mit unserem Verhalten. Sobald wir eine Strategie gefunden haben, die für uns erfolgreich ist, behalten wir diese bei. Dies unterstützt uns dabei, uns in der Welt zurechtzufinden und aktiv mit ihr interagieren zu können. Anders wäre es gar nicht möglich, wir wären von viel zu viel Information schlichtweg überfordert. Dieser automatische Selektionsmechanismus, der es ja eigentlich gut mit uns meint, führt jedoch auch zu Komplikationen. Zum Beispiel sind ein Großteil der Vorurteile und Glaubenssätze uns selbst und anderen gegenüber, aber auch negative Verhaltensmuster und andere unerwünschte Strukturen unserer Persönlichkeit, die wir gerne positiv verändern würden, auf diesem Mechanismus begründet. Aus evolutionstheoretischer Sicht ist der Prozess, wie unsere vorbewusste Wahrnehmung, auch als „Wahrnehmungsfilter“ bekannt, zu Stande kommt, relativ einfach zu erklären. Als Säugling werden wir in ein bestimmtes Umfeld geboren. Dieses Umfeld reagiert auf uns, sobald wir damit in Kontakt treten. Gehen wir beispielsweise davon aus, dass ein kleines Kind bei einem der ersten Gehversuche stolpert und hinfällt. Die normale Reaktion ist nicht das sofort einsetzende Weinen, sondern der Blick zur Bezugsperson, in diesem Fall die Mutter. Verzieht diese hier das Gesicht und schreit vor Angst um das Baby auf, wird auch das Kind augenblicklich weinen. Lacht die Mutter jedoch und beruhigt das Kleinkind, es ist ja alles nicht so schlimm, wird das Kind ebenfalls lachen und wieder aufstehen. Dieses Phänomen ist ebenfalls auf einer neurologisch sehr tiefen Ebene fest verankert und als „Spiegelneuronen“ bekannt geworden.iii

Je mehr Erfahrungen wir sammeln, je mehr Feedback wir also von unserer Umwelt erhalten, desto mehr Filter programmieren wir unweigerlich in unserem Vorbewusstsein. Der Begriff „programmieren“ ist hier an das von Pavlow2 bekannte „Konditionieren“ angelehnt, der durch die Bemühungen, eine durch einen externen Reiz verknüpfte Reaktion hervorzurufen (in diesem Fall das Klingeln einer Glocke, die jedes Mal läutet, wenn ein Hund sein Futter vorgesetzt bekommt. Wird dies mehrmals wiederholt, genügt es, die Glocke zu läuten, um beim Hund den Speichelfluss so anzuregen, als befände sich das Futter tatsächlich vor ihm (obwohl dies nicht der Fall ist.) Programmieren meint hier, dass wir bewusst Einfluss darauf nehmen können, welche Filter bei uns verankert werden. Auf jeden Fall ist nötig festzuhalten, dass wir nicht ohne Filter funktionieren (zumindest nicht in der Welt und Umgebung, wie wir sie alltäglich kennen).

Anders formuliert: Im normalen Wachbewusstsein fungiert das Unterbewusstsein als Software Programm, das Einflüsse von außen durch vordefinierte Filter (erlernt aus Erfahrung, angeboren durch Evolution oder imaginiert mit unserer Vorstellung) an unser Bewusstsein weiterleitet. Tatsächlich beweisen aktuelle Studien, dass unser Gehirn de facto keinen Unterschied macht zwischen realen und fiktiven Erfahrungen. Es ist also egal, ob wir uns eine Situation nur vorstellen oder sie tatsächlich durchleben, die Entscheidungsmuster, die daraus resultieren, werden vom Unterbewusstsein gleich behandelt. Lediglich die Intensität des Erlebens variiert von der Wahrnehmung (nach außen) und der Vorstellungskraft (nach innen). Dieser Umstand ist jedoch ein weiterer Hinweis darauf, wieso Hypnose so gut funktioniert, da auch fiktive Szenarien unsere zukünftigen Entscheidungsmuster gezielt positiv beeinflussen können.

Es kann jedoch, wie bereits weiter oben erwähnt, passieren, dass unser Unterbewusstsein andere Muster programmiert hat als unser Bewusstsein sich wünscht. Beispielsweise könnten wir uns in Gedanken vorsagen: „Ich schaffe das. Ich bin gut genug voranzukommen und erfolgreich zu sein“, - wohingegen unser Unterbewusstsein eine negative Meldung sendet, wie etwa „Wirklich, gut genug wofür? Wie war es mit…? Erinnerst du dich?“ Der Grund für diese negative Programmierung könnte in unterschiedlichsten Szenarien verborgen sein, sei es die Angst vor der Vergangenheit oder in einer Vorstellung projiziert. Vielleicht rühren die negativen Glaubenssätze aus der Jugend und waren Einflüsse von außen, durch Eltern, Lehrer, Freunde oder Bekannte. Oftmals gibt es ein sehr komplexes Muster aus relationalen Erfahrungen und Glaubenssätzen, die hier einen wahren Irrgarten bilden können. Diese lassen sich in normalem Wachzustand nur sehr aufwändig aufschlüsseln, so wie es die typische Langzeitgesprächstherapie versucht. Doch mit Logik lassen sich emotional verankerte Verhaltensmuster nur sehr zeitaufwändig, falls überhaupt, lösen oder verändern. Dies liegt unter anderem daran, dass im Beta-Zustand nur sehr wenig Information zu unserem Kern durchdringt. „Sehr wenig“ ist hier in Vergleich mit dem Alpha-Zustand zu verstehen, in dem unsere Aufnahmefähigkeit für neue Informationen um ein Vielfaches höher ist. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Methoden des Super-Learning klar den Vorteil vom Lernen auch klassischer Schulstoffe wie Mathematik, Sprachen, Wissenschaft und so weiter im Alpha-Zustand aufzeigeniv.

Der Alpha-Zustand ist das für Hypnose typische Gehirnwellenmuster, das im Fachjargon trotz vieler unterschiedlicher Definitionen unter dem Begriff „Zustand erhöhter Suggestibilität“ subsumierbar ist. Um einen kleinen Vergleich zwischen Alpha- und Beta-Zustand zu bieten, soll diese Gegenüberstellung dienen, die mehr anschaulichen als wissenschaftlichen Charakter hatv:

Wachbewusstsein

Hypnose (Trance)

Beta-Zustand

Alpha-Zustand

Logisches Denken

Intuition und assoziatives Denken

5–9 Informationen auf einmal

Unbegrenzte Informationsaufnahme

Begrenzte Aufmerksamkeit

Unbegrenzte Aufmerksamkeit

Rationales Denken

Gefühle, Wahrnehmung

Wachzustand

Träumen, Schlafen, Fantasie

Gewählte Handlungen

Automatische Handlungen

Gewählte Bewegungen

Unfreiwillige Bewegungen

Linear

Systemisch, komplex

Akademisches Wissen

Gelernte Erfahrungen

Verbal

Nonverbal

Sequentielle Gedanken / Handlungen

Parallele Gedanken / Handlungen

Bewusstsein des Hier und Jetzt

Speicher aller Erinnerungen

Versucht Probleme zu verstehen

Kennt die Lösung

Ziele setzen

Ziele erreichen

Im Alpha-Zustand ist es uns möglich, eine gut aufgebaute Suggestion direkt umzusetzen, sei dies nun gewollt oder ungewollt. Die Umsetzungswahrscheinlichkeit hängt mit der Quelle der Suggestion zusammen, je bekannter sie uns ist, beziehungsweise je mehr wir der Quelle vertrauen, desto wirkungsvoller wird sie umgesetzt werden. Diese Suggestion wird durch das Unbewusste verarbeitet und im Unterbewusstsein gespeichert. Es ist ebenso möglich, dass sich durch diese Befehle an das Unbewusstsein unsere Glaubenssätze und Wahrnehmungsfilter verändern. Ob die Suggestion positiv oder negativ ist, spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, dennoch wird sie für beide Zwecke eingesetzt. Ein Hypnotherapeut nutzt beispielsweise positive und für das Selbstbefinden fördernde Suggestionen, wohingegen ein in hypnotischem Verkauf geschulter Vertriebsmitarbeiter selbstdienliche Suggestionen setzen wirdvi. Die Macht der Suggestion wird in unserem Alltag ständig von Massenmedien und Marketing genützt, um uns alles zu verkaufen; das Spektrum reicht von Krankheit bis hin zu Religion.

Ich werde hier nicht auf die negativen Wirkungen von Suggestionen eingehen, die von externen Quellen dazu genutzt werden, uns unserem Willen nicht entsprechende Glaubenssätze und Werte zu programmieren. Dennoch soll darauf hingewiesen werden, dass Studien belegen, dass das durchschnittliche Individuum innerhalb von einer Minute in einen Alpha-Zustand übergeht, sobald es TV sieht. Dies ist nicht überraschend, denn wir kennen diesen Zustand nur zu gut. Wir betiteln ihn mit „das Hirn auslüften“, „in den Narrenkasten schauen“ oder einfach nur „abschalten“ (welche Ironie, dass wir dazu den Fernseher anschalten). Warum tun wir dies? Weil es durchaus positive Wirkung haben kann. Im Alpha-Zustand steigt unser Endorphin-Level. Endorphin ist das körpereigene Opium, was dazu führt, dass sich etwas gut anfühlt – manchmal vielleicht zu gut. Es liegt somit in unserer Entscheidung, wie wir diesen Zustand erreichen wollen und vor allem welchen Einflüssen wir uns dabei aussetzen. Sie können sowohl unser Untergang als auch unser größter Sieg sein.

Der Theta-Zustand wird oftmals mit tiefem Schlaf in Verbindung gebracht oder mit einer besonders tiefen Hypnose, er ist auch als „Somnambulismus“ oder „somnambuler Zustand“ bekannt. In diesem Zustand wirken Suggestionen nicht unweigerlich besser als im Alpha-Zustand, es tritt jedoch häufig Amnesie, also das Nicht-Erinnern an den Inhalt der Hypnose, auf. Dies liegt daran, dass das letzte Fünkchen Bewusstsein, das im Alpha-Zustand noch als ferner Beobachter anwesend ist, im Theta-Zustand komplett ausgeschaltet ist. Somit wird zwar das Unterbewusste direkt programmiert, im Wachzustand fehlt jedoch jede Erinnerung daran. Dies ist der Hauptgrund, weshalb ich Klienten in Hypnose-Sitzungen einen posthypnotischen Befehl gebe, der wie folgt lautet: „Auch wenn dein Bewusstsein während dieser Sitzung abgedriftet ist, so wirst du dich dennoch an alles, was ich zu dir gesagt habe, erinnern, auch im vollen Wachzustand.“ So ist für den Klienten sichergestellt, dass der Hypnotiseur auch tatsächlich gearbeitet hat (nach den Vorgaben und Wünschen des Kunden). Mehr zu posthypnotischen Befehlen erfahren Sie in Kapitel 3.

Der Delta-Zustand wird normalerweise als komatöser Zustand bezeichnet. Jahrelang wurde geglaubt, dass die Wahrnehmung nach außen so eingeschränkt wäre, als sei sie gar nicht vorhanden. Demgegenüber bewies Oliver Sacks, dass selbst in diesem Zustand eine gewisse Wahrnehmung vorhanden ist. In seiner Arbeit (nachzulesen unter anderem in seinem Buch Awakenings) weckte er (zumindest für kurze Zeit) viele seiner Patienten mit massiven Dosen von Dopaminen auf. Tatsächlich konnten diese Individuen Details zu ihrer Behandlung, dem Krankenhaus, ihrer unmittelbaren Umgebung und so weiter berichtenvii. Über weitere Begebenheiten des Delta-Zustandes ist wenig bekannt, auf jeden Fall ist auch dies kein Zustand kompletter Bewusstlosigkeit.

Quelle: eigene Grafik

Die Grafik oben zeigt, wie Daten von der Umwelt durch unsere fünf Sinne (sehen, hören, riechen, fühlen, schmecken) limitiert werden. Tiere nehmen die Welt anders als wir wahr (Hunde hören besser, Papageien sehen in anderen Farben usw.), was somit bereits die erste Eingrenzung unserer Wahrnehmung der Realität darstellt. Alle aufgenommenen Daten werden sofort und ungefiltert im Unterbewusstsein gespeichert. Diese können wir aber normalerweise nicht bewusst abrufen. Bevor dies geschehen kann und sie zu unserem Bewusstsein gelangen (wo sie zu Informationen werden) geschieht zuerst noch ein weitere Filter-Mechanismus.

Und zwar durch die Glaubenssätze und Werte, die im Rahmen unserer bisherigen Lebenszeit bei uns konditioniert und programmiert wurden. Diese vorbewussten Filter beeinflussen dadurch auch, welche Daten überhaupt erst zu uns durchdringen. Unbewusste Informationen stehen uns laufend zur Verfügung, auch dann, wenn sie im Moment vielleicht nicht bewusst sind. Zum Beispiel können Sie sich daran zurückerinnern, was Sie vor zwei Tagen zum Frühstück gegessen haben (oder dass Sie nicht gefrühstückt haben). Durch Ihren bewussten Fokus haben Sie diese Information aus dem Bewusstsein abgerufen.

Es gibt jedoch auch Informationen und Daten, die uns ebenso wie diese unbewussten Informationen laufend beeinflussen, auf die wir aber bewusst keinen Zugriff haben. Als extremes Beispiel könnte es sich hierbei um ein Trauma aus der Kindheit handeln. Deshalb ist es uns vielleicht nicht möglich, uns für längere Zeit in engen Räumlichkeiten aufzuhalten. Wir sind uns darüber bewusst, dass etwas Schlimmes passiert ist, was zu dieser Einschränkung im Verhalten geführt hat. Wir können aber nicht genau erklären, woran das liegt.

Genau hier kommt die Hypnose ins Spiel: denn durch sie ist es uns möglich, Daten und Informationen des Unterbewusstseins abzurufen, die sonst im Wachzustand nicht zur Verfügung stehen. Ebenso können wir auf dieser Ebene tiefgreifende Veränderungsasarbeit leisten, die sich nachhaltig auf das Verhalten und die Glaubenssätze eines Menschen auswirkt.

1.2 Wie wird Hypnose empfunden?

Nahezu jeder, der schon einmal hypnotisiert wurde, wird diesen Zustand der absolut tiefen Entspannung als sehr angenehm beschreiben. Die Empfindungen jedes Einzelnen sind jedoch verschieden. Während es dem einen so vorkommt, als würde er auf einer Wolke schweben, fühlt der andere sich schwer wie ein Stein und meint, in seiner weichen Unterlage zu versinken. Natürlich sind auch die Suggestionen für das jeweilige Gefühl mit ausschlaggebend. Besonders bei Fremdhypnose kann der Hypnotiseur die Stimmung und die Gefühle beträchtlich beeinflussen. Es ist ihm durchaus möglich, beinahe jedes Gefühl hervorzurufen. Natürlich ist es einem Hypnotiseur auch möglich, unangenehme Gefühle zu erzeugen. Leider wird dies sehr häufig gemacht, um z. B. dafür zu sorgen, dass man das Rauchen als Ekel erregend empfindet. Dies ist jedoch absolut kein empfehlenswerter Weg. Unangenehme Gefühle sollten nie suggeriert werden. Ein Klient, der die Hypnose als unangenehm empfunden hat, wird keine große Lust mehr verspüren, sich jemals wieder hypnotisieren zu lassen - auch dann nicht, wenn er durch die Hypnose im Nachhinein durch schlechte Gefühle „bestraft" wird, wie zum Beispiel durch einen Ekel, der aufkommt, wenn er trotz Abgewöhnung wieder raucht. Unangenehme Suggestionen sind selten auf Dauer wirksam, da das Unterbewusstsein das Unangenehme zunehmend abschwächen wird.

Versuche am Wiener Allgemeinen Krankenhaus mittels spezieller EEG-Verfahren zeigten, dass Hypnose es ermöglicht, die Aktivität des Gehirnes auf einen äußerst kleinen Bereich zu beschränken. Die übrigen Zonen sind dabei sehr inaktiv, auch jene, die für die Schmerzverarbeitung zuständig sind.

EEG einer hypnotisierten Person im Verlauf einer Arm-Levitation (Quelle: s. Fußnote 3)

Zur Abbildung3: „Der Zeitgraph stellt die Globale Powerspektrumdichte (PSD) im EEG dar. Sowohl bei der Armlevitation (a) als auch bei der Stufeninduktion (b) wurden Veränderungen im Theta-, Alpha- und Gamma-Band gemessen. Die Farbspektren zeigen signifikante Werte (t-Test) im Bereich von -10 (blau) bis 10 (rot) für die Armlevitationsphase und von -20 bis 20 für die Stufeninduktionsphase.

a: Die Farbspektren der Armlevitationsphase zeigen einen Anstieg (gelb/rot) oder eine Abnahme (blau /grün) der Spektralpower.

b: Die Farbspektren zeigen eine räumliche Verteilung der Aktivität in der letzten Hälfte der Stufeninduktion (Stufe 6 bis Stufe 10) im Vergleich zur Stufe 1 bis Stufe 5.“

Nur durch tiefe Meditation können ähnliche Ruhezustände erreicht werden. Im Wachbewusstsein aber, selbst während des Schlafes, steigen Bilder, Erinnerungen und Gedanken auf. In Meditationskursen, beim aus Indien stammenden Pranayama oder beim Autogenen Training wird gelehrt, sich von allen Gedanken zu lösen, dabei jedoch hellwach und konzentriert zu bleiben. Um diesen Zustand zu erreichen, braucht es jedoch viel regelmäßige Übung. Bei Hypnose dagegen stellt sich dieser Zustand automatisch ein und mit dem Gehirn kommt auch der ganze Organismus zur Ruhe - der gesamte Körper läuft, vom Hypnotiseur unterstützt, auf Sparflamme.

Die Atmung wird regelmäßiger und verlangsamt sich, Herzfrequenz und Blutdruck sinken ebenfalls. Andere, gut erforschte physiologische Veränderungen sind die Erniedrigung der allgemeinen Muskelspannung, eine Abnahme des Stresshormonspiegels, Veränderungen im Blutbild sowie eine geringere Aktivierbarkeit von Reflexen. Hypnose ist dadurch auch in der Lage, physiologische Stressreaktionen zu beeinflussen, wodurch sie eine wirksame Behandlung bei Erkrankungen darstellt, die durch psychische Belastung verursacht oder beeinflusst werden.

Des Weiteren haben Halsband & Hinterberger (2010) und Hinterberger et al. (2011) mittels eines 64 Kanal-EEGs die hirnphysiologischen Veränderungen während einer hypnotischen Tranceinduktion systematisch analysiert4.

Die auffälligsten Veränderungen waren elektrophysiologisch in einer tiefen Hypnose (Stufeninduktion 6–10) und bei der Armlevitation nachweisbar (Abbildung 1).

Spektogramm der EEG Aktivitäten in fünf unterschiedlichen Frequenzbändern während einer hypnotischen Induktion (Quelle: s. Fußnote 3)

1 Induktion. Autofokussierung, Augen geöffnet

2 Verankerung der hypnotischen Induktion, Augen geschlossen

3 Instruktionen zur mentalen und physischen Entspannung

4 Induktion der Armlevitation

5 Ausführung der Armlevitation

6 Stufeninduktion: Links: Stufen 1 – 5, Rechts: Stufen 6 – 10

7 Metaphorische Adlergeschichte

8 Verankerung der Trance

9 Ende der Armlevitation

10 Ausleitung, Augen geöffnet

Wie aus der Abbildung oben ersichtlich, konnte während der letzten Hälfte der Stufeninduktionsphase ein hoch signifikanter Anstieg in allen Frequenzbändern beobachtet werden. Im Theta-Band (t > 10,0, p < 0,001) wurde ein starker globaler Anstieg gemessen, speziell bilateral in den sensomotorischen Arealen. Im Alpha-Band war der Anstieg weniger stark ausgeprägt (t > 3, p < 0,002 für sensomotorische Areale), aber signifikant mit einer stärkeren Aktivierung in bilateralen sensomotorischen Bereichen. Innerhalb des Gamma Bandes konnten die stärksten Aktivierungen in parietalen, zentralen und frontalen Hirnregionen (t > 4, p < 0,001 für zentrale Bereiche) gemessen werden.

Diese Ergebnisse sind in Übereinstimmung mit der EEG-Studie von Katayama und Kollegen (2007), die ebenfalls über unterschiedliche Aktivierungen in einer tiefen im Vergleich zu einer leichten Hypnose berichteten. Interessanterweise zeigten sich in unserer Studie Erhöhungen in der Aktivität innerhalb der sensomotorischen Areale in allen drei untersuchten Frequenzbändern (Alpha, Gamma und Theta). Der Proband berichtete, dass er sich nicht nur eine Steintreppe bildhaft vorgestellt habe, sondern auch in seiner Vorstellung auf dieser Stufe um Stufe nach unten gegangen sei. Es handelt sich hierbei somit um eine Interaktion einer suggerierten Bewegung (Treppen nach unten gehen) und einer bildhaften Vorstellung der Treppe. Hier sei auf die interessante Studie von Konradt et al. (2003) verwiesen. Die Probanden sollten in Hypnose in ihrer Vorstellung ein Tor durchschreiten (Suggestionen wurden mit unterschiedlichen Instruktionen über die mentale Entfernung des Toreingangs durchgeführt). Interessanterweise benötigten die Versuchspersonen mehr Zeit in ihrer Vorstellung ein weiter entferntes Tor zu durchschreiten, als ein nahes Tor zu durchqueren. Das bedeutet, dass in Hypnose eine vorgestellte Bewegung wie ein „reales“ Bewegungsmuster eingestuft und als wahr und wirklich erlebt wird.

Bei der Armlevitation konnten signifikante Abnahmen im Theta-Band festgestellt werden. Am stärksten traten diese in zentralen Bereichen (t < -5, p < 0,001) auf. Die Leistung im Alpha-Band stieg im occipitalen und parietalen Cortex signifikant stärker an als in frontalen Arealen (occipital t > 4, p < 0,001). Im Gegenteil dazu konnte in zentralen Bereichen, wie z.B. in sensomotorischen Regionen, ein Trend zu einer Abnahme der PSD im Alpha-Band gezeigt werden. Diese Aktivitätsabnahme tritt im Bereich der Arm- und Handareale der rechten und linken Hemisphäre auf und war noch deutlicher im hier nicht dargestellten Bereich von 12–16 Hz des sensomotorischen Rhythmus (SMR) zu sehen (t < -3, p < 0,001). Die Gamma-Leistung stieg signifikant in occipitalen und temporalen Arealen an (t > 4, p < 0,001). Im Gegensatz dazu konnte in zentralen Arealen (t > -3, p < 0,002) eine starke Abnahme der PSD im Gamma-Band gemessen werden. Bei der Armlevitation wurde die suggerierte Bewegung als fremdkontrolliert wahrgenommen. Dieses ist im Einklang mit früheren Untersuchungen, die zeigten, dass die hypnotische Armlevitation einem externen Ursprung zugeordnet wird (Blakemore et al. 2003; Heap & Aravind 2002; Oakley 1999; Raz & Shapiro 2002).

Somit ist Hypnose ein wunderbarer, überhaupt nicht willenloser Zustand, unbeschwert, leicht und wissenschaftlich mehrfach belegt. Keine Überraschung mehr, gibt es an der medizinischen Universität Wien schon längst Vertiefungskurse zum Thema5.

Probleme, Alltagssorgen und Schmerzen können einmal in den Hintergrund treten und die Psyche wird flexibler. All dies stellt eine gute therapeutische Basis zur Behandlung von Krankheiten und unerwünschten Verhaltensweisen dar oder dient einfach nur einer tiefen Entspannung im Alltagsstress.

1.3 Die Geschichte der Hypnose

In dieser kurzen Geschichte der Hypnose-Zusammenfassung möchte ich dir eine Antwort auf die Frage – Wer hat Hypnose erfunden – geben. Hypnotische Verfahren zählen zu den ältesten Heilmethoden der Menschheit und wurden bereits im alten Ägypten, bei den keltischen Druiden, im Schamanentum, bei anderen kleineren Kulturen und primitiven Völkern zur Heilung angewandt. In der Neuzeit hat die Hypnose von Amerika aus den europäischen Raum erobert und wurde anfangs in seiner Wirkung unterschätzt, obwohl die Hypnose gerade im europäischen Raum auf eine lange Tradition als psychotherapeutisches oder medizinisches Heilverfahren zurückblicken kann.

Auch die weitverbreitete Praktik des Yogas ist eng mit der Hypnose verbunden und zählt zu den traditionellen Meditationspraktiken aus dem Hinduismus. Noch heute angewendete Praktiken wie das Handauflegen bei Hypnose haben ihren Ursprung im Alten Testament und wurden häufig mit bestimmen Körperhaltungen kombiniert. Im Mittelalter galt Hypnose als eine mystische Praktik und wurde oft kritische betrachtet. Erst durch den Aufklärer Mesmer (1734–1815) hat die Hypnose ihren mystischen Mantel abgelegt und dadurch wurde eine neue Ära der Hypnose eröffnet. Doch auch Messner konnte die Wirkung der Hypnose nicht wissenschaftlich bestätigen. Er führte seine Sitzungen meist als Gruppensitzungen durch und konnte daher vor allem als Gruppenpsychotherapeut Lorbeeren ernten. Braid (1795 – 1860) ging, Mitte des letzten Jahrhunderts, erstmals von einer dem Schlaf ähnlichen physiologischen Veränderung während der Hypnose aus. In Großbritannien wurde Hypnose bereits als Unterstützung bei chirurgischen Eingriffen wie Hypnose nach Unfall oder Hypnose bei Schmerzen eingesetzt. So wurden zu dieser Zeit Amputationen unter Hypnose durchgeführt und erst durch die spätere Verbreitung von Betäubungsmittel abgelöst. Bekannte Neurologen wie Charcot, Janet oder Freud haben das psychiatrische Phänomen der Hypnose danach erneut aufgegriffen. Grundsätze der Hypnose nach Freud sind noch heute weit verbreitet.

Wichtigster Ausgangspunkt für die heute verbreitete Auffassung der Hypnose war die Anerkennung der Hypnose durch Bernheim (1840–1919) und Liebeault (1823–1904) als normalpsychologisches Phänomen. Diese Tradition wurde vor allem im deutschsprachigen Raum durch weitere bekannte Neurologen und Psychiater aufgegriffen und weiterverfolgt. Forel (1848–1930), Bleuler (1857–1939), Benedikt (1957–1940), Hoff und Berner, Heidenheim (1843–1897), Pavlow (1849–1936), Vogt (1870–1959) und andere waren an der Weiterentwicklung der Hypnose maßgeblich beteiligt. In neuerer Zeit wird die spezifische Wirkung der Hypnose durch Autoren wie, Spanos, Barber, Sarbin, Orne und Hilgrad immer wieder aufgegriffen und untersucht.

1.4 Die Aufgaben unseres Unterbewusstseins

In unserem Unterbewussten liegen unendlich viele Talente und Ressourcen verborgen. Nur einen Bruchteil davon nutzen wir bewusst. In Trance (dem Alpha-Zustand) ist es sehr einfach, diese Ressourcen zu aktivieren. Um in diesen Zustand gewollt zu kommen, ist Hypnose eines der effektivsten Werkzeuge. Neben diesem Potential hat das Unterbewusstsein weitere wichtige Funktionenviii:

Körperfunktionen erhalten

Die Basis unseres Überlebens, Kreislauf, Atmung, Körpertemperatur, jegliche Aktion in unserem Bewegungsapparat und viele andere Beispiele zeigen sehr schnell auf, dass unser Unterbewusstsein hier eine wichtige Rolle einnimmt. All diese Funktionen gleichzeitig zu überwachen und steuern, würde unseren bewussten Verstand schlichtweg überfordern. Ebenso schützt uns unser Unterbewusstsein vor Gefahren, indem es bei dem ersten Anzeichen von Gefahr blitzschnell reagiert und das Blut in unsere Beine schießen lässt, damit wir, sollte sich der Verdacht bestätigen, sofort flüchten können.

Emotionaler Schutz

Aber auch vor emotionalen Angriffen werden wir geschützt, was vor allem in Konditionierung und unseren vorbewussten Filtern zum Tragen kommt, sich aber auch in tiefer verankerten Verhaltensmustern äußern kann. Dies ist einer der Gründe, weshalb manche Menschen Angst vor bestimmten Situationen haben wie beispielsweise vor größeren Gruppen Vorträge zu halten oder eine Prüfung zu schreiben.

Emotionen steuern

Gerade unsere Emotionen sind unbewusste Reaktionen, was bedeutet: Sie laufen automatisch ab, ohne dass wir darauf bewusst Einfluss nehmen können. Dennoch leiten emotionale Zustände ineinander über und die Reihenfolge und Art der Überleitung lässt sich sehr wohl und gerade mit Hypnose leicht verändern.

Wissensdatenbank

Jede Erfahrung unseres Lebens ist in unserem Unterbewusstsein gespeichert. Je intensiver die emotionale Komponente dabei ist, desto leichter abrufbar ist die Erinnerung. Es kann jedoch vorkommen, dass der emotionale Faktor so stark ist (sowohl positiv als auch negativ), dass die Erinnerung für den bewussten Zugriff gesperrt wird. Sie bleibt jedoch im Unterbewusstsein verankert und bestimmt weiter unser Denken und Handeln, oftmals behindern uns jene negativen Erfahrungen am meisten, an die wir uns gar nicht mehr erinnern können. Hypnose ist ein effektiver Zugang zu diesen verborgenen Situationen, die dann positiv neu bewertet werden können, um negative Glaubenssätze aufzulösen oder ins Positive zu kehren. Ob man in Hypnose war oder nicht, ist oftmals nur schwer festzustellen. Tatsächlich befinden wir uns die meiste Zeit des Tages in einem mal stärkeren, mal schwächeren Alpha-Zustand der leichten Trance. Oftmals ertappt man sich erst nach diesem Zustand dabei, wenn man wieder ins volle Wachbewusstsein zurückkehrt, beispielsweise aus einem Tagtraum aufwacht. Einige wesentliche Merkmale der Trance sollen hier erwähnt werden.

Zeitverzerrung

In Trance erleben wir die Zeit anders als im Wachzustand, sie kann sich verkürzen oder ausdehnen. Durch die Mischung aus physischer Entspannung und mentalem Abdriften verliert sich das Gefühl für Raum und Zeit.

Amnesie

Nach einem tiefen Schlaf ist es uns nur selten möglich, uns an den Inhalt des Traums zu erinnern. Dies ist auch bei tiefer Trance (Somnambulismus) der Fall. Wir können nicht mehr bewusst auf die Geschehnisse zugreifen, sie bleiben jedoch unbewusst gespeichert und lassen sich in Hypnose wieder abrufen.

1.5 Rechtliche Bestimmungen

Abschließend möchte ich noch auf die rechtliche Behandlung von Hypnose hinweisen, die leider einerseits relativ undurchsichtig und andererseits je nach Land, teilweise sogar Bundesland, verschieden ist. Die Rahmenbedingungen richten sich meist nach dem Themengebiet der Anwendung und wer die Hypnose durchführt. So ist es einem Menschen ohne therapeutische Ausbildung durchaus gestattet, Gewichtsreduktion oder Raucherentwöhnung anzubieten, jedoch nicht Schlafstörungen oder Allergien. Im Zweifelsfall sollte stets ein behandelnder Arzt zu Rate gezogen werden und die Hypnose in Absprache, gegebenfalls unter dessen Supervision, durchgeführt werden. In Österreich etwa ist seit Juli 2014 auch großteils die präventive Arbeit nur noch Medizinern und Gesundheitspsychologen vorbehalten. Im relevanten Gesetzestext6 heißt es dazu u.a.:

(…) gesundheitspsychologische Maßnahmen bei Personen aller Altersstufen und Gruppen in Bezug auf Gesundheitsverhalten, insbesondere im Hinblick auf gesundheitsbezogenes Risikoverhalten wie Ernährung, Bewegung, Rauchen, einschließlich Beratung in Bezug auf die Förderung und Aufrechterhaltung der Gesundheit sowie die Vermeidung von Gesundheitsrisiken unter Berücksichtigung der Lebens-, Freizeit- und Arbeitswelt (…) ist den Gesundheitspsychologinnen und Gesundheitspsychologen vorbehalten.

Ausschließlich mit Heilerlaubnis

ix

Schmerzen, körperliche Symptome Depressionen

Ängste (Flugangst, Prüfungsangst,…)

Zwänge

Phobien

Allergien

Schlafstörungen

Persönlichkeitsstörungen

Abhängigkeiten und Süchte

Migräne oder Monatsbeschwerden, Phantomschmerzen

Nur in Absprache mit einem Arzt

Wahnvorstellungen

Geisteskrankheiten

Starker Medikamenteneinfluss

Psychosen

Suizidgefahr

Klinische Depressionen

Schizophrenie

Sonstige Ich-Störungen

In Deutschland und der Schweiz ist die Arbeit mit diversen Themen hingegen auch ohne Heilerlaubnis möglich. Hiefür soll die folgende Tabelle zur groben Unterteilung dienen:

Ohne Heilerlaubnis (Hypno-Coaches, Lebensberater etc.)

Lösung sämtlicher seelischer und geistiger Blockaden

Raucherentwöhnung

Gewichtsreduktion

Aufschieberitis – das Hinauszögern von Erledigungen

Stärkung des Selbstbewusstseins

Unterstützung beim Zahnarztbesuch

Nägel kauen

Reden halten

Leistungssteigerung im Berufs- und Privatleben

Prüfungsvorbereitung (Führerschein, Examen, Abitur etc.)

Flugvorbereitung Wellness-Hypnose

Stress-Abbau bzw. Burn-Out-Prävention

Ego-Stärkung, Persönlichkeitsentwicklung

Mentaltraining und Leistungssteigerung

Wettkampfvorbereitung für Sportler

Versteckte Potentiale finden und entwickeln

Allgemeine Gesundheitsprävention

Stärkung des Immunsystems

Kommunikationstraining

Geburtsvorbereitung

Trauerbegleitung

Rückführung und Regression

Unsicherheit, Schüchternheit, Hemmungen u.v.a.

Hilfe bei Gedächtnis- und Konzentrationsschwäche

Hilfe gegen Stottern

Hilfe bei Tinnitus (Ausfiltern der Geräusche)

1.6 Zusammenfassung

In diesem Kapitel wurde gezeigt, wie unsere Wahrnehmung durch Filter beeinflusst wird. Dieser vorbewusste Selektionsmechanismus unterstützt uns beim Zurechtfinden in der Welt, kann jedoch auch negative Auswirkungen auf unser Denken und Handeln haben. Diese Filter gründen in unserer Programmierung, sei dies nun angeboren, erlernt oder imaginiert. Wir unterscheiden vier Stufen der Wahrnehmung, die sich nach den Gehirnwellenzyklen ausrichten. Im Beta-Zustand sind wir „normal“ wach, im Alpha- in einem leichten, für Suggestionen sehr empfänglichen Trance-Zustand. Im Theta-Zustand befinden wir uns in tiefer Trance oder tiefem Schlaf, oft fehlt hiernach die Erinnerung an das in der Trance Programmierte, wobei das Unterbewusstsein weiterhin darauf zugreifen kann. Komatöse Zustände fallen in den Delta-Bereich, doch auch hier ist keine komplette Bewusstlosigkeit feststellbar. Die Geschichte der Hypnose geht bis an die Anfänge der menschlichen Existenz zurück, da dieser Zustand evolutionär nötig (Reaktionszeit, Aufnahmefähigkeit usw.) und sinnvoll ist. Während er über die Historie für diverse Zwecke, sei es nun medizinisch oder zur Unterhaltung eingesetzt wurde, so wird heute vor allem in der Werbung in diesem Feld geforscht, aber auch (Anti-)Spionagedienste greifen immer wieder auf das Wissen der Hypnose zurück. Aber auch der Einsatz der Hypnose zur spirituellen Entwicklung, besonders mittels der Reinkarnationstherapie, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Mit Hypnose ist es uns möglich, dem Unbewussten Suggestionen, also Wünsche, in speziell formulierter Form zu geben, die im Unterbewusstsein verankert werden. Dadurch werden unsere künftigen Denk- und Verhaltensmuster beeinflusst und verändert. Von einem gut ausgebildeten Hypnotiseur werden stets nur positive Suggestionen gegeben, die den Wünschen des Klienten entsprechen und zu dessen Zielerreichung beitragen. Abschließend wurde geklärt, welche Aufgaben unser Unterbewusstsein übernimmt und unter welchen rechtlichen Voraussetzungen Hypnose anwendbar ist und in welchen Fällen davon abzusehen ist.

2 Interessant ist zu bemerken, dass Pavlow sich ebenfalls eingehend mit Hypnose befasste. Mehr dazu im Kapitel 1.3 „Die Geschichte der Hypnose“.

3 Auszug aus: Hinterberger T, Schoner J, Halsband U (2011): Analysis of electrophysiological state patterns and changes during hypnosis induction. Int J Clin Exp Hypn., 59(2): 165–79.

4 Die folgenden 5 Absätze durfte ich (ebenso wie die beiden Grafiken mit Verweis auf Fußnote 3) mit freundlicher Genehmigung von Frau Univ.-Prof. Dr. Ulrike Halsband (D. Phil., Oxon) abdrucken. Sie lehrt Neuropsychologie (Department Psychology) an der Universität Freiburg.

5 Vgl. http://www.meduniwien.ac.at/homepage/content/studiumlehre/weiterbildung/universitaetslehrgaenge/medizinische-hypnose & http://www.meduniwien.ac.at/typo3/?id=2631 (Stand: 2014-05-15)

6 Link zum aktuellen Gesetz: http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/BR/I-BR/I-BR_09041/fname_314239.pdf (Stand: 2014-05-11)

KAPITEL 2: VORAUSSETZUNGEN

Um Menschen in Hypnose zu führen (Hypnose „induzieren“ oder einleiten), ist die wichtigste Voraussetzung einerseits der Wille des Klienten sich hypnotisieren zu lassen und andererseits das Vertrauen zum Hypnotiseur (bekannt aus dem NLP als „Rapport“). Deshalb soll in diesem Kapitel zuallererst auf den empathischen Umgang mit dem Klienten eingegangen werden, bevor die einzelnen Varianten einer möglichen Hypnoseinduktion vorgestellt werden. Die beliebteste ist hierbei die verbale Induktion, bekannt aus Gesprächshypnose (Stichwort Milton Erickson, deshalb oft auch als „Ericksonsche Hypnose“ bezeichnet) und der Showhypnose, weil sie oft für Gruppentrancen eingesetzt wird. Eine weitere sehr bekannte Induktionsvariante ist die Fixationsmethode, bei der die bewusste Wahrnehmung auf einen Punkt gerichtet wird, um Zugriff auf das Unbewusste zu erhalten. Nachdem der Zugriff hergestellt worden ist, wird das Bewusstsein schnell und damit meist ohne dass es der Klient bewusst wahrnehmen kann, ausgeschaltet. Das Wichtigste an einer guten Hypnose ist jedoch nicht die Induktion, sondern die sorgfältige Auflösung, also das geführte Wieder-Erwachen des Klienten aus der Trance. Hierbei soll auch auf mögliche Komplikationen eingegangen werden, um eine bestmögliche Auflösung zu ermöglichen.

Wie bereits im Vorwort erwähnt, ist die Technik des Hypnotisierens nicht sehr schwer zu erlernen. Wesentlich schwieriger ist das Abschätzen und Erkennen von Gefahren. Es ist jedoch ein absolutes Muss für jeden angehenden Hypnotiseur, darüber genauestens Bescheid zu wissen. Neben ein wenig Intelligenz braucht ein guter Hypnotiseur auch ein sehr hohes Verantwortungsbewusstsein. Er muss sich darüber im Klaren sein, dass er für alle seine Suggestionen die absolute Verantwortung übernehmen muss. Fehlerhafte oder nicht sorgfältig durchdachte Suggestionen können - besonders in tiefer Trance - fatale Folgen haben. Der Hypnotiseur muss die Reaktionen seiner Klienten gut abschätzen können. Eine gute Menschenkenntnis ist daher von Vorteil. Will sich der Hypnotiseur später einmal mit Lebensberatung befassen, so ist es wichtig, auch sehr einfühlsam zu sein. Weiterhin gehört es zur Aufgabe des Hypnotiseurs, in einem Vorgespräch eventuelle Bedenken und Erwartungshaltungen des Klienten zu erkennen und abzubauen. Ist der Klient nervös, so hat er Mühe, sich zu entspannen und zu konzentrieren. Dies kann eine Trance erschweren. Aus diesem Grunde sollte eine Hypnose in einer vertrauensvollen und ruhigen Atmosphäre ablaufen, damit solche Probleme leicht ausgeglichen werden können. Besonders Probanden, die zum ersten Mal hypnotisiert werden, haben oft bestimmte Erwartungen. Außerdem sind sie aus Neugierde oft bestrebt, den Übergang in die Hypnose bewusst erfühlen zu wollen. Beides bewirkt, dass das Bewusstsein erhöht aufmerksam ist - also genau das Gegenteil dessen, was man für eine gute Induktion (Hypnoseeinleitung) benötigt. Um eine Hypnose erfolgreich einleiten zu können, ist es erforderlich, das Bewusstsein beiseite zu schieben. Aber auch Nervosität und Unsicherheit des Hypnotiseurs behindern unter Umständen eine reibungslose Einleitung. Die Unsicherheit des Hypnotiseurs wird häufig auf den Probanden übertragen. Dem Hypnotiseur nahe stehende Personen sind häufig wesentlich schwieriger in Trance zu bringen. Aus diesem Grund sollte man - besonders als Anfänger - erst mit ausreichender Erfahrung solche Personen hypnotisieren. Zwar vertrauen einem nahe stehende Personen durchaus, aber sie zweifeln gegebenenfalls an der neu erworbenen Fähigkeit. Wenn eine Hypnose aus diesem Grund nicht funktioniert, kann es dazu führen, dass der Hypnotiseur an sich selbst zu zweifeln beginnt. Es versteht sich von selbst, dass Kinder nur mit Einwilligung ihrer Eltern hypnotisiert werden dürfen.

Dr. Revenstorfx schreibt in seiner Zusammenfassung aus „Hypnose und Hypnotherapie“ (1993): „Hypnose gilt als ältestes Verfahren mit medizinischer, psychotherapeutischer und psychosomatischer Tradition. Die mit ihrer Hilfe induzierte Trance kann als Bewusstseinszustand mit vermehrter psychosomatischer Durchlässigkeit und kognitiver Flexibilität betrachtet werden (verbesserte Vorstellung, Assoziationsund Dissoziationsfähigkeit, Wahrnehmungs- und Zeitverzerrung u.a.).

Hypnose umfasst als Sonderform solche Verfahren wie Meditation, autogenes Training, Entspannung und Ähnliches. Die Erklärung der Hypnose und ihrer Erscheinungen stützt sich auf verschiedene Forschungsbereiche der Wahrnehmungs- und Kognitionspsychologie (subliminale Wahrnehmung), der Sozialpsychologie und Psychophysiologie. Es sind zahlreiche Auswirkungen des hypnotischen Zustandes auf physiologische Korrelate nachgewiesen: hirnphysiologisch (Durchblutung, Theta-Aktivität, evozierte Potentiale), endokrinologisch (Stresshormone), immunologisch (Leukozytenmobilität, bessere Wundheilung), zentralnervös (Tonusveränderung), vegetativ (trophotrope Umstellung). Diese Veränderungen haben erhebliche Bedeutung für die klinischen Anwendungen der Hypnose im Bereich der Schmerz-, Angstund Stressbewältigung, der Behandlung allergischer Reaktionen und für die Wundheilung.

Bei der zeitgenössischen Hypnotherapie stehen nicht die Suggestibilität des Klienten und die Fremdbestimmtheit hypnotischer Behandlung im Vordergrund, sondern die veränderte Informationsverarbeitung unter Trancebedingungen. Daraus leitet sich eine Reihe von Therapieprinzipien ab, die zum großen Teil auf Erickson zurückgehen. In der Hypnotherapie wird der Klient angeleitet, eigene Ressourcen so zu nutzen, dass er Verhaltensmuster verändern kann, defizitäre oder traumatische Erfahrungen ebenso wie Schmerzen verschiedener Art verändert wahrnimmt und psychophysiologische Prozesse anregt, die eine somatische Heilung unterstützen. Die Wirksamkeit der Hypnotherapie ist in zahlreichen kontrollierten Untersuchungen nachgewiesen. Hier wurden 74 experimentelle Gruppenstudien mit insgesamt über 5000 Klienten zusammengetragen. Damit ist der empirische Status dieses Verfahrens im Bereich der Psychotherapie mit dem anderer anerkannter Methoden durchaus vergleichbar. Als primäre therapeutische Methode hat die Hypnotherapie außer bei einigen speziellen Erkrankungen (zum Beispiel Warzen) einen definitiven Platz in der Behandlung von Angststörungen und posttraumatischen Reaktionen. Hier ist auch die Einbeziehung psychodynamischer Aspekte sinnvoll.

Hypnose ist in vielen Bereichen als Ergänzung zu medizinischen und psychotherapeutischen Behandlungsformen einzusetzen. Solche Bereiche sind etwa Wundheilung, Schmerzbewältigung in Chirurgie, Geburtshilfe, Zahnheilkunde, die Tumorbehandlung und die Behandlung chronischer Schmerzen. Bei vielen psychosomatischen Störungen (bestimmten Dermatosen, allergischen Reaktionen oder ulcerösen Erkrankungen) hat die Hypnose sich unterstützend als nützlich erwiesen. Bei einer Reihe von Verhaltensproblemen (Rauchen, Übergewicht und Ähnlichem) hat sich die Kombination mit verhaltenstherapeutischen Interventionen bewährt. (…) „Hypnotherapie hat bei relativ breiter theoretischer Anbindung an die allgemeine Psychologie und Psychophysiologie aufgrund der technischen Vielfalt und der empirischen Validität gute Voraussetzungen zu einer Therapieform sui generis.“

2.1 Rapport

Unter Rapportxi