Israel 1988 - Damaris von der Heyden - E-Book

Israel 1988 E-Book

Damaris von der Heyden

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Beschreibung

Frühjahr 1988. Pfingstferien. Urlaub? Die Eltern verordnen ihren drei Kindern eine Portion Bildung. Darreichungsform: eine vierzehntägige Pauschal­reise ins Heilige Land. Die Tochter führt Tagebuch. Sie beschreibt Orte und Sehenswürdigkeiten, schildert ihre Eindrücke und hält ihre Gedanken über Land und Leute fest. Es entsteht eine originelle Mischung aus Notizen über Sehenswürdigkeiten und den Ansichten einer Achtzehnjährigen. Heute gewährt die Lektüre dieses persönlichen Textes einen interessanten und unterhaltsamen Blick auf eine ganz normale Israel-Reise vor 30 Jahren.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 48

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Tel Aviv, den 21. Mai 1988

Tel Aviv, Pfingstsonntag, 22. Mai 1988

Nes Ammim, Montag, 23. Mai 1988

Dienstag, 24. Mai 1988

Kinar, Mittwoch, 25. Mai 1988

Donnerstag, dem 26. Mai 1988

Über Freitag, den 27. Mai 1988

Über den Shabbat, 28. Mai 1988

Über den 29. Mai 1988

Über den 30. Mai 1988

Über den 31. Mai 1988

Über den 1. Juni 1988

Über den 2. Juni 1988

Über Freitag, den 3. Juni, letzter Tag

Über den 4. Juni: Abreisetag, Shabbat

Vorwort

Ich erinnere mich:

Mai 1988, Pfingstferien

Meine Eltern hatten für diese Ferien etwas Besonderes geplant: eine Reise nach Israel. Sie waren bereits dort gewesen und wollten auch uns Kindern das Heilige Land zeigen. Wir reisten in der für diese Art Reisen typischen Weise: in einer zusammengewürfelten Gruppe mit einer deutschen Reiseleitung mit kirchlichem Hintergrund, und mit einer israelischen Reiseleitung vor Ort.

Und vor allem mit einem straff durchorganisierten Programm. Das war nicht gerade die Art Urlaub, die bei Jugendlichen Stürme der Begeisterung zu wecken pflegt.

Ich war damals 18, noch ziemlich unreif, und steckte gerade mitten im Abitur. Meine Brüder Tobias und Gregor waren 21 und 16, und wir drei die jüngsten Teilnehmer. Doch die Gruppe war, soweit ich mich erinnern kann, altersmäßig gut gemischt, und es waren noch einige andere junge Erwachsene mit von der Partie. Ich teilte mein Zimmer mit einer jungen Frau, die mich damals recht beeindruckt hat.

Jetzt, dreißig Jahre später, fiel mir mein Reisetagebuch wieder in die Hände.

Beim Lesen denke ich an die Berichte einer Freundin, die erst vor Kurzem in Israel war – und vergleiche. Ich denke an meinen Vater, der vor ein paar Jahren gerne noch einmal dorthin gefahren wäre. Die Reise war schon gebucht – und fiel dann aufgrund von Unruhen kurzfristig aus. Neulich hat er sich einen Bildband über „die Mauer“ in Israel gekauft. Beim Durchblättern denke ich: So sieht das Israel meiner Erinnerungen nun nicht aus – oder etwa doch?

Israel ist ambivalent:

Faszinierend, erschreckend, abstoßend, schön.

Israel ist irgendwie immer präsent: In den Nachrichten, in Reiseprospekten von Supermärkten, in der Kirche, in den Köpfen aller, die sich mit biblischen Geschichten beschäftigen. Und vor allem ist es eins: nicht fassbar, nicht begreifbar. Diese Einschätzung teile ich mit der, die ich vor dreißig Jahren war.

Damals hat die Achtzehnjährige aufgeschrieben, was sie erlebt hat und was sie sich dabei dachte: Sie hat persönliche Erinnerungen eilig in ein Oktavheft gekritzelt, meist zwischen dem vollem Programm und der lästigen Notwendigkeit, auch einmal schlafen zu müssen. Sie hatte dabei nicht im Sinn, den Inhalt des Heftes jemals zu veröffentlichen. Der Satzbau ist nicht geschliffen, und oft versammeln lange Bandwurmsätze so viele Informationen wie irgend möglich auf engstem Raum. Manchmal verschwinden Gedanken mitten im Satz.

Dieses Tagebuch ist banal: Die Beschreibung einer jener üblichen Reisen, wie sie tausendfach unternommen wurden und werden. Und doch scheint es mir es heute wert, aus der Schublade gezogen zu werden: Es zeigt ein kleines Mosaiksteinchen dieses unbegreifbaren Israel, den normalen Touristenalltag im Jahr 1988. Beim Abtippen habe ich der leichteren Lesbarkeit halber die Rechtschreibung sanft den heutigen Gebräuchen angepasst und das eine oder andere Komma durch einen Punkt ersetzt. Erläuterungen, die mir zum Verständnis dieses privaten Textes nötig schienen, habe ich in eckige Klammern gesetzt. Im Original sind Orte und Gebäude, die wir damals besichtigt haben, farbig unterstrichen. Im Druck sind diese kursiv gesetzt. Die Namen der damaligen Mitreisenden wurden geändert.

Kommen Sie mit auf meine vergangene Reise!

Damaris von der Heyden

Dorfen, im Mai 2018

Tel Aviv, den 21. Mai 1988

Abfahrt München Hbf, 9:37 Uhr, ... und ich verstehe wirklich nicht, warum ich um 6 Uhr aufgestanden bin. Wir waren eine ganze Stunde zu früh am Bahnhof. Nur Papa kam erst in allerletzter Minute, und er hatte die Fahr- und Platzkarten. Also: das übliche Chaos. Dafür war die Fahrt halbwegs lustig, und ich habe doch gleich mit dem „Fräulein von Scuderi“ meine Literaturkenntnisse aufgebessert.

Am Flughafen wurden die Eltern reichlich nervös. Allerdings ging meines Erachtens alles ganz gut ab. Sie guckten zwar in alle Koffer, in meinen aber nicht so ausgiebig. (Ich verstehe allerdings nicht so genau, warum, vielleicht wegen meines Charmes.) Offiziell sollte das Flugzeug um 16:35 Uhr starten, aber um diese Uhrzeit saßen wir noch gemütlich im Wartesaal, amüsierten uns (Tobi und ich) und guckten die ganzen fremden Flugzeuge an. Als wir dann dran waren, fiel Mutter erst einmal aus allen Wolken wegen der Maschine. Es war eine alte Boeing 707, die aussah, als würde sie jeden Moment auseinanderfallen (wirklich haarsträubend!). So ca. um 17 Uhr erfuhren wir dann, dass wir eine halbe Stunde Verspätung haben würden. Ob noch oder schon, wurde der eigenen Interpretation überlassen. Fensterplätze waren für uns nicht mehr frei gewesen, aber ich saß neben einem netten Ehepaar, das mich ans Fenster ließ.

Ich weiß nicht, ob ich fliegen unhuman, unnatürlich oder unheimlich finden soll. Angst hatte ich zwar eigentlich keine, aber ich war schon sonderbar beeindruckt. Wenn man so die immer kleiner werdende Landschaft an der großen, unheimlichen Tragfläche vorbeiziehen sieht, kommt man sich vor wie in einem schlechten Trickfilm.

Dann stießen wir durch die Wolkendecke, einen dichten Nebel, und darüber schien natürlich nur die Sonne. Anfangs konnte man durch die hin und wieder aufreißenden Wolken die Erde sehen, aber dann waren wir so hoch, dass sie einfach zu weit weg war. Die Wolken sahen von oben entweder wie Schnee aus, ganz weiß und unberührt, oder wie weiße Watte oder Seifenschaum, richtig einladend zum Hineinspringen.