Verlag: Drachenmond Verlag Kategorie: Fantasy und Science-Fiction Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Krähenjagd E-Book

Anne Bishop  

(0)
Bestseller

Das E-Book lesen Sie auf:

E-Reader EPUB für EUR 1,- kaufen
Tablet EPUB
Smartphone EPUB
Computer EPUB
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Leseprobe in angepasster Form herunterladen für:

Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Krähenjagd - Anne Bishop

Meg Corbyn konnte zwar das Vertrauen der Anderen im Lakeside Courtyard gewinnen, jedoch fällt es ihr schwer herauszufinden, was es bedeutet, unter ihnen zu leben. Als Mensch sollte Meg eigentlich nur als Beute wahrgenommen werden, doch die Fähigkeiten einer Cassandra Sangue machen sie zu etwas Besonderem. Zwei suchterzeugende Drogen lösen plötzlich Gewalt zwischen Menschen und den Anderen aus, die zu Toten auf beiden Seiten führt. Als Meg von Blut und schwarzen Federn im Schnee träumt, fragt sich Simon Wolfgard - der Anführer der Gestaltwandler aus Lakeside -, ob seine Blutprophetin vergangene Angriffe oder zukünftige Bedrohungen gesehen hat. Während Meg immer häufiger von Prophezeiungen heimgesucht wird, findet das Grauen einen Weg in den Courtyard. Die Anderen und die unter ihnen lebenden Menschen müssen nun zusammenarbeiten, um den Mann aufzuhalten, der ihre Blutprophetin zurückfordert, und die Gefahr aufzuhalten, die sie alle zu zerstören droht.

Meinungen über das E-Book Krähenjagd - Anne Bishop

E-Book-Leseprobe Krähenjagd - Anne Bishop

Krähenjagd

Die Anderen

Anne Bishop

Astrid Behrendt

Rheinstraße 60

51371 Leverkusen

www.drachenmond.de

E-Mail: info@drachenmond.de

Layout: Michelle N. Weber

Übersetzung: Ana Woods & Marlena Anders

Korrektorat: Michaela Retetzki

Umschlaggestaltung: Alexander Kopainski - www.alexanderkopainski.de

Umschlagbildmaterial: shutterstock.com

Titelschrift: Alexander Kopainski Kartenreproduktion: Astrid Behrendt

www.annebishop.com

Copyright © Anne Bishop 2014 Published by Arrangement with Anne Bishop

Originaltitel: Murder of Crows Dieses Werk wurde vermittelt durch die

Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen

ISBN 978-3-95991-609-7

© dieser Ausgabe 2017 Drachenmond Verlag

Alle Rechte vorbehalten

Band 1: In Blut geschrieben

Band 2: Krähenjagd

Für Pat

Inhalt

Geografie

Eine kurze Geschichte der Welt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Danke an:

Geografie

Namid – Die Welt

Kontinente/ Landmassen (bisher)

Afrikah

Cel-Romano/Cel Romano Allianz der Nationen

Felidae

Fingerbone Inseln

Sturm Inseln

Thaisia

Tokhar-Chin

Brittania /Wild Brittania

Die Großen Seen

Superior, Tala, Honon, Etu und Tahki

Andere Seen

Feather Lake, Finger Lake

Flüsse

Talulah / Talulah Wasserfälle

Städte oder Orte

Hubb NE (aka Hubbney), Jerzy, Lakeside, Podunk, Sparkletown, Talulah Falls, Toland

Wochentage

Erdtag

Mondtag

Sonnentag

Windtag

Thaistag

Feuertag

Wassertag

Eine kurze Geschichte der Welt

Vor langer Zeit gebar Namid Lebensformen aller Art, darunter auch die Lebewesen, die man Menschen nennt. Sie gab den Menschen fruchtbare Teile ihrer selbst, und sie gab ihnen gutes Wasser. Und da sie die Natur der Menschen und auch die ihrer anderen Kinder verstand, sorgte sie außerdem für ausreichende Abschirmung, um ihnen die Chance zu geben, zu überleben und zu wachsen.

Und das taten sie.

Sie lernten Feuer zu machen und Hütten zu bauen. Sie lernten das Land zu bestellen und Städte zu errichten. Sie bauten Boote und fischten im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. Sie vermehrten sich und verbreiteten sich bis in die letzten Winkel ihrer Welt, bis sie in die wilden Gebiete vordrangen. Und dort entdeckten sie, dass die anderen Kinder Namids bereits die restliche Welt ihr Eigen nannten.

Die Anderen sahen die Menschen nicht als Eroberer. Sie sahen in ihnen eine neue Art von Beute.

Kriege wurden um den Besitz der Wildnis ausgetragen. Manchmal obsiegten die Menschen und ihre Nachkommenschaft verbreitete sich ein wenig weiter. Doch noch öfter verschwanden Teile der Zivilisation und die angsterfüllten Überlebenden versuchten, nicht jedes Mal zu erzittern, wenn in der Nacht ein Geheul aufstieg oder wenn ein Mann sich zu weit von der Sicherheit der stabilen Türen und des Lichts entfernte und man ihn am nächsten Morgen ohne Blut in den Adern wiederfand.

Jahrhunderte vergingen und die Menschen bauten größere Schiffe und segelten über den Atlantischen Ozean. Als sie dort unberührtes Land vorfanden, gründeten sie eine Siedlung am Meeresufer. Dann entdeckten sie, dass auch die Terra Indigene, die Eingeborenen der Erde, dieses Land ihr Eigen nannten. Die Anderen.

Die Terra Indigene, die diesen Kontinent beherrschten, den sie Thaisia nannten, wurden zornig, als die Menschen Bäume fällten und den Boden, der nicht ihnen gehörte, mit dem Pflug bearbeiteten. Daher aßen die Anderen die Siedler und machten sich mit der Form dieser neuen Beute vertraut, wie sie es so viele Male in der Vergangenheit getan hatten.

Die zweite Welle von Entdeckern und Siedlern kam an, fand die verlassene Siedlung und versuchte noch einmal, das Land für sich zu beanspruchen.

Die Anderen aßen auch sie.

Der Anführer der dritten Siedlerwelle jedoch war etwas schlauer als seine Vorgänger. Er bot den Anderen warme Decken und Stoffe für Kleidung sowie interessante glänzende Dinge im Austausch für die Erlaubnis, in der Siedlung leben zu dürfen, und für genug Ackerland zum Bestellen. Die Anderen betrachteten das als fairen Handel und zogen sich aus dem Gebiet zurück, das von nun an die Menschen bewohnen durften. Weitere Gaben wurden für Jagd- und Fischprivilegien ausgetauscht. Diese Vereinbarung stellte beide Seiten zufrieden, obgleich die eine Seite ihre neuen Nachbarn mit eher zähnefletschender Duldsamkeit betrachtete und die andere Seite furchtsam die Zähne zusammenbiss und dafür sorgte, dass die Ihren vor Einbruch der Nacht stets sicher hinter den Mauern der Siedlung geborgen waren.

Jahre vergingen und immer mehr Siedler trafen ein. Viele starben, doch genug Menschen gediehen und kamen zu Wohlstand. Aus Siedlungen wurden Dörfer, die zu Ortschaften und dann zu Städten wurden. Nach und nach verbreiteten sich die Menschen auf Thaisia so gut es ging über das Land, das sie betreten durften.

Jahrhunderte zogen ins Land. Die Menschen waren klug. Die Anderen auch. Die Menschen erfanden Elektrizität und sanitäre Anlagen. Die Anderen beherrschten die Flüsse, welche die Kraftwerke der Menschen antrieben, und die Seen, die frisches Trinkwasser lieferten. Die Menschen erfanden Dampfmaschinen und Zentralheizung. Die Anderen hatten die Kontrolle über den Brennstoff, der zum Betreiben der Maschinen und zum Beheizen der Gebäude nötig war. Die Menschen erfanden und produzierten Waren. Die Anderen kontrollierten die Naturreserven und entschieden dadurch, was in ihrem Teil der Welt hergestellt wurde und was nicht.

Natürlich gab es Zusammenstöße, und manche Orte wurden zu düsteren Mahnmalen für die Toten. Diese Mahnmale machten den Menschen schließlich klar, dass es die Terra Indigene waren, die Thaisia beherrschten, und dass dies bis zum Ende der Welt wohl auch so bleiben würde.

So sind wir nun in der heutigen Zeit angelangt. Kleine menschliche Dörfer stehen inmitten riesiger Landstriche, die den Anderen gehören. Und in größeren menschlichen Städten gibt es eingezäunte Parks, die sogenannten »Höfe«, in denen Andere leben, deren Aufgabe es ist, die Einwohner der Stadt im Auge zu behalten und dafür zu sorgen, dass die Abkommen, die zwischen Menschen und Terra Indigene getroffen wurden, auch eingehalten werden.

Da ist immer noch dieselbe zähnefletschende Toleranz auf der einen Seite und die Angst vor dem, was im Dunkeln umgeht, auf der anderen. Doch sofern die Menschen vorsichtig sind, werden sie überleben.

Meistens überleben sie.

Kapitel Eins

Durch die ruhelosen Bewegungen seines Schlafgenossen geweckt, gähnte Simon Wolfgard, rollte sich auf seinen Bauch und beobachtete Meg Corbyn. Sie hatte den Großteil der Decke von sich geworfen, was nicht gut war, da sie kein Fell besaß und sich so eine Erkältung einfangen könnte. Für einen Wolf der Terra Indigene bedeutete einfangen, dass man etwas haben wollte, und ihm fiel kein einziger Grund dafür ein, warum ein Mensch eine Erkältung haben wollte, doch offensichtlich wollten die Menschen sie und konnten sich bei kaltem Wetter erkälten. Und sogar in den letzten Tagen des Febros war es in der nordöstlichen Region von Thaisia noch reichlich kalt gewesen. Andererseits, wenn sie langsam zu frösteln begann, würde sie sich näher an ihn herankuscheln, was vernünftig war, da er ein hervorragendes Winterfell besaß und als Wolf die Nähe liebte.

Hätte man ihm vor wenigen Wochen noch gesagt, dass er sich mit einem menschlichen Weibchen anfreunden und sich so sehr um sie sorgen würde, dass er sie nachts behüten würde, dann hätte er sich den Schwanz abgelacht. Doch hier war er nun, in Megs Wohnung im Grünen Komplex, während sein Neffe Sam mit seinem Vater Elliot im Wolfgard-Komplex blieb. Vor dem Angriff auf den Lakeside-Courtyard, der Anfang des Monats stattgefunden hatte, hatten Sam und er sich immer gemeinsam an Meg gekuschelt, um ein Nickerchen zu machen oder sogar die komplette Nacht durchzuschlafen. Doch es war viel passiert in der Nacht, in der Fremde gekommen waren, um Meg und Sam zu entführen. Zum einen wäre Meg fast dabei gestorben, als sie Sam vor den Männern rettete. Zum anderen war auf dem Weg ins Krankenhaus etwas mit ihm geschehen, was ihn extremen Zorn hatte spüren lassen. Er hatte eine vage Vermutung, was passiert sein konnte, weshalb Sam, der noch ein Welpe war und keine Selbstbeherrschung besaß, nicht mehr bei ihm schlafen durfte, wann immer er sich neben Meg zusammenrollte. 

Meg sagte den Menschen immer, sie wäre einhundertundsechzig Zentimeter groß, da sie fand, dass sie dadurch größer klang, als wenn sie von einem Meter soundsoviel sprechen würde. Sie war vierundzwanzig Jahre alt, hatte seltsames orangefarbenes Haar, das langsam in seinem natürlichen Schwarz nachwuchs, klare graue Augen wie einige der Wölfe und schöne Haut. Seltsame und zerbrechliche Haut, die viel zu leicht vernarbte. 

Sie war eine Cassandra Sangue, eine Blutprophetin – eine Frau, die Visionen sah und Prophezeiungen sprach, wann immer ihr in die Haut geschnitten wurde. Ob es sich um einen geplanten Schnitt mit ihrem speziellen Rasiermesser oder um eine klaffende Wunde durch einen spitzen Felsen handelte, war dabei gleich – sie sah, was in der Zukunft geschehen könnte.

Die Sanguinati nannten Frauen wie Meg auch süßes Blut, da sie sich selbst als Erwachsene die Süße des kindlichen Herzens bewahrten. Und es war genau diese Süße in Kombination mit ihrem Blut voller Visionen, die sie nicht als Beute kennzeichneten. Es machte sie zu einer Schöpfung Namids, wunderbar und schrecklich zugleich. Vielleicht machte es sie sogar zu etwas noch viel Schrecklicherem, als die Terra Indigene jemals gedacht hätten.

Doch er würde mit all dem Schrecklichen fertigwerden, wenn es nötig war. Denn im Augenblick war Meg für ihn bloß Meg, die menschliche Verbindungsperson des Courtyards und seine Freundin.

Sie begann, Geräusche von sich zu geben und mit ihren Beinen zu strampeln, als würde sie vor etwas davonlaufen. 

<Meg?> Sie konnte die Sprache der Terra Indigene zwar nicht verstehen, dennoch versuche er es, da er nicht glaubte, dass es ein guter Jagdtraum war. Vor allem, da er den Geruch nach Furcht bei ihr wahrnahm. <Meg?>

Um sie zu wecken, presste er seine Nase unter ihr Ohr. 

Im Traum hörte Meg das Monster näher und näher kommen. Ein vertrautes Geräusch, das durch das Wissen um die Zerstörung, die es hinterlassen würde, entsetzlich klang. Sie versuchte eine Warnung auszustoßen, versuchte um Hilfe zu schreien, versuchte vor den grausamen Bildern zu fliehen, die ihren Verstand füllten.

Als etwas sie unter ihrem Ohr berührte, schlug sie wild um sich, schrie und trat so hart sie nur konnte. Ihr Fuß stieß gegen etwas. Erschrocken trat sie erneut zu.

Auf den Tritt folgte ein lautes Winseln und ein dumpfes Geräusch, das sie hochschrecken und das Licht anmachen ließ.

Sie atmete schwer und spürte, wie ihr Pulsschlag in ihren Ohren hämmerte. Zuerst bemerkte sie, dass der Nachttisch noch immer so aussah, wie sie ihn von vor dem Einschlafen in Erinnerung hatte, mit dem einzigen Unterschied, dass der kleine Wecker neben der Lampe nun drei Uhr anzeigte. Durch das Altbekannte beruhigt, sah sie sich um. 

Sie befand sich nicht in der sterilen Zelle einer Anlage, die von einem Mann geführt wurde, der ihr zwecks seines eigenen Profits in die Haut schnitt. Sie war in ihrem eigenen Schlafzimmer, in ihrer eigenen Wohnung auf dem Lakeside-Courtyard. Und sie war allein. 

Doch sie war nicht allein gewesen, als sie vor wenigen Stunden das Licht ausgeschaltet hatte. Als sie schlafen gegangen war, hatte es sich ein großer, pelziger Wolf neben ihr bequem gemacht. 

Sie packte so viele Decken wie es ihr möglich war und zog diese bis zu ihrem Kinn hoch, ehe sie leise flüsterte: »Simon?«

Ein Grunzen ertönte, das vom Boden auf der gegenüberliegenden Seite des Bettes zu kommen schien. Dann schob sich ein menschlicher Kopf in ihr Sichtfeld und Simon Wolfgard starrte sie aus seinen bernsteinfarbenen Augen an, in denen rote Funken aufflackerten – ein deutliches Zeichen dafür, dass sie ihn verärgert hatte. 

»Bist du jetzt wach, ja?«, knurrte er.

»Ja«, erwiderte sie kleinlaut.

»Gut.«

Sie erhaschte einen Blick auf seine schlanken Muskeln und nackte Haut, bevor er zu ihr unter die Decke kletterte. Sie wandte sich mit klopfendem Herzen von ihm ab und verspürte dabei eine andersartige Angst. 

Er befand sich nie in seiner menschlichen Gestalt, wenn er neben ihr schlief. Was hatte es also zu bedeuten, dass er nun menschlich war? Wollte er … Sex? Sie war nicht … Sie hat nicht … Sie war sich nicht einmal sicher, dass sie mit … Aber was, wenn er erwartete …? 

»S-Simon?« Ein Zittern lag in ihrer Stimme.

»Meg?« Ein Knurren schwang in seiner Stimme mit.

»Du bist kein Wolf.«

»Ich bin immer ein Wolf.«

»Aber du bist kein pelziger Wolf.« 

»Nein, bin ich nicht. Und du nimmst die Decken in Beschlag.« Er griff nach den Decken, die sie noch immer fest umklammert hielt, und zerrte daran. 

Sie purzelte gegen ihn. Noch bevor sie sich entscheiden konnte, was sie tun sollte, lagen die Decken um sie beide herum und Simon hielt sie zwischen seinem Körper und dem Bett gefangen. 

»Hör auf, dich zu winden«, schnappte er. »Wenn ich wegen dir noch mehr blaue Flecken bekomme, dann werde ich dich beißen.«

Sie hörte auf, sich zu wehren, doch nicht, weil er ihr damit gedroht hatte, sie zu beißen. Prophezeiungen und Visionen schwammen in ihrem Blut, und ein Schnitt in ihrer Haut würde sie befreien. Simon wusste das, weshalb er sie nie verletzen würde. Doch in den vergangenen paar Wochen hatte er herausgefunden, wie man sie durch ihre Kleider hindurch fest genug zwicken konnte, sodass es zwar wehtat, ihre Haut allerdings nicht beschädigte – eine Wolfsdisziplin, perfekt an den Umgang mit Menschen wie ihr angepasst. 

Sie war vor sieben Wochen in den Lakeside-Courtyard gestolpert, halb erfroren und auf der Suche nach einer Beschäftigung. In den ersten Tagen hatte Simon regelmäßig damit gedroht, sie zu verspeisen, was nicht seinem regulären Umgang mit seinen Mitarbeitern entsprach, da die meisten vermutlich sofort ihre Kündigung geschrieben hätten und davongelaufen wären. Als die Anderen jedoch herausfanden, dass sie eine Blutprophetin auf der Flucht vor dem Mann war, der sie als sein Eigentum betrachtete, hatten sie sie wie eine der ihren behandelt. Und sie wie eine der ihren zu beschützen, besonders nachdem sie im Eis eingebrochen und fast ertrunken war, während sie einen Angreifer von Simons Neffen Sam wegzulocken versuchte. Das war auch der Grund, weshalb sich Simon seit ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus jeden Abend schützend zu ihr legte. 

Sie würde sich weniger über den Mangel an nächtlicher Privatsphäre ärgern, wenn dieser pelzige, wärmende Körper nicht so einen großen Unterschied machen würde. 

War das der Grund, weshalb es in ihrer Wohnung immer so kühl war – damit sie sich nicht aufregte, wenn sich Simon zu ihr legte? Normalerweise hätte sie keinen Wirbel darum gemacht, da er ein Wolf war. Aber jetzt war er nicht in seiner Wolfsgestalt und Simon in seinem menschlichen Körper neben sich liegen zu haben, fühlte sich … anders an. Verwirrend. In einer Weise bedrohlich, die sie sich selbst nicht erklären konnte. 

Pelzig oder nicht, er hielt sie trotzdem warm und tat schließlich nichts, und da es noch zu früh war, um aufzustehen, war dies etwas, worüber sie immer noch morgen … nachdenken ... konnte. 

Sie glitt wieder in den Schlaf, als Simon sie leicht anstieß und sagte: »Was hat dich so verängstigt?«

Sie hätte wissen müssen, dass er das Thema nicht auf sich beruhen lassen würde. Und vielleicht war es auch besser so. Ihre Fähigkeiten als Blutprophetin hatten sich verändert, seit ihr die Flucht gelungen war und sie mit den Anderen zusammenlebte. Sie war nun weitaus empfindlicher, sodass sie nicht mehr zwangsläufig einen Schnitt brauchte, um Visionen zu sehen – besonders, wenn diese sie in irgendeiner Weise selbst betrafen. 

Die Bilder verblassten bereits. Sie wusste, dass es Dinge aus ihrem Traum gab, die sie jetzt schon nicht mehr abrufen konnte. Würde sie sich am Morgen überhaupt noch an etwas erinnern? Und doch ließ der Gedanke, sich den Traum wieder ins Gedächtnis rufen zu müssen, sie erschaudern. 

»Es war nichts«, sagte sie und wollte ihren eigenen Worten Glauben schenken. »Bloß ein Traum.« Selbst Blutprophetinnen hatten gewöhnliche Träume. Oder?

»Er hat dir eine solche Angst eingejagt, dass du mich aus dem Bett getreten hast. Das ist nicht nichts, Meg.« Simon zog sie fester in seine Arme. »Und nur, damit du es weißt – du magst zwar klein sein, aber du trittst wie ein Elch. Davon werde ich auch den anderen Wölfen berichten.«

Großartig. Genau das, was sie brauchte. Jap, das ist unsere Verbindungsperson. Meg Elchtritt. 

Doch der dominante Wolf und Leiter des Courtyards wartete auf eine Antwort. 

»Ich habe ein Geräusch gehört«, sagte sie leise. »Eigentlich sollte ich wissen, was es war, aber ich kann es nicht genau bestimmen.«

»Ein Geräusch aus deinem Unterricht?«, fragte er sie ebenso leise und bezog sich damit auf den Unterricht, den sie in der Anlage erhalten hatte, um erkennen zu können, was sie in ihren Prophezeiungen sah oder hörte.

»Aus dem Unterricht«, stimmte sie zu. »Aber auch von hier. Es ist kein einzelnes Geräusch, sondern mehrere Dinge, die zusammengenommen eine eigene Bedeutung haben.« 

Es herrschte einen Moment lang nachdenkliches Schweigen. »In Ordnung. Was sonst noch?«

Sie erschauerte. Daraufhin schmiegte er sich an sie, sodass sie sich sogleich wärmer fühlte. Sicherer. 

»Blut«, flüsterte sie. »Es war Winter. Der Boden war schneebedeckt und dieser Schnee mit Blut bespritzt. Und ich sah Federn.« Sie drehte den Kopf, um ihn anzusehen. »Deshalb habe ich versucht zu schreien, versuchte jemanden zum Zuhören zu bewegen. Ich sah abgebrochene schwarze Federn im blutigen Schnee.«

Simon musterte sie. »Du konntest sie sehen? War es nicht dunkel draußen?«

Sie dachte einen Augenblick darüber nach, doch dann schüttelte sie den Kopf. »Tageslicht. Keine helle Sonne, aber Tageslicht.« 

»Hast du den Ort erkannt?«

»Nein. Ich kann mich an nichts aus dem Traum erinnern, das einen Anhaltspunkt für den Ort liefern würde, nur den Schnee.« 

Simon beugte sich über sie, um die Lampe auszuschalten. »Wenn das so ist, geh wieder schlafen, Meg. Wir können diese Beute auch noch morgen jagen.« 

Er streckte sich neben ihr aus und schlief beinahe auf der Stelle ein, so wie es auch immer der Fall gewesen war, wenn er in seiner Wolfsgestalt war. Nur, dass er nun nicht in seiner Wolfsgestalt war und sie nicht wusste, wie sie ihm sagen sollte, dass indem er so neben ihr lag – aussehend und sich anfühlend wie ein menschlicher Mann –, sich etwas zwischen ihnen verändert hatte.

Kapitel Zwei

Vor dem Haus seines besten Freundes Grizzly Man parkend, saß Wild Dog gemeinsam mit seinem anderen besten Freund Howler im Pick-up seines Vaters und wartete darauf, dass der Spaß beginnen würde. Windtag war in diesem Teil von Walnut Grove zeitgleich Mülltag, und die verdammten Krähen des Courtyards würden über den Müllwagen kreisen, um in dem von Menschen weggeworfenen Abfall zu picken. Jede verdammte Woche kamen sie, um in den Mülleimern, die an den Bordsteinrand gestellt wurden, herumzustochern. Sie wühlten und pickten und flogen mit zahlreichem Müll wieder davon, denn ganz im Ernst – das war alles, was Krähen waren: verdammte Müllfresser. 

Nichts konnte man dagegen unternehmen. So sagte es der Mann von der Regierung. Man konnte diese schwarzgefiederten Diebe nicht einmal einfach niederstrecken, da die Haftzeit und Geldstrafe eine ganze Familie komplett ruinieren könnten. Aber Grizzly Man, der auf jedem Computer den Scheiß finden konnte, den man vor seinen Eltern zu verstecken versuchte, hatte von einem geilen Spiel namens Crow Bait and Road Kill gehört. Verweichlichte Jungs konnten sich auf der Seite anmelden und das Spiel spielen, wollte man aber das wirklich echte Erlebnis, so brauchte man zwei ganz besondere Drogen – Zum Wolf geworden undFeelgood. 

Es war nicht sonderlich leicht, an das Zeug heranzukommen, und billig war es auch nicht. Es hatte ihn, Grizzly Man und Howler zwei Monate gekostet, all ihre Ersparnisse zusammenzukratzen, sodass Howler die Fläschchen von dem Freund eines Freundes kaufen konnte, der einen Kerl kannte, der wiederum einen Kerl kannte. Jetzt würden sie herausfinden, ob die Drogen und das Spiel es wirklich wert waren.

»Komm schon«, murmelte Wild Dog. »Ich muss meinem Alten die Karre zurückbringen, ehe er zur Arbeit muss.« 

Howler kurbelte das Fenster der Beifahrerseite herunter. »Ich hör die Müllwagen. Sie müssen etwa einen Block entfernt sein. Ist G-Man so weit?« 

Wild Dog zog sein Handy aus der Tasche und tätigte den Anruf. »Bereit?«, fragte er, als Grizzly Man abhob. 

»Ich hab den’ das versetzte Fleisch gegeben«, erwiderte G-Man. »Biste dir bei der Dosierung wirklich sicher?«

Bei den Göttern über und unter der Erde, nein, er war sich überhaupt nicht sicher. Vergangene Woche hatten sich die drei die halbe Flasche Zum Wolf geworden geteilt, um es mal auszuprobieren, aber er hatte nur eine vage Erinnerung an das, was geschehen war, nachdem sie sich mit Priscilla Kees getroffen hatten, die nicht nachts allein hätte nach Hause gehen sollen. Aber er erinnerte sich daran, dass er so was von geil gewesen war. Er hatte sich wild und mächtig gefühlt – und er wollte sich wieder so fühlen.

Aber nicht sofort. Nicht, ehe sich die Dinge etwas abgekühlt hatten. Priscilla war nie in die Schule zurückgekehrt und er hatte ein Gespräch mit angehört, in dem seine Mutter seiner Großmutter erzählte, dass der bösartige Angriff irgendwelche Schäden an ihren Innereien da unten und auch noch irgendwelche anderen Schäden bei dem Mädchen verursacht hatte, sodass ihre Tochter niemals wieder allein das Haus verlassen durfte, sobald es dunkel wurde – nicht mal, um einen Freund sechs Häuser weiter zu besuchen. Nicht, bis die Tiere, die Priscilla das angetan hatten, gefangen worden waren. 

Es war merkwürdig, seine Mutter so sprechen zu hören, als würde sie wirklich jemandem ernsthaft Schmerzen zufügen wollen. Es hatte ihm Angst gemacht, weshalb er froh darüber war, dass sie einheitlich dafür abgestimmt hatten, den Rest von Zum Wolf geworden für das Spiel einzusetzen. Bis sie sich ein weiteres Fläschchen der Droge leisten könnten, wäre alles wieder beim Alten.

»Hey, Wild Dog«, sagte G-Man. »Biste noch da? Die Hunde benehmen sich komisch und ich kann es nicht leiden, wie sie mich anstarren. Es treibt mich verdammt noch mal in den Wahnsinn.«

»Sie kommen«, sagte Howler, als die Krähen angeflogen kamen. Er lehnte sich nach vorne und legte seine Hand auf das Armaturenbrett. 

»Kommt schon, ihr Freaks«, flüsterte Wild Dog. »Genießt die Spaghetti und ein bisschen Feelgood.« Er kicherte. Man nehme ein wenig Feelgood und dann fühlt man sich so gut, dass man gar nichts mehr fühlt. 

Howler schwor darauf, dass die Droge stark genug sei, um einen ausgewachsenen Wolf so hilflos wie einen neugeborenen Welpen werden zu lassen – oder um all die verdammten Krähen vom Himmel zu fegen. Also hatten sie gestern eine riesige Portion Spaghetti zum Mitnehmen gekauft. Am Morgen hatten sie das Essen mit Feelgood gestreckt und kleine Häufchen neben sechs der Müllcontainer am Straßenrand gelegt. 

Die Krähen kamen und flogen zu den Containern, die keine dicht verschlossenen Deckel besaßen oder neben denen noch Dinge zurückgelassen worden waren. Sobald die erste Krähe die Spaghetti entdeckt hatte, kamen Vögel von überall herangeflogen, sodass Wild Dog nicht mehr sagen konnte, ob es sich bei ihnen um Krähen oder Krähen handelte. Aber sie alle verschlangen die Spaghetti. 

»Nur weiter, ihr dummen Scheißhaufen«, flüsterte Wild Dog. »Schön aufessen.« Er sprach in sein Handy. »G-Man. Es ist fast so weit.«

»Hey«, sagte Howler. »Wer ist das?«

Sie beobachteten, wie das zierliche schwarzhaarige Mädchen von Haus zu Haus lief und in die Mülltonnen schaute. 

»Perfekt«, sagte Wild Dog. »Wir haben eine der Anderen in ihrer menschlichen Form.«

»Der Müllwagen wird gleich hier sein«, erwähnte Howler. »Wir müssen abhauen, bevor uns jemand entdeckt.«

»Jaja.« Wild Dog beobachtete die Vögel noch einen Augenblick. Ein Auto, das die Straße herunterfuhr, musste einem Vogel ausweichen, der nicht einmal daran dachte, aus dem Weg zu gehen. Perfekt. »G-Man, lass die Hunde los.« 

Die zwei Jagdhunde, die G-Mans Vater gehörten, rannten aus dem Hinterhof, entdeckten die Vögel und zerfetzten sie mit einer Brutalität, die Wild Dog aufregend und Brechreiz erregend zugleich fand. Ein paar der Vögel schlugen mit ihren Flügeln, um einen schwachen Fluchtversuch zu starten, der allerdings nichts anderes brachte, als die Hunde auf sie aufmerksam zu machen – und auf das Mädchen, das wie festgefroren neben einer der Mülltonnen stand. 

»Oh, Scheiße«, fluchte Howler. »Ich weiß, wer das ist! Es ist die Neue aus der Schule. Ihre Familie ist gerade erst hierhergezogen, kamen den langen Weg aus Tokhar-Chin. Wir müssen sofort die Hunde aufhalten!« 

»Wir können sie nicht aufhalten!« Wild Dog griff nach Howlers Mantel, aber er war bereits halb aus dem Truck gesprungen und brüllte: »G-Man! Hol deinen Vater! Hol deinen Vater!« 

Er konnte nichts anderes tun, als es seinem Freund nachzutun. Er durfte hier nicht dabei gesehen werden, wie er bloß zusah, während Howler herumbrüllte und das Mädchen schrie und all die Leute aus ihren Häusern gestürmt kamen – einige bereits in ihrer Arbeitskleidung, andere noch in den Morgenmänteln, trotz des Schnees und der Kälte. 

Plötzlich wurde er von jemandem zur Seite gestoßen und ebendieser Jemand schrie den Leuten zu, sie sollen aus dem verdammten Weg gehen und … 

Bumm. Bumm. 

Derselbe Mann brüllte nun den Leuten zu, sie sollen die Polizei anrufen, einen Krankenwagen; und Wild Dog erkannte ihn schließlich. Er wusste seinen Namen nicht, aber es war einer der Polizistenfreunde von G-Mans Vater. 

Der Polizist stand nun direkt neben dem Mädchen und presste seine Hand auf die Wunde an ihrem Hals, aus der unaufhörlich Blut quoll. Er sah zu G-Mans Vater auf und sagte: »Es tut mir leid, Stan, aber ich musste sie einfach erschießen.«

»Wird das Mädchen wieder?«, fragte Stan. 

Der Polizist hielt einen Augenblick inne, hob dann seine Hand und schüttelte den Kopf. Nachdem er seine Hände mit frischem Schnee gereinigt hatte, stand er auf und warf Wild Dog und Howler einen wütenden Blick zu. »Was macht ihr Jungs hier?«

Stan starrte weiterhin das Mädchen an und dann seine Hunde. »Bei den Göttern über und unter der Erde, was ist nur in sie gefahren? Und wie konnten sie überhaupt aus dem Hinterhof kommen?« 

»Wir nehmen sie mit und machen ein paar Tests. Finden heraus, ob sie aus einem bestimmten Grund durchgedreht sind.« Der Polizist sprach von den Hunden – mit Sicherheit tat er das –, aber er hörte nicht damit auf, Wild Dog dabei anzuschauen. Dann warf er einen Blick auf die toten Vögel. »Ja, wir müssen unbedingt ein paar Tests machen.« 

Wild Dog versuchte sich eine Geschichte zurechtzulegen, wie er einfach kurz bei G-Man hatte vorbeischauen wollen, doch plötzlich war er von zahlreichen Dienstfahrzeugen umgeben, welche die Straße blockierten. Und an seiner Sicht der Dinge waren viele Polizisten interessiert, die auf dem Revier, in Anwesenheit seines Vaters, hören wollten, was geschehen war. So kam es, dass er auf dem Rücksitz eines Polizeiwagens nach Hause gefahren wurde.

Und das war auch der Grund, weshalb die Polizei bei ihm war, als er die Küche betrat und herausfand, dass Priscilla sich an weitaus mehr von der Nacht der vergangenen Woche erinnerte als er selbst – und aus diesem Grund die Schrotflinte ihres Vaters mitgenommen hatte, bevor sie an jenem Morgen an seinem Haus klingelte.

Kapitel Drei

Am späten Windtagmorgen brachte Lieutenant Crispin James Montgomery den Streifenwagen auf dem Kundenparkplatz des Courtyards zum Stehen, stieg aus und sog tief die Luft ein, die ihn noch immer die beißende Kälte des Winters spüren ließ. Das war nicht verwunderlich, bedachte man den Sturm, der Lakeside am Monatsanfang heimgesucht hatte – ein Sturm, der den Bewohnern vor Augen führte, dass nicht die Gestaltwandler und Vampire, die das offizielle Gesicht des Courtyards waren, die gefährlichsten Terra Indigene der Umgebung waren. Erzürnt über den Angriff auf den Courtyard und den Tod eines ihrer Ponys, hatten die Elementarwesen, angeführt durch Winter, all ihre Wut entfesselt und in einer Stärke gegen die Stadt und ihre Bewohner gerichtet, dass die Zeitungen und Nachrichten vom Sturm des Jahrhundertssprachen.

Ein paar Gebäude waren bei diesem Sturm beschädigt oder zerstört worden. Einige Leute waren verletzt worden und andere sogar gestorben. Ganze Teile der Stadt waren tagelang ohne Stromversorgung gewesen und die Bewohner hatten große Mühen gehabt, sich warm zu halten und zu versorgen, während Lakeside eingeschneit war und dicke Eisschichten alle hinausführenden Straßen blockierten. 

Nachdem er jede freie Minute der vergangenen zwei Wochen damit verbracht hatte, sich über Städte zu erkundigen, die nach einer Auseinandersetzung mit den Anderen zerstört worden waren, wusste Monty, dass der Sturm und seine Auswirkungen weitaus schlimmer hätten sein können. Er wusste nicht, mit wem Meg Corbyn gesprochen oder was sie gesagt hatte, doch er würde einen Monatslohn darauf verwetten, dass sie der Grund dafür gewesen war, dass die Eisplatten eines Nachts einfach geschmolzen waren, wodurch die nötigen Vorräte in die Stadt gebracht werden konnten. Sie hatte die Anderen vor einem Gift gewarnt, das für die Ponys der Elementarwesen bestimmt gewesen war. Sie hatte Simon Wolfgards Neffen Sam während des Angriffs auf den Courtyard gerettet. Sie hatte das Vertrauen von Wesen gewonnen, die selten, wenn überhaupt, Menschen ihr Vertrauen schenkten.

Andererseits, da sie das eigentliche Ziel der Angreifer gewesen war, war sie indirekt für den Sturm verantwortlich, der Lakeside zerstörte und dem Bürgermeister und dem Gouverneur der Nordostregion das Leben gekostet hatte. Aber das war etwas, das nur eine Handvoll Menschen wussten. Für alle anderen lautete die offizielle Geschichte, dass eine Gruppe Auswärtiger nach Lakeside gekommen war, um Unruhe zu stiften, und die Anderen provoziert hatte, indem sie einen Teil des Wirtschaftskomplexes in die Luft sprengte und mehrere Terra Indigene tötete. Da alle Berichte deutlich gemacht hatten, dass die Menschen schuld an den Problemen waren, war in den vergangenen Wochen ein vorübergehender Waffenstillstand zwischen den Bewohnern von Lakeside und den Anderen vereinbart worden.

Vielleicht waren die Menschen zu sehr mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser und Geschäfte beschäftigt und wollten einfach nur zu ihrem alten Leben zurückkehren. Oder sie bemühten sich, einen Bogen um die Wesen zu machen, die den Kontinent Thaisia regierten. Und nicht nur Thaisia. Die Terra Indigene beherrschten den größten Teil der Welt. Wenn es nach ihnen ging, waren die Menschen bloß eine Art von Beute, dessen einziger Unterschied zu Wild war, dass sie Dinge erfanden und Güter produzierten, an denen sich auch einige der Anderen erfreuten. Das war der einzige Grund dafür, dass die Anderen den Menschen Landstriche in Thaisia verpachteten, auf denen sie leben und Nahrung anbauen durften, und sie mit Ressourcen zur Herstellung ihrer Produkte versorgten. Doch sobald die Menschen etwas taten, das den Terra Indigene missfiel, waren sie nichts als Beute.

Das war selbst an einem guten Tag keine leicht zu verdauende Wahrheit und die Informationen, die er heute an Simon Wolfgard weitergeben wollte, würden es auch keinen guten Tag werden lassen. 

Monty passierte die Änderungsschneiderei und A Little Bite, ein Café, das eines der wenigen Geschäfte war, welches auch die menschliche Bevölkerung Lakesides betreten durfte. Als er Howling Good Reads, die Buchhandlung von Simon Wolfgard und Vladimir Sanguinati, erreicht hatte, ignorierte er das Schild, auf dem Personaleingang stand, und klopfte an. 

Simon näherte sich der Tür und starrte Monty ein wenig zu lange an, sodass der Polizist genug Zeit hatte, sich des Unterschiedes zwischen den beiden Männern bewusst zu werden. Wolfgard sah wie ein gepflegter Mann in seinen Mittdreißigern aus, hatte ein schönes Gesicht und die Haare so geschnitten, dass sie zu einem erhabenen Geschäftsführer passten. Die meiste Zeit könnte man ihn für einen Menschen halten. Von seinen Augen abgesehen. Die bernsteinfarbenen Augen ließen einen niemals vergessen, dass man einem Wolf der Terra Indigene, einem Raubtier gegenüberstand – besonders nun, seit Wolfgard es aufgegeben hatte, seine Nickelbrille zu tragen, mit der er versucht hatte, weniger gefährlich zu wirken. Monty hingegen war ein dunkelhäutiger Mensch mittlerer Größe, dem es nur mit Mühe gelang, gepflegt auszusehen. Er war noch keine vierzig Jahre alt, nichtsdestotrotz zierten bereits graue Strähnen sein kurzes, gelocktes Haar und in seinem Gesicht bildeten sich feine Linien, die vor wenigen Monaten noch nicht da gewesen waren. 

Simon schloss schließlich die Tür auf, sodass Monty in den Laden schlüpfen konnte.

»Ist heute nicht für menschliche Kunden geöffnet?«, fragte Monty, als Simon die Tür wieder verriegelte.

»Nein«, antwortete Simon knapp. Er hinkte zu einem Wagen voller Bücher und begann, den Präsentiertisch im Eingangsbereich des Ladens neu zu sortieren. 

Monty nickte der jungen Frau hinter der Kasse zu, einer der menschlichen Angestellten des Courtyards. »Miss Houghton.«

»Lieutenant«, antwortete Heather.

Sie sah eingeschüchtert aus und als sie ihren Kopf in einer Schau ihn dir genau an, irgendwas stimmt hier nicht-Bewegung in Simons Richtung neigte, fragte sich Monty, ob sie bereits über das Bescheid wusste, was er ihnen mitteilen wollte, oder ob es einen anderen Grund für Heathers Ängstlichkeit gab. 

Nachdem er Simon einen Moment lang beobachtet hatte, fragte er in einem ruhigen Gesprächston: »Haben Sie sich am Bein verletzt?«

Simon knallte eines der Bücher auf den Tisch und knurrte. »Sie hat mich vom Bett getreten! Sie hatte einen Albtraum, also hab ich versucht, sie zu wecken, aber sie hat mich vom Bett getreten!«

Monty musste nicht fragen, wer mit sie gemeint war. Er bemerkte, dass Heather, die den Wolf nun mit weit aufgerissenen Augen anstarrte, auch nicht nachfragte. 

»Und dann hat sie sich plötzlich völlig merkwürdig verhalten und gerochen, als sie mich in meiner menschlichen Gestalt gesehen hat.« Simon warf einen weiteren Stapel Bücher auf den Tisch. Eines rutschte herunter und fiel zu Boden. Der Wolf bemerkte es nicht. »Was macht es denn bitte für einen Unterschied, ob ich mein Fell trage oder nicht?« Er deutete auf Heather und machte mit seinem Blick deutlich, dass er eine Antwort verlangte.

»Ehhhhh«, sagte sie und warf Monty einen Blick zu. »Na jaaaaa. Wenn meine Mutter ein Nickerchen macht, dann kuschelt sich ihr Kater gerne an sie heran und das macht meinem Vater auch nichts aus. Ich glaube aber nicht, dass er es so toll finden würde, wenn der Kater plötzlich zu einem Mann werden würde.«

»Warum?«, fragte Simon. »Die Katze wäre noch immer eine Katze, nur in einer anderen Gestalt.«

Heather gab ein merkwürdiges Geräusch von sich und antwortete nicht.

Monty räusperte sich leise, ehe er eine Antwort gab: »Einer Gestalt, in der man mit einer menschlichen Frau Sex haben könnte.«

»Ich wollte keinen Sex!«, schrie Simon. »Ich wollte nur meinen berechtigten Anteil der Decken!« Er warf Heather einen scharfen, wütenden Blick zu. »Weibchen sind sonderbar.« 

Oje, dachte Monty, als er sah, wie sich Tränen in Heathers Augen sammelten.

»Ich werde für die Bestellungen ein paar Sachen aus dem Lager holen.« Heather schniefte und eilte dann in den Lagerraum im hinteren Teil des Ladens. 

»Wenn du versuchst zu kündigen, werde ich dich auffressen!«, schrie Simon. 

Die einzige Antwort war das Zuknallen einer Tür.

Simon starrte auf die Auslage, die nicht mehr als ein unordentlicher Bücherhaufen war. Dann sah er zu Monty und knurrte: »Was wollen Sie?«

Nein, es war wirklich nicht der beste Tag, um über das zu reden, was Monty zu berichten hatte, doch er benötigte jede Information, die ihm Wolfgard geben konnte. Und indem er sein Wissen teilte, hoffte er, Lakeside eine weitere Vorführung der Wut der Terra Indigene ersparen zu können. 

»Haben Sie heute schon Radio gehört oder den Fernseher eingeschaltet?«, fragte Monty. »Haben Sie gehört, was heute Morgen in Walnut Grove passiert ist?«

Simon rührte sich nicht, schien nicht einmal zu atmen. »Wurden Krähen getötet?«

»Einige Vögel wurden getötet«, begann Monty vorsichtig. »Captain Burke hat nicht viele Details von seinem Kontaktmann im Polizeirevier von Walnut Grove erhalten, also kann ich nicht sagen, ob die Vögel Krähen oder Krähen waren.« Er zögerte. »Miss Corbyn hat davon geträumt?« Oder hatte sie mehr getan, als nur zu träumen? Hatte sie das Rasiermesser genommen und sich ins Fleisch geschnitten, um die Prophezeiung auszusprechen? 

»Sie hat von Blut und abgebrochenen schwarzen Federn im Schnee geträumt.« Simon knurrte und warf Monty einen herausfordernden Blick zu. »Sie hat sich nicht geschnitten. Ich hätte das Blut gerochen, wäre es so gewesen.«

Waren prophetische Träume für eine Blutprophetin normal oder waren sie ein Zeichen dafür, dass Megs geistige Stabilität in sich zusammenbrach? Das war nichts, was er heute besprechen konnte. Zumindest nicht mit Simon Wolfgard. 

»Hat Ihr Captain Burke noch irgendwas anderes gehört?«, fragte Simon. 

Wollen Sie auf etwas Bestimmtes hinaus?, fragte sich Monty. »Es scheint, dass zwei Jagdhunde die Vögel angegriffen haben. Es mag sein, dass sie versehentlich ausgebrochen und bloß ihren Instinkten gefolgt sind, aber es starb auch ein menschliches Mädchen.« Die Mutter, der Vater und die jüngere Schwester eines der Jungen, der bei dem Angriff der Hunde anwesend gewesen war, wurden auch getötet. Aber er ging nicht davon aus, dass Wolfgard sich für ein Mädchen interessieren würde, das eine Familie erschossen hatte, es sei denn, der Vorfall stünde im direkten Zusammenhang mit dem Tod der Vögel. 

Simon starrte aus der Fensterfront der Buchhandlung. »Hab heute keine Krähe gesehen. Hab heute keine Krähe gehört.« Er ging hinter die Kasse, nahm das Telefon in die Hand und wählte. Nach wenigen Sekunden murmelte er: »Besetzt, was für ein Wunder«, legte auf und wählte eine andere Nummer. »Jenni? Simon hier. Ich will mit dir reden. Sofort.«

Monty konnte von dort, wo er stand, Jenni Crowgards Protest hören, weshalb auch Simon ihn auf jeden Fall gehört haben musste. Der Wolf legte trotzdem auf.

Elliot Wolfgard leitete das Konsulat und war das offizielle Gesicht des Courtyards, der Erd-Ureinwohner, der mit dem Bürgermeister sprach und sich mit der Regierung von Lakeside auseinandersetzte. Aber Simon Wolfgard war der eigentliche Leiter des Courtyards und es gab hier niemanden, der den Anführer herausforderte. Außer vielleicht dem Grizzly, der auch hier lebte. Und den Elementarwesen, die sich nichts sagen ließen. 

»Sie werden nicht mit Meg darüber sprechen«, sagte Simon. »Noch nicht.«

Monty wollte Meg befragen, ehe ihre Erinnerungen an den Traum durch die Nachrichten getrübt werden konnten. Aber er widersprach nicht und nickte nur zustimmend. Als Simon sich zu entspannen schien, wusste er, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte.

»Wenn irgendeiner der Crowgard etwas über die Todesfälle weiß, rufe ich Sie an«, sagte Simon. 

»Danke«, erwiderte Monty. »Die Polizei in Walnut Grove führt Untersuchungen an den Vögeln und Hunden durch. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass jeder Polizist in der nordöstlichen Region von Thaisia sofort über die Ergebnisse informiert wird. Sobald ich etwas weiß, werde ich es Ihnen mitteilen. Ehrlich gesagt, Mr Wolfgard, hoffen wir alle, dass die Hunde ausgerissen sind und die Vögel einfach nicht schnell genug waren.« Das Mädchen war sicher nicht schnell genug gewesen. »Falls das nicht der Fall sein sollte …« Er wagte es nicht weiterzusprechen.

Simon zögerte nicht, den Satz zu beenden. »Es könnte das erste Anzeichen für die Seuche im Nordosten sein. Es könnte die gleiche Seuche sein, die im Mittleren Westen Ärger verursacht und den Kampf in Jerzy provoziert hat.« 

Keine Seuche, sondern eine Droge, dachte Monty. Und Kampf war ein ziemlich schwaches Wort für das Abschlachten von einem Drittel der Dorfbevölkerung. Aber die Frage, ob es sich um eine Seuche oder eine Droge handelte, würde er erst ansprechen, sobald die Testergebnisse aus Walnut Grove vorlagen, denn er war sich sicher, dass Simon in der Sturmnacht die gleiche Droge verabreicht bekommen hatte. Es war die einzige Möglichkeit, die Aggressionen zu erklären, die der Wolf gezeigt hatte, als Meg ins Krankenhaus gebracht worden war. 

»Officer Kowalski war vorhin im Run & Thump, ist ein bisschen auf dem Laufband gewesen und hat Gewichte gestemmt, aber ich glaube, er ist mittlerweile in der Wohnung«, sagte Simon.

Als Dank dafür, dass Monty und sein Team über Meg während ihres Krankenhausaufenthalts gewacht hatten, stellten die Anderen ihnen eine der Einzimmerwohnung über der Änderungsschneiderei zur Verfügung. Bei den hohen Wassersteuern war es für jemanden wie Karl Kowalski ein Segen, mehrmals die Woche außer Haus duschen zu können. 

»Er nutzt normalerweise nie morgens das Fitnessstudio.« Simon warf Monty einen fragenden Blick zu, der bedeutete, dass er die Arbeitszeiten von Montys Team beinahe besser kannte als Monty selbst. Dieser bestätigte ebenso, dass es den Anderen nicht entging, wenn sich etwas an den routinierten Abläufen von jemandem veränderte. 

»Er hat sich heute ein paar Stunden freigenommen«, erklärte Monty. Wolfgard brauchte nicht zu wissen, dass Captain Burke die freien Stunden, die man im Courtyard verbrachte, ebenfalls als Dienstzeit anrechnete, da der Umgang mit den Anderen selbst unter den besten Umständen gefährlich war. 

»Dr. Lorenzo schnüffelt in der Arztpraxis am Marktplatz herum«, fügte Simon hinzu. 

»Dann werde ich kurz den Doktor begrüßen, ehe ich Officer Kowalski abholen gehe«, sagte Monty.

Simon widmete sich wieder der Anrichte und tat, als wäre Monty nicht länger anwesend. Aber er sagte: »Gehen Sie durch die Hintertür. Das wird schneller sein.«

Noch etwas, was Wolfgard noch vor wenigen Wochen gar nicht erst angeboten hätte, dachte Monty, während er den Lagerraum von HGR durchquerte und zur Hintertür schritt. Monty gab sich nicht der Illusion hin, dass die Anderen und die Menschen Verbündete oder gar Gleichgestellte wären. Die Menschen waren noch immer bloß schlaues Fleisch. Aber dies war der erste Courtyard, der für die Menschen zugänglich war, seit … na ja, seit die Menschen vor einigen Jahrhunderten den Atlantik überquert und den ersten Handel mit den Terra Indigene dieses Kontinents geschlossen hatten. 

Er hoffte inständig, dass diese Zugänglichkeit auch erhalten bliebe, wenn Simon Wolfgard herausfand, dass ihm eine Droge namens Zum Wolf geworden verabreicht worden war. 

Jenni Crowgard betrat Howling Good Reads durch die Vordertür und trug dabei nichts weiter als einen Mantel, der nach Heather roch und die nackten Beine der Krähe gerade einmal bis zu den Oberschenkeln verdeckte. 

Simon musterte sie. Normalerweise fröhlich und neugierig, schien sie an diesem Morgen eher vorsichtig zu sein. 

»Du hast etwas gehört«, sagte er.

Es war keine Frage. Jede Art der Terra Indigene hatte ihre ganz eigene Stärke. Während einige sie als Klatschtanten betitelten, gab es nur wenige Dinge, die die Informationen schneller von einem Ort zum anderen tragen konnten als die Krähen des Crowgard. Sogar noch heute war lediglich das Telefon, welches die Menschen vor einigen Jahrzehnten entwickelt hatten, schneller als eine Krähe. Und Computer, die laut Vlad eine Nachricht an viele Personen gleichzeitig schicken konnten. 

»Walnut Grove«, half er ihr auf die Sprünge und beobachtete sie dabei.

Jenni schlang die Arme um ihren Körper. »Etwas Schreckliches. Nicht sicher was. Weiß nicht warum.«

Sie wusste etwas über das Was und das Warum – Dinge, von denen er sicher war, dass die menschlichen Nachrichten sie noch nicht wussten. Stück für Stück holte er die Informationen aus ihr heraus. Frische Nahrung im Schnee, eine Versuchung zu dieser Jahreszeit. Junge Krähen und Krähen, die hinunterflogen, um einen Bissen zu nehmen. Dann die Hunde und der Tod und viele Menschen.

»Meg hat von Krähen geträumt«, sagte er, nachdem Jenni ihm alles erzählt hatte. »Es hat ihr große Angst gemacht.«

Jenni runzelte die Stirn. »Warum sollte unsere Meg von Walnut Grove träumen?« 

»Es gibt keinen Grund für sie, von dem dortigen Courtyard zu träumen – es sei denn, es ist eine Warnung an uns.« Er starrte Jenni an, bis sie unter seinem Blick zu schrumpfen schien. »Deine Schwestern, du und all die anderen des Crowgard hier in Lakeside, ihr müsst vorsichtig sein. Walnut Grove liegt etwa einhundertundfünfzig Meilen südlich der Stadt. Falls die Seuche, von der die Menschen und die Anderen im Mittleren Westen und in Jerzy an der Westküste betroffen waren, diesen Teil von Thaisia erreicht hat, dann müssen wir alle vorsichtig sein. Es ist ein Leichtes, mit dem Zug nach Walnut Grove zu fahren. Also ist es ebenso einfach für jemanden, der an der Seuche erkrankt ist, nach Lakeside zu kommen.«

»Wir werden vorsichtig sein.« 

»Solltest du sehen, dass Meg ihre Arme so reibt, wie sie es immer tut, wenn sich die Visionen ihren Weg an die Oberfläche bahnen, dann sagst du mir sofort Bescheid. Und du achtest darauf, was sie sagt.« 

»Ich werde aufpassen«, versprach Jenni. »Auch wenn das, was unsere Meg sagt, nichts mit Krähen zu tun hat.«

Zufriedengestellt schickte Simon sie fort und widmete sich wieder der Präsentation seiner neuen Bücher. Seit dem Sturm gab es einen merklichen Verlust an Kunden, auch wenn die Anderen einigen Menschen, die hier gestandet waren, nie zuvor dagewesenen Beistand geleistet hatten. 

Sie kommen zurück oder auch nicht, dachte Simon und las die Rückseiten einiger Bücher, die er dann für sich zum Lesen beiseitelegte. Und heute wollen wir eh keine fremden Affen im Courtyard.

Als er das Klappern von Rädern hörte, drehte er sich um und beobachtete, wie Heather einen Wagen hinter die Kasse schob. Der Lakeside-Courtyard belieferte all die Terra Indigene, die im angrenzenden Wilden Gebiet wohnten, mit Waren. Was HGR an menschlichen Kunden fehlte, wurde durch die Buchbestellungen aus den Siedlungen wieder ausgeglichen. 

»Du arbeitest an den Bestellungen?«, fragte er. Dass sie daran arbeitete, hatte sie gesagt, als sie nach hinten in das Lager gegangen war, deshalb versuchte er höflich zu sein und sein Fehlverhalten von zuvor wiedergutzumachen. 

Heather antwortete nicht. Sie schaute ihn nur verärgert an.

Grunzend machte sich Simon wieder an das Sortieren von Büchern. Ein Häschen, das versucht, einen Wolf einzuschüchtern? Wie lächerlich! 

Als sich dieser Gedanke verfestigt hatte, positionierte er sich so, dass er sie beim Sortieren der Bücher beobachten konnte. Wie oft hatte sie ihn schon in der Vergangenheit an ein Häschen erinnert? Dieser Vergleich war schon immer da gewesen, eine Einschätzung ihrer Persönlichkeit und der Art und Weise, wie sie sich den Anderen gegenüber verhielt. Aber er bemerkte, dass er sie seit dem Sturm noch öfter so betrachtete. 

Viele Menschen, die im Courtyard arbeiteten, hatten sich verändert. Einige wie Lorne, die das 3Ps – das Geschäft für Papier, Presse und Porto – führte, machten weiter wie bisher. Andere Menschen, wie Merri Lee, hatten eine wolfsartige Persönlichkeit entwickelt und versuchten so eng wie möglich mit den Terra Indigene zusammenzuarbeiten, verloren dabei aber nicht ihre vernünftige Vorsicht. Dann gab es Menschen wie Heather, denen sehr bewusst geworden war, dass sie immer die Gejagten bleiben würden. 

Er konnte sie nicht rauswerfen, nur weil sie ein Häschen war. Na ja, er konnte schon, aber er wollte es nicht. Zum einen würde er damit eine gute Angestellte verlieren. Zum anderen würde es sie in eine Notlage bringen, sollte sie auf die Schnelle keine andere Beschäftigung finden, und das würde Meg und das Menschenrudel traurig machen. Er wollte nicht, dass Meg unglücklich war.

Mit einem Seufzer zwang sich Simon dazu, sich wieder den Büchern zuzuwenden. 

Es war egal, ob er menschliche Kunden hatte oder nicht. Solange Meg und ihr Rudel im Courtyard lebten, gab es genügend menschliches Verhalten, das er studieren und über das er sich den Kopf zerbrechen konnte. 

Monty fand Dr. Lorenzo, als dieser die Bürofläche im ersten Stock am Marktplatz betrat. 

»Dr. Lorenzo.«

»Lieutenant Montgomery.«

»Also meinen Sie es ernst damit, dass Sie eine Praxis hier im Courtyard eröffnen möchten? Ich hatte den Eindruck, dass Sie nicht sonderlich viel von den Anderen halten.«

»Ich bin mir darüber noch nicht sicher«, entgegnete Lorenzo. »Aber es gibt auf dem gesamten Kontinent nicht einen einzigen Arzt, der die Möglichkeit hat, so eng mit den Terra Indigene zu interagieren. Ich habe es überprüft.«

»Und der in der Lage ist, mit einer Blutprophetin zu arbeiten?«, fragte Monty sanft.

Lorenzo sah ihm in die Augen. »Das war sozusagen der Grund dafür, dass ich eine Praxis in dieser Region vorgeschlagen habe und der hier behandelnde Arzt sein möchte.«

»Sie geben Ihre Arbeit im Krankenhaus auf?«

»Nein. Ich habe mit der Krankenhausverwaltung gesprochen, nachdem die Anderen die Wassersteuer als Dank für die Betreuung von Meg Corbyn aufgehoben hatten. Das ist eine erhebliche Einsparung.«

Monty nickte. »Sie haben auch die Wassersteuer der Polizeiwache in der Chestnut Street aufgehoben.« 

»Zwar sind viele besorgt darüber, die Anderen in der Nähe von kranken oder verletzten Menschen zu haben, aber man kann nicht abstreiten, dass ein Krankenhaus, in dem jeder Bewohner des Courtyards gleichermaßen behandelt wird, zukünftig Änderungen für uns alle bedeuten könnte. Wie Sie mir bereits während des Sturms sagten. Im Moment schlage ich vor, ein paarmal die Woche morgens Sprechstunden anzubieten.«

Winter hatte Megs Genesung zur Bedingung für das Ende des Sturms gemacht und Dr. Lorenzo hatte, trotz seiner Vorbehalte den Anderen gegenüber, der menschlichen Verbindungsperson die bestmögliche Behandlung geboten. Die Handlungen des Arztes hatten gewissermaßen die gesamte Bevölkerung gerettet. 

»Allgemeinmedizin«, sagte Lorenzo und deutete mit einer Handbewegung auf das Büro. »Die Unternehmensvereinigung des Courtyards ist bereit, jede zusätzlich benötigte Ausrüstung zu kaufen, auch wenn ich nicht denke, dass es für die medizinische Versorgung, die ich im Sinn habe, vonnöten sein wird. Sie sind ziemlich stur, wenn es um meine Bitte geht, mir eine Krankenschwester zur Seite zu stellen oder einen Büroangestellten, der sich um den Papierkram kümmert.« Er warf Monty einen abschätzenden Blick zu. »Irgendetwas, was Sie da tun könnten?«

Monty schüttelte den Kopf und dachte dann darüber nach. »Sie haben hier bereits eine Art Heiler, oder? Vielleicht könnte einer von denen Ihnen assistieren und im Austausch etwas über Humanmedizin lernen. Und gibt es nicht eine Massagetherapeutin, die Teile dieser Büroräume nutzt?« Er hatte das Schild von Good Hands Massage neben der Tür hängen sehen. 

»Ja, sie nutzt einen der Räume für ihre Arbeit. Ich glaube nicht, dass sie hier sonderlich viele Klienten hat, weshalb ihre Sprechzeiten begrenzt sind.« 

»Sie könnten erfragen, wie sie ihre Termine verwaltet. Vielleicht würde die Unternehmensvereinigung zustimmen, einen Verwaltungsassistenten für Sie beide einzustellen, jemanden, der die Termine vereinbart und den Papierkram erledigt.«

»Das wäre eine Möglichkeit«, sagte Lorenzo. »Ich füge das meinen Notizen hinzu. Ich werde meine Anliegen morgen der Vereinigung und dem Konsulat vortragen.« 

Monty sprach schließlich den Hauptgrund an, weshalb er Lorenzo aufgesucht hatte. »Sie hatten zuvor bereits mit den Cassandra Sangue zu tun. Kaum sahen Sie Miss Corbyns Narben, wussten Sie, was sie ist.«

»Ich habe früher schon Mädchen wie sie getroffen.« Lorenzo schaute Monty lange an. »Meg Corbyn ist deutlich gesünder und zurechnungsfähiger als die Mädchen, die ich behandelt habe, als ich noch Assistenzarzt gewesen bin. Wo auch immer sie vorher gewesen ist, die Menschen dort wussten genau, wie man sich um sie kümmert.«

»Von dem, was man mir sagte, beinhaltete diese Pflege Zwangsunterricht, Zwangsschnitte und keinerlei Wahlmöglichkeit, das Leben wirklich auszukosten. Ja, die Mädchen waren in Sicherheit, aber sie wurden benutzt, damit jemand Profit aus ihnen schlagen konnte.«

»Das ist in etwa das, was Meg Corbyn auch mir berichtete, als der Wolf mir während ihres Krankenhausaufenthaltes erlaubte, mit ihr zu sprechen«, antwortete Lorenzo. »Aber auch die Mädchen, die ich zuvor gesehen hatte, lebten in einer kontrollierten Umgebung, einem privat geführten Haus, das an eine Schule angegliedert war. Ich bin mir nicht sicher, ob es den Cassandra Sangue möglich ist, ohne ein überwachtes Leben zu überleben. Selbst unter Aufsicht schneiden sich einige von ihnen, bis sie dem Wahnsinn verfallen oder sterben.« Er hielt inne. »Es gibt dort draußen eine Gruppe von Menschen, die eine Gefahr für sich selbst darstellen, und ich möchte ihnen helfen. Diese Mädchen brauchen jemanden, der sich mit Sorgfalt um sie und ihren Hang zum Schneiden kümmert. Aber leider gibt es viel zu wenig Informationen.«

»Dieser Mangel an Informationen könnte dazu beitragen, dass die Menschen davon abgehalten werden, Gruppeneinrichtungen zur Unterstützung der Mädchen aufzubauen«, sagte Monty. »Ich kann mir vorstellen, dass viele Wohlfahrtseinrichtungen geschlossen wurden, weil zu viele Mädchen durch die Schnitte den Tod fanden.«

Lorenzo nickte. »Einen direkten Zugang zu Meg Corbyn zu haben, könnte der erste Schritt dazu sein, auch den anderen Mädchen ein längeres und gesünderes Leben zu verschaffen.«

Nachdem er Lorenzo für sein morgiges Treffen viel Glück gewünscht hatte, verließ Monty das Gebäude, zog sein Handy aus der Tasche und rief Kowalski an. Nach der Zusicherung, dass der jüngere Mann sich mit ihm treffen würde, ging er in Richtung des Cafés. 

Er betrat den Laden durch den Hintereingang und begrüßte Tess, eine Terra Indigene und die Geschäftsführerin von A Little Bite. Während er sie dabei beobachtete, wie sie Kekse und Törtchen auf der Anrichte positionierte, überlegte er, ob überhaupt jemand hereinkommen und sie kaufen würde. 

»Was passiert mit dem Essen, das am Tagesende übrig bleibt?«, fragte er.

»Normalerweise wird das, was nicht am nächsten Tag wiederverwendet werden kann, weitergegeben«, antwortete Tess. »Meat-n-Greens bekommt ein bisschen etwas, um es im dort angebotenen Abendessen zu verarbeiten. Der Rest wird zwischen den Gards aufgeteilt und zurück zu den Komplexen gebracht, wo jeder, der möchte sich daran bedienen kann.«

Im Flur erklangen Schritte.

Tess senkte ihre Stimme. »Und an einem Tag wie heute, wo nur für Anwohner geöffnet ist, werden neugierige Terra Indigene, die schon immer wissen wollten, wie es in einem Café so ist, nur der Erfahrung wegen kommen.«

Wie viele der Anderen würden das Café nicht betreten, nur weil es für Menschen geöffnet war? Ärgerten sie sich über die menschlichen Angestellten, die am Marktplatz arbeiteten und dort einkaufen durften? Oder lag es eher an der Menge? Eine Handvoll Menschen stellte keine Gefahr dar und konnte aus diesem Grund geduldet werden, aber ein mit Menschen gefüllter Laden war ein Ort, den man besser mied? 

Fühlten sich die Terra Indigene, die im Courtyard lebten und arbeiteten, unter Druck gesetzt, weil sie Tag für Tag von Feinden umgeben waren? Oder empfanden sie eine Art von Erleichterung durch das Wissen, dass immer einige ihrer Spezies einen Kampf überleben würden, da sie so verheerend tödlich waren?

Und was sagte das über Simon Wolfgards beispiellose Entscheidung aus, neben der menschlichen Verbindungsperson noch weitere Menschen im Courtyard an der Seite der Anderen zu dulden? 

Er sah sie das Cafés betreten – sechs Männer und zwei Frauen. Der Farbgebung nach zu urteilen, besaßen drei der Männer die bernsteinfarbenen Augen der Wölfe, ein Mann und eine Frau hatten die schwarzen Haare und Augen der Krähen und er konnte nicht sagen, ob die anderen zu den Habichten, Eulen oder einer ihm unbekannten Art der Erd-Ureinwohner gehörten. 

»Ich werde Ihre Gäste nicht stören«, sagte Monty leise. »Ich warte einfach draußen auf Officer Kowalski.«

»Bleiben Sie«, sagte Tess. Es war mehr eine Aufforderung als eine Bitte. 

Monty zögerte einen Augenblick, setzte sich aber dann mit einem kurzen Nicken in Richtung der Gruppe, die noch immer nahe dem hinteren Flur zusammengedrängt stand, an einen Tisch in der Nähe des Torbogens, der in den Howling Good Reads führte. 

Tess deutete auf die anderen Tische. »Setzt euch.«

Achtsam, den Blick immer auf ihn gerichtet, teilte sich die Gruppe auf Tische auf, die so weit wie möglich von dem seinen entfernt standen. Sie alle wählten Stühle, von denen aus sie ihn im Blick behalten konnten.

Kowalski öffnete die Eingangstür und trat ein. Er warf den Anderen einen überraschten Blick zu, mit dem er Montys Verdacht bestätigte, dass es sich bei ihnen um keine Terra Indigene handelte, die sich den Menschen im Courtyard normalerweise zeigten. Er nickte ihnen zu, ehe er sich zu seinem Lieutenant gesellte. 

Tess brachte ein Tablett an ihren Tisch. Sie stellte ihnen zwei Tassen Kaffee hin, dazu eine kleine Zuckerschale und ein Kännchen mit Sahne. Ebenso gab sie ihnen Besteck und Servietten. Dann reichte sie ihnen beiden ein schweres Stück Papier, auf dem das Menü abgedruckt war.

Ohne Zweifel beabsichtigte Kowalski, einen Kommentar darüber abzulassen, dass man ihm eine Speisekarte gereicht hatte, doch als sein Blick auf Tess’ Haare fiel, das bereits von grünen Strähnen durchzogen war und sich zu kräuseln begann, schloss er seinen geöffneten Mund wieder

»Unsere Sandwiches gibt es heute entweder mit Rinderscheiben oder Huhn. Außerdem habe ich eine Quiche mit einer Beilage aus frischen Früchten zubereitet«, sagte Tess. »Diese Speisen gibt es zusätzlich zu allem, was Sie im Menü finden können.«

Wir dienen als Demonstration, erkannte Monty. Ein lebendiger Lehrfilm, der zeigt, wie man sich in einer bestimmten Situation zu verhalten hat. Deshalb wollte Tess, dass wir bleiben. »Ich hätte gerne die Quiche und frisches Obst.«

Als Tess zu Kowalski sah, sagte Karl: »Ich hätte gerne das Rindersandwich.«

»Möchten Sie eine Schale mit frischem Obst dazu?«, fragte Tess.

»Ja bitte.«

Merri Lee kam aus dem Lager und stellte sich hinter die Theke. Die Augen der menschlichen Frau waren umschattet. Vermutlich lag es am Schlafmangel. Wie auch Heather Houghton, war Merri Lee Studentin an der Universität von Lakeside und Monty konnte sich noch genau an die langen Nächte erinnern, in denen er für eine Prüfung gebüffelt oder an einer Arbeit geschrieben hatte, deren Abgabetermin am nächsten Tag war. 

Also konnte es nur am Schlafmangel liegen. Oder doch an etwas anderem? Da Karl sich bemühte, unbekümmert auszusehen, würde er später herausfinden, ob seinem Officer etwas zu Ohren gekommen war.

Tess nahm die Bestellungen der Terra Indigene auf und half dann Merri Lee dabei, die Gäste zu bedienen. 

Sie beobachteten ihn, diese Wölfe und Krähen und die anderen. Sie beobachteten, wie er eine Serviette auf seinem Schoß ausbreitete, und dann, nach kurzem Zögern, taten sie dasselbe. Sie beobachteten, welches Besteck er benutzte und welche Speisen man mit den Händen essen konnte wie Karls Sandwich. Sie beobachteten, wie Merri Lee durch den Laden lief, um Kaffeetassen und Wassergläser aufzufüllen. 

Sie sahen zu. Und während er Karl dabei zuhörte, wie der von den Trainingsgeräten des Run & Thump und dem Buch redete, auf das seine Verlobte Ruth wartete, wurde Monty langsam klar, dass diese Terra Indigene nicht aus dem Courtyard stammten. Zumindest nicht aus diesem Courtyard. Vielleicht hatten sie Fleisch und Erzeugnisse geliefert und sich überlegt, für einen kleinen Zwischenstopp im Café zu halten, ehe sie wieder nach Hause fuhren. Vielleicht waren sie wegen einer Besprechung mit Simon Wolfgard hier. Vielleicht kamen sie aus einer der Siedlungen in den Wilden Gebieten, wo sie nur wenig oder keinen Kontakt mit Menschen hatten.

Wer auch immer sie waren und wo auch immer sie herkamen, das Café war nicht die einzige neue Erfahrung, die sie hier machten. Allein sich mit Menschen zu umgeben, war etwas, das sie noch nie getan hatten. Zumindest hatten sie das noch nie ohne die Absicht getan, die Menschen zu töten und zu fressen. Jetzt waren sie hier, tranken ihren Kaffee, aßen Gebäck und Sandwiches, während sie auf Merri Lees freundliche Kommentare mit kurzen, überdeutlich ausgesprochenen Worten antworteten, wie Reisende, die einen fremdsprachigen Sprachführer zur Kommunikation verwendeten. 

Würden sie danach zu Howling Good Reads gehen und dort Bücher einkaufen, um den Umgang mit menschlichem Geld zu lernen? 

Zum ersten Mal, seit er in das A Little Bite kam, gab Tess ihnen eine Rechnung. Sich immer mehr wie ein Akteur in einem Schauspiel fühlend, weigerte sich Monty, Kowalskis Angebot, die Hälfte zu übernehmen, anzunehmen. Tess brachte ihnen das Wechselgeld und Kowalski und er diskutierten über den korrekten Prozentsatz für das Trinkgeld. Sie erhoben ihre Stimmen nicht. Tatsächlich sprach er sogar leiser als sonst. Aber er wusste, dass jeder einzelne der Terra Indigene ihre Worte ausmachen konnte. 

Es war eine Erleichterung, den Laden zu verlassen und sich in den Streifenwagen zu setzen. Kowalski ließ den Motor laufen, doch er legte keinen Gang ein.

»Das war seltsam«, bemerkte Kowalski. »Ich erinnere mich daran, dass mein Vater einige von uns Kindern zu einer Eisdiele mitgenommen und so ziemlich dasselbe getan hatte – wir sprachen über Trinkgelder und er erinnerte uns an das korrekte Verhalten, das wir auf dem Weg dorthin besprochen hatten. Mit dem Unterschied, dass keines der Kinder, die er unterrichtete, ihm den Arm hätte abbeißen können, hätte ihnen etwas nicht in den Kram gepasst.«

»Haben Sie sich jemals gefragt, wie die Anderen sich die Lehrer aussuchen, die ihnen zeigen, wie man sich menschlich verhält?«, fragte Monty.

Karl bedachte ihn mit einem argwöhnischen Blick. »Sie sind niemals menschlich, Lieutenant. Sie imitieren uns nur, um zu bekommen, was sie wollen.«

Monty nickte. »Ja. Sie imitieren. Sie haben recht. Sie werden niemals menschlich sein. Aber mir kam der Gedanke, dass es darauf ankommt, wen die Anderen sich als Vorlage aussuchen. Diese Person bestimmt, ob sie die gute oder die schlechte Seite eines Menschen nachahmen.«

Karl seufzte. »Das macht uns dann wohl zu Vorlagen