Impfen - Ursula Wiedermann-Schmidt - E-Book
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Beschreibung

Kaum ein medizinisches Thema polarisiert so heftig wie das Impfen. Impfen ist eine Wissensfrage und eine medizinische Disziplin, die ihren Ursprung in der Wissenschaft nimmt. Die Autorin Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien, vermittelt Kenntnisse udn Wissen über Impfungen auf wissenschaftlicher Basis. Sie zeigt,welche Impfungendie wichtigsten sind, welche empfohlen werden und wann der richtige Zeitpunkt für sie ist - aber auch, wann und unter welchen Umständen Vorsicht geboten ist. Zugleich räumt der Ratgeber auch mit "Impf-Mythen" auf und erklärt, wie das menschliche Immunsystem und Impfungen wirklich funktionieren.

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Seitenzahl: 220

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Impfen

IMPFEN

Wann. Wogegen. Warum.

von

Ursula Wiedermann-Schmidt

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Sämtliche Angaben in diesem Werk erfolgen trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr; eine Haftung der Autorin sowie des Verlages ist ausgeschlossen.

Soweit im Folgenden personenbezogene Bezeichnungen nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Frauen und Männer in gleicher Weise (generisches Maskulin).

Stand des Wissens: November 2016

ISBN Buch: 978-3-214-08087-7

ISBN E-Book: 978-3-214-08089-1

© 2016 MANZ’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH, Wien

Telefon: (01) 531 61-0

E-Mail: [email protected]

www.manz.at

Layout und Satz: www.petryundschwamb.com

Druck: FINIDR, s.r.o., Český Těšín

INHALT

Vorwort: Impfen – besser Wissen als Glauben, besser Wahrheit als Mythen

Die Autorin

IMPFUNGEN – DIE ERFOLGSSTORY

Seuchen und ihre Bekämpfung

Uraltes Wissen – Pionierarbeit – exakte Wissenschaft

Erfolge und Misserfolge in Österreich: Masern und Keuchhusten

Fragen und Antworten

TRAINING FÜR DAS IMMUNSYSTEM

Wie unser Körper Krankheitserreger fernhält oder beseitigt

Krankheitserreger: Haut und Schleimhaut verwehren den Zutritt

Das angeborene Immunsystem – Erste schnelle Abwehr

Das spezifische Immunsystem – Gelernt ist gelernt!

„Echte“ Viruskrankheit schwächt das Immunsystem

Die Impfung – Spezifische Immunantwort als Vorsorge

Fragen und Antworten

IMPFEN VOM BABY BIS ZUM SENIOR

Sichere Kindheit – sicheres Erwachsensein – sicheres Alter

Schutz für unsere Kinder

Schutz in Eigenverantwortung – Impfen bei Erwachsenen

Impfungen besonders für ältere Menschen

Fragen und Antworten

IMPFEN MIT SYSTEM – DER ÖSTERREICHISCHE IMPFPLAN

Der Wert der Impfung

Pflicht zum Handeln

Säuglinge und Kleinkinder

Schulkinder und Jugendliche

Erwachsene – Geschützt bleiben

Reiseimpfungen – Auf die Reise und die Beratung kommt es an

Fragen und Antworten

PERSONALISIERTER IMPFSCHUTZ

Personen mit speziellen Impfbedürfnissen

Auf eine Schwangerschaft vorbereitet sein!

Auch Frühchen brauchen Impfschutz!

Bei geschwächtem Immunsystem: Impfen, aber richtig

Impfen spezial – Schutz von Mitarbeitern des Gesundheitswesens

Fragen und Antworten

VON DER KRANKHEIT ZUM IMPFSTOFF

Impfstoffentwicklung – Vom Labor zur Zulassung

Antigene, Laborproduktion, klinische Erprobung und Zulassung – Stufen jeder Impfstoffentwicklung

Die Pioniere – Erfolgreiche Experimentatoren

Fragen und Antworten

HILFE FÜR DEN IMPFSTOFF

Adjuvans – Was das Immunsystem ankurbelt

Aluminiumsalze & Co

Fragen und Antworten

NUTZEN STATT RISIKO

Riesige Vorteile – „Nullrisiko“ gibt es nicht

Impfreaktionen – Nebenwirkungen – Schaden

Fragen und Antworten

Literaturangaben

Bildnachweis

VORWORT

IMPFEN – BESSER WISSEN ALS GLAUBEN, BESSER WAHRHEIT ALS MYTHEN

Kaum ein anderes medizinisches Thema erzeugt in der Bevölkerung so kontrovers geführte Diskussionen und divergierende Ansichten wie das Impfen. Dabei sprechen die Erfolge der Impfungen doch eigentlich für sich: Viele schwere Infektionskrankheiten, die einst Ursache für gefürchtete Epidemien und hohe Sterberaten waren, konnten durch Impfungen zurückgedrängt werden.

Ich denke mir immer: Was kann uns Besseres passieren, als durch Impfungen zu erreichen, dass wir erst gar nicht erkranken? Wünschen wir uns etwa nicht, wir könnten alle gefährlichen Erkrankungen einfach durch eine Impfung verhindern? Und doch ist dies bis jetzt nur bei einigen wichtigen Infektionserkrankungen gelungen, bei vielen anderen müssen wir hoffen, dass es eine gute Behandlung gibt, die uns heilen kann oder zumindest Linderung bringt. Oftmals gibt es gar keine Behandlung oder ihre Wirkung setzt nicht rechtzeitig ein – oder unser Immunsystem ist alleine nicht stark genug, um mit der Krankheit fertigzuwerden.

Warum also nützen wir nicht die Möglichkeiten, die wir haben, um das zu verhindern, was verhinderbar ist? Natürlich kann uns niemand sagen, ob wir tatsächlich erkranken würden. Aber wer will das Risiko auf sich nehmen und sagen „Mich trifft’s sicher nicht“, besonders wenn ich nicht nur für mich, sondern für jemand anderen, wie das eigene Kind, entscheiden muss?

Es scheint, dass Impfen heute zu einer Glaubensfrage geworden ist. Fast jeder hat eine Meinung zum Thema Impfen und glaubt, für sich eine Antwort zu kennen. Doch Glauben ist nicht Wissen. Impfen ist aber vielmehr eine Wissensfrage, Impfen ist eine medizinische Disziplin, die ihren Ursprung in der Wissenschaft hat.

In meiner langjährigen Tätigkeit als Forscherin, v. a. aber in meiner Tätigkeit als Ärztin, ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, Wissen zu erwerben und zu vermitteln. Damit man nicht darauf angewiesen ist, einfach nur zu glauben, was ein anderer sagt, und unterscheiden lernt zwischen persönlichen Meinungen oder dem Bauchgefühl und tatsächlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Wahrheiten. Denn Nichtwissen ist oft die Quelle für Ängste, Skepsis oder Ablehnung. Entscheidungen sollen aber auf der Basis von Kenntnis und Verständnis gefällt werden – und nicht aus rein emotionalen Beweggründen.

Daher möchte ich in diesem Buch versuchen, Ihnen Kenntnisse und Wissen über Impfungen auf der Basis von wissenschaftlicher Evidenz und wissenschaftlichen Studien zu vermitteln.

Dieses Buch soll die Erfolgsstory der Impfungen beleuchten sowie einen Abriss geben über die wichtigsten Impfungen; warum sie empfohlen werden; wann der richtige Zeitpunkt zum Impfen ist und wann nicht bzw. unter welchen Umständen Vorsicht geboten ist.

Vor allem soll dieses Buch aber mit Mythen aufräumen, indem erklärt wird, wie unser Immunsystem tatsächlich funktioniert, dass es sich dabei nicht um ein rätselhaftes Gebilde in unserem Körper handelt, dessen Existenz und Wirkung niemand wirklich kennt. Schließlich wird erklärt, wie Impfungen funktionieren, die sich der natürlichen Abläufe des Immunsystems bedienen und Lernprozesse der Immunzellen initiieren und beschleunigen.

Besonders wichtig erscheint es mir, auf das Thema Impfnebenwirkungen einzugehen, denn heutzutage überwiegt die Angst vor angeblichen Nebenwirkungen gegenüber den tatsächlichen Gefahren von Infektionserkrankungen. Die Angst vor Impfschäden und dauerhaften Erkrankungen ist besonders groß geworden, obwohl es dafür trotz intensivster Kontrollen nur sehr geringe Nachweise gibt. Auch diese Fakten werden hier geliefert.

Ein wichtiger Teil des Buches geht auf häufig gestellte Fragen und Sorgen ein, die oftmals nur auf Mythen beruhen, die der Realität nicht entsprechen, aber dennoch immer wieder in der öffentlichen Diskussion über Impfungen auftauchen. In jedem Kapitel finden Sie entsprechende fachlich fundierte und wissenschaftlich belegte Antworten. Es geht dabei z. B. um Fragen wie „Wird unser Immunsystem durch Impfungen überlastet?“ oder „Schaden so viele und frühzeitige Impfungen dem Entwicklungsprozess eines Kindes?“ oder „Sind die Inhaltsstoffe und Wirkverstärker in den Impfungen gefährlich für unsere Gesundheit?“ Das sind nur einige der Fragen, die viele Menschen, wenn sie keine Antwort finden, zweifeln lassen und oftmals vom Impfen abbringen.

Mit diesem Buch hoffe ich also, Unwahrheiten und Fehlmeinungen mit Wahrheiten und Fakten aufklären und somit auf der Basis von Wissen zu einer Entscheidungshilfe bei der Frage „Soll ich mich impfen lassen?“ beitragen zu können.

Viel Vergnügen beim Lesen, Schmökern und Nachschlagen!

Ihre Ursula Wiedermann-Schmidt

DIE AUTORIN

Ursula Wiedermann-Schmidt

Univ.-Prof. Dr. med. univ. PhD Ursula Wiedermann-Schmidt ist österreichweit die einzige Professorin für Vakzinologie (Impfwesen), leitet seit 2004 das Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin und ist Ärztliche Leiterin der Spezialambulanz für Impfungen an der MedUni Wien. Seit 2005 ist sie im Beratungsgremium für Impfwesen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMGF) tätig und seit 2011 auch Vorsitzende des Nationalen Impfgremiums sowie Mitglied des Obersten Sanitätsrates.

IMPFUNGEN – DIE ERFOLGSSTORY

Abb. 1: Vor Einführung der Impfung im 20. Jahrhundert kosteten die Pocken rund fünf Millionen Menschen das Leben.

Es ist eine der sprichwörtlichen Erfolgsstorys der modernen Welt: das Zurückdrängen jener ansteckenden Erkrankungen, die das Leben der Menschheit über Generationen hinweg begleitet haben. Heute sind viele dieserKrankheiten in den entwickelten Ländern der Erde – so auch in Österreich– weitgehend zurückgedrängt, manche in unseren Breiten sogar eliminiert.Die Wissenschaft hat längst die Ursachen für diese riesigen Fortschritteidentifiziert. Es sind v. a. die besseren hygienischen Verhältnisse mit reinemTrinkwasser sowie Abwasser- und Abfallentsorgung. Hinzu kam eine ausreichende Ernährung in all jenen Weltregionen, wo der Hunger heute der Vergangenheit angehört.

Doch es gibt noch einen weiteren und ganz wesentlichen Faktor: die Verfügbarkeit von Impfstoffen gegen viele der gefährlichsten Infektionserkrankungen sowie das Vorhandensein des Zugangs zu diesen Immunisierungenfür Babys, Kinder, Erwachsene und Senioren durch die Etablierung einesImpfwesens, wie es auch in Österreich seit Jahrzehnten existiert. Das ist die„Story“ dieses Buches. Sie beginnt mit den aufregenden Veränderungen, diedie Welt durch die hochwirksamen und nebenwirkungsarmen Impfungenerlebt hat und noch immer erlebt. Die Erfolgsgeschichte der modernen Impfungen geht aber weiter und könnte in Zukunft zu revolutionären Entwicklungen nicht nur gegen Infektionskrankheiten, sondern auch gegen Krankheiten wie Krebs, Alzheimer, Diabetes etc. führen.

Freilich, es gibt auch Faktoren, die diese positiven Zukunftsaussichten gefährden. Vor allem in den westlichen Industriestaaten hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend Impfskepsis breitgemacht. Die Ursache liegt v. a.am Erfolg des Impfwesens selbst: Wer kennt heute noch jemanden in seinemUmfeld, der an Kinderlähmung erkrankt ist, oder wem ist der „Würgeengelder Kinder“ noch in Erinnerung, der zum Erstickungstod bei Kindern führte? („Würgeengel der Kinder“ heißt im Volksmund die Diphtherie.) Viele derehemals gefährlichen Krankheiten wie Polio (Kinderlähmung), Diphtherie,Tetanus, Keuchhusten etc. konnten durch die Einführung der universellenImpfprogramme zurückgedrängt werden und sind damit als Gefährdungquasi „unsichtbar“ geworden und aus unseren Köpfen verschwunden. Dochda es diese Erkrankungen weltweit immer noch gibt, lauern sie weiterhinim Hintergrund – und können auch leicht wieder zurückkehren, z. B. imZuge von Migration und vermehrten Reisetätigkeiten, wenn Menschen ihren Impfschutz vernachlässigen. Hinzu kommt, dass in unseren modernen,demokratisch-offenen Gesellschaften auch die Verbindlichkeit von Autoritäten abgenommen hat. Umso wichtiger ist es, die Entscheidung für Impfungen auf der Basis vernünftiger und wissenschaftlich nachvollziehbarer Informationen zu treffen. Eine Grundlage dafür soll auch dieses Buch bieten!

SEUCHEN UND IHRE BEKÄMPFUNG

Pocken, Kinderlähmung, Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten, tropische Erkrankungen wie Gelbfieber etc. – die Liste der Krankheiten, die die Menschheit in ihrer Geschichte gequält und ihr Leben verkürzt haben, ist lang. Infektionskrankheiten hatten den stärksten Effekt auf die Sterblichkeit und somit auf die Lebenserwartung der Menschen, seit diese begannen, Ackerbau zu betreiben. Vorher gab es nur sporadische Pocken- oder Masern-Erkrankungen.

Mit der Entwicklung des sesshaften Lebens und mit der Bildung von Städten und Ballungsräumen nahm plötzlich die Seuchengefahr zu. Infektiöse Krankheiten verbreiten sich in großen Menschengruppen mitunter rasend schnell. Ein Beispiel waren die Pocken, die vor Einführung der Impfung im 20. Jahrhundert rund fünf Millionen Menschen das Leben kosteten. Erst im 19. Jahrhundert gelang in Europa langsam die kontinuierliche Verbreitung der Pockenimpfung, die aber erst im folgenden Jahrhundert zur Ausrottung (Eradikation) der Erkrankung führte.

Das lässt sich auch für Österreich und Preußen im 19. Jahrhundert belegen: 1874 wurde in Deutschland – so auch in Preußen – die generelle Pockenimpfung eingeführt. In Preußen sank die Anzahl der Todesfälle von 2.642 im Jahr 1868 auf drei im Jahr 1879. In der österreichischen Monarchie wurde die Impfung hingegen nicht eingeführt. Dort erlagen 1874 exakt 1.866 Menschen den Pocken, im Jahr darauf gar 3.094. 1879 waren es dann 555 Tote. Das alte Österreich zahlte einen furchtbaren Preis dafür, dass es die Erkenntnisse der damals modernen medizinischen Wissenschaft nicht anwendete.

Freilich, es ist nicht nur die Verfügbarkeit wirksamer Impfstoffe, die volksgesundheitliche Veränderungen bewirken kann. Die besten Impfstoffe helfen nichts, wenn dahinter nicht ein Gesundheitssystem steht, das den Menschen den Zugang zu sowie die Erhältlichkeit und die Leistbarkeit von Impfungen garantiert. Auch diese Grundlagen mussten in den vergangenen 200 Jahren erst geschaffen werden und sind Teil der Erfolgsstory.

URALTES WISSEN – PIONIERARBEIT – EXAKTE WISSENSCHAFT

Manche Menschen meinen, Vakzine bzw. Impfungen seien die Erfindungen einer „übertechnisierten“ Zeit. Das Gegenteil ist wahr! Die Immunisierung von Menschen gegen ansteckende Erkrankungen geht auf uraltes Wissen zurück. Schon früh wurde beobachtet, dass Personen, die einmal eine bestimmte Krankheit durchgestanden hatten, in der Folgezeit vor einer neuerlichen Erkrankung geschützt waren. Berichte aus dem alten China um das Jahr 200 v. Chr. sprachen bereits davon, wie man durch die Verabreichung zermahlener Schorfteile von Personen, die die Pocken überlebt hatten, andere Menschen zu schützen versuchte. Aus gutem Grund, schließlich sorgten die Pocken bis zu ihrer Ausrottung in den 1980er-Jahren für eine Sterblichkeit von 30%.

Den entscheidenden Fortschritt machte die Medizin in Sachen wirksamer Impfungen im 18. Jahrhundert. 1718 berichtete Lady Mary Wortley Montagu, die Frau des britischen Botschafters im Osmanischen Reich, von der Methode der „Einpfropfung“ von Pockeneiter aus Leicht-Infizierten in Uninfizierte in der Türkei. Aus Angst vor der grassierenden Krankheit ließ sie dies bei ihren Kindern durchführen und schützte sie so vor den Pocken. Ihren Berichten zufolge wurde dann diese Primitiv-Impfmethode (auch Variolation genannt) in England durchgeführt, doch bald auch wieder eingestellt, da sie – bei zu großer Menge an eingepfropftem Pockeneiter – häufig tödlich verlief. Das war ein direkter Hinweis darauf, dass die Dosis entscheidend ist für Wirkung/Schutz und Nebenwirkung.

In der Folge kamen die Ärzte dahinter, dass eine Ansteckung von Personen mit den für den Menschen ungefährlichen Kuhpocken vor der „Menschenkrankheit“ schützte. Vor allem britische Ärzte waren hier engagiert, weil dort die wissenschaftliche Medizin in einem liberaleren Umfeld als in Kontinentaleuropa mehr Entwicklungsmöglichkeiten hatte. 1796 war es so weit: Der englische Arzt Edward Jenner (1749–1823) infizierte einen Buben mit Kuhpocken. Und der erwies sich später als immun gegen die Pocken.

Doch das waren noch Versuche mit Wissen aus Erfahrung. Der nächste entscheidende Fortschritt trat Ende des 19. Jahrhunderts ein. Der deutsche „Mikrobenjäger“ Robert Koch identifizierte erstmals Bakterien als die Ursache für den gefährlichen Milzbrand und die damals in ganz Europa katastrophal verbreitete Tuberkulose. Diese Erkenntnisse führten zur Entwicklung der ersten Impfstoffe gegen Milzbrand und Tollwut durch die französischen Wissenschaftler Louis Pasteur und Emile Roux. Das Konzept dahinter: Man konnte durch das Züchten abgeschwächter Keime und deren Verabreichung oder durch die Gabe von abgetöteten Bakterien eine schützende Immunreaktion bei den Geimpften hervorrufen. Die Entwicklung der modernen pharmazeutischen Industrie und ihre fortschrittlichen Produktionsmethoden führten schließlich an der Wende zum 20. Jahrhundert und in den Jahrzehnten danach zum Siegeszug der modernen Impfstoffe.

Abb. 2 und 3: Wichtige Pioniere und Wegbereiter von Impfungen: Lady Mary Wortley Montagu und Edward Jenner.

Dutzende hochwirksamer Vakzine

Mittlerweile ist die Liste verfügbarer und hochwirksamer Vakzine weltweit immer länger geworden. In der jüngeren Vergangenheit haben v. a. die Fortschritte in der molekularbiologischen Forschung die Möglichkeiten zur Entwicklung neuer und verbesserter Impfstoffe wesentlich verbessert und beschleunigt. Wer hätte beispielsweise je gedacht, dass nur wenige Monate nach Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika 2014/2015 bereits Vakzine erprobt und aus diesen Forschungen die ersten Ergebnisse zu völlig neuen Impfstoffen vorliegen würden?

Abb. 4: Eine Auswahl der wichtigsten Impfstoffe gegen Infektionserkrankungen als Zeitreihe ihrer Entwicklung.

Erfolgsrate 99,99% – Was die Impfungen geschafft haben

Nichts ist perfekt. Das gilt auch für die Medizin. Viele Krankheiten können mit den modernsten Therapien auch heute noch nur zum Teil geheilt, ihr Fortschreiten kann hinausgezögert oder sie können als chronische Erkrankungen zumindest langfristig beherrscht werden. Die Erfolge eines gut funktionierenden Impfwesens in einem Land – wie z. B. Österreich – sind da von einem sprichwörtlich „ganz anderen Kaliber“.

In den USA hat man für die einhundert Jahre des 20. Jahrhunderts Folgendes berechnet: Ohne Impfstoff gegen die Pocken hätte im vergangenen Jahrhundert die Zahl der Todesopfer durch diese Erkrankung 4,8 Millionen betragen. 2002 gab es – die Pocken sind weltweit mit dem Jahr 1980 ausgerottet worden – keinen Todesfall.

Die Zahl der Polio-Todesfälle hätte auf 1,63 Millionen gelautet; es gab in den USA im Jahr 2002 keine einzige Erkrankung. Geschätzten 17,6 Millionen Diphtherie-Todesfällen in den Vereinigten Staaten für das Jahrhundert standen im Jahr 2002 nur 22 Erkrankungen gegenüber. 1,47 Millionen Menschen wären an Keuchhusten gestorben. Es waren im Jahr 2002 in den USA 6.632 Todesfälle. Die in vielen Industriestaaten immer wieder als „harmlose Kinderkrankheit“ bezeichneten Masern hätten für 5,03 Millionen Todesfälle gesorgt; es waren in den USA im Jahr 2002 exakt 36. Damit zeigte sich in den USA eine Verringerung der Zahl der Diphtherie- und Masernfälle um 99,99%. Ähnlich hoch lag die Erfolgsrate bei den Röteln mit minus 99,78%, bei Mumps (minus 99,86%) und bei Keuchhusten (minus 98,20%). Der Wundstarrkrampf (Tetanus) wurde in dieser Modellrechnung zu 98,44% zurückgedrängt.

Ähnliche Entwicklungen konnte man in Österreich verzeichnen: In den Jahren zwischen 1946 und 1961 kam es zu mehr als 12.620 Polio-Erkrankungen mit 1.426 Todesfällen. Nach Einführung der öffentlichen Schutzimpfung im Jahre 1960 sanken die Erkrankungsfälle in kürzester Zeit dramatisch und seit den 1980er-Jahren sind keine Poliofälle mehr in Österreich aufgetreten. Ganz ähnliche Entwicklungen konnte man bei Diphtherie oder Haemophilus influenzae b (ein Bakterium, das besonders bei Kleinkindern zu schweren Lungenentzündungen und zu Gehirnhautentzündung führen kann) sehen. Auch Hepatitis B, die in Österreich als Berufskrankheit bei medizinischem Personal vor Einführung der Impfung zu über einhundert jährlichen Infektionen führte, konnte beim Gesundheitspersonal durch die Impfung seit dem Jahre 1983 massiv zurückgedrängt werden.

Abb. 5: Der Erfolg von Impfungen und Impfprogrammen – das Beispiel der USA (Quelle: Nabel GJ, 2013 N. Engl. J. Med).

Ziele von Impfprogrammen

Die Immunisierung von einzelnen Menschen, Bevölkerungsgruppen oder der gesamten Bevölkerung eines Landes verfolgt je nach Impfung und dabei bekämpfter ansteckender Erkrankung jeweils spezielle Ziele bzw. verwendet bestimmte Strategien, um diese Ziele zu erreichen. Grob kann man vier Ziele unterscheiden, die miteinander verknüpft sind:

•   Individualschutz: Schutz des einzelnen Menschen (z. B. Tetanusimpfung gegen Wundstarrkrampf). Einen Spezialfall stellen sogenannte Vektor-übertragbare Erkrankungen dar. Die Krankheitserreger stammen dabei oft aus dem Tierreich (Zoonosen) und werden z. B. über Zecken oder Stechmücken übertragen. In diesen Fällen (wie auch bei Tetanus) dient eine Impfung vorwiegend dem Individualschutz, ein sogenannter Herdenschutz kann aber nicht entstehen.

•   Herdenschutz: Durch die Impfung möglichst aller dafür geeigneten Personen wird ein Zustand erreicht, in dem leicht von Mensch zu Mensch übertragbare Erkrankungen so weit zurückgedrängt sind, dass die Erreger nicht mehr in der Bevölkerung zirkulieren können. Das schützt auch Ungeimpfte.

•   Verhinderung von Epidemien: Eine hohe Durchimpfungsrate schützt vor dem Ausbruch von Krankheitswellen in der Bevölkerung. Im Ernstfall wird mittels Abriegelungsimpfungen in den am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen reagiert, um eine Ausbreitung zu verhindern.

•   Elimination: Das ist das Zurückdrängen einer Erkrankung in einem räumlich umschriebenen Gebiet, z. B. auf einem Kontinent wie Europa. Noch weiter reicht die sogenannte Eradikation: Dabei handelt es sich um das weltweite Ausrotten eines Krankheitserregers, der nur beim Menschen vorkommt. 1980 gelang das erstmals bei den Pocken. Seit Jahren wird weltweit darum gekämpft, Polio (Kinderlähmung) auszurotten.

Kriterien für die Einführung von Impfprogrammen

Es gibt klare und anerkannte Bedingungen, unter denen Impfprogramme für die Bevölkerung eines Landes (einer Region) geplant und durchgeführt werden. Sie können umfassen:

•   Nutzen im Vergleich zum Risiko: Alle Vakzine/Impfungen unterliegen einer strengen Beurteilung durch die Arzneimittelzulassungsbehörden (in Europa ist das die EMA, in Amerika die FDA), wobei der Nutzen gegenüber allfälligen Risiken immer mit großer Deutlichkeit überwiegen muss.

•   Kosten im Vergleich zum Nutzen: Vor Einführung von staatlich geförderten/ bezahlten Impfprogrammen wird bestimmt, ob der durch Impfung erreichbare Nutzen auch kostendeckend/-sparend ist (d. h. ob die Investition in ein Impfprogramm tatsächlich durch einen Rückgang von Erkrankungs- und Behandlungszahlen Kosten einsparen kann).

Der Schutz des Einzelnen

Der sogenannte Individualschutz ist ein wichtiges Ziel von Impfungen und Impfprogrammen. Oft handelt es sich dabei um die Immunisierung gegen Virusinfektionen. Nur gegen wenige Viruserkrankungen gibt es spezifisch wirkende Arzneimittel. Deshalb soll die Impfung vor der Infektion oder zumindest vor dem Ausbruch der Erkrankung schützen.

Wichtig ist der individuelle Schutz auch bei vielen bakteriellen Erkrankungen. Bakterielle Infektionen können einen so raschen, dramatischen und binnen Stunden lebensgefährlichen Verlauf nehmen, dass man als Einzelner am besten von vornherein per Impfung geschützt sein sollte. Das ist z. B. bei den Pneumokokken- oder den gefürchteten Meningokokken-Erkrankungen der Fall. Zwar können solche Krankheiten auch mit Antibiotika behandelt werden, doch deren Wirkung kommt in manchen Fällen zu spät. Außerdem gibt es resistente Erreger, die auf die Behandlung mit den gängigen Antibiotika nicht ansprechen.

Menschen mit Grunderkrankungen, die die Immunabwehr schädigen oder in deren Rahmen eine immunschwächende Therapie erfolgen muss (z. B. Krebserkrankungen, chronisch entzündliche Erkrankungen etc.), sollten vorbeugend durch Impfung vor Infektionen geschützt werden, weil diese bei ihnen leichter auftreten und schwerer verlaufen können.

„Ping-Pong“: Kinder schützen Erwachsene – Erwachsene schützen Kinder

Das Ping-Pong-Prinzip gilt nicht nur für die Ansteckung zwischen Menschen, sondern genauso für den Schutz vor Ansteckung: Den Begriff des „Kollektivschutz“ kann man daher auch einfach mit dem Motto „Kleine schützen Große – Große schützen Kleine“ umschreiben. Um den Schutz einer ganzen Bevölkerung oder einer Bevölkerungsgruppe geht es regelmäßig, wenn eine Krankheit per Impfung verhindert werden kann, die von Mensch zu Mensch übertragen wird (siehe Abb. 6).

Ein klassisches Beispiel ist die Influenza. Wären viele Menschen durch Immunisierung vor dem Herannahen der Erkrankungswelle – saisonal zumeist Anfang des Jahres – geschützt, könnten sich die Influenza-Viren nicht etablieren und weiter übertragen werden. Es ist bekannt, dass v. a. Kinder für die Verbreitung der Viren sorgen (Kindergärten, Schulen). Diese stecken zu Hause ihre Eltern und Großeltern an. Das Problematische dabei ist, dass die Influenza v. a. bei Senioren häufig mit schweren Komplikationen und Folgeerkrankungen verbunden ist. Somit könnten geimpfte „Kleine“ die „Großen“ schützen. Das funktioniert aber natürlich auch andersherum.

Ein drittes Faktum: Manche Menschen (z. B. Neugeborene, Menschen mit supprimiertem Immunsystem) kommen aus ganz spezifischen persönlichen Gründen (zu jung, zu schwach, zu krank) nicht für eine Impfung in Frage. Dadurch sind sie besonders gefährdet. Sie sind speziell auf den „Herdenschutz“ angewiesen: Wenn ausreichend viele andere Menschen geimpft sind, kann ein Krankheitserreger nicht „grassieren“ und die Ungeimpften gefährden. Bei den Masern müssten beispielsweise 95% der Menschen geimpft sein, um ein Auftreten und Ausbreiten der Erkrankung in einem Land oder einer Bevölkerung zu verhindern.

Exakte Berechnung

Um zu wissen, wie hoch der Impfschutz einer Bevölkerung sein sollte, damit ein „Herdenschutz“ aller Personen gewährleistet werden kann, sind entsprechend exakte Berechnungen notwendig. Ermittelt werden diese notwendigen Durchimpfungsraten aus der sogenannten „Basisreproduktionszahl“. Das ist die Anzahl an Personen in einer ungeschützten Population, die durch einen Infizierten angesteckt werden. Diese wiederum ist abhängig von den Krankheitserregern, von der Häufigkeit von Kontakten, die zu einer Übertragung führen können, und vom Status der Immunabwehr der Bevölkerung (Ernährung, sonstiger Gesundheitszustand etc.).

Zwei Beispiele: Für Österreich kann man davon ausgehen, dass ein Masernkranker bis zu 18 weitere Personen, die nicht geschützt sind, ansteckt. Damit ergibt sich die Notwendigkeit, bis zu 95% der Menschen zu immunisieren, um die Zirkulation des Virus, das heißt, die Ansteckung einer Person durch eine andere, zu verhindern. Ganz ähnlich sieht es beim Keuchhusten aus (17 potenzielle Infizierte; 92–94% notwendige Durchimpfungsrate).

Bei der Influenza wäre das Ziel weit einfacher zu erreichen: Ein Infizierter steckt im Durchschnitt 1,2 bis zwei Personen an. Wären an die 50% der Bevölkerung in Österreich jedes Jahr per Impfung geschützt, gäbe es keine saisonale „Influenza-Welle“. Doch es sind nicht einmal zehn Prozent, die sich jährlich in Österreich impfen lassen.

Ein Nutzen für das ganze Land

Zumeist sind Impfungen neben ihrem Nutzen für den Einzelnen auch ein Nutzen für das ganze Land. Das trifft v. a. auf Erkrankungen mit einer Vielzahl von Patienten und hohen direkten und indirekten volkswirtschaftlichen Kosten zu: Die Impfung hilft Behandlungskosten und Behandlungsaufwendungen, Spitalskosten, Krankenstände, Pflegeurlaub etc. zu vermeiden. Ein klassisches Beispiel ist hier die Rotavirus-Impfung von Säuglingen und Kleinkindern, die zu einem deutlichen Rückgang der Spitalsaufnahmen von Kindern mit starkem Durchfall geführt hat.

Vor Einführung der kostenlosen Impfung gegen Rotavirus-Erkrankungen bei Säuglingen wurden in Österreich pro Jahr rund 5.000 Krankenhausaufnahmen von Kindern wegen solcher Infektionen registriert. Durch die Aufnahme der Impfung ins allgemeine Kinderimpfprogramm konnte diese Erkrankung in Österreich stark zurückgedrängt und die Zahl der Spitalsaufnahmen um mehr als 80% gesenkt werden. Das bedeutet beispielsweise für die Eltern Tausender Kinder, dass keiner der beiden Elternteile mehr aufgrund der Krankheit mit ins Spital muss. Und der gesetzlich verankerte – und oft recht bald ausgeschöpfte – Pflegeurlaub muss nicht angetastet werden. Auch die Ersparnis solch indirekter Kosten ist Teil der Effizienzberechnungen eines Impfprogramms.

ERFOLGE UND MISSERFOLGE IN ÖSTERREICH: MASERN UND KEUCHHUSTEN

Auch in Österreich konnten in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten viele Erfolge erzielt werden. So ist z. B. die Diphtherie seit Jahren nicht mehr aufgetaucht, obwohl diese gefährliche Erkrankung in Nachbarländern immer wieder registriert worden ist. Das Gleiche gilt für die Kinderlähmung (Polio). Hier hat die Impfung fast aller Kinder bewirkt, dass diese Krankheit seit Jahrzehnten nicht mehr aufgetreten ist: Gab es in Österreich zwischen 1946 und 1961 noch 12.620 Erkrankungs- und 1.426 Todesfälle, so erkrankten im Zeitraum 1962 bis 1980 nur mehr 37 Österreicher an Polio, bei sechs verlief die Erkrankung tödlich, zuletzt im Jahr 1973.

Für Österreich revolutionär war vor fast 20 Jahren folgender Schritt der Behörden: Im Jahr 1998 hat das Bundesministerium für Soziales & Gesundheit in enger Zusammenarbeit mit den Bundesländern und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger ein kostenloses Kinderimpfprogramm geschaffen, das möglichst allen Kindern den Gratiszugang zu wichtigen Vorsorgemaßnahmen gegen ansteckende Erkrankungen ermöglicht. Es erlaubt, dass alle in Österreich lebenden Kinder bis zum 15. Lebensjahr in den Genuss wichtiger Grundimmunisierungen und Auffrischungsimpfungen gelangen. Dazu zählen etwa Masern, Mumps, Röteln, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten (Pertussis) und Hepatitis B. In jüngerer Vergangenheit wurde das Programm durch Impfungen gegen Rotavirus-Infektionen und Pneumokokken bei Säuglingen sowie gegen Meningokokken und HPV (Humane Papilloma-Viren/Gebärmutterhalskrebs und andere Krebsformen, Genitalwarzen) bei Schulkindern erweitert.

Allerdings gibt es auch Defizite. So ist der Impfschutz der österreichischen Bevölkerung gleich an einigen Stellen löchrig. Zwei Beispiele dafür sind Masern und Keuchhusten: Bis vor kurzem bekamen nur rund 90% der Kinder die erste auch vor Masern schützende Impfung, nur etwa 80% erhielten die zweite Teilimpfung. Für die Elimination oder gar die Ausrottung der potenziell lebensgefährlichen Erkrankung wären aber 95% Durchimpfungsgrad aller Menschen mit zwei Masernimpfungen notwendig.

Traurig: Österreich hatte im Jahr 2015 ein echtes Masernproblem. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat das Ziel von weniger als einem Fall pro einer Million Einwohner und Jahr gesetzt. In Österreich waren es hingegen vergangenes Jahr 38,8 Erkrankungen pro einer Million Einwohner. Es gab 309 Fälle, v. a. in Niederösterreich, der Steiermark, Oberösterreich und Wien. Damit hat Österreich die dritthöchste Masernfallzahl in Europa!

Ähnlich ist die Situation beim Keuchhusten. In Österreich wurden 1995 nur 91 Pertussis-Erkrankungen gemeldet, 2012 waren es 425 und 2015 schon 567. Dahinter stecken offenbare Impflücken, die sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgetan haben, denn 86% der Erkrankten waren nicht geimpft oder ihr Impfstatus war nicht bekannt. Dabei ist die Krankheit besonders für Säuglinge und ältere Menschen hochgefährlich.

Im Kreise der Fachleute spricht man in solchen Fällen oft von einem „Impfdilemma“: Viele durch Impfung zurückgedrängte Krankheiten werden von der Öffentlichkeit kaum mehr wahrgenommen. Das senkt das Risikobewusstsein des Einzelnen genauso wie z. B. jenes von Eltern bezüglich ihrer Kinder. Auf der anderen Seite werden im Vergleich zu Millionen verabreichten Impfungen in sehr seltenen Fällen auftretende Komplikationen in einem höheren Ausmaß wahrgenommen, als es der tatsächlichen Relation entspricht. Dennoch möchte man sein gesundes Kind nicht dem vermeintlichen Risiko durch eine Impfung aussetzen. Krank werden oder geschützt sein – dieser einfache Vergleich sollte aber sicher machen und allfällige Zweifel beseitigen.

Mythos und Wahrheit – Was richtig und was falsch ist

Immer wieder werden von Impfskeptikern und -gegnern Mythen in Umlauf gebracht, die nicht der Realität entsprechen. Zum Beispiel: