Luisa und Jochen kaufen ein Haus in einsamer Lage. Jochen ist im Beruf erfolgreich und muss jetzt, da ein Haus abzuzahlen ist, noch mehr Zeit für die Arbeit investieren. Darunter leidet seine Liebe zu Luisa, körperlich, aber auch seelisch. Bald zeigt sich, warum das Haus günstig zu haben war. Aus einem alten Spiegel löst sich ein Geist in Luisas Gestalt, der all ihre sexuellen Begierden und Sehnsüchte symbolisiert, Erst wird nur sie in einen Rausch des Verlangens hineingetrieben. Doch schon bald wirkt sich die Anwesenheit des Geistes auch auf Jochen und Gäste des Hauses aus, die sich nicht mehr den Konventionen entsprechend verhalten, sondern sich allein ihren Trieben hingeben. Ein Strudel der Sinnlichkeit der alles mitreißt, was in seinen Einflussbereich gerät.
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Seitenzahl: 73
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Asta Roth
Im Spiegel
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
I.
II.
III.
IV.
V.
VI.
Impressum neobooks
Luisa gefiel das Haus vom ersten Augenblick an. Sie konnte nicht verstehen, wieso dieses Schmuckstück mit den großen Erkerfenstern und dem üppigen, dem Waldrand zugewandten Balkon praktisch für einen Apfel und ein Ei zu haben gewesen war.
„Und, was sagst du?“ Sie blickte zur Seite auf Jochen, der mit den Händen in den Hosentaschen neben ihr stand.
„Sieht solide aus.“
„Solide? Ist das alles, was dir dazu einfällt? Das ist ein echtes Schmuckstück. Schau dir nur dieses Fachwerk an.“
„Ich hoffe nur, es ist wirklich so stabil, wie es aussieht. Bei alten Balken muss man immer damit rechnen, dass sie morsch sind oder der Holzwurm drin ist.“
„Du hast doch die Expertise gesehen.“ Luisa knuffte Jochen. Dieser trat einen Schritt zur Seite aus dem Schlagbereich ihrer Hand.
„Ja“, sagte er. „Aber kannst du mir mal erklären, wieso dieses Haus so billig ist? Noch dazu möbliert.“
„Das habe ich mich auch schon gefragt. Vielleicht liegt es daran, dass es recht weit vom Stadtrand entfernt liegt. Hier gibt es weit und breit keinen Supermarkt, keine Gaststätten, nur den Wald und die Landstraße.“
„Was, hatte der Makler gesagt, war mit dem Vorbesitzer passiert?“
„Ist im Bett gestorben. Herzstillstand. Nichts Außergewöhnliches.“ Luisa verschwieg das seltsame Detail, das der Makler erwähnt hatte.
Die beiden jungen Leute betraten das Haus und sahen sich um. Jochen sagte, er wolle sich als Erstes den Keller ansehen, wolle prüfen, ob der auch wirklich trocken war.
„Gut“, sagte Luisa. „Ich sehe mich oben um. Wir treffen uns danach hier und erkunden gemeinsam das Erdgeschoss.“
„In Ordnung.“ Schon war Jochen Richtung Keller unterwegs.
Luisa stieg die geschwungene Treppe aus dunklem Holz in den ersten Stock hinauf. Oben erwartete sie ein Gang, der mit einem verschlissenen, dunkelgrünen Teppich ausgelegt war. Von dem Gang gingen rechts drei Türen ab. Ein Geländer schloss ihn gegen die Halle ab und verhinderte, dass man hinunterstürzte, wenn man unaufmerksam oder im Dunkeln dort entlang ging.
Die erste Tür führte in ein sehr geräumiges Badezimmer. Mitten darin stand eine Wanne auf Löwenfüßen, die sicherlich groß genug für Luisa und Jochen gemeinsam war. Eine Rohrleitung führte an der Decke entlang und endete über der Wanne in einem Duschkopf aus Kupfer.
„Meine Güte“, quietschte Luisa begeistert.
Sie machte sich auf den Weg ins nächste Zimmer. Dieses war noch größer als das Bad. Die gesamte Wand links der Tür wurde von Schränken eingenommen, die fast bis unter die Decke reichten. Vor dem Fenster stand ein zierlicher Tisch aus Mahagoni und links und rechts von diesem je ein Ohrensessel, der so im Raum stand, dass jemand der darin saß, bequem aus dem Fenster auf den Wald blicken konnte. Rechts vom Fenster führte eine Tür auf den großen Balkon. Luisa sah das schmiedeeiserne Gitter mit den Amorfiguren an beiden Ecken. Amors Pfeil deutete jeweils in die Mitte des Balkons.
Luisa nickte, als bejahe sie eine ungestellte Frage, dann verließ sie diesen Raum und wandte sich dem dritten Zimmer zu, eben jenem Raum, in dem der letzte Besitzer tot im Bett, aufgefunden worden war, völlig nackt und mit versteiftem Penis. Das hatte ihr der Makler erzählt.
„Muss ausgesehen haben, als hätte er den schönsten denkbaren Tod gehabt, direkt während eines Liebesakts. Verzeihung!“ Bei diesen Worten war der noch sehr junge Mann rot geworden.
Luisa öffnete die Tür und spürte, dass ihr Herz ein paar zusätzliche Schläge ausführte. Entschlossen trat sie ein. Nichts Besonderes war zu entdecken. Der Raum erwies sich als deutlich kleiner als Bad und Balkonzimmer. Er beherbergte ein bemaltes Bauernbett. Dieses war sicherlich ursprünglich nur für eine Person vorgesehen, aber breit genug, um zumindest ein frisch verliebtes Paar ohne Probleme aufzunehmen.
Direkt an der Wand gegenüber dem Bett stand ein mannshoher Spiegel in einem ebenfalls aus Mahagoni gefertigtem Rahmen. In das dunkle Holz waren feine Intarsien aus einem helleren eingearbeitet, das Luisa nicht identifizieren konnte. Sie zeigten seltsam verschlungene Muster, die den Blick Luisas fesselten. Wie Beschwörungsformeln in einer vergessenen Sprache rankten sie sich um den Spiegel. Nur mit Mühe gelang es Luisa, sich abzuwenden. Sie schüttelte den Kopf und murmelte: „Blödsinn, das Ding kommt einfach raus. Und das Bett auch.“ Sie machte auf dem Absatz kehrt und ging in die Halle hinunter.
Jochen war bereits aus dem Keller zurückgekehrt.
„Alles in Ordnung da unten. Die Elektroinstallation sieht sehr neu aus. Beim Wasser ist das anders, aber es scheint alles okay zu sein. Was ist oben?“
„Ein riesiges Bad, das Balkonzimmer und ein kleines Schlafzimmer. Da lassen wir die alten Möbel rausschmeißen. Die gefallen mir nicht.“
„Ist das der Raum, wo der Vorbesitzer gestorben ist?“
„Ja.“ Luisa nickte.
„Du bist wohl doch abergläubisch?“
„Quatsch. Aber die Möbel sind absolut nicht mein Ding. Ich nehme an, das wird auch in ein paar anderen Zimmern so sein.“
„Schauen wir mal.“ Jochen machte sich schon auf den Weg das Erdgeschoss in Augenschein zu nehmen.
Als sie alles gesehen hatten, waren sie sich sicher, dass sie dieses Haus nehmen würden. Sie würden es kaufen, den alten Plunder rauswerfen und einziehen, sobald es mit neuen Möbeln ausgestattet war. Und so kam es.
„Was macht der Spiegel noch hier?“, fragte Luisa den Mann von der Umzugsfirma, die sowohl für die Entsorgung der alten Möbel als auch für den Transport der neuen verantwortlich zeichnete.
„Keine Ahnung.“ Der Mann zuckte nur mit den Schultern.
„Er stand aber auf der Liste“, begehrte Luisa auf. „Der muss raus.“
„Ich rufe mal im Büro an. Vielleicht wissen die mehr.“ Der Mann ging auf den Flur und anschließend ins Balkonzimmer. Dort stellte er sich auf den Balkon, um ungestört telefonieren zu können. Als er wieder zu Luisa kam, hatte er schlechte Nachrichten für sie.
„Die haben gesagt, der kann nicht raus.“
„Wieso?“
„Muss irgendwie so in die Wand eingelassen sein, dass Ihnen der ganze Giebel zusammenfällt, wenn Sie ihn rausmachen lassen. Haben die im Büro gesagt“, schob er rasch nach, um jede Verantwortung von sich zu weisen.
„Dann müssen wir wohl damit leben“, sagte Luisa resigniert. Sie sah wieder zum Spiegel hin, bekam eine leichte Gänsehaut und wandte sich rasch ab. Sie würde ein großes Tuch besorgen und das Monstrum abdecken, hatte sie beschlossen.
Die erste Woche im neuen Haus verlief ohne Zwischenfälle. Schließlich kam der Tag, an dem Luisa das Tuch vor den Spiegel hängen wollte. Es war ein Dienstag. Jochen musste zeitig am Morgen ins Büro. Er hatte am Abend zuvor gesagt, er müsse besonders pünktlich sein, weil sein Chef irgendwelche Neukunden durch die Räumlichkeiten führen wollte. Da musste jeder Mitarbeiter an seinem Platz sitzen und fleißig sein.
Jochen hatte sich von Luisa, die noch in den warmen Kissen lag, mit einem Schmatz auf die Wange verabschiedet. Gern hätte die ihren Mann umarmt und zurück ins Bett gezogen, aber sie wusste, es ging nicht, sie musste ihn gehen lassen, damit er Geld verdiente. Geld, das sie brauchten, um dieses wunderbare Haus zu bezahlen.
Seit sie hier eingezogen waren, hatte Jochen noch nicht wieder mit ihr geschlafen, wurde Luisa bewusst. Ob er eine Andere hatte? Luisa schüttelte unwillig den Kopf. So ein Gedanke war ja lächerlich. Andererseits, auch schon vor ihrem Umzug waren Jochens Liebesbeweise spärlicher geworden. Und immer blieb es bei kurzen Nummern. Es kam Luisa eher so vor, als würde Jochen eine lästige Pflicht hinter sich bringen, wenn er sie liebte, statt eine genussvolle Zeit mit ihr auszukosten.
Später am Tag stand Luisa mit einem großen Tuch bewaffnet vor dem Spiegel im hinteren Zimmer des oberen Stockwerks. Sie schaute auf ihr Abbild. Da stand Luisa, eine junge Frau, noch nicht ganz dreißig, ihre großen Brüste waren noch immer straff. Die runden, roten Höfe schauten wie Augen aus dem Spiegel heraus, die Nippel hart aufgerichtet.
Das lange blonde Haar umfloss ein Gesicht von angedeuteter Dreiecksform mit einer schmalen, spitzen Nase, dunklen Augen und roten, vollen Lippen. Das gleiche blonde Haar zeigte sich zwischen ihren Schenkeln. Aber dieses Haar bildete dort keinen Busch, wie es so abwertend heißt, sondern eher einen gut gepflegten Rasen. Früher hatte Jochen sie dort immer gern geleckt, aber diese Berührungen mit der Zunge waren in den letzten Monaten ebenfalls spärlich geworden. Luisa seufzte.
Sie stutzte. Wieso zeigte der Spiegel ihr Abbild unbekleidet? Sie stand doch in einem samtenen dunkelblauen Hausanzug davor. Darunter waren ihre Brüste ordentlich in einem BH verstaut und ein Spitzenhöschen verdeckte ihre Scham.
