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Ich stehe mitten im Leben Habe alles was ich eigentlich brauche oder mir je gewünscht habe. Ein kleiner Satz beim Abendessen lässt aber alles auseinander brechen Viele Erinnerungen kommen in Sekunden wieder hoch Vieles wird einem deutlich Was man will, was man wollte, was man braucht
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Seitenzahl: 69
Veröffentlichungsjahr: 2023
Ich bin müde.
Egal wie lange ich schlafe, meine Müdigkeit verschwindet nicht.
Ich bin müde von meiner Situation,
vom Kämpfen und vom Durchhalten.
Müde vom Lächeln müssen.
Müde von so tun als ob es mir gut geht.
Müde vom Leben…
Wenn du dich nicht traust zu reden,
schreiben, aber alles noch viel schlimmer macht.
Du denkst du hast es geschafft.
Du bist durch einen unendlich langen Tunnel gelaufen
Und endlich siehst du das Licht.
Du gehst ein paar Schritte und du denkst, du hast es endlich geschafft.
Aber da ist er.
Der nächste Tunnel.
Du denkst dir, wie oft muss ich hier noch durch.
Wie viele lange dunkle Tunnel gibt es noch?
Bleibt es für immer so?
WIe lange und wie oft muss ich da noch durch?
Ich kann nicht mehr.
Ich will endlich mein altes Leben wieder zurück.
Unbeschwert Leben, einfach nur Leben.
Und mich nicht mehr von Tag zu Tag kämpfen.
Seit Monaten geht gar nichts mehr.
Monate, in denen es ein ständiger Wechsel ist.
Ein Wechselbad der Gefühle.
Ein Wechsel zwischen Beruhigungs und Schlaftabletten im Zusammenspiel
mit dem Konsum von Ephedrin und Koks.
Ein Wechsel von, es geht mir super gut, hin zum Abhängen zusammen mit meinem Hund im Badezimmer.
Hund, eine Flasche Rotwein und eine gehörige Menge an Schlaftabletten.
Eine Tablette, ein Schluck Wein, eine Tablette, ein Schluck Wein.
Ja, so könnte es gehen. Wäre ziemlich einfach. Die Tabletten sind klein, der Wein schmeckt gut.
Aber dann sind da die Gedanken an deine Familie.
Wenn du das jetzt tust, was wäre mit Ihnen?
Wie würden Sie sich dabei fühlen?
Würdest du ihnen dadurch Schuldgefühle vermitteln?
Würden Sie denken, wir hätten es merken müssen?
Würden Sie sich wegen mir Vorwürfe machen?
Nein, so kannst du das nicht machen. Zu auffällig.
Außerdem würde die Lebensversicherung nichts zahlen.
Bei Suizid gibt es kein Geld.
Aber dann, da bleibt ja noch die Option einfach nicht das zu machen, was dein Arzt dir dringend anrät.
Höre auf zu rauchen sagt er.
Nein, er sagt, du musst dringend damit aufhören.
Sofort.
Wenn nicht, vielleicht noch ein Jahr.
Und nehme die verschriebenen Medikamente, sagt er.
Wenn nicht, geht's schneller und tut am Ende mehr weh.
Aber scheiß auf Medikamente. Mag ich nicht.
Was natürlich auch eine Option wäre, wäre wieder mit dem Motorradfahren anzufangen.
Du weißt ja wie du fährst.
Früher war das mit dem Motorrad ja ähnlich.
So schnell fahren wie irgendwie möglich, am besten auch unmöglich.
Du hattest damals mit dem Motorradfahren aufgehört, weil du dir selber gesagt hattest, es geht so nicht weiter.
Irgendwann geht es schief.
Und wenn es schief geht, dann richtig.
Mit Tempo 300 gegen ein Auto zu krachen oder aus der Kurve zu fliegen kann nicht gut gehen.
Du hattest aufgehört, weil du es deiner Familie nicht antun wolltest.
Aber jetzt hast du es ein paar Male wieder versucht.
Aber auf der A 27, bei 300 km/h mal für ein paar Sekunden die Augen zu schließen, ist dann doch komisch,
Bis jetzt ist nichts passiert. Aber wie lange noch?
Es ist jetzt schon eine Weile her.
Damals trat jemand in mein Leben, der dieses, mein Leben, Jahre später völlig umkrempeln sollte, und mich als Mensch, als Person, fast völlig aus dem Ruder laufen lassen sollte.
Nicht etwa weil dieser Mensch Schuld daran hatte, nein, weiß Gott nicht.
Aber irgendetwas wurde vor einigen Monaten ausgelöst.
Irgendein Schalter wurde betätigt, irgendein Knopf gedrückt, der den Film meines Lebens für mich in einigen Dingen um eine Vielzahl an Jahren zurückgespult hat, und mir viele Momente in Zeitlupe wieder vor Augen führt.
Ein komisches halbes Jahr. Manchmal für mich, aber bestimmt auch für andere, ein schreckliches halbes Jahr.
Ich war ein glücklicher, zufriedener Mensch.
Alles lief gut von der Hand. Ich hatte eigentlich alles, was man sich so wünschen konnte.
Eine tolle, liebevolle Frau.
Einen Sohn, auf den man stolz sein konnte. Haus, Auto und 3-4 mal im Jahr in den Urlaub.
Ach ja. Und dann auch noch einen treuen Hund.
Mittlerweile bin ich es leider nicht mehr. Auto, Hund, Haus, Frau, alles noch da.
Aber was auch noch da ist, sind die Depressionen. Die Schmerzen im Kopf, die Schmerzen im Herz.
Gefühle, die kommen und gehen. Gefühle, die man nicht beschreiben kann.
Von einem Moment zum anderen dreht sich manchmal alles um 180 Grad.
Eben noch alles gut, in der nächsten Sekunde Weltuntergang im Kopf.
Eben noch gelacht, plötzlich geweint.
Und manchmal gehofft zu sterben.
Manchmal reicht da etwas ganz banales. Ein Lied im Radio, das Erinnerungen weckt.
Ein niedliches, manchmal ein trauriges Foto.
Von einer Sekunde zur anderen ist alles nur noch belastend. Du brichst innerlich zusammen.
Weißt nicht was du denken und fühlen sollst.
Der wird der Boden unter den Füßen weggezogen, ohne einen ersichtlichen Grund.
Das Herz krampft sich zusammen, das Atmen fällt schwer.
Und das Schlimme daran ist, du weißt nicht warum das so ist. woher das kommt.
Und du fragst dich warum? Warum ich? Warum jetzt. Warum geht das jetzt schon wieder los?
Wer hat Schuld?
Bin ich es ? Sind all die anderen Schuld?
Alles nur vielleicht, weil du da bist, sagt dir dein Verstand.
Und du fragst dich was es soll, woher es kommt, wohin es dich bringt. musst du etwas ändern?
Willst du es?
Kannst du es, und wenn ja, für wen solltest du es tun?
So viele Zweifel, so viele Selbstzweifel.
Wo kommt das alles her?
Ich denke, der Beginn liegt lange zurück.
1987
Wir standen beide in Ihrer Küche,
Gaby und ich. Gaby war damals meine große Liebe, WIr waren schon einmal kurz zusammen. Kein richtiges Paar, sondern 2 Menschen, die Spaß am Leben hatten und Spaß an uns.
Es war am Anfang nur so ein kleines Intermezzo. Nichts richtig festes sondern eher so eine kleine Spielerei. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich damals auch ein Auge auf Gabyś große Schwester, Sonja, geworfen. Zu dem Zeitpunkt eine absolute Traumfrau. Nicht nur für mich, sondern auch für alle meine damaligen Freunde und “ Kumpels”.
Auge so groß, Augen in einem wunderbaren Braun, wie ich es selten jemals wieder gesehen habe. Ein sinnlicher Mund, der zum Küssen einfach nur so einlud. Ähnlich wie der von Sophia Loren.
Aber daran war damals erstmal nicht zu denken. Zu unnahbar.
Mit Gaby begann es damals dann allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem ich dann doch, ja ich hatte es geschafft, oder vielmehr Sonja selber hatte es geschafft mit Ihrer großen Schwester zusammen war.
Wir waren abends zusammen mit Ed von Schleck, so war der damalige Spitzname eines Freundes von mir, im Why not.
Das “not” war damals unser Stammclub. Eine Diskothek im Bremer Viertel. Genau am Ziegenmarkt direkt neben der Helenenstraße.
Bremer Jungs werden wissen was das für eine Straße ist.
Das “not” war damals ein toller Laden. Gute Musik, zu der Sonja stundenlang, völlig weggetreten tanzen konnte. Teilweise bis zur Extase, bis zur völligen Erschöpfung.
Das war damals die Zeit, in der wir, unsere Clique, eigentlich alle Drogen, die so im Umlauf waren, einmal, zweimal ausprobieren mussten. Bis auf Gaby. Die hatte da nie einen Draht zu.
Zu dem Zeitpunkt war sie in dieser Beziehung wohl die einzige vernünftige unter uns.
Aber im not war es Gang und Gebe. Schon wenn man den Laden damals betrat, konnte man riechen was hier abging.
Wir hatten damals so unseren Stammplatz. Ganz hinten rechts. Rechts neben dem Mischpult, dort wo die Musik noch von richtigen Schallplatten kam.
Hier rechts in der Ecke standen alte Sofas. Sofas, von denen man denken konnte, dass sie direkt vom Sperrmüll in den Laden gebracht wurden.
Aber sie waren gemütlich, die Musik war gut, und man konnte sich hier in der Ecke den einen oder anderen Joint in aller Gemütlichkeit und Ruhe schmecken lassen.
Naja, auf jedenfall, an diesem Abend, nach einer durchtanzten Nacht, dem Gras und auch dem einen oder anderen Bacardi zugesprochen, verließen wir zu viert den Laden, um in Sonjas Wohnung zu gehen.
Die war damals nicht so weit entfernt.
Irgendwie ergab es sich dann, dass ich Ed von Schleck klarmachen konnte, dass es an der Zeit für ihn sei, sich langsam auf den Nachhauseweg zu machen.
Sonja hatte etwas übertrieben.
Zu viel getanzt, zu viel Bacardi oder Pernod. Auf jedenfall war sie kurz nachdem Ed gegangen ist eingeschlafen.
