In Fleisch gezeichnet - Anne Bishop - E-Book

In Fleisch gezeichnet E-Book

Anne Bishop

0,0

Beschreibung

Durch die Verbindung der Anderen mit den Cassandra Sangue – den fragilen und dennoch mächtigen Blutpropheten – hat sich die Dynamik zwischen den Menschen und den Anderen verändert. Einige – wie Simon Wolfgard, Wolfwandler und Anführer des Lakeside Courtyard, und Blutprophetin Meg Corbyn – sehen darin einen Vorteil. Doch nicht alle sind überzeugt und eine Gruppe radikaler Menschen versucht schließlich durch gewalttätige Attacken auf die Anderen, Land an sich zu reißen. Dabei ahnen sie nicht, dass ältere und gefährlichere Mächte als Gestaltwandler und Vampire über Thasia wachen – und dass diese Mächte zu allem bereit sind, um zu beschützen, was ihnen gehört.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 714

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



In Fleisch gezeichnet

Ein Roman über die Anderen

Anne Bishop

Copyright © 2021 by

Drachenmond Verlag GmbH

Auf der Weide 6

50354 Hürth

www.drachenmond.de

E-Mail: [email protected]

Übersetzung: Nina Bellem

Lektorat: Stephan Bellem

Korrektorat: Michaela Retetzki

Umschlaggestaltung: Alexander Kopainski – www.alexanderkopainski.de

Bildmaterial: shutterstock.com

Titelschrift: Alexander Kopainski

Layout: Stephan Bellem

www.annebishop.com

Copyright © Anne Bishop 2016

Published by Arrangement with Anne Bishop

Originaltitel: Marked in Flesh

Dieses Werk wurde vermittelt durch die

Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover

ISBN 978-3-95991-605-9

© 2021 Drachenmond Verlag GmbH

Alle Rechte vorbehalten

Band 1: In Blut geschrieben

Band 2: Krähenjagd

Band 3: Visionen in Silber

Band 4: In Fleisch gezeichnet

Band 5: In Knochen geätzt

Inhalt

Namid – Die Welt

Eine kurze Geschichte der Welt

Intermezzo

1. Sonnentag, 5. Juin

2. Sonnentag, 5. Juin

3. Windtag, 6. Juin

Intermezzo

4. Windtag, 6. Juin

5. Windtag, 6. Juin

6. Windtag, 6. Juin

7. Windtag, 6. Juin

8. Windtag, 6. Juin

9. Windtag, 6. Juin

10. Windtag, 6. Juin

Intermezzo

11. Thaistag, 7. Juin

Intermezzo

12. Feuertag, 8. Juin

13. Wassertag, 9. Juin

14. Erdtag, 10. Juin

Intermezzo

Intermezzo

15. Mondtag, 11. Juin

16. Windtag, 13. Juin

17. Windtag, 13. Juin

18. Thaistag, 14. Juin

19. Thaistag, 14. Juin

20. Feuertag, 15. Juin

21. Mondtag, 18. Juin

22. Mondtag, 18. Juin

Intermezzo

Intermezzo

23. Cel-Romano

24. Fingerbone Inseln

25. Windtag, 20. Juin

Intermezzo

26. Windtag, 20. Juin

27. Thaistag, 21. Juin

Intermezzo

28. Feuertag, 22. Juin

29. Feuertag, 22. Juin

30. Feuertag, 22. Juin

31. Feuertag, 22. Juin

32. Feuertag, 22. Juin

33. Feuertag, 22. Juin

34. Feuertag, 22. Juin

35. Feuertag, 22. Juin

36. Feuertag, 22. Juin

37. Feuertag, 22. Juin

Intermezzo

38. Wassertag, 23. Juin

Intermezzo

39. Wassertag, 23. Juin

40. Mondtag, 25. Juin

41. Windtag, 27. Juin

Intermezzo

42. Thaistag, 28. Juin

Kapitel 43

44. Wassertag, 30. Juin

Intermezzo

45. Wassertag, 30. Juin

46. Wassertag, 30. Juin

47. Wassertag, 30. Juin

Kapitel 48

Intermezzo

49. Erdtag, 1. Sumor

Intermezzo

50. Erdtag, 1. Sumor

51. Erdtag, 1. Sumor

52. Cel-Romano

53. Thaisia

Intermezzo

54. Mondtag, 9. Sumor

Intermezzo

55. Sonnentag, 17. Sumor

56. Windtag, 18. Sumor

57. Thaistag, 19. Sumor

Danksagung

Drachenpost

Für

Julie und Roger

und für

Nadine und Michael

Namid – Die Welt

Kontinente/ Landmassen

Afrikah

Australis

Brittania /Wild Brittania

Cel-Romano/Cel Romano Allianz der Nationen

Felidae

Fingerbone Inseln

Sturm Inseln

Thaisia

Tokhar-Chin

Zelande

Die Großen Seen

Superior, Tala, Honon, Etu und Tahki

Andere Seen

Feather Lake, Finger Lake

Flüsse

Talulah / Talulah Wasserfälle

Gebirge

Addirondak

Städte oder Orte

Bennett, Endurance, Ferryman’s Landing, Hubb NE (aka Hubbney), Jerzy, Lakeside, Podunk, Prairie Gold, Shikago, Sparkletown,

Sweetwater, Talulah Falls, Toland, Walnut Grove, Wheatfield

Wochentage:

Erdtag

Mondtag

Sonnentag

Windtag

Thaistag

Feuertag

Wassertag

Eine kurze Geschichte der Welt

Vor langer Zeit gebar Namid Lebensformen aller Art, darunter auch die Lebewesen, die man Menschen nennt. Sie gab den Menschen fruchtbare Teile ihrer selbst, und sie gab ihnen gutes Wasser. Und da sie die Natur der Menschen und auch die ihrer anderen Kinder verstand, sorgte sie außerdem für ausreichende Abschirmung, um ihnen die Chance zu geben, zu überleben und zu wachsen.

Und das taten sie.

Sie lernten Feuer zu machen und Hütten zu bauen. Sie lernten das Land zu bestellen und Städte zu errichten. Sie bauten Boote und fischten im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. Sie vermehrten sich und verbreiteten sich bis in die letzten Winkel ihrer Welt, bis sie in die wilden Gebiete vordrangen. Und dort entdeckten sie, dass die anderen Kinder Namids bereits die restliche Welt ihr Eigen nannten.

Die Anderen sahen die Menschen nicht als Eroberer. Sie sahen in ihnen eine neue Art von Beute.

Kriege wurden um den Besitz der Wildnis ausgetragen. Manchmal obsiegten die Menschen und ihre Nachkommenschaft verbreitete sich ein wenig weiter. Doch noch öfter verschwanden Teile der Zivilisation und die angsterfüllten Überlebenden versuchten, nicht jedes Mal zu erzittern, wenn in der Nacht ein Geheul aufstieg oder wenn ein Mann sich zu weit von der Sicherheit der stabilen Türen und des Lichts entfernte und man ihn am nächsten Morgen ohne Blut in den Adern wiederfand.

Jahrhunderte vergingen und die Menschen bauten größere Schiffe und segelten über den Atlantischen Ozean. Als sie dort unberührtes Land vorfanden, gründeten sie eine Siedlung am Meeresufer. Dann entdeckten sie, dass auch die Terra Indigene, die Eingeborenen der Erde, dieses Land ihr Eigen nannten. Die Anderen.

Die Terra Indigene, die diesen Kontinent beherrschten, den sie Thaisia nannten, wurden zornig, als die Menschen Bäume fällten und den Boden, der nicht ihnen gehörte, mit dem Pflug bearbeiteten. Daher aßen die Anderen die Siedler und machten sich mit der Form dieser neuen Beute vertraut, wie sie es so viele Male in der Vergangenheit getan hatten.

Die zweite Welle von Entdeckern und Siedlern kam an, fand die verlassene Siedlung und versuchte noch einmal, das Land für sich zu beanspruchen.

Die Anderen aßen auch sie.

Der Anführer der dritten Siedlerwelle jedoch war etwas schlauer als seine Vorgänger. Er bot den Anderen warme Decken und Stoffe für Kleidung sowie interessante glänzende Dinge im Austausch für die Erlaubnis, in der Siedlung leben zu dürfen, und für genug Ackerland zum Bestellen. Die Anderen betrachteten das als fairen Handel und zogen sich aus dem Gebiet zurück, das von nun an die Menschen bewohnen durften. Weitere Gaben wurden für Jagd- und Fischprivilegien ausgetauscht. Diese Vereinbarung stellte beide Seiten zufrieden, obgleich die eine Seite ihre neuen Nachbarn mit eher zähnefletschender Duldsamkeit betrachtete und die andere Seite furchtsam die Zähne zusammenbiss und dafür sorgte, dass die Ihren vor Einbruch der Nacht stets sicher hinter den Mauern der Siedlung geborgen waren.

Jahre vergingen und immer mehr Siedler trafen ein. Viele starben, doch genug Menschen gediehen und kamen zu Wohlstand. Aus Siedlungen wurden Dörfer, die zu Ortschaften und dann zu Städten wurden. Nach und nach verbreiteten sich die Menschen auf Thaisia so gut es ging über das Land, das sie betreten durften.

Jahrhunderte zogen ins Land. Die Menschen waren klug. Die Anderen auch. Die Menschen erfanden Elektrizität und sanitäre Anlagen. Die Anderen beherrschten die Flüsse, welche die Kraftwerke der Menschen antrieben, und die Seen, die frisches Trinkwasser lieferten. Die Menschen erfanden Dampfmaschinen und Zentralheizung. Die Anderen hatten die Kontrolle über den Brennstoff, der zum Betreiben der Maschinen und zum Beheizen der Gebäude nötig war. Die Menschen erfanden und produzierten Waren. Die Anderen kontrollierten die Naturreserven und entschieden dadurch, was in ihrem Teil der Welt hergestellt wurde und was nicht.

Natürlich gab es Zusammenstöße, und manche Orte wurden zu düsteren Mahnmalen für die Toten. Diese Mahnmale machten den Menschen schließlich klar, dass es die Terra Indigene waren, die Thaisia beherrschten, und dass dies bis zum Ende der Welt wohl auch so bleiben würde.

So sind wir nun in der heutigen Zeit angelangt. Kleine menschliche Dörfer stehen inmitten riesiger Landstriche, die den Anderen gehören. Und in größeren menschlichen Städten gibt es eingezäunte Parks, die sogenannten »Höfe«, in denen Andere leben, deren Aufgabe es ist, die Einwohner der Stadt im Auge zu behalten und dafür zu sorgen, dass die Abkommen, die zwischen Menschen und Terra Indigene getroffen wurden, auch eingehalten werden.

Da ist immer noch dieselbe zähnefletschende Toleranz auf der einen Seite und die Angst vor dem, was im Dunkeln umgeht, auf der anderen. Doch sofern die Menschen vorsichtig sind, werden sie überleben.

Meistens überleben sie.

Als Menschen ist es unser Recht, unser Schicksal, diese Welt für uns in Anspruch zu nehmen. Wir müssen die Stärke zeigen, die es braucht, um das Land Tieren zu entreißen, die Wasser und Land horten, Tieren, die mit Ressourcen wie Holz und Öl nichts anzufangen wissen, die nichts zur Kunst oder Wissenschaft oder der Verbesserung der Lebensumstände für irgendjemanden beizutragen haben. Wir können nicht zu den überlegenen Lebewesen werden, die wir bestimmt sind zu sein, solang wir es Tieren erlauben, uns Angst einzujagen, uns dazu zu bringen, uns den Grenzen, die sie gesetzt haben, zu beugen. Für die menschliche Rasse gibt es keine Grenzen. Wenn wir zusammenhalten, werden wir unbesiegbar sein. Wir werden die Meister sein und die Welt wird uns gehören. Von Anfang bis Ende, für immer.

– Nicholas Scratch,

Sprecher der Humans-First-and-Last-Bewegung

Es geht immer um das Territorium. Es geht darum, für das Rudel zu sorgen, darum, Essen und gutes Wasser zu haben. Es geht darum, genug von allem zu haben, damit dein Rudel überleben kann und deine Welpen aufwachsen können. Egal ob Anderer oder Mensch, das ist es, was wir alle wollen. Und wenn eine Art von Tier ein Gebiet bis zu dem Punkt überrennt, dass viele andere Arten von Tieren beginnen zu hungern, ist es die Aufgabe der Fleischfresser, die Herden auszudünnen, bevor es für niemanden mehr genug gibt. Das ist die einfache Wahrheit, egal ob man von Rehen oder Menschen spricht.

– Simon Wolfgard,

Anführer des Lakeside Courtyard

N,

Wir müssen schnell zuschlagen, wenn wir rasche und erfolgreiche Resultate erzielen wollen. Ruf unsere Verbündeten zusammen und beginn mit den Ablenkungen, damit niemand die Augen auf Thaisias Hafen richten wird. Verschiff, was immer du kannst, wie auch immer möglich. Eine hungrige Armee kann im Angesicht des Feindes nicht kämpfen. Sobald diese letzten Schiffe in unseren Häfen gesichert sind, werden wir einfordern, was den Cel-Romano-Leuten rechtmäßig gehört, und wir werden dieses Ungeziefer, das gerade das jungfräuliche Farmland überrennt, auslöschen.

– Pater

An: Alle HFL-Landes- und -Ortsverbände, Thaisia

Beginnt mit Stufe eins des Land-Rückeroberungs-Projekts.

– NS

1

Sonnentag, 5. Juin

Das süße Blut hat die Dinge verändert. Du hast dich wegen ihr verändert. Wir sind fasziniert von den Menschen, die du um deinen Courtyard versammelt hast, also werden wir dir etwas Zeit geben, um zu entscheiden, wie viel Menschliches die Terra Indigene behalten werden.

Simon Wolfgard, Anführer des Lakeside Courtyard, starrte die Decke seines Schlafzimmers an. Diese Worte der Warnung, der Drohung ließen ihn nicht schlafen, wie auch schon die letzten Nächte.

Die Worte waren nicht das Einzige, was ihm den Schlaf raubte. Prokrastination war ein menschlicher Wesenszug und in der vergangenen Woche hatte er entdeckt, dass sie ihren ganz eigenen Biss hatte.

Wölfe prokrastinierten nicht. Wenn das Rudel Futter brauchte, ging es jagen. Sie suchten keine Ausreden oder fanden irgendeine unwichtige Sache, um die sie sich in genau diesem Augenblick sorgen mussten. Sie machten einfach weiter damit, sich um die Dinge zu kümmern, die sich im Gegenzug später um sie kümmern würden.

Ich wollte, dass Meg sich von dem Schnitt, den sie sich letzte Woche gesetzt hat, erholen kann. Ich wollte ihr Zeit lassen, bevor ich sie darum bitte, einen Teil der Last dieser Entscheidungen zu tragen. Sie hat in vierundzwanzig Jahren keinen Entschluss für sich selbst oder jemand anderen gefasst und jetzt soll sie all diese wichtigen Entscheidungen treffen, die über Leben und Tod für … wen bestimmen könnten? Die anderen Blutpropheten? All die Menschen, die in Thaisia lebten?

Simon knurrte, als könnte er seine Gedanken dadurch so sehr erschrecken, dass sie sich versteckten, drehte sich um, schloss die Augen und drückte das Gesicht in sein Kissen, entschlossen, noch etwas Schlaf abzubekommen. Aber seine Gedanken waren exzellente Jäger und sie verschlangen die Müdigkeit.

Also werden wir dir etwas Zeit geben, um zu entscheiden, wie viel Menschliches die Terra Indigene behalten werden.

Die ganze letzte Woche über hatte er Ausreden sich selbst und den übrigen Mitgliedern der Unternehmensvereinigung des Courtyard gegenüber gefunden, und sie hatten ihm diese Ausreden durchgehen lassen, weil keiner von ihnen – weder Vlad noch Henry oder Tess – Meg sagen wollte, was gerade wirklich auf dem Spiel stand. Aber Zeit war etwas, das er sich aktuell nicht leisten konnte zu verschwenden, ebenso wenig wie Megs seltsame zerbrechliche Haut.

Simon drehte sich wieder zur anderen Seite und sah zum Fenster. Er hob die Hand und seine Ohren wandelten sich in ihre Wolfsform; er spitzte sie, damit er die Geräusche draußen verstehen konnte.

Spatzen. Dieses erste verschlafene Zwitschern, das das Morgengrauen ankündigte, wenn der Himmel begann, sich von Schwarz zu Grau zu verfärben.

Morgen.

Simon schob seine verdrehte Decke beiseite und huschte ins Badezimmer, um auf die Toilette zu gehen. Während er sich die Hände wusch, warf er einen Blick über seine Schulter. Musste er duschen? Er senkte den Kopf und schnupperte an sich selbst. Er roch wie ein gesunder Wolf. Darum würde er sich später waschen, wenn er nicht mit seiner speziellen Freundin zu tun hatte, sondern mit anderen Menschen. Außerdem würde sie auch nicht duschen.

Er trat vom Waschbecken zurück und blieb dann stehen. Eine Dusche auszulassen war eine Sache, aber der menschliche Mund produzierte am Morgen Gerüche, die stark genug waren, um einen engeren Kontakt zu verhindern.

Simon drückte Zahnpasta auf die Zahnbürste und musterte sein Spiegelbild, während er sich die Zähne putzte. Dunkles Haar, das begann zottelig zu werden – dagegen musste er etwas tun, bevor die Gäste des Courtyard eintrafen. Haut, leicht gebräunt von der Arbeit draußen, die er ohne Oberteil verrichtete. Und die bernsteinfarbenen Augen eines Wolfes. Menschliche Haut oder Wolfsform, die Augen veränderten sich nicht.

Er spülte sich den Mund aus und stellte die Zahnbürste wieder in den Medizinschrank über dem Waschbecken. Dann sah er erneut zu seinem Spiegelbild und zog die Lippen zurück, um die Zähne zu fletschen.

Nein, die Augen veränderten sich nicht, wenn er sich zum Wolf verwandelte, aber …

Er verwandelte seinen Kopf in Wolfsform, drückte noch einmal Zahnpasta auf die Zahnbürste und putzte sich die anderen, besseren Zähne. Dann knurrte er, denn das Maul eines Wolfes war nicht dafür geschaffen, ausspülen und ausspucken zu können. Schlussendlich beugte er sich einfach über das Waschbecken und kippte sich mehrere Becher mit Wasser über seine Zähne und seine Zunge, damit niemand dachte, ihm würde Schaum vorm Maul stehen.

»Das nächste Mal kaue ich einfach wieder auf einem Zweig herum wie sonst auch«, brummte er, nachdem er sich wieder vollständig zum Menschen zurückverwandelt hatte.

Zurück im Schlafzimmer zog er sich eine Jeans und ein T-Shirt an. Dann trat er ans Fenster und brachte das Gesicht nah bis an das Glas heran. Draußen war es kalt genug für Socken und Sneaker – und ein Sweatshirt, denn sie würden in Megs Tempo laufen, nicht in seinem.

Er zog sich vollständig an, dann nahm er sich seinen Schlüsselbund aus der Schale auf der Kommode und ging zur Tür hinaus, die zum hinteren Flur führte, den er sich mit Meg teilte. Er schloss ihre Küchentür auf und öffnete sie vorsichtig. Manchmal benutzte sie den Türriegel, um doppelt abgesichert zu sein, und wenn er ihre Tür aus Versehen aufbrach, würde das nur für Probleme sorgen.

Und davon hatte er bereits genug verursacht, als er die Tür mit Absicht hatte aufbrechen müssen.

Kein Türriegel. Gut.

Simon schlüpfte in Megs Küche und schloss die Tür leise hinter sich. Dann ging er zu ihrem Schlafzimmer.

Eine leichte Brise wehte durch das halb geöffnete Fenster und spielte mit den sommerlichen Vorhängen, die Meg mit der Hilfe des weiblichen Rudels – ihren menschlichen Freundinnen – gekauft und aufgehängt hatte. Das Licht der Morgensonne schien auch in den Raum und ermöglichte ihm einen guten Blick auf die Frau, die sich unter den Decken zusammengerollt hatte.

War ihr kalt? Wenn er letzte Nacht bei ihr geblieben wäre, wäre ihr jetzt nicht kalt.

»Meg?« Vorsichtig rüttelte er an ihrer Schulter, denn wenn sie sich erschreckte, konnte sie mit der Kraft eines Elchs zutreten. »Zeit, aufzuwachen, Meg.«

Sie grunzte und vergrub sich tiefer unter der Decke, bis nur noch ihr Scheitel zu sehen war.

Falsche Antwort.

Simon hielt eine Hand ausgestreckt, um einen möglichen Tritt abzuwehren, und legte die andere auf ihre Hüfte und drückte sie ein paarmal gegen die Matratze.

»Was? Was?« Meg hatte Probleme damit, sich aufzusetzen, darum umfasste er hilfsbereit ihren Arm und zog.

»Zeit, aufzuwachen.«

»Simon?« Sie drehte den Kopf herum und blinzelte in Richtung Fenster. »Es ist noch dunkel.« Sie ließ sich wieder auf das Bett fallen und versuchte, die Decke über sich zu ziehen.

Er nahm die Zudecke und nach einem kurzen Tauziehen saß sie wieder aufrecht vor ihm.

»Es ist nicht dunkel, es ist nur noch früh«, sagte er. »Komm schon, Meg. Wir gehen spazieren.«

»Es ist noch nicht einmal Morgen. Mein Wecker hat noch nicht geklingelt.«

»Du brauchst keinen Wecker. Du hast Spatzen, und die sagen, es ist bereits Morgen.«

Als sie ihm nicht antwortete, zog Simon sie auf die Füße und manövrierte sie durch die Schlafzimmertür und den Flur entlang bis zum Badezimmer.

»Bist du wach genug, um pinkeln und dir die Zähne putzen zu können?«

Sie schlug ihm die Tür vor der Nase zu.

Simon wertete das als Ja, kehrte in Megs Schlafzimmer zurück und holte Kleidung hervor, die sie gleich brauchen würde. Das meiste an Kleidung. Wie es schien, sollte ein Männchen nicht die Unterwäsche eines Weibchens aus der Kommode holen, außer er war mit diesem Weibchen vertraut. Und Männchen sollten diese Unterwäsche auch nicht sehen, außer die Weibchen wollten, dass man diese Unterwäsche sah.

Er verstand nicht, warum jeder so einen Aufstand darum machte, wenn es nur darum ging, saubere Kleidung aus einer Schublade zu ziehen. Unterwäsche roch sehr viel interessanter, nachdem das Weibchen sie getragen hatte.

Wahrscheinlich war das etwas, was menschliche Weibchen nicht wissen wollten.

Während er wartete, machte er das Bett, allerdings eher aus dem Grund, dass er Meg daran hindern wollte, sich wieder schlafen zu legen, als dass er es ordentlich haben wollte. Außerdem machte es ihn glücklich, wenn er mit den Händen über ihre Laken streichen und ihren Geruch einatmen konnte.

Warum hatte er gestern Nacht gedacht, es wäre eine gute Idee, in menschlicher Form zu schlafen, vor allem, wenn das bedeutete, dass er allein schlafen musste? Wenn er sich, wie sonst auch, in seine Wolfsform verwandelt hätte, hätte er bei Meg bleiben und sich neben ihr in ihrem Bett zusammenrollen können.

Na gut, er hatte nicht gedacht, dass über Nacht in menschlicher Form zu bleiben eine gute Idee sei, aber eine nötige Übung. Nächste Woche würden sechs Wölfe aus dem Addirondak-Rudel zum Lakeside Courtyard kommen, um auf eine Weise mit Menschen zu interagieren, die ihnen in ihrem eigenen Territorium nicht möglich war. Drei von ihnen waren bereits erwachsen und lebten in Städten, die sich in und um das Addirondak-Gebirge befanden. Die anderen waren noch Jugendliche, die das erste Jahr ihrer auf Menschen konzentrierten Ausbildung bereits abgeschlossen hatten, bei der sie lernten, wie sie die Menschen, die in Thaisia lebten, im Auge behalten konnten.

Die Menschen im Auge zu behalten, um sicherzugehen, dass sie die Vereinbarungen, die ihre Vorfahren mit den Terra Indigene getroffen hatten, war eine gefährliche Arbeit. Die Anderen mochten die Menschen als kluges Fleisch bezeichnen- und das waren sie auch –, aber sie waren auch einfallende Räuber, die sich Land nahmen, wo auch immer sie nur konnten. Und trotz allem, was ihre Politiker behaupteten, lag den Menschen nicht wirklich etwas am Wohlergehen ihrer Spezies. Menschen, die Teil der Humans-First-and-Last-Bewegung waren, hatten über Essensknappheit in Thaisia geklagt und behauptet, dass die Terra Indigene daran schuld wären. Aber es waren die Menschen aus der HFL, die die überschüssigen Nahrungsmittel an die Cel-Romano Allianz der Nationen gegen Gewinn verkauft und dann deswegen gelogen hatten. Diese Lügen hatten einen Kampf in Lakeside ausgelöst, der zum Tod von Crystal Crowgard und des Officers Lawrence MacDonald geführt hatte. Die Menschen, die das getan hatten, hatten damit die Aufmerksamkeit der Terra Indigene erregt, die sich normalerweise von den von Menschen kontrollierten Orten fernhielten, auch wenn ihre Absichten nicht bösartig waren.

Diese Erd-Ureinwohner, die tief im Wilden Land lebten, hatten beschlossen, dass die Menschen, die in Thaisia lebten, das Vertrauen gebrochen hatten und alle Vereinbarungen zwischen den Menschen und den Anderen möglicherweise aufgehoben werden sollten. Wahrscheinlich aufgehoben werden würden. Es gab bereits Bestimmungen, die besagten, welche Art von Fracht mit Schiffen über die Großen Seen transportiert werden durfte. Es gab Bestimmungen, welche Art von Mensch von einer menschlichen Stadt in die nächste reisen durfte. Die menschlichen Regierungen, die sich auf regionaler Ebene um die Belange der Leute kümmerten, gerieten unter den Sanktionen ins Schwanken. Wenn Schiffe nicht mehr Lebensmittel und Waren von einer Region in die andere transportieren duften, wenn Züge nicht mehr Lebensmittel und Benzin in Städte liefern konnten, die auf beides angewiesen waren, was würde dann mit all den Menschen geschehen, die auf dem Kontinent lebten?

Wenn die Menschen, die das Sagen hatten, sich auch nur ein wenig für die Geschichte Thaisias interessiert hätten, hätten sie gewusst, was mit den Menschen geschehen würde. Die invasiven zweibeinigen Räuber würden ausgelöscht und das Land wieder von den Erd-Ureinwohnern, den Terra Indigene, den Anderen, in Besitz genommen.

Aber das würde nicht so einfach sein, wie es noch vor ein paar Jahrhunderten der Fall gewesen war. Denn damals hätte nichts, was die Menschen gebaut oder benutzt hatten, dem Land geschadet, wenn es zum Verrotten zurückgelassen worden wäre. Jetzt gab es Raffinerien, die das Rohöl verarbeiteten, das sie aus der Erde holten. Jetzt gab es Orte, an denen das Öl gelagert wurde. Jetzt gab es Fabriken, die der Erde schaden würden, wenn sich niemand mehr darum kümmern würde. Wie viel Schaden würde angerichtet werden, wenn all diese Dinge zerstört oder einfach aufgegeben würden?

Simon hatte darauf keine Antworten und die Terra Indigene, die das Wilde Land hüteten – die gefährlichen, urwüchsigen Wesen, die ihre wahre Terra-Indigene-Natur unter Formen verbargen, die so alt waren, dass ihre Gestalt keinen Namen hatte –, würden sich aus irgendwelchen Antworten auch nichts machen. Selbst wenn alles andere auf der Welt verschwinden und Platz für Neues schaffen würde, das aus der Zerstörung und den Veränderungen erwuchs, würden sie noch immer existieren.

Die Terra-Indigene-Wandler, wie die Wölfe und Bären, die Habichte und Krähen, nannten diese Wesen die Alten, ein wohlwollend klingendes Wort für die Wesen, die Namids Zähne und Klauen darstellten.

Meg kehrte wieder zurück und sah ein wenig wacher und sehr viel weniger glücklich darüber aus, ihn zu sehen. Sie würde sogar noch unglücklicher sein, wenn sie herausfand, warum er mit ihr spazieren gehen wollte.

»Zieh dich an, Meg. Wir müssen reden.«

Sie deutete auf die Badezimmertür.

Er war der Anführer des Courtyard und sie war eine Angestellte des Courtyard, also war es ihr eigentlich nicht erlaubt, ihm Befehle zu geben, nicht einmal nonverbale. Aber er hatte mittlerweile gelernt, dass, wenn es um Menschen ging, die Rangordnung des Rudels nicht immer innerhalb des Baus galt. Was bedeutete, Meg war in ihrem Bau die Dominante und konnte ignorieren, dass er überall sonst der Dominante war.

Er verließ das Zimmer und schloss die Tür, drückte dann aber sein Ohr gegen das Holz. Schubladen wurden aufgezogen, Schubladen wurden geschlossen. Bewegung.

»Hör auf, mich zu nerven, Simon.«

Sie klang nicht mehr müde, eher verärgert. Er hatte das Stachelschwein, metaphorisch gesprochen, genug gereizt, daher ging er zurück in die Küche und begutachtete ihre Hängeschränke und den Kühlschrank, um sicherzugehen, dass sie genug Menschenessen hatte. Ein Milchkarton, noch zu einem Viertel voll; einige Käsehappen – eher für die Größe eines menschlichen Gebisses gedacht; eine kleine Schale mit Erdbeeren – ihr Anteil an den Beeren, die sie und Henry Beargard gestern gepflückt hatten; ein halbes eingepacktes Sandwich von A Little Bite, dem Café des Courtyard.

In ihrem Hängeschrank fand er eine Dose mit eingemachten Pfirsichen, eine mit Spaghettisauce und eine Packung Spaghetti.

»Wenn du nach den Resten der Pizza suchst, die habe ich gestern Abend gegessen«, sagte Meg, als sie die Küche betrat.

Simon schloss die Tür des Hängeschranks. War das die typische Menge an Lebensmitteln, die Menschen in den wärmeren Monaten aufbewahrten? Er hatte nicht mehr als das in seiner Küche, aber normalerweise jagte er seine Mahlzeiten und verspeiste sie gleich. Die anderen Lebensmittel waren nur Ergänzungen, die er wegen ihres Geschmacks besaß und die gut für seine menschliche Form waren.

»Wolltest du etwas zu essen haben?«, fragte Meg.

»Später.« Er verließ ihre Küche und ging die hintere Treppe hinunter, die zur Haustür führte, in dem sicheren Wissen, dass sie ihm folgen würde. Nachdem sie das Haus verlassen hatten, nahm er ihre Hand, verschränkte seine Finger mit ihren, eine Form des Kontakts und der Verbindung, mit der sie vor einer Woche begonnen hatten, nachdem sie über die Prophezeiung über die River Road Community gesprochen hatten.

»Das Gras ist nass«, sagte Meg. »Sollten wir nicht auf der Straße laufen?«

Simon schüttelte den Kopf. An diesem Morgen fühlte sich die Straße, die breit genug für ein Gefährt war und einen Ring rund um den Courtyard bildete, zu menschlich an.

Wie sollte er anfangen? Was sollte er sagen?

Sie kamen an dem erweiterten Küchengarten des Grünen Komplexes vorbei, dem einzigen Bereich des Courtyard, der für alle Spezies bestimmt war. Die Anderen hatten zugestimmt, dass die Menschen, die für den Courtyard arbeiteten, einen Teil der Ernte abbekommen sollten, wenn sie ihren Anteil an Arbeit leisteten. Jeden Tag war mindestens ein Mensch im Garten zu sehen, der nach dem Rechten sah, sicherstellte, dass die Pflanzen genug Wasser hatten – und vor allem die Weibchen entwickelten Adleraugen, wenn es darum ging, Unkraut zu entdecken.

Er entdeckte an der Ecke des Gartens ein Büschel Fell, machte Meg aber nicht darauf aufmerksam. Irgendein Tier war hergekommen, um an den Setzlingen zu knabbern, und war dann selbst zum Abendessen von jemandem geworden.

»Du wolltest reden«, sagte Meg. »Geht es um die Sanktionen? Die Lakeside News hat eine Menge Artikel über die Einschränkungen geschrieben, denen die Menschen sich jetzt beugen müssen.«

»Eine Menge Geheule für Probleme, die sie selbst verursacht haben«, knurrte Simon.

»Die Menschen haben Angst. Sie wissen nicht, was die Sanktionen für ihre Familien bedeuten.«

»Typisch Mensch, versucht den Damm eines Bibers mit nur ein paar Zweigen nachzubauen. Die Sanktionen sind nicht kompliziert. Jedem Menschen, der zur Humans-First-and-Last-Bewegung gehört, ist es nicht erlaubt, dort, wo er kein Durchgangsrecht hat, durch das Wilde Land zu reisen. Das bedeutet keine Straßen, keine Züge.«

»Boote?«

Simon schüttelte den Kopf. »Das ganze Wasser in Thaisia gehört den Terra Indigene. Die Schiffe auf den Seen und Flüssen sind nur geduldet. Das war schon immer so.« Und die Elementare, besser bekannt als die Fünf Schwestern, hatten bereits gesagt, dass jedes Schiff, das ohne ihre Erlaubnis auf den Großen Seen fuhr, niemals den Hafen erreichen würde. Na ja, das Schiff möglicherweise schon, aber nicht die Crew. Immerhin würde ein versunkenes Schiff den See mit dem ganzen Benzin und Dreck verschmutzen. Es war wahrscheinlicher, dass das Schiff einfach ziellos herumtreiben würde, nachdem die leicht zu bewegende Ladung entfernt worden war. Und die Crew würde den Terra Indigene als Nahrung dienen, denen es zufiel, die menschliche Störung vom Wasser zu entfernen.

»Was ist mit Lebensmitteln?«, fragte Meg. »Die Zeitungen und das Fernsehen berichten, dass keine Lebensmittel mehr von einer Region in die andere transportiert werden können.«

»Entweder lügen sie, um Probleme zu machen, oder sie waren zu sehr damit beschäftigt, zu schreien, um zuhören zu können.« Wenn man die Anderen fragte, war einer der größten Gründe, warum die Menschen als Spezies irgendwann eine strenge Lektion lernen mussten, der, dass sie nicht zuhörten. Sie wollten einfach nicht auf die warnenden kleinen Bisse hören. »Sieh mal, Meg, der Kauf und Verkauf von Lebensmitteln und Waren zwischen den Menschen aus der Gemeinschaft des einfachen Lebens, den Intuits und den Terra Indigene wird unverändert bleiben, und das betrifft auch alle menschlichen Siedlungen, die von uns kontrolliert werden. Jedes Lebensmittel, das von den von Menschen geführten Farmen kommt, muss von Inspektoren der Intuit und der Terra Indigene kontrolliert werden, bevor es von einer Region in eine andere gebracht werden kann. Wir machen das, um sicherzustellen, dass die Menschen nicht fälschlicherweise behaupten können, die Lebensmittel wären hier knapp, während sie ihre Lebensmittel an Menschen in anderen Teilen der Welt verkaufen.« Er schnaufte. »Aber das ist es nicht, worüber ich mit dir reden wollte. Diesem Courtyard – um genauer zu sein, einer ausgewählten Gruppe innerhalb des Courtyard – wurde von den Alten, den Eingeborenen der Erde, die über das Wilde Land wachen, eine Aufgabe übertragen. Und du gehörst zu dieser auserwählten Gruppe, weil du diejenige warst, die die Dinge verändert hat.«

»Ich?« Megs Knie begannen zu zittern. »Was habe ich denn getan?«

Simon lächelte. »Du bist einfach du.«

Meg Corbyn, menschliche Verbindungsperson des Lakeside Courtyard, war eine Cassandra Sangue, eine Blutprophetin, die Visionen hatte, wenn man sie in die Haut schnitt. Sie war während eines Schneesturms in das Howling Good Reads gestolpert und hatte nach Arbeit gesucht, weil sie auf der Flucht vor dem Mann war, dem sie gehört und der sie aus Profitgier geschnitten hatte. Sie war so verletzlich und unerfahren wie ein Welpe gewesen und hatte hart gearbeitet, um ihren Job als menschliche Verbindungsperson zu meistern, und hatte ebenso hart gearbeitet, um zu lernen, wie man lebte. Einige der Menschen, die für den Courtyard arbeiteten, hatten sich um sie geschart, halfen ihr, brachten ihr Dinge bei und beschützten sie sogar. Und das hatte die Beziehung, die diese Menschen zu den Anderen hatten, verändert.

Simons Lächeln verblasste. »Wie viel Menschliches werden die Terra Indigene behalten? Darüber müssen wir nachdenken.«

Meg blieb stehen. »Was meinst du damit?«

»Das ist das andere, worüber wir nachdenken müssen.« Er zog an ihrer Hand, damit sie sich wieder in Bewegung setzte, aber sie starrte ihn einfach nur an. Das Grau ihrer Augen trug dieselbe Farbe wie der morgendliche Himmel.

»Wie viel Menschliches du behalten willst? Was genau sollst du entscheiden? Ob die Terra Indigene in menschlicher Form Dinge wie Finger und Daumen behalten sollen? Denn Finger und Daumen sind wirklich sehr nützlich. Henry ist ein Bildhauer. Er würde nicht auf sie verzichten wollen. Ebenso wenig wie du.«

Simon musterte sie. Möglicherweise brauchten menschliche Gehirne tatsächlich länger, um aufzuwachen, als die Hirne von Terra Indigene. Wenn er aufwachte, war er wach. Er gähnte, er streckte sich und war bereit zu spielen oder zu jagen oder sich sogar mit der menschlichen Arbeit zu befassen, die durch die Unternehmensvereinigung und das Howling Good Reads, dem Buchladen, den er gemeinsam mit Vladimir Sanguinati führte, entstand. Auch wenn Meg eine besondere Art Mensch war, besaß ihr Gehirn offensichtlich keinen Knopf, mit dem sie schneller wach wurde.

Aber er schlief die meisten Nächte bei ihr und er wusste, normalerweise war sie nicht so langsam. War es möglich, dass Spatzen zwar ein ausreichender Weckruf für den Körper waren, aber das Gehirn den mechanischen Wecker brauchte? Er würde Karl Kowalski fragen müssen, der sowohl Ruthie Stuarts Gefährte als auch der Officer war, dem man die Zusammenarbeit mit dem Courtyard übertragen hatte.

Er ging weiter und zog Meg ein paar Schritte hinter sich her, bevor sie sich selbst wieder in Bewegung setzte.

»Es geht nicht um die Hülle.« Simon stieß sich mit den Fingern gegen die Brust. Und dann erzählte er ihr etwas, was er sonst keinem anderen Menschen erzählen würde, weil sie Meg war und sie gemeinsam eine Menge über Dinge lernten, die mit Menschen zu tun hatten – er erzählte ihr von seinen eigenen Ängsten. »Auf gewisse Weise geht es doch um die Hülle. Namid hat die Ureinwohner der Erde als die vorherrschenden Raubtiere erschaffen und wir sind auch weiterhin die dominante Art, weil wir von den anderen Raubtieren, die in unserer Welt wandeln, lernen. Wir nehmen ihre Form an, um uns anzupassen, und beobachten sie, lernen, wie sie jagen, wie sie leben. Wir nehmen viel von ihrer Art zu leben in uns auf, einfach nur indem wir in dieser Form leben. Nicht alles. Zuallererst sind und bleiben wir Eingeborene der Erde. Aber weil die tierische Form zum Teil dessen geworden ist, was wir an unsere Jungen weitergeben, ist ein Terra-Indigene-Wolf nicht mehr das Gleiche wie ein Terra-Indigene-Bär oder -Habicht oder eine -Krähe. Diese Formen gibt es schon seit langer Zeit – und Formen wie die Sharkgard gibt es sogar noch länger.«

Sie liefen kurz schweigend weiter.

»Hast du Angst, zu menschlich zu werden?«, fragte Meg.

»Ja.«

»Na ja, das wirst du aber nicht«, sagte sie entschlossen und drückte seine Finger. »Du bist ein Wolf, und selbst wenn du kein wölfisch aussehender Wolf bist, bist du doch immer noch ein Wolf. Das hast du selbst gesagt. Wie ein Mensch auszusehen oder einen Buchladen zu führen hat, wird daran nichts ändern.«

Simon dachte über das nach, was sie sagte, ohne es zu sagen.

Meg wollte nicht, dass er menschlicher wurde. Für sie war wichtig, dass er ein Wolf blieb. Denn Meg vertraute dem Wolf auf eine Weise, die sie einem menschlichen Mann nicht entgegenbrachte.

Er spürte eine Leichtigkeit in sich, die vor einer Minute noch nicht da gewesen war. In einem Courtyard zu arbeiten, vor allem für die Terra Indigene zu arbeiten, die so viel Zeit in der Gesellschaft von Menschen verbracht hatten, war gefährlich, denn es bestand immer das Risiko, zu viel von der menschlichen Form in sich aufzunehmen und nicht mehr zur eigenen Art zu passen. Das bereitete ihm Sorge, in letzter Zeit noch mehr, weil sein Verhältnis zu den Menschen persönlicher geworden war. Aber Meg würde nicht zulassen, dass er zu menschlich wurde, weil sie darauf angewiesen war, dass er die Natur und das Herz eines Wolfes behielt.

Er sah sie von der Seite her an, ihre klaren grauen Augen und die helle Haut mit den rötlich aussehenden Wangen und dem dicken schwarzen, so kurz geschnittenen Haar, dass es sich wie der Flaum eines Welpenanfühlte. Klein und schmal. Man konnte sehen, dass sie unter ihrer zerbrechlichen Haut langsam Muskeln ansetzte.

Wie viel Mensch wäre zu menschlich für Meg?

Simon schüttelte den Gedanken ab. Im Augenblick hatte er genug Herausforderungen vor sich.

»Du musst dir keine Sorgen darüber machen, was du möglicherweise von unseren menschlichen Freunden aufnimmst«, sagte Meg leise. »Es sind gute Menschen.«

»Woher weißt du das?«

»Ich habe die schlechte Art von Menschen kennengelernt.« Eine verbitterte Erwähnung des Orts, an dem sie aufgezogen und ausgebildet und aus Profitgier geschnitten worden war.

Er nickte, um ihr zu zeigen, dass er sie verstanden hatte. »Wir sollten darüber nachdenken, was wir behalten wollen und was wir bereit wären, selbst herzustellen, wenn die Menschen nicht mehr hier wären.«

Sie warf ihm einen scharfen Blick zu und ihre Stimme zitterte, als sie sagte: »Werden die Menschen verschwinden?«

»Vielleicht.« Er sagte nicht aussterben. Meg war klug genug, das Wort dennoch zu hören. Und er hatte ihr nicht gesagt, dass der Lakeside Courtyard der Grund war, weswegen die Alten noch keine Entscheidung bezüglich der Frage getroffen hatten, ob die Menschen auf dem Kontinent Thaisia bleiben konnten.

»Kann ich mit Ruth und Merri Lee und Theral über all das reden?«

»Sie sind Menschen, Meg. Sie werden alles so lassen wollen, wie es ist.«

»Es gibt eine Menge Dinge, die Menschen brauchen und von denen ich bisher noch nichts weiß. Ich habe vierundzwanzig Jahre in einem Gehege gelebt, als Eigentum. Kaum dass ich alt genug war, um allein sein zu können, habe ich mein Leben in einer Zelle verbracht, und ich weiß nicht mehr, wie die Mädchen gelebt haben, bevor sie alt genug waren, um mit dem Training beginnen zu können. Und du weißt, was der Courtyard braucht, aber das ist mit Sicherheit auch nicht alles.«

»Laut der Vereinbarung mit den Menschen soll ein Courtyard alles haben, was auch die Menschen in dieser Stadt haben; wenn es das also im Courtyard nicht gibt, brauchen es die Menschen auch nicht wirklich.« Das war eine Wahrheit, die sich auf dünnem Eis bewegte und einer genaueren Untersuchung nicht standhalten würde, und sie beide wussten das. »Abgesehen davon, wenn du es dem weiblichen Rudel erzählst, werden Ruthie und Merri Lee es ihren Gefährten erzählen, und die sind Polizisten.«

»Die sich oft hier aufhalten und sehr hilfreich sind«, hielt Meg dagegen.

Dem konnte er nicht widersprechen. Karl Kowalski und Michael Debany versuchten, die Terra Indigene zu verstehen, und waren angenehme Männchen, auch wenn sie Menschen waren. Und Lawrence MacDonald, ein weiterer Officer und noch dazu Therals Cousin, war vor Kurzem gestorben, nachdem eine Gruppe von Menschen und Anderen zu einem Markt in Lakeside gegangen waren, damit die Crowgard eine Chance bekamen, sich einige glänzende Stücke und kleine Schätze zu kaufen. Dieser Ausflug endete damit, dass die Gruppe von Mitgliedern der Humans-First-and-Last-Bewegung angegriffen wurden. Bis auf Vlad war fast jeder während des Kampfes verletzt worden und MacDonald und Crystal Crowgard waren umgekommen.

»Du solltest auch Steve Ferryman fragen, was er davon hält«, sagte Meg.

»Meg …«

»Diese Alten haben nicht gesagt, dass du keine Menschen fragen kannst, oder?«

Er seufzte. »Nein, das haben sie nicht, aber wir müssen vorsichtig damit sein, wie viele Menschen davon erfahren. Die Menschen, die zur HFL gehören, sind unsere Feinde. Sie verbergen sich in Städten überall in Thaisia und sie sind der Grund dafür, warum die Alten sich alle Menschen auf dem Kontinent ansehen, anstatt einfach nur das Schlechte in Form von einer Stadt auszulöschen und sich das Land zurückzuerobern.«

Natürlich hatte er bereits drei Menschen erzählt, was auf dem Spiel stand. Er hielt Captain Burke und Lieutenant Montgomery für vertrauenswürdig, aber den dritten Mann, der bei dem Treffen dabei gewesen war, bei dem er sie über die Sanktionen informiert hatte, hatte er nicht gekannt. Greg O’Sullivan arbeitete für den Gouverneur der Nordost-Region, also war es möglich, dass es dort bereits Feinde der Terra Indigene gab, die den letzten Aufruhr planten, der nötig war, um die Waage aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Falls das geschah, würde es nicht das erste Mal sein, dass Menschen von einem Teil der Welt verschwanden, und Simon bezweifelte, dass es das letzte Mal sein würde.

Und weil diese Möglichkeit drohte, sie wie eine Lawine zu verschlucken, war es umso wichtiger, herauszufinden, wie viele Menschen die Terra Indigene behalten sollten.

»Also gut«, sagte er. »Sprich mit dem weiblichen Rudel. Aber stell sicher, dass sie wissen, es handelt sich hierbei um gefährliche Informationen.«

»Das werde ich.« Meg blieb plötzlich stehen und flüsterte: »Kaninchen.«

Kaninchen? Simon lief das Wasser im Mund zusammen. Nicht dass er in menschlicher Form große Chancen hätte, eines zu fangen. Er blickte sich um. Roch das Kaninchen, sah es aber nicht. Dann bemerkte er, dass Meg auf ein braunes Knäuel starrte, das einen großen Schritt entfernt von ihnen im Gras lag. Es hätte sich dabei auch um einen Stein oder eine Baumwurzel, die aus dem Boden lugte, handeln können – aber nichts davon hatte Ohren.

Er seufzte enttäuscht. Das Kaninchen war nicht mehr als ein Happen.

Meg wich zurück, zog ihn mit sich.

»Ist es nicht niedlich?«, flüsterte sie und machte sich auf den Weg zurück zum Grünen Komplex.

»Du würdest es für nicht so niedlich halten, wenn es deinen ganzen Brokkoli aufessen würde«, sagte Simon.

»Das würde es nicht tun. Warum auch?«

»Brokkoli ist Grünzeug und es ist ein Kaninchen.«

Meg schnaufte und begann schneller zu laufen. »Na ja, es ist niedlich.«

Und wahrscheinlich würde man es auch in Ruhe lassen, damit es größer werden konnte, denn im Moment war es nicht groß genug, um eine vollständige Mahlzeit abzugeben.

Simon behielt das aber für sich, denn er vermutete, Meg bevorzugte es, von dem Kaninchen als süß anstatt als knusprig zu denken.

2

Sonnentag, 5. Juin

Meg sah sich die Leute, die im Verbindungsbüro standen, an – Ruth Stuart, Merri Lee und Theral MacDonald – und sie erwiderten ihren Blick.

»Ihr habt bereits davon gehört.« Die Muffins, die Meg bei A Little Bite besorgt hatte, standen unangetastet auf dem Tisch.

»Davon noch nicht«, sagte Ruth. »Aber Karl musste wegen eines speziellen geheimen Meetings zu Captain Burkes Haus – zumindest habe ich mir das aus dem zusammengereimt, was er mir nicht sagen konnte. Und er glaubt, Captain Burke und Lieutenant Montgomery wurde mehr über die Sanktionen erzählt als der Öffentlichkeit. Wenn ihnen das erzählt wurde, was du uns erzählt hast …«

»Michael wurde auch zu diesem Meeting gerufen«, sagte Merri Lee. Sie atmete tief ein und langsam wieder aus. »Meg, wir können nicht die Verantwortung für etwas so … Großes übernehmen. Wie können wir entscheiden, wie viel Menschliches die Terra Indigene behalten wollen?«

»Ich glaube nicht, dass wir diejenigen sind, die die Entscheidung treffen«, erwiderte Meg. »Wir liefern Informationen, priorisieren vielleicht, falls …« Sie presste ihre Hände auf den Tisch, versuchte das schmerzhafte Prickeln in den Armen zu ignorieren, das sich anfühlte, als wären sie eingeschlafen, und das jetzt auf ihrem ganzen Torso unter ihrer Haut kribbelte.

Die drei Frauen wurden sofort aufmerksam.

»Meg?« Merri Lees Stimme wurde scharf, sie wusste, was los war.

Meg versuchte den Schmerz zu ignorieren, versuchte nicht an die Euphorie zu denken, die das Aussprechen der Prophezeiung in ihr auslöste, nachdem sie einen Schnitt gesetzt hatte und durch die sie sich immer so gut fühlte. Sie hatte sich erst letzte Woche geschnitten; so schnell wollte sie keinen neuen setzen. Sie wusste nicht, ob es stimmte, dass eine Cassandra Sangue nur tausend Schnitte hatte, bevor der letzte sie töten oder wahnsinnig machen würde, aber wenn sie noch ein weiteres Jahrzehnt oder sogar mehr erleben wollte, musste sie die Abstände zwischen den Schnitten verlängern.

»Erzähl mir von dem heutigen Morgen«, sagte Merri Lee. »Was hast du heute Morgen gemacht? Meg!«

Ruth und Theral liefen eilig zu dem Hinterzimmer des Büros und schlossen die Tür – aber nicht ganz.

»Die Spatzen waren wach, also war Simon es auch, und er hat mich aufgeweckt, weil er spazieren gehen wollte. Blödmann.«

Merri Lee lachte schnaubend. »Meg! Das ist kein nettes Wort.«

»Hab’s nicht gesagt, als er noch in der Nähe war.« Und sie musste aufpassen, dass sie es nicht sagte, wenn die Welpen in der Nähe waren, vor allem Simons Neffe Sam. Nachdem sie das böse Wort von dem menschlichen Jungen namens Robert Denby gelernt hatte, war sie ziemlich sicher, dass junge Männchen, egal welcher Spezies, es für eine lustige Beleidigung halten würden – und ohne Zweifel würden sie sich dafür ein Zwicken von einem der älteren Wölfe einfangen, der dieses Wort nicht lustig fand.

Sam wohnte an den Wochentagen nicht mehr bei Simon. Auch wenn sie den Welpen vermisste, wenn er im Wolfgard-Komplex war und nicht direkt nebenan, war es vielleicht besser, dass Sam mehr mit anderen Wölfen spielen konnte als mit menschlichen Kindern.

»Wir haben ein kleines Kaninchen gesehen«, fuhr Meg fort. »Es war süss. Simon hat gesagt, es würde meinen Brokkoli essen.«

»Möglich.« Merri Lee schwieg für einen Moment. »Wie fühlst du dich?«

Meg rieb einen Arm gegen den anderen. »Besser. Das Prickeln ist fast verschwunden.«

Ruth und Theral kehrten in den Sortierraum zurück.

»Ihr müsst das nicht machen«, sagte Meg. »Simon hat mich um Hilfe gebeten.«

»Natürlich helfen wir«, sagte Merri Lee. »Es klingt, als wären das zwei Fragen in einer: Wie genau definieren die Alten das, was wir die menschliche Natur nennen – das ist etwas, was niemand von uns beantworten kann –, und wie viel wollen die Anderen von dem behalten, oder müssen sie von dem behalten, was die Menschen benutzen und was die Leute in Thaisia brauchen?«

»Wenn wir von Waren sprechen, sollten wir mit unseren Bedürfnissen beginnen und uns von dort aus weiterarbeiten«, sagte Ruth. »Wir sollten Listen der Dinge erstellen, die wir besitzen, und der Dinge, die wir verbrauchen. Und von den Dingen, die wir unbedingt behalten wollen, wie die Sanitäranlagen und Möglichkeiten, das Haus im Winter zu heizen.«

»Wir könnten die Geschäftsadressen aus den Telefonbüchern herausreißen«, sagte Theral. »Von den Geschäften, die es gar nicht geben würde, wenn niemand auf ihre Arbeit oder ihre Produkte angewiesen wäre.«

»Die Gemeinschaft des einfachen Lebens benutzt kaum etwas von dem, was die anderen Menschen benutzen.« Meg kratzte ihren rechten Arm, zwang sich dann aber aufzuhören.

»Es könnte zu unserem Vorteil sein, herauszufinden, was sie benutzen«, sagte Merri Lee.

»Wir können morgen die Listen miteinander vergleichen, und das, was sich auf allen Listen findet, wandert auf eine allgemein gültige ›Wollen wir unbedingt behalten‹– Liste«, sagte Ruth.

»Wie spezifisch müssen wir sein?«, fragte Theral.

Meg schloss die Augen und stellte sich ein Blatt Papier vor, auf dem das Wort Werkzeuge geschrieben stand. Dann stellte sie sich ein Blatt Papier mit einer Liste von Werkzeugen vor: Hammer, Schraubenzieher, Säge, Zangen.

Sie öffnete die Augen und war sich ziemlich sicher, die richtige Antwort zu haben. »Generelle Kategorien. Ich bin mir nicht sicher, wie viel Simon an Input vorbringen muss, bevor eine Entscheidung getroffen wird, also fangen wir mit generellen Kategorien an. Werkzeuge anstelle von bestimmten Werkzeugen. Bücher anstelle von bestimmten Autoren.«

»Wir arbeiten heute alle auf der anderen Seite der Straße«, sagte Ruth. »Mrs Tremaine ist letzten Feuertag ausgezogen, darum will Eve Denby das Zweifamilienhaus gründlich von oben bis unten putzen. Sie hat gesagt, wir können die obere Wohnung zuerst streichen, da Karl bei Michael untergekommen ist. Ich kann auf dem Boden von Merri Lees Arbeitswohnung hier schlafen.«

Meg war kurz davor, zu fragen, warum Karl und Ruth nicht bei ihren Familien wohnten, aber ihr fiel rechtzeitig ein, dass beide Familien wütend auf sie waren, weil sie Wolfsliebchen waren – eine Beschimpfung für Menschen, die in Kooperation mit den Terra Indigene arbeiten wollten.

»Wir werden Eve nichts verraten«, sagte Ruth. »Nicht, bis uns gesagt wird, dass wir dürfen.«

»Kommst du zurecht?« Merri Lee lehnte sich zur Seite, um durch die Privattür zu spähen, durch die man zum Tresen im vorderen Raum kam. Dann flüsterte sie: »Jemand hat die Vordertür aufgemacht, aber ich kann niemanden …«

Ein Terra-Indigene-Wolf stellte sich auf seine Hinterbeine und legte die Vorderpfoten auf dem Tresen ab. »Arroo?«

»Guten Morgen, Nathan«, sagten sie alle einstimmig.

Der Wachwolf war da. Zeit, sich an die Arbeit zu machen.

Das weibliche Rudel wickelte die Muffins in Papierservietten und verließ das Gebäude durch die Hintertür des Büros, nachdem sie sichergestellt hatten, dass Meg heute Abend mit ihnen zu dem Quiet-Mind-Kurs gehen würde.

Meg trat an den Tresen. Nathan war einer der Vollstrecker des Courtyard und als solcher war er einer der größten Wölfe im Lakeside-Rudel. Er war auch an Simons Seite gewesen, als ihre Gruppe auf dem Markt angegriffen worden war, und einige der tieferen Wunden in seinem Gesicht waren noch immer verschorft.

»Wir haben uns vor der Arbeit nur noch ein wenig unterhalten«, sagte sie.

Nathan sah sie an.

»Über Dinge, die dich nichts angehen.«

Er sah sie an.

»Frauensachen.«

Er stieß sich vom Tresen ab und trabte zu dem Wolfsbett hinüber, das sich direkt unter einem der großen Schaufenster befand.

Meg zog sich in das Hinterzimmer zurück, um ihren Muffin zu essen.

Wenn sie diesen Kniff zu oft benutzen würde, würde er an Wirksamkeit verlieren, aber wenn man einem Wolfsrüden sagte, dass etwas eine »Frauensache« war, drehte er den Kopf sofort in die andere Richtung. Soweit es die Rüden anging, waren Frauensachen wie Stachelschweine – wenn man sie reizte, holte man sich am Ende nur eine blutige Nase.

Meg wusste, dass sie noch ein wenig Zeit hatte, bis Nathan wieder versuchen würde herauszufinden, was los war, darum zog sie einen Block mit liniertem Papier und einen Stift aus einer der Schubladen.

Wie viel Menschliches wollten die Terra Indigene behalten?

Diese Listen würden sich als nützlich erweisen. Natürlich würden sie das. Aber sie fragte sich, ob Merri Lee recht hatte und die Frage wirklich mehr mit dem Kopf und dem Herzen zu tun hatte. Wenn das der Fall war, musste sie darauf hoffen, dass diese Listen den Alten dabei helfen würden, die wahre Antwort auf diese Frage zu erkennen.

Lieutenant Crispin James Montgomery bezahlte den Taxifahrer und inspizierte die Doppelhaushälfte, die Captain Douglas Burke gehörte. Sie war nicht von den Häusern der Nachbarn zu unterscheiden, vor denen gepflegte Vorgärten und andere Anzeichen dafür zu sehen waren, dass hier Menschen lebten, die seine Mutter »stolze Hausbesitzer« genannt hätte – aus dem Mund von Twyla Montgomery war das ein Kompliment.

In den sechs Monaten, in denen er schon in Lakeside wohnte, war er kein einziges Mal im Haus des Captains gewesen. Das wenige, was er von Burke, außerhalb des Büros, wusste, ließ ihn glauben, dass der Mann sich nicht viel Zerstreuung gönnte – und wenn er sich Zerstreuung gönnte, geschah es immer an einem öffentlichen Ort. Das hier war auch kein zwangloses Treffen. Nicht, wenn sie sich vor ihrer Schicht in der Chestnut-Street-Wache trafen, um Dinge zu besprechen, die Burke aus der Wache heraushalten wollte.

Während er an der Haustür stand und klingelte, bog ein Auto in die Auffahrt ein. Die Officers Karl Kowalski und Michael Debany, beide Mitglieder seines Teams, stiegen aus und bedeuteten ihm eilig, ihnen zu folgen, gerade als sich die Tür öffnete.

»Lieutenant«, sagte Kowalski und nickte Monty zu, bevor er der Person, die den gesamten Türrahmen ausfüllte, zunickte. »Captain.«

Douglas Burke war ein großer Mann, eine imposante Gestalt mit blauen Augen, in denen üblicherweise eine entschlossene Freundlichkeit stand. Seine Kleidung war immer gebügelt und der dunkle Haarkranz unter seinem kahlen Schädel war stets ordentlich gestutzt. Monty hatte ihn noch nie außerhalb des Jobs gesehen und konnte ihn sich daher in nichts anderem als einem Anzug vorstellen. Er konnte sich einfach nicht ausmalen, wie er in Jeans und einem schäbigen Pullover den Rasen mähte oder die Blumenbeete umgrub. Das fehlende Jackett und die aufgerollten Hemdsärmel waren das Lockerste, in dem Monty ihn bisher gesehen hatte.

»Kommen Sie herein, Gentlemen.« Burke trat beiseite und bedeutete ihnen so, einzutreten. »Wir halten die Besprechung im Esszimmer ab. Nehmen Sie sich Kaffee und Gebäck.«

Monty warf einen Blick in Richtung Wohnzimmer, während er Burke folgte. Es sah männlich aus, bequem und minimalistisch. Es würde ihn nicht überraschen, wenn die Möbel – zumindest die wenigen, die darin standen – qualitativ besonders hochwertig, vielleicht sogar Antiquitäten waren.

Kein Zimmer, in dem Kinder sich wohlfühlten.

Das war kein so abwegiger Gedanke, da Lizzy, Montys sieben Jahre alte Tochter, letzten Monat in Lakeside eingetroffen war und jetzt bei ihm wohnte. All die Geheimnisse, die Lizzy mit nach Toland gebracht hatte, waren aufgedeckt worden und sie war sicher vor der Person, die ihre Mutter getötet hatte, wer auch immer das sein mochte. Aber dennoch bedeutete das für ihn, dass er herausfinden musste, wie man ein alleinerziehender Vater und ein Officer war. Im Augenblick hatte sich Eve Denby, die neue Hausverwalterin des Lakeside Courtyard, bereit erklärt, neben ihren beiden Kindern auch auf Lizzy aufzupassen.

Monty betrat das Esszimmer und blieb stehen, als er Louis Gresh und Pete Denby am Esstisch sitzen sah, die sich ihre kleinen Teller mit Gebäck und frischen Erdbeeren beluden. Er war nicht überrascht, dass sie Teil von Burkes Kreis aus vertrauenswürdigen Mitgliedern waren.

Die wirkliche Überraschung war der andere Mann, der mit am Tisch saß.

Die Spülung einer Toilette erklang, Wasser lief und dann kam ein weiterer Mann dazu. Kleiner, schmaler und jünger als Burke. Er hatte volles, ein wenig gelocktes hellbraunes Haar – aber der entschlossen-freundliche Blick in den blauen Augen war ähnlich genug, um zu sagen: Familie.

»Gentlemen, das ist Shamus David Burke, ein Verwandter von mir, der aus Brittania gekommen ist, um mich zu besuchen. Er arbeitet dort in der Staatsanwaltschaft, daher dachte ich, er könnte uns nützliche Einblicke geben. Shady, das ist Lieutenant Crispin James Montgomery und seine Officers Karl Kowalski und Michael Debany. Sie kümmern sich um die meisten Interaktionen mit dem Lakeside Courtyard. Der Mann, der gerade besonders eingehend das Gebäck mustert, ist Commander Louis Gresh, der das Bombenkommando leitet. Das Gebäck ist frisch, Commander. Es gibt also keinen Grund, sich Sorgen zu machen.«

»Dass Sie Ihr Essen nicht nach unwillkommenen Überraschungen untersuchen, beweist, dass Sie nie Kinder hatten«, erwiderte Louis. Er biss in sein Teilchen und kaute vorsichtig.

»Der andere Mann, der in seinem Essen herumstochert, ist Pete Denby, ein Rechtsanwalt, der kürzlich aus dem mittleren Westen hergezogen ist.«

»Der auch Kinder hat«, sagte Pete mit einem Lächeln.

»Und der einzige Mann, der nichts mit der Strafverfolgung zu tun hat ist Dr. Dominic Lorenzo, der aktuell in der Taskforce des Gouverneurs arbeitet, die die Cassandra Sangue in diesem Teil der nordöstlichen Region unterstützen soll.« Burke wartete, bis alle sich gesetzt hatten. Dann verschränkte er die Hände und legte sie auf dem Esstisch ab. »Lieutenant Montgomery weiß bereits, was auf dem Spiel steht. Bevor wir über irgendetwas sprechen, müssen Sie alle wissen, dass Sie diese Informationen an niemanden weitergeben dürfen, unter keinen Umständen. Nicht an Freunde, nicht an die Familie, nicht an die Kollegen. Wenn Sie dem nicht zustimmen können, gehen Sie jetzt, denn …«

»Denn jeder in Lakeside wird in Gefahr sein«, sagte Lorenzo und klang dabei gereizt. »Dasselbe Lied, anderer Tag.«

»Um genau zu sein, wird sich jeder Mensch auf dem Kontinent Thaisia in Gefahr befinden«, sagte Burke und seine ruhige Stimme stand im direkten Kontrast zu der hell leuchtenden Entschlossenheit in seinen Augen.

Stille. Dann sagte Shady in einem ähnlich ruhigen Tonfall wie Burke: »Reden wir hier über Ausrottung?«

Burke nickte.

Lorenzo schluckte hart. Pete schob den Teller mit Teilchen beiseite.

Louis atmete zittrig aus. »Bei den Göttern unter und über der Erde, das nenne ich mal eine Bombe. Wie stehen die Chancen, dass wir die Kontrolle darüber verlieren?«

»Etwa ausgeglichen«, erwiderte Burke. »Vielleicht auch schlechter.«

Monty sah die Männer an. »Das ist keine Überraschung für Sie.«

»Nicht wirklich«, erwiderte Kowalski. »Uns ist aufgefallen …«

Burke hob eine Hand. »Lasst uns erst einmal herausfinden, wer bleiben will, bevor wir das besprechen.« Er sah Lorenzo an.

Lorenzo dachte einen Augenblick nach, schob dann seinen Stuhl zurück und stand auf. »Ich trage bereits genug Geheimnisse mit mir herum. Sie müssen das, was Sie wissen, in einem engen Kreis bewahren, und ich bin mir nicht mehr sicher, ob mir die Leute Fragen wegen des Lakeside Courtyard oder der Blutprophetin stellen, weil sie neugierig sind oder aus beruflicher Notwendigkeit oder weil sie Mitglieder der Humans-First-and-Last-Bewegung sind, die versuchen, sich Informationen zu erschleichen, die sie gegen die Anderen einsetzen können. Wenn ich für die Taskforce reisen muss, reise ich allein. Man könnte mir zu leicht auflauern und mich dann … verhören.«

Monty hoffte, dass irgendjemand einen Scherz machen und sagen würde, dass Lorenzo sich mit seinem Gerede über Verhöre eine Geschichte zusammenspann, die in einen Thriller gehörte. Aber niemand machte einen Scherz – hauptsächlich wegen Pete Denby, der, wahrscheinlich von Mitgliedern der HFL, von der Straße gedrängt worden war, nachdem er Burke dabei geholfen hatte, Informationen über einen Mann namens der Überwacher aufzudecken und mitsamt seiner Familie in Richtung Lakeside geflohen war.

»Verstanden.« Burke zögerte. »Bitte Simon Wolfgard um freies Geleit durch das Wilde Land. Ich denke, er wird wissen, was das bedeutet. Straßen, die man auf Karten findet, sind Straßen, die Menschen benutzen können. Aber es gibt auch nicht eingezeichnete Straßen, die an Orte führen, zu denen Menschen nicht gehen sollten. Wenn du das Gefühl hast, verfolgt zu werden, fahr auf eine dieser nicht eingezeichneten Straßen, kurble das Fenster herunter und fang an zu schreien, drück auf die Hupe, mach alles, um die Aufmerksamkeit der Terra Indigene auf dich zu ziehen, bevor die Menschen dich eingeholt haben. Unter solchen Umständen stehen deine Chancen zu überleben besser, wenn du auf die Anderen statt auf die Menschen triffst.«

Lorenzo nickte. »Viel Glück.« Er war schon dabei, aus dem Zimmer zu gehen, als er noch einmal stehen blieb. »Wenn irgendjemand von Ihnen diskrete medizinische Aufmerksamkeit braucht, können Sie darauf zählen, dass ich keine Fragen stellen werde.«

»Das weiß ich zu schätzen«, sagte Burke.

Sie warteten, bis Lorenzo die Haustür hinter sich geschlossen hatte. Sie warteten noch etwas länger, lauschten auf das Geräusch seines startenden Wagens in der Auffahrt, die zur anderen Doppelhaushälfte gehörte.

»Noch jemand?«, fragte Burke. Sie schüttelten alle den Kopf. »Dann fangen wir klein an und arbeiten uns zum Ende der Welt vor. Lieutenant? Haben Sie irgendetwas zu berichten?«

Monty schenkte sich einen Kaffee ein, den er gar nicht wollte, um sich ein wenig mehr Zeit zu erkaufen. »Der Courtyard hat das Zweifamilienhaus in der Crowfield Avenue übernommen. Das Geschäft ist bereits abgeschlossen, die vorherigen Besitzer wurden bezahlt und die Denbys werden bald einziehen. Ebenso wie Karl und Ruthie.«

Pete nickte. »Gestern hat der Besitzer des Stone-Apartmentgebäudes zu beiden Seiten des Hauses das Angebot des Courtyard für diese Wohnungen akzeptiert. Da die Unternehmensvereinigung beschlossen hat, für diese Gebäude in bar zu bezahlen, denke ich, können wir den Papierkram beschleunigen und das Gebäude Ende des Monats übernehmen. Die Wohnungen in diesen Gebäuden haben zwei Schlafzimmer, Lieutenant. Etwas, worüber Sie nachdenken sollten, falls Lizzy endgültig hierbleiben sollte.«

Monty hatte schon darüber nachgedacht, ob er eine der Wohnungen nehmen würde, falls Simon Wolfgard sie anbot. Es sprachen eine Menge praktischer Gründe dafür – und es sprachen auch viele Gründe dafür, etwas Distanz zu den Anderen zu schaffen. Zum einen würde es nicht mehr viel Abstand zwischen der Arbeit und seinem Zuhause geben, wenn er direkt gegenüber des Courtyard wohnen und Kowalski und Denby – und wahrscheinlich auch Debany – als direkte Nachbarn haben würde.

Aber sie wären gute Nachbarn, dachte er. Und einen Polizisten in direkter Nähe zum Courtyard wohnen zu haben, könnte dafür sorgen, dass viele Probleme gar nicht erst entstehen. Aber niemand von uns spricht darüber, wo die Kinder nächstes Jahr zur Schule gehen sollen – weil man davon ausgeht, dass sie in einer von der Stadt verwalteten Schule oder sogar in einer von Menschen geführten Privatschule sicher sind. Immerhin wird jeder, der in einem Gebäude lebt, das den Anderen gehört, automatisch als Wolfsliebchenangesehen, und die Vorurteile gegen jeden, der auf irgendeine Art und Weise die Arbeit mit den Terra Indigeneunterstützt, häufen sich.

Er und Lizzy brauchten einen anderen Ort, an dem sie wohnen konnten, und bevor er eine Entscheidung traf, musste er erst alle Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Aber das musste warten.

»Was noch?«, fragte Burke.

»Die ersten Gäste des Courtyard kommen nächste Woche an«, sagte Kowalkski. »Einige Wölfe aus dem Rudel der Addirondak-Berge. Es hat niemand gesagt, ob andere Arten von Terra Indigene zur selben Zeit ankommen werden oder nicht. Michael und ich haben den Eindruck bekommen, dass von uns erwartet wird, jeden Tag in den Geschäften und rund um den Marktplatz herum sichtbar zu sein, zumindest für kurze Zeit.«

»Sie kommen her, um mit den Menschen zu interagieren«, sagte Monty. »Da ergibt es Sinn, dass Wolfgard uns in der Öffentlichkeit sehen will.«

»Darf man nur mit Einladung rein?«, fragte Shady. »Ich habe noch nie einen Courtyard gesehen oder eine lockere Begegnung mit einem der Terra Indigenegehabt. Ich würde diese Möglichkeit gern nutzen. Die Interaktionen, die ich mit ein paar der Anderen hatte, wenn einige der Cassandra Sanguenach Brittania … verschifft … wurden, waren für alle Menschen, die bei der Rettungsaktion geholfen haben, eine angespannte Erfahrung gewesen. Abgesehen von den Leuten, die an der Grenze oder der Küste leben, haben die meisten Einwohner von Brittania noch nie Kontakt zu den Anderen gehabt. Wenn man bedenkt, was gerade in der Welt vor sich geht, würde ich gern Erfahrungen aus erster Hand sammeln, in einer Situation, in der es nicht um Leben oder Tod geht.«

Monty fing Burkes Blick auf und sagte: »Ich frage Simon Wolfgard, ob wir Gäste mitbringen dürfen.«

»Müssen wir uns wegen der Einwohner der Großen Insel Sorgen machen und gibt es Informationen zur River Road Community?«, fragte Burke.

»Nein, Sir«, erwiderte Monty. An diesem Tisch war Shady wohl die einzige Person, der nicht auffallen würde, dass Talulah Falls unerwähnt blieb, eine Stadt, die nicht mehr von Menschen kontrolliert wurde, nachdem eine Bombe mehrere Krähen getötet hatte und eine Sanguinati bei der Jagd auf die Menschen, die für die Explosion verantwortlich waren, getötet worden war.

»Nachdem Shady das Thema bereits angesprochen hat, reden wir über das Hauptereignis.«

»Ausrottung.« Pete sah düster drein. »Meinen die Anderen das ernst?«

»Wegen der kürzlichen Probleme ziehen die Erdeinwohner im Wilden Land Ausrottung als Möglichkeit in Betracht, um Thaisia von einer Bedrohung für das Land und die restlichen Lebewesen, die schon hier waren, bevor unsere Vorfahren ihren Fuß auf diesen Kontinent gesetzt haben, zu befreien.«

»Aber wir haben versucht zu helfen«, protestierte Louis. »Monty und sein Team geben jeden Tag ihr Bestes, um mit den Anderen im Courtyard zu interagieren. Ihr Götter, einer von uns wurde während des Angriffs auf dem Markt getötet. Zählt das gar nicht?«

»Es zählt«, sagte Monty. »Die Zeit, die wir im Courtyard verbracht haben, die Hilfe, die wir geleistet haben … Wir sind der Grund, warum die Menschen in Thaisia nicht von diesem Kontinent getilgt werden.«

»Zumindest jetzt noch nicht«, fügte Burke hinzu. »Ein Courtyard und ein paar Officers und Zivilisten, um auszugleichen, was auch immer für eine Dummheit die HFL-Bewegung als Nächstes plant. Und lasst uns genau darüber nachdenken, wer ausgelöscht werden soll, wie der Lieutenant es genannt hat. Ich denke, die Dörfer der Intuit werden verschont werden. Ebenso wie die Farmer des einfachen Lebens und Handwerker. Sie halten sich so gut wie möglich fern von den Menschen, die in den von Menschen kontrollierten Orten und Städten leben, und sie waren immer sehr umsichtig in ihrem Umgang mit den Terra Indigene. Und ich glaube, die Anderen werden ein paar