Ja, ich lebe - aber wie? - Norbert J. Schürgers - E-Book

Ja, ich lebe - aber wie? E-Book

Norbert J. Schürgers

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Beschreibung

"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" forderte Immanuel Kant vor rund 240 Jahren von seinen Zeitgenossen und gab damit dem weltverändernden Projekt der Aufklärung einen entscheidenden Schub. Diese Aufforderung ist heute genauso aktuell wie damals. In diesem Sinne soll die vorliegende Publikation Anregungen geben zum Weiter-Denken, vor allem zum Selbstständig-Denken. Denn Lehrer und Ratgeber sind am Anfang eines Weges richtig und wichtig - aber auf Dauer müssen die "Krücken" weggeworfen werden, dann gilt es, die Richtung selber zu bestimmen. Die Auswahl der Themen dieses Buches richtet sich nicht nach den gängigen Lehrbüchern der Philosophie, sondern sie ist bestimmt durch die Menschen, die in der Philosophischen Praxis des Autors die "Fragen des Lebens" in den vergangenen Jahren eingehend diskutiert haben. Ob Glück, Einsamkeit, Freundschaft, Tod oder Religion - kein Thema ist zu groß, um besprochen zu werden, aber alle sind zu groß, als dass billige Rezepte, schnelle Lösungen oder auch nur eindeutige Antworten gegeben werden könnten. Die über 20 Kapitel sind so angelegt, dass sie nicht aufeinander aufbauen, sondern in sich abgeschlossen sind: Die Leserinnen und Leser können nach Lust und Interesse von vorne nach hinten "springen". Eingeleitet wird jedes Kapitel durch ein ganzseitiges Foto, das in das nachfolgende Thema in manchmal ungewöhnlicher Art einführt. So soll dieses Buch all denen einen Wegweiser bieten, die sich neugierig auf einen verschlungenen, manchmal dunklen Weg machen wollen. Sie alle sollen ermuntert werden, die Oberfläche des Lebens zu verlassen und einzutauchen in eine Welt, die den Menschen erst zum Menschen macht: die Welt der vielen Fragen und der wenigen Antworten!

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Seitenzahl: 94

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Norbert J. Schürgers

Ja, ich lebe - aber wie?

Kleines Buch großer philosophischer Fragen

© 2020 Norbert J. Schürgers

Verlag und Druck:tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

Fotos: N.J. Schürgers

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-19894-4

Hardcover:

978-3-347-19895-1

e-Book:

978-3-347-19896-8

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Wegweiser im Nebel

Inhaltsverzeichnis

1. Warum dieses Buch?

2. Hoffnung ersäuft die Angst

3. Mit dem Staunen fängt alles an

4. Altern ist nichts für Feiglinge

5. Es kämpft jeder seine Schlacht allein

6. Sich den Ängsten stellen

7. Wer rettet die Welt? Eigeninitiative tut not

8. Wahre Freundschaft bewährt sich im Unglück

9. Alles geht nach Wunsch und Wille: das Glück

10. Gott ist tot! Oder doch nicht?

11. Langeweile ist die Halbschwester der Verzweiflung?

12. Ich bin dies Leben müde

13. Ohne Liebe ist nichts zu erreichen

14. Melancholie ist das Vergnügen, traurig zu sein

15. Zuerst kommt das Fressen! Vom Wert der Werte

16. Die Kunst, richtig zu leben

17. Jeder ist sich selber das Schicksal

18. Wozu das Ganze? Frage nach dem Sinn des Lebens

19. Der Tod ist die größte Gegen-Utopie

20. Wir haben nicht zu wenig Zeit

21. Früher war die Zukunft besser

22. Was noch gesagt werden sollte

23. Literaturverzeichnis

24. Philosophische Lebensberatung: „ProPhil“

25. Angaben zum Autor

 

Gedichte und Zitate

o Seneca: Vom Nutzen der Philosophie

o Knut Hamsun: Vom bodenlosen Staunen

o Ulla Hahn: Älterwerden

o Rainer Maria Rilke: Einsamkeit

o Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen

o Friedrich Hölderlin: An die Deutschen

o Hermann Hesse: Das Glück

o Arthur Schopenhauer: Über die vierfache Wurzel

o Neues Testament: Ohne Liebe bin ich nichts

o Arno Holz: Trostlos rieselndes Tropfen

o Friedrich Schiller: Sprüche des Konfuzius

o Bertolt Brecht: An die Nachgeborenen

o Seneca: Halte deine Stunden zusammen

o Friedrich Hölderlin: Lebenslauf

1. Warum dieses Buch?

Eigentlich braucht die Welt kein weiteres Buch. Und die Behauptung ist wahrscheinlich richtig, dass alles schon einmal auf die ein oder andere Weise gesagt wurde. Und dennoch habe ich mich entschlossen, ein paar Fragen und Gedanken, die mir Klienten meiner Philosophischen Praxis „ProPhil“ (*) immer wieder vorgetragen haben, in diesem Buch zusammenzuführen.

Aber die vorliegende Publikation soll natürlich mehr sein als ein Kompendium philosophischer Probleme: sie will Mut machen und Anregungen geben zum Weiter-Denken, vor allem zum Selbstständig-Denken. Denn Lehrer und Ratgeber sind am Anfang eines Weges richtig und wichtig – aber auf Dauer müssen die „Krücken“ weggeworfen werden, dann gilt es, die Richtung selber zu bestimmen.

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ forderte Immanuel Kant vor rund 240 Jahren von seinen Zeitgenossen und gab damit dem weltverändernden Projekt der Aufklärung einen entscheidenden Schub. Diese Aufforderung, die tatsächlich vom römischen Dichter Horaz stammt, ist heute genauso aktuell wie damals.

Die Auswahl der Themen richtet sich nicht nach den gängigen Lehrbüchern der Philosophie, sondern sie ist bestimmt durch die Menschen, die mit mir die „Fragen des Lebens“ in den vergangenen Jahren eingehend diskutiert haben. Ob Glück, Einsamkeit, Melancholie oder Religion – kein Thema ist zu groß, um besprochen zu werden, aber alle sind zu groß, als dass billige Rezepte, schnelle Lösungen oder auch nur eindeutige Antworten gegeben werden könnten.

Die Kapitel sind so angelegt, dass sie nicht aufeinander aufbauen, sondern in sich abgeschlossen sind: Der Leser kann nach Lust und Interesse von vorne nach hinten „springen“. Eingeleitet wird jedes Kapitel durch ein Foto, das auf einer meiner zahlreichen Reisen entstand und das nachfolgende Thema – auf manchmal ungewöhnliche Art - anschaulich machen soll.

So hoffe ich, dass dieses Buch all denen einen Wegweiser bieten kann, die sich neugierig auf einen verschlungenen, manchmal dunklen Weg machen wollen. Sie alle sollen ermuntert werden, die Oberfläche des Lebens zu verlassen und einzutauchen in eine Welt, die den Menschen erst zum Menschen macht: die Welt der vielen Fragen und der wenigen Antworten!

Dr. Norbert J. Schürgers

Nürnberg, im Corona-Jahr 2020

(*) Näheres hierzu siehe am Ende dieses Buches unter: Philosophische Lebensberatung „ProPhil“

Vom Nutzen der Philosophie

„Wer zu einem Philosophen kommt, soll täglich etwas Gutes mit sich nehmen: er soll entweder gesünder oder doch heilbarer nach Hause zurückkehren. Und das wird er auch! Denn das ist die Kraft der Philosophie, daß sie nicht nur denen, die sich ihrer befleißigen, sondern selbst denen, die bloß mit ihr umgehen, nützt. Wer in die Sonne kommt, wird, wenn er auch nicht deshalb gekommen ist, gebräunt werden; wer sich in einem Salbenladen niedergelassen und etwas länger darin verweilt hat, nimmt den Geruch des Ortes mit sich, und wer bei einem Philosophen gewesen ist, der muß etwas mitnehmen, was ihm nützlich ist, auch wenn er gleichgültig dagegen ist. Bemerke wohl, was ich sage: gleichgültig, nicht widerspenstig.“

(Seneca, Vom glückseligen Leben, ca. 50 n. Chr. geschrieben)

Blume in den Karpaten, Slowakei

2. Hoffnung ersäuft die Angst

Niemand von uns ist gefragt worden, ob er leben will.

Niemand von uns wird gefragt werden, ob, wann und wie er das Leben beenden will.

Wir sind – wie alle Menschen vor uns und nach uns – ins Leben geworfen und werden zu einer unbestimmten Zeit wieder aus dem Leben scheiden. Alles Geld und alle Macht der Welt mag dies nicht zu ändern. Auch die moderne Wissenschaft kann vielleicht den Zeitpunkt verschieben – aber die Tatsache nicht grundsätzlich ändern.

Wir wissen nicht, was vorher war und wir wissen nicht, was nach uns kommen wird.

Der Glaube an einen Gott, der uns geschaffen hat und uns nach einem Leben auf Erden zu sich ins außerirdische Paradies holt, rettet viele vor der Verzweiflung, vor der Angst, ins Nichts zu fallen.

Die Fragen „Kann das denn alles umsonst gewesen sein?“ „Muss nicht irgendetwas von uns weiterleben, wenn der Körper wieder zu Staub zerfällt?“ beschäftigen uns, je näher das vermutete Ende rückt.

Doch wenn der Glaube an einen göttlichen Schöpfer und Lenker fehlt, sind Themen wie Alt-Werden, Sterben und Tod, für viele schwarze Löcher, in die wir nicht hineinschauen möchten, ja die wir mit allen Mitteln der Ablenkung zuzuschütten versuchen.

Können Nicht-Gläubige angesichts des unabwendbaren Todes überhaupt glücklich sein?

Von der Philosophie kann man auf diese und ähnliche Fragen durchaus Antworten erwarten. Doch Wahrhaftigkeit ist gerade der Philosophie ein hoher Wert; das heißt in diesem Falle:

Es muss eingestanden werden, dass auch die intensivste Beschäftigung mit einem Problem dieser existentiellen Art nicht notwendigerweise zu einer (alle) befriedigenden Antwort führt. Im Gegenteil: Oft ist das Ergebnis am Ende langer und ernsthafter Überlegungen die Erkenntnis, dass sich zur Ausgangsfrage weitere Fragen gesellt haben – die erhoffte Antwort ist weit und breit nicht in Sicht. Bertolt Brecht hat es in seinem Theaterstück „Der gute Mensch von Sezuan“ einmal wunderbar auf den Punkt gebracht:

„Wir stehen selbst enttäuscht und sehr betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Ja, lohnen sich denn unter diesen Umständen die philosophischen Anstrengungen? Steht am Ende etwa nur viel Lärm um nichts?

Dieser Auffassung kann und muss vehement widersprochen werden. Viele Philosophen sind sogar der Meinung, dass Fragen, wenn sie gut sind, viel wichtiger sind als Antworten, vor allem, wenn sie seicht sind. Und noch etwas kann hier betont werden: auch offene Fragen lassen Teil-Antworten zu, sie zeigen durchaus Wege, aber sie vermeiden die endgültige Festlegung. Nur unseriöse Ratgeber können behaupten, dass sie für die großen Probleme des Lebens Lösungen haben, die womöglich auch noch individuell zugeschnitten werden können.

Nein, das Leben ist viel zu komplex, birgt viel zu viele Rätsel, um eindeutig verstanden werden zu können. Und Unverstandenes, letztlich Fremdes, erzeugt in uns Angst. Verdrängung und „philosophische Verweigerung“ ist fast immer die Folge.

Dabei hat schon der deutsch-jüdische Philosoph Ernst Bloch, der kurz nach Hitlers Machtübernahme 1933 ins Exil gehen musste, knapp und prägnant formuliert: „Hoffnung ersäuft die Angst.“ Der Mensch kann, so Bloch, auch angesichts einer Welt voller Ungerechtigkeit, Armut, Krieg und Verzweiflung die „Hoffnung zum Prinzip“ machen. So kann die Zukunft antizipiert, das „Träumen nach vorwärts“ versucht werden.

Die Schwierigkeit besteht nur darin, diese Haltung trotz aller Widrigkeiten einzunehmen, oder mit Ernst Bloch gesprochen:

„Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen.“

Mazedonischer Kunst-Riese

3. Mit dem Staunen fängt alles an

Nicht wenige Zeitgenossen sind der Meinung, dass die Philosophie sie überfordert. Eine Wissenschaft, die seit mehreren tausend Jahren von den klügsten Köpfen ihrer Zeit betrieben wird – wie kann man sich da anmaßen, mitreden, mitphilosophieren zu wollen? Und tatsächlich: wer zum ersten Mal in einer philosophischen Bibliothek stöbert und dabei an eines der großen Werke von Kant, Hegel oder Heidegger gerät, legt fast immer nach wenigen Zeilen das Buch entsetzt aus der Hand. „Das ist mir zu hoch“ ist dann allenthalben zu hören. Und mancher, der sich tapfer weiter durchbeißt, kommt spätestens nach einigen Seiten zu der traurigen Erkenntnis: „Das hat doch alles mit meinem Leben nichts zu tun!“

So verständlich diese Haltung ist – so falsch ist sie doch: Philosophie ist keineswegs nur die „Geheimwissenschaft“ weniger überragender Denker, die sich in den berühmt-berüchtigten Elfenbeinturm zurückgezogen haben, um die letzten Geheimnisse unserer Welt zu erkunden. Philosophie ist durchaus auch und vielleicht sogar in erster Linie: Beschäftigung mit dem Alltäglichen, mit den Sorgen und Nöten, mit den Hoffnungen und Ängsten der Menschen.

Und philosophisches Denken findet statt, wo es kaum jemand vermutet:

„Das Staunen ist die Einstellung eines Mannes, der die Weisheit wahrhaft liebt, ja es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen,“ schrieb der wohl größte antike Denker Platon vor fast 2500 Jahren, und sein sicherlich nicht weniger berühmter Schüler Aristoteles pflichtete ihm bei mit dem Satz „Staunen veranlasste zuerst – wie noch heute – die Menschen zum Philosophieren.“

Es ist tatsächlich das Kind, das in seinem Versuch, die Welt zu entdecken, zu erobern und zu verstehen, die grundlegenden philosophischen Fragen stellt, wie: Wo war ich, bevor ich geboren wurde? Warum bist du meine Mutter? Warum muss ich sterben? Wo ist der tote Großvater jetzt?

Jeder, der ein Kind großgezogen oder nur einen Enkel hin und wieder zu Besuch hat, könnte ungezählte weitere Fragen beisteuern. Sie alle zeugen davon, dass uns das Staunen über das, was uns umgibt, was uns ausmacht und was uns erwartet, von dem Tag, an dem wir sprechen können, zu echten Philosophen macht. Man könnte auch zugespitzt formulieren: Wir werden alle als Philosophen geboren! Das Problem ist nur, dass wir im Laufe unseres Lebens das Philosophieren verlernen. Das kindliche Staunen wird rasch ersetzt durch das „Fakten-Wissen“ der Erwachsenen. Fragen, die nicht in den Alltag passen oder den Erwachsenen in Verlegenheit bringen, weil er keine zufriedenstellende Antwort zu geben weiß, werden als überflüssig abgewiesen.

So lebt der größte Teil der Menschheit ohne sich die Fragen der Fragen zu stellen. Das Potential wäre seit Kindesbeinen vorhanden – doch die Angst vor der Dunkelheit vertreibt die angeborene Neugierde.

Dabei steht für mich außer Zweifel fest:

Die spannendste Reise, die ein Mensch unternehmen kann, ist die philosophische Reise. Sie beginnt in der frühen Kindheit und endet erst, wenn der letzte Atemzug getan wird.

Vom „bodenlosen Staunen“