Ich hasse dich - verlass mich nicht - Jerold J. Kreisman - E-Book

Ich hasse dich - verlass mich nicht E-Book

Jerold J. Kreisman

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Beschreibung

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeit leiden unter extremen Stimmungsschwankungen und der ständigen Angst, verlassen zu werden. Die überarbeitete und erweiterte Neuausgabe dieses Standardwerks enthält neueste Forschungsergebnisse und Therapieansätze sowie aktualisierte Zahlen. Betroffene, Angehörige, Ärzte und Therapeuten erhalten hilfreiche Unterstützung.

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Jerold J. Kreisman

Hal Straus

Ich hasse dich – verlass mich nicht

Die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit

Komplett aktualisierte und erweiterte Neuausgabe

Kösel

Aus dem Amerikanischen von Beate Gorman, Tewantin, Queensland/Australien

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel »I Hate You – Don’t Leave Me. Understanding the Borderline Personality« bei Perigee, a member of Penguin Group (USA) Inc., New York.

All rights reserved including the right of reproduction in whole or in part in any form. This edition published by arrangement with Perigee, a member of Penguin Group (USA) Inc.

24., komplett aktualisierte und erweiterte Neuausgabe, 109.–115. Tausend

Copyright © 2010 by Jerold J. Kreisman, MD, and Hal Straus

Copyright © 2012 Kösel-Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlag: Monika Neuser, München, nach einer Idee der Agentur Kaselow Design, München

ISBN 978-3-641-08313-7

Weitere Informationen zu diesem Buch und unserem gesamten lieferbaren Programm finden Sie unter www.koesel.de

Wie immer für Doody

Weder der Verlag noch die Autoren sind dazu verpflichtet, dem Leser gegenüber professionelle Beratung oder Dienstleistungen zu erbringen. Die Gedanken, Therapieverfahren und Hinweise dieses Buches können keine professionelle ärztliche Unterstützung ersetzen. Alle Ihre gesundheitlichen Fragen erfordern medizinische Begleitung. Die Autoren und der Verlag sind weder verantwortlich noch haften sie für irgendwelche Schäden, die angeblich auf die Informationen und Vorschläge dieses Buches zurückgehen könnten.

Danksagung

Bei der Fertigstellung dieser Neuausgabe waren sowohl enorme Unterstützung als auch große Nachsicht erforderlich. Erste Unterstützung kam von Bruce Seymour von Goodeye Photoshare (goodeye-photoshare.com), der viel Zeit und Mühe für die Lösung technischer Fragen bei der Produktion des Manuskripts aufwendete. Eugene Horwitz, ein weiterer geschätzter Freund, half bei frustrierenden Computerproblemen. Meine Sekretärinnen Jennifer Jacob und Cindy Fridley halfen, Artikel und Bücher zusammenzutragen, die in die Arbeit aufgenommen wurden. Lynne Klippel, die energiegeladene Bibliothekarin des DePaul Health Center in St. Louis, spürte wichtiges Referenzmaterial auf.

Meine Partner und Mitarbeiter bei Allied Behavioral Consultants in St. Louis, die mir die Zeit und Freiheit für die Durchführung dieser Arbeit gewährten, zeigten große Nachsicht. Meine Frau Judy und meine Kinder Jenny, Adam, Brett und Alicia sowie die kleinen Owen und Audrey und ein Mitspieler, der noch keinen Namen hat, waren bereit, auf ein paar Ballspiele, verschiedene Theaterstücke und jede Menge Kinofilme zu verzichten, während ich sonnige Nachmittage mit Recherche und Schreiben verbrachte.

Wir möchten unserer Agentin Danielle Egan-Miller von Browne & Miller Literary Associates sowie John Duff (unserem Verleger) und Jeanette Shaw (unserer Lektorin) bei Perigee/Penguin danken. Alle spielten wichtige Rollen bei der Realisierung dieses Buches.

Vorwort

Als 1989 die erste Ausgabe von Ich hasse dich – verlass mich nicht veröffentlicht wurde, war in der Öffentlichkeit zum Thema Borderline-Persönlichkeitsstörung nur sehr wenig bekannt. Die Erforschung der Ursachen dieser Störung und ihrer Behandlung steckte noch in den Kinderschuhen. Die wenigen Artikel, die in Zeitschriften erschienen waren, stellten die Störung nur vage dar, als sie stärker in das »amerikanische Bewusstsein« eindrang. Es gab praktisch keine Bücher zur Borderline-Persönlichkeitsstörung – weder für Patienten noch für nahe Verwandte und Freunde. Die Reaktion auf unser Buch sowohl in den USA als auch im Ausland, wo es übersetzt wurde, war äußerst befriedigend. Meine Absicht, ein Buch zu schreiben, das für die Allgemeinheit zugänglich war, aber auch Fachleuten nützliche Informationen bot, scheint sich erfüllt zu haben.

Zu behaupten, dass sich in diesem Bereich in über 20 Jahren viel getan hätte, ist sicher eine starke Untertreibung. Über die Borderline-Persönlichkeitsstörung wurden mehrere andere Bücher veröffentlicht, so auch unser eigenes (Zerrissen zwischen Extremen, 2005), das die Erfahrung dieser Krankheit aus der Perspektive der Betroffenen, von Familienangehörigen und den behandelnden Spezialisten beschreibt. Unser Wissen wurde durch weitere Erkenntnisse im Hinblick auf die Kausalität, die biologischen, genetischen, psychologischen und sozialen Implikationen und Behandlungsansätze enorm erweitert. Die Herausforderung beim Schreiben dieser zweiten Fassung bestand also darin, die wichtigsten Fortschritte aufzuzeigen und zu erläutern, nützliche Informationen für Fachleute bereitzustellen und gleichzeitig die Länge des Buches im Auge zu behalten, sodass es für den Laien weiterhin eine spannende Einführung in die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist. Dazu mussten einige Kapitel nur aktualisiert werden, doch andere, insbesondere jene, die sich mit den möglichen biologischen und genetischen Wurzeln des Syndroms befassen, wurden umfassend neu geschrieben, um die neueste wissenschaftliche Forschung widerzuspiegeln. Zudem wurden spezielle psychotherapeutische Ansätze und medikamentöse Behandlungen so stark weiterentwickelt, dass zu diesen Themen völlig neue Kapitel aufgenommen werden mussten. Die Fallgeschichten aus der Praxis, die dem Leser Einblicke in das Leben einer Borderline-Persönlichkeit (und das Leben mit ihr) gewähren, sind auch in dieser neuen Fassung enthalten, obwohl der Hintergrund zu diesen Geschichten geändert wurde, um die Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft von einem Jahrhundert zum nächsten darzustellen. Die vielleicht größte Änderung gegenüber der ersten Fassung ist der Gesamtton: Während die Prognose für Patienten vor zwei Jahrzehnten verständlicherweise düster war, ist sie jetzt auf der Grundlage unzähliger Längsschnittstudien sehr viel positiver.

Und dennoch ist es trotz dieser Fortschritte enttäuschend, bei der Überarbeitung des Vorworts zur ersten Fassung festzustellen, dass weiterhin Missverständnisse und Stigmen bestehen. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist noch immer eine Krankheit, die die Allgemeinheit verwirrt und viele Fachleute in Schrecken versetzt. Erst 2009 hieß es in einem Artikel der Zeitschrift Time, dass »Borderline-Persönlichkeiten die von den Psychologen meistgefürchteten Patienten sind« und »viele Therapeuten keinerlei Vorstellung haben, wie sie behandelt werden können«. Marsha Linehan, eine führende Expertin in diesem Bereich, erklärte: »Borderline-Persönlichkeiten sind das psychologische Äquivalent zu Patienten mit Verbrennungen dritten Grades. Sie haben sozusagen keine emotionale Haut. Selbst die leichteste Berührung oder Bewegung kann enormes Leid auslösen.«1 Dennoch hat die Entwicklung spezifischer Therapien und Medikamente für diese Störung (siehe Kapitel 8 und 9) für die Patienten zu einer gewissen Erleichterung geführt. Und vielleicht noch wichtiger ist die Tatsache, dass das öffentliche Bewusstsein im Hinblick auf die Borderline-Persönlichkeitsstörung seit 1989 beträchtlich gewachsen ist. Die Anzahl von Büchern, Websites und Selbsthilfegruppen hat stark zugenommen. Das vielleicht klarste Zeichen für die öffentliche Zurkenntnisnahme war die Tatsache, dass der amerikanische Kongress im Jahr 2008 den Monat Mai zum »Bewusstseinsmonat für die Borderline-Persönlichkeitsstörung« ernannt hat.

Dennoch bleiben enorme Herausforderungen, insbesondere finanzieller Art. Die Rückerstattung für kognitive medizinische Dienste ist beschämend und unverhältnismäßig gering. Für eine Stunde Psychotherapie zahlen die meisten Versicherungen (und Medicare) in Amerika weniger als acht Prozent des Erstattungssatzes, der für kleinere ambulante Operationen wie beispielsweise eine 15-minütige Staroperation gezahlt wird. Die Forschungsaufwendungen für die Borderline-Persönlichkeitsstörung waren ebenfalls unzureichend. Die lebenslange Prävalenzrate der Störung in der Bevölkerung ist zweimal so hoch wie die von Schizophrenie und manisch-depressiven Erkrankungen zusammen. Dennoch wendet das National Institute of Mental Health (NIMH) weniger als zwei Prozent der Gelder, die Untersuchungen dieser Krankheiten zugeteilt werden, für die Erforschung der Borderline-Persönlichkeitsstörung auf.2Auch wenn die USA versuchen, die Kosten für die Gesundheitsfürsorge zu kontrollieren, müssen wir uns vor Augen führen, dass Investitionen in die Forschung die Gesundheit dieses Landes insgesamt verbessern und damit die langfristigen Ausgaben in diesem Bereich senken werden. Wir müssen jedoch die Prioritäten, die wir bei begrenzten Ressourcen setzen, neu bewerten und uns bewusst sein, dass sich Sparmaßnahmen nicht nur auf die Fürsorge als solche, sondern auch auf die Fortschritte bei der Suche nach Heilung auswirken.

Viele Fachleute und Laien haben die Erstausgabe dieses Buches freundlicherweise als »Klassiker« in diesem Bereich bezeichnet. Nach zwei Jahrzehnten war es ein Liebesdienst, dieses Werk zu überarbeiten und die umfangreichen Daten zu aktualisieren, die sich in dieser Zeit angesammelt haben. Ich hoffe, dass wir durch das Auffrischen und Aufarbeiten unserer ursprünglichen Bemühungen einen kleinen Beitrag dazu leisten können, die Missverständnisse und das Stigma im Zusammenhang mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung zu beseitigen, und die Ehre beibehalten, weitgehend als primäre Quelle herangezogen zu werden.

Dr. Jerold J. Kreisman

1John Cloud: »Minds on the Edge«, in: Time, 19. Januar 2009, S. 42–46

2 John G. Gunderson: »Borderline Personality Disorder: Ontogeny of a Diagnosis«, in: American Journal of Psychiatry 166 (2009), S. 530–539

Anmerkung für die Leser

Die meisten Bücher zum Thema Gesundheit befolgen eine Reihe von Stilrichtlinien (zum Beispiel das Publication Manual of the American Psychological Association), die das Stigma einer Krankheit minimieren und die Verwendung politisch korrekter Geschlechtsbezeichnungen durchsetzen sollen. Insbesondere wird der Verweis auf einen Menschen im Zusammenhang mit seiner Krankheit (zum Beispiel: »Der Schizophrene hat in der Regel ...«) zu verhindern versucht. Stattdessen wird von einem Menschen gesprochen, der Symptome der Krankheit zeigt (zum Beispiel: »Der als schizophren diagnostizierte Patient hat in der Regel …«). Zudem werden geschlechtsspezifische Pronomen vermieden. Dafür werden Passiv-Sätze gebildet oder Konstruktionen mit »er/sie«, »ihn/ihr« verwendet.

Obwohl dies in mancher Hinsicht lobenswert ist, komplizieren diese Empfehlungen die Vermittlung von Informationen. Auch wenn wir die implizierte Respektlosigkeit und die Entmenschlichung verabscheuen, wenn von Personen in Bezug auf ihre Krankheit gesprochen wird (»Sehen Sie sich die Gallenblase im nächsten Zimmer an!«), haben wir uns dennoch aus Gründen der Klarheit und Effizienz entschieden, uns hin und wieder auf Personen mit ihrer Diagnose zu beziehen. So verwenden wir den Begriff »Borderline-Persönlichkeit(en)« als eine Art Stenogramm der präziseren Bezeichnung »Menschen, die Symptome der Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen«, wie im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 4. Ausgabe, überarbeiteter Text (DSM-IV-TR) der American Psychiatric Association definiert. Aus dem gleichen Grund verwenden wir Pronomen in diesem Buch abwechselnd, statt den Leser mit der Konstruktion »er/sie, ihn/ihr« zu strapazieren. Wir vertrauen darauf, dass der Leser uns diese Freiheit zur Optimierung des Textes gewährt.

1 – Die Welt der Borderline-Persönlichkeit

Alles sah seltsam aus und klang unwirklich. Nichts war, was es ist. Genau das wollte ich – mit mir allein sein in einer anderen Welt, wo die Wahrheit unwahr ist und sich das Leben vor sich selbst verstecken kann.

Aus: »Eines langen Tages Reise in die Nacht« von Eugene O’Neill

Dr. White glaubte, dass die Sache unkompliziert sei. Gabriela war nun schon seit fünf Jahren Patientin bei ihm und sie war nur selten krank. Die Ursache für ihre Magenschmerzen war vermutlich eine Magenschleimhautentzündung und Dr. White verschrieb Gabriela die entsprechenden Medikamente. Die Magenschmerzen wurden jedoch trotz Behandlung stärker. Da die üblichen Tests ganz normale Ergebnisse hatten, wies Dr. White Gabriela schließlich ins Krankenhaus ein.

Nach einer eingehenden medizinischen Untersuchung erkundigte sich Dr. White, ob Gabriela im Beruf oder zu Hause irgendwelchen Stresssituationen ausgesetzt sei. Sie gab bereitwillig zu, dass ihr Beruf als Leiterin der Personalabteilung in einer großen Firma sehr belastend sei, aber sie meinte, dass viele Menschen beruflichen Belastungen ausgesetzt seien. Auch ihr Familienleben war in letzter Zeit hektischer geworden: Ihr Mann war durch seine gut gehende Rechtsanwaltspraxis beruflich sehr eingespannt, und Gabriela musste auch noch ihren Pflichten als Mutter nachkommen. Dennoch bezweifelte sie, dass diese Faktoren irgendetwas mit ihren Magenschmerzen zu tun hatten.

Dr. White empfahl Gabriela, sich von einem Psychiater behandeln zu lassen, was sie zuerst ablehnte. Erst als ihr Leiden sich verschlimmerte und sie unter stechenden Schmerzen litt, ließ sie sich widerwillig zu Dr. Gray überweisen.

Ein paar Tage später besuchte Dr. Gray Gabriela. Sie war eine attraktive blonde Frau, die jünger als 28 wirkte. Das unpersönliche Krankenhauszimmer hatte sich in eine gemütliche Höhle verwandelt. Neben ihr im Bett lag ein Kuscheltier, ein zweites stand auf dem Nachttisch neben mehreren Fotos ihres Mannes und ihres Sohnes. Karten mit Genesungswünschen waren ordentlich auf der Fensterbank aufgereiht, auf beiden Seiten von Blumensträußen flankiert.

Zuerst beantwortete Gabriela alle Fragen von Dr. Gray sehr genau und ernsthaft. Dann witzelte sie darüber, dass ihr Beruf sie so weit gebracht habe, dass sie »einen Klapsdoktor brauche«. Je länger sie sich unterhielten, desto trauriger wurde sie. Ihre Stimme verlor an Autorität und wurde kindlicher.

Sie erzählte, dass sie durch ihre Beförderung jetzt mehr gefordert würde und ihre beruflichen Pflichten sie verunsicherten. Ihr fünfjähriger Sohn würde bald in die Schule kommen und die Trennung fiel beiden schwer. Die Konflikte mit ihrem Mann Alfred häuften sich. Gabriela litt unter starker Launenhaftigkeit und Schlafstörungen. Ihr Appetit nahm immer mehr ab und sie verlor an Gewicht. Ihre Konzentration, Energie und ihr Geschlechtstrieb hatten nachgelassen.

Dr. Gray verschrieb probeweise Medikamente gegen Depressionen, wodurch sich die Magenbeschwerden verbesserten und Gabrielas Schlaf sich normalisierte. Nach einigen Tagen konnte Gabriela aus dem Krankenhaus entlassen werden, aber sie versprach, die Therapie fortzusetzen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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