Ich, Gott und die Welt - Peter Lauhöfer - E-Book

Ich, Gott und die Welt E-Book

Peter Lauhöfer

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Beschreibung

Achtung, Inhalt fordert und fördert selbstständiges Denken: Gefahr der Bewusstwerdung und Bewusstseinserweiterung! Hier werden Fragen zum Grundsätzlichen der Menschwerdung und des Menschseins aufgeworfen und beantwortet, ohne dass das eigene kritische Denken aufgegeben werden muss. Im Gegenteil! Mitdenken und Nachdenken sowie Erfahrungen aus der eigenen Lebenspraxis sollen und müssen in die kritische Auseinandersetzung mit eingebracht werden. Peter Lauhöfer setzt sich mit Jedermannsthemen auseinander, mal sachlich-faktisch, mal persönlich-emotional, mal verletzt-betroffen, mal holistisch-spirituell, meist ungewöhnlich, nie angepasst und immer Psycho-Logisch. Er lässt an seinem Erfahrungswissen teilhaben, gewonnen aus den Fragen täglich angewandter Empirie: Ist das wirklich so? Machen andere Menschen die gleiche Erfahrung? Findet sich eine Allgemeingültigkeit, jenseits von Meinung und Weltanschauung? Ergibt sich eine zwingende Logik, eine Psycho-Logik? Hören Sie auf, sich verändern zu wollen! Fangen Sie an, sich zu entwickeln! Bewusstwerden ist ein wichtiger Schritt in diesem Prozess, Bewusstheit der daraus resultierende Zustand, Reife ist das Ziel! Denn: Erst wenn ich weiß, was ich tue, kann ich tun, was ich will. Erst wenn ich weiß, wo ich stehe, kann ich gehen, wohin ich will. Erst wenn ich weiß, wer ich bin, kann ich sein, wer ich will!

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Seitenzahl: 215

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

PROLOG

I. ICH

Viel Struktur, wenig Kreativität

Sinnvolle Struktur, viel Kreativität

Kreative Struktur, strukturierte Kreativität

Wer seinem Scheitern zustimmt, bleibt in seiner Potenz

Die Verwandlung

Ein- und Ansichten eines Suchenden

INTERLOG

II. GOTT UND DIE WELT

Mittagessen mit Gott

Die Neurose - Ein holistisches Erklärungsmodell

Prolog

Eine holistische Deutung

Die psychologische Sichtweise

Die spirituelle Sichtweise

Die holistische Sichtweise

Ein holistisches Entwicklungskonzept

Epilog

Heilung durch Bewusstheit

Definition

Bewusstwerden ist ein Prozess, Bewusstheit der daraus resultierende Zustand

Der spirituelle Körper

Das Gesetz der Analogie

Der richtige Weg

Ich rekapituliere

Der alte Indianer und sein Pferd

Psycho-Hygiene

Gesundheit ist unser natürlicher Zustand

Du hast die Wahl

Die Lehre von den Chakren

Menschen sind Energiewesen

Aufgaben und Funktionen der Chakren

Entwicklung und Entfaltung

Die Praxis

Üben, üben, üben

Die Psyche - Ein Organ?

Die Psyche ist ein Organ!

Die Sprache(n) der Seele!

Reifung ist das Geheimnis!

Seien Sie ein Forscher!

Alles ist geistig, alles ist spirituell!

Realität und Wirklichkeit

Das Viele und die Fülle, die Wahrheit und die Mitte

Der Willen und das Wollen

Was ist Freiheit?

Eine Auseinandersetzung mit Grenzen

Grenzen

Sicherheit, Geborgensein und Zugehörigkeit

Das Streben nach mehr Freiheit

Vertrauen

Angst

Freiheit fordert, dass ich mich ihrer würdig erweise!

Verantwortung

Freiheit ohne Ende?

Der Mensch hat Angst vorm Fliegen!

Der Rand der Tiefe

Der Adler auf dem Hühnerhof

Der Sinn des Lebens

Komplexes Werkzeug

Lebe die Frage

Wer A sagt, muss auch B sagen

Fatalismus und Omnipotenz

Richtig oder Falsch?

Der Lehrer und sein Schüler

Es gibt drei Wahrheiten von der Welt

Wirklichkeit ist das, was wirkt

Die zwei Arten der Liebe

Die gesunde Liebe verpflichtet dich — dir selbst

Heilsame Scham

Wer ist hier Meister, wer Schüler?

Gedanken und Gefühle eines Vaters

Verletzungen

Die Reise zum weisen Mann

Der Weg

Initiation und Reife

Abschied und Inspiration

Auf eigenen Füßen

Die Unschuld

Väterliche Präsenz

Gutachterliche Tätigkeit

Vorpubertäres Mädchen

Jugendlicher Junge

Männliche Kleinkinder

Dr. Alfred Tomatis, HNO-Arzt

George Lakoff, Linguist

Abschließende Bemerkung

So gelingt Beziehung zwischen Mann und Frau

Welchen Weg gehe ich und wer geht ihn mit mir?

Halb zog er sie, halb sank sie hin!

Die Frau folgt dem Manne und der Mann dient dem Weiblichen!

Das gemeinsame Ziel!

Bedingungen!

Sexualität!

Und was ist mit ...?

Liebe ist kein Gefühl

Spirituelle Liebe

Wichtige Fragen

Erweiterung des Weltbildes

Erfahrungen

Spirituelle Liebe

Anspruchsvolle Aufgaben

Aufgabe erledigt — und jetzt?

Das Ende

EPILOG

Widmung

Würdigung

PROLOG

Wahr ist für uns letztlich nur, was wir mit unserem Wesen erleben und erfahren.

Weltsicht ist stets vom eigenen Ich geprägt und dieses von der eigenen Sozialisation. Obwohl unser familiäres Umfeld uns in der entscheidenden Zeit prägt, entwickeln wir doch im Laufe unseres Erwachsenenlebens eine ganz eigene Sicht der Welt - oft sehr zum Verdruss der restlichen Familie. So viele Menschen es gibt, so viele Weltsichten und Weltbilder gibt es. Auch wenn sich viele sehr ähnlich sind, so sind doch alle ein kleines bisschen anders als die anderen. Wer wüsste da nicht ein teils leidvolles Lied von zu singen.

Genau das Gleiche gilt für das Gottesbild. So sehr sämtliche Amtskirchen als Vertreter der einzelnen Religionen sich auch um eine einheitliche und gemeingültige Interpretation des Gottesbildes bemühen (also um ein Dogma!), so sehr müssen sie doch auch Abspaltungen und Differenzierungen einzelner Gruppen (also Sekten!) in den eigenen Reihen dulden.

Als ein Sozialwesen ist der Mensch existenziell darauf angewiesen, sich mit seiner (in erster Linie menschlichen) Umwelt nicht nur in Beziehung, sondern auch in Bezug zu setzen, zum Beispiel, um sich selbst zu erfahren, sich selbst als Mensch zu definieren oder auch seinen Platz in der Gemeinschaft zu haben. Es ist nichts Unbekanntes und schon gar nichts Neues, wenn ich schreibe, dass er das nur über sein Ich, sein Ego, tun kann. Das Ego ist die Bezugsgröße, um mit dem Du und im Weiteren mit „Gott“ und „der Welt“ nicht nur in Kontakt zu gehen, sondern sich auch spiegelnd und selbst reflektierend immer wieder neu und anders in Bezug zu setzen. Das nennt sich dann Entwicklung und Reifung.

Aufgrund der eigenen Erfahrungen ergeben sich dadurch ganz selbstverständlich sehr unterschiedliche Sichtweisen von den Dingen, also von Gott und der Welt. So entsteht die felsenfeste Überzeugung jedes Einzelnen: So ist Gott (wie auch immer der Einzelne an die universelle Schöpferkraft glaubt!) und so ist die Welt!

Da kann es schon mal zu Irrungen und Wirrungen kommen, zumal, wenn die einzelnen Erfahrungen auf Grund mangelnder Kenntnisse und Erkenntnisse der eigenen Lebensgestaltung mehr im Wege stehen, als ihr förderlich zu sein.

Das Weltbild und die Weltsicht der Anderen anzunehmen, kann nicht sinnvoll sein, da erstens nicht alles an der eigenen Sicht falsch ist und zweitens, die Anderen ja auch teils schwerwiegende Probleme haben, also ebenfalls eine nicht förderliche Sicht von den Dingen pflegen.

Das wirft Fragen nach Grundsätzlichkeiten der Menschwerdung und des Menschseins auf. Diese Fragen habe ich, zumindest in einigen Bereichen, die vielen Menschen sehr wichtig sind, versucht zu beantworten.

In den Jahren 2001/2002 kam ich zum ersten Mal auf die Idee, über meine bis dahin gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen ein Buch zu schreiben. Der Titel war schnell gefunden, aber mit den Inhalten tat ich mich dann doch schwer. So provokant der Titel war, so sehr wollte ich ihm doch auch gerecht werden. Ein hochgestecktes Ziel. Schon damals, vor gut zwei Jahrsiebten, wollte ich über die seelische Menschwerdung schreiben. Oder doch zumindest über die psychologische Menschwerdung vor dem Hintergrund, dass Mensch eine Seele hat. Da ich zugegebenermaßen das große Ganze noch nicht erfasst hatte (und ehrlicherweise auch bis heute noch nicht erfasst habe!), habe ich mich auf einzelne Aspekte der Menschwerdung und des Menschseins konzentriert und mich damit auseinandergesetzt. Dabei habe ich stets versucht, nicht bei der Psychologie und ihren Erklärungen, die es ja zuhauf gibt, stehen zu bleiben, sondern auch die dahinter oder darunter oder ganz allgemein die tiefer liegenden Ebenen, also die spirituellen Seiten des Menschlichen zu ergründen, wie zum Beispiel, dass menschliche Entwicklung in Jahrsiebtschritten erfolgt (siehe dazu auch den Aufsatz über die Psycho-Hygiene).

Dabei stellte ich an mich selbst den Anspruch, dass meine Erkenntnisse nicht nur im psychischen Sinne logisch, also Psycho-Logisch, sondern vor allem auch für jedermann verständlich und nachvollziehbar formuliert sein sollten.

In den vielen Jahren hatte ich allerdings nicht das Gefühl, genug zu sagen zu haben, um darüber ein Buch von einigermaßen Interesse zu schreiben, bis ich in 2015 feststellte, dass inzwischen doch viel „Material“ zusammengekommen war und ich „der Welt“ wohl doch eine ganz Menge mitzuteilen habe, was es wert ist, zusammengefasst und veröffentlicht zu werden.

Daran lasse ich Sie nun teilhaben.

Peter Lauhöfer

Heilpraktiker für Psychotherapie

Detmold, im Herbst/Winter 2017

I. ICH

Es soll keine Biografie sein, was ich hier veröffentliche. Wenn ich von mir schreibe, dann nur, um ein möglichst anschauliches Bild zur Verfügung zu stellen und damit deutlich werden zu lassen, wie und warum ich zu meinen Erkenntnissen und Erfahrungen gekommen bin.

Drei Dinge haben mein Leben früh geprägt und begleiten mich bis heute.

Die Trennungmeiner Eltern, als ich 4 - 5 Jahre alt war

Die Trennung meiner Eltern hatte zum einen den Verlust meines Vaters zur Folge, denn bedauerlicherweise war er nach der Trennung nicht in der Lage, den Kontakt zu mir und meinen beiden jüngeren Brüdern aufrechtzuerhalten. Dieser regelrechte Kontaktabbruch hatte eine Untervaterung zur Folge, ein Begriff, der bedauerlicherweise nach wie vor keinen allgemeinen Eingang in den psychologischen und erst recht nicht in den Alltagssprachgebrauch gefunden hat. Dabei macht er dieses elementare menschliche Bedürfnis nach dem männlichen Elternteil auf eine so absolut simple Art und Weise deutlich. Die Untervaterung hatte zwangsläufig eine Übermutterung zur Folge.

Übermutterung, auch so ein Begriff, der bedauerlicherweise nach wie vor keinen allgemeinen Eingang in den psychologischen und erst recht nicht in den Alltagssprachgebrauch gefunden hat, so als wäre ein Zuviel der mütterlichen Energie nicht mindestens genauso wenig förderlich für die menschliche Entwicklung wie ein Zuwenig an väterlicher Energie (und umgekehrt!). Beide Energien ergänzen sich nicht nur, sondern gleichen sich auch in ihren Wirkungen aus. Ausgleichen aber nicht in dem Sinne, dass sie sich egalisieren oder neutralisieren, sondern in dem Sinne, dass sie dem jeweils Anderen die Schärfe ihrer Einseitigkeit nehmen!

Bis heute setze ich mich intensiv mit allen Themen rund um das Vater sein und das Mann sein auseinander!

Ich wollte schon als kleiner Junge Lehrer werden

Natürlich wollte ich so ein Lehrer werden, wie wir sie alle kennen, Schullehrer. Dass es auch noch andere Formen des Lehrerseins gibt, habe ich erst sehr viel später erfahren. Und am Ende musste mich dann erst eine Reitkursteilnehmerin darauf aufmerksam machen, dass ich doch schon lange Lehrer bin, Reit-Lehrer nämlich. Ab diesem Zeitpunkt habe ich alle meine verschiedenen Tätigkeiten unter dem Aspekt des Lehrerseins gesehen.

So hat sich mein kindlicher Berufswunsch schließlich ohne mein gezieltes Zutun und auch ganz anders erfüllt, als ich es mir gedacht oder erträumt hatte. Wie es dazu gekommen ist, beschreibe ich später.

Bis heute bin ich mit Leib und Seele Lehrer!

Ich war fest davon überzeugt, dass Gott keine strafende und richtende, sondern im Gegenteil eine sehr verständnisvolle Instanz ist

Mein kindliches Gottesbild war zwar auch personalisiert, so wie bei 99 % aller anderen Menschen, das heißt, ich hatte auch das Bild des bärtigen alten Mannes in mir. Aber so was wie die Hölle gab´s noch nie für mich! Und wenn ich denn eines jüngsten Tages vor „ihm“ stünde, würde er mich selbstverständlich für keinen meiner „Fehler“ verurteilen. Ich hatte stets das Gefühl, dass ich eine sehr gute, innige, vertraute, herzliche, liebevolle und von gegenseitigem Respekt geprägte und getragene Verbindung zu ihm hatte. Da war ein Gefühl von tiefem, innerem, gegenseitigem Vertrauen zueinander und miteinander. Das so zu benennen ist mir natürlich erst heute als Erwachsener möglich. Unsere Beziehung hatte eine solche Selbstverständlichkeit und Unhinterfragbarkeit, dass ich heute umso mehr erstaunt bin, je mehr ich mit meinem Verstand darüber reflektiere. Die kindliche Unbefangenheit ist mir mehr und mehr durch meine Bewusstheitsschulung verloren gegangen und hat einer rational-spirituellen Sicht Platz gemacht.

Den institutionalisierten Glauben der Amtskirchen lehne ich sowieso für mich ab, auch wenn ich anerkenne, dass er für viele Menschen nach wie vor sehr wichtig ist.

Bis heute setze ich mich sowohl unter psychologischen als auch unter spirituellen Aspekten mit Gott und der Welt auseinander! Einer der Gründe, warum dieses Buch entstanden ist.

Viel Struktur, wenig Kreativität

Nach Abschluss meiner mittleren Reife hatte ich keine Lust mehr auf die Schulbank, obwohl die Qualifikation für das Gymnasium gegeben war. Ich wollte arbeiten, Geld verdienen, mich nützlich machen. Am liebsten als Krankenpfleger oder als Sozialarbeiter (meine Mutter war Krankenschwester; der Beruf meines Vaters, Koch, reizte mich hingegen überhaupt nicht).

Für den Sozialarbeiter hätte ich studieren müssen, also fiel das flach, da ich kein Abitur hatte. Sozialarbeiter wollten damals, Mitte der Siebziger (ich selbst bin Jahrgang sechzig), irgendwie „alle“ werden. Sozialberufe standen hoch im Kurs.

Den Krankenpfleger hat mir der „Berater“ vom Arbeitsamt mehr oder weniger ausgeredet. Er meinte, die Ausbildung wäre nicht das Problem, aber danach eine Anstellung zu bekommen sei ungleich schwieriger. Wie gesagt, soziale und helfende Berufe standen hoch im Kurs.

Freunde aus dem Sportverein waren zum Bundesgrenzschutz und zur Polizei gegangen. Die suchten gerade viele Leute (es war die Terroristenhochzeit in Deutschland). So bin ich Polizist geworden.

Auf Dauer haben mich die spezifischen Anforderungen des Dienstes allerdings so sehr belastet, dass ich immer wieder erkrankte. Nach 13 Jahren musste ich wegen Dienstunfähigkeit aufgrund psychosomatischer Erkrankungen, kurz vor meinem 31. Geburtstag, den Dienst quittieren. Mein Vorteil: Ich war schon Beamter auf Lebenszeit und hatte bereits einen Pensionsanspruch. Mein Nachteil: Aufgrund der wenigen Jahre war dieser nur sehr gering. Viel zu wenig für ein gutes Leben, aber immer noch zu viel fürs Sozialamt.

Die Polizei ist, wie alle staatlichen Institutionen, ein sehr rigides System mit viel Struktur. Sie soll Vorhandenes bewahren und beschützen. Kreativität im Sinne von „Wir probieren mal etwas Neues“ ist hier fehl am Platz.

In dieser rigiden Struktur habe ich viele Jahre eine Ausdrucksform der männlich-väterlichen Energie gefunden, die ich in Kindheit und Jugend so sehr vermisst habe. Da es sich aber um eine sehr spezifische und meines Erachtens pervertierte Form des Männlichen handelt, die ihren Schwerpunkt in der Begrenzung und Bestrafung findet und keinen Platz für das liebevoll behütende und beschützende als dem positiv konnotierten Antagonisten lässt, ist mir nach vielen Jahren der Auseinandersetzung deutlich geworden, warum ich immer wieder psychisch erkrankte. Ganz unbewusst habe ich hier etwas gesucht, was ich eigentlich nur bei meinem Vater hätte finden respektive bekommen können.

Sinnvolle Struktur, viel Kreativität

Nachdem ich eine Zeit lang mehr oder weniger unbefriedigende Jobs angenommen hatte, machte ich mein bisheriges Hobby, das Reiten, zum Hauptberuf. Es war mir eine helle Freude, Menschen zu unterrichten und sie dabei zu unterstützen, besser, sicherer und tiergerechter mit ihrem Pferd umzugehen und ihnen ein leichteres, entspannteres und zufriedeneres Reiten zu vermitteln.

Ich hatte viele schlechte Reitlehrer kennengelernt, vor allem in der sportlich orientierten Reiterei und einige wenige Gute, vor allem in der sogenannten Freizeitreiterei.

Nach den guten Lehrern in der Freizeitreiterei richtete ich mich in meinem Unterricht aus.

Insgesamt bot ich 13 Jahre Reitunterricht vor Ort sowie Reitkurse im gesamten deutschsprachigen Raum an.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich aus meinem Reitunterricht nach und nach ein Persönlichkeitstraining zu Pferde!

Die Diskrepanz zwischen dem, was ich offiziell anbot, nämlich „Reitunterricht, der Erfolg verspricht!“ und dem, was ich inoffiziell und im Grunde ohne definitiven Auftrag tatsächlich vermittelte, nämlich psychologisch basiertes Persönlichkeitstraining, wurde für mich immer deutlicher und zunehmend untragbar. Auch wenn meine inzwischen nur noch wenigen Schüler mit meinem Unterricht einverstanden waren, hatte das doch etwas Unehrliches und Unkorrektes, etwas Schräges, was ich nicht mehr ruhigen Gewissens anbieten konnte und wollte. Zurück zu meinem vormaligen, eher konventionellen Reitunterricht wollte ich allerdings auch nicht.

Auf- und Umbruch standen an.

In mir entstand die Idee, psychologische Beratung, Begleitung und Persönlichkeitsentwicklung in einer Beratungspraxis anzubieten.

Kreative Struktur, strukturierte Kreativität

Eine Zeit lang habe ich noch versucht, Reitschule und Beratungspraxis unter einen Hut zu bringen, zumal das eine auslief und das andere langsam aber stetig anlief. Aber irgendwie hatte sich, ganz entgegen meinen Überzeugungen noch wenige Jahre zuvor, das Reiten und der Reitunterricht erledigt. Es fehlte mir die Begeisterung und die helle Freude, die ich anfangs so intensiv gespürt hatte. Im September 2001 gab ich in Südtirol meinen letzten Reitkurs und beschloss, ab dem folgenden Jahr meine Reitschule komplett aufzugeben.

Nun begann eine weitere beruflich aufregende und vielfältige Zeit in meinem Leben! Viel intensiver und umfassender als zuvor.

Ich hatte mich bereits 1999 an verschiedenen Amtsgerichten in der Umgebung als Gutachter und Verfahrenspfleger in Familienrechtssachen beworben und wurde mit mehreren Fällen betraut.

Klinische Hypnose fand ich total spannend und machte in 2000 eine entsprechende Grundausbildung.

Familienaufstellungen nach Bert Hellinger reizten mich so sehr, dass ich mir die Technik autodidaktisch vermittelte und in 2001 erste Abendseminare dazu anbot. Außerdem initiierte ich den Arbeitskreis „Familienstellen in Ostwestfalen-Lippe“. Wir trafen uns regelmäßig über mehrere Jahre mit bis zu zwanzig Profis aus ganz Ostwestfalen und Lippe.

Da ich beides, also sowohl die Hypnose als auch das Familienstellen nur dann therapeutisch einsetzen durfte, wenn ich eine entsprechende Heilerlaubnis hatte, bereitete ich mich auf die Heilpraktikerprüfung vor und absolvierte im Juni 2002 die Prüfung vor dem zuständigen Gesundheitsamt. Nun hatte ich die Erlaubnis zur „Ausübung der Heilkunde im Gebiet der Psychotherapie“ und durfte mich „Heilpraktiker (Psychotherapie)“ nennen.

Das Neue erwuchs aus dem bereits Vorhandenen:

Zu „therapieren“, also Menschen bei der Bewältigung ihrer Lebenskrisen zu begleiten, hatte ich zum einen viele Jahre am eigenen Leibe erfahren und zum anderen in den letzten Jahren meiner Reitlehrertätigkeit intensiv eingeübt. Seminare zu konzeptionieren und durchzuführen, auch und gerade über mehrere Tage, hatte ich ebenfalls in weit über zehn Jahren erfolgreich erarbeitet und umgesetzt. Mit Menschen umzugehen und zu arbeiten, egal ob allein oder in Gruppen, war ich gewohnt. Die Herausforderung bestand eher in der Differenzierung und Verfeinerung meiner Methoden. So verlegte ich mich im Laufe der Zeit auch mehr auf das Erklären von psychodynamischen Zusammenhängen, als auf das reine Therapieren. Die Psychologie hat in den letzten Jahrzehnten schließlich sehr viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Warum sollte ich die Menschen nicht daran teilhaben lassen? So konnten sie viele ihrer Probleme und Verhaltensweisen besser einordnen, nahmen sich nicht so „krank“ wahr und hatten außerdem nicht das Gefühl, in einer Therapiestunde zu sitzen, sondern mehr im freundschaftlichen Gespräch und Austausch mit einem anderen Menschen zu sein, der halt etwas mehr Wissen von zwischenmenschlichen Dynamiken hatte, als sie selbst. Dieses Wissen vermittelte ihnen eine Halt gebende Struktur, nach welcher sie sich in der Regel ebenfalls sehnten, und versetzte sie in die Lage, konstruktiver mit ihren schwierigen Lebenssituationen umzugehen.

Im weitesten Sinne ging es dabei immer um Beziehungsthematiken, egal ob zu den Eltern, zum (Ehe-/Lebens-) Partner oder zu den Kindern. Meine Erkenntnisse hierzu habe ich in meinen Aufsätzen über gelingende Beziehungen und die Neurose sowie der Geschichte über den Lehrer und seinen Schüler zusammengefasst.

Mitte 2009 besuchte ich eine Fortbildung des örtlichen Hospizvereins, in welchem ich schon seit Jahren aktives Mitglied in der Sterbebegleitung war, zum Thema rund um Trauer und Trauerbegleitung.

Hier erkannte ich, dass Trauer der wichtigste emotionale Prozess des Menschen ist, denn er versetzt in die Lage, nicht nur von geliebten Menschen, sondern auch von sonstigen nahen Beziehungen und geliebten Dingen loszulassen und sich neuen Begegnungen und Möglichkeiten zuwenden zu können (sei es vom Lieblingsschmusetier der Kindheit, von den besten Freunden nach einem Umzug, und später von der ersten großen Liebe, oder der verlorenen Arbeit, oder dem Haus, welches man nicht mehr halten konnte, oder, oder, oder). Weder in der Psychologie noch in der Psychotherapie hat der Prozess der Trauer bisher die angemessene Würdigung und erst recht keinen angemessenen Platz erhalten. Ein lebenswichtiger und lebenserhaltender Prozess wird schlichtweg nicht zur Kenntnis genommen. Obwohl jeder Mensch davon betroffen ist, wird die Trauer doch sehr stiefmütterlich behandelt.

Ich gelangte zu der Erkenntnis, dass viele psychische Erkrankungen, Probleme in der Alltagsgestaltung sowie vielerlei Beziehungsprobleme ihren Ursprung in nicht gelebten und nicht verarbeiteten Trauerprozessen finden. Hier sieht sich die wissenschaftliche Psychologie noch viel zu wenig gefordert und noch viel zu wenig in der Verantwortung. Ich denke, auch in der Psychologie sind die Berührungsängste mit diesem Thema nach wie vor viel zu groß. Man will die eigene Endlichkeit nicht wahr haben. Daher die Verdrängung.

Wer seinem Scheitern zustimmt, bleibt in seiner Potenz

Scheitern gehört zum Leben - und ist immer eine schmerzliche Angelegenheit. Schmerzlich und lehrreich zugleich!

Denn richtiges Scheitern, also nicht einfach nur ein Misslingen eines Vorhabens, setzt stets ein engagiertes Eintreten für eine (Herzens-) Sache voraus, ein intensives Bemühen trotz vieler Schwierigkeiten und Widerstände. Zu scheitern heißt ja nicht, nichts zu können, nichts zustande zu bringen, ganz im Gegenteil. Zu scheitern heißt, zu erkennen, wo die eigenen Grenzen liegen. Diese Erkenntnis bewirkt immer einen Bewusstseinswandel, auch wenn dieser nicht wahrgenommen wird. Vielleicht nicht stark genug für eine spürbare Entwicklung, aber jedes Scheitern vermittelt - jedes Mal ein bisschen mehr - ein klareres und deutlicheres Bewusstsein vom eigenen Können, von den eigenen (angeborenen) Fähigkeiten und (erlernten) Fertigkeiten, von der eigenen Kraft und Macht, von der eigenen tatsächlichen Potenz. Um also dem eigenen Scheitern zustimmen zu können und etwas daraus zu lernen, braucht es eine Erkenntnis, einen Bewusstseinswandel. So kommt der Scheiternde - mehr und mehr - in seine ureigenste Mitte!

So gesehen ist scheitern nicht nur die Voraussetzung für Erfolg, im Sinne von Gelingen, sondern so gesehen ist das Scheitern sogar ein Erfolg als solcher!

Aber mal ehrlich, wer will schon immer so erfolgreich sein ;-)?!

Ich war mehrmals so „erfolgreich“ in meinem Leben. Und jedes Mal tat es weh. Mein Ego war stets gekränkt, entweder, weil mir das Scheitern von außen „aufgedrängt“ wurde, quasi ohne mein Verschulden (was natürlich nicht stimmte, aber ich empfand das so) oder weil ich mir schmerzlich widerwillig eingestehen musste, dass ich mein anvisiertes Ziel nicht nur nicht erreicht hatte, sondern mein jeweiliges Vorhaben wegen weiterer Undurchführbarkeit komplett aufgeben musste.

Einige weinige dieser „Erfolge“ habe ich bereits geschildert. Und nicht nur im beruflichen, auch im persönlich-privaten Bereich bin ich oft gescheitert. Meine Ehe mit der Frau, die ich liebte und mit der ich Kinder haben wollte, eingegangen für´s Leben, hielt nur fünf Jahre, trotz intensivster Bemühungen. Der Traum vom bescheidenen Wohlstand mit „heiler“ Familie, eigenem Haus, Pferden, kleinem Geschäft und täglich gelebter Vaterschaft (um nur einige wenige zu nennen) scheiterte an Wirklichkeiten, deren Realität ich nicht wahrhaben wollte und deshalb ausgeblendet habe. Meinem Scheitern, auch in späteren Jahren, immer wieder zuzustimmen, auch, damit ich immer wieder neu anfangen konnte, egal ob in beruflichen oder privaten Vorhaben, war ein immer wieder notwendiger Schritt, um mich mir selbst und meinem ganz eigenen Lebensweg nahe zu bringen. Es war und ist nicht immer ganz leicht, zu mir und meinem Weg zu stehen. Dazu gehört auch der Mut, meine Erkenntnisse nicht nur in Worte zu fassen, sondern auch, sie in der vorliegenden Form zu veröffentlichen und mich somit der Kritik auszusetzen.

Und dann gibt es da noch das „Große Scheitern“. Nach meinen bisherigen Erfahrungen sind davon nicht alle Menschen in ihrem Leben betroffen und diejenigen, die davon betroffen sind, machen diese Erfahrung nur einmal, seltenst ein zweites Mal in ihrem Leben. Dieses Scheitern wird als so umfassend erlebt, dass hier ein Zustimmen im vorgenannten Sinne nicht ausreicht, da sich hiermit eine tief greifende persönliche Krise, eine Erschütterung der tiefsten persönlichen Grundfesten verbindet. Um ein solch „glorreiches“ Scheitern annehmen zu können, bedarf es nicht nur einer Zustimmung zu einer faktischen Wirklichkeit, hier bedarf es des Anerkennens einer absolut durchdringenden, umfassenden, persönlichen Machtlosigkeit, hier bedarf es einer Kapitulation. Und wie das mit Kapitulationen so ist, werden sie von außen vorgegeben, das heißt, es gibt kein Mitspracherecht bei den zu erfüllenden Bedingungen, unter welchen kapituliert werden darf. Das heißt, eine richtige Kapitulation, also nicht einfach nur ein „Ich gebe mich geschlagen“, ist immer bedingungslos seitens des Kapitulierenden. Und drittens ist eine Kapitulation immer von einem Gnadenakt abhängig, sie wird quasi großzügig gewährt. Man könnte vernichtet werden, bekommt aber stattdessen die Gelegenheit, sein Unterliegen, seine Machtlosigkeit, seine Ohnmacht, sein Scheitern auf der ganzen Linie, einzugestehen und sich den vorgegebenen Bedingungen zu unterwerfen. Dieses „Kapitulieren dürfen“ wird als Gnadenakt empfunden. Nicht jedem grandios Scheiternden wird ein solcher Gnadenakt zuteil, nicht jeder darf kapitulieren, manch einer muss bis zum teils bitteren Ende kämpfen. Ich weiß nicht, wessen es bedarf, für würdig befunden zu werden. Man kann nichts dafür tun und man kann das auch nicht machen, im Sinne von aktiv bewirken oder aktiv zulassen. Erst danach ist ein Neuanfang möglich.

Hier von Erfolg im vorgenannten Sinne zu sprechen, ist nicht mehr angemessen, denn man hat ja nichts Spezifisches zur Bewältigung dieser Art Krise beigetragen. Die Bewältigung wird als Geschenk empfunden, welches man annehmen durfte. Der Preis ist viel höher, als beim konventionellen Scheitern, aus welchem der Scheiternde gestärkt und oft auch mit einem gewissen Stolz hervorgeht. Kapitulieren hingegen macht demütig.

Während die Zustimmung zum Scheitern einen Bewusstseinswandel nach sich zieht, bewirkt die Kapitulation eine Katharsis, eine innere Läuterung und einen inneren Wandel. Die Zustimmung ist ein Prozess, der sich in der Regel über einen längeren Zeitraum hinzieht. Die Kapitulation ist ein komplexes Geschehen, verdichtet auf einen klar zu definierenden Moment. Ein Moment der Ruhe. Danach ist alles anders. Meines Erachtens handelt es sich um einen zutiefst seelischen Prozess, von welchem die gesamte Persönlichkeit erfasst und verändert wird.

Ein gescheiter Mann sagte einmal, „Lieber Gott, gib mir eine Krise, damit ich wachsen kann.“ Der folgende Text bringt das für mich sehr schön auf den Punkt.

Die Verwandlung

„Ach Herr,

du gehst hart mit mir um,

du tust mir weh, und ich weiß nicht, warum?“

Wen Gott heilt, den verletzt er zuvor.

Wen Gott aufrichten will, den stürzt er erst zu Boden.

Wen Gott erweckt, den lässt er vorher sterben.

Tief reißt er den Boden auf,

wenn er seine Saat in unser Leben wirft.

Er zersprengt die Fundamente, auf die wir unser Haus bauten, wenn er uns zu seinem Tempel macht.

Ehe wir lachen können, lässt er uns bitter weinen.

Männer verlieren ihre Kraft, bevor er sie gebrauchen kann.

Wenn es Morgen werden soll, müssen wir vorher durch die Nacht.

In unserem Dunkel lässt er sein Licht aufleuchten.

Gott arbeitet gründlich, fängt tief in uns an,

wenn er uns verwandelt!

„Ach Herr,

du gehst hart mit mir um,

du tust mir weh, und ich weiß nicht, warum?“

Mitte/Ende der Neunziger Jahre war eine wirklich schwierige und belastende Zeit für mich. Etliche Monate vor meinem nächsten katastrophalen Scheitern (Verlust meiner langjährigen nachehelichen Beziehung und kurze Zeit später auch meines Hauses), schrieb ich in einer Nacht folgende Zeilen, um meinen inneren Druck zu kompensieren und meiner Verzweiflung Ausdruck zu geben.

Ein- und Ansichten eines Suchenden

Ich komme nicht zur Ruhe

Es ist halb zwei, nachts, ...

und ich komm´ nicht zur Ruhe.

Ich gucke seit anderthalb Stunden Fernsehen, hab’ zwei Pinneken voll Rum getrunken, ...

und ich komm´ nicht zur Ruhe.

Ich bin aufgedreht und hellwach, das Programm nervt, besonders Domian, ...

und ich komm´ nicht zur Ruhe.

Ich will schlafen, gern auch mit dir, aber du sagst Nein, ...

und ich komm´ nicht zur Ruhe.

Ich plane den Dachboden, ich fliese den Ofensockel und den Schornstein im Kopf, ...

und ich komm´ nicht zur Ruhe.