Immunpower - Friederike Feil - E-Book
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Immunpower E-Book

Friederike Feil

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Beschreibung

Du hast genug von Dauererkältungen und Infekten? Du möchtest dich aus eigener Kraft bestmöglich gegen Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger wappnen? Dann vertraue auf deinen Körper, denn die wirksamste Waffe gegen unerwünschte Eindringlinge aller Art trägst du in dir: dein Immunsystem. Über die Kommunikation mit Organen, Nerven und Muskeln sorgt dein Immunsystem dafür, dass dein Körper reibungslos funktioniert, und schützt dich so vor potenziell krankmachenden Keimen. Wie du deine Abwehrkräfte gezielt unterstützen kannst, zeigt dir Darm- und Gesundheitsexpertin Dr. Friederike Feil. Unterhaltsam und anschaulich schildert sie, wie lebenswichtige Prozesse im Körper ablaufen, was ein dauerhaft intaktes Immunsystem wirklich benötigt und warum Darm, Schilddrüse, Leber und Zähne dabei eine entscheidende Rolle spielen. Praxiserprobte Strategien helfen dir, dein Immunsystem mit der richtigen Ernährung und einem achtsamen Lebensstil nachhaltig zu stärken – für ein gesundes Leben voller Power!

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Seitenzahl: 262

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Dr. Friederike Feil

IMMUNPOWER

Dr. Friederike Feil

IMMUNPOWER

Wie du mit einem gesunden Darm deine Abwehrkräfte stärkst und nie wieder krank wirst

Mit 17-Tage-Darmkur

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen

[email protected]

Wichtige Hinweise

Dieses Buch ist für Lernzwecke gedacht. Es stellt keinen Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung dar und sollte auch nicht als solcher benutzt werden. Wenn Sie medizinischen Rat einholen wollen, konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt. Der Verlag und die Autorin haften für keine nachteiligen Auswirkungen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Informationen stehen, die in diesem Buch enthalten sind.

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

Originalausgabe

3. Auflage 2022

© 2021 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Text: Janette Schroeder, wortundart

Umschlaggestaltung: Manuela Amode

Umschlagabbildungen: shutterstock/Svetla, shutterstock/Hamster Artist

Fotos: Lisa Leutner: 188, 189, 190, 191, 197, 198, 200, 204; Hristo Lovacev: 224; Stephanie Friedrich − Acrossborders: 6, 142, 151, 160; alle anderen Bilder von shutterstock: Prostock-studio: 69; photka: 71; Evan Lorne: 74; Alexander Weickart: 76; fizkes 81, 211; Natalia Lisovskaya 86; Linda Vostrovska: 88; Jacob Lund: 90; Andrey_Popov: 92; Elnur: 101; SJ Travel Photo and Video: 108; Maria Sbytova: 115; Rombik05: 120; 4 PM production: 125; amphaiwan: 133o; Natthapol Siridech: 133u; innakreativ: 134o; tarapong srichaiyos: 134u; Halil ibrahim mescioglu: 135; Natali Ximich: 136; HQuality: 145; thirawatana phaisalratana: 154; pangpleiades: 159; Krakenimages.com: 169; JeKh: 187; Lesterman: 193; Slawomir Fajer: 194; DronG: 202; Elena Schweitzer: 206; Microgen: 213

Illustrationen: Tobias Prießner: 22, 54; shutterstock/Pikovit 13, shutterstock/Ulia Solovieva: 29; shutterstock/ilusmedical: 30; shutterstock/Tefi: 32–33

Layout: Katja Muggli

Satz: Daniel Förster

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-7423-1831-2

ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-1538-7

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-1539-4

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.rivaverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

INHALT

Vorwort

1 So funktioniert das Immunsystem

Dein körpereigener Schutzengel

Die Immunabwehr

2 Gesunder Darm – starkes Immunsystem

Dein Darm, das unterschätzte Organ

Anatomie und Funktion von Dünn- und Dickdarm

Meisterwerk der Natur: Darmwand und Darmschleimhaut

Du bist nicht allein: Dein Darmmikrobiom

Dein Bauchgefühl: Darmhirn und Darm-Hirn-Achse

3 Die 4 Hauptunterstützer von Darm und Immunsystem

Mitochondrien – Kraftwerke deiner Zellen

Schilddrüse – Managerin des Stoffwechsels und vieler Organfunktionen

Leber – zentrales Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan

Zahngesundheit – Joker für ein starkes Immunsystem

4 Mitochondrien, Schilddrüse, Leber und Zähne fit halten

Der starke Darm – Fundament deiner Gesundheit

Baustein 1: Fitnessprogramm für starke Mitochondrien

Baustein 2: Fitnessprogramm für eine gesunde Schilddrüse

Baustein 3: Fitnessprogramm zur Entlastung der Leber

Baustein 4: Zahnpflege

5 Mache dein Immunsystem ganzheitlich fit

Darmgesunde, mikrobenfreundliche Ernährung

Ein mikrobiomfreundlicher Lebensstil

6 Deine 17-Tage-Darmkur

Die wunderbare Erfahrung einer Darmkur

Kurzüberblick: Das bringt dir die Darmkur

Nebenwirkungen der Darmkur

Die drei Phasen der Darmkur

Darmgesunde Rezepte

Übungen für einen gesunden Darm und ein topfittes Immunsystem

Bezugsquellen

Quellen

Weiterführende Literatur

Über die Autorin

Dank

VORWORT

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

während ich dieses Buch verfasse, schreibt ein Virus zeitgleich Weltgeschichte. Denn ein winzig kleines Virus mit dem Namen SARS-CoV-2, kurz Coronavirus genannt, lässt die Welt für lange Zeit stillstehen. Um seine ungehinderte Verbreitung einzudämmen, ist der internationale Flugverkehr auf ein Minimum reduziert. Es finden keine Konzerte mehr statt, Theatersäle und Kinos sind leer, Geschäfte bis auf Weiteres geschlossen. Mancherorts wurden sogar mehrmonatige Ausgangssperren verhängt. Die Demokratien dieser Welt haben unsere Freiheitsrechte so schnell und so massiv eingeschränkt, wie es zuvor nicht einmal die Pessimisten unter uns für möglich gehalten hätten. Aus Angst vor einer Ansteckung verbarrikadieren sich viele Menschen zu Hause und warten sehnsüchtig auf einen Impftermin. Doch lass dir von mir sagen: Wir können so viel mehr tun, als angstvoll abzuwarten und den Kontakt zu unseren Liebsten zu vermeiden! Denn die mächtigste Waffe gegen Viren und potenziell krank machende Keime trägst du bereits in dir: dein bärenstarkes Immunsystem.

Das ist weder Hokuspokus noch Verschwörungstheorie, sondern ganz einfach Fakt. Dein Immunsystem schützt dich jeden einzelnen Tag deines Lebens vor zahllosen Krankmachern. Fakt ist aber auch, dass der Zustand deines Immunsystems nicht nur genetisch determiniert ist, sondern massiv von deinem persönlichen Lebenswandel abhängt. Du hast Einfluss darauf, was dein Immunsystem kann und was es nicht kann. Liegt da bei dir einiges im Argen? Dann bleib dran! Ich werde dir in diesem Buch zeigen, wie du dein Immunsystem zu dem mächtigen Schutzengel machst, den wir alle im Moment so dringend brauchen. Es ist die perfekte Ergänzung zur aktuellen Impfstrategie, denn noch wissen wir nicht, wie lange die Impfung vor einer Infektion schützt und wann (oder ob) uns wieder eine nächste Welle überrollt. Du wirst lernen, wie du die Signale deines Immunsystems frühzeitig richtig deutest, und ich gebe dir einfache, alltagstaugliche und wirkungsvolle Tipps zu seiner Unterstützung an die Hand.

Dein Immunsystem: Mehr als eine bloße Waffe

Als Erstes räume ich mit einem großen Missverständnis auf: Die Betrachtung deines Immunsystems als bloße Waffe gegen unerwünschte Eindringlinge wird den vielen Talenten dieses hochkomplexen Kommunikationssystems bei Weitem nicht gerecht. Wusstest du, dass das Immunsystem deinen ganzen Körper durchspannt und eng mit deinem Nervensystem verschaltet ist? Dein Immunsystem kommuniziert nicht nur mit allen anderen Organen deines Körpers, sondern steht auch in ständigem Austausch mit den Bakterien des menschlichen Mikrobioms – und kann so für Heilungsprozesse und Homöostase (dem Gleichgewichtszustand deiner Zellen auf Grundlage eines sich selbst regulierenden Systems) in deinem Körper sorgen. Kurz gesagt: Das Immunsystem ist ein Multitalent, das dafür sorgt, dass es uns gut geht – und wir ein langes, gesundes und energiegeladenes Leben führen können.

Du siehst: Den Zustand deines Immunsystems solltest du nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es ist deine Versicherung für tägliches Wohlbefinden und ein langes Leben. Als ehemalige Leistungssportlerin war mir schon früh bewusst, dass der Zustand meines Immunsystems maßgeblich über meinen Erfolg entscheidet. Denn mit einem starken Immunsystem kann man im Winter gesund durchtrainieren und die Trainingsreize werden viel besser in erfolgreiche Leistung umgesetzt. Deshalb war für mich schon damals das oberste Gebot: »Immunsystem first, training second«. Das war aber gar nicht so einfach, denn ich trieb meinen Körper immer wieder an sein absolutes Limit. Wurde also ein Teammitglied im Trainingslager krank, bestand die größte Herausforderung erst einmal darin, sich nicht anzustecken. Wir nahmen Unmengen an Vitamin C und Zink zu uns und achteten auf einen hohen Vitamin-D-Spiegel. Zurückblickend hätte ich damals gerne die Kenntnisse gehabt, die ich jetzt in diesem Buch mit dir teile – das umfassende Wissen darüber, was ein dauerhaft fittes Immunsystem wirklich benötigt. Und dazu gehören nicht nur Vitamine und Mikronährstoffe.

Der Darm: Schaltzentrale deines Immunsystems

Die Basis eines starken Immunsystems sitzt nämlich in deinem Darm, der über 70 Prozent deiner Immunzellen beherbergt. Ja, du hast richtig gelesen: Dein als bloßes Verdauungsorgan abgestempelter Darm ist das Wohnzimmer deines Immunsystems. Und deine Darmbakterien? Die sind die Trainer deines Immunsystems. Sie geben Impulse zur Ausbildung und Aktivierung deiner Immunmannschaft. Sind deine Immunzellen mal nicht fit genug, unterstützen die Bakterien sie sogar bei der Abwehr unerwünschter Angreifer. Kein guter Trainer, keine überragenden Erfolge – so war das schon im Leistungssport. Ist der Darm also gesund, hat das Immunsystem alles im Griff.

Viele Probleme, eine Lösung?

Darm, Darm und noch mehr Darm – ja, ich weiß, das Thema ist nicht neu. Spätestens seit die junge Medizinerin Giulia Enders im Jahr 2014 das Buch Darm mit Charme veröffentlichte, erlebte der Darm in Europa eine Enttabuisierung sondergleichen. 2014 war auch das Jahr, in dem mich die massiven Verdauungsprobleme einer guten Freundin dazu veranlassten, dem Darm weitaus mehr als nur ein Kapitel in meiner Doktorarbeit zu widmen. Problematisiert wurde zu diesem Zeitpunkt viel. Was mir überall fehlte, waren Lösungen. Also entwickelte ich kurzerhand eine eigene Darmkur. Mithilfe einer mikrobenfreundlichen Ernährung und natürlichen Nährstoffen unterstütze ich seither über 2000 Menschen jährlich dabei, ihren Darm wieder in Topform zu bringen – und dadurch zu einem gesunden und energiegeladenen Leben zu finden. Und jeden Tag bin ich noch ein bisschen faszinierter davon, welche Schlüsselrolle der Darm bei so vielen Krankheiten spielt. Egal ob Hautprobleme oder Arthrose, körperliche Schwäche oder ausgewachsene Depressionen – manchmal gibt mir mein Arbeitsalltag das Gefühl, dass es da draußen keine Krankheit gibt, von der ich noch keine Heilungsgeschichte gelesen habe. Wen wundert’s!? Sagte doch schon Hippokrates: »Der Tod sitzt im Darm. Der gesunde Darm ist die Wurzel aller Gesundheit.« Ein wahrlich weiser Mann.

Was du definitiv noch nicht weißt

Na gut. Dann muss ich ja jetzt nur meinen Darm heilen, dann sind meine Krankheiten passé – richtig? Tja, ich sage mal: »Fast.« Denn es gehören auch eine gesunde Leber und eine funktionierende Schilddrüse dazu. Diese drei Organe sind so eng miteinander verwoben, dass die Krankheit des einen die Genesung des anderen verhindern kann – was dazu führt, dass das Immunsystem niemals sein volles Potenzial entfalten kann. Diese Zusammenhänge – und eine weitere Klitzekleinigkeit – sind das eigentlich Brisante und Neue an meinem Buch. Und der Grund, weshalb du es jetzt auf keinen Fall aus der Hand legen solltest. Ebenso wie der Darm lassen sich auch Leber und Schilddrüse mit alltagstauglichen Tricks wieder in Schwung bringen. Dein Arzt hat dir etwas anderes erzählt? Gut. Noch ein Grund mehr, dieses Buch zu deiner neuen Abendlektüre zu befördern. Dass Ärzte zwar unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft, aber dennoch keine Halbgötter in Weiß sind, durfte ich kürzlich am eigenen Leib erfahren.

Die magic 4: Darm, Leber, Schilddrüse und Zahngesundheit

Trotz Bilderbuchernährung und regelmäßigem Sport ergaben meine Blutwerte ein katastrophales Bild meiner Mineralien. Erst der Hinweis einer brillanten Heilpraktikerin sowie ein ganzheitlich biologischer Zahnarzt brachten mich auf meine Zähne. Vier Großbaustellen, sogenannte NICOs (neuralgia-inducing cavitational osteonecrosis), störten mein Immunsystem chronisch und fraßen meinen Mineralstoffhaushalt leer. Erst eine Sanierung dieser Kieferknochenentzündung brachte mich wieder in meine volle Kraft – und verhalf mir zu einem ganz neuen Lebensgefühl. Ebenso wie Darm, Leber und Schilddrüse ist die Zahngesundheit ein Bereich, dem in der heutigen Gesundheitsvorsorge viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Das liegt daran, dass unser Gesundheitssystem (noch) nicht darauf ausgelegt ist, den menschlichen Körper als ein zusammenhängendes Ganzes zu betrachten. Diese Lücke in der ganzheitlichen Betrachtung möchte ich mit meinem Buch schließen. Die Erkenntnisse sind zum großen Teil so neu und so brisant, dass sie womöglich auch deine Fragen erst einmal restlos klären werden. Dennoch kann ich leider keine Vollständigkeit garantieren. Denn die Forschung schreitet so schnell voran, dass ein Teil 2 schon bald notwendig werden könnte.

Ich wünsche mir, dass ich mit diesem Buch meinen persönlichen Beitrag zu deiner Gesundheit leisten kann – damit du vitaler und energiegeladener denn je in die Zukunft blicken kannst. Gleichzeitig möchte ich dir Mut machen, deine Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Dir konnte bisher kein Arzt bei deinem Leiden helfen? Du wirst die Antwort selbst finden, ganz sicher. Denn mit deinem bärenstarken Immunsystem hast du den mächtigsten aller Schutzengel bereits in dir.

Von Herzen alles Gute

Dr. Friederike Feil

PS: Biochemie ist nicht so deins? Dann überspringe Kapitel 1. Hier erkläre ich dir, wie genau dein Immunsystem Angreifer in die Flucht schlägt. Ab dem zweiten Kapitel erfährst du die brisanten Neuigkeiten und Zusammenhänge.

1

SO FUNKTIONIERT DASIMMUNSYSTEM

Die mächtigste Waffe gegen Krankheitserreger trägst du in dir: dein bärenstarkes Immunsystem. Ununterbrochen kämpft dein Körper gegen alle möglichen Viren, Keime, Erreger und andere Mikroorganismen, die dich als Wirt in Beschlag nehmen wollen. Dazu arbeitet das Immunsystem rund um die Uhr, jedoch die meiste Zeit gänzlich unbemerkt im Hintergrund. Du bekommst nur etwas davon mit, wenn es besonders heftig gegen Eindringlinge von außen oder Störenfriede aus deinem Inneren ankämpft: Dann reagiert dein Körper mit Schnupfen, mit Entzündungen, Schwellungen oder Fieber.

In diesem Kapitel erfährst du, was auf der biochemischen Ebene bei einer Immunabwehr abläuft. Das ist ziemlich komplex, aber auch unglaublich spannend und zeigt, wie genial und ausgetüftelt dein Immunsystem ist. Außerdem wirst du verstehen, warum dein Darmmikrobiom so wichtig für die Fitness deines Immunsystems ist.

DEIN KÖRPEREIGENER SCHUTZENGEL

Zu den Organen, die bei der Immunreaktion eine Rolle spielen, gehören die Haut, die Rachenmandeln, das Lymphsystem, das Knochenmark, Milz, Thymus, Blinddarm und der Darm. In diesem Buch steht das sogenannte darmassoziierte Immunsystem im Mittelpunkt. Denn da sich über 70 bis 80 Prozent aller Immunzellen in der Submukosa – der Gewebsschicht, die unter der Darmschleimhaut liegt – befinden, ist der Darm das bedeutendste Organ für dein Immunsystem. Gleichzeitig sind die in deinem Darm beheimateten Darmbakterien von zentraler Bedeutung fürs Immunsystem: Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der »Ausbildung« deiner Immunzellen und verhindern, dass sich potenzielle Krankheitserreger im Darm ausbreiten können – sie sind es also, die dein Immunsystem entscheidend unterstützen. Doch dazu mehr im zweiten Kapitel.

Seit der weltweiten Coronapandemie geht die Angst vor der Ansteckung mit dem Virus Sars-CoV-2 und seinen Mutanten um. Weil lange nicht klar war, ob und wie schnell es einen Impfstoff geben würde und weil die wirksame Impfung der Weltbevölkerung noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird, sind wir alle aufgefordert, unsere sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren – mit enormen Folgen für die Wirtschaft, für jeden Einzelnen und unser soziales Miteinander. Eine Coronainfektion kann einen schweren Verlauf nehmen, die Gesundheit eines Menschen dauerhaft schädigen und sogar zum Tod führen. Gleichzeitig kommt es vor, dass manche Menschen trotz Infektion keine oder nur schwache Symptome zeigen. Woran liegt das?

Jeder Mensch hat einen Schutzengel, der ihn vor Krankheiten bewahrt, und den trägt er in seinem Körper: sein Immunsystem. Das Immunsystem hält uns gesund und sichert damit unser Überleben, denn wir sind immer und überall von Bakterien, Viren und Keimen umgeben. Sie sind in der Luft, im Wasser und in unserer Nahrung. Mit jedem Atemzug, mit jedem Schluck Wasser, mit jedem Bissen und sogar mit jeder Umarmung kommen wir in Kontakt mit ihnen. Die meisten von ihnen sind vollkommen harmlos, andere hingegen können potenziell krank machen.

Zum Glück aber gibt es Zellen, Organe und Billionen von nützlichen Bakterien in deinem Körper, die in der Regel ganz unbemerkt und dennoch ununterbrochen aktiv sind, um dich vor potenziell krank machenden Mikroorganismen (Pathogenen) zu schützen. Alle zusammen bilden sie dein Immunsystem.

Geniales Zusammenspiel vieler Organe

Dein Immunsystem ist ein Meisterwerk deines Körpers. Es ist ein geniales und ausgetüfteltes Zusammenspiel deiner Organe, die dafür sorgen, dass du geschützt bist:

Haut:

äußere physikalische Barriere gegen Erreger jeglicher Art

Rachenmandeln:

Früherkennung schädlicher Eindringlinge

Lymphknoten:

Filterung von Krankheitserregern, körperfremden festen Substanzen und kranken Zellen aus der Lymphflüssigkeit

Knochenmark:

Bildung und Vermehrung der meisten Immunzellen (siehe Abbildung unten)

Milz:

Filterung des Bluts und Beteiligung an der Bildung, Reifung und Speicherung verschiedener Immunzellen

Thymus:

Reifung der T-Lymphozyten

Blinddarm:

Wohnort für weitere Abwehrzellen und Rückzugsort für nützliche Bakterien

Darm:

Hauptsitz vieler Immunzellen und Trainingsstätte deines Immunsystems

Damit das Zusammenspiel all dieser Organe funktioniert, ist dein Immunsystem auf die ständige Auseinandersetzung beziehungsweise den Kontakt mit Viren, Mikroorganismen und anderen potenziellen Erregern angewiesen – auch um sich zu entwickeln und immer auf dem neusten Stand zu sein. Wie ein Sportler muss es trainieren, damit es fit bleibt. Daher ist es keine gute Idee, zu steril zu leben und sich nur noch in einer keimfreien Umgebung aufzuhalten.

Die für die Immunzellen wichtigen Organe sind Knochenmark, Rachenmandeln, Thymus, Milz, Darm und das Lymphsystem (im Bild in Blau).

DIE IMMUNABWEHR

Das Immunsystem begann sich bereits vor 500 bis 600 Millionen Jahren zu entwickeln. Zunächst bestand es nur aus Eiweißen (Defensine), die potenzielle Krankheitserreger beschädigen und damit unschädlich machen konnten. Defensine kommen bis heute in Pflanzen und Tieren vor – also auch in uns Menschen. Im Laufe der Evolution entwickelten sich dann die erregerunspezifischen Abwehrzellen, die alles fressen, was sie für einen Erreger halten, und nicht spezifische Entzündungsreaktionen auslösen. Erst weitere 200 Millionen Jahre später entwickelten sich dann erregerspezifische Abwehrzellen. Diesen Zellen gelang es nun, potenzielle Krankheitserreger und andere unerwünschte Eindringlinge zu erkennen und sich auch zu merken, wer Feind und wer Freund ist (Gedächtniszellen). Heute tragen wir diese beiden Abwehrmechanismen des Immunsystems in uns: die angeborene (erregerunspezifische) Immunantwort und die erworbene (erregerspezifische) Immunantwort. Als Immunantwort bezeichnet man die Reaktion des Immunsystems auf körperfremde Organismen und Substanzen – und dabei spielen Immunzellen, Schleimhäute und Bakterien die Hauptrollen.

Die Immunantworten

Das Immunsystem kennt zwei Antworten auf Erreger aller Art: die eine wurde uns von Geburt an mitgegeben, die andere haben bestimmte Zellen in unserem Körper erst erlernt: Wir haben sie im Laufe unseres Lebens erworben.

Die angeborene, erregerunspezifische Immunantwort

Die angeborene Immunantwort umfasst zwei Verteidigungslinien: Erstens den Schutz durch Haut und Schleimhäute, die verhindern, dass körperfremde Stoffe in den Organismus eindringen, und zweitens den Schutz durch Abwehrzellen und Eiweiße, die zum Zuge kommen, falls schädliche Elemente die Barriere, die die Haut und die Schleimhäute bilden, überwunden haben.

Die angeborene Immunantwort reagiert unglaublich schnell, jedoch zugleich unspezifisch, das heißt, sie lernt nicht aus den vorangegangenen Vorkommnissen und bildet keine Gedächtniszellen aus, sodass beim erneuten Eindringen von Erregern die immer gleiche Reaktion erfolgt, auch wenn diese bisher vielleicht gar nicht so erfolgreich war.

Angeborene, erregerunspezifische Immunantwort

Erworbene, erregerspezifische Immunantwort

Haut und Schleimhäute

Lymphsystem

• reagiert sofort und umfassend

• unspezifisch

• keine Gedächtniszellen

• immer gleiches Reaktionsmuster

• reagiert erst nach der Identifikation des Erregers

• spezifisch, gegen einen bestimmten Erreger gerichtet

• Bildung eines Gedächtnisses

Ihre wichtigsten Vertreter: Abwehrzellen und Eiweiße

Ihre wichtigsten Vertreter: Lymphozyten und Antikörper

• Fresszellen

• Natürliche Killerzellen

• Komplementsystem

• Zytokine

• T-Lymphozyten

• B-Lymphozyten

• Antikörper

Schutz durch Haut und Schleimhäute

Die Haut stellt die erste wichtige äußere Verteidigungslinie gegen das Eindringen von Keimen und Viren dar. Als mechanische Barriere soll sie alles abhalten, was irgendwie krank machen könnte. Dazu ist sie mit Billionen von Bakterien und Sekreten wie Schweiß und Fett bedeckt, die Keime unschädlich machen können. Solange sie nicht verletzt ist, kann die Haut von den meisten potenziellen Krankheitserregern nicht durchdrungen werden. Außerdem besitzt sie einen Säureschutzmantel, der dazu führt, dass die meisten pathogenen Viren und Keime unter diesen Bedingungen nicht überleben. Übrigens sorgt auch die Sonne mit ihren UV-Strahlen dafür, dass es für Viren und potenziell schädliche Bakterien auf deinem Körper ungemütlich wird: Sonnenlicht und Hitze mögen die nämlich gar nicht.

Die Schleimhäute der Atemwege, des Mundes, des Magen-Darm-Trakts und des Harn- und Geschlechtsapparats und die Bindehaut der Augen gehören ebenfalls zur mechanischen Barriere deines angeborenen Immunsystems. Sie kleiden alle Körperöffnungen aus (Augen, Mund, Nasenschleimhaut, Genitalien und After) und sind alle miteinander verbunden. In dem klebrigen Schleim bleiben Fremdkörper stecken und können so nicht weiter in deinen Organismus eindringen. Die Schleimhaut in den Atemwegen besteht aus dem sogenannten Flimmerepithel. Potenzielle Erreger, die über deine Atemwege in den Körper eindringen wollen, werden über Flimmerhärchen weitertransportiert oder direkt durch den Hustenreflex oder Niesen aus deinem Körper katapultiert. Der Grund, warum deine Nase läuft oder total verstopft ist, wenn du erkältet bist, ist übrigens, dass dein Körper durch vermehrte Schleimproduktion versucht, seine Schutzbarriere zu verstärken.

ENDLOSE KOPIERMASCHINEN

Bakterien vermehren sich, indem sie durch Zellteilung unermüdlich Kopien von sich herstellen. Das ist wunderbar, sofern es sich um erwünschte Bakterien handelt. Aber auch potenziell krank machende Bakterien können sich auf diese Weise rasend schnell im Körper ausbreiten und ihn durch ihre Ausscheidungen krank machen.

Mikroben in deinem Darm, also Bakterien, sorgen für die Gesundheit der Schleimhäute, indem sie unter anderem Bausteine, wie kurzkettige Fettsäuren für die Schleimhautzellen, herstellen. Sie ermöglichen damit, dass die Schleimhaut in der Lage ist, eines der mächtigsten Immuneiweiße zur Abwehr (IgA) zu produzieren (siehe ab Seite 30). Da alle Schleimhäute miteinander verbunden sind, hat eine Entzündung der Darmschleimhaut immer auch Einfluss auf alle anderen Schleimhäute. Eine Bindehautentzündung kann daher aus einer entzündeten Darmschleimhaut resultieren. Und das gilt natürlich auch andersherum, denn im Körper ist immer alles miteinander verbunden. Eine weitere Schutzeinrichtung in den Schleimhäuten sind saure Milieus in Schleim, Spucke und Tränen, denn saure Milieus sind kein Wohlfühlort für Viren und Keime. Manche Krankheitserreger sind allerdings zäher als jeder Schleim und überwinden sämtliche Schutzbarrieren, sodass die zweite Verteidigungslinie, deine angeborene Immunreaktion, zum Zuge kommt – der Schutz durch Abwehrzellen und Eiweiße.

Schutz durch Abwehrzellen und Eiweiße

Abwehrzellen der unspezifischen Immunantwort und Eiweiße bilden die zweite Verteidigungslinie deines Körpers gegen Eindringlinge. Ist es potenziellen Krankheitserregern gelungen, die äußere Barriere zu überwinden, springt sie augenblicklich an, indem Abwehrzellen − in diesem Fall Fresszellen − eingreifen. Zu ihnen gehören unter anderem Granulozyten, Monozyten und Makrophagen. Sie bewegen sich in den Blutbahnen und im Gewebe frei umher und greifen alles an, was sich bei Kontakt als fremd herausstellt. Das kannst du dir ungefähr so vorstellen:

Fresszellen spüren Fremdkörper und potenzielle Krankheitserreger mittels sogenannter Antigenkontrolle auf. Dazu überprüfen sie Eiweiße, Zucker und Fette auf der Zelloberfläche von Keimen und Viren, aber auch von Bakterien, um die potenziell gefährlichen Organismen von den erwünschten zu unterscheiden. Identifizieren sie Erreger, so umschließen sie diese, um sie zu verdauen: Daher stammt die Bezeichnung Fresszellen. Makrophagen spielen zudem die Hauptrolle bei der Antigenpräsentation (siehe ab Seite 18). Diese Präsentation findet hauptsächlich, wie könnte es anders sein, im Magen-Darm-Trakt statt (siehe ab Seite 41). Neben den Fresszellen gibt es aber noch weitere Immunzellen, wie zum Beispiel die natürlichen Killerzellen, die sich darauf spezialisiert haben, eine von einem Virus infizierte Zelle zu durchlöchern und diese mitsamt dem Virus abzutöten.

Obwohl deine Abwehrzellen schon ziemlich genial aufgestellt sind, bekommen sie zusätzlich Unterstützung von verschiedenen Eiweißen in deinem Körper. Das sogenannte Komplementsystem ist ein Alarmsystem bestehend aus Eiweißen, die in der Lage sind, potenzielle Krankheitserreger zu markieren, die Zellwände von Bakterien aufzulösen, Viren zu bekämpfen und zu vernichten und, wenn nötig, weitere Immunzellen anzulocken. Und zu guter Letzt gibt es da noch die Zytokine (darunter Interleukine und Interferone): Das sind Eiweiße, die als Botenstoffe andere Immunzellen informieren und zu einem Infektionsherd herbeirufen. Neben dieser Kommunikationsfunktion regulieren sie die Immunreaktion insgesamt. Interleukine regen im Knochenmark die Bildung neuer Abwehrzellen an, können diese aber auch stoppen. Die Interferone sind es, die den Kampf gegen Viren aufnehmen. Du siehst, dein Immunsystem ist ein Wunderwerk der Natur und seit Billionen von Jahren darauf spezialisiert, mit potenziell krank machenden Bakterien und Viren umzugehen.

Die erworbene, erregerspezifische Immunantwort

Ist es doch zu einer Infektion gekommen, weil dein erregerunspezifisches Immunsystem die Situation nicht in den Griff bekommen hat, so vermehren sich die Viren und Bakterien jetzt explosionsartig. Doch das ist noch kein Grund zur Panik, denn auch jetzt ist das Immunsystem immer noch in der Lage, eins draufzusetzen: Es ist höchste Zeit für die erworbene, erregerspezifische Immunantwort, einzugreifen. Zu ihr gehört das Lymphsystem mit weiteren Abwehrzellen, den sogenannten Lymphozyten, sowie den von ihnen produzierten Antikörpern.

Das Lymphsystem durchzieht deinen gesamten Körper und filtert in den Lymphknoten die Eindringlinge aus dem Blut. In den Lymphknoten befinden sich besonders viele spezifische Immunzellen, die sogenannten Lymphozyten, die sich, vereinfacht gesagt, in zwei Gruppen unterteilen lassen: in die B- und die T-Lymphozyten. Das B steht übrigens für »bone marrow« (auf Deutsch: Knochenmark) und das T für »Thymus«. Beide Buchstaben beziehen sich also auf die Orte, an denen die Lymphozyten jeweils heranreifen. Bei Bedarf vermehren sie sich besonders stark. Manchmal, wenn du krank bist, bemerkst du das sogar, weil dann deine Lymphknoten anschwellen. Wenn das passiert, wurde immer bereits die zweite Variante deiner Immunantwort aktiviert: die erregerspezifische.

In den primären lymphatischen Organen (Knochenmark und Thymus) findet also die Bildung, Reifung und Entwicklung der Abwehrzellen statt. In den sekundären lymphatischen Organen wie den Lymphknoten unter den Achseln, der Milz und den Rachenmandeln kommt es zum Kontakt zwischen dem spezifischen und dem unspezifischen Immunsystem (Antigenkontakt). Nach diesem Kontakt findet in ihnen durch sogenanntes Klonen auch die Vermehrung der Lymphozyten statt. Die erregerspezifische Immunreaktion hast du im Laufe deines Lebens durch den Kontakt deines Körpers und deiner Immunzellen mit den unterschiedlichsten Bakterien und Viren erworben. Auf diese Weise haben sich konkrete Mechanismen der Immunabwehr herausgebildet, die jeweils gegen einen bestimmten Eindringling gerichtet sind. Dieses sogenannte Immungedächtnis merkt sich jeden Gegner. Kommt es zu einem erneuten Kontakt mit einem bekannten Eindringling, springt deine Immunabwehr augenblicklich an.

ZELLEN KAPERN: SO VERMEHREN SICH VIREN

Da Viren selbst keinen Zellkern besitzen, können sie sich nicht, wie Bakterien, durch Zellteilung vermehren. Sie sind auf die unfreiwillige Hilfe von Wirtszellen angewiesen, die sie kapern müssen. Dazu haben die Viren Rezeptoren auf ihrer Hülle, die wie Schlüssel funktionieren. Passt der Rezeptor des Virus zum Schloss auf der Zelloberfläche, kann es in die Zelle eindringen. Anschließend versucht das Virus, den Zellkern zu erreichen, um das Erbgut der Wirtszelle, die DNS (Desoxyribo nukleinsäure), zu verändern. Die befallene Zelle kann nur noch Interferon ausschütten: als eine Art SOS-Ruf und eine Warnung an alle anderen Zellen und um die Immunzellen auf den Plan zu rufen. In der Zwischenzeit geben die Viren im Innern der Zelle winzige Teile ihres Erbguts frei, um das Erbgut, also die DNS der Wirtszelle, umzuprogrammieren. Auf diese Weise reproduziert sich das Erbgut des Virus in rasender Geschwindigkeit. Millionen von Virenkopien entstehen – so lange, bis die Zelle sich auflöst. Dadurch werden die Viren freigesetzt und können weitere Zellen befallen, um sich zu reproduzieren.

Präsentation der Antigene

So fordert das Immunsystem unterstützendes »Fachpersonal« an: Nachdem Makrophagen einen Erreger identifiziert und verdaut haben, präsentieren sie Teile dessen DNS, also dessen genetisches Material, an ihrer Oberfläche. Das nennt man in der Fachsprache »Antigenpräsentation«. Die Antigene sind also Strukturen auf der Oberfläche der Erreger, die die Makrophagen als fremd erkennen. Damit übermitteln sie ihren Kollegen, den T-Helferzellen, die wichtigste Information überhaupt, nämlich um welchen Erreger es sich handelt, der gerade im Körper Unfug treibt. Ab diesem Moment übernehmen die T-Helferzellen die Koordination mit dem restlichen Immunsystem. Sie fordern die zum Erreger passenden B-Lymphozyten auf, sich zu teilen und aktiv zu werden. An ihrer Oberfläche befinden sich ganz unterschiedliche Rezeptoren. Passt einer dieser Rezeptoren zur Oberflächenstruktur des Virus, können sie es fest an sich binden und das Virus so daran hindern, eine Zelle zu kapern.

Außerdem können die B-Lymphozyten massenweise Antikörper, also Munition, gegen das Virus beziehungsweise das Antigen bilden und ausschütten. Diese Antikörper schwimmen dann frei in den Blutgefäßen und in den Gewebsflüssigkeiten umher und können beispielsweise dafür sorgen, dass Antigene verklumpen. Im Idealfall blockieren die Antikörper so möglichst viele Antigene und machen sie auf diese Weise unschädlich.

Während dieser Kampf des Immunsystems stattfindet, fühlt sich der von Viren befallene Mensch müde und schlapp und bekommt Krankheitssymptome wie Hals- oder Kopfschmerzen. Diese Symptome sind ein Ausdruck dafür, dass das Immunsystem gegen die Eindringlinge kämpft. Fieber ist hierbei richtig hilfreich. Diesen Anstieg der Körpertemperatur veranlassen die Makrophagen, um die Viren schnellstmöglich wieder loszuwerden: Die erhöhte Temperatur bekommt den Viren nicht gut, schwächt sie und tötet sie schließlich ab.

Jetzt bist du immun!

Unterstützt werden die B- und T-Helferzellen von weiteren Immunzellen wie etwa den T-Killerzellen. Diese greifen diejenigen Zellen an, die bereits von Viren besetzt sind, indem sie sie durchlöchern. So sterben diese Zellen mitsamt den Viren ab. Dadurch, dass sich die Körpertemperatur erhöht hat, werden die Viren zusätzlich geschwächt. Wenn alles gut läuft, haben die Antikörper und die aktiven B-Lymphozyten in deinem Körper bald alle Antigene verklumpen lassen und die

LYMPHOZYTEN – DIE MULTITALENTE DES IMMUNSYSTEMS

Die T-Lymphozyten gehören zur Vorhut der erregerspezifischen Immunabwehr. Man unterscheidet T-Helferzellen, T-Suppressorzellen und T-Killerzellen: Die T-Helferzellen docken an Makrophagen des unspezifischen Immunsystems an und geben daraufhin Signalstoffe (Interleukine) ab, wodurch sie ihre eigene Vermehrung beschleunigen. Das ist ein genialer Schachzug, denn so können sie sich rasend schnell vermehren. Außerdem binden sie sich an B-Lymphozyten, wodurch diese heranreifen, um später Antikörper produzieren zu können. Die T-Suppressorzellen stoppen eine Immunreaktion, indem sie die Ausschüttung von Zytokinen steuern. Die T-Killerzellen zerstören schlussendlich Zellen, die von Viren infiziert sind, ebenso wie Zellen, die sich bösartig verändert haben (Krebszellen).

FIEBER – EIN STARKES HEILMITTEL

Durch die Erhöhung der Körpertemperatur um nur ein Grad ist der Organismus in der Lage, immer mehr Immunzellen zu aktivieren. In einer Tierstudie konnte gezeigt werden, dass die Erhöhung der Körpertemperatur um nicht einmal drei Grad die Anzahl der Lymphozyten verdoppeln kann − die beste Unterstützung deines körpereigenen Schutzengels.1 Bei den meisten Infekten wirken sich (zu frühe) fiebersenkende Maßnahmen daher negativ auf den Krankheitsverlauf aus, denn Fieber unterstützt deine Immunabwehr; Temperaturen über 40 Grad über mehrere Stunden können jedoch gefährlich werden. Die normale Körpertemperatur des Menschen sollte zwischen 36,7 und 37,3 Grad Celsius liegen. Von Fieber spricht man ab 37,9 Grad Celsius.

T-Killerzellen die befallenen Zellen durchlöchert und unschädlich gemacht. Sind die Viren besiegt und ist die Infektion überwunden, sorgen die T-Helferzellen wiederum dafür, dass die Zellteilung aufhört; die Immunreaktion kommt dann – nach hartem Kampf – zum Stillstand.

Den Abschluss der Immunreaktion bildet nun das schon von der angeborenen Immunantwort bekannte Komplementsystem, das du dir jetzt als eine Art Müllabfuhr vorstellen kannst. Denn der »Abfall«, der durch die besiegten Erreger und durch die ausgedienten Immunzellen entstanden ist, muss natürlich entsorgt werden. Zur »Reinigung« des Körpers arbeiten Fresszellen und verschiedene Enzyme beziehungsweise Botenstoffe zusammen: Den Abfall hustest du dann beispielsweise als Schleim wieder aus oder du wirst ihn auf der Toilette wieder los. Manche der siegreichen T- und B-Helferzellen verbleiben aber im Körper und verwandeln sich in sogenannte Gedächtniszellen. Diese erinnern sich an das entsprechende Antigen und wissen bei einem erneuten Angriff dann sofort, was zu tun ist − viel schneller als beim ersten Befall.

Das also ist die erworbene Immunantwort: Alle an der Immunreaktion beteiligten Spezialisten müssen erst einmal lernen, wie genau auf einen speziellen Krankheitserreger zu reagieren ist. Haben sie das gelernt, hat der Erreger keine Chance mehr, sollte er noch einmal versuchen, in deine Körperzellen einzudringen. Deshalb bekommst du eine Krankheit wie die Masern nur einmal. Es ist dasselbe Prinzip, das man sich beim Impfen zunutze macht. Übrigens wird das Immunsystem im Laufe deines Lebens ständig durch den Kontakt mit Viren und Bakterien und anderen Fremdkörpern trainiert und ist daher bestens auf die Aufgabe der Antigenabwehr vorbereitet. Dieses Training findet wie schon erwähnt hauptsächlich im Darm statt – mit den Darmbakterien als Trainer (siehe ab Seite 41).

Warum unser Immunsystem schwächelt

Problematisch wird eine Virusinfektion für Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Das betrifft alte Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen oder chronischen Entzündungen im Körper, aber auch Menschen, die dauerhaftem Stress ausgesetzt sind. Da geschwächte Immunzellen Eindringlingen gegenüber nur wenig Gegenwehr bieten, gelingt es Viren leichter, viele Zellen zu kapern, oder Keimen, sich unkontrolliert zu vermehren. Passiert dies, so können Viren und Keime tödlich sein. Die Stärke deines Immunsystems entscheidet darüber, was Viren, aber auch andere Erreger, in deinem Körper anstellen können. Ob du schwer erkrankst oder kaum etwas von einem Virusbefall bemerkst, hängt von deiner Immunantwort ab. Deshalb gilt es, das Immunsystem nach Kräften zu unterstützen – und da spielen dein Darm beziehungsweise die in ihm lebenden Mikroorganismen eine ganz entscheidende Rolle (siehe Kapitel 2 und 3). Leider haben wir Menschen in den letzten Jahren damit begonnen, diese Mikroorganismen, die nicht nur unseren Darm bewohnen, sondern unseren ganzen Körper, zu bekämpfen: durch eine mikrobiomfeindliche Ernährung, aber auch mithilfe von Hygienesprays, Desinfektionsmitteln, zahllosen Antibiotika und Chemikalien. Viele Mikroorganismen überleben diesen Kampf nicht: Das ist der Hauptgrund dafür, warum das Immunsystem bei vielen verkümmert ist, denn es sind die Mikroorganismen, die es fit halten.

Warum sind Viren im Winter besonders aktiv?