Ich will doch bloß sterben, Papa - Michael Schofield - E-Book

Ich will doch bloß sterben, Papa E-Book

Michael Schofield

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Beschreibung

Jani ist erst vier Jahre alt, da befürchten Michael und Susan Schofield bei ihrer Tochter schizophrene Halluzinationen. Die damit konfrontierten Ärzte wiegeln ab, bei einem so kleinen Kind sei so etwas unvorstellbar. Doch der Verdacht bestätigt sich: Bei dem inzwischen sechsjährigen Mädchen wird Schizophrenie diagnostiziert. Jani lebt in einer Welt aus Halluzinationen und gewalttätigen Vorstellungen mit Hunderten imaginärer innerer „Freunde“. Eine Ratte flüstert ihr ein, ihren Bruder zu misshandeln, eine Katze sagt ihr, sie solle sich selbst töten, eine Stimme in ihr drängt sie dazu, aus dem Fenster zu springen. Und mittendrin in diesem Chaos aus nicht enden wollenden Wahnvorstellungen und Wutanfällen: Janis Eltern, die alles daransetzen, das Leben ihrer beiden Kinder zu schützen, während die Familie auseinanderzubrechen droht.

Diese packende Geschichte ist dramatisch und Mut machend zugleich. Sie lässt hoffen, dass die bedingungslose elterliche Liebe Jani künftig ein halbwegs lebenswertes Leben ermöglichen wird.




Eine Familie am Abgrund
Der bedingungslose Kampf eines Vaters um seine schizophrene Tochter
Eine wahre Geschichte: fesselnd, erschütternd, faszinierend
Der New York Times-Bestseller endlich auf Deutsch

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Seitenzahl: 415

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Michael Schofield

Ich will doch bloß sterben, Papa

Leben mit einer schizophrenen Tochter

Kösel

Aus dem Amerikanischen von Carsten Mayer

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel »January First. A Child’s ­Descent into Madness and Her Father’s Struggle to Save Her« bei Crown ­Publishers, New York.

Yellow Submarine

Musik & Text: John Lennon, Paul McCartney

© Sony / ATV Tunes Llc

Rechte für Deutschland, Österreich, Schweiz: Sony / ATV Tunes Llc.

Mit freundlicher Genehmigung von Sony / ATV Music Publishing (­Germany) GmbH.

Copyright © 2012 by Michael Schofield

Copyright © 2014 Kösel-Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlag: Weiss Werkstatt, München

Umschlagmotiv: plainpicture / Spitta + Hellwig

ISBN978-3-641-12575-2

www.koesel.de

Für Jani, Bodhi, Susan und Honey …

Danke für eure Geduld und euer Vertrauen. Ich liebe euch.

Anmerkung des Verfassers

Dies ist eine wahre Geschichte. Allerdings wurden Namen und Umstände verschiedentlich geändert, um die Identität der Betroffenen zu schützen.

Vorwort

Schizophrenie ist ein wenig wie Krebs. Man kann sich nie ganz ­sicher sein, dass er völlig verschwunden ist. Auch wenn man symptomfrei ist: Hatte man den Krebs einmal im Leib, so besteht bis zum letzten Atemzug die Gefahr, dass er zurückkehrt. Nach Jahren des unermüdlichen Herumprobierens bekommt meine Tochter heute einen Medikamentenmix, durch den sich die schlimmsten Symptome ihrer Schizophrenie bändigen lassen. Die Halluzinationen sind zwar nach wie vor präsent, aber sie sind jetzt mit einem Fernseher vergleichbar, der bei leise gestelltem Ton im Hintergrund läuft. Die meiste Zeit stellen sie für ihr Funktionieren in unserer Welt keine Beeinträchtigung dar. Doch es gibt Zeiten, da schwillt die Lautstärke an, bis ihre Aufmerksamkeit so in Anspruch genommen ist, dass sie sich in jener Welt verliert und nicht länger zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden vermag.

Vor vier Jahren war ich überzeugt, meine Tochter vollständig an die Schizophrenie zu verlieren. Doch durch die gemeinsamen Anstrengungen ihres gesamten Umfelds ist es gelungen, das Schicksal zu wenden. Wir konnten den Vormarsch der Krankheit in ihr Gehirn zum Stillstand bringen und die Lautstärke drosseln.

Niemand weiß, wodurch Schizophrenie ausgelöst wird. Es gibt kaum Studien. Nach der derzeit gängigsten Theorie (allgemein bekannt als das biopsychosoziale Modell der psychischen Störungen) handelt es sich um eine möglicherweise der Alzheimerkrankheit verwandte neurodegenerative, biochemische Hirnschädigung.

Im Umgang damit komme ich mir bisweilen vor, als stolpere ich mit einer Taschenlampe durch einen dunklen Tunnel und taste mich an den Wänden entlang, immer betend, die Batterien mögen nicht schlappmachen, ehe ich das Licht am Ende des Tunnels erblicke. Unnötig zu sagen, dass ich unterwegs gestrauchelt bin. Ja, da ist vieles, das ich bereue, Momente mit Jani, die ich anders anginge, bekäme ich eine zweite Gelegenheit. Leider Gottes lässt sich die Zeit nicht zurückdrehen. Ich kann nicht ändern, was war. Ich kann nur nach vorne schauen und mich nach Kräften bemühen, Jani der Vater zu sein, den sie braucht.

Dieses Buch ist keinesfalls als marktschreierische Empfehlung gedacht, die Ihnen vorschreibt, was zu tun ist, wenn Ihr Kind sich in Gefilde begibt, die Ihrem Verständnis entzogen sind. Vielmehr berichtet es vom Bemühen meiner Familie, den Weg aus der Dunkelheit zu finden.

Einmal, als meine Frau Susan und ich unsere Tochter im Krankenhaus besuchten, sah Jani aus ihrem Fenster im vierten Stock und sagte: »Ich will hinausspringen.«

Ich hielt gerade unseren Sohn Bodhi bei Laune, indem ich mit ihm ein Videospiel auf dem Krankenhauscomputer daddelte. Ich hörte Jani klar und deutlich und tat, was ich meistens tue, wenn ich etwas in dieser Art zu hören bekomme: Ich versuchte sie abzulenken.

»Das willst du doch nicht ernsthaft«, erwiderte ich so ruhig, wie ich konnte. »Komm und spiel mit mir und Bodhi.«

Aus den Augenwinkeln sah ich, dass sie immer noch hinabsah.

»Ich will sterben«, sagte sie leise.

Ich erstarrte. Es war lange her, seit ich sie zuletzt etwas Derartiges sagen hörte. »Ich dachte, du willst mindestens 100 werden«, sagte ich und lachte nervös.

»Ich will mit neun sterben.«

Ich streckte die Arme nach ihr aus. »Wieso? Wieso willst du denn sterben?«

Sie sah mich an. »Weil ich schizophren bin.«

Ihre Aussage hatte nichts Psychotisches. Sie war im Gegenteil völlig klar. Jani war einfach traurig. Susan und ich wussten nicht, was wir tun sollten.

Unverzüglich hinterließ ich dem Arzt eine Nachricht, der sie tags darauf untersuchte. Sie sagte ihm genau dasselbe. Er fragte sie, was es ihrer Ansicht nach bedeute, schizophren zu sein.

»Ich sehe und höre Zeug, das es nicht gibt«, erklärte sie ihm.

Angefangen, über Jani zu schreiben, habe ich auf meiner Facebook-Seite. Mit dem Schreiben wollte ich mich abreagieren, doch es stellte sich schnell heraus, dass ich damit ebenso versuchte, mir eine Erklärung für die Entwicklung meiner Tochter und die Vorgänge innerhalb meiner Familie zu erarbeiten. Aus den Facebook-Einträgen wurde ein Blog und die Texte wurden umfangreicher. Als unsere Geschichte bekannt wurde, bekam ich von Hunderten Familien E-Mails, in denen auf die eine oder andere Art immer dasselbe stand: »Wir dachten immer, wir wären allein.« Ermutigt durch die positiven Rückmeldungen gründete ich eine Internet-Selbsthilfegruppe, um Familien mit ähnlichen Problemen zu unterstützen. Hier sollten Eltern die Möglichkeit bekommen, sich untereinander auszutauschen, ohne Scheu vor Kritik, insbesondere vonseiten der Antipsychiatrie-Bewegung, die, obgleich sie viele Facetten hat, prinzipiell bestreitet, dass psychische Krankheiten überhaupt existieren. Davon, dass Kinder davon betroffen sind, wollen diese Menschen definitiv nichts hören. Trotzdem zogen sie ihre Schlüsse aus meinen Blog-Beiträgen. Da sie nur glauben, was sie glauben wollen, stand schnell fest, dass ich meine Tochter missbrauche und die Ursachen für Janis Zustand in ihren Eltern und deren Erziehungsmethoden zu suchen seien.

Seit Jahren versuche ich nachzuvollziehen, wie es möglich sein kann, dass es zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch Menschen, ja selbst Ärzte gibt, die einfach nicht akzeptieren wollen, dass Schizophrenie auch im Kindesalter auftreten kann. Es bestürzt mich, wie viele Menschen mir schreiben, Jani sei von Dämonen besessen und müsse exorziert werden. Letztlich läuft es auf ein und dasselbe hinaus: Verleugnung.

Doch als Jani mir erklärte, sterben zu wollen, ging mir endlich auf, wo diese Verleugnung ihre Wurzeln hat. Man hält an den Missbrauchsvorwürfen oder der Dämonenthese fest, weil das Halt bietet. Die Vorstellung einer realen und ganz und gar unerklär­lichen Krankheit ist zu beängstigend. Wenn Jani an Schizophrenie erkranken kann, dann kann es jeden von uns treffen. Und für viele ist die Vorstellung einfach nicht zu ertragen, dass dazu nicht mehr nötig ist als ein kleiner Kurzschluss im Hirn.

Ich verstehe das. Niemand will ein Kind leiden sehen und so verfallen wir zur Erklärung auf jede noch so abstruse Theorie.

Aber weder Jani noch den anderen psychisch erkrankten und schizophrenen Kindern, die ich kennenlernen durfte, ist mit dieser Art von Verleugnung irgendwie geholfen. Sie brauchen Akzeptanz. Sie brauchen unsere Versicherung: »Deine Krankheit bestimmt nicht, wer du bist.«

Wir können nicht in ihre Gehirne vordringen und sie »geradebiegen«. Aber wir können die Welt so zurechtbiegen, dass sie darin leben können.

Schizophrenie ist kein Todesurteil. Es ist eine Krankheit, mit der man umgehen kann und muss. Und sie ist Teil des unendlich vielfältigen Regenbogens des Menschseins.

Ich wünsche mir, dass Jani diesen Regenbogen sieht. Und ich wünsche mir, dass auch Sie diesen Regenbogen sehen. Darum habe ich dieses Buch geschrieben.

Dies ist kein Requiem für ein Kind. Es ist eine Reise aus der Finsternis ans Licht.

Prolog

Juni 2006

Die meisten Dreijährigen liegen jetzt im Bett, aber die meisten Dreijährigen sind auch keine Genies wie meine Tochter. Sie kann lesen, im Kopf multiplizieren und dividieren und meine Frau ­Susan und mich über das Periodensystem ausfragen, das mit sämtlichen Elementen auf ihrem Platzdeckchen abgedruckt ist.

Es ist kurz vor neun Uhr abends und um sieben endet Susans Schicht als Nachrichten- und Verkehrsfunksprecherin bei einem Radiosender in Los Angeles. Selbst bei dichtem Verkehr müsste sie inzwischen zu Hause sein, trotzdem warte ich noch. Ich will mit Janni so lange herumziehen, bis uns definitiv nichts anderes übrig bleibt, als heimzugehen. Das machen wir so, seit Janni ganz klein war. Anfangs war ich mit ihr bei IKEA und warf mir im Bällebad unter ihrem hysterischen Lachen Plastikbälle an den Kopf. Wenn ich an der Cal State Northridge University unterrichte, geht Susan mit Janni auf Tour, aber heute bin ich an der Reihe.

Ich sehe sie ins Einkaufszentrum rennen – etwas anderes hat um diese Uhrzeit nicht mehr offen –, und frage mich, wie sie das durchhält. Wir waren schon im Zoo, bei IKEA und auf einem McDonald’s-Spielplatz – mir ist alles recht, Hauptsache, es bringt Janni wenigstens für kurze Zeit auf andere Gedanken. Wir haben Jahreskarten für den Zoo und am liebsten mag sie den Tunnel, wo man den Kopf durch den Boden streckt wie ein Präriehund. Janni liebt Hunde. Gelegentlich nennt sie auch Menschen »Hunde« und ich fürchte, irgendwann bekommt das jemand in den falschen Hals.

Inzwischen müsste sie körperlich längst fix und fertig sein, doch wenn dem so ist, lässt sie es sich nicht anmerken. Aber das spielt auch keine Rolle. Es geht nicht um ihren Körper. Es geht um ihren Geist. Ich muss ihr Gehirn auslaugen. Nur dann besteht die Chance, dass man sie zum Einschlafen bringt. So ist das bei ihr von Geburt an.

Die Mall ist praktisch menschenleer und das ist gut so. Je weniger Leute, desto besser.

Janni stürmt in ein Spielzeuggeschäft, eins von den teuren, die noch traditionelle Spielsachen führen. Die Verkäuferin kommt auf uns zu.

»Kann ich helfen?«, erkundigt sie sich.

»Nein, danke, wir schauen uns nur um«, sage ich, um sie schnellstmöglich wieder loszuwerden. Ich will unter allen Umständen vermeiden, dass Janni mit ihr spricht. Janni spricht nicht wie eine normale Dreijährige.

Die Verkäuferin nickt und will sich zurückziehen, aber zu meinem Entsetzen läuft Janni ihr nach.

»Daheim habe ich sieben Ratten«, erzählt Janni.

»Wow«, entgegnet sie verblüfft. »Sieben Ratten hast du?«

»Ja«, nickt Janni. »Sie heißen Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag.«

Was jetzt kommt, ist das Schlimmste. Die Verkäuferin sieht mich mit fragendem Blick an. Sie erwartet von mir, dem Vater, die Bestätigung für diese unglaubliche Information. Eine Ratte ließe sie sich ja eingehen, selbst zwei oder drei, aber sieben? Dabei haben wir gar keine Ratten. Sie existieren von der ersten bis zur letzten nur in Jannis Fantasie.

Jannis erster Fantasiefreund, Low, der Hund, war kurz vor ihrem dritten Geburtstag plötzlich da. Dann kam 400, die Katze. Inzwischen habe ich längst den Überblick verloren. Sie stammen allesamt aus Calilini, Janni zufolge eine wüste Insel vor der kalifornischen Küste.

Im Normalfall wäre das kaum der Rede wert. Jeder weiß, dass kleine Kinder eine blühende Fantasie haben. Aber Janni wird furchtbar wütend, wenn ich ihre Freunde einfach abtue. Dann sieht sie mich an, als hätte ich sie verraten.

Fast will ich schon sagen: Das stimmt eigentlich gar nicht. Die Ratten gibt es nur in ihrer Fantasie, doch dann sieht Janni in Erwartung meiner Reaktion zu mir auf. Noch scheint sie völlig im Reinen mit sich und der Welt. Aber ich weiß, was passiert, wenn ich der Verkäuferin die Wahrheit sage. Janni wird einen dieser ohrenbetäubenden Schreie ausstoßen. Dann wird sie Sachen aus dem Regal reißen und auf den Boden schmeißen. Ich werde ihr befehlen, damit aufzuhören und aufzuräumen, weil ich mich ernsthaft bemühe, ihr gutes Benehmen beizubringen. Aber Janni wird Nein sagen wie ein verstockter Teenager und aus dem Laden rennen. Ich werde ihr nachbrüllen: Janni, komm sofort zurück und heb die Sachen auf!, aber sie wird längst fort sein. Dann werde ich das von ihr angerichtete Durcheinander Durcheinander sein lassen und hinter ihr herlaufen, um sie nicht zu verlieren. Ich werde durch die Ladentür treten, und sie wird vielleicht 30 Meter vor mir im Flur des Einkaufszentrums stehen und mich ansehen.

Plötzlich kommt es mir: Warum muss ich überhaupt die Wahrheit sagen? Diese Frau wird sowieso nie in unsere Wohnung kommen. Sie wird nie erfahren, dass wir in Wirklichkeit gar keine sieben Ratten haben. Warum Janni, die ohnehin schon so anders ist, weiter ausgrenzen?

Ich nicke und breite die Hände aus, wie um zu sagen: Klingt bescheuert, ich weiß. »Allerdings. Sieben Ratten.«

Sie schüttelt den Kopf.

»Wow.« Sie macht große Augen und sieht mich an wie einen Verrückten, aber das ist mir egal. Hauptsache, es gibt keinen Aufstand.

Ich will Janni bei der Hand nehmen.

»Also dann, Janni, gehen wir«, dränge ich, um mich nicht noch tiefer hineinzureiten.

»Magst du Freitag mal sehen?«, fragt Janni die Verkäuferin plötzlich.

Mist!, schießt es mir durch den Kopf.

»Na komm, Janni. Wir müssen los. Wir müssen jetzt heim, die Ratten füttern.«

Die Verkäuferin schaut Janni verdattert an.

»Ob ich Freitag mal sehen möchte?«, wiederholt sie.

»Das ist eine von meinen Ratten«, erklärt Janni ernst und ohne das Gesicht zu verziehen. »Sie sitzt hier in der Tasche.«

Entsetzt sieht die Verkäuferin mich an.

»Du hast eine Ratte dabei?! Im Laden sind Tiere verboten!« Sie läuft zum Telefon auf dem Tresen und will den Sicherheitsdienst rufen. Verdammt!

»Keine Angst«, sagt Janni und läuft ihr nach. »Sie beißt nicht.« Sie steht jetzt hinter der Verkäuferin und streckt ihr die leere Handfläche hin. »Siehst du? Sie ist eine liebe Ratte.«

Die Verkäuferin starrt auf Jannis leere Hand und hat den Hörer schon fast am Ohr, als ihr klar wird, was hier tatsächlich geschieht.

Am Ende kichert sie ein wenig nervös. »Du liebe Güte«, sagt sie und schaut mich an. »Für einen Moment hat sie mich wirklich drangekriegt. Ich dachte schon, Sie hätten wirklich eine Ratte dabei.«

»Haben wir auch«, sagt Janni mit todernstem Gesicht. »Wir haben Freitag dabei. Da ist sie.« Sie hält der Verkäuferin die Hand unter die Nase, als sei sie kurzsichtig.

»Janni, komm jetzt«, rufe ich und will nur raus hier.

Die Verkäuferin lächelt und tut so, als streichle sie die Ratte.

»Da hast du aber einen lieben, kleinen Burschen«, lobt sie Janni.

Ich zucke zusammen. Ich höre ihren herablassenden Ton. Sie behandelt Janni wie ein x-beliebiges Kind und meint, Janni wäre so dumm und merkte nicht, dass man ihr etwas vormacht.

»Es ist ein Mädchen«, verbessert Janni.

»Ein Mädchen«, nickt die Verkäuferin und schaut mich mit diesem Gesicht an, das ich bis zum Überdruss kenne: Nein, was für eine wundervolle Fantasie Ihre Tochter hat! Dann lächelt sie Janni an.

»Denkst du dir gerne Sachen aus?«

Janni sagt nichts. Auf ihrem Gesicht macht sich der Ausdruck der Frustration breit. Auf einmal reißt sie etliche klassische Holzspielsachen aus dem Regal und schleudert sie zu Boden.

»Janni, lass das!« Ich eile zu ihr und packe sie an den Händen, um sie zu stoppen. Sie reißt sich los, rennt tiefer in den Laden hinein und wirft immer neue Sachen aus den Regalen.

Ich laufe ihr nach. »Janni!« Aber ich weiß, ich kann jetzt sagen, was ich will. Janni wird nicht aufhören. Ich werde sie aus dem Laden schleifen müssen. Ich bin böse auf Janni, aber noch böser bin ich auf die blöde Verkäuferin. Wieso kann sie sich nicht einfach drauf einlassen? Ich weiß, dass es nicht fair ist, von der Welt zu erwarten, dass sie sich auf Jannis Fantasie einlässt. Aber das hält mich nicht davon ab, mir zu wünschen, dass sie es täte.

8. August 2006

Heute ist Jannis vierter Geburtstag und ich bereite gerade die Party am Swimmingpool beim Klubhaus unserer Wohnanlage vor.

Ich setze Badespielzeug ins Wasser. Janni planscht inzwischen schon im Becken.

»Komm auch rein, Papa!«

»Ich komme schon noch, Janni. Ich muss nur erst alles herrichten.«

»Schau mal, Janni!«, ruft Susan. »Lynn und die Zwillinge sind da. Komm und sag Guten Tag.«

Susan steht am Tor und lässt sie herein. Die Zwillinge sind im selben Alter wie Janni. Wir kennen sie, seit sie Babys waren.

»Janni?«, ruft Susan noch einmal. »Komm und sag Lynn und den Zwillingen Hallo.«

»Nein«, ruft Janni zurück, ohne sich auch nur umzudrehen.

»Janni, du musst deine Gäste begrüßen«, sagt Susan schon etwas strenger.

»Nein!«, schreit Janni jetzt deutlich lauter.

»Hallo, January!«, ruft Lynn. »Alles Gute zum Geburtstag!«

»Ich bin nicht January!«, kreischt Janni, die sich noch immer nicht umdreht. Ruhiger dann: »Ich bin Blauaugenbaumfrosch.«

Lynn ist sichtlich irritiert, fasst sich aber rasch wieder. Sie kennt unseren Kampf mit Jannis ständigen Namenswechseln schon seit geraumer Zeit.

Vor einem Jahr wollte Janni plötzlich nicht mehr auf ihren Namen hören. Und diese Phase dauert nun schon sehr viel länger an, als wir erwartet hatten. Sobald jemand sie bei ihrem echten Namen ruft, schreit sie auf, als würde man ihr die Hand auf die heiße Herdplatte drücken.

Wir versuchen gar nicht erst, sie dazu zu zwingen, ihren Geburtsnamen zu benutzen. Mittlerweile sind wir schon froh, wenn sie sich für einen Namen entscheidet und dabei bleibt. Das Problem ist, dass sie die Namen andauernd wechselt, mitunter mehrmals täglich. Sie war schon »Hotdog«, »Regenbogen«, »Leuchtkäfer« und nun also »Blauaugenbaumfrosch«; das heißt, ursprünglich »Rotaugenbaumfrosch« aus der Fernsehserie Diego!, bis die Dame vom Sav-On-Drogeriemarkt sie darauf aufmerksam machte: »Du hast aber doch blaue Augen, mein Schatz.«

»Lynn und die Mädchen sind extra zu deiner Geburtstagsparty gekommen«, ermahnt Susan. »Du kommst jetzt her und sagst Guten Tag.«

Janni steigt aus dem Pool und geht zu den Zwillingen. Sie zieht keine Schnute. Sie lächelt und reibt sich flott die Hände, als freue sie sich auf einmal, die beiden zu sehen. Es ist, als habe der Ausbruch von gerade eben nie stattgefunden.

Susan nimmt für die Zwillinge zwei Safttüten aus der Kühlbox.

»Hallo, Janni. Wie geht’s?«, fragt Lynn freundlich.

Das Händereiben bricht ab und das Lächeln ist verschwunden. »Ich bin nicht Janni! Ich bin Blauaugenbaumfrosch.«

»Oh, verzeih. Ich vergaß.« Als hätte ihr jemand einen leichten elektrischen Schlag versetzt, verbessert sich Lynn eilends.

»Kinder, wünscht Blauaugenbaumfrosch alles Gute zum Geburtstag«, weist Lynn ihre Töchter an.

»Alles Gute zum Geburtstag, Janni«, flöten sie pflichtschuldig. Die Zwillinge kannten meine Tochter schon als Janni, da konnten sie noch nicht einmal sprechen. Etwas anderes haben sie nie gelernt.

»Ich bin nicht Janni!«, schreit sie die Zwillinge an. »Ich bin Blauaugenbaumfrosch.«

Verwirrt schauen die Zwillinge nach ihrer Mutter.

»Janni!«, mahnt Susan. »Sei höflich.«

Ich sage nichts. Natürlich hätte auch ich gerne eine höfliche Tochter, aber es ist nun einmal so, dass Genie in aller Regel mit auffälligem Verhalten einhergeht. Janni war von Anfang an Frühentwicklerin und konnte schon mit acht Monaten sprechen. Mit 13 Monaten kannte sie sämtliche Buchstaben, die großen wie die kleinen, selbst wenn sie auf der Seite lagen oder auf dem Kopf standen. Mit 18 Monaten sprach sie in grammatikalisch korrekten Sätzen und stellte sich anderen mit den Worten vor: »Ich heiße Janni Paige und bin 18 Monate alt.«

Doch wozu sie wirklich fähig war, begriff ich erst, als ich eines Abends, da war Janni gerade zwei, vom Seminar heimkam und Susan mir von ihrem Tag erzählte.

»Addieren habe ich ihr schon beigebracht«, berichtete Susan, was ich aber längst wusste, »also haben wir heute mit Subtrahieren angefangen. Ich wollte wissen, was sieben minus vier ist.«

»Hat sie es herausgebracht?«, fragte ich.

»Ja, das hat sie, und wir machten weiter mit sieben minus drei ist vier. Und dann fragt sie mich: ›Mama, was ist vier minus sieben?‹ Also fing ich an, ihr negative Zahlen zu erklären.«

Ich starrte Susan an. »Sie wollte von dir wissen, wie viel vier ­minus sieben ist?«

Susan, die gerade den Abwasch machte, drehte sich zu mir um. »Ja.« Sie sah den entsetzten Ausdruck in meinem Gesicht. »Was hast du denn?«

»Das hat sie dich einfach so gefragt?«

»Ja. Aber was ist denn?«

Negative Zahlen, schoss es mir durch den Kopf. Negative Zahlen existieren in der Dingwelt nicht und sind ein rein abstraktes Konzept. Minus vier Äpfel kann man nicht sehen. Im Alter von zwei Jahren vollzog Jannis Hirn den Sprung vom »konkreten Denken«, wie Piaget es nennt, zum »abstrakten Denken«, etwas, das typischerweise erst sehr viel später geschieht. Janni war fähig, sich einen Begriff von Konstrukten zu machen, die es materiell gar nicht gibt.

Ich träume davon, dass Janni noch vor ihrem zehnten Geburtstag nach Harvard oder Yale oder aufs Massachusetts Institute of Technology (MIT) geht. Mein größter Traum, wenn ich nachts die Augen schließe, ist, dass Janni den Nobelpreis gewinnt. Wofür, weiß ich nicht und es ist mir auch egal. Aber wenn sie mit zwei Jahren zu solchen Leistungen fähig ist, dann muss sie sich ganz einfach als Segen für die Menschheit erweisen. Und dafür kann man ihr schon mal die eine oder andere Unhöflichkeit durchgehen lassen.

»Mögt ihr Saft?« Susan reicht den Zwillingen die Safttüten, die sie gerne nehmen.

Janni bricht in Gelächter aus und macht eine schnelle, ausholende Armbewegung zu den Zwillingen hin. »400 bespritzt euch mit Mangosaft«, prustet sie, ohne die beiden zu berühren.

Instinktiv zucken die Mädchen zusammen und blicken sich Rat suchend nach der Mutter um.

»400 bespritzt euch mit Mangosaft.« Ohne dass sie irgendetwas in der Hand hielte, wiederholt Janni die Bewegung und tut, als schütte sie Saft über die Zwillinge.

Die Mädchen flüchten zur Mutter.

»Janni, das tut man nicht«, schimpft Susan.

»Aber das bin nicht ich. Das ist nur 400. Sie bespritzt sie mit Mangosaft. Es macht ihr Spaß, Leute mit Mangosaft zu bekleckern.« Wieder holt der Arm mit dem imaginären Saft aus. Dabei haben wir nicht einmal Mangosaft.

Die Zwillinge schauen zu Lynn. »Ihr braucht beide Sonnenschutz.« Sie sieht die beiden an, nimmt eine Tochter an jede Hand und führt sie zu den Liegestühlen und Tischchen.

»Dann sag 400 gefälligst, dass sie damit aufhören soll«, befiehlt Susan. »400 ist auch wieder eine von diesen eingebildeten Freundinnen«, erklärt sie Lynn.

Ins Nichts sagt Janni: »400, hör jetzt auf.« Sie wartet offenbar eine Reaktion ab und wendet sich dann wieder den Zwillingen zu.

»Sie will einfach nicht damit aufhören.« Janni bricht erneut in Lachen aus. »Das ist so komisch. 400 schüttet Mangosaft über euch.«

Lynn cremt die sichtlich verschreckten Zwillinge mit Sonnenschutz ein. »Es ist schon gut, wir wissen, dass Janni ›eigen‹ ist.«

Es ist frustrierend. Janni lässt ihre Fantasie spielen, aber die Zwillinge sind einer Vorstellungskraft wie dieser nie begegnet. Viele Genies sind exzentrisch, sage ich mir.

»Janni!« Susans Stimme wird schrill. »Hör sofort auf!«

»Das bin nicht ich! Das ist 400!«

»Dann kümmere dich um 400. Sag ihr, sie soll aufhören.«

Entgeistert streckt Janni die Arme von sich. »Das kann ich nicht!«

»Janni …«, setzt Susan an, doch ich falle ihr ins Wort.

»Lass gut sein.«

Janni kommt zu mir und wir machen uns fertig für den Swimmingpool. Das ist meine Aufgabe. Ich bin es, der sie vor dem Rest der Welt beschützt.

Ich sehe die Frustration in Susans Gesicht, aber ihr fehlt einfach das tiefe Verständnis für Janni, wie ich es habe.

»Sie muss ihre Freundinnen begrüßen«, ermahnt sie mich flehentlich. »Du trägst nicht dazu bei, ihr Manieren beizubringen.«

»Es ist ihr Geburtstag. Lass gut sein«, entgegne ich.

Susan setzt zum Widerspruch an.

»Lass gut sein«, wiederhole ich ein wenig strenger. Susan schließt den Mund und sieht mich böse an.

Ich springe ins Becken, komme an den Rand und recke die Arme hoch. »Komm, Janni. Spring rein.«

»400 will auch reinspringen«, sagt Janni sehr ernst.

»Katzen sind aber eher wasserscheu.«

»Okay, du bleibst hier, 400.«

Janni springt zu mir und ich führe sie in die Mitte des Pools. Plötzlich schaut Janni sich nach dem Beckenrand um.

»Oh, nein! 400 ist ins Wasser gefallen!«, ruft sie aus. »400, nicht ertrinken!«

»Ich rette 400«, verspreche ich. Ich setze Janni im Flachen ab und wate dorthin, wo 400 mutmaßlich sein könnte. Und genau das ist es, was mich von jedem anderen in Jannis Leben unterscheidet. Ich lasse mich auf ihre imaginären Freunde ein, als seien sie real. Lieber fahre ich zur Hölle, als dass sie mich mit den »Dreizehnern« auf eine Stufe stellt. »Dreizehner«, das sind nach Janni Kinder und Erwachsene, die nicht über ihre Fantasie verfügen. Sich selbst sieht sie als »Zwanzigerin«, mich ebenso; Susan ist eine »Siebzehn«, und die meisten ihrer Spielgefährten sind »Fünfzehner«. »Dreizehner« sind die, die über keinen Funken Fantasie verfügen.

»Hab sie!« Ich angle Nichts aus dem Wasser. »Ah! Jetzt sitzt sie auf meinem Kopf! 400!« Ich tue so, als ginge ich unter dem Gewicht der eingebildeten Katze unter. Ich werde Janni in nichts einschränken. Ich werde ihr nichts verbieten, da ich fürchte, wenn sie erst einmal anfängt, sich Schranken aufzuerlegen, um nicht mehr aufzufallen, könnte ihr volles Potenzial verloren sein.

Janni grinst und lacht.

»400! Geh runter von Papas Kopf.«

Glücklich lächle ich zurück.

»Weißt du, Janni, wenn es einen Ozean gäbe, der so groß ist, dass der Saturn hineinpasst, dann würde er darin schwimmen.« So lässt sie sich etwas beibringen. Ich muss nur ihre Fantasiefreunde einbinden und schon passt sie auf.

»Weißt du noch, wie hoch der Luftdruck auf der Venus ist?«

»90«, antwortet Janni.

»Richtig. Dort würdest du 90-mal so viel wiegen, wie du auf der Erde wiegst. Wobei wir natürlich in Schwefelsäure schwimmen würden, wenn wir jetzt auf der Venus wären. Und wir dürfen die Hitze nicht vergessen. Auf der Venus ist es noch heißer als auf dem Merkur, ungefähr 465 Grad herrschen da, und das, obwohl der Merkur näher an der Sonne ist.«

»In Calilini kann es auch über 90 Grad heiß werden«, behauptet Janni.

Das ist meine Chance, ein wenig Realität in ihre Welt zu schleusen.

»Janni, so heiß wird es auf der ganzen Erde nicht. Das ist knapp unter dem Siedepunkt von Wasser. Bei einer solchen Temperatur könnte nichts überleben.«

»Meine Freunde schon.«

»Das ist unmöglich. Unsere Körper bestehen zum größten Teil aus Wasser und bei einer derartigen Temperatur würden wir im wahrsten Sinne des Wortes zu kochen anfangen. Wie wollen sie da überleben?«

Janni zuckt mit den Achseln. »Sie tun’s halt.«

Ich setze zu einer Erwiderung an, um ihr die Abwegigkeit dieser Behauptung zu beweisen, aber Janni paddelt von mir weg und ich lasse es gut sein.

»Janni«, rufe ich.

Sie dreht sich um.

»Ich habe immer noch eine Katze auf dem Kopf.«

Sie grinst.

Ich betrachte die Pizzaschachteln auf dem Tisch.

Letztes Jahr bestellte ich sechs mittelgroße Käsepizzen, die ratzeputz gegessen waren, ehe noch alle Gäste da waren, daher bat Susan, ich solle diesmal gleich neun bestellen. Das tat ich auch. Allerdings sind nun sechs davon völlig unangetastet.

Susan sagt, es sei Zeit, den Kuchen anzuschneiden.

»Hast du auch allen eingeschärft, dass sie ›Happy Birthday, lieber Blauaugenbaumfrosch‹ singen müssen?«, frage ich.

»Ja, habe ich«, erwidert Susan, die meine Ängste teilt. Das Letzte, was wir beide wollen, wäre, dass Janni an ihrem Geburtstag ausflippt. »Ich hoffe nur, dass auch alle dran denken.« Sie dreht sich um und ruft in die Runde, dass jetzt die Kerzen angezündet werden.

Alle versammeln sich um die Torte mit der Aufschrift HAPPYBIRTHDAY, BLAUAUGENBAUMFROSCH.

»Fein, bist du so weit?«, fragt mich Susan.

Ich zünde die Kerzen an. Janni steht zwischen uns und reibt sich die Hände in einem Tempo, dass ihr die Handgelenke wehtun müssten, doch sie zeigt keine Anzeichen von Schmerz.

»Okay …«, setzt Susan ein. »Happy Birthday to you …«

Alle stimmen mit ein: »Happy Birthday to you. Happy Birthday, liebe …«

Ängstlich sieht Susan mich an.

Ich singe »… Blauaugenbaumfrosch« so laut ich nur kann, um die Gäste auf den korrekten Namen einzuschwören und jedweden »Irrtum« zu übertönen, ehe Janni ihn bemerken kann.

»Happy Birthday to you.«

Alle applaudieren, auch Janni. Ich blicke zu Susan, die ebenso erleichtert aufatmet wie ich selbst.

Als Susan die Kuchenstücke austeilt, fällt mir auf, dass die Gästeschar dieses Jahr kleiner ist. Ich hatte mich auf Janni konzentriert und mit ihr gespielt, weil sie sich weigert, mit irgendjemand sonst zu spielen, daher hatte ich es vorher nicht bemerkt. Das ­erklärt die Pizzalage. Letztes Jahr blieben die Gäste für Stunden, lange nachdem die Torte angeschnitten und die Geschenke überreicht waren. Heuer sind etliche schon wieder weg. Ich sehe mich um und stelle fest, dass auch Lynn und die Zwillinge gegangen sind.

Oktober 2006

Jannis IQ ist 146.

Das kann nicht stimmen. Ich hatte mehr erwartet, viel mehr. Was ich erwartet hatte, war ein Albert-Einstein-IQ, ein Stephen-Hawking-IQ (auch wenn keiner der beiden je einen IQ-Test gemacht hat).

Ich sitze im Sprechzimmer von Heidi Yellen, einer auf Autismus spezialisierten Therapeutin. Je deutlicher sich Jannis Verhalten ändert, desto häufiger sprechen uns unsere Freunde auf Autismus an. Nicht nur, dass Janni sich neuerdings antisozial verhält, sie kann auch nicht aufhören, ihre Hände aneinander zu reiben, was allgemein als Stereotypie gedeutet wird, eines der deutlichsten Anzeichen für Autismus. Jannis Kinderarzt verwies uns an Heidi, »einfach, damit wir es ausschließen können«. Ich wollte Janni nicht herbringen. Autismus ist die aktuelle Modediagnose, genau wie Hyperaktivität zu meiner Kindheit. Es regt mich einfach auf, dass der Rest der Menschheit in erster Linie ihr Betragen und nicht ihre Intelligenz für bemerkenswert hält, aber allmählich bin ich es leid, immer wieder darauf angesprochen zu werden. Also mache ich einen Termin aus, voller Angst, dass Janni am Ende als autistisch dasteht und ihr die Zukunft damit verbaut ist.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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