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Er nannte seine Autobiografie "Salto Mortale". Das war doppeldeutig. Zum einen bezog es sich auf seine Herkunft aus dem Zirkusmilieu, zum anderen auf sein mehr als wechselvolles Leben. Als seine Eltern, als Mitglieder der Kundschafterorganisation "Rote Kapelle" in Frankreich hingerichtet wurden, kam er erst in ein Naziheim, dann an die Front, wo er beim Überlaufen zur Roten Armee von der SS geschnappt und eingesperrt wurde. 1949 verurteilte ihn in Leipzig ein sowjetisches Militärtribunal wegen Spionage für Frankreich zu sechs Jahren Haft. Und 1962 schickte ihn die Auslandsaufklärung der DDR nach Paris, wo er als Spion aufflog und zu zwölf Jahren verurteilt wurde. 1975 begnadigte ihn Frankreichs Präsident … Voelkner (1928-2002) veröffentlichte in den 80er Jahren seine Autobiografie. Sein Leben war um vieles bunter, als dort stand. Peter Böhm zeichnet mit Hilfe von Zeugen, Dokumenten und Selbstzeugnissen ein mehr als ungewöhnliches Leben nach.
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Seitenzahl: 295
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Das Buch
Das ist ein so ungewöhnliches Leben, wie es nur im vorigen Jahrhundert, zwischen und in den heißen wie Kalten Kriegen, stattfinden konnte. Hans Voelkner, Sohn fahrender Leute, die aus antifa schis tischer Überzeugung für die Sowjetunion arbeiteten und als Mitglieder der internationalen Widerstandsorganisation »Rote Kapelle« ihr Leben einsetzten und verloren, folgte den Eltern nach. Als Kundschafter der HV A ging er nach Paris.
Die Eltern starben, weil die Nazis ihnen auf grund von Fehlern in Mos kau auf die Spur kamen. Hans Voelkner wurde 1949 von der Sowjetischen Mili täradministration zu 25 Jahren Lagerhaft verurteilt und saß bis 1955 in Bautzen … Und dennoch stand er ungebrochen zu seiner Überzeugung und handelte danach. Dafür genießt er unverändert hohen Respekt: in Frankreich wie in Deutschland, wie Peter Böhm belegen kann.
Der Autor
Peter Böhm, Jahrgang 1950, nach dem Philosophiestudium Hochschullehrer, anschließend im Internationalen Pressezentrum der DDR (IPZ) in Berlin tätig. Nach 1990 Pressereferent und freier Journalist. Von ihm erschien in der edition ost »Spion bei der NATO. Hans-Joachim Bamler, der erste Resident der HV A in Paris« (2014).
Impressum
ISBN eBook 978-3-360-51030-3
ISBN Print 978-3-360-01865-6
© 2015 edition ost im Verlag Das Neue Berlin, Berlin
Umschlaggestaltung: Buchgut, Berlin, unter Verwendung eines Fotos von Hans Voelkner aus dem Jahr 1990
Die Bücher der edition ost und des Verlags Das Neue Berlin erscheinen in der Eulenspiegel Verlagsgruppe.
www.edition-ost.de
Fotos (soweit nicht anders angegeben): Archiv Voelkner
Peter Böhm
Im Schatten der Roten Kapelle
Das unstete Leben des Spions Hans Voelkner
Wie schicksalhaft das Leben doch verfliegt …
Du blickst zurück, die Stimmung leicht gedämpft: Nicht jeder, der gekämpft hat, hat gesiegt, nicht jeder, der gesiegt hat, hat gekämpft.
Ernst Röhl
Hans Voelkner oder Der Fluch der Ideale
I. Parforceritt durchs 20. Jahrhundert
Das Leben des Hans Voelkner ist ein Parforceritt durch das 20. Jahrhundert. Er wurde am 21. August 1928 in einer Danziger Arbeiterfamilie geboren. Seine Mutter Käte Voelkner (1906-1943) und sein Onkel Benno (1900-1974) waren Kommunisten. Was Wunder: Ein Bruder der Voelkner-Kinder »blieb« im Krieg, Benno Voelkner selbst hatte das Grauen der Schlachten des Ersten Weltkrieges am eigenen Leib erlebt. Diese Erfahrung prägte die Familie, und so wurde auch Hans einer von ihnen – Kommunist. Dass er es sein Leben lang auch blieb, bedarf der Erklärung.
Die liefert Hans Voelkner in seinem Buch »Salto mortale« zum großen Teil selbst – doch wie es mit Autobiografien ist: Sie sind ebenso subjektiv wie zeitbezogen. Sowohl das Erleben des Hans Voelkner als auch die historischen Ereignisse, die sein Leben prägten, bedürfen der näheren Betrachtung. Der Erste Weltkrieg war solch ein Grunderlebnis – nicht für Hans Voelkner, doch für die Familie und die Gesellschaft, in der er aufwuchs.
II. Karl und Rosa
Die Entstehung der Kommunistischen Partei Deutschlands war Ergebnis dieses Krieges und der Kapitulation der stolzen, sowohl kampferprobten als auch traditionsreichen Sozialdemokratie vor dem Expansionsstreben von Kaiser und Kapital. Wie die Zustimmung zu den Kriegskrediten 1914 gehört dieser Verrat an Tradition und Idealen zu den historischen Sünden der Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert.
Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die entschiedenen Gegner dieses Krieges, wurden die prominentesten Opfer dieser unseligen Allianz aus Reaktion und Sozialdemokratie. Noch 1962 brüstete sich der ehemalige Freikorps-Hauptmann Waldemar Pabst im Spiegel, er habe »Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg […] richten lassen«1. Pabst konnte dies so freimütig behaupten, weil das bundesamtliche Bulletin vom 8. Februar 1962 die Ermordung von Liebknecht und Luxemburg als »standrechtliche Erschießung« bezeichnet hatte, da Deutschland nur so »vor dem Kommunismus gerettet« werden konnte.2 Freie Hand zu dieser Bluttat gab dem Rottenknecht Pabst der Sozialdemokrat Noske.3
Luxemburg und Liebknecht waren die bekanntesten Opfer des reaktionären Terrors in Deutschland nach dem November 1918. Die Regierungsmacht fiel der SPD in den Schoß – sie wollte sie nicht, weil sie keine wirkliche Macht ausüben, sondern nur die Machtlosigkeit exekutieren konnte. Dessen bewusst, holten sich Friedrich Ebert, Gustav Noske & Co. Rückhalt beim preußischen Militär: Das Groener-Ebert-Abkommen sicherte der SPD-geführten Reichsregierung, demagogisch »Rat der Volksbeauftragten« genannt, die Unterstützung des Heeres. Der Preis war das Mittun der Sozialdemokraten bei der Bekämpfung des »Bolschewismus«. Das traf bei Friedrich Ebert auf offene Ohren, denn er hasste die »soziale Revolution […] wie die Sünde«.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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