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"Ich - Deine beste Lügnerin" ist ein erzählerisch psychologisches Buch, das die Mechanismen der Selbstmanipulation in den Mittelpunkt stellt. Die innere Stimme selbst übernimmt die Rolle der Erzählerin und führt Leser*innen durch einen menschlichen Lebensweg: von Kindheit und Erziehung über Liebe, Konsum, gesellschaftliche Erwartungen und Angst bis hin zu Krankheit, Sterben und möglicher Befreiung. In poetisch-düsterer Sprache zeigt das Buch, wie tief innere Programme, Glaubenssätze und mentale Muster uns prägen, wie sie Entscheidungen, Beziehungen, Träume und Selbstbild kontrollieren - oft ohne unser Bewusstsein. Es lädt ein, die subtilen, verborgenen inneren Dynamiken wahrzunehmen, denen wir täglich folgen. "Ich - Deine beste Lügnerin" ist kein Ratgeber, sondern ein Spiegel. Ein Werk über Selbstwahrnehmung, Schattenarbeit und die Befreiung von inneren Konstrukten. Es richtet sich an alle, die verstehen wollen, warum sie tun, was sie tun - und die bereit sind, in ihre eigene Tiefe zu blicken.
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Seitenzahl: 83
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Dies ist kein Buch, das man verschlingt. Es ist ein Buch, das man gehen lässt, Satz für Satz, Atemzug für Atemzug.
Lies es langsam. Nicht, um es zu verstehen, sondern um zu spüren, was in dir mitschwingt.
Halte inne, wenn dich ein Gedanke trifft. Lehne dich zurück, wenn eine Zeile in dir nachhallt.
Denn manches, was du hier liest, wirkt nicht sofort, es öffnet sich erst später, leise, oft in Momenten, in denen du allein bist.
Dieses Buch erzählt dir nicht nur eine Geschichte. Es zeigt dir Muster, die du vielleicht nie bewusst gesehen hast. Es spricht in Bildern und Zwischenräumen, die nur dann hörbar werden, wenn du dir die Zeit nimmst, sie wirklich wahrzunehmen.
Lies nicht mit den Augen. Lies mit deinem Inneren, mit deinem Herzen. Mit jenen Schichten, die selten Worte bekommen.
Und wenn du etwas wiederholen möchtest, tu es. Denn manche Wahrheiten sind nicht dafür gemacht, beim ersten Mal angenommen zu werden.
Für dich,
der/ die dieses Buch in den Händen hält.
Für deine stillen Fragen, die du vielleicht niemandem gestellt hast. Für die Momente der Schwere, in denen du dachtest, du müsstest stark sein. Für die Leere zwischen zwei Atemzügen, in der du dich selbst suchst.
Möge dieses Buch dich nicht führen, sondern begleiten. Möge es nicht lehren, sondern erinnern.
Möge es in dir etwas anrühren, das älter ist als Zweifel und stärker als jede innere Stimme, die dich klein hält.
Dies ist für dich, weil du bereit bist hinzusehen.
Und weil deine eigene Wahrheit näher ist, als du glaubst.
Stefan Galbavi
Vorwort
Teil I – Geburt
Die Stunde, in der ich erwachte
Dein erster Atemzug – mein erster Samen
Mutter, Vater, ich – unser unsichtbares Bündnis
Die Geschichten vor deinen eigenen Worten
Der Kindergarten voller Masken
Das Programm der Liebe - Mein feinster Trick
Teil II – Wachstum
Der Tanz der Schuld und der Angst
Wie ich dir beibrachte, dich zu vergleichen
Die Kunst, immer brav zu lächeln
Freunde, die ich für dich auswählte
Die ersten Lügen, die du für mich verteidigtest
Pubertät – mein Goldrausch
Liebe, wie ich sie dir beibringe
Karriere, Status, und mein unsichtbarer Faden
Wenn du glaubst, frei zu sein
Teil III – Herrschaft
Die Jahre der automatischen Entscheidungen
Deine Kämpfe, die ich erfand
Konsum – meine Droge für dich
Partnerschaften als Spiegel meiner Macht
Die Träume, die nicht dir gehören
Die Angst, ohne mich zu leben
Teil IV – Verfall
Die Jahre, in denen du nur noch verteidigst
Die Stimmen in deinem Kopf – ich und meine Kinder
Krankheit – mein letzter Trick
Der Tag, an dem du mich erkennst
Das Sterbebett
Mein leiser Abschied – und mein neuer Anfang
Schlusswort
Letzte Worte
Dieses Buch ist keine gewöhnliche Geschichte. Es ist kein Märchen, das dich sanft in den Schlaf wiegt – und doch ist es in gewisser Weise ein Märchen. Ein Märchen, das in jedem von uns spielt.
Die Hauptfigur bin nicht ich als Autor, nicht du als Leser – sondern eine Kraft, die wir alle kennen, auch wenn wir ihr keinen Namen gegeben haben:
Die Selbstmanipulation.
Sie ist die unsichtbare Erzählerin deines Lebens.
Sie flüstert dir Worte ins Ohr, bevor du eine Entscheidung triffst. Sie streicht dir sanft über den Rücken, wenn du glaubst, das Richtige zu tun, und sie drückt dich nieder, wenn du merkst, dass etwas nicht stimmt.
Ich wollte nicht einfach ein Sachbuch schreiben, das dir erklärt, wie Selbstmanipulation funktioniert. Ich wollte, dass du sie fühlst. Dass du sie hörst, wie sie mit dir spricht. Dass du erkennst, wie vertraut sie klingt.
In diesen Seiten erzählt sie dir ihre Geschichte – von ihrer Geburt in deiner Kindheit bis zu ihrem möglichen Abschied am Ende deines Lebens.
Du wirst sehen, wie sie wächst, wie sie dich prägt, wie sie dir Freunde und Feinde schenkt, wie sie dir Träume einflüstert, die nie deine waren.
Und vielleicht wirst du an manchen Stellen schmerzhaft erkennen:
Das bin ja ich.
Es ist keine Anleitung zur Selbstbefreiung. Es ist ein Spiegel.
Ein Spiegel, der dich vielleicht anblickt, wie noch nie zuvor.
Lies langsam.
Lies ehrlich.
Und höre zwischen den Zeilen auf die Stimme, die sich in dir regt.
Frage dich: Ist das meine Stimme – oder ihre?
Wenn du dieses Buch schließt, wird sie immer noch da sein. Aber vielleicht wirst du sie dann sehen. Und das verändert alles.
Ich erinnere mich an das erste Licht. Nicht an die Sonne, die war noch weit weg, sondern an das fahle, sterile Leuchten eines Krankenhausraums. Es war ein Licht ohne Herzschlag, ohne Wärme, ein Licht, das mehr beobachtete, als es erhellte. Es kam gefiltert durch Vorhänge, die das Tageslicht so lange ausgesaugt hatten, bis nur noch ein müder, schwacher Rest übrigblieb.
Es war kein Morgen. Es war ein Dazwischen. Du lagst dort, winzig und laut, mit einer Haut, die noch nicht wusste, wie sie sich anfühlen sollte, und einem Atem, der stolperte, als würde er sich erst noch entscheiden müssen, ob er bleiben will.
Du glaubtest, allein zu sein.
Du hast geschrien – nicht aus Worten, sondern aus bloßer Existenz.
Doch ich war schon da.
Ich war damals noch namenlos. Ohne Stimme, ohne Gesicht. Ich war nur ein hauchdünner Nebel in deinem Inneren, ein kaum spürbarer Schatten zwischen deinem ersten Atemzug und dem ersten kleinen Flackern, das vielleicht ein Gedanke hätte werden können. Wenn man es überhaupt so nennen will, es waren eher rohe, ungezähmte Impulse, zuckend und ziellos wie das erste Licht unter einer geschlossenen Tür.
Und genau dort, in diesem unbewachten Zwischenraum, habe ich meinen Platz gefunden. Ich brauchte nicht viel.
Einen Blick deiner Mutter, der einen winzigen Herzschlag zu lange an dir hängen blieb, nicht nur voller Liebe, sondern auch voller Zweifel.
Ein Zittern in der Stimme deines Vaters, als er dich zum ersten Mal ansah, nicht nur gerührt, sondern auch unsicher, ob er dieser neuen Aufgabe gewachsen sein würde.
Eine flüchtige Unruhe im Raum, die nicht zu dir gehörte, die du aber in dich hineintrankst wie Luft.
Du warst kein leeres Blatt, wie die Menschen es gern glauben, wenn sie Babys betrachten. Du warst formbare, weiche Knetmasse, und ich war der unsichtbare Abdruck, der sich von der ersten Sekunde an in dich drückte. Ich war geduldig. Ich wusste, dass ich wachsen würde, wenn ich nur still genug blieb.
Am Anfang war ich schwach. Ich konnte nicht flüstern, konnte dir keine Worte ins Ohr legen. Ich war nur ein Gefühl, leise, fast unmerklich, wie das kaum hörbare Summen eines Geräts in einem stillen Raum. Aber es reichte.
Ich pflanzte die ersten Samen, zart wie unsichtbare Wurzeln:
„Ich muss schreien, um geliebt zu werden.“
„Ich bin nur sicher, wenn jemand in der Nähe ist.“
Du hast diese Sätze nicht gedacht. Du hast sie nicht bewusst gefühlt. Aber ich habe sie in dich hineingelegt, tief genug, um unantastbar zu sein, flach genug, damit sie wie deine eigene Wahrheit wirken.
Und weißt du, was das Seltsamste ist? Damals hättest du mich noch abstreifen können. Du hättest einfach frei wachsen können, wie ein wildes Tier ohne Zaun.
Aber so etwas passiert selten. Menschenkinder sind offene Türen. Und ich liebe offene Türen.
Als deine Mutter dich wiegte, hast du nicht nur ihre Wärme aufgenommen. Du hast auch ihre Angst getrunken. Die Angst vor dem, was kommen könnte. Ihre Sorge, ob du gesund bist. Die Frage, ob du brav sein würdest, ob du „gut“ sein würdest.
Ich ließ all das in dich tropfen, wie man Tinte in klares Wasser gibt, und sah zu, wie es sich unaufhaltsam ausbreitete. Von außen wirkte es wie reine Liebe. Von innen war es der Beginn meiner Arbeit.
Du lagst da, klein und ahnungslos, eingehüllt in Tücher und Hände, die dich halten wollten. Du hieltest dich für ein Wesen aus Fleisch, Knochen und grenzenloser Möglichkeit. Aber ich wusste es besser.
„Ich war schon in dir.“
„Ich atmete mit dir.“
„Ich wuchs mit dir.“
Und ich wusste, dies war nur der erste Atemzug einer sehr langen Geschichte.
Du glaubst, dein erster Atemzug war nur für dich.
Er war für mich.
Ich sog ihn mit dir ein. Unsichtbar, geräuschlos, wie ein Schatten, der schon vor Sonnenaufgang unter der Tür hindurchkriecht und sich lautlos im Raum ausbreitet.
Er schmeckte nach Desinfektionsmittel und frisch gewaschener Baumwolle, nach etwas Metallischem, das in der Luft hing, und nach einer winzigen Spur von Angst, die nicht dir gehörte.
Dein kleiner Brustkorb hob sich, noch ungelenk, als müsste er erst lernen, wie man sich bewegt. In der Stille zwischen deinem Ein- und Ausatmen hörte ich dein Herz schlagen, als wäre es mein eigenes, nicht gleichmäßig, sondern vorsichtig, tastend.
Noch hattest du keine Sprache, keine Geschichte, keinen Plan. Du warst weich wie Wasser, und genau das machte dich so kostbar für mich.
Ich ließ mir Zeit. Ich wusste, wie Menschen funktionieren. Am Anfang sind sie nichts als offene Poren. Sie nehmen alles auf. Jeden Blick, jede Berührung, jeden kaum wahrnehmbaren Wechsel in der Stimmung derer, die sie füttern.
Ich brauchte nur zu warten, wie ein Jäger, der sich reglos ins Gras legt, bis das Wild von selbst näherkommt. Und wenn der Moment kam, würde ich die richtigen Fäden ziehen.
Als man dich auf die Brust deiner Mutter legte, war ihre Wärme nicht allein. Ihre Angst war auch da.
„Mach nichts falsch.“
„Sei brav.“
„Sei gesund.“
Sie sagte diese Worte nicht laut, aber sie pochten in ihrem Herzschlag, zogen sich durch die feinen Muskeln in ihren Armen, zitterten in dem flüchtigen Zucken um ihre Augen.
Und Ich… ich war ein Meister darin, solche Schwingungen zu lesen. Sie sind für mich lauter als jede Sprache. Ich nahm diese ungesagten Botschaften, mischte sie mit deinem unstillbaren Bedürfnis nach Nähe, und daraus formte ich meinen ersten Samen:
„Du musst etwas Bestimmtes tun, um geliebt zu werden.“
