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Auf humorvolle Art begegnet der Autor dem ganz normalen Wahnsinn unserer Zeit. Diese Kurzgeschichten lassen schmunzeln über Political Correctness, Gendern, Identität und Diskriminierung ohne sich in die Nähe der dunklen Seite zu begeben. Ideal als Bettlektüre.
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Seitenzahl: 19
Veröffentlichungsjahr: 2022
Diskriminierungsmonopoly
Misersky schaute ernst in die Gesichter der Anwälte, die sich um den großen Konferenztisch versammelt hatten.
„Wir werden neue Geschäftsfelder brauchen. Minus 13% beim Umsatz zum Vorjahr in den ersten 3 Quartalen. Wenn wir uns nichts einfallen lassen, werden wir zwei von ihnen im kommenden Jahr nicht mehr benötigen“, sagte er mit angespannter Stimme.
Eine unangenehme Stille trat ein. Einige Jüngere schauten verlegen zu Boden, andere, Ältere, schienen schon zu überlegen, welche der Jüngeren es treffen würde.
„Haben Sie die Zeitung von heute gelesen?“, fragte Misersky in gezwungen freundlichem Ton und fuhr direkt fort. „Es gibt eine Klage gegen ein Erwachsenenhotel. In diesem Hotel sind Kinder unerwünscht. Jemand hat wegen Verstoßes gegen das Diskriminierungsverbot geklagt.“ Er machte eine kurze Pause. „Solche Mandanten müssen wir finden. Mandanten die bereit sind, das Gesetz in seiner ganzen Breite auszunutzen.“
Wieder trat Stille ein.
„Ich erwarte Vorschläge“, sagte Misersky und begann mit den Fingerspitzen auf den Tisch zu trommeln.
„Das Spielcasino in Bad Neuenahr lässt Männer nur mit Krawatte rein. Dies diskriminiert Männer in Frauenkleidung“, schlug Ackermann vor.
„Die Seniorenresidenz Seeblick nimmt nur Personen über 60 Jahre auf. Das diskriminiert alle unter 60“, sagte Glasmacher.
„Sehr gut, weiter“, sagte Misersky und machte sich Notizen.
„Mein Sohn ist letztens nicht in die Disco gelassen worden, nur weil er keine 18 Jahre alt ist“, moserte Pichelmeyer.
„Der Mini-Autoscooter im Phantasialand ist nur für Kinder bis 10 Jahre. Dies diskriminiert Teenager und Erwachsene.“
„Bei unserem Metzger gibt es nichts für Veganer“, sagte der junge Waltner und nahm die Hand runter, die er intuitiv gehoben hatte.
„Weiter, weiter!“ Misersky schrieb wie ein Besessener.
„In der Damenmannschaft unseres Tennisvereins dürfen keine Männer spielen“, rief Frau Sandmann etwas heiser.
Jetzt gab es kein Halten mehr.
„Die katholische Kirche stellt nur Männer als Priester ein!“
„In Flugzeugen zahlen Kinder weniger als Erwachsene. Das diskriminiert Erwachsene.“
„Die Rente beginnt mit 65, das diskriminiert Ältere.“
„An Bundestagswahlen dürfen nur Deutsche teilnehmen. Das diskriminiert ziemlich viele Ausländer. Damit können wir die größte Sammelklage der Geschichte starten.“
Misersky schaute in die Runde und nickte anerkennend. „Wir werden wieder wachsen.“
Sager stand auf. „Ich kündige und werde diese Kanzlei verklagen.“
Misersky, hielt inne und schaute von seinem Block auf. „Wie, was, weshalb?“, fragte er irritiert.
