Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Ich bin Baujahr 1967 und trage seit meinem 17. Lebensjahr Hörgeräte. Anfänglich habe ich mich dagegen gewehrt, weil ich dachte dass ich das "nicht brauchte". Als ich aber meinem Studium angefangen habe, war mein Vernunft überzeugender als mein Gefühl. Angefangen habe ich mit einem kleinen, im Ohr Gerät. Als Jahren später meinem HNO Arzt meinte, wieso ich im anderen Ohr nicht auch ein Hörgerät nehmen sollte weil das fast genauso schlecht war, wusste ich dass ich mich nicht drücken konnte. In 2007 brauchte ich dann Hinter-dem-Ohr Geräte, weil die kleinen Geräte nicht mehr ausreichten. Telefonieren kann ich noch mit meinem besten Ohr. Mittlerweile benutze ich auch Hilfsmittel fürs Telefon und das Fernsehen. Obwohl meine Hörbeeinträchtigung manchmal schwierig ist, ich versuche trotzdem immer das Beste daraus zu machen. Dank einen lieb-habenden Ehemann, verständnisvolle Verwandtschaft, Kollegen und welche einsichtsvolle Kurse, gelingt mir das auch gut. Ich hoffe, durch meine Erfahrungen zu teilen, dass ich anderen zeigen kann das man trotz Hörbeeinträchtigung viel im Leben erreichen kann. Die geäusserten Meinungen in diesem Buch sind meinen persönlichen Meinungen und nicht die eines Vereins, einer Organisation oder Gruppe die ich angehöre. Über das, was Sie nicht über mich wissen sollten, werde ich hier nicht schreiben!
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 109
Veröffentlichungsjahr: 2017
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Renee Iseli - Smits
Ich bin Schwerhörig, na und?
Das Leben mit einer Hörbeeinträchtigung im Alltag
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Ich bin Schwerhörig, na und?
Über mich
Schwerhörig na und
Dialekt
Wecker
Velo
Wintersport Ferien
Ehrlich
Haus für Betagte
Zeit
Ärzte
Morgarten
Sein oder nicht sein
ÖV
Wie bitte?
Ist Sport etwa Mord?
Teekessel
Kaffee oder Einkaufen?
Gute Arbeit
Dialog
Schnupfen
Gewitter
CI
Musik
Anders
Statistik
Untertitel
Bücher
Hörgeräte
Nicht blöd
Träume
Hörtest
Zu Hause
Vergesslich
Durchzug
Netzwerk
Hörhilfsmittel
Studentenjahre
Bürokratie
Stimme
Ohrgeflüster
Soziale Netzwerke
Schwimmen
Die Berge
Tanz der Insekten
Bauruhe
Autofahren
Von Mütter, Töchter und Brüder …
Abwehr
London
50
Impressum neobooks
Renee Iseli - Smits
Widmung
Dieses Buch widme ich in liebenden Dankbarkeit meinem verstorbenen Vater, meiner Mutter, meinem Bruder und meinem liebsten Ehemann, weil ich immer auf ihre Unterstützung, Wärme und Geborgenheit bauen kann. Ohne ihn, wäre ich nicht der Person, der ich heute bin und wäre dieses Buch nie entstanden.
Was Sie über mich wissen sollten:Ich bin Baujahr 1967 und trage seit meinem 17. Lebensjahr Hörgeräte. Anfänglich habe ich mich dagegen gewehrt, weil ich dachte dass ich das “nicht brauchte”. Als ich aber meinem Studium angefangen habe, war mein Vernunft überzeugender als mein Gefühl. Angefangen habe ich mit einem kleinen, im Ohr Gerät. Als Jahren später meinem HNO Arzt meinte, wieso ich im anderen Ohr nicht auch ein Hörgerät nehmen sollte weil das fast genauso schlecht war, wusste ich dass ich mich nicht drücken konnte.In 2007 brauchte ich dann Hinter-dem-Ohr Geräte, weil die kleinen Geräte nicht mehr ausreichten. Telefonieren kann ich noch mit meinem besten Ohr.Mittlerweile benutze ich auch Hilfsmittel fürs Telefon und das Fernsehen.Obwohl meine Hörbeeinträchtigung manchmal schwierig ist, ich versuche trotzdem immer das Beste daraus zu machen. Dank einen lieb-habenden Ehemann, verständnisvolle Verwandtschaft, Kollegen und welche einsichtsvolle Kurse, gelingt mir das auch gut.Ich hoffe, durch meine Erfahrungen zu teilen, dass ich anderen zeigen kann das man trotz Hörbeeinträchtigung viel im Leben erreichen kann.
Die geäusserten Meinungen in diesem Buch sind meinen persönlichen Meinungen und nicht die eines Vereins, einer Organisation oder Gruppe die ich angehöre.
Über das, was Sie nicht über mich wissen sollten, werde ich hier nicht schreiben!
Ich wünsche mir, dass Menschen wüssten das ich meine Gesundheit nicht bespreche wegen Mitleid, Sympathie oder Aufmerksamkeit. Ich wünsche mir, dass Menschen wüssten das ich darüber rede weil es ein grosses Teil meines Lebens ist, ob ich das nun will oder nicht. Ich bespreche es um Andere zu helfen, die mit den gleichen Hürden zu ringen haben. Um zu informieren. Um zu unterrichten. Um faktisch zu sein. Um zu erklären. Nicht Mitleid zu erhalten, bevormundet zu werden. Bestimmt nicht um mit Verachtung betrachtet oder geurteilt zu werden.
Ich könnte diesen Text nicht mit mehr Überzeugung zustimmen! Genau darum geht es mir in diesem Buch. Und darum wollte ich Ihnen diese Sätze nicht vorenthalten.
Quelle: Foto Autorin
Darf ich mich Ihnen kurz vorstellen? Ich bin seit meinem 17. Lebensjahr schwerhörig. Viele Schnupfen und dazu gehörende Mittelohrentzündungen haben mein Gehör langsam eingeschränkt und jetzt bin ich sozusagen "Beidseitig Hochgradig Schwerhörig". Ich trage schon viele Jahre an beide Ohren Hörgeräte, die mir im Alltag helfen so gut wie möglich zu funktionieren. In meinem rechten Ohr habe ich nur noch 12% Restgehör, in dem linken Ohr noch ca. 25%.
Na und, das ist unangenehm für Sie aber wieso soll das mich interessieren, werden Sie vielleicht fragen. Da kann ich Ihnen nur bedingt Recht geben. Mit meinem Buch möchte ich Ihnen einen Einblick geben in die viele Herausforderungen des Alltages eines Hörbeeinträchtigen. Falls Sie das nicht interessiert, ist das natürlich okay. Dann bitte ich Sie höflich weiter zu blättern.Ehe Sie das tun, möchte ich Sie aber gern darauf Aufmerksam machen, dass ein sehr grosses Teil der Bevölkerung eine Hörbeeinträchtigung hat. Vielleicht haben Sie ja selber eine Verwandte oder jemand in Ihre Umgebung dessen Gehör nachgelassen hat. Eine Gehörbeeinträchtigung ist meistens nicht sichtbar, dank moderner Technik. Deshalb geht eine Hörbeeinträchtigung oft vergessen, ausser für die Betroffenen, die mit viele Herausforderungen konfrontiert werden.
Meine Absicht mit diesem Buch ist sicher nicht zu jammern, wie schwer „wir“ Hörbeeintrachtigte es wohl nicht haben. Im Gegenteil, ich möchte eher zeigen dass „wir“ kein Opfer sind unserer Beeinträchtigung, sondern jeden Tag eine Hochleistung liefern, genau wie Sportler. Wir brauchen viel Energie, Kreativität für das persönliche wohl und vor allem Humor wenn etwas nicht so klappt wie gewünscht.
Falls Sie sich entscheiden würden meinen Buchs doch noch weiterzulesen, um nachher zum Beispiel mal wieder ihre hörbeeinträchtigte Grossmutter oder Grossvater zu besuchen, vielleicht erinnern Sie sich dann daran, dass Sie mit ihr oder ihm ein bisschen deutlicher reden oder die Geduld nicht verlieren Gesprochenes zu wiederholen. Damit würden Sie nicht nur mich, sondern auch und vor allem ihr Hörbeeinträchtigte Gesprächspartner sehr Glücklich machen.
Ich hoffe wir hören noch voneinander!
Quelle: Foto Autorin
Weil ich spät Schwerhörig geworden bin, hatte ich während meine Kindheit eine gute Sprachentwicklung. In der Schule lernte ich gern Fremdsprachen und ich lernte Deutsch, Englisch und Französisch. Zu meinem Stolz darf ich sagen, dass ich mündlich in diese Sprachen ganz passabel war. Grammatik aber war nie meine Stärke, wie Sie wahrscheinlich schon bemerkt haben, ausser in meiner Muttersprache. Später, an der Universität, habe ich sogar noch ein wenig Russisch dazu gelernt. Eine interessante Sprache, von der ich leider das meiste wieder vergessen habe weil ich es nicht mehr benutze.Als mein Mann und ich vor gut 5 Jahre in die Schweiz gekommen sind (Jawohl, ich bin eine eingebürgerte Schweizerin, mit Niederländischen Herkunft und mit einem Schweizer verheiratet), habe ich jedoch bemerkt dass das Erlernen einer Fremdsprache für mich nicht mehr so einfach war. Seit meinem Studium ist mein Gehör allmählich schlechter geworden und ich hatte vor 8 Jahren einen Hörsturz von ca. 10 Dezibel. Das Schweizerdeutsch bereitete mir also anfänglich ein wenig mühe, vor allem das Berndeutsch. Natürlich habe ich gar nichts gegen Berner, im Gegenteil: mein Mann ist sogar Berner. Aber zum Verstehen ist Berndeutsch für mich wirklich eine grosse Herausforderung!Zum Glück kam ich hier, in der Nähe einer Grossstadt, mit Hochdeutsch sehr gut zurecht und die Leute waren meistens sehr freundlich und hilfreich. Mittlerweile verstehe ich ja das meiste auf Schweizerdeutsch, nur die Berner bereiten mir ab und zu noch mal Schwierigkeiten aber auch das geht besser.Selber spreche ich eine Mischung aus Hochdeutsch mit Schweizerdeutsche Wörter und Schweizerdeutsches Akzent, abhängig von meiner Müdigkeit. Im lokalen Altersheim, wo ich freiwillige Mitarbeiterin bin, werde ich ab und zu noch freundlich korrigiert, was ich natürlich zu schätzen weiss.Nun war ich vor eine Woche in einem Laden, wo eine Verkäuferin mir während unserem Gespräch fragte, welchen Dialekt ich denn spreche. Ja, das haben Sie gut gelesen: sie hat nicht gefragt wo ich her komme oder aus welchem Land ich komme. Nein, sie hat gefragt welchen Dialekt ich spreche! Ich habe ihr erklärt, dass es mich sehr freue dass sie meinte ich spreche ein Dialekt und ihr erzählt wo ich herkomme. Da meinte sie einigermassen überrascht ich habe die Sprache gut gemeistert. Ich habe Sie herzlich bedankt und ich glaube meinem dankbaren Grinsen vom Ohr zum Ohr war nicht zu übersehen …
Quelle: Foto Autorin
Wenn ich abends ins Bett gehe und meine Hörgeräte herausnehme, dann höre ich nicht viel mehr. Und wenn ich dann schlafe, dann gibt es wenig was mich aufweckt. Deshalb habe ich ja auch einen Vibrationswecker, den ich unter meinem Kopfkissen lege.Mein Mann meint manchmal, wenn ich schlafe und man neben mir eine Kanone abfeuern würde, dann würde das mich trotzdem nicht aufwecken. Finde ich selber ein wenig übertrieben, aber tatsächlich war er meistens derjenige der morgens früh von unseren Katzen zum Frühstück geweckt wurde.
Wir hatten zwei Katzen, die leider im Herbst letzten Jahres und Anfang dieses Jahres gestorben sind. Es waren wunderschöne Orientalische Kater, sehr gesprächig und das mit lauter Stimme. Wer diese Katzenart kennt, weiss wie laut sie sein können wenn sie was wollen. Und oft wollten sie etwas. Als sie vor ein paar Jahre zu viel auf der Waage brachten, mussten sie auf Diät. Wir haben sie dann 3 Mal am Tag gefüttert und 2 Mal am Tag mit sie gespielt. Versteck spielen war aber ihr Lieblingsspiel.
Manchmal kam mein Mann auf mich zu, und fragte „Wieso hast du die Katze(n) eingesperrt?“ Dann stellte sich heraus, dass die eine oder die andere Katze im Schrank oder im Zimmer eingeschlichen war, ohne dass ich das bemerkt hatte. Mein Mann hat dann später gehört dass sie raus wollten. Ich habe mich dann natürlich bei der Betroffene entschuldigt und manchmal gab es sogar noch welche Katzensnacks, was jedoch nicht dazu führte dass dieser Vorgang sich nicht mehr wiederholte.
Wenn mein Mann ab und zu mal verreist war, dann passte ich extra auf. Als ich weg oder ins Bett ging, schaute ich zuerst mal nach wo die Beiden waren, damit sie nicht versehentlich über Nacht wo eingesperrt waren. Über ihr Frühstück habe ich mich nie Sorge gemacht. Sie waren je sehr erfinderisch. Einmal bin ich Punkt 7 Uhr morgens, die übliche Futterzeit der Katzen, aufgewacht. Als ich meine Augen öffnete, stand da einen 6 Kilogramm schweren Kater auf meinem Brust, der sanft mit einer Vorderpfote meinem Gesicht berührte und lauthals meinte, er wünsche sich sein Frühstück.
Wer braucht da noch ein Wecker?
Quelle: http://www.freeimages.co.uk/galleries/transtech/transport/index.htm
Die letzte Zeit überlege ich mir, ob ich ein neues Velo kaufen soll. Mein letztes Velo war perfekt: Rücktritt Bremse und ein bisschen kleinere, robustere Räder (ich bin ja selber nicht so gross). Es hatte leider nur ein Mangel: es war ohne Gänge definitiv nicht für die Schweiz geeignet.
In dem Flachland wo ich geboren und aufgezogen worden bin, gehört ein Velo fast Standard zum persönlichen Besitz.Bei mir hat es als Kind ein bisschen gedauert bis ich mich auf der Zweiräder traute, weil ich Angst hatte zur Boden zu fallen. Als ich dann erstmals gelernt hatte darauf zu fahren, gab es kein Zurück mehr. Zur Schule war es in meinem Tempo ca. 35 bis 40 Minuten fahren, was ich 6 Jahre lang gemacht habe. Der Bus kam nur in Frage wenn es Notwetter gab und dann musste man immer noch ein weites Stück zu Fuss.
Später, als ich in einer Grossstadt lebte, war das Velo ebenfalls immer ein treuer Geselle. Vor allem nach meinem letzten Hörsturz in 2007, fühlte ich mich aber nicht mehr so ganz sicher auf meinem Velo. Mein Gleichgewicht hatte deutlich unter der Hörbeeinträchtigung gelitten und ausserdem musste ich besonders Aufmerksam sein im Verkehr. Wie oft es nicht schon passiert ist, dass mich andere Velofahrer Kopfschüttelnd oder sogar Sauer vorbeigefahren sind weil ich nicht gehört hatte dass sie klingelten! Und sogar als Fussgängerin haben mir Velos öfters das Herz stillstehen lassen, weil ich natürlich keine Augen im Rücken habe. Trotzdem fuhr ich munter auf meinem Velo weiter, versuchte aber wenn ich alleine war die besonders viel und gut befahrene Strecke ein wenig zu meiden.
Als wir in die Schweiz kamen, war ich ein wenig überrascht wie hier das Velo geschätzt wird. Ich finde es eine gute Sache und fange langsam ein bisschen an ein eigenes Velo zu vermissen. Es ist aber noch nicht so einfach ein passendes Modell für mich zu finden! Deshalb suche ich ein bisschen weiter und vielleicht sogar noch im Flachland, bis ich das perfekte Velo gefunden habe.
Quelle: Foto Autorin
Bevor ich meinem Mann kennenlernte, war meinen Wintersport Erfahrung auf einem 2-Stündigen Indoor Snowboard Erlebnis beschränkt. Dieses Erlebnis machte mir Spass und ich hatte nicht gedacht, dass ich je mal echte Wintersport Ferien erleben würde.
Als ich dann zum ersten Mal mit meinem Mann, seiner Schwester und Schwager mit Kleinkind und Schwiegereltern in den Wintersport Ferien fuhr, freute ich mich sehr. Die Bergen kannte ich nur im Sommer und fand es sehr spannend die Berge auch mal im Winter zu sehen. Und ich wurde nicht enttäuscht! Die Berge waren wunderschön im Winterkleid, das Après Ski und Essen waren ausgezeichnet und wir genossen die Gesellschaft der Familie. Mein Mann ist ein guter Ski Fahrer und ich war sowieso Anfängerin, also entschieden wir uns zum Snowboard Unterricht in der lokale Ski Schule. Wir hatten viel Spass dabei, nur dass am Ende der Woche wir so bunt und Blau waren, dass wir uns für das darauf folgende Jahr eine andere Strategie ausdachten. Meine erfahrene Schwiegermutter meinte schon, dass ich mit meinen Gleichgewichtsproblemen wahrscheinlich besser Skifahren statt Snowboard fahren könnte. Ich meldete mich für Ski Unterricht an bei der Ski Schule. Mein Mann tat was er am besten konnte: Ski fahren.Und meine Schwiegermutter hatte recht: Skifahren passte besser zu mir und ich lernte die Grundregeln. Leider nur, dass ich in der Gruppe weniger Fortschritte machte als gehofft. Wenn man ein bisschen älter ist, macht das Erwerben einer Sportart tatsächlich etwas mehr Mühe und ausserdem bekam ich nicht alles mit.
