Invicto – Unbezwingbar - Marcos Vázquez - E-Book
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Invicto – Unbezwingbar E-Book

Marcos Vázquez

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Beschreibung

Die Qualität unseres Lebens hängt entscheidend vom Zustand des Geistes ab. Die meisten Menschen sind nicht in der Lage, ihre mentale Kraft auf Ziele auszurichten, die sie wirklich erreichen möchten. Sie werden abgelenkt, sind frustriert. Sie schaffen es nicht, Versuchungen zu widerstehen und trotz widriger Umstände auf Kurs zu bleiben. Ihre Träume und Ziele geben sie irgendwann auf. Glücklicherweise können wir unsere Art zu denken trainieren und auf die Erfahrung und Weisheit einiger der klügsten Köpfe aller Zeiten zurückgreifen. Stoiker wie Seneca, Epiktet und Marcus Aurelius werden zu unseren persönlichen Mentoren. Dieses Buch ist kein einfacher Leitfaden zur Optimierung der eigenen Gewohnheiten. Es geht vielmehr um das große Ganze: die Entwicklung einer eigenen Lebensphilosophie, einer individuellen Haltung zum Leben mit praktischen Umsetzungsvorschlägen. Die Kombination aus klassischer Philosophie und moderner Hirnforschung ergibt schließlich ein mächtiges mentales Arsenal, das hilft, die eigene Lebensqualität entscheidend zu verbessern.

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Seitenzahl: 271

Veröffentlichungsjahr: 2022

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MARCOS VÁZQUEZ

INVICTO UNBEZWINGBAR

Mit dem Mindset der Stoiker und der modernen Psychologie zu mehr Klarheit, Erfolg und einem erfüllteren Leben

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de/ abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

Wichtige Hinweise

Dieses Buch ist für Lernzwecke gedacht. Es stellt keinen Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung dar und sollte auch nicht als solcher benutzt werden. Wenn Sie medizinischen Rat einholen wollen, konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt. Der Verlag und der Autor haften für keine nachteiligen Auswirkungen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Informationen stehen, die in diesem Buch enthalten sind.

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

4. Auflage 2025

© 2022 by FinanzBuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Die spanische Originalausgabe erschien 2020 bei Salud Salvaje SL unter dem Titel Invicto. Logra Más, Sufre Menos. © 2019 by Fitness Revolucionario. All rights reserved.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.

Übersetzung: Maximilian Breböck

Redaktion: Caroline Kazianka

Umschlaggestaltung: Karina Braun in Anlehnung an Aner Hernandez

Umschlagabbildung: Shutterstock: FreshIcons; moon_lake

Grafiken im Innenteil: Aner Hernandez www.fawno.com

Satz: Satzwerk Huber, Germering

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-95972-559-0

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-98609-065-4

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.finanzbuchverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de.

INHALT

ÜBER UNBEZWINGBAR

Die Struktur dieses Buches

KAPITEL I – DIE STOISCHEN PRINZIPIEN

Das gute Leben

Das tugendhafte Verhalten

Vorteile der Anwendung stoischer Tugenden

Die Ausgeglichenheit

Starke Gefühlsregungen

Die Dichotomie der Kontrolle

Amor Fati

Das Gute, das Schlechte und das Gleichgültige

Anstreben, aber akzeptieren

Geld, Ruhm und Macht

Genuss und Begierden

Schmerz und Leiden

Die Genügsamkeit

Die Freiheit

Die Achtsamkeit

Was bedeutet es, ein Stoiker zu sein?

Stoizismus für Führungspersonen

Es gibt nicht »die Stoiker«

Die stoischen Werkzeuge

Kognitive Verhaltenstherapie

Der Prozess

Den Weg wählen

KAPITEL II – MIT KLARHEIT VISUALISIEREN

Begreife deinen Verstand: vom Reiz zur Reaktion

Beherrsche deine Emotionen

Angst

Besorgnis

Wut

Scham

Reue

Neid

Gier

Kognitive Verzerrungen/Dissonanz

Die Selbstgespräche verbessern

Definiere deine Werte

Lege deine Absichten und Werte fest

Ermittlung der eigenen Werte

Lege deine Ziele fest

Weder stur noch wankelmütig

Stelle einen Plan auf

Von Handlungen zu Gewohnheiten

Kontrolliere deinen Fortschritt

Akzeptiere die Unsicherheit

KAPITEL III – MIT ENTSCHLOSSENHEIT HANDELN

Nimm dir die Zeit

Hast du wirklich keine Zeit?

Fokus und Aufmerksamkeit

Ablenkungen vermeiden

Lerne, Nein zu sagen

Besiege die Prokrastination

Erinnere dich an dein Ziel und konkretisiere deinen Plan

Klein anfangen

Die Messlatte niedriger legen

Trotz deiner Gefühle handeln

Dein Handeln planen

Sich selbst belohnen

Finde Gleichgesinnte

Variiere zwischen Aktion und Entspannung

Beachte die Vorbehaltsklausel

KAPITEL IV – MIT DISZIPLIN WIDERSTEHEN

Verzeihe dir deine Fehler

Überwinde Schwierigkeiten

Akzeptiere, was passiert ist

Deine Perspektive ändern

Mach dir deine Fähigkeiten/Stärken bewusst

Die Probleme umwandeln

Gestärkt hervorgehen

Um Hilfe bitten

Widerstehe der Versuchung

Die Unersättlichkeit des Begehrens verstehen

Die Konsequenzen bewerten

Kognitive Distanz erreichen

Die Antwort planen

Die Umgebung ändern

Gehe konstruktiv mit Kritik um

Schätze dich selbst mehr

Bewerte die Kritik und den Kritisierenden

Belehre nicht, sondern geh mit gutem Beispiel voran

Bleibe geduldig

KAPITEL V – DIE STOISCHEN WERKZEUGE

Negative Visualisierung

Lernen, das Unvermeidliche zu akzeptieren

Das verhindern, was man nicht will

Die eigene Reaktion vorbereiten

Negative Effekte abmildern

Die hedonistische Tretmühle vermeiden

Sorgen reduzieren

Memento mori

Die Angst vor dem Sterben verlieren

Klarheit erlangen

Freiwilliger Verzicht

Stärker werden

Abhängigkeit verringern

Schätzen, was man bereits hat

Vorbilder

Kognitive Umstrukturierung

Zerlegung

Mit den Augen eines anderen sehen

Zeit und Raum erweitern

Vogelperspektive

Dankbarkeit

Wiederholung des Gelernten

Vorbereitung und Reflexion

Tagebuch

ÜBER UNBEZWINGBAR

Die Qualität unseres Lebens hängt entscheidend vom Zustand unseres Geistes ab. Wir verbringen jedoch sehr wenig Zeit damit, unsere Gedanken zu verbessern. In der Schule wird uns das auch nicht beigebracht. Wir gehen durch das Leben, ohne wirklich zu verstehen, wie wir unseren Geist idealerweise benutzen sollten. Unser Gehirn ist das raffinierteste Organ des Universums, aber wir wissen nicht, wie es funktioniert.

Die meisten Menschen können ihre mentale Kraft nicht auf Ziele ausrichten, die sie erreichen möchten. Sie lassen sich ablenken, sind frustriert. Sie sind nicht fähig, Versuchungen zu widerstehen und trotz widriger Umstände auf Kurs zu bleiben. Ihre Träume und Ziele geben sie dann irgendwann auf.

Glücklicherweise können wir unsere Art zu denken trainieren und auf die Erfahrung und Weisheit einiger der klügsten Köpfe aller Zeiten zurückgreifen. Genau dabei wird dir dieses Buch helfen. Du wirst lernen, mit Klarheit zu visualisieren, mit Entschlossenheit zu handeln und mit Disziplin deinen individuellen Weg zu verfolgen.

Jeder äußere Wandel setzt eine innere Veränderung voraus. Wenn du deine Figur verbessern möchtest, startet dieser Prozess auf der mentalen Ebene. Ein schwacher Geist wird niemals in der Lage sein, einen starken Körper zu erschaffen.

Dieses Buch wird dich dabei unterstützen, deinen Verstand zur Erreichung deiner Ziele zu nutzen. Es geht auch um deine körperliche Fitness und Gesundheit. Doch tatsächlich reicht es weit über diese Themen hinaus.

Dieses Buch ist kein einfacher Leitfaden zur Optimierung deiner Gewohnheiten. Es geht vielmehr um das große Ganze: die Entwicklung deiner eigenen Lebensphilosophie, deiner individuellen Haltung zum Leben. Damit du künftig mit klarem Blick entschlossen und diszipliniert durch dein Leben navigieren kannst.

Bei dieser inneren Reise hin zu einer produktiveren Sichtweise wirst du von der Weisheit und den Erkenntnissen geistiger Giganten profitieren. Bühne frei für die erfolgreichsten Coaches der Menschheitsgeschichte: die stoischen Philosophen.

Auf den folgenden Seiten wirst du über 2000 Jahre zurückreisen – in eine Zeit, in der die persönliche Entwicklung und eine angewandte Lebensphilosophie im Fokus standen. Du wirst einigen der schlauesten Köpfe aller Zeiten begegnen. Seneca, Epiktet und Marcus Aurelius werden zu deinen persönlichen Mentoren, Ratgebern und Coaches. Sie werden dir Strategien zur Bekämpfung des inneren Chaos vermitteln und dir mentale Orientierung geben, egal wie gut oder schlecht deine Rahmen- oder Ausgangsbedingungen auch sein mögen.

Zwar unterscheidet sich unsere moderne Welt in vielen Bereichen sehr von der Antike, die Probleme der Menschen sind allerdings gleich geblieben. Damals wie heute haben wir Angst und stehen uns selbst im Weg. Wir empfinden Scham, sind wütend, fühlen uns unsicher. Wir kämpfen gegen Ablenkungen und Verlockungen. Wir wollen um jeden Preis Lust erleben und Schmerz vermeiden.

Die stoische Philosophie hat bereits Millionen von Menschen geholfen, besser und erfolgreicher mit all diesen Gefühlen umzugehen. Sie hat große historische Persönlichkeiten und religiöse Strömungen maßgeblich beeinflusst und geprägt.

In den letzten Jahrzehnten erlebt der Stoizismus ein neues goldenes Zeitalter. Wie ein Lauffeuer breitet sich diese äußerst praxisnahe Philosophie aus. In so unterschiedlichen Gebieten wie der Wirtschaft, der Psychologie, dem Spitzensport, der Politik, dem Militär und der spirituellen Praxis kommen stoische Techniken zum Einsatz.

In den letzten Jahren hat die Erforschung des Gehirns große Fortschritte gemacht. Aus einer Vielzahl von Studien ergeben sich neue Ansätze und Strategien zur Verbesserung unserer Kontrolle der mentalen Prozesse. Diese Ergebnisse und Erkenntnisse fließen genauso in dieses Buch ein wie das theoretische stoische Gedankengut mitsamt seinen praktischen Umsetzungsvorschlägen.

Die Kombination aus klassischer Philosophie und moderner Psychologie ergibt schließlich ein mächtiges mentales Arsenal, welches dir helfen wird, deine Lebensqualität entscheidend zu verbessern.

Was bedeutet es aber, unbezwingbar zu werden?

Mehr Klarheit und weniger Angst

Mehr Plan und weniger Trägheit

Mehr Fokus und weniger Ablenkung

Mehr Kontrolle über die Gedanken und weniger emotionale Reaktionen

Mehr Dankbarkeit und weniger Ressentiments und Groll

Mehr Macht über das, was du tatsächlich ändern kannst, und weniger Angst vor Dingen, auf die du keinen Einfluss hast

Mehr Selbstbestimmung und weniger Opferrolle

Mehr Entschlossenheit und weniger Hadern

Mehr Akzeptanz und weniger Sorgen

Dieses Buch wird dir helfen, mehr im Leben zu erreichen und dabei weniger zu leiden. Bist du bereit? Dann lass uns loslegen.

Deine Lebensphilosophie

Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.

MARCUS AURELIUS

Die meisten Menschen verfügen über keine richtige Lebensphilosophie. Sie verbringen ihre Tage damit, vorübergehenden Freuden nachzujagen und jegliches Unbehagen zu vermeiden. Sie sind Sklaven ihrer unmittelbaren Umgebung. Sie lassen sich durch alles Mögliche ablenken, um sich nicht ihrer wahren Lebenssituation stellen zu müssen. Letztlich suchen sie auch nach Ausreden, um der entscheidenden Frage aus dem Weg zu gehen: Will ich wirklich so leben?

Ein Leben ohne eigene Grundsätze ist wie eine Reise ohne Richtung. Ohne internen Kompass folgen wir der Masse und überlassen anderen Menschen die Kontrolle über uns. Wir übernehmen die Werte und Ziele der Gesellschaft, ohne diese jemals richtig infrage zu stellen. Irgendwann sterben wir dann, haben aber nie richtig gelebt.

Der Mensch muss keine Angst vor dem Tod haben, sondern eher vor dem ungelebten Leben.

MARCUS AURELIUS

Die Entwicklung einer persönlichen Lebensphilosophie ermöglicht es dir, dir darüber bewusst zu werden, was wirklich wichtig ist. Zu erkennen, was Priorität hat. Das hilft dir, Schwierigkeiten oder Unsicherheiten zu tolerieren. Du deutest Probleme oder Widrigkeiten als Chancen um. Du erreichst deine Ziele in der Zukunft.

Die meisten Menschen verstehen intuitiv, wie wichtig es ist, eine persönliche Lebensphilosophie zu entwickeln. Allerdings wissen sie nicht, wo und wie sie damit anfangen sollen.

Statt das Rad neu zu erfinden, bauen wir im Folgenden auf einer Philosophie auf, die den Test der Zeit erfolgreich bestanden hat: dem Stoizismus. Diese seit über 2000 Jahren praktizierte Geisteshaltung dient uns als Fixstern und als Ausgangspunkt für deine individuelle Reise.

Was den Stoizismus von anderen Philosophien unterscheidet, ist die praktische Umsetzbarkeit und Integrierbarkeit der Ideen in das eigene Leben. Die Stoiker meditierten nicht täglich stundenlang in einem Kloster. Sie waren Menschen der Tat. Sie waren Unternehmer und Senatoren, Sportler und Kaiser. Sie waren mächtig und einflussreich, aber sie genossen auch die schönen Seiten des Lebens.

Sie perfektionierten ihre Philosophie zu einer Art mentalem Betriebssystem – einem Leitfaden für den Alltag, immer mit dem Blick über den Tellerrand auf das große Ganze. Die Stoiker waren an praktischer Anwendbarkeit mehr interessiert als an grauer Theorie. Daher geht es auch um die konkrete Implementierung der Ideen in deinen Alltag und nicht um ein realitätsfernes theoretisches Studium alter Schriften in einem muffigen Hörsaal.

Das stoische Gedankengut wurde von herausragenden Personen der Zeitgeschichte geprägt, von Kaisern wie Marcus Aurelius bis hin zu Epiktet, einem bedeutenden Philosophen, der seine ersten Lebensjahre als Sklave verbracht hat. Die Prinzipien der Stoa wurden in Gefängnissen und in Palästen getestet. Sie haben sich bewährt und werden von charismatischen Führungspersönlichkeiten auf der ganzen Welt bis zum heutigen Tag angewendet.

Aber bedenke dabei immer, dass du dir eine eigene, auf dein Leben, deine Ziele und Werte zugeschnittene Philosophie aufbauen solltest. Betrachte dieses Buch daher als Inspiration und setze dich kritisch mit den Inhalten auseinander. Integriere das, was für dich Sinn macht, und verwirf den Rest.

DIE STRUKTUR DIESES BUCHES

Unbezwingbar besteht aus fünf großen Hauptkapiteln. Zunächst lernst du die stoischen Grundprinzipien kennen. Aufbauend auf diesem Fundament geht es in drei konkreten Schritten in deinen mentalen Veränderungsprozess.

Du wirst lernen, mit Klarheit zu visualisieren, mit Entschlossenheit zu handeln und mit Disziplin zu widerstehen. Schließlich geht es im fünften Kapitel noch um konkrete Techniken. Die Stoiker setzten immer dann konkrete Werkzeuge ein, wenn es die Situation erforderte oder sie ihre Philosophie in der Praxis üben wollten.

KAPITEL I – DIE STOISCHEN PRINZIPIEN

Du hast die Macht über deinen Geist, nicht über äußere Geschehnisse. Erkenne das, und du wirst Stärke finden.

MARCUS AURELIUS

Stoizismus ist zwar eine äußerst praktische Denkrichtung, aber um sie erfolgreich anwenden zu können, solltest du die Grundideen verstanden haben. In diesem ersten Kapitel lernst du daher die wichtigsten stoischen Prinzipien kennen, die in den folgenden Kapiteln immer wieder auftauchen.

Die stoischen Prinzipien und Gesetze der Veränderung eignen sich universell für alle Lebensbereiche. Du kannst sie sowohl zur Verbesserung deiner geistigen Gesundheit, körperlichen Fitness, finanziellen Lage oder sozialen Stellung einsetzen.

DAS GUTE LEBEN

Der erste und notwendigste Bereich der Philosophie umfasst die Anwendung ihrer Ideen.

EPIKTET

Der Stoizismus versucht, eine der zentralen Fragen der Menschheit zu beantworten: Wie führt man ein gutes Leben?

Die Stoiker betrachteten die Philosophie als Werkzeugkasten, dessen letztendlicher Zweck darin besteht, die sogenannte Eudaimonie zu erreichen, was man mit gelungener Lebensführung, Selbstverwirklichung oder Glück übersetzen kann.

Der Einfachheit halber werden wir Eudaimonie im Folgenden mit Glück gleichsetzen, obwohl unsere moderne Auffassung den von den Stoikern zugeschriebenen philosophischen Sinn des Wortes nicht genau wiedergibt. Es geht um Selbstverwirklichung und persönliche Weiterentwicklung mit dem Ziel, die beste Version von uns selbst zu werden.

Das Glück basiert wiederum auf zwei grundsätzlichen Aspekten: der Tugend und der Ausgeglichenheit.

Die Tugend gibt uns Orientierung bei der Frage, wie wir im Leben handeln sollen. Die Ausgeglichenheit dagegen ist der Geisteszustand, der verhindert, dass wir unnötig leiden oder zum Sklaven unserer Gefühlswelt werden.

DAS TUGENDHAFTE VERHALTEN

Niemals aber sind uns alle Wege auf solche Weise verschlossen, dass kein Raum für ehrenhaftes Handeln bliebe.

SENECA

Blick in dein Inneres. Da ist die Quelle des Guten, die niemals aufhört zu sprudeln, wenn du nicht aufhörst zu graben.

MARCUS AURELIUS

Tugendhaftes Verhalten – bei den Stoikern mit dem Begriff areté umschrieben – ist das wichtigste Anliegen der Stoiker. Sie betrachteten es als notwendige und elementare Voraussetzung dafür, Glück (Eudaimonie) überhaupt erreichen zu können. Das griechische Wort areté bedeutet auch das Streben nach der eigenen Exzellenz. »Erschaffe die beste Version von dir selbst!« – dieser heutzutage häufig gehörten Aufforderung hätten die Stoiker wohl zugestimmt. Allerdings nur dann, wenn mit diesem anspruchsvollen Ziel gleichzeitig auch das Erreichen moralischer Größe verbunden ist.

Dieses Konzept ist keine Erfindung der Stoiker. Es ist vielmehr das Herzstück der philosophischen Schulen von Sokrates und Platon. Der Stoizismus schreibt dem tugendhaften Verhalten jedoch spezifische Merkmale zu, die mit allen anderen Teilen der stoischen Philosophie interagieren und in Verbindung stehen.

Die Stoiker betonten die elementare Wichtigkeit, gemäß unserer Natur zu leben:

Wir haben die Fähigkeit, vorausschauend zu denken und zu reflektieren.

Wir gehen tiefe soziale Verbindungen mit unseren Mitmenschen ein.

Ein Leben in Harmonie mit unseren grundsätzlichen Wesensmerkmalen bedeutet, vernünftig und moralisch zu handeln sowie zu verstehen, dass wir eine soziale Verantwortung haben, anderen zu helfen.

Die Stoiker hoben vier große Tugenden hervor: Weisheit, Gerechtigkeit, Mut und Disziplin. Wir werden uns in Kürze näher mit ihnen befassen.

Vielleicht denkst du gerade: Was bringt es mir im 21. Jahrhundert, tugendhaft zu handeln? Womöglich erscheint dir das unmodern oder sogar antiquiert. Außerdem: Wird das nicht bestraft, wenn ich mir nicht wie die anderen auch die Rosinen herauspicke und nur dann moralisch handle, wenn es meinen Interessen nützt? Ist es somit nicht schlauer, pragmatisch und flexibel mit Moral und Tugend umzugehen? Ein Blick in die Zeitung reicht, um aus nahezu allen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen Vorbilder für diese opportunistische Haltung zu finden. Es scheint, dass jeder nach seinen individuellen Vorteilen sucht in der Hoffnung, dabei nicht ertappt zu werden.

Wenn wir jedoch tiefer in unsere eigene Kulturgeschichte eintauchen, stoßen wir grenzübergreifend auf ähnliche Vorstellungen von Moral und korrektem Verhalten den Mitmenschen gegenüber. Welche Eltern würden schon wollen, dass ihre Kinder irrational, feige, impulsiv oder grausam handeln?

Zweifellos variiert tugendhaftes Verhalten je nach historischem und gesellschaftlichem Kontext. Dinge, die zu Senecas Zeiten als gerecht angesehen wurden, scheinen uns heute nicht mehr nachvollziehbar oder nicht zeitgemäß. Das grundsätzliche Konzept der Gerechtigkeit allerdings ist zeitlos. Es ist in unseren Genen verankert.

Die Stoiker wussten, dass es nicht einfach ist, tugendhaft zu handeln. Doch es ist – vergleichbar mit Sport oder militärischen Übungen – ein Vorgehen, das wir täglich üben und perfektionieren sollten.

An dieser Stelle wird es Zeit, die vier Grundtugenden etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Weisheit

Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.

MARCUS AURELIUS

Man könnte die Tugend der Weisheit auch als die Fähigkeit zusammenfassen, die Realität objektiv und rational wahrzunehmen. In unserer komplexen und verwirrenden Welt ist das gleichbedeutend mit einer Art Super-Power.

Die Stoiker warnten davor, dass vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Und sie ermutigten dazu, den Dingen auf den Grund zu gehen. Dabei bezogen sie sich auch auf die innere Gedankenwelt. Die Inschrift am Eingang des Tempels von Delphi war zugleich prägnant und eindringlich: »Erkenne dich selbst.«

Die gleiche Botschaft vermittelt auch Seneca, wenn er sagt: »Wie du über dich selbst denkst, ist viel wichtiger als das, was die anderen denken.« Im Kapitel II »Mit Klarheit visualisieren« werden wir konkrete Wege kennenlernen, wie wir das in die Praxis umsetzen können.

Sobald du ein klares Bild der Wirklichkeit bekommen hast, hilft dir die Tugend der Weisheit, in jedem Moment deines Lebens die passende Handlung zu wählen oder die adäquate Reaktion zu zeigen. Wir möchten schließlich lieber rationale Entscheidungen treffen, als von emotionalen Stürmen mitgerissen zu werden.

Weisheit ist außerdem eine Grundvoraussetzung dafür, eine klare Trennlinie zwischen Gut und Böse ziehen zu können. Das ist maßgeblich für die Unterscheidung, was innerhalb und was außerhalb unserer Kontrolle liegt. Dahinter stehen zwei elementare Ideen der Stoiker, wie wir bald sehen werden.

Gerechtigkeit

Habe ich etwas für die Gesellschaft getan? Wenn ja, habe ich zu meinem eigenen Vorteil gearbeitet.

MARCUS AURELIUS

Es ist schön, wichtig zu sein, aber es ist wichtiger, herzlich zu sein.

SENECA

Ein Vorurteil gegenüber den Stoikern ist die Vorstellung, dass sie kalt und distanziert seien. Doch nichts ist weiter von der Realität entfernt. Vielmehr fühlen sie eine tiefe soziale Verantwortung. Sie erinnern uns an die Notwendigkeit, anderen Menschen zu helfen.

Wir sollten immer auch die Auswirkungen auf die Gesellschaft, auf das große Ganze berücksichtigen. »Was dem ganzen Bienenstock nicht zuträglich ist, das ist auch für die einzelne Biene nicht gut«, sagte daher bereits Marcus Aurelius.

Als römischer Kaiser und seinerzeit mächtigster Mann der Welt bemühte er sich täglich, ein besseres Leben für sein Volk zu ermöglichen. Frühere Kaiser hatten die Macht des Amtes schamlos missbraucht und wurden zu Tyrannen. Marcus Aurelius dagegen war sich der Verantwortung bewusst, die er den Menschen in seinem Reich gegenüber besaß. Er versuchte zeit seines Lebens, demgemäß zu handeln und anderen zu helfen.

Das bedeutet keinesfalls, dass er keinen zwischenmenschlichen Ärger kannte. In seinen unter dem Titel Selbstbetrachtungen weltberühmt gewordenen Tagebuch-Aufzeichnungen thematisiert er durchaus Dummheit und Arroganz bei seinen Mitmenschen. Gleichzeitig bemühte er sich aber, sich trotz negativer Emotionen aus dem Affekt heraus nicht zu schlechten Entscheidungen hinreißen zu lassen.

Er wollte sich auch nicht von anderen beeinflussen lassen oder gar um deren Zustimmung betteln. Helfen betrachtete er als moralische Verpflichtung, nicht als Mittel zum Zweck. Er wollte zudem nicht von tugendhaftem Verhalten abrücken, um die Wertschätzung seines Volkes zu erlangen.

Die Stoiker betonten, dass gerechtes Handeln nicht bedeutet, sich Auge um Auge für eine erlebte Ungerechtigkeit zu rächen. Tatsächlich sagt Marcus Aurelius, dass die beste Rache darin besteht, sich eben nicht wie der andere zu verhalten.

Mut

Man entwickelt keinen Mut, wenn alles gut läuft, sondern wenn man schwierige Zeiten übersteht und Widrigkeiten trotzt.

EPIKTET

Wer Großes versucht, ist bewundernswert, auch wenn er fällt.

SENECA

Mut war für die Stoiker die Fähigkeit, unabhängig von den Folgen zu handeln. Dabei geht es nicht darum, unnötige Risiken einzugehen oder keine Angst mehr zu fühlen. Vielmehr ist wichtig, trotz aller Angst das Richtige zu tun.

Mut gibt uns die Kraft, physische und psychische Schmerzen und Widrigkeiten auszuhalten. Viele Menschen wagen nur deshalb nichts in ihrem Leben, weil sie fürchten zu scheitern. Und jedes Mal, wenn wir etwas nicht versuchen, steigt die Furcht vor dem nächsten Fehler ein kleines bisschen an.

Die Ängste, die uns von unseren Träumen abhalten, sind dabei oft irreal. Wir machen sie größer, als sie in Wahrheit sind. Das Ziel muss es sein, sie zu kontrollieren, um weiter Fortschritte zu erzielen und auf Kurs zu bleiben. Wir gehen später auf konkrete Strategien ein, die uns helfen werden, unsere Angst vor dem Handeln zu überwinden.

Disziplin

Kein übler Drang des menschlichen Herzens ist so mächtig, als dass dieser nicht durch Disziplin gebändigt werden kann.

SENECA

Bei der vierten Tugend handelt es sich um Mäßigung, Selbstbeherrschung und Willenskraft. Der Einfachheit halber fassen wir diese Begriffe im Folgenden unter dem Wort Disziplin zusammen.

Die Stoiker waren sehr diszipliniert bei dem Streben, ihre Ideen in die Praxis umzusetzen. Sie widerstanden Versuchungen und Ablenkungen.

Obwohl die stoischen Philosophen die Tugend der Weisheit höher bewerteten, erkannten sie, dass Wissen ohne praktische Anwendung nutzlos ist. Disziplin ist auch eine notwendige Voraussetzung für Freiheit. Wenn wir nicht lernen, uns zu beherrschen, werden wir uns mittel- oder langfristig zwangsweise der Autorität anderer Menschen beugen müssen.

Disziplin ermöglicht es dir, Probleme zu überwinden, die zweifellos kommen werden. Denn der Weg zu einer besseren Version deiner selbst ist gepflastert mit Hindernissen. Es wird Zeiten geben, in denen du aufgeben möchtest. In diesen Momenten wird dir Disziplin helfen, auf Kurs zu bleiben.

Die Stoiker betonten auch, wie wichtig es ist, Hindernisse als Chancen umzudeuten. Sie sahen jede Schwierigkeit als eine neue Gelegenheit dafür, ihre Philosophie zu praktizieren. Herausforderungen sind zugleich eine Möglichkeit, äußerst wertvolle Eigenschaften zu entwickeln: Selbsterkenntnis, Belastbarkeit, Frustrationstoleranz, die Fähigkeit, Probleme zu lösen ...

Die Disziplin, das Richtige zu tun und Hindernisse zu überwinden, ist entscheidend dafür, dass du deine Ziele am Ende erreichst. Daher ist Disziplin einer der Schlüsselaspekte in diesem Buch.

VORTEILE DER ANWENDUNG STOISCHER TUGENDEN

Der Lohn einer guten Handlung liegt darin, dass man sie vollbracht hat.

SENECA

Für die Stoiker ist ein tugendhaftes Leben Belohnung genug, aber vielleicht ist das für den einen oder anderen nicht ausreichend. Wir wollen schließlich nicht nur wissen, dass wir das Richtige tun. Wir möchten auch die Ergebnisse erzielen, die wir uns vorgenommen haben.

Glücklicherweise passt das gut zusammen. Die Entwicklung hin zu einem tugendhaften Verhalten ist gleichzeitig der beste Weg, um viele unserer Ziele zu erreichen – egal ob es um den sportlichen, durchtrainierten Körper oder den finanziellen Erfolg geht.

Wenn du dich darauf konzentrierst, Wissen zu erwerben (Weisheit), andere Menschen fair zu behandeln (Gerechtigkeit), trotz Angst zu handeln (Mut) und Hindernisse zu überwinden (Disziplin), wirst du ein überdurchschnittlich gutes Leben führen.

Die Stoiker waren sich bewusst, dass sie durch die gezielte Schulung ihres Geistes und die Beachtung der grundsätzlichen Prinzipien wesentlich leichter Ziele wie Ruhm und Reichtum erreichten, die von der Gesellschaft geschätzt wurden.

Für sie waren das aber nur positive Nebeneffekte, die nicht die eigentliche Hauptmotivation in den Hintergrund rücken sollten.

Kultiviere keine Tugend, nur weil du Nutzen davon erwartest. Obwohl das Handeln mit Tugend viele Vorteile bietet, solltest du nicht danach streben. Dies ist weder die Ursache noch die Folge der Tugend, sondern nur ein Nebenprodukt.

SENECA

Diesen Gedanken sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir unser Leben verändern wollen. Anstatt ständig über das Ergebnis nachzudenken, sollten wir uns auf die Etablierung guter und gesunder Gewohnheiten konzentrieren. Es geht mehr um die aktuelle Handlung und weniger um das entfernte Langzeitziel. Wichtig ist, gute Taten zu vollbringen – uns selbst und anderen gegenüber. Die Grundzufriedenheit zu wissen, das Richtige zu tun, führt zur Verbesserung des eigenen Verhaltens. Die guten Ergebnisse sind dann nur die logische Konsequenz.

DIE AUSGEGLICHENHEIT

Ausgeglichenheit begleitet die Tugend der Weisen.

GAIUS MUSONIUS RUFUS

Je näher man einem ruhigen Geist ist, desto näher ist man seiner Stärke.

MARCUS AURELIUS

Obwohl die Stoiker tugendhaftem Verhalten noch mehr Bedeutung beimaßen, legten sie auch großen Wert auf einen ruhigen Geist. Diesen Zustand beschrieben sie mit dem Begriff ataraxie, was mit Unerschütterlichkeit, Seelenruhe oder Gelassenheit übersetzt werden kann.

Tatsächlich gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Handeln auf einem tugendhaften Fundament und der inneren Ruhe. Seneca stellte fest: »Die meisten Menschen verbringen ihr Leben mit einem schlechten Gewissen und einem verdorbenen Magen.«

Die Stoiker glaubten, dass die Suche nach Gelassenheit zu einem Laster werden kann. So wären sie beispielsweise dagegen, die innere Ruhe mit Beruhigungsmitteln oder Drogen zu erreichen. Ihrer Überzeugung nach hat ein gutes Leben mehr mit konkreten Handlungen als mit Empfindungen zu tun.

Viele Menschen gehen davon aus, dass sie eine Art psychologisches Nirwana erlangen, wenn sie alle ihre Probleme gelöst haben. Sie denken, dass der innere Frieden mit dem Fehlen äußerer Hindernisse zusammenhängt. Das jedoch ist ein Irrglaube.

Probleme gehören immer zum Leben dazu. Sobald wir Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt haben, tauchen schon die nächsten auf. Das Ziel ist somit nicht, alle Stolpersteine ein für alle Mal zu beseitigen. Stattdessen sollten wir danach streben, trotz ihrer Existenz unseren Seelenfrieden zu bewahren.

Stoizismus wird dir helfen, zu innerer Gelassenheit zu gelangen – völlig unabhängig davon, was in der Welt auch passiert. Marcus Aurelius sah seinen Geist als inneren Rückzugsort. Eine Festung, die trotz der Kämpfe außerhalb der Mauern stets stabil und uneinnehmbar bleibt.

Darum, sage ich, ist die leidenschaftslose Seele eine wahre Burg und Festung. Denn der Mensch hat keine stärkere Schutzwehr. Ist er hier geborgen, kann ihn nichts gefangen nehmen.

MARCUS AURELIUS

Auf der anderen Seite wird ein ängstlicher oder aufgeregter Mensch große Schwierigkeiten haben, vernünftig und rational zu handeln. Die innere Ruhe sorgt also dafür, dass wir keine unnötigen Fehler begehen.

Aber was sind die natürlichen Feinde unseres Seelenfriedens? Unsere starken Erregungszustände, auf die wir nun zu sprechen kommen.

STARKE GEFÜHLSREGUNGEN

Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern unsere Vorstellungen und Meinungen von den Dingen.

EPIKTET

Damit bezogen sich die Stoiker auf irrationale oder übertriebene Emotionen, die unsere Vernunft trüben und tugendhaftes Verhalten schwierig machen. Denn es ist kaum möglich, rational zu handeln, wenn man von Begierden, Angst oder Wut besessen ist.

Diese unverhältnismäßigen Emotionen waren für sie die Ursache für einen Großteil des menschlichen Leidens. Vor diesem Hintergrund versteht man, warum die Stoiker der inneren Beherrschung eine so große Bedeutung zugewiesen haben.

Es geht ihnen dabei um Kontrolle, aber nicht um Unterdrückung der Gefühle. Die Gefühle sollen produktiv kanalisiert und die schädlichen Auswirkungen minimiert werden. Die Stoiker wussten, dass unsere Emotionen oft durch angeborene Impulse ausgelöst werden, auf die der Körper unfreiwillig und unbewusst reagiert. Zwar können wir Gefühlsregungen nicht verhindern, das heißt aber nicht, dass wir sie nicht auf dem Weg zu unseren wahren Zielen in den Griff bekommen könnten. Wenn wir aufgeregt sind, schlägt unser Herz schneller. Wenn uns etwas peinlich ist, erröten wir. Diese körperlichen Reaktionen lassen sich nicht vermeiden, können jedoch mit konsequenter Übung deutlich abgemildert werden. Mit anderen Worten: Die Vernunft kann eine physische Emotion nicht verhindern, kann aber helfen, sie zu regulieren und besser in einen Gesamtkontext einzuordnen.

Die Stoiker wollten also nicht aufhören zu fühlen, sondern Werkzeuge entwickeln, um die Auswirkungen negativer Emotionen zu minimieren. Das war wichtige Voraussetzung für sie, um mehr Zeit für die Verfolgung ihrer eigentlichen Ziele zu haben. Indem wir diese geistige Fähigkeit trainieren, verhindern wir es, Opfer unserer Stimmungen zu werden. Mit der Zeit wirst du feststellen, dass dadurch die negativen Emotionen, die dich früher vom Kurs abgetrieben haben, immer schwächer werden und zunehmend ihre Macht über dich verlieren.

Die Stoiker verstanden durchaus den ursprünglichen evolutionären Sinn dieser starken Gefühlsregungen. Sie hielten die Angst an sich nicht für schlecht. Im Gegenteil, denn sie schützt vor gefährlichen Situationen.

Wovor sie dagegen warnten, waren die automatischen und oftmals falschen Reaktionen, die diese Emotionen in uns auslösen. Wenn wir nicht lernen, die Angst zu kontrollieren, werden wir gelähmt und können unsere Ziele nicht mehr erreichen. Beherrschen wir unser Verlangen nach ungesunder Ernährung nicht, dann wird unsere Gesundheit Schaden nehmen.

Die Stoiker rieten dazu, die Art und Intensität jeder Emotion neugierig und wertfrei zu analysieren. Das Ziel ist eine vernünftige und souveräne, keine impulsive Reaktion.

Die starken Gefühlsregungen fassten sie unter dem Begriff pathé zusammen. Den von ihnen befreiten Geisteszustand dagegen als apatheia. Apathie, die deutsche Übersetzung des Begriffs, wird in der Regel mit einer negativen und nicht erstrebenswerten Geisteshaltung gleichgesetzt. Diese Interpretation ist eine der Ursachen dafür, dass Stoiker von vielen Menschen als gleichgültige, begeisterungsarme Menschen angesehen werden. Schaut man jedoch etwas genauer hin, ist das Gegenteil richtig.

Stoiker waren immer engagierte Menschen, die tief in die jeweilige Gesellschaft involviert waren. Ihre Klarheit und ihre disziplinierten Handlungen führten dazu, dass sie nach allgemeingültigen Maßstäben äußerst erfolgreich darin waren, Geld, Ruhm und Anerkennung zu erlangen.

Ihr angestrebter Geisteszustand, die Eudaimonie, das nachhaltige Lebensglück, beruht auf positiven Emotionen wie Nächstenliebe und Dankbarkeit. Für Marcus Aurelius war es erstrebenswert, frei von negativen Gefühlsregungen, aber gleichzeitig voller Zuneigung zu sein.

Im Kapitel II »Mit Klarheit visualisieren« werden wir uns die wichtigsten und häufigsten Emotionen ansehen und von den Stoikern lernen, wie wir zukünftig mit ihnen umgehen können, um ihr Chef zu werden, statt ihr Sklave zu sein. Zwischen dem äußeren Reiz und dem, wie wir darauf reagieren, liegt eine Bandbreite an Möglichkeiten. Normalerweise ordnen wir an dieser Stelle Reize als gut oder schlecht ein. Wenn wir aber unsere Wahrnehmung gezielt verändern, können wir unsere Emotionen in produktivere Bahnen lenken. Nun wird es Zeit, mehr über die sogenannte Dichotomie der Kontrolle zu erfahren.

DIE DICHOTOMIE DER KONTROLLE

Einige Dinge stehen in unserer Macht, andere hingegen nicht. In unserer Macht sind Urteil, Bestrebung, Begier und Abneigung – also alles, was Produkt unseres Willens ist. Nicht in unserer Macht sind unser Leib, Besitz, Ehre, Amt – also alles, was nicht unser Werk ist.

EPIKTET

Der weise Mensch achtet auf die Absicht seines Handelns, nicht auf ihre Ergebnisse. Die anfängliche Handlung liegt unter unserer Kontrolle, aber das Schicksal bestimmt ihr Ende.

SENECA

Wir müssen lernen zu verstehen, was in und was außerhalb unserer Macht liegt. Diese sogenannte Dichotomie der Kontrolle ist ein fundamentales Grundprinzip des Stoizismus und hat große praktische Relevanz für unseren Alltag.

Alles dreht sich dabei um eine zentrale Frage: Auf was habe ich wirklich und unmittelbar Einfluss? Eine der Hauptursachen unserer Unzufriedenheit im Leben ist, unser Wohlbefinden von Dingen abhängig zu machen, die jenseits unserer Macht liegen. Kontrollieren können wir unsere Wahrnehmungen und unser Handeln. Alles andere haben wir nicht in der Hand. Dieses Prinzip bezieht sich auf alle Lebensbereiche, von der eigenen Gesundheit über unseren Ruf bis hin zu unseren Finanzen. Wenn man diesen Gedanken wirklich versteht und konsequent auf sein Leben anwendet, ändert sich vielleicht nicht gleich alles, aber doch vieles zum Positiven.

Bedeutet das also, dass wir keine Kontrolle über unseren Körper oder unsere Gesundheit haben? Ja und nein. Nein, weil wir natürlich entscheiden können, was wir essen und trinken, wie viel wir uns bewegen und ob wir regelmäßig Sport treiben. Und ja, weil es keinen absoluten Schutz vor heimtückischen Krankheiten, schicksalhaften Unfällen oder sonstigen bösen Überraschungen geben kann.

Einige Experten schlagen vor, statt von einer Dichotomie besser von einer Trichotomie der Kontrolle zu sprechen, bei der unterschieden wird, was vollständig und was teilweise in und was komplett außerhalb unserer Kontrolle liegt.

Wenn wir uns näher mit Themen befassen, die wir zum Teil kontrollieren können – wie etwa unsere Gesundheit –, sehen wir, dass sich hier zwei Bereiche ergeben: unsere kontrollierbare eigene Anstrengung auf der einen und das tatsächliche unkontrollierbare Ergebnis auf der anderen Seite.

Eine der wichtigsten Vorgaben der Stoiker ist es, unsere Energie und Anstrengung auf Bereiche und Themen zu konzentrieren, auf die wir einwirken können. Sich dagegen um Dinge zu sorgen, die sich unserer Einflussnahme entziehen, erzeugt nur Angst und Frustration.

Zur Veranschaulichung dieses wichtigen stoischen Grundsatzes dient uns Ciceros Analogie des Bogenschießens. Wenn ein Bogenschütze ein Ziel mit seinem Pfeil treffen möchte, kann er vieles, das dazu nötig ist, selbst bestimmen. Er hat es in der eigenen Hand, wie viele Stunden er im Vorfeld trainiert und an seiner Technik feilt. Darüber hinaus entscheidet er, welchen Bogen er benutzt, wann und wie er ihn spannt und in welche Richtung er zielt. Aber sobald der Pfeil seinen Bogen verlassen hat, kann er nichts mehr tun. Ob er schließlich sein Ziel erreicht, hängt auch vom Schicksal ab. Ein Windstoß genügt, um das Ergebnis zu verändern. Als stoischer Bogenschütze weiß man jedoch, dass gewisse Elemente sowieso außerhalb des eigenen Machtbereichs liegen und einen daher auch nicht beunruhigen müssen.

Im beruflichen Umfeld angewendet ist die Dichotomie der Kontrolle ein sehr leistungsfähiges mentales Instrument, insbesondere in Bereichen, in denen Ablehnung und Fehlschläge häufig vorkommen. Hierzu zwei Beispiele:

Ein Athlet, der nach einer Niederlage enttäuscht zusammenbricht, wird nicht weit kommen. Er sollte das Ergebnis stattdessen als Information betrachten, die ihm hilft, an sich zu arbeiten und sich besser auf den nächsten Wettbewerb vorzubereiten.

Eine Verkäuferin, die bei jedem Nein eines potenziellen Kunden gleich frustriert ist, sollte sich einen anderen Beruf suchen. Eine sinnvolle Reaktion wäre, objektiv zu analysieren, was sie künftig besser machen kann.