Ich versteh´ Dich - Angela Caughey - E-Book

Ich versteh´ Dich E-Book

Angela Caughey

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Beschreibung

Trotz Demenz auf einer Wellenlänge

Wenn ein Mensch dement wird, wird es für Angehörige und Pflegende zunehmend schwierig, seine Bedürfnisse richtig zu deuten und verständlich mit ihm zu reden. Angela Caughey hat jahrelang ihren Mann gepflegt, der unter Alzheimer litt. Hier teilt sie mit uns ihre Strategien für eine funktionierende und liebevolle Kommunikation.

  • Wie Sie erkennen, was die demente Person zu vermitteln versucht
  • Wie Sie Ihre Botschaften so ausdrücken, dass der Demenzkranke sie versteht
  • Leicht umsetzbare Tipps, um häufig auftretende Alltagsprobleme zu lösen
  • Mit praktischer Übersicht über die wichtigsten Arten von Demenz und wie sie die Kommunikation beeinflussen

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 158

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Ich versteh’ Dich

Demenz: Wie die Kommunikation gelingt • Für Angehörige und Pflegende • Aus dem Englischen übersetzt von Marlene Grois

Angela Caughey

1. Auflage 2019

Widmung

Ich widme dieses Buch allen von Demenz Betroffenen und jenen, die sich selbst und die Gemeinschaft bereichern, indem sie für diese Menschen sorgen.

»Wir sind wie Inseln im Ozean. An der Oberfläche voneinander getrennt, aber in der Tiefe miteinander verbunden.«

William James

Nachricht von einem Demenz-Erkrankten

Sie werden in diesem Buch immer wieder daran erinnert, dass der Mensch, den Sie einst kannten, noch immer da ist. Dieser Mann nahm den Vorschlag, »uns zu erzählen, wie es ist, mit Demenz zu leben«, freudig an. Die unten stehende Zusammenfassung gibt das Wesentliche seiner Aussagen wieder.

Alfred – von Demenz gezeichnet – stellte seinen Stock ab, setzte sich in den Schaukelstuhl, legte seine Beine übereinander und verkündete fröhlich: »Das ist der beste Stuhl, in dem ich seit Jahren gesessen habe.« Er entspannte sich und begann zu erzählen.

»Sie wollen also wissen, wie es ist, ich zu sein? Nun, ich werde es Ihnen erzählen. Ich war immer schon ein schwieriger Kerl, aber ich hatte großes Glück. Ich kann das sagen, obwohl ›meine Chefin‹ hier ist. Er blickt liebevoll zu seiner Frau hinüber, mit der er fast 60 Jahre verheiratet ist. »Ich tue, was man mir sagt, und denke nicht viel nach. Ich mag Menschen. Ich mag es, sie zu beobachten. Ich sitze in Geschäften und schaue zu, wie Menschen agieren und wie sie sich verhalten. Ich mag meine Freunde. Die meisten kenne ich noch aus meiner Schulzeit. Wir halten über Telefon und E-Mail Kontakt. Ich kann zwar keine E-Mails verschicken, aber ich kann welche bekommen. Gelegentlich treffen wir uns in unserem Club. Ich fahre nicht mehr Auto, aber die ›Chefin‹ sorgt dafür, dass ich überall hinkomme. Ich spreche alles mit ihr ab.«

»Ich war nicht gerade der Hellste in der Schule, aber ich erinnere mich, dass unser Rektor einmal, als ich eine Matheaufgabe richtig gelöst hatte, zu mir sagte, ich sei wie eine Oase in der Wüste. Das gab mir ein gutes Gefühl. Ich genieße es, daran zurückzudenken.«

»Ich wünschte, ich wäre jünger und so, wie ich früher war. Ich habe viel Tennis, Squash und Golf gespielt und meine Schule bei Sportveranstaltungen vertreten. Ich war gut in Form. Heute gehe ich so oft wie möglich spazieren. Ich habe das Gefühl, sehr egoistisch zu sein, und es ist mir unangenehm, dass ich Hilfe benötige.«

Er saß eine Weile ruhig da, dann sprach er weiter: »Ich hasse es, als Langweiler wahrgenommen zu werden. Wenn Stille herrscht, versuche ich sie zu füllen, indem ich etwas Witz in die Sache bringe. Ich fordere Leute gerne heraus. Also überlege ich mir, womit ich sie als Nächstes aus der Reserve locken kann. Ich mag es, Teil eines Teams und von Nutzen zu sein.«

»Manchmal verliert meine ›Chefin‹ die Geduld. Nicht wegen mir, sondern aufgrund von Dingen, die passieren. Wir verkaufen unser Haus und nehmen uns eine Wohnung. Das trifft mich. Ich kann ihr nicht helfen. Sie muss sich um alles kümmern. Ich bin Vergangenheit. Wir haben Glück, dass wir keine Geldprobleme haben. Ich bin nicht wirklich depressiv. Ich bin kein Schwarzseher, aber manchmal werde ich traurig.«

Alfreds Geschichte zeigt deutlich, dass er trotz Demenz in seinem Inneren immer noch er selbst ist. Er analysiert, welcher Teil seines Lebens ihm noch Vergnügen bereitet: Leute beobachten, mit Freunden Zeit verbringen, an vergangene Erfolge zurückdenken und seine Frau bewundern. Er ist sich seines gesundheitlichen Verfalls bewusst und sieht, wie sehr sie und andere davon beeinflusst werden. Er ist sich seiner eigenen Gefühle bewusst.

Vorwort

Kommunikation ist die Grundlage aller Beziehungen. Mit anderen Verbindungen einzugehen ist ein fundamentales menschliches Bedürfnis. Zu wissen, dass uns jemand versteht – nicht nur, was wir denken und sagen, sondern was wir fühlen und was uns wichtig ist –, ist essenziell für unsere Identität und unser Selbstbewusstsein.

Wenn Kommunikation aufgrund von Demenz schwieriger wird, können Isolierung, Einsamkeit und Frustration Einzug halten. Das gilt sowohl für Menschen, bei denen Demenz diagnostiziert wurde, als auch für nahestehende Personen. Für Familie und Freunde ist es traurig, einen geliebten Menschen zu verlieren, und es ist schwer für Demenz-Erkrankte, die Wärme, Bestätigung und Ermutigung auf ihrer furchteinflößenden Reise brauchen.

Dieses Buch wurde für diejenigen geschrieben, die Menschen mit Demenz unterstützend und fürsorglich zur Seite stehen. Angela Caughey hat sich zwölf Jahre lang um ihren Mann gekümmert, all ihre Ratschläge sind also praxisnah. Sie weiß, dass es nicht leicht ist, Betreuerin oder Betreuer zu sein, und dass es Zeiten gibt, in denen die Geduld am Ende ist. Trotzdem hofft sie, dass Menschen mit Demenz mit jener Liebe und jenem Respekt behandelt werden können, die so wichtig sind, um das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl der Personen aufrechtzuerhalten.

Angela stellt sich der schweren Frage der Kommunikation zum Zeitpunkt der Diagnose. Dann geht sie auf die Rolle der Familie als Pfleger und Pflegerinnen ein: wie wichtig es für pflegende Angehörige ist, mit eigenem Stress umzugehen, und wie wichtig es für professionelle Helfer ist, die betroffene Person und deren Familie kennenzulernen. Durch verschiedene Arten von Demenz ergeben sich verschiedene Herausforderungen hinsichtlich der Kommunikation. Angela erklärt die Probleme, die auftauchen können, und präsentiert Strategien, um mit ihnen zurechtzukommen. Tagebuch führen hat viele Vorteile, sowohl für die betreuende als auch für die betreute Person. Auch das Erkennen und Benennen von Gefühlen helfen beiden Seiten. Wenn Worte versagen, können immer noch Körpersprache, Mimik und Gestik Nachrichten vermitteln. In den letzten Kapiteln macht Angela hilfreiche Vorschläge, wie man effektiv zuhört und Körpersprache interpretiert. Hier wird es auch um »schwieriges Verhalten« gehen. Die Unfähigkeit, ein Bedürfnis zu kommunizieren, ist oft die Basis des Problems.

»Verbindung herstellen!«, schreibt E.M. Forster in seinem Buch »Wiedersehen in Howards End«. Das ist, was wir für das Wohl aller tun sollten. Angela zeigt uns, wie uns das unter schwierigsten Umständen gelingt. Dieses Buch sollte man immer in seiner Nähe haben und oft darauf zurückgreifen.

Dr. med. Chris Perkins, Mitglied des Royal Australian and New Zealand College of Psychiatrists

Spezialist für Alterspsychiatrie

Einführung

Sobald wir auf der Welt sind, beginnen wir zu kommunizieren. Ein Neugeborenes kommuniziert seine Bedürfnisse durch erste Schreie und die Menschen in seiner Umgebung reagieren, indem sie es sanft umsorgen und ihm Nahrung geben. Das Baby fühlt sich verstanden und wohlbehütet. Es weiß, dass seine Nachricht angekommen ist und darauf reagiert wurde.

In weiterer Folge vermehren sich die Gehirnzellen des Kindes rapide und es lernt, besser zu kommunizieren, zuzuhören und mit vielen verschiedenen Menschen in immer unterschiedlichen Situationen zu reden und zurechtzukommen. Seine Persönlichkeit und sein Charakter entwickeln sich weiter. Sie führen ihn auf einen bestimmten Lebensweg und kreieren einen einzigartigen Menschen. Doch jetzt, einige Jahrzehnte später, wurde das Gehirn dieses einzigartigen Menschen von einer Krankheit befallen und manche seiner Milliarden Zellen sind defekt geworden. Die Demenz naht. Eines Tages wird er jemanden brauchen, der sich um ihn kümmert.

Falls Sie diese Person sind: Das Buch ist speziell für Sie geschrieben worden und für jene, die sich in der gleichen Situation befinden. Sie stehen der Person, der Demenz diagnostiziert wurde, vielleicht sehr nahe – als Ehepartner, Lebensgefährte, Schwester, Bruder, Sohn oder Tochter oder Sie haben sich dieser Aufgabe angenommen, weil es sonst niemand im Familienkreis getan hat. Vielleicht sind Sie auch in einem Pflegeberuf tätig.

Wie auch immer Sie in die Pflege involviert sind, die effektive Kommunikation zwischen Ihnen und der dementen Person ist von grundlegender Bedeutung. Dieses Buch beschreibt so einfach wie möglich die besten Wege, um klare Botschaften zu senden und zu empfangen, zu vermitteln, was man meint, und zu verstehen, was einem die Person mit Demenz mitteilt. Beim Lesen werden Sie allerdings herausfinden, wie fürchterlich kompliziert dieser Austausch sein kann.

Menschen denken generell, dass es sich bei Kommunikation lediglich um das Senden und Empfangen gesprochener Nachrichten handelt, doch das ist nicht mit effektiver Kommunikation gemeint. Rund 90 Prozent der Kommunikation werden als nonverbal gewertet und sind oft unbewusst und unabsichtlich. Das Material in diesem Buch umfasst alle Aspekte von Kommunikation und enthält sorgfältig überlegte Vorschläge dafür, wie man sich an die meisten Situationen anpasst. Es gibt lustige, anschauliche und manchmal berührende Geschichten, die die dargebotenen Ratschläge veranschaulichen.

Körpersprache und Gefühle werden oft erwähnt, genauso wie reflektiertes Zuhören (ein wertvolles Werkzeug effektiven Zuhörens) und Tagebuchführen, ein gutes Mittel, um »mit sich selbst zu kommunizieren« und Druck abzulassen. Mitunter tauchen Lösungen für Probleme auf, während man den täglichen Ablauf festhält.

Manche scheinen von Geburt an kommunikative Menschen zu sein, manche besuchen Kurse, um ihre Fertigkeiten zu verbessern, andere hingegen lernen niemals wirklich viel. Viele Leute sind von Natur aus sehr gesprächig, scheinen aber selten zuzuhören.

Schlechte Kommunikation kann zu Unstimmigkeiten und sogar Konflikten zwischen Familienmitgliedern und Gemeinschaften führen. Indem Sie das Buch lesen und einige der vorgeschlagenen Strategien umsetzen, können Sie solchen Ergebnissen vorbeugen und stattdessen eine Beziehung zu der von Ihnen betreuten Person entwickeln, in der Sie sich wohlfühlen.

Das ganze Buch hindurch wird eher von »der von Ihnen betreuten Person« oder »der Person, die Sie unterstützen« die Rede sein und nicht von »einem geliebten Menschen«, weil sie oftmals weit entfernt davon sind, liebenswürdig zu sein. Möglichweise mögen Sie die Person, die Sie betreuen. Das ist aber keine Selbstverständlichkeit. Allerdings müssen Sie jemanden nicht mögen, um ihn oder sie mit Liebe und Respekt zu behandeln. Sollte das der Fall sein, ist Ihre Strategie, die Rolle des guten Krankenpflegers zu spielen.

Gute Krankenpfleger behandeln ihre Patienten liebevoll und offenkundig mit Verständnis, egal, was die Patienten sagen oder wie sie sich benehmen. Versuchen Sie mit der Person, die Sie betreuen, auf diese Art und Weise umzugehen. Unterdrücken Sie bewusst Ihre Irritation, Ihre Ungeduld, Ihre Langeweile oder welche schwierigen Gefühle sonst auftauchen. Mit der Zeit kann das Rollenspiel als Krankenpfleger zur zweiten Natur werden.

Mitunter werden Sie das Gefühl haben, versagt zu haben, doch lassen Sie sich davon nicht runterziehen. Seien Sie positiv: Scheitern gehört zu den effektivsten Lernmethoden des Lebens. Sie stellen vielleicht fest, dass Sie dieses Lernen selbstbewusster macht und Sie nicht nur die Person, die Sie betreuen, besser verstehen, sondern auch andere Menschen in Ihrer Umgebung.

Mit Menschen zu kommunizieren ist ein konstanter, sich entwickelnder Prozess, etwas, das sich verbessern wird, indem Sie Ihre Beobachtungsgabe verfeinern und Gelesenes in die Tat umsetzen, wenn Sie als Betreuungsperson agieren. Mögen Sie die Vorschläge in diesem Buch ermutigen und zu neuen Ideen für bessere Kommunikation mit der von Ihnen betreuten Person anregen.

»Ich konnte mir lange nicht erklären, was mit Gerry geschah. Sein Verhalten war unberechenbar geworden und sah ihm gar nicht ähnlich. Die Diagnose war eine Erleichterung.«

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Widmung

Nachricht von einem Demenz-Erkrankten

Vorwort

Einführung

1 Wenn die Diagnose bestätigt wird

1.1 Wie man sich vorbereitet

1.2 Wie man ein Team wird

1.3 Über Stigma reden

1.4 Freunden und Familie Bescheid sagen

1.5 Arbeitskollegen Bescheid sagen

1.6 Anderen Leuten Bescheid sagen

1.7 Den Alltag bestreiten

1.8 Mit Spezialisten kommunizieren

1.9 Ein Lebensbuch

1.9.1 Lassen Sie sich von Verwandten und Freunden helfen

2 Ihre neue Rolle als Pfleger

2.1 Sich um sich selbst kümmern

2.1.1 Körperliches Wohlbefinden

2.1.2 Emotionales Wohlbefinden

2.1.3 Soziale Interaktion

2.1.4 Geistiges Wohlbefinden

2.2 Mit Wut umgehen können

2.3 Stress und Erschöpfung

2.4 Einer Selbsthilfegruppe beitreten

2.5 Ein normales Leben führen

3 Für professionelle Pfleger/-innen

3.1 Anfangen

3.2 Einander kennenlernen

3.3 Kommunikation über verschiedene Kulturen hinweg

3.4 Unterschiedliche Generationen

3.5 Ihre Pflichten

3.6 Ablehnung der Demenz-Diagnose

3.7 Mit der Familie des Klienten kommunizieren

3.8 Gehen Sie davon aus, zu Beginn außen vor gelassen zu werden

4 Arten und Symptome von Demenz

4.1 Die Alzheimer-Krankheit

4.2 Vaskuläre Demenz

4.3 Lewy-Körper-Demenz

4.4 Frontotemporale Demenz

4.5 Parkinson-Demenz

4.6 Alkoholdemenz

4.7 Symptome von Demenz

4.7.1 Verhaltensauffälligkeiten

4.7.2 Kognitive Symptome

4.7.3 Körperliche Symptome

4.7.4 Psychologische Symptome

5 Tagebuch führen

5.1 Eine regelmäßige Übung

5.2 Tagebucheinträge

5.3 Was man festhalten kann

5.4 Vor der Person schreiben

5.5 Wie man »mit sich selbst redet«

5.6 Vorteile des Tagebuchführens

6 Gefühle und Kommunikation

6.1 Ihre Gefühle identifizieren

6.2 Machen Sie von Ihrer Intuition Gebrauch

6.3 Eigene Gefühle erkennen

6.4 Teilen Sie Ihre Gefühle mit

7 Kommunikationsbarrieren

7.1 Sprechschwierigkeiten

7.2 Verlust von Wörtern

7.3 Partieller oder totaler Sprachverlust

7.4 Nuscheln

7.5 Hörsturz

7.6 Blindheit

7.7 Schlechte Laune und Depression

7.7.1 Symptome von Depression

7.7.2 Gründe für Depression

8 Grundlegende Regeln für gute Kommunikation

8.1 Halten Sie Stimulationen aufrecht

8.2 Mutmaßen Sie nicht

8.3 Klarstellen

8.4 Lachen Sie

8.5 Haben Sie Geduld

8.6 Reagieren Sie auf Bedürfnisse

9 Effektiv sprechen

9.1 Verwenden Sie eine positive Sprache

9.2 Seien Sie verständnisvoll

9.3 Seien Sie höflich, respektvoll und freundlich

9.4 Verwenden Sie eine einfache, ungezwungene Sprache

9.5 Verwenden Sie kurze Sätze

9.6 Vermeiden Sie es, zu korrigieren

9.7 Vermeiden Sie Redewendungen

9.8 Vermeiden Sie Fachsprache

9.9 Übermitteln Sie eine Nachricht nach der anderen

9.10 Machen Sie in Gesprächen lange Pausen

9.11 Gehen Sie sparsam mit Fragen um

9.12 Stellen Sie Ja-oder-Nein-Fragen

9.13 Stellen Sie gelegentlich offene Fragen

10 »Ich«- und »Du«-Botschaften

10.1 Mit negativen Gefühlen umgehen

11 Reflektiertes Zuhören

11.1 Ihre Handlungen beobachten

11.2 Den Sinn hinter undeutlich Gesprochenem erkennen

11.3 Wenn sie kein Wort herausbekommen

11.4 Gefühle erkennen

11.5 Unbefriedigende Ergebnisse akzeptieren

12 Körpersprache

12.1 Gesichtsausdrücke und Kopfbewegungen

12.2 Einige typische Gesichtsausdrücke

12.3 Körperhaltung und Bewegungen

12.4 Wenn die Person nicht reagiert

12.5 Gesten

12.6 Körpersprache verstehen

12.7 Anzeichen schlechter Gesundheit

12.8 Bedürfnisse und Gefühle kommunizieren

12.9 Machen Sie von Ihrem Tagebuch Gebrauch

13 Der Umgang mit schwierigem Verhalten

13.1 Zeichen von Aggression

13.2 Unruhe bei Einbruch der Dunkelheit

13.3 Auf Aggression reagieren

13.4 Halluzinationen

13.5 Sexuelle Botschaften

14 Weitere Tipps für eine bessere Kommunikation

14.1 Ausgedruckte Botschaften

14.2 Computer, Smartphones und Tablets verwenden

14.3 Wie man mit Wiederholungen umgeht

14.4 Mit »Echo« umgehen

14.5 Gehen Sie vorsichtig mit Berührungen um

14.6 Kommunizieren Sie, indem Sie gemeinsam Sachen machen

14.7 Aus der Ferne Liebe schicken

14.8 Letzte Etappen der Kommunikation

14.9 Verabschiedung

15 Zusammenfassung

16 Danksagung

17 Bibliografie

Autorenvorstellung

Impressum

1 Wenn die Diagnose bestätigt wird

Sie sind besorgt. Jemandem, den Sie gut kennen, wurde Demenz diagnostiziert. Die Diagnose hat zunächst einmal noch nichts verändert. Die Person wird weiterhin Entscheidungen treffen und für sich selbst sorgen können. Sie wird nicht sofort Betreuung brauchen. Sie ist heute noch genau der gleiche Mensch wie gestern. Allerdings wird sie in Zukunft nicht so sein, wie Sie es erwartet hatten. Die Demenz wird dramatischen Einfluss haben, und zwar sowohl auf das Leben des Betroffenen als auch auf Ihr eigenes und letzten Endes wird er Betreuung benötigen. Entweder Sie passen sich der fürsorgenden Rolle bereitwillig und voller Liebe an oder Sie bemerken, dass Sie es ablehnen, eine solche Rolle aufgezwungen zu bekommen. Was auch immer Sie fühlen, Sie werden erkennen, dass Sie sich informieren müssen. Diese Einführung in Kommunikation kann dabei behilflich sein.

Alexander und Sophie hatten gerade erst ihren 47. Hochzeitstag gefeiert, als bei ihm Frontotemporal-Demenz diagnostiziert wurde. Alexanders Situation entsetzte Sophie, gleichzeitig war sie aber auch erleichtert, denn sie wusste, warum er sich so sehr veränderte. Sie sagte zu ihm: »Das ist es also. Ich dachte nicht, dass dich das Alter schon mit 71 so irre machen würde! Und haben wir nicht großes Glück? Ich bin da, um mich um dich zu kümmern, und wir leben gleich gegenüber einem Pflegeheim. Ich werde nicht weit gehen müssen, um dich zu besuchen, wenn es dir schlechter geht.«

Sophie war gewillt, die Pflege zu übernehmen, sie hatte eine positive und hilfsbereite Einstellung. Wenn Sie wie Sophie sind, haben Sie auf einmal eine neue Aufgabe in Ihrem Leben – sich um einen geliebten Menschen zu kümmern. Sie sind extrem verunsichert, und obwohl Sie nicht zögern, für die Person da zu sein, fühlen Sie sich unvorbereitet.

Vor vier Jahren verließ Johannes Mia für eine andere Frau. Ihre Kinder waren bereits erwachsen und lebten im Ausland. Nachdem Mia eine Weile alleine war, verkaufte sie ihr Haus schweren Herzens und zog in ein kleineres um. Mittlerweile hat Johannes Alzheimer und seine neue Frau hat ihn verlassen. Mia hat das Gefühl, sie sei die einzige Person in Johannes’ Leben, die sich um ihn kümmern könne, und sie denkt, sie sei verpflichtet, dies zu tun. Sie fühlt sich gefangen, denkt aber: »Immerhin ist er der Vater unserer Kinder …«

Mia hatte Johannes bei sich aufgenommen, pflegte ihn jedoch widerwillig.

Lena war das einzige Kind ihres wohlhabenden verwitweten Vaters. Sie hatten sich nie gut verstanden, aber sie hatte das Gefühl, sich um ihn kümmern zu müssen, nachdem ein schwerer Schlaganfall seine Mobilität eingeschränkt hatte und er danach merklich an Demenz litt. Sie war Buchhalterin einer Textilmanufaktur, doch sie setzte ihren Arbeitgeber in Kenntnis, biss die Zähne zusammen und bereitete sich darauf vor, ihre zahlreichen neuen Aufgaben zu übernehmen. Lena ist ebenfalls eine Pflegerin wider Willen.

Wenn Sie der Person mit Demenz eher abgeneigt sind, aber trotzdem für ihre Pflege verantwortlich werden (wie Mia und Lena), fühlen Sie wahrscheinlich Ernüchterung oder Verbitterung. Dennoch denken Sie, dass Ihr Leben einfacher wird, wenn Sie etwas über dieses Demenz-Thema lernen.

1.1 Wie man sich vorbereitet

Versuchen Sie, in Ihrer neuen Rolle eine neue Persönlichkeit anzunehmen. Stellen Sie sich vor, Sie seien eine Krankenpflegerin oder ein Krankenpfleger, und die Person, um die Sie sich kümmern, sei ein neuer Patient. Das ist nicht heuchlerisch, es ist eine pragmatische Lösung. Verbannen Sie gereizte oder bissige Antworten für immer. Akzeptieren Sie seltsame Vorkommnisse, die in Ihrem Leben auftreten werden, geduldig und ohne Protest. Lächeln und lachen Sie mehr. Wenn die Person, die Sie betreuen, Ihre Veränderung und Ihre Hilfsbereitschaft spürt, kann Ihre Beziehung nur zunehmend positiv werden.

Zu Beginn ist sie möglicherweise etwas misstrauisch gegenüber Ihrer neuen Persönlichkeit, doch seien Sie ehrlich. Sagen Sie ihr, wie und weshalb Sie sich verändert haben.

Sie trauern beide aus unterschiedlichen Gründen. Geben Sie das ruhig zu. Sie wollen, dass die Person weiß, dass auch Sie stark betroffen sind.

Falls Sie es noch nicht getan haben, sagen Sie etwas wie: »Es fällt dir schwer, damit fertigzuwerden, und auch ich bin erschüttert. Wir stehen das gemeinsam durch.« Das kann zu produktivem Austausch führen.