Ich möchte freundlich behandelt werden - Wilfried Kochhäuser - E-Book

Ich möchte freundlich behandelt werden E-Book

Wilfried Kochhäuser

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Beschreibung

Verteidigung ist nicht alles, aber ohne Verteidigung ist alles nichts. Menschen machen ständig etwas mit uns, das entspricht unserer Biologie. Unser Gehirn ist seit Millionen von Jahren darauf trainiert, das Zusammenleben mit unseren Artgenossen zu verhandeln und zu regulieren. Die Regulation sozialer Interaktionen ist für den Erfolg unserer Spezies verantwortlich. Nicht individuelle Intelligenz oder persönliches Streben haben den Menschen auf diesem Planeten so erfolgreich gemacht, sondern unsere Fähigkeit zu kooperativem und sozialem Handeln. Als Konsequenz ist unser Denken, Fühlen und Handeln mit der Regulation von zwischenmenschlichen Abläufen beschäftigt. Für unser Leben unter heutigen Umgebungsbedingungen erzeugen diese Handlungsmuster jedoch zum Teil dramatische Fehlfunktionen. Es ist der machtvolle Handlungsimpuls in bedrohlich erlebten Konfliktsituationen, der uns unter Spannung und unter "Druck" stehen lässt. Diese anhaltende energetische Aktivierung macht unser Leben anstrengend. In der psychosomatischen Medizin finden sich solche Zustände permanenter innerer Kampfenergie z.B. als Panikattacke, als körperliche Symptome ohne organische Ursachen oder "Burn-Out-Syndrom" wieder. Insofern habe ich ein Buch über die alltäglichen Bedrohungswarnungen geschrieben, die unser Gehirn mit unangemessenem Alarm, innerer Kampfaktivierung und auch Energiebereitstellung beantwortet. Ich sollte mich also auf der einen Seite tatsächlich gegen Feindseligkeit, Aggression und Dominanz wappnen können. Auf der anderen Seite benötigte ich dafür viel weniger an Kampfenergie, als mein Gehirn mir reflexartig dafür zur Verfügung stellt. Mit diesem Buch möchte ich helfen, dies dem eigenen Gehirn schrittweise beizubringen: Wie es mir dabei helfen kann, mich leichter, effektiver und auch "energiesparend" gegen Bedrohungen aus unserer Umwelt zu schützen. Deshalb der möglicherweise provozierende Untertitel: "Wer kämpft, verliert".

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Seitenzahl: 338

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Ich möchte

freundlich behandelt werden

Freundlicher Druck

Wer kämpft, verliert -

wie Selbstwahrnehmung vor Angriffen schützt

Wilfried Kochhäuser

Einleitung

Wie wende ich dieses Buch an?

1.Kapitel

Wie bemerke ich, dass etwas nicht gut funktioniert? Warum lohnt es sich, mit meiner „Angst“ in Kontakt zu treten, um mich wirksam zu schützen?

Wie erkenne ich eine Verbindung zwischen Müdigkeit und Angst?

Wie bemerken wir, wovor wir Angst haben - was vermeiden wir denn gerade?

Wie können wir einen mutigen Blick für unsere Angst vor anderen Menschen entwickeln?

Von nicht funktionierenden Bewältigungsstrategien und vom „Dysfunktionalen“- Warum wollen wir unsere Angst vor den Menschen nicht wahrhaben?

„Freundlicher Druck“: Vom Druck in uns und den Anderen

2. Kapitel

Wie kann ich lernen, aktiv mit meiner Hilflosigkeit umzugehen, wenn ich aus einem Machtkampf aussteige?

Der Ausstieg. Wie kann ich in einer verfahrenen Situation lernen, meine Ohnmacht zu akzeptieren?

Das Gartenprinzip: In meinem Körper bin ich mit mir alleine – und nicht mehr bedroht. Wie kann ich lernen, mich selbst zu beruhigen?

Die „Anderen“ in uns. Wie kann ich lernen, mich mit Hilfe meines Körpers vor den Anderen zu beschützen?

3.Kapitel

Loslassen. Wie lerne ich, die Verteidigung funktionieren zu lassen?

Die Angst springen lassen. Wie kann ich meinen Druck auf mein Gegenüber verschieben?

Der Umgang mit unserer steinzeitlichen Biologie. Wie können wir uns mit unserem „alten“ Gehirn arrangieren?

Die Sprache der Selbstoffenbarung. Was ist eine Ich-Botschaft?

Wie lerne ich, mich in ICH-Botschaften selbst zu beschreiben, um mich zu beschützen?

Ich Botschaften - ein Protokoll

Kurzanleitung: Heraus aus dem Schlamassel

"FREUNDLICHER DRUCK" bei beruflichen Konflikten: „Mobbing, Bossing, Staffing und Bullying“

Wie kann ich schützende „Ich-Botschaften“ in einer feindseligen beruflichen Umgebung erlernen und anwenden?

4.Kapitel

Wie finde ich immer wieder zurück in die Arbeit mit "Freundlichem Druck"?

Geduld: Wie lerne ich, die Prinzipien von "Freundlichem Druck" in ihrer Wirkung zu beobachten?

Die Selbstbeobachtung meines wachsenden Mutes: Wie kann ich mich immer wieder aus dem Loch heraustrauen?

Arbeitsblatt Selbstbeobachtung: Herausarbeiten aus einem Machtkampf

Wie kann ich Stabilität im Umgang mit diesen Techniken entwickeln?

Struktur für den Alltag: Wie kann ich Achtsamkeit für Machtkämpfe entwickeln?

Der Beginn von jeder Veränderung: Wie funktioniert das Beobachten?

Das Achtsame Gehirn: Wie sind die Wirkungen von Meditation und Achtsamkeit auf das Gehirn und unsere Verhaltenssteuerung zu erklären?

Die Bedeutung von Achtsamkeit im Konzept von "Freundlicher Druck"

Dominanz und Unterwerfung

Welche Effekte hat zwischenmenschliche Abgrenzung auf die Regulation von Beziehungen?

Liebe und Mitgefühl: Weshalb ist ein liebevoller Umgang mit uns selbst und Anderen „eine schlaue Form von Egoismus“?

5.Kapitel

Gibt es biologische Hintergründe für wiederkehrende frustrierende Beziehungen im beruflichen und privaten Leben?

Ein psychobiologisches Stressmodell. Wie befinden sich seelische und körperliche Prozesse im ständigen Wechselspiel?

Angstregulation und Selbstberuhigung. Wie können wir lernen, eine Sicht von außen auf die in uns tobenden Machtkämpfe zu gewinnen?

Wie funktioniert die Umsetzung des Angstvermeidungs-Modells auf die Ebene zwischenmenschlicher Regulation?

Welchen Preis sind wir bereit zu zahlen, um uns wirksam zu beschützen?

6.Kapitel

Was ist das Wesen sozialer Ängste?

Warum lohnt es sich, uns mit unserer Angst auseinandersetzen, um aus Machtkämpfen auszusteigen?

Einfach nicht hingehen. Und wie sieht Vermeidung sonst noch aus?

Wie erzeuge ich anstelle von Druck auf mein Gegenüber, einen freundlichen Druck in meinem Gegenüber?

Erneuter Blick auf die Angst. Die Vermeiden von Vermeidung – in welcher taugt Angst als Orientierungshilfe auf dem Weg aus der Sackgasse?

Der Wunsch nach Nähe und Kontakt. Woher kommt das „Dysfunktionale“?

Mit uns alleine sein – wobei soll das helfen?

Warum will ich das Beängstigende nicht mitbekommen?

7.Kapitel

Ein Blick in unser Gehirn beim Machtkampf

Der „Peacemaker“. Wie stellt uns der Wunsch nach Nähe und Kontakt eine Falle?

Zur Systematik des inneren Machtkampf-Monologes. Wie sehen Machtkämpfe in unserem Kopf aus?

Vom Wahrnehmen und Beobachten. Weshalb bedeutet dies in unserem Gehirn das Gegenteil von Handeln?

Weshalb ist Angstbannung durch Machtkämpfe so verführerisch?

Wir sind ständig in Bedrohung. Wie werden in unserem Kopf fortlaufend Bedrohungsszenarien aufgebaut?

Ein weiteres Beispiel für dysfunktionale Stressreduktion. Weshalb sind wir so schnell nicht mehr bei uns und in unserem Körper?

Selbstoffenbarung und Vertrauen. Warum ist Vertrauen ein wechselseitiger Prozess?

Wie wirkt sich das auf unsere Beziehungen aus?

8.Kapitel

Wie funktioniert die Akzeptanz einer Situation, so wie sie gerade ist?

Weshalb bedeutet Freiheit, den nächste Schritt zu tun, obwohl ich Angst habe?

Asiatischer Kampfsport. Aikido als Beispiel.

Nocheinmal: Über Angstreduktion, Selbstberuhigung und (Dys)-Funktionalität. Weshalb benutzen wir uns so gerne als Maschine?

Erste Schritte. Wie kappe ich die Bindung?

Das durchschnittene Band der Beziehung

Und was mache ich mit meinen schlechten Gewissen?

Von Kleinheit und Macht

Was mache ich, wenn mich jemand vernichten will? Wie gehe ich mit „Rufmord“ um?

Das Schlüssel-Schloss-Prinzip zwischenmenschlicher Regulation

Ich werde immer nur so gut behandelt, wie ich mich behandeln lasse.

Was sind die typischen Herausforderungen in der Regulation unseres Selbstwertes - Wie funktioniert die „vierte“ Möglichkeit?

Das Schlachtfeld und nicht mehr die Schlacht gewinnen wollen - ohne meinen Körper geht es nicht. Was sind die körperlichen Voraussetzungen für "Freundlichen Druck"?

Weshalb möchten wir uns immer so gerne verstehen?

Das Einnehmen der Beobachtersituation – Warum fällt uns das immer wieder so schwer?

Weshalb müssen wir uns doch noch über „Arschlöcher“ unterhalten?

9.Kapitel

Wie funktioniert "Freundlicher Druck" in Unternehmen?

Das Unterwanderungsprinzip. Wie mache ich mich so deutlich, dass ich mehr von dem bekomme, was ich mir wünsche?

"Freundlicher Druck Von Oben"

Die Kraft des Ganzen. Jedes Handeln und Nichthandeln hat Folgen. Weshalb ist "Freundlicher Druck" infektiös?

Die Gelegenheit für eine Ich-Botschaft wahrnehmen. Warum ist abwarten besser?

Eine angenehme Kühle

10.Kapitel

Zusammengefasst und wiederholt - ein Programm über 5 Übungswochen mit Meditationsanleitungen

Kurze Zusammenfassung einiger relevanter Wirkmechanismen von Meditation

Übungswoche 1: Mich besser kennenlernen

Beispielprotokoll für ein Meditationstagebuch

Weshalb fällt es uns so schwer, uns unserer intuitiven Wahrnehmung anzuvertrauen, ohne zu handeln?

Übungswoche 2: Noch mehr von mir kennenlernen

Was sind die Grundprinzipien einer reinen Verteidigung?

Übungswoche 3: Nicht handeln - nur beobachten

[Meditation 3: f.p. Ich im Kontakt mit Person, ohne zu handeln.

Das Beobachten meines Handlungsdruckes--> Download]

Wie geht das: Nicht handeln und nur beobachten?

Wie kann ich über meine typischen Handlungs- und Vermeidungsmuster Klarheit darüber gewinnen, welche zwischenmenschliche Herausforderung vor mir liegt?

Übungswoche 4: Im Kontakt mit der Bedrohung

Ich beobachte mich im Zusammensein mit einer für mich schwierigen Person [Meditation 3 f.p. mit für mich schwieriger Person. -->Download]

Kurzanleitung: Heraus aus dem Schlamassel

Übungswoche 5: In der Beobachterposition gegenüber meinen Gefühlen

Die hier zugehörige Meditation ist die Meditation 4: Atem- und Gefühlsräume--> Download

Zusammenfassend: "Freundlicher Druck" als Navigationssystem

Nachwort

Arbeitsmaterialien: Alle Downloads und Arbeitsmaterialien unter: www."friendly-pressure".com

Literaturangaben unter: www."friendly-pressure".com

Alle Downloads, Abbildungen und Arbeitsmaterialien unter:

www."friendly-pressure".com

Einleitung

Verteidigung ist nicht alles, aber ohne Verteidigung ist alles nichts

Menschen machen ständig etwas mit uns, das entspricht unserer Biologie. Unser Gehirn ist seit Millionen von Jahren darauf trainiert, das Zusammenleben mit unseren Artgenossen zu verhandeln und zu regulieren. Die Regulation sozialer Interaktionen ist für den Erfolg unserer Spezies verantwortlich. Nicht individuelle Intelligenz oder persönliches Streben haben den Menschen auf diesem Planeten so erfolgreich gemacht, sondern unsere Fähigkeit zu kooperativem und sozialem Handeln. Und unsere Biologie ist wohl am Stärksten auf das Überleben unserer Art und weniger auf unser individuelles Überleben ausgerichtet, wie Richard Dawkins in seinem Buch „Das egoistische Gen“ darlegt. Trotzdem verhalten wir uns nicht permanent selbstlos oder gar selbstmörderisch. Als Konsequenz ist unser Denken, Fühlen und Handeln mit der Regulation von zwischenmenschlichen Abläufen beschäftigt. Wir erleben dies als individuelles Streben oder Scheitern und interpretieren beispielsweise einen charakterlichen Zug zur Unterwerfung als individuelles Problem.

Für unser Leben unter heutigen Umgebungsbedingungen erzeugen diese Handlungsmuster jedoch zum Teil dramatische Fehlfunktionen. Es ist der machtvolle Handlungsimpuls in bedrohlich erlebten Konfliktsituationen, der uns unter Spannung und unter "Druck" stehen lässt.

Diese anhaltende energetische Aktivierung macht unser Leben anstrengend. In der psychosomatischen Medizin finden sich solche Zustände permanenter innerer Kampfenergie z.B. als Panikattacke, als körperliche Symptome ohne organische Ursachen oder "Burn-Out-Syndrom" wieder.

Selbst depressive Menschen leiden bei genauerer Erforschung ihrer körperlichen Wahrnehmung nur vordergründig unter einem Mangel an Energie, sondern bei genauerer Betrachtung an einem "zu viel", an einer Energieproduktion ohne funktionierenden Ansatzpunkt.

Wir sind unruhig, wälzen uns überwärmt im Bett, erleben uns als reizbar. Ein geringes Energieniveau sieht anders aus, nach einem solchen Zustand körperlicher Schwere sehnen wir uns, wie etwa körperliche Arbeit in der Winterkälte den "Kopf angenehm leer macht".

Wir leben im Beruf und im Privatleben in permanenter gedanklicher Beanspruchung und der daraus erwachsenden Aktivierung von Angst- und Bedrohungsreaktionen. Das kann auf niedrigem Niveau seinen Anfang nehmen: "Komme ich gleich zu spät zum Bäcker, gibt es keine Brötchen mehr?", aber endet auch schnell bei existenziellen Bedrohungsgedanken: "Behalte ich meinen Job? Wie kriege ich meine Kinder durch die Ausbildung? Ich habe mein Leben nicht im Griff". Und gar nicht so selten bei Gedanken, die vielen Menschen kommen: "Wo ist noch der Sinn für das alles? Warum tue ich mir das alles an?“

Ich möchte, ausgehend von solch trübsinnigen Einführungen, das Buch auf den Ursprung dieser Katastrophengedanken lenken.

Die subjektive Bedrohung durch den Anderen, durch unsere eigene Spezies, ist genau das, was in unserem inneren Gefahrenreport die höchste Bedeutung besitzt. Untersuchungen über die Auswirkungen von traumatischen Erlebnis zeigen, dass durch "Andere" verursachte Traumata das Schlimmste darstellen, was uns das Leben antun kann, stärker als Naturkatastrophen. Jean Améry beschrieb nach eigener Konzentrationslagererfahrung die Unmöglichkeit, wieder in der Welt heimisch zu werden.

Ich habe jedoch kein Buch über Folter und Trauma geschrieben, sondern über die alltäglichen Bedrohungswarnungen, die unser Gehirn mit unangemessenem Alarm, innerer Kampfaktivierung und auch Energiebereitstellung beantwortet. Unser Gefahrenscanner registriert ständige Gefahr für unser Leben und unsere seelische sowie körperliche Integrität. Diese ständige Alarmreaktion unseres Gehirns auf die, ja tatsächlich häufig unfreundlichen, aggressiven und dominanten Verhaltensweisen anderer ist Gegenstand des Buches.

Ich sollte mich also auf der einen Seite tatsächlich gegen Feindseligkeit, Aggression und Dominanz wappnen können. Auf der anderen Seite benötigte ich dafür viel weniger an Kampfenergie, als mein Gehirn mir reflexartig dafür zur Verfügung stellt. Mit diesem Buch möchte ich helfen, dies dem eigenen Gehirn schrittweise beizubringen: Wie es mir dabei helfen kann, mich leichter, effektiver und auch "energiesparend" gegen Bedrohungen aus unserer Umwelt zu schützen. Deshalb der möglicherweise provozierende Untertitel: "Wer kämpft, verliert".

Wie wende ich dieses Buch an?

„Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden.“

Immanuel Kant

Vieles von dem, womit ich den Leser in Kontakt bringe, mag zunächst entfernt von unserer Alltagserfahrung erscheinen. Ich werde in diesem Buch Gefühle als fest verankerte Steuerungsimpulse innerhalb "unserer Gruppe" einordnen. Unsere Gefühle sind vielfach mit Handlungsimpulsen verschmolzen, die uns einen möglichst sicheren Platz in unserer sozialen Gruppe sichern sollen.

Denn außerhalb der Gruppe lauert für das „Beutetier Mensch“, zumindest sozial und emotional, der Tod. Innerhalb der Gruppe sind die Spielregeln vorgegeben. Ich muss innerhalb der Gruppe kämpfen, wenn ich aufsteigen und somit weniger durch andere dominiert werden will. Und ich muss mich unterwerfen, wenn ich einen Kampf verliere oder befürchte zu verlieren, denn sonst bin ich draußen. Für Zwischentöne gibt es, so wie die Evolution unser emotionales Gehirn über Jahrtausende entwickelt hat, keinen Platz. Entsprechend machtvoll sind die zugehörigen emotionalen Handlungsaufforderungen. Rasch überwältigend wird die Hilflosigkeit, wenn ich versuche, diesen Gefühlen entgegenzuhandeln oder sogar nur innezuhalten und nicht sofort auf meine Umwelt zu reagieren. Zu allem Überfluss halten wir wir uns heute zudem in sehr vielen unterschiedlichen Gruppen parallel auf. Da sind unsere Partner und vielleicht Kinder, der Freundeskreis, die Herkunftsfamilie, die Fahrgemeinschaft, der Straßenverkehr, die Arbeitsstelle – die dann mit Konferenzen, Meetings, Außendienst usw. wieder verschiedene Gruppen beinhaltet. Jeder kann das für sich individuell fortsetzen mit Sportvereinen, Elternabenden und Nachbarn. Für diese Komplexität an ständig wechselnden sozialen Gruppenbeziehungen wurde dieses „System zur sozialen Sicherung“ nicht entwickelt. Das Gehirn unserer Vorfahren kannte innerhalb seiner Gruppe in aller Regel vielleicht einige Dutzend Menschen persönlich und alle nicht bekannten Gesichter lösten, als potentielle Feinde, rasch Bedrohungsgefühle aus. Ich werde erlernbare Techniken vermitteln, um öfter aus Machtkämpfen auszusteigen, die in unserer heutigen Lebensumwelt keinen Sinn machen und unnötig Kraft kosten. Die Beschäftigung mit solchen Techniken wird meistens jedoch erst dann in Gang kommen, nachdem wir überhaupt bemerkt haben, dass etwas nicht oder nicht mehr richtig funktioniert.

Wie kann ich bemerken, dass ich gerade etwas mache, was nicht gut funktioniert?

Wie kann ich produktiv mit der entstehenden Hilflosigkeit umgehen, wenn ich aus einem Machtkampf aussteige? Denn mein uraltes Gehirn wird mir zuschreien: „So hast Du auf jeden Fall verloren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“ Für die notwendigen Veränderungen zeige ich Techniken, die jeder lernen kann. Dafür wird kein Hochschulabschluß benötigt - jedoch Mut - was aus meiner Sicht schwieriger zu erlangen ist. Aber auch Mut kann ich mit diesem Buch „üben“. Erst nachdem wir Techniken erlernt haben, um nicht sofort zu handeln, können wir die Strategien aus den nächsten Kapiteln zunehmend sicherer anwenden. Wenn ich in einem Konflikt lerne, intensiv auf mich und meinen Körper mitsamt seinen emotionalen Reaktionen zu schauen, dann werde ich zunächst „Angst“ in mir feststellen. Es wird aber im Laufe des Buches durchaus nicht nur um die reine Verteidigung gehen, sondern auch um die neu gewonnenen Freiheiten zur Umsetzen eigener Wünsche und Ziele. Verteidigung ist somit nicht alles - aber ohne funktionierende Verteidigung ist alles nichts. Deshalb geht es darum, die Verteidigung funktionieren zu lassen. Wenn ich weiß, dass meine Verteidigung funktioniert und ich gleichzeitig akzeptieren kann, was für mein Gehirn weiterhin paradox bzw. "gefährlich" erscheint, habe ich neue Freiheiten gewonnen. Mich so deutlich zu machen, dass ich mehr von dem bekomme, was ich mir wünsche. Ein wichtiges Ziel ist Leichtigkeit, die mich hinter der Freiheit erwartet. Freiheit strengt nicht an, sondern Unfreiheit macht müde. Nicht mutiges Handeln brennt mich aus, sondern wenn ich in meiner Angst stecken bleibe.Dieses Buch beschäftigt sich mit Verhaltensabläufen, die uns oft nicht bewusst sind, dies macht einen durchgängigen "technischen Aufbau" schwierig. Weil jeder Mensch unterschiedliche Gewohnheiten und Fähigkeiten aufweist, sich neuen Herausforderungen anzunähern, ist dieses Buch auch für unterschiedliche Lerngewohnheiten konzipiert. Es hat somit keinen rein logischen Aufbau und ist eher vergleichbar mit einem Kochbuch. Zum Beispiel mit einer Einführung in grundlegende Küchentechniken, gefolgt von der Vorstellung landestypischer Zutaten und einem gewissen kulturellen Hintergrund. Vielleicht macht ein einzelnes Rezept dann Appetit und Sie beginnen mit dem Experimentieren. Manche Menschen mögen aber keine Rezepte und lassen sich durch ein Kochbuch ausschließlich inspirieren. Sie arbeiten dann „nach Fehler und Irrtum“ - auch das ist mit diesem Buch machbar.

Wäre es mir möglich gewesen, dieses Buch logisch zu schreiben, dann hätte ich nicht den Vergleich mit einem Kochbuch herangezogen, sondern eher etwas wie eine „Aufbauanleitung“ für das Leben, ähnlich einer Gebrauchsanweisung für Ikea-Regale. Das wäre meiner Ansicht nach ein absurder Versuch, aber so sind Ratgeberbücher häufig aufgebaut. Mit der Illusionen: Wenn ich bestimmte Techniken oder Einzelbausteine nutze, dann wird sich auf einen Schlag mein ganzes Leben zum Guten ändern. Insofern hoffe ich auf Neugierde und die Wirkung von Appetithäppchen, die Lust auf mehr machen, aber nicht immer leicht verdaulich sind. Im letzten Kapitel findet sich eine komprimierte Zusammenfassung in Form eines „Arbeitsbuches“ im Buch. Vieles ist zum Teil ohne die vorher gelieferten Hintergrundinformationen nicht oder nicht vollständig verständlich. Und trotzdem bietet dieses Kapitel denjenigen eine Einstiegsmöglichkeit, die lieber sofort praktisch anfangen. Insofern kann jeder „Lerntyp“ dieses Buch unterschiedlich nutzen. Für viele Menschen wird die Theorie erst verständlich, wenn sie "greifbar“ Anschluss an das eigene Erleben gefunden hat. Ich habe viele Geschichten auch meinem eigenen Leben und dem meiner Patienten entnommen. Mir ist aufgefallen, dass sich vieles davon universell in unser aller Leben zuträgt. So sind aus Geschichten "Prototypen" geworden, die ich auch zum Schutz der Persönlichkeit vieler verschiedener Menschen verfremdet und daher in der "Ich-Perspektive" geschrieben habe. Es wäre also falsch zu behaupten, dass diese Geschichten frei erfunden sind und an keiner Stelle mit der Realität zu tun hätten. Im Gegenteil, ich hätte sie ohne meine Einblicke in das Leben vieler Menschen nicht schreiben können. Sie bilden ab, was die Realität in unserem Leben ist:

Die Hilflosigkeit in kleinen und großen Machtkämpfen - ob wir diese nun selbst angezettelt haben oder sogar (selten genug) ganz ohne unser Zutun hineingezogen wurden.

1.Kapitel

Wie bemerke ich, dass etwas nicht gut funktioniert? Warum lohnt es sich, mit meiner „Angst“ in Kontakt zu treten, um mich wirksam zu schützen?

Beide Fragen hängen miteinander zusammen. Nur wenn ich meine Wahrnehmung ausweite, gelingt mir der Blick auf die Dinge, die im meinem Leben nicht gut funktionieren. Angst blockiert diesen Blick und so auch die Möglichkeit zur Veränderung.

Der Blick auf die Angst lohnt sich, weil wir allzu schnell dem verführerischen Instinkt nachgeben, dass dort, wo keine Angst ist, die Welt für mich sicher sei. Und obwohl es diesen Ort für uns nirgendwo gibt, folgen wir diesem Drang. Entweder, indem wir den Dingen, denen wir sowieso ins Auge sehen müssen, allzu lange aus dem Weg gehen, oder indem wir unsere Angst in Wut ummünzen und versuchen, uns auf irgendeine Art mächtig und groß zu machen. Aber funktioniert das eigentlich, was wir da gerade tun?

Wie erkenne ich eine Verbindung zwischen Müdigkeit und Angst?

Es scheint eine große Müdigkeit umzugehen. An vielen Orten, und nicht nur in unserem Land, scheinen die Menschen dagegen anzukämpfen. Wir versuchen unsere Fitness zu verbessern, unsere Ernährung und sonst noch alles Mögliche umzustellen. Aber die Müdigkeit nimmt anscheinend zu. Viele von uns versuchen mit einer verzweifelten Anstrengung die eigene Leistungsfähigkeit, das Zeitmanagement und natürlich die "Life-work-balance" zu perfektionieren. Trotz alledem scheint sich im Verborgenen etwas abzuspielen, gegen das wir nicht so richtig ankommen.

Vor einigen Jahren gab es bereits einmal das Thema der "Deutschen Angst" („The German Angst!“, ein Buch von Sabine Bode). Und kontinuierlich scheint unser Angstbarometer immer wieder auf Höchststände zu klettern. Der Soziologe Heinz Bude schreibt in seinem Buch "Gesellschaft der Angst", wie aus seiner Sicht die Angst zur zentralen sozialen Kraft geworden. Welche Effekte hat das für uns?

Typische Sprichwörter zur Bedeutung von Angst liefern hierzu einen Hinweis:

"Angst ist ein schlechter Ratgeber." - Aus England

"Angst macht den Alten laufen." - Aus Deutschland

"Angst verleiht Flügel." – Ebenfalls aus Deutschland

Leonardo da Vinci sagte: "Die Menschen werden jenes Ding verfolgen, vor dem sie am meisten Angst haben." Angst lässt ihm zur Folge also unseren Blick nach außen, auf das Objekt der Angst lenken.

Die Menschen auf den Osterinseln haben merkwürdige Steinfiguren zurückgelassen, die mit weit aufgerissenen, bedrohlichen (wie man heute zu wissen glaubt „auch gemalten“) Augen ins Landesinnere geschaut haben. Diese Kultur ist möglicherweise auch an ihrer Angst untergegangen. Diese Menschen haben sich durch Überbevölkerung und Ausbeutung von Ressourcen in eine bedrohliche ökologische Krise gebracht, die sie dann durch dieses „Sich-selbst-bange machen“ noch verstärkt haben. Es handelt sich also wohl nicht um ein typisch deutsches, sondern um ein universell menschliches Phänomen, Angst als Antreiber und Druckmittel einzusetzen.

Angst macht aber müde, lähmt und raubt Kreativität. Wenn ich mich sonntagnachmittags schlapp und antriebsarm fühle, weil die Arbeitswoche auf mich zukommt, dann ist das Angst. Und ebenso, wenn ich mich am Montagmorgen nur schwer aus dem Bett bewegen kann. Wovor, werden sich viele fragen, sollte ich aber Angst haben, geht es hier nicht mehr um so etwas wie Frustration, Motivationsmangel und Perspektivlosigkeit - oder einfach um Faulheit? Wie kann ich also rausbekommen, ob und wovor ich gerade Angst habe?

Ich möchte jetzt 3 Fragen an unsere Selbstwahrnehmung einführen:

Weiß ich, was ich gerade mache?

Habe ich mir das selbst ausgesucht?

Funktioniert es?

In einem Zeitungs-Porträt (FAZ vom 31.01.2010) über die Vorsitzende der Mozilla - Stiftung Mitchell Baker (Internetbrowser „Firefox“) entsteht in diesem Zusammenhang ein ungewöhnliches Bild einer Managerin, die als Hobbys "Trapez-Kunst" und "Nähen" angibt. Insbesondere das Training als Trapezartistin habe ihr ein Gefühl für Angst näher gebracht. Seit sie „fliege“ - und zeitweilig habe sie dreimal in der Woche am Trapez trainiert – erkenne sie Angst besser und schneller, schildert Baker. Es habe ihr den Zugang zu diesem Zustand erst eröffnet, weil sie dieses Gefühl jetzt besser und schneller wahrnehme. So könne sie verhindern, aus einer zunächst oft unbewussten Angst heraus Dinge zu tun, die nicht gut funktionierten. Oder sich von nicht mehr sinnvolllen Aktivitäten zu lösen.

In diesem Porträt wird die persönliche Erfahrung einer erfolgreichen Frau lebendig. Mitchell Baker hat ihre steinzeitlichen Steuerungsmuster der Angst vor anderen Menschen und ihre ebenso steinzeitliche Panikreaktionen über das regelmäßige körperliche Hineinversetzen in ihre eigene Angst besser kennen gelernt. Die beschriebenen regelmäßigen "Abenteuer in die Angst hinein", wie es diese Managerin betreibt, scheinen offensichtlich die Möglichkeiten unserer eigenen „Benutzeroberfläche“ für ein produktiveres und selbstbestimmtes Umgehen mit Angst zu ermöglichen. Nicht nur für ängstliche Naturen würde es sich lohnen, regelmäßige kleine Abenteuer zu praktizieren. Es gibt durchaus viele Menschen, die sich intuitiv und regelmäßig mit ihrem Angstsystem in Kontakt bringen. Die anderen, wir Normalen, unternehmen aber häufig alles, um genau das zu vermeiden. Jeder von uns vermeidet für ihn ganz typische Lebensbereiche, die "unangenehm" sind.

Es ist die Vermeidung, als Folge von Angst, die uns müde macht. Wenn ich nicht mehr dahin gehe, wo ich mal hin wollte und vielleicht Spaß, Lebensfreude und Sinn fände, dann werde ich, häufig genug "angespannt in meiner Vermeidung ", immer müder. Und überall dort, wo ich aus äußerem Druck heraus weiter hin muss, beispielsweise an meinen Arbeitsplatz, raubt es mir dann die allerletzten Reserven und ich laufe Gefahr „auszubrennen“.

Für mich wird über das Porträt der Managerin folgendes zugespitzt:

Wir bekommen unsere Angst oft gar nicht mit!

(Und erleben stattdessen Anspannung und körperliche Beschwerden bis hin zu chronischen Schmerzen).

Wir können dabei als menschliche Wesen ganz gut mit Angst umgehen - vor allem, wenn wir uns gezielt, bewusst und entschieden damit beschäftigen (zum Beispiel Trapez fliegen, Horrorfilme ansehen, Kajak oder Motorrad fahren...).

Vor allem die bewusste und selbst gewählte Konfrontation mit unseren sozialen Ängsten haben die Wenigsten von uns gelernt. Ein regelmäßiges, auch körperliches Angstbewältigungstraining trainiert unseren Organismus offensichtlich auch, mit sozialen Ängsten klüger umzugehen.

Können wir unser Angstsystem robuster machen, indem wir unsere Flucht- und Kampfimpulse wahrnehmen lernen, ohne automatisch darauf zu reagieren?

Wie bemerken wir, wovor wir Angst haben - was vermeiden wir denn gerade?

„The essence of beeing a mammal (and, most essentially, we are mammals) is the need for, and the ability to participate in, interpersonal relationships. The interpersonal dance begins at least as early as birth and ends only with dead.”

L.S. Benjamin, “Interpersonal diagnosis and treatment of personality disorders”, Guilford press, New York, London 1996, Vorwort vii).

Die Autorin betont als Grundannahme ihres Buches die zentrale Regulationsaufgabe unseres Gehirns, zwischenmenschliche Beziehungen - von der Geburt bis zum Tod - zu gestalten.

Auch der Autor Thomas Fuchs beschreibt in seinem Buch „Das Gehirn - ein Beziehungsorgan“ unser Großhirn als ein Organ, welches sich in erster Linie zur Vermittlung und Umformung unserer Beziehungen zur Umwelt entwickelt hat (hier vor allem der Beziehungen zwischen Menschen). In seinem umfangreichen Werk "Gewalt und Mitgefühl: Die Biologie des menschlichen Verhaltens" illustriert der Neuroendokrinologe und Primatenforscher Robert Sapolsky ebenfalls neurobiologische Grundlagen der Regulation zwischenmenschlichen Verhaltens, auf denen die pragmatischen Lösungsansätze dieses Buches aufbauen.

Folgerichtig möchte deshalb ich die Frage erneut und präziser formulieren:

„Vor wem habe ich denn (als nächstes) Angst?“

„Burn-Out“ beispielsweise ergibt sich aus dieser Perspektive heraus als chronische Hilflosigkeit in der Selbstregulation anderen Menschen gegenüber. Das mag von der Erfahrung geprägt sein, immer wieder in Streit und eskalierende Auseinandersetzungen zu geraten und am Ende „der Doofe“ zu sein. Es kann aber auch die hilflose Überforderung angesichts der Bedürftigkeit unserer Familie, der Kinder, Partner oder Eltern bedeuten. Die entsprechenden Gefühle von Angst und Ohnmacht entstehen also an der Grenze zum Anderen. Und es finden sich beruflich viele Entwicklungen, welche die Regulationsanforderungen in den Unternehmen und für Freiberufler immer höher schrauben und so zu einem dauerhaften Druckgefühl in uns führen. Das ist der Druck des Kunden auf den Mitarbeiter, der Druck des Mitarbeiters auf seine Kollegen, der Druck von Kollegen auf den Chef und wieder zurück. Und auch der Druck des Patienten, Klienten, Mandanten auf den Selbstständigen und Freiberufler.

Ich selbst bin nicht meiner Machtkämpfe müde geworden, sondern kann auch nicht erkennen, dass sie mir jemals entscheidend weitergeholfen hätten. Vor allem deshalb versuche ich aus Machtkämpfen auszusteigen, sobald ich sie mitbekomme.

Für einen Machtkampf braucht es mindestens zwei, die mitmachen.

Und ich kann mich immer entscheiden, nicht mehr dabei zu sein!

Wie können wir einen mutigen Blick für unsere Angst vor anderen Menschen entwickeln?

Ein Beispiel:

Die Tage waren gleichförmig für sie, das war fast das Schlimmste. Niemand ging ja wirklich offen gegen sie vor. Aber immer wieder war sie einfach Luft für ihre Vorgesetzten und auch für Kollegen. Gähnende Leere in den Ablagefächern starrten sie morgens öde an. Meine Patientin arbeitete in einem Unternehmen der Versicherungsbranche. Sie hatte Betriebswirtschaft studiert und konnte nach einem Abschluss mit guten Noten in verschiedenen vergleichbaren Unternehmen Berufserfahrung sammeln. Sie hatte sich sehr über ihre neue Stelle gefreut und endlich einen Arbeitsplatz in der Nähe gefunden.

„Im Grunde kann ich gar nicht beschreiben, was mit mir los ist. Ich stelle mir ständig alle möglichen Fragen, ich drehe mich damit aber nur im Kreis.

Ich verstehe nicht, wieso ein Wirtschaftsunternehmen (ich bin da über die letzten zweieinhalb Jahre praktisch ohne Funktion) mich hochbezahlt zum Inventar zählt. Ich bin da, ich koste Geld, ich frage regelmäßig nach Arbeit, nach Einbindung in den Kollegenkreis nach und nichts passiert. Eher selten ist jemand wirklich böse zu mir, häufig kommen Antworten wie: "Ach, ich habe da noch was für Sie, ich lege Ihnen das ins Fach". Aufgrund meiner Erfahrungen im Außendienst wird tatsächlich hin und wieder eine konkrete Information von mir verlangt. Wenn ich mich dann fast wie an Weihnachten fühle, dann betrachte ich mich im gleichen Atemzug schon als fast durchgeknallt – über soetwas freue ich mich jetzt schon?

Eine Zeit lang konnte ich mich mit der immer weniger werdenden Arbeit arrangieren, ich habe mich fortgebildet, das Internet am Arbeitsplatz für mich genutzt und auch angefangen, am Arbeitsplatz Romane zu lesen. Ich habe mich zunehmend für alternative Stellenangebote interessiert - aber ich bin familiär mit meinen Kindern nicht mehr so flexibel.

Ich kann nur mit wenigen Menschen über diese Situation reden, weil sie mir extrem peinlich ist. Selbst meinem Mann möchte ich das nicht mehr zumuten. Ich gehe da jeden Tag hin und bekomme mein Geld fürs Nichtstun. Wenn meine Eltern dies so wüssten, dann würden Sie mir die Schuld dafür geben. Im Grunde sehe ich es genauso. Die Situation ist absurd, ich fühle mich auch schon nicht mehr wirklich in der Realität, wenn ich dieses Büro beziehungsweise die Abteilung betrete. Ich fühle ich mich mir selbst zunehmend fremd. Das Einzige, was immer wieder ein Stück Realität in dieses bizarre Berufsleben hineinbringt, sind dann unerwartete offene und feindselige Attacken. Wie zum Beispiel, die unvermutete Ansprache an mich in einer Konferenz.

„Sie, Schneider, Sie können dann ja mal Protokoll führen. Sie sind ja sowieso öfter nicht da.“ Das sind Situationen, in denen ich wie gelähmt dasitze und an gar nichts mehr denken kann, keinen Ton herausbekomme und beginne, wortlos mitzuschreiben. Genau so wurde ich wohl zuletzt in der 11. Klasse des Gymnasiums. „Sie, Schneider ...“ behandelt. Wenn ich eine Woche lang morgens von meinem Chef regelmäßig auf dem Flur begrüßt wurde, dann verändert sich die Situation immer wieder wie mit einem umgelegten Hebel. Ich bin dann in der darauffolgenden Woche wieder nur noch Luft, wenn ich über den Gang gehe. Auch für meine unmittelbaren Kollegen, wahrscheinlich denken die, das müsste so sein. In die Kantine geht niemand mehr mit mir. Wenn es früher noch zu einem gemeinsamen Mittagessen kam, dann war das immer eine zähe Veranstaltung, oft gab es Vertröstungen und Ausreden ("äh, jetzt gerade nicht, später eventuell, ich muss erst noch mit dem und dem sprechen"). Ich werde jedenfalls immer stiller und habe auch das Gefühl, dass sich das zuhause fortsetzt. Ich habe keine Ahnung, was ich machen soll. Ich denke dann viel über die Anderen nach, zum Beispiel über meinen Chef, etwa: "Der meint das wahrscheinlich gar nicht so, das ist wahrscheinlich die pure Gedankenlosigkeit?!“ Als ich begonnen habe, mich mit "Freundlichem Druck" zu beschäftigen, konnte ich meinen Zustand zunächst kaum beschreiben. Ich hatte das Gefühl nicht mehr zu wissen, wo oben und unten ist. Ich stotterte bei meinem Therapeuten so vor mich hin und in diesem ganzen absurden Durcheinander beschlich mich die Angst, dass mein Gegenüber genauso hilflos sein dürfte wie ich. Es war dann eine große Entlastung, zunächst einfach hilflos sein zu dürfen: Meine Hilflosigkeit in dieser Situation beschreiben zu können, ohne direkt eine Strategie oder eine Antwort auf etwas zu erwarten. So konnte ich auch das Grübeln über mögliche Motive meiner Umwelt und entsprechende Lösungsversuche sein lassen. Auch die Beschäftigung mit alternativen Arbeitsstellen, einer Kündigung ohne neuen Job und alle anderen durchgegrübelten Alternativen zu unterbrechen. Es war seltsam, mich auf einen solchen Weg zu machen, indem ich in diesem Chaos begann, mich selbst zu beschreiben. Meine Gefühle und Gedanken, gedankliche Kampfsätze, Verteidigungs- und Rechtfertigungsreden von nun an zu beobachten. So konnte ich erste Schritte für meinen Schutz entwickeln. Es gab ja Situationen, wo ich verletzt und angegriffen wurde, auch wenn ich im Wesentlichen nur Luft für die Anderen war. Ich begann mir so Freiheit und Schutz zu erarbeiten, der mir dann auch über den Zeitraum eines Jahres mehr Respekt innerhalb des Unternehmens einbrachte.Ich begann ebenfalls, meine familiäre Situation zu überdenken. Da war die Ehe mit meinem ständig abwesenden Mann, der in den letzten Jahren begonnen hatte, mich zuhause häufiger fertig zu machen. Offensichtlich hatte sich das wechselseitig verstärkt, mein immer "kleiner werden" am Arbeitsplatz und die Erniedrigungen zuhause: Dass ich ja selbst schuld sei an der Ausgrenzung im Unternehmen und sowieso launisch, streitsüchtig und unerträglich. Aber ich begann, auch hier in ersten Schritten etwas für mich zu tun und mir auch hier Freiheit und Schutz zu erarbeiten. Genauso wie ich es in der Firma machte.“

Von nicht funktionierenden Bewältigungsstrategien und vom „Dysfunktionalen“- Warum wollen wir unsere Angst vor den Menschen nicht wahrhaben?

An dieser Stelle möchte ich das von mir zur raschen Einordnung gebrauchte Wort „Dysfunktional“ genauer erklären. Ich wende es überall dort an, wo es kurz und knapp darauf hinweist, dass zwischenmenschliche Regulationsmuster "nicht gut funktionieren". An der Vokabel „dysfunktional" ist bemerkenswert, dass "nicht gut“ funktionieren bedeutet, dass es zu einem gewissen Prozentsatz durchaus funktioniert. Das führt dazu, dass wir somit unser Verhalten aufgrund eines Restes an Funktionalität aufrechterhalten. Dies macht das Besondere des „Dysfunktionalen" aus. Es ist nicht einfach dumm, falsch oder funktionslos, wie wir uns verhalten, sondern es funktioniert schlecht, aber eben mit einem Rest an Funktionalität, der hohe Haltekraft besitzt. Diese Unterscheidung ist ein erster Grund, warum ich hier ein Fremdwort einführe und auch weiterhin benutzen werde. Außerdem steckt in diesem Begriff das Wort Funktion. Die Frage, ob etwas funktioniert oder nicht, ist eine gute Überprüfung für meine aktuelle Situation. Funktioniert das eigentlich, was ich da gerade mache?

Auch wenn an meinem Verhalten vereinfacht gesagt, nur noch 5 % für mich sinnvoll funktioniert und zu 95 % nicht mehr, stellt sich die Frage, was diese 5 % Restfunktionalitäten überhaupt ausmachen. Wieso können diese 5 % ein derartiges Gewicht in meiner Verhaltenssteuerung einnehmen. Es lohnt sich daher, die Funktionalität eigener Verhaltensmuster und emotionaler Abläufe genauer zu untersuchen.

Diese machtvollen 5 % resultieren über die Vertrautheit und Sicherheit von gewohnheitsmäßigen Verhaltensabläufen. Routine vermittelt Sicherheit, sogar wenn ich nachts im Bett liege und schlaflos grüble. In diesem Augenblick ist meinem Verstand durchaus klar, dass mein Verhalten in diesem Augenblick zu mehr als 95 % nicht funktional ist, denn funktional wäre es eben, jetzt zu schlafen. Trotzdem gelingt es mir nicht, von einer, in diesem Fall gedanklichen, Verhaltensgewohnheit loszulassen und ich liege möglicherweise stundenlang wach. Wir praktizieren jedoch nicht absichtsvoll etwas, was uns schadet. Aber bestimmte Verhaltensmuster, wie Grübeln oder Rauchen reduzieren für einen kurzen Augenblick unangenehme, fremdartige oder belastende Gefühle. Wir lenken uns ab, wir beschäftigen uns in dieser Zeit mit etwas anderem, als mit dem aktuellen unangenehmen Gefühl. Das können diffuse Stressgefühle, eine Verspannung oder regelrechte Ängste sein, welche wir reduzieren wollen. Und die wir über diesen Vorgang der Vermeidung, ohne uns absichtlich damit schaden zu wollen, erst recht aufrechterhalten.

Auch das Rauchen von Zigaretten erzeugt seinen Rest an Funktionalität über das Verändern von Gefühlen. Es verschiebt emotionale Gewichtungen, drängt unangenehme Gefühle in den Hintergrund und bringt Empfindungen von Kontrolle und Selbstbezug mit sich. Wenn ich eine Zigarette rauche, dann bin ich tatsächlich ein Stück mehr mit mir selbst beschäftigt und nicht mit mehr mit bestimmten angst- und stressauslösenden Vorgängen, beispielsweise an meinem Arbeitsplatz. Und genauso verhält es sich mit dem Grübeln, das im Übrigen während des Tages genauso stattfindet, uns aber in der Nacht eben störender bewusst wird. Mit Grübeln kann ich unangenehme Gefühle zurückdrängen, ich handle - in Gedanken - und gewinne so das Gefühl von Kontrolle über eine Situation. Somit sind letztlich unsere eigenen Gefühle und die Gewohnheiten, diesen hinterher zu jagen oder vor ihnen zu flüchten, unser eigentlicher Gegner, sobald wir beginnen, schlecht funktionierende Verhaltensgewohnheit zu verändern.

Abschließend möchte ich noch anregen, über die durchaus problematische Einordnung von „gutem“ oder schlechtem“ Funktionieren nachzudenken. Über die vorangegangenen Beispiele deutlich geworden ist, hat dies keineswegs mit "wohl fühlen" zu tun. Gerade das Streben nach "wohl fühlen" bzw. das Vermeiden von Unwohlsein hält, wie das Zigarettenrauchen verdeutlicht, im Grunde ungute Gewohnheiten aufrecht. Was bedeutet dies nun in unserer Regulation von Beziehungen? Im Untertitel des Buches taucht das Wort „Selbstwahrnehmung“ auf. Und dies ist nicht als Technik oder Trick zu verstehen, wenn es helfen soll Attacken und Feindseligkeit abzuwehren. Sondern praktizierte Selbstwahrnehmung, vor allen Dingen die körperliche Selbstwahrnehmung, wie sie über die Übungen in diesem Buch praktiziert werden, verhilft uns zu einem intensiveren Kontakt zu uns selbst. Es geht also im Kern nicht um "richtig oder falsch" bzw. gut oder schlecht, sondern ob wir uns im Kontakt und in der Regulation mit der Umwelt selbst treu bleiben. Dies kann nicht nur, sondern muss wahrscheinlich häufig unter Inkaufnahme von „nicht- wohl-fühlen“ geschehen.

Denn wenn wir unsere Platz und unsere Haltung in einem Konflikt oder in einem feindseligen Angriff für uns erobern möchten, ist das Streben nach "wohl-fühlen" hinderlich. In Konflikten und im Umgang mit Angriffen stellt sich, zumindest für den Augenblick, die Herausforderung, das Getrenntsein vom Gegenüber anzunehmen und zu akzeptieren. Nur auf diesem Wege kann dieses „sich treu bleiben“ eine wirkliche Verankerung in uns finden. Gerade wenn wir über einen längeren Zeitraum zurückgezogen und möglicherweise depressiv „die Welt vermeiden“, dann vermeiden wir im Grunde Unwohlsein. Und das Heraustreten in den Kontakt mit der Welt lässt sich letztlich ohne Inkaufnahme und Akzeptanz von „nicht wohl fühlen“ kaum erreichen.

„Freundlicher Druck“: Vom Druck in uns und den Anderen

Ich glaube es hilft, die Wörter auf sich wirken zu lassen. Mit Druck, insbesondere in zwischenmenschlichen Beziehungen, verknüpfen wir Konflikte, Machtkämpfe und vielleicht auch, sich „durchzusetzen“. Das ist ja auch der Ausgangspunkt des Buches: Das Erleben von Stress, Hilflosigkeit und Ohnmacht im verstrickten Aufeinandertreffen. Wir beschäftigen uns mit Situationen, in denen Druck für unser Gehirn die einzige Möglichkeit zu sein scheint, uns und unser Terrain zu schützen.

Oft leitet uns erst körperliche Erschöpfung in diesem andauernden Druckzustand zu der Wahrnehmung, dass etwas nicht mehr (gut) funktioniert. Die Wahrnehmung eines Leidenszustandes an der Kontaktstelle zwischen uns und den Anderen ist notwendig, um mit Veränderung zu beginnen. Oft entwickelt sich ein Gefühl, den notwendigen Druck (oder Gegendruck) im Kampf gegen unsere Umwelt nicht mehr länger aufbringen zu können. Mit körperlicher Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit und einem „burn-out“ als Folge. Druck empfinden wir körperlich. Wenn wir machtvoll streiten, uns „druckvoll“ durchsetzen oder ohnmächtig dem Druck beugen. Wenn etwas im Magen oder in der Kehle "drückt“. Derartige Empfindungen in unserem Körper sind keine Einbildung, selbst wenn dieser Druck keine messbare physikalische Größe darstellt. Hierüber bildet sich die fortlaufende Regulierungstätigkeit unseres Säugetiergehirns im Körper ab. Wir können uns unter Druck fühlen, wenn uns jemand Angst macht und uns bedroht. Oder wenn uns jemand verlassen will, sich entfernt und uns alleine lässt. Wir empfinden Druck, wenn uns jemand ein schlechtes Gewissen macht, letztlich als die Androhung „des sich Entfernens“ oder Trennens. Viele Menschen erleben auf diesem Wege Druck auf dem Herzen und der Lunge mit dem Gefühl von Atemnot und halten es für ein körperliches Krankheitssymptom. Und andere Menschen haben noch ein anderes „Druckproblem“ als Folge eines jahrzehntelangen „Unter-Druck-Stehens“: Einen zu hohen Blutdruck, den man dann tatsächlich physikalisch messen kann. Die Aspekte von Druck zwischen Menschen sind jedoch nicht nur negativ. Man kann sich die Hand drücken oder mit Druck umarmen (“drücken“). Wir können den Druck einer Hand auf der Schulter als Trost und Stütze empfinden und wir werden den Druck der Lippen eines Menschen, den wir mögen meist als angenehm empfinden. Dennoch werden Menschen auch hiermit Schwierigkeiten haben. Der Umgang mit dem Druck durch Andere (in all seinen Facetten) scheint etwas Kompliziertes und für uns selten perfekt Reguliertes zu sein. Nicht jeder Mensch mag Massagen, oder das Gefühl von anderen gedrückt zu werden, Küsse und Umarmungen. Ganz sicher nicht jederzeit und von Jedermann. Und dies, obwohl sich die meisten Menschen auf der anderen Seite auch danach sehnen. Es scheint somit auch darum zu gehen, wie wir Druck wahrnehmen und bewerten, wie unser Körper auf den Druck reagiert. Letztlich kommt es darauf an, was wir mit „Druck“ machen. Zum Beispiel, ob wir als handelnde Akteure an Handlungen beteiligt sind, oder ob über uns entschieden wird. Wir können allerdings lernen, mit Druck anders umzugehen, ihn zunächst nur wahr- und anzuzunehmen – um dann „auf unserer Seite des Terrains“ bewusst und kreativ damit umzugehen und zu handeln.Auch der positivste Druck, die zärtlichste Umarmung, der innigste Kuss würde jedem von uns irgendwann zu viel. Wie lange, wie intensiv und wie häufig eine solche „positive Grenzüberschreitung“ stattfinden kann, um irgendwann ein Bedürfnis nach Rückzug und Abgrenzung hervorzurufen, ist Bestandteil unserer individuellen Persönlichkeit.

Die ganz subjektive Wahrnehmung, wann für uns Druck zu viel wird, ab wann wir das Bedürfnis nach Rückzug und Abgrenzung verspüren, kann uns niemand anderes vorgegeben. Damit werden wir bei dem nachfolgenden Beispiel konfrontiert, wenn wir einen Wunsch abschlagen. Ein Bekannter ruft Sie an:

„Kannst du mir morgen beim Umzug helfen, ich stehe plötzlich ganz alleine da, weil drei Leute abgesagt haben!?“

Vielleicht denken Sie bei sich: “Na klar, kann ich schon verstehen, wann ist der denn mal aufgetaucht, wenn er es versprochen hatte?!“ Sie sind ein hilfsbereiter Mensch und wissen genau, dass ihre Hilfsbereitschaft oft von anderen ausgenutzt wird. Und obwohl sie das genau wissen, bemerken Sie sofort eine zugeschnürte Kehle: „Was kann ich jetzt schnell an glaubhaften Ausreden finden? Der bequatscht mich dann doch noch!“ Eine Ich-Botschaft ist rhetorisch nicht kompliziert. Das „Komplizierte“ oder „Schwere“ daran ist, dass ich hierfür Mut benötige. Das „Technische“ wiederum ist, dass ich meinen Körper dazu benutzen kann, Mut aufzubauen. Ich versuche also in einer solchen Situation mich intensiv auf meinen Körper, mein Körpergewicht und auf meine Bauchatmung zu konzentrieren, um zu spüren was ich in diesem Augenblick wirklich wünsche:

„Ich kann Dir morgen nicht helfen"

„Warum denn nicht?“

„Weil ich nicht kann!“

„Und warum kannst Du nicht?“

„Ich kann nicht, weil ich nicht kann.“

Das klingt jetzt möglicherweise primitiv, brachial und uncharmant. Und sicherlich auch nicht freundlich. Das Entscheidende ist aber, es ist auch nicht feindselig!

Das „Freundliche“ im "Freundlichen Druck" liegt darin begründet, dass wir nur von uns ausgehen und den Anderen in seinem Terrain in Ruhe lassen. Wir führen keine feindselige Aktion aus, indem wir uns in unserem Terrain beschreiben. Auch wenn dies mit Zurückweisung und Enttäuschung für den Anderen einhergeht. Ich lasse mein Gegenüber in seinem Terrain mit all seinen Möglichkeiten und subjektiven Wahrnehmung der Situation – Alleine.

Das dies langfristig sogar ausgesprochen freundlich ist, wird im Laufe des Buches weiter verständlich werden. Dadurch, dass wir uns nicht mehr so leicht unter Druck bringen lassen, können wir freundlicher im Leben agieren. Wir haben weniger Angst, von anderen dominiert zu werden, wenn wir zunächst erst mal freundlich zu uns selbst sind. Weil ich gar keinen eigenen Druck aufbauen muss, wenn ich mich auf meinem eigenen Terrain beschreibe – anstatt vielleicht den Anderen als notorisch unzuverlässigen und selbstbezogenen Egoisten anzugreifen, um mein Bedürfnis rechtfertigen zu können. Ich benötige dann kaum noch Druck in Auseinandersetzungen, das „Nein sagen“ ist kein aggressiver Kraftakt. Das mag für den Einen oder Anderen tatsächlich "unerfreulich" sein, wie für den genannten Bekannten. Mein Gegenüber wird über diesen indirekten Druck jedoch zukünftig freundlicher mit mir umgehen. Der indirekte oder freundliche Druck entsteht, weil ich auf äußeren Druck nicht mehr „automatisch“ zur Verfügung stehe und dies auch ohne Rechtfertigung mitteile. Das kann ich allerdings nur sprichwörtlich am eigenen Leib erfahren.

2. Kapitel

Wie kann ich lernen, aktiv mit meiner Hilflosigkeit umzugehen, wenn ich aus einem Machtkampf aussteige?