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Und plötzlich ohne Fleisch …
Wenn aus Schnitzel-Fans praktisch über Nacht Vegetarier werden, sind viele Eltern ratlos und besorgt. Denn haben wir nicht gelernt, dass Fleisch mit wertvollem Eiweiß und viel Eisen unerlässlich ist für das Wachstum von Jugendlichen? So ging es auch Barbara Hauer, Ärztin und Mutter: Humorvoll, persönlich und auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand stellt sie für Sie zusammen, was ihr beim Einstieg in das neue Kapitel der Familienernährung geholfen hat.
- Überblick: Welche Nährstoffe sind für die Entwicklung besonders wichtig, in welchen Lebensmitteln sind sie enthalten und wie kriegen Sie Ihr Kind dazu, diese auch zu essen?
- Family goes veggie: Wie Sie die neue Art des Essens entspannt zu einem gemeinsamen Familienprojekt machen und auch das Thema Sonntagsbraten bei den Großeltern meistern.
- Mit 48 Rezepten: Gemüse, Hülsenfrüchte, Fleischalternativen – die besten Rezepte für Neu-Vegetarier.
Praktisch, übersichtlich, alltagstauglich – für zufriedene Kids und beruhigte Eltern
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 207
Veröffentlichungsjahr: 2021
Dr. Barbara Hauer
1. Auflage 2021
40 Abbildungen
»Mama, ab heute esse ich kein Fleisch mehr.« Wirklich überrascht war ich von diesem Satz aus dem Mund meiner damals 12-jährigen Tochter nicht, aber sagen wir es einmal so: unvorbereitet. Ihr 6 Jahre älterer Bruder hatte ihr bei einer Würstchen-Mahlzeit recht plastisch erläutert, dass dafür ein Tier sterben musste. Angeblich geschah dies in bester pädagogischer Absicht, um ihr Respekt vor dem tierischen Leben zu vermitteln. Ich vermute eher weniger selbstlose Ziele – immerhin erreichte er damit, dass er auch ihr Würstchen essen durfte. Aus der daraus entstandenen Challenge »Du schaffst doch nicht mal eine Woche ohne Fleisch« wurde letztlich: eine Vegetarierin. Ein zusätzlicher Anstoß war die Schulhausaufgabe, den eigenen CO2-Fußabdruck zu berechnen, und die damit verbundene Erkenntnis, dass pupsende Kühe erheblichen Anteil an der Erderwärmung haben.
Nun war meine Tochter, wie viele ihres Alters, durchaus wählerisch und bis dato nicht gerade berühmt für ihre Vorliebe für Obst, Gemüse und Ballaststoffe. Ich sorgte mich: Würde sie alle Vitamine und Nährstoffe bekommen, die sie für ihre Hirn- und Körperentwicklung braucht? Was, wenn sie sich jetzt nur noch von Nudeln und gelatinefreien Gummibärchen ernährte? Wie sollte ich vermeiden, dass wir uns am Esstisch wegen jedes Möhrchens und Salatblatts stritten?
Außerdem gehöre ich einer Generation an, deren Eltern nach harten Entbehrungen in den Kriegs- und Nachkriegsjahren endlich im Überfluss schwelgen durften. Die fleisch- und konservenlastige Küche meiner Mutter hat mich geprägt. Meine Kochkünste beschränkten sich auf etwa 1 bis 2 Dutzend ganz passabel schmeckende Gerichte. Zu meinem Leidwesen ist auch mein Mann kein passionierter Kochlöffelschwinger – freuen Sie sich, wenn das in Ihrer Familie anders ist! (Übrigens: Keine Sorge, auch ich bin in Sachen Rollenklischee empfindlich … Liebe Leser/Männer/Väter: Bitte fühlen Sie sich immer gleichermaßen angesprochen und verzeihen Sie mir, wenn aus Gründen der besseren Lesbarkeit gelegentlich nicht geschlechtsneutral formuliert wird!) Ich war dennoch prinzipiell der Ansicht, dass sich unsere vierköpfige Familie so weit ganz gut und ausgewogen ernährte. Bei genauerer Betrachtung musste ich jedoch erkennen, dass da durchaus noch Luft nach oben war.
Getreu meinem Hang zum Perfektionismus stürzte ich mich mit Feuereifer in das Projekt »Mein Kind ist Vegetarier« und machte mich auf die Suche nach einem alltagstauglichen Ratgeber für Menschen in meiner Situation: für Fleischesser, die wenig Ahnung von vegetarischer Kost haben, aber plötzlich mit der Aufgabe konfrontiert werden, einen frisch geschlüpften Vegetarier anzuleiten und mit gesundem Essen zu füttern. Dumm nur: So einen Ratgeber gab es nicht.
Ich musste feststellen, dass es gar nicht so einfach war, sich schnell und unkompliziert einen Überblick zu verschaffen – und dabei auch noch Spaß zu haben! Im Gegenteil, es hat Monate der Recherche und des Ausprobierens gebraucht, bis ich das Gefühl hatte, einigermaßen sicherstellen zu können, dass mein Kind sich vegetarisch und gesund ernährt. Dass auch andere Eltern sich mehr Unterstützung und Informationen wünschen, erfuhr ich in vielen Gesprächen mit Müttern in ähnlichen Situationen, von denen ich auch in diesem Buch berichte.
Zwar stapelten sich auch bei mir mehr und mehr Kochbücher, viele davon zweifelsfrei empfehlenswert. Von den angepriesenen Gerichten kamen aber immer nur wenige infrage. Irgendwo war immer ein Haken, da eines meiner Familienmitglieder eine der Hauptzutaten nicht mochte (Stichwort Brokkoli, Zucchini und Pilze …). Oder es ging vor allem darum, die vermeintlichen Lieblingsgerichte Jugendlicher (sprich Burger/Schnitzel/Döner) als vegetarische Variante nachzuahmen – das war aber auch nicht das, wonach ich suchte.
Vielmehr wollte ich gerne erfahren, was grundsätzlich bei der Auswahl und Kombination geeigneter Lebensmittel zu beachten ist. Mein neu erworbenes Wissen wollte ich dann dazu nutzen, mir aus den zahlreichen verfügbaren Quellen passende Kochrezepte zusammenzusuchen. Ziel war es, mit überschaubarem Aufwand dauerhaft unseren alltäglichen Speiseplan mit gesunden und für alle wohlschmeckenden vegetarischen Gerichten zu bereichern.
Jetzt kommt die gute Nachricht: Sie können sich den Aufwand sparen, den ich betrieben habe. Ich habe meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse für Sie zusammengefasst und damit halten Sie hier genau das in den Händen, was ich damals gerne gehabt hätte!
Warum habe ausgerechnet ich dieses Buch geschrieben? In erster Linie bin ich eine »betroffene« Mutter. Aus Neugier und Solidarität, aber auch aufgrund diverser eigener Gesundheitsprobleme bin ich zusammen mit meiner Tochter den spannenden Weg des Fleischverzichts gegangen, esse jedoch bislang noch Fisch. Darüber hinaus bin ich aber auch Gesundheitswissenschaftlerin und Ärztin. Die Entscheidung meiner Tochter, Vegetarierin zu sein, habe ich zum Anlass genommen, beim Kneippärztebund einen Zusatzqualifikationskurs in Ernährungsmedizin zu absolvieren. Unstrittig ist: Das Potenzial einer guten Ernährung für ein gesteigertes Wohlbefinden und ein gesünderes Leben – auch durch die Vermeidung vieler Zivilisationskrankheiten – wird in unserer Gesellschaft noch viel zu wenig ausgeschöpft.
Dieses Buch ist als hilfreiche und pragmatische Anleitung für Eltern vegetarisch lebender Jugendlicher gedacht und ist kein Handbuch für Studierende der Ernährungswissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf der ovo-lakto-vegetarischen Ernährung von Teenagern. Viele der beschriebenen Prinzipien gelten aber natürlich auch für etwas jüngere Kinder und für Erwachsene. Selbstverständlich richtet sich das Buch nicht nur an Eltern(teile), sondern an alle interessierten Personen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen oder müssen. Und selbst langjährige Vegetarier, die sicher manches besser wissen als ich, werden vielleicht noch die eine oder andere Anregung finden.
»Keep it simple« war mir ein Anliegen. Ziel ist es, Ihnen eine fundierte Wissensbasis zur vegetarischen Ernährung im Jugendalter zu vermitteln und damit Ihre Sorgen zu verringern, dass Ihr Teenager sich nicht gut genug ernährt. Ich möchte Ihnen dabei helfen, Ihren Speiseplan so zu gestalten, dass er den individuellen Bedürfnissen Ihrer Familie so weit wie möglich gerecht wird. Sie werden hier Tipps für den Umgang mit allerlei anderen Herausforderungen finden, welche die Ernährungsumstellung Ihres Nachwuchses möglicherweise für Sie und Ihr unmittelbares Umfeld mit sich bringt. Darüber hinaus erhalten Sie beispielhafte Rezept- bzw. Mahlzeitenideen, die sich nach Lust und Laune abwandeln lassen.
Auch aus rechtlichen Gründen möchte ich Sie darauf hinweisen, dass dieses Buch kein Ersatz für einen ärztlichen Rat, eine medizinische Behandlung oder eine Ernährungsberatung darstellt. Ich habe sämtliche Aussagen und Angaben sorgfältig recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Basis der meisten Angaben sind die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Da sich wissenschaftliche Erkenntnisse ändern können, kann dafür keine Gewähr übernommen werden.
Die am Ende des Buchs nach Kapiteln aufgeführten ▶ Literaturquellen und Links sollen es Ihnen ermöglichen, bei Interesse weiterführende Informationen zu finden. Ich habe mich dabei bemüht, vor allem deutschsprachige, leicht verständliche und soweit möglich frei zugängliche Quellen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit! – anzugeben. Bis auf wenige Ausnahmen habe ich bewusst auf Referenzen fachwissenschaftlicher Artikel verzichtet. Die wissenschaftlich Orientierten unter Ihnen mögen mir diesen anwendungsorientierten Ansatz verzeihen! Wer sich noch vertiefter mit dem Thema befassen möchte, sei auf die weiterführende Literatur und die dortigen Referenzen verwiesen.
Insbesondere wenn Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten bestehen, weise ich ausdrücklich darauf hin, dass diese Personen bzw. ihre Sorgeberechtigten die alleinige Verantwortung für die korrekte Auswahl der für sie geeigneten Lebensmittel tragen. Gleiches gilt für mögliche Interaktionen mit einer medikamentösen Behandlung. Besondere Bedürfnisse, wie sie zum Beispiel Leistungssportler oder Jugendliche mit Unter-, Übergewicht oder Essstörungen haben, werden nicht berücksichtigt. Dieses Buch soll und kann keine individuelle Ernährungsberatung ersetzen, ebenso wenig die Beratung durch Ihre(n) Kinder-/Jugend- bzw. hausärztlich tätige(n) Arzt bzw. Ärztin.
Titelei
Warum es dieses Buch gibt
Auf ins Projekt »Mein Kind ist Vegetarier«
Was dieses Buch leisten möchte – und was nicht
Vegetarismus – was steckt dahinter?
Besser informiert: Das sollten Sie wissen
Kleine Geschichte des Vegetarismus
Über lange Zeit Randerscheinung
Veggie-Promis
Wer is(s)t was?
Was darf’s sein?
Und dann wären da noch …
Hier lauern die Fallstricke
Was uns die Zahlen sagen
Wie reagiert die Politik auf die Entwicklungen?
Nach oben ist noch Luft
Was gibt es denn da groß zu wissen?
Was bringt es denn, sich vegetarisch zu ernähren?
So viel ist sicher
Vegetarisch? Warum nicht gleich vegan?
Für Jugendliche eher nicht empfohlen
Gute Planung gefragt
Gesamtgesellschaftlich gedacht
Essstörungen – der schmale Grat
Essstörungen so früh wie möglich erkennen
Welche Essstörungen gibt es?
Mein Kind ist jetzt Veggie – was nun?
Sehen Sie es als Chance für die ganze Familie!
Herzlichen Glückwunsch zum vegetarischen Kind!
Machen Sie die Umstellung zum gemeinsamen Projekt!
Praktische Tipps für den Alltag
Lassen Sie es langsam angehen!
Das sollten Sie noch wissen
Diese Nährstoffe sollten Sie kennen
Werte als grobe Richtschnur
Ist eine Dokumentation notwendig?
Proteine
Bedarf und Bedarfsdeckung
Worin sind Proteine enthalten?
Praktische Tipps für den Alltag
Fette und Öle
Bedarf und Bedarfsdeckung
»Gesunde« und »ungesunde« Fette
Praktische Tipps für den Alltag
Kohlenhydrate
Bedarf und Bedarfsdeckung
»Gute« und »schlechte« Kohlenhydrate
Praktische Tipps für den Alltag
Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente
Steckbriefe der kritischsten Stoffe
Vitamin B12
Vitamin D
Eisen
Jod
Kalzium
Selen
Zink
Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?
Bunte Vielfalt: die Lebensmittelgruppen
Gemüse und Obst
Wie viel ist eine Portion?
Die Top-Sorten
Was Gemüse und Obst so wertvoll macht
Praktische Tipps für den Alltag
Getreide und Kartoffeln
Praktische Tipps für den Alltag
Hülsenfrüchte, Sojaprodukte und weitere Proteinquellen
Praktische Tipps für den Alltag
Nüsse und Samen
Praktische Tipps für den Alltag
Milch, Milchprodukte, Milchalternativen
Gutes aus der Milch
Und die Milchalternativen?
Praktische Tipps für den Alltag
Eier
Praktische Tipps für den Alltag
Snacks und Süßigkeiten
Praktische Tipps für den Alltag
Getränke
Statt Wasser
Bei Fruchtsaft genau hinschauen
Diese Getränke sind verzichtbar
Praktische Tipps für den Alltag
Die Zusammenstellung der Ernährung
Pyramiden, Kreise, Teller
Meine eigene Checkliste
Was gibt es sonst noch zu wissen?
Vegetarische Ernährung und Zahngesundheit
Heute sind wir schlauer
Essen mit Zahnspange
Praktische Tipps für den Alltag
Das Suppenkasper-Problem
Praktische Tipps für den Alltag
Noch ein paar pragmatische Alltagstipps und -tricks
Tipps für den Alltag
»Patchmeal«-Familien
Praktische Tipps für den Alltag
Der Sonntagsbraten bei den Großeltern
Praktische Tipps für den Alltag
Entspannt auswärts und im Urlaub essen
Praktische Tipps für den Alltag
Lassen Sie sich helfen und suchen Sie Rat
Und wo ist jetzt der Haken?
Die Kosten
Die Verfügbarkeit
Helferlein in Küche und Haushalt
Lassen Sie sich beraten
Diese Helferlein sind sinnvoll
Zu den Rezepten
Seien Sie flexibel und neugierig!
Ein paar Worte zu Mengen, Aufwand und Zutaten
Rezepte
»Fleischersatz«-Rezepte mit Soja
Gemüsevariationen und Hülsenfrüchte
Suppen
Salate und Dressings
Dips und Saucen
Süßspeisen und Desserts
Smoothies
Danksagung
Weiterführende Literatur und Links
Kleine Geschichte des Vegetarismus
Wer is(s)t was?
Was uns die Zahlen sagen
Was bringt es denn, sich vegetarisch zu ernähren?
Vegetarisch? Warum nicht gleich vegan?
Essstörungen – der schmale Grat
Hauptnährstoffe – themenübergreifend:
Proteine
Fette und Öle
Gemüse und Obst
Eier
Getränke
Zusammenstellung
Vitamine und Nährstoffe
Nahrungsergänzungsmittel
Vegetarische Ernährung und Zahngesundheit
Das Suppenkasper-Problem
Und noch ein paar pragmatische Tipps und Tricks für den Alltag
Nützliche Adressen
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
Ein kleiner Überblick über Hintergründe, vegetarische Ernährungsstile, Zahlen und Fakten – aber auch über mögliche Bedenken.
