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Die unglaubliche, aber wahre Geschichte der paranormalen Ereignisse auf der Skinwalker-Ranch im US-Bundesstaat Utah
Über 50 Jahre lang war eine Ranch in einer abgelegenen Ecke des US-Bundesstaats Utah Schauplatz ungewöhnlicher und furchteinflößender Vorgänge. Kühe verschwanden spurlos oder wurden verstümmelt. Am Himmel kreisten unidentifizierte Flugobjekte. Seltsame Kreaturen, die nicht von dieser Welt schienen, trieben ihr Unwesen. Unsichtbare Objekte und rote Lichtbälle versetzten Viehherden in Panik. Unglaublich wendige, offenbar intelligent gesteuerte Leuchtkugeln waren unterwegs, die Angst und Schrecken verbreiteten und mindestens drei Hunde töteten.
Die Familie, die auf der Skinwalker-Ranch wohnte, lebte in einem ständigen Belagerungszustand, hatte aber nicht die geringste Ahnung, wer ihr Feind war. Den zahllosen paranormalen Ereignissen, die sie umgaben, standen die Menschen völlig ratlos gegenüber. Konnte vielleicht die Wissenschaft Antworten finden?
Unter Führung von Colm Kelleher zieht ein hochkarätig besetztes Forschungsteam auf die Ranch. Es wird eine 8 Jahre währende, verstörende Reise ins Unbekannte. Die Wissenschaftler verbringen Hunderte Tage und Nächte auf dem Grundstück und erfahren viele unheimliche Geschehnisse am eigenen Leib.
Als einziger Pressevertreter darf der Enthüllungsjournalist George Knapp das Team begleiten und dessen Arbeit dokumentieren. Kelleher und Knapp präsentieren hier die spektakulären Ereignisse, die das Team mit eigenen Augen beobachtete, und erörtern, was bahnbrechende Physiktheorien mit den Phänomenen zu tun haben könnten. Ihre Schlussfolgerungen sind alles andere als beruhigend, ja lassen einem die Haare zu Berge stehen.
Jagd auf den Skinwalker öffnet eine Tür zu einer unsichtbaren Welt, die uns alle umgibt. Dieses Buch ist ein Weckruf: Wir alle müssen unsere Vorstellungen davon weit über das hinaus öffnen, was wir bislang zu wissen glaubten.
»Dieses Buch ist bewusstseinsverändernd. Es ist ein Buch, das Sie nie vergessen werden. Vom ersten Kapitel an werden Sie hineingezogen. Es ist, als würde einem die blaue oder die rote Pille angeboten, wie in dem Film Matrix. Dieses Buch ist die rote Pille. Genießen Sie die Lektüre.« Steve Ririe
»Dies ist eine der bewegendsten und überzeugendsten Geschichten über das Unerklärliche, die ich je gelesen habe. Es liefen mir kalte Schauer über den Rücken.« John Sanchez
»Ich habe Gänsehaut, während ich das hier schreibe. Dieses Buch ist packend. Und überzeugend. Ich bezweifle nicht, dass alles, was in diesem Buch steht, passiert ist, und das ist wirklich beängstigend. Es ist geradezu erschreckend zu wissen, dass es einen Ort wie die Skinwalker-Ranch gibt und dass die in diesem Buch beschriebenen Ereignisse tatsächlich passiert sind. Nach meinen Recherchen passieren solche Ereignisse in dieser Gegend bis heute!« Mack Turk
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Für Robert Bigelow und seine brillante, weitsichtige Vision.
Für die Familie Gorman und ihren außergewöhnlichen Mut.
Dieses Buch schildert die merkwürdigen und unerklärlichen Ereignisse, die sich auf einer Ranch im Nordosten des US-Bundesstaats Utah zugetragen haben, sowie die einzigartige wissenschaftliche Untersuchung, die diese Vorkommnisse nach sich zogen. Acht Jahre lang setzte sich ein Team wissenschaftlicher Spezialisten mit einer erschreckenden Realität auseinander, die auf den ersten Blick gegen die bekannten Naturgesetze zu verstoßen schien. Wie sich allerdings herausstellte, stand alles im Einklang mit den neuesten Erkenntnissen der Physik. Auf der Ranch in Utah stießen die Forscher auf eine Welt, in der sich viele Dinge abspielten, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen waren. Doch wie die Forscher rasch feststellen sollten, ließen sich die Ereignisse mit modernsten Instrumenten nachweisen. Die Familie, die auf der Ranch lebte, gewann den Eindruck, ihr Zuhause werde von einer Art Intelligenz heimgesucht, die scheinbar nach Belieben die Wahrnehmung der Menschen, ihre Gedanken und ihre physische Realität manipulieren konnte.
Die Ranch, von der hier die Rede ist, liegt abgelegen in einer ländlichen Ecke Utahs, dennoch sind es bis zur urbanen Metropole Salt Lake City nur knapp 250 Kilometer. Das Grundstück befindet sich mitten in einer Gemeinde gläubiger Mormonen und grenzt an ein Reservat der Ute. Sowohl die Mormonen als auch die amerikanischen Ureinwohner erleben seit über 50 Jahren unfassbare, aber gut dokumentierte Phänomene. Die damit einhergehenden Geschichten und Legenden werden vom Volk der Ute schon seit mindestens fünfzehn Generationen mündlich weitergereicht.
Was Sie hier lesen werden, ist wahr. Ich weiß das, weil ich einige dieser Dinge selbst erlebt habe und bezeugen kann. Alles, was hier geschildert wird, hat sich tatsächlich zugetragen. Gemeinsam mit einem kleinen Team qualifizierter Wissenschaftler und Ermittler habe ich Hunderte Augenzeugen zu diesen seltsamen Vorkommnissen befragt. Unter den Zeugen waren Polizisten, Ärzte, Biologen, Anthropologen, Tierärzte, Pädagogen und ganz gewöhnliche Bürger. Zusätzlich zu den Augenzeugenberichten haben wir faszinierende physische Beweise zusammengetragen, die viele der in diesem Buch dargelegten Geschehnisse stützen. Wir verfügen über Fotos, Videos und Berichte über nachweisliche physische Auswirkungen auf Menschen, Tiere, Geräte, Alltagsgegenstände und die Umwelt. Beobachter mögen das Thema in das Reich des Paranormalen verweisen, aber die involvierten Forscher hielten sich das gesamte Projekt über an streng wissenschaftliche Protokolle.
Einige Namen in diesem Buch wurden geändert, um das emotionale Wohlergehen der Familie zu schützen, die damals die Ranch besaß, und um Schaden von anderen Personen abzuwenden. Wie Sie erfahren werden, musste die Familie schmerzhafte und beunruhigende Ereignisse erdulden, die tiefe psychische Narben hinterließen. Mittlerweile ist die Familie von der Ranch fortgezogen und versucht, mit dem Geschehenen abzuschließen. Darüber hinaus haben wir den Namen eines Arztes und eines Tierarztes ausgelassen, weil die Sorge bestand, das seltsame Thema, mit dem sie sich befassten, könne ihnen bei späteren Beschäftigungsverhältnissen im Weg stehen. Die Forschergemeinschaft sieht es nicht gerne, wenn ihre Mitglieder sich zu weit von Studienbereichen entfernen, die als legitim erachtet werden.
Auch die genaue Lage der Ranch selbst geben wir nicht an, denn wir fürchten, zu detaillierte Angaben könnten Schaulustige und begeisterte Anhänger paranormaler Themen anlocken. Bis zu einem gewissen Ausmaß ist das bereits der Fall, aber die Ranch ist nun einmal Privatbesitz, und die Personen, die die Ranch betreiben, mögen es nicht, wenn Fremde unaufgefordert ihr Land betreten. Überhaupt sind die Menschen in dieser ländlichen Gegend nicht sonderlich angetan, wenn Wildfremde auf der Suche nach paranormalem Kitzel und anderen seltsamen Erfahrungen bei ihnen an die Tür klopfen. Natürlich werden Sie in diesem Buch trotzdem etwas über die Region erfahren, über die Städte in der Nachbarschaft und die Geografie der Ranch, sowie detaillierte Informationen darüber erhalten, wo sich bestimmte Ereignisse abspielten.
Ein mit renommierten Wissenschaftlern besetzter Beirat überwachte die hier geschilderte Studie zur Ranch. Möglicherweise hat es nie zuvor ein so qualifiziertes Team von Mainstream-Forschern gegeben, das sich an einer derart ausführlichen Studie zu anomalen Phänomenen beteiligt hat. Das Gremium gab vor, dass für die Dauer der Studie die allgemeingültigen wissenschaftlichen Grundsätze und Abläufe einzuhalten seien. Das Problem daran war: Wir hatten es mit jemandem oder etwas zu tun, der oder das sich weigerte, nach den Regeln der Wissenschaft zu spielen. Daher wurde mir schnell klar, dass wir – obwohl mir durch meine Ausbildung die Feinheiten minutiös erstellter Experimentprotokolle in der Immunologie, der Biochemie und der Zellbiologie vertraut sind – die bewährten Methoden für wissenschaftliche Experimente und das Arbeiten unter Laborbedingungen kreativ anpassen mussten. Wir sahen uns gezwungen, unsere wissenschaftliche Arbeit in einer Zwischenwelt durchzuführen, in der an Lehrbuchmethoden kaum noch zu denken war.
Der Bericht in diesem Buch stammt ausschließlich von mir und repräsentiert keineswegs die Meinung meines damaligen Arbeitgebers oder anderer Mitglieder des Forschungsteams. Diese eigenartigen, manchmal furchteinflößenden und oft verstörenden Ereignisse sind meiner Meinung nach deutlich mehr als ein Potpourri unzusammenhängender und unfassbarer Seltsamkeiten. Letztlich glaube ich, dass diese massive Bündelung »paranormaler« Aktivität für uns alle ein Fingerzeig sein könnte, der ein neues Verständnis der physischen Realität mit sich bringt – ein Thema, das bereits auf den höchsten Ebenen der Wissenschaft erörtert wird.
Wie es scheint, ist die Welt deutlich größer, weitaus seltsamer und viel komplizierter, als es sich die meisten von uns vorstellen können.
Colm Kelleher
Wenn ein Wissenschaftler oder ein Journalist beschließt, sich seriös mit Ufos oder anderen sogenannten paranormalen Themen zu befassen, gefährdet er damit sein berufliches Renommee. Das musste ich am eigenen Leib erfahren.
In meinen 25 Jahren als Investigativreporter, Fernsehmoderator und Zeitungskolumnist in einer der dynamischsten Städte der Welt hatte ich das Glück, über alles berichten zu dürfen – von ganz kleinen Geschichten bis hin zu großen Reißern. Ich hatte es mit fast allen zu tun: Mafiosi, Berufskillern, Casinomogulen, korrupten Politikern, Drogenhändlern, Waffenschmugglern, Autobombern, bezahlten Brandstiftern, Pornokönigen, kriminellen Bikergangs, korrupten Polizisten, Umweltverschmutzern, Tierschändern, Geldwäschern, Schwindlern, Betrügern, Luden, Perversen und allen nur erdenklichen Arten von Abschaum. In meinem persönlichen Umfeld gelte ich allgemein als seriöser Journalist. Das erwähne ich nicht, weil ich damit angeben will, sondern als Referenz. Ich habe über praktisch jedes nur denkbare Thema geschrieben, aber es ist gut möglich, dass ich in meiner Heimatstadt als der »Ufo-Reporter« in Erinnerung bleiben werde. Für viele meiner Kollegen aus den Medien macht mich das mehr oder weniger zu einem Spinner.
Offiziell wurde ich 1989 verrückt. Damals produzierte ich fürs Fernsehen eine mehrteilige Reportagenreihe über Ufos und den geheimnisumwobenen Luftwaffenstützpunkt, der der Welt mittlerweile als »Area 51« bekannt ist. Die Zuschauer reagierten begeistert. Meine Kollegen in den Medien dagegen waren überhaupt nicht angetan. Aus irgendeinem Grund trieb sie diese ernst gemeinte Berichterstattung über ein »Grenzthema« auf die Palme. Ich kam an den Pranger und erntete von allen Seiten Hohn und Spott.
Andere TV-Moderatoren machten sich lustig und fielen in ihren Plauderrunden zwischen den Beiträgen mit bissigen Seitenhieben über mich her. Radiomoderatoren machten Scherzanrufe oder nahmen Parodien auf (»Fool on the Hill« von den Beatles beispielsweise wurde zu »Boob on the Tube«). Die Zeitungen waren gnadenlos in ihrer Kritik. Wie nicht anders zu erwarten, ließen die Kolumnisten alle möglichen »witzigen« Bemerkungen vom Stapel, von Bigfoot über Elvis bis hin zu E. T., der nach Hause telefonieren müsse. Ein Medienkritiker schrieb, er rase jeden Abend nach Hause, um meine Reportage zu sehen. Das habe nichts mit seinem etwaigen Interesse an Ufos zu tun, ihm ginge es vielmehr um den unvermeidlichen Augenblick, in dem ich »vor laufenden Kameras komplett durchdrehe«. Ein Zeitungsschreiber kürte mich wegen meiner Berichte über angebliche Entführungen durch Außerirdische zum »Hohepriester der Kirche der Kosmischen Proktologie«. Derselbe Autor tat später seine Meinung kund, mein Interesse an Ufos beschädige den Ruf anderer Enthüllungsjournalisten. Also krönte mich die Redaktion zum »größten Wichtigtuer« der Stadt – an einem Ort wie Las Vegas keine geringe Leistung.
Nevadas größte Tageszeitung machte mich zum Thema von gleich drei Cartoons, die, wie ich zugeben muss, ausgesprochen witzig waren. In einem bin ich – etwas stattlicher gezeichnet, als es der Wahrheit entsprach – zu sehen, wie ich mit einem Schmetterlingsnetz einer fliegenden Untertasse hinterherjage. In einem anderen sieht man außerirdische Meuchelmörder, die auf einem interstellaren Grill zur Erde fliegen, um mich auszulöschen. Der Untertitel des Cartoons lautete »Die Chroniken von Marshmallow-Kopf«. Wessen Kopf da als über Gebühr weich und schwammig hingestellt wird, können Sie sich vorstellen. Grundsätzlich habe ich mir damals gedacht, dass derartige Kritik nun einmal dazugehört, wenn man sich mit solchen Themen befasst. Was sollte ich groß herumjammern? Das wäre doch nur peinlich. Man kann sich nicht ins Rampenlicht stellen und dann darauf hoffen, dass einen alle – insbesondere die Konkurrenz – mit Samthandschuhen anpacken. Dennoch hat es mich überrascht, mit welcher Vehemenz meine Kollegen aus den Medien mich angegangen sind. Schließlich war ich noch immer der Typ, der so viele andere Geschichten produziert hatte. Wie wurde ich über Nacht zum durchgeknallten Ufo-Reporter?
Besonders verblüffend daran war, dass keiner dieser Kritiker auch nur ansatzweise mit dem immensen Fundus an Fakten, Studien und Unterlagen zum Thema Ufos vertraut war. Ihre Meinung zu dem Thema wurde – und wird – in erster Linie von der unspezifischen und nur vage definierten Ansicht geprägt, dass jeder, der sich für fliegende Untertassen interessiert, nicht ganz richtig im Kopf ist. (Das trifft natürlich auf einige zu, aber dasselbe könnte man auch von vielen Journalisten behaupten.) Verstärkt wurde diese Auffassung im Laufe der Jahre von lächerlichen Berichten in der Sensationspresse über kleine grüne Männchen, die im Weißen Haus ein und aus gehen, oder von den schrägen Aussagen von Menschen, die behaupten, sie seien in einer anderen Galaxie geboren worden. Grundsätzlich taten sich Mainstream-Journalisten bislang schwer damit, über die Hirngespinste von Menschen hinwegzusehen, die die Öffentlichkeit suchen oder auf Gewinn aus sind, und stattdessen der Frage nachzugehen, ob vielleicht tatsächlich etwas dahinterstecken könnte. Wenn sie das täten, würden sie nämlich ihre berufliche Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen. Ich hoffe, dass die Mainstream-Journalisten, die dieses Buch lesen, zumindest vorübergehend ihre Voreingenommenheit außer Acht lassen können, denn das Thema verdient meiner Meinung nach eine ernsthafte Prüfung.
Mein überraschender neuer Status als »Ufo-Zuständiger« hatte aber auch seine Vorteile, denn er verschaffte mir die Gelegenheit, erst den bemerkenswerten Bob Bigelow und später Mitglieder aus dem Vorstand des National Institute for Discovery Science (NIDS) und die dort beschäftigten Wissenschaftler kennenzulernen, insbesondere Colm Kelleher. Was auch immer ich an Sticheleien und Konformitätsdruck vonseiten meiner Journalistenkollegen über mich ergehen lassen musste, verblasst neben der beruflichen Verachtung und den verheerenden Folgen für die Karriere, die Kelleher und das restliche NIDS-Team zu erwarten hatten. »Echte« Wissenschaftler beteiligen sich nun einmal nicht an wahnwitzigen Forschungsprojekten. Wenn man als Reporter ein, zwei bizarre Geschichten vom Stapel lässt, wird einem das vielleicht noch verziehen, aber ein Forscher, der Ufos nachjagt oder verstümmeltes Vieh untersucht, setzt alles aufs Spiel. So sollte es nicht sein, aber so ist es nun leider einmal. Aus meiner Sicht macht das die NIDS-Studie zur Ranch in Utah umso erstaunlicher.
Ich war nur ein Beobachter der dortigen Ereignisse, aber auch mich hat die mutige Untersuchung, die Bigelow, Kelleher und die anderen Mitglieder des NIDS-Teams durchführten, bis ins Mark erschüttert. Ich werde die Welt nie wieder so sehen wie zuvor, denn wie Sie nun ebenfalls erfahren werden, ist die Realität beileibe nicht das, was sie zu sein scheint.
George Knapp
»Was ist das?«, wunderte sich Tom Gorman. Er blickte über die Weide hinweg auf ein Tier, das in einiger Entfernung in großen Sätzen auf ihn zukam. Er hielt kurz inne und stellte die schwere Kiste ab, die er gerade vom Truck gehoben hatte. Als ausgebildeter Schütze konnte Tom ausgezeichnet sehen und so auf eine halbe Meile Entfernung erkennen, dass das, was auch immer sich da näherte, groß war. Ein Kojote konnte es nicht sein, dafür war der Körper viel zu groß. Seine Frau Ellen stellte sich neben ihn und sah ihn fragend an. Tom nickte kurz in die Richtung des Tiers, woraufhin sich auch in ihrem Gesicht Verwirrung breitmachte. Das Tier war noch etwa 400 Meter entfernt, und je näher es kam, desto größer wirkte es. »Ein Wolf?«, murmelte Ellen. Nun gesellte sich auch Toms Vater Ed Gorman dazu.
Das Tier war grau, und selbst aus 300 Metern Distanz konnten sie erkennen, dass sein Pelz nass war, weil es durch das feuchte Gras gerannt war. Elegant trabte das Tier in einer Reihe von S-Kurven auf die Familie zu und hielt in etwa 50 Metern Entfernung an. Für einen Wolf war das ein ausgesprochen ungewöhnliches Verhalten, aber dieser Wolf war knapp dreimal so groß wie das größte Exemplar, das Tom bislang untergekommen war. Friedlich blickte die Kreatur auf die Familie.
Unruhig verlagerte Ellen ihr Gewicht und schaute sich um, wo ihre beiden Kinder waren. Die beiden standen schweigend auf der Ladefläche des Trucks und blickten direkt zum Wolf hinüber. »Vielleicht ein Haustier?«, schlug Ed vor.
Lässig und scheinbar unbeteiligt schritt das Tier nun auf die Familie zu. Es war ganz offensichtlich darauf aus, in irgendeiner Form Kontakt herzustellen. Das Tier wirkte völlig zahm. Tom schaute zum Korral hinüber. Dort, etwa 25 Meter rechts von ihm, hatte er gerade einige seiner preisgekrönten Angus-Kälber abgeladen. Sie waren die Vorhut seiner Herde auf diesem Gelände, und einen Augenblick überlegte er, ob es klug gewesen war, sie auf dieses Land zu bringen. Eines der Kälber war neugieriger als die anderen, steckte seinen Kopf durch die Querbalken des Geheges und blickte den Wolf an, der gerade einmal 30 Meter von ihm entfernt war. Die anderen Kälber drängten sich am anderen Ende des Geheges, der strenge Geruch in der Luft machte sie nervös.
Während der Wolf friedlich auf Ed Gorman zutrottete, begann sich ein Geruch von nassem Hund in der Luft auszubreiten. Ed und sein Sohn waren beide über 1,80 Meter groß, und der Wolf reichte ihnen fast bis zur Brust. Unter seinem glänzenden silbergrauen Fell spielten gewaltige Muskeln, die Augen waren von einem schockierenden Hellblau und schienen die Seele zu durchdringen. Ed streichelte das Tier, während es dastand und die Familie betrachtete. Tom fühlte, wie sich ihm die Eingeweide zusammenzogen. Irgendetwas stimmte hier nicht. Selbst ein Wolf, der als Haustier gehalten würde, wäre niemals dermaßen zahm. Ein 100 Kilo schwerer Wolf, der eine Gelassenheit wie ein Zenmönch ausstrahlt? Das passte doch alles nicht zusammen.
Gleichgültig spazierte das Tier vor der Familie auf und ab, sodass Ellen und Ed sich entspannten. Ellen drehte sich um und rief den Kindern zu, sie sollten kommen. Tad und Kate Gorman sprangen von der Pritsche und liefen zu ihren Eltern. Alle redeten gleichzeitig los. Tad schlug vor, den Wolf als Haustier zu behalten.
Doch da war es schon geschehen: Mit einem eleganten Satz hechtete das Tier zum Gehege – und in Sekundenbruchteilen war der Kopf des Kalbs zwischen den kräftigen Kiefern des Wolfs verschwunden. Das Ganze hatte sich so blitzschnell abgespielt, dass die Familie nur gelähmt vor Furcht zusehen konnte. Während der Wolf versuchte, das 150 Kilogramm schwere Kalb zwischen den Gitterstäben des Geheges hindurchzuziehen, muhte es jämmerlich. Als Erstes gewann Tom seine Fassung wieder. Er lief hinüber und trat dem Wolf zweimal kräftig in die Rippen. Gleich danach kam Ed, in der Hand einen Baseballschläger, den er gerade vom Truck geladen hatte. Er legte seine nicht unbeträchtliche Kraft in den Schlag und hieb auf den Rücken des Wolfs ein, während dieser sich gegen das Gitter des Korrals stemmte und weiter versuchte, das unglückselige Kalb herauszuzerren. Das Muhen wurde immer drängender, während der Wolf das Maul des Tiers in einem schraubstockartigen Griff hielt.
»Holt meine Magnum«, rief Tom, während er weiter dem Wolf in die Rippen trat. Mit einem ekelerregenden Geräusch krachten die schweren Stiefel wieder und wieder in den Magen des Tiers, aber dem Wolf schien das überhaupt nichts auszumachen. Tad lief zur Ladefläche, holte die schwere Handfeuerwaffe und brachte sie rasch seinem Vater. Gorman zielte und drückte ab. Der Schuss hallte über das Feld, während die Kugel den Wolf in die Rippen traf. Doch das Geschoss vom Kaliber .357 ließ das angreifende Tier völlig kalt. Es jaulte nicht, es hielt nicht inne, es blutete auch nicht. Rasch jagte Tom dem Tier zwei weitere Schüsse in den Oberbauch. Nach dem dritten Schuss ließ der Wolf langsam und widerwillig das muhende Kalb los. Rasch zog es sich in den hinteren Teil des Korrals zurück, wo es, noch immer muhend und stark aus einer Kopfwunde blutend, zu Boden sank.
Unterdessen stand das gewaltige Biest etwa drei Meter von Tom entfernt, zeigte aber keinerlei Anzeichen dafür, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmte. Tom konnte es nicht fassen – drei Treffer mit einer Magnum hätten den Wolf eigentlich töten oder zumindest schwer verwunden müssen. Doch das Tier gab keinen Laut von sich und blickte Gorman nur gleichgültig an. Die kalten, hypnotisch-blauen Augen schienen ihn zu durchdringen. Er hob die Magnum erneut, zielte sorgfältig und jagte dem Tier in der Nähe des Herzens eine weitere Kugel in den Leib. Der Wolf wich daraufhin etwa zehn Meter zurück, starrte weiter auf die Familie und wirkte noch immer nicht, als hätte ihm irgendetwas Schaden zugefügt.
Tom lief es kalt den Rücken hinab. Die Familie rückte zusammen. Sie alle waren durchaus mit der Durchschlagskraft eines Colt Magnum vertraut. Sie wussten aus eigener Erfahrung, welch schwere Schäden die Waffe anrichtete, aber dieser riesige Wolf hatte nicht einmal gejault, obwohl er gerade aus nächster Nähe vier Treffer hatte einstecken müssen. Es war keine blutende Wunde an ihm zu erkennen. Das Tier wirkte friedlich, blickte aber zurück zum Gehege, als überlege es, ob es einen zweiten Angriff wagen solle.
»Holt mir das Dreißignullsechs«, knurrte Tom durch die Zähne, wobei er das riesige Biest nicht aus den Augen ließ. Tad lief zum Haus und kehrte wenige Sekunden später mit dem großkalibrigen Gewehr zurück. Tom hatte mit dieser Waffe Dutzende Wapitis auf eine Entfernung von 200 Metern und mehr erlegt. Nun legte er auf den gerade einmal 40 Meter entfernten Wolf an. Für einen Sekundenbruchteil tat ihm das Tier leid, dann hallte der Schuss wie ein Donnerschlag durch die Landschaft. Das Geräusch einer Kugel, die auf Fleisch und Knochen trifft, war unverkennbar. Der Wolf wich zurück, blickte Tom aber weiter ganz ruhig an. Toms Mund wurde trocken, kalter Schweiß lief ihm den Rücken hinab. Ellen begann zu weinen. Ed fluchte leise vor sich hin, während er ungläubig den Kopf schüttelte. Eigentlich sollte der Wolf nur noch ein blutender Haufen toten Fleischs sein, stattdessen stand er da, hatte sich nur einige Meter weiter zurückgezogen und schien sich weiterhin bester Gesundheit zu erfreuen.
Tom atmete tief durch und setzte erneut die Waffe an. Er zielte auf den gewaltigen Brustkorb. Die Kugel schoss durch das Tier und riss, als sie wieder austrat, ein größeres Stück Fleisch mit sich, das im Gras landete. Und trotzdem: Der Wolf gab keinen Ton von sich. Mit einem letzten, entspannt wirkenden Blick auf die sprachlose Familie drehte er sich schließlich langsam um und trottete über das Gras fort. Ellen liefen Tränen der Angst über das Gesicht, während sie ihre zwölf Jahre alte Tochter umarmte.
Toms Gesicht war kreidebleich, und nur mit Mühe hatte er seine Stimme im Griff, als er sich seiner Familie zuwandte. »Bleiben wir alle ruhig«, murmelte er heiser, klang dabei aber nicht sonderlich überzeugend. »Ich folge ihm.« Das Tier war mittlerweile knapp 100 Meter entfernt und trabte westwärts über die Weide in Richtung einer dichten Gruppe von Pappeln. Hinter den Bäumen lag ein rauschender Bach. Tad schnappte sich die Magnum, Tom das Gewehr. Die restlichen Familienmitglieder sahen den beiden hinterher, als sie in die Richtung sprinteten, die der Wolf eingeschlagen hatte. Das Tier trottete bloß, legte dabei aber rasch eine große Entfernung zurück.
Wut und Angst stiegen in Tom auf, während er sich antrieb, noch schneller zu laufen. Schon jetzt ging ihm die Luft aus, aber wenigstens schlossen sie zum Wolf auf. Sie sahen, wie das Tier zwischen den Pappeln verschwand und dann im offenen Gelände dahinter wieder auftauchte. Es hielt kurz inne, schüttelte sich die Feuchtigkeit vom Gras aus dem Fell und machte sich dann auf in Richtung Bach. Tad lief still vor sich hin. Er spürte, wie aufgewühlt sein Vater war, konzentrierte sich aber darauf, den Wolf nicht aus den Augen zu verlieren. Der schien wieder schneller zu werden, hatte nun fast 300 Meter Vorsprung und trabte immer noch locker vor sich hin, während er zu einer Gruppe dicht zusammenstehender Ölweiden am Ufer des Bachs gelangte.
Während sie liefen, fiel Tom auf, dass die Spuren des Tiers in dem feuchten Untergrund gut auszumachen waren. Gorman war ein erfahrener Spurenleser und zuversichtlich, dass sie ihm auch durch die dichten Ölweiden würden folgen können. Seine wachsamen Augen registrierten, wie ein silbergrauer Schemen zwischen den Bäumen verschwand. Wenig später folgten Tom und Tad auf der Fährte des Tiers. An manchen Stellen hatte es auf dem weichen Untergrund zwei Zentimeter tiefe Abdrücke hinterlassen – doch von Blut war zwischen den gewaltigen Abdrücken keine Spur.
Während Tom sich durch das Dickicht kämpfte, konnte er das Gefühl der Angst nicht abschütteln, das in ihm aufstieg. Er war langsamer geworden, denn zwischen den Bäumen wuchsen mit Dornen bewehrte Sträucher und andere Pflanzen. Die Spuren waren noch immer deutlich zu sehen. Sie näherten sich dem Bach und hörten das Wasser munter über die Steine plätschern.
In Ufernähe sprangen sie aus dem Unterholz. Tom hielt eine Hand hoch. Tad stoppte und die beiden lauschten. Nichts war zu hören von einem Tier, das sich krachend seinen Weg durch das Dickicht bahnte. Die großen Pfotenabdrücke waren hier und da auszumachen und folgten unbeirrt dem Lauf des Bachs. Tom schätzte, dass sie etwa eine Meile zurückgelegt hatten.
Wenige Minuten später verließen die beiden ihre Deckung im Unterholz erneut und sahen sich etwa 40 Meter vom Wasser entfernt. Sie atmeten auf. Es war anstrengend, sich durch das Waldstück zu schlagen, wenn man sich dabei von den mannshohen dornigen Sträuchern nicht völlig zerkratzen lassen wollte. Schlagartig hielt Tom den Atem an. Er packte Tad am Arm und deutete auf etwas. Direkt vor ihnen waren die Wolfsspuren. Sie waren klar zu sehen und verliefen zum Bach. Etwa 25 Meter von diesem entfernt führten die Abdrücke in ein Stück matschiges Land, und es schien, als sei das schwere Tier dort fast 5 Zentimeter tief in den Schlamm eingesunken. Die tiefen Abdrücke setzten sich 5 Meter weit fort, dann hörten sie auf. Sie waren verschwunden – genau wie der Wolf. Einfach weg. Es war unmöglich, dass das Tier von dieser Position aus 20 Meter weit gesprungen und im Wasser gelandet war.
Langsam und vorsichtig gingen die Gormans weiter. Sie sahen sich die deutlich zu erkennenden Spuren im Schlamm an und versuchten, eine Erklärung für das plötzliche Verschwinden zu finden. Dort, wo die Spur endete, schien der Boden so weich wie in der Schlammpfütze zu sein. Das Tier hatte sich scheinbar in Luft aufgelöst. Tom blickte zu seinem Sohn. Der Teenager war bleich geworden und zitterte, den Tränen nah. Tom selbst war wie vor den Kopf geschlagen. Er hätte seinen Sohn gerne beruhigt, aber eine Erklärung für die Ereignisse hatte auch er nicht. »Am besten gehen wir zurück«, sagte er heiser. »Die Sonne geht bald unter.« Tad nickte stumm und versuchte, seinem Vater nicht zu zeigen, wie viel Angst er hatte.
Auf dem Weg zurück zu ihrem Wohnhaus wechselten die beiden kein Wort. Tom schwirrte der Kopf. Die Familie war gerade aus New Mexico weggezogen, um Abstand von den Wichtigtuern und Kleinstädtern zu bekommen, die sich ständig in ihr Leben eingemischt hatten. Sie hatten sich für Utah entschieden, weil hier die Bodenpreise gut waren. Hier an diesem abgelegenen Flecken im Nordosten Utahs hatten sie ihr Traumgrundstück entdeckt – ein knapp 200 Hektar großes Stück Land, das fast sieben Jahre lang nicht bewohnt gewesen war. Die Vorbesitzer, eine wohlhabende Familie, hatten das Grundstück schlicht aufgegeben und waren nach Salt Lake City gezogen. Zuletzt waren sie nur noch ein paar Mal pro Jahr gekommen, um zu kontrollieren, ob die Zäune intakt waren. Sie waren bereit, den Gormans das Land zu einem fairen Preis zu überlassen.
Die Gormans wussten, dass sie voraussichtlich ein Jahr lang würden hart arbeiten müssen, um alles wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen. Im Norden wurde das Land von einem hohen Felsrücken begrenzt, im Süden vom Bach, im Westen standen viele Zäune. Das Gehöft mit dem Wohnhaus lag etwa eine Meile von der nächsten Straße entfernt und war nur über eine nahezu verborgene Schotterpiste zu erreichen. Kurzum: Der perfekte Zufluchtsort für eine Familie, der viel an Privatsphäre lag und an einem Zuhause, in dem sie sich entspannen und heimisch werden konnte. Nur zu gern hatten die Gormans das Leben in einer Kleinstadt in New Mexico gegen einen Neuanfang in der Mormonengemeinde im ländlichen Utah eingetauscht. Wie der Großteil ihrer neuen Nachbarn gehörten auch die Gormans der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an, wobei man sie nicht als tiefgläubig bezeichnen konnte.
Während sie sich durch das Dickicht zurückkämpften, wurde Tom das Gefühl nicht los, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Hatten sie einen Fehler begangen, als sie diesen Ort kauften? Seine Gedanken rasten, sein Magen zog sich immer stärker zusammen. Er wusste: Heute war etwas geschehen, das völlig unmöglich war. Und das Ganze hatte sich am helllichten Tag und in offenem Gelände zugetragen.
Als er vor seiner Familie stand, fasste Tom rasch einen Entschluss: Er würde ihre Entscheidung, aus New Mexico wegzuziehen, nicht hinterfragen. »Pass auf, Sohn«, wandte er sich an Tad. »Ich kann nicht erklären, was geschehen ist, und ich werde es auch nicht versuchen. Vergessen wir einfach, dass es überhaupt passiert ist, und fahren wir zum Essen in die Stadt.«
Tad rang sich ein Lächeln ab. Er war froh, dass sein Vater zumindest versuchte, Herr der Lage zu bleiben.
Als die Familie Gorman die Ranch das erste Mal sah, raubte ihr die Schönheit des Anwesens den Atem. Die Gormans fuhren die halbe Meile bis zu ihrem kleinen Haupthaus und bewunderten von dort aus das Land, das sich vor ihren Augen ausbreitete: knapp 200 Hektar voller Pappeln, Ölweiden und sattgrünem Weideland, das an einen Bach grenzte. An der Nordgrenze des Grundstücks blubberte ein Bewässerungskanal vor sich hin. Fasziniert erkundete die Familie diesen idyllischen Flecken Erde. Den Haken an der Sache sollten die Gormans erst später entdecken.
Im Norden grenzt die Ranch an einen 70 Meter hohen Bergrücken, der aus rotem Felsen und dem Schlamm besteht, den Jahrhunderte der Verwitterung dort angehäuft haben. Regen verwandelt den Schlamm am Fuß des Felsrückens in eine dicke, schlüpfrige Masse. Direkt neben dem Kanal verläuft über die gesamte Ost-West-Länge des Grundstücks ein schlammiger Weg. Sobald es auch nur tröpfelt, wird das Fahren hier zur reinsten Rutschpartie. Viele Male bläute man den Gormans ein, bloß von diesem Weg wegzubleiben, wenn es zu regnen begann. Mehrmals mussten sie all ihre Fahrzeuge aus dem Kanal ziehen, bevor die Botschaft endlich bei ihnen angekommen war.
Als die Gormans zum ersten Mal über das Grundstück schlenderten, konnten sie ihr Glück nicht fassen. Sie hatten das Ganze für einen sehr anständigen Preis erworben. Man schrieb den Herbst 1994, und viele Bäume trugen noch ihr Laub. Direkt neben dem Gehöft mit dem Haupthaus erstreckte sich fast eine halbe Meile weit westwärts eine große Weide voller Felsen und Bäume. Hier würde man viel machen müssen, aber obwohl das Grundstück heruntergekommen und zugemüllt war, war da doch dieser spektakuläre Blick. Tom war klar: Die kommenden Monate würden hart werden, und es würde vieles erledigt werden müssen, bevor er seine preisgekrönten Rinder zum Weiden auf die Ranch bringen konnte.
Die Familie betrat das kleine Ranchhaus, das ihr künftiges Zuhause sein sollte, und ein Schauder überlief sie: An jeder Tür waren innen wie außen mehrere große Schließriegel angebracht. Alle Fenster waren versperrt, und an jedem Ende des Hauses hingen große Metallketten an riesigen Stahlringen, die fest in die Wand verbaut waren. Offenbar hatten die Vorbesitzer große Wachhunde an beiden Enden des Hauses gehalten. »Wovor in aller Welt hatten sie bloß solche Angst?«, fragte sich Tom.
Die Vorbesitzer hatten das Grundstück in den 1950er-Jahren gekauft, schienen nun aber ganz froh zu sein, es abstoßen zu können. Der Kaufvertrag enthielt auf Wunsch der Verkäufer einige ausgesprochen merkwürdige Klauseln. So war es untersagt, auf dem Land zu graben, ohne die Vorbesitzer darüber in Kenntnis zu setzen. Kein Graben? Was sollte das heißen? Die Gormans beschlossen, einfach darüber hinwegzusehen, es handelte sich doch gewiss bloß um eine bedeutungslose Klausel, die die in die Jahre gekommenen Exzentriker sich da ausgedacht hatten. Sie verdrängten diesen Punkt genauso, wie sie die vielen Schlösser im Haus verdrängten. Wahrscheinlich hing auch das nur mit extremer Paranoia seitens der Vorbesitzer zusammen, oder?
Der Familie war es viel wichtiger, die wunderschöne Umgebung und die Abgelegenheit der Ranch zu genießen und vor allem die Gewissheit zu haben, die Kinder in ländlicher Umgebung großziehen zu können, in der das Wertesystem von harter Arbeit und Familienleben den verhassten Klatsch und Tratsch ablösen würde, der ihnen das Leben in der Kleinstadt in New Mexico so verleidet hatte.
Tad und Kate waren immer Einser-Schüler gewesen. Sie kamen nach ihren Eltern, die ausgesprochen intelligent, gründlich und emsig waren. Tom Gorman hatte als Rancher sehr viel erreicht, und er vereinte gesunden Menschenverstand mit Scharfsinn. Darüber hinaus verfügte er über einen außergewöhnlich gut ausgebildeten sechsten Sinn und verließ sich sehr auf seine Intuition. In Kombination sorgten diese drei Dinge dafür, dass Tom ein ausgesprochen fähiger Rancher war und ihm fast alles, was er tat, gelang. Bei seiner Frau kamen Intelligenz und ein angeborener Geschäftssinn zusammen.
Die Grundlagen der künstlichen Befruchtung von Rindern hatten sich die Gormans angeeignet, indem sie Toms Vater dabei beobachteten und selbst Versuche unternahmen. Noch bevor er mit seiner Familie in den Nordosten Utahs zog, hatte Gorman sich bereits in einigen Staaten einen Ruf als Züchter hervorragender Rinder der Rassen Simmentaler und Black Angus erworben. Auf Viehauktionen erzielten seine Tiere überdurchschnittlich hohe Preise. Und während seine Nachbarn durch Raubtiere, schlechtes Wirtschaften und andere Fehler jährlich regelmäßig fünf Prozent ihres Bestands einbüßten, sah er es als Affront an, wenn er über ein Prozent verlor.
Die Ranch der Gormans liegt in der Mitte des Uinta-Beckens (das zugehörige County schreibt sich »Uintah«, aber das h fällt bei dem geologischen Becken weg), auf halbem Weg zwischen Roosevelt und Vernal und somit mitten in Utahs Badlands. Wenn das Uinta-Becken überhaupt für etwas bekannt ist, dann dafür, dass es ein aussichtsreicher Kandidat für den Titel »Welthauptstadt der Ufo-Sichtungen« ist. Seit den 1950er-Jahren wurden hier Tausende unbekannte Flugobjekte gemeldet, sodass es zu den aktivsten Ufo-Regionen weltweit gezählt werden kann. Schätzungen zufolge hat mehr als die Hälfte der Bewohner des Beckens schon ungewöhnliche Flugobjekte gesehen. 90 bis 95 Prozent der Ufo-Meldungen stellen sich letztlich zwar als bekannte Phänomene heraus, aber selbst wenn man diesen strengen Standard anlegt, bleibt noch eine sehr große Zahl von Sichtungen im Uinta-Becken, für die es keine offensichtliche Erklärung gibt.
1974 schrieb Frank Salisbury, damals Pflanzenphysiologe und Professor für Pflanzenkunde an der Universität von Utah, das Buch The Utah UFO Display. In dem positiv aufgenommenen Werk über die Geschichte der Ufo-Sichtungen im Uinta-Becken argumentiert Salisbury überzeugend, dass die Einheimischen Augenzeugen von etwas sehr Ungewöhnlichem, wenn nicht Sensationellem wurden. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren von Ufo-Büchern verstieg sich Salisbury nicht zu wilden Spekulationen über kleine grüne Männchen von Zeta Reticuli. Er hielt sich an die Fakten, denn die waren schon aufsehenerregend genug. Aber die Ufo-Welle in Utah endete nicht mit Salisburys Untersuchungen. Tatsächlich dauert sie bis zum heutigen Tag an.
»Meinen Unterlagen zufolge gab es 1951 die erste Ufo-Sichtung«, sagt der pensionierte Lehrer Junior Hicks, ein kleiner, energiegeladener, drahtiger Mann, der inzwischen über 70 ist. Er gilt gemeinhin als der inoffizielle Ufo-Historiker der Region. »Es war zigarrenförmig, stand am helllichten Tag auf dem Boden und wurde von dreißig Schülern und ihrer Lehrkraft aus etwa 15 Metern Entfernung beobachtet.«
Als Lehrer für Naturwissenschaften wollte Hicks der Sache persönlich nachgehen. Er befragte sämtliche Kinder, die das Objekt gesehen hatten. Rasch kam er zu dem Schluss, dass sich die Kinder die ganze Sache nicht ausgedacht hatten. Der Fall faszinierte ihn so sehr, dass er begann, anderen Berichten über Ufo-Sichtungen in der Region nachzugehen. Er kontaktierte die Augenzeugen, vereinbarte ein Treffen an einem ruhigen und gemütlichen Ort und befragte sie dann mehrere Stunden lang. Ohne Einwilligung der Betroffenen gab Hicks ihre Identität nicht preis. Mit der Zeit sprach es sich herum, dass Hicks vertrauenswürdig war, und so erhielt er mehr und mehr Anrufe zu den geheimnisvollen Objekten, die scheinbar ganz fasziniert waren vom Uinta-Becken.
Letztlich katalogisierte Hicks mehr als 400 beeindruckende Fälle – und dabei hatte er schon Tausende Berichte über »seltsame Lichter am Himmel« aussortiert. Dadurch, dass er schon genug damit zu tun hatte, den spektakuläreren Fällen nachzugehen, tendierte Hicks’ Datenbank stark in Richtung Nahbegegnungen. Seine Fallakten bildeten mehr oder weniger die Grundlage für Salisburys Buch.
In einem Interview im Jahr 2003 erklärte uns Hicks, dass dieses seltsame Erbe des Uinta-Beckens Jahrhunderte zurückreiche. »Pater Escalante1 hat möglicherweise 1776 ein Ufo gesehen, als er hier war«, sagte uns Hicks. »In seinen Reiseberichten ist zu lesen, dass über dem Lager ein seltsamer Feuerball erschien, als die Männer in El Rey lagerten. Die Ufos, die hier gesichtet wurden, seit ich die Geschichten sammele, haben einen Durchmesser von sechs bis neun Metern bis hin zur Größe eines Footballfelds. Manche sind rund, manche oval, manche zigarrenförmig, manche dreieckig. Das größte, ein Dreieck, wurde noch in den Sechzigern beobachtet. Wir hatten einen Einwohner, einen Indianer, der mit seinem Gewehr auf ein Ufo schoss und hörte, wie der Querschläger von dem metallenen Schiff abprallte. Unter den Menschen, die sie sehen, sind Anwälte, Banker, Rancher, Leute, die ich mein ganzes Leben lang kenne.«
Weil er 36 Jahre lang als Lehrer gearbeitet hat, kennt Hicks die meisten Leute, die in der Region leben, persönlich und konnte offen mit ihnen über ihre Erfahrungen reden. Ermittlern, die von außerhalb kamen und Fragen stellten, begegneten die Einheimischen dagegen oft mit Misstrauen, denn verständlicherweise lag ihnen wenig daran, sich von Fremden aus der großen Stadt verspotten zu lassen. Während der 1960er- und 1970er-Jahre habe die Autobahnpolizei von Utah eine Zeit lang dermaßen viele Anrufe wegen Ufo-Sichtungen erhalten, so Hicks, dass die Beamten sich irgendwann gar nicht mehr die Mühe machten, Berichte zu den Vorfällen zu schreiben. Wie nicht anders zu erwarten, hätten die Ufo-Berichte im Laufe der Jahre einen steten Strom von Journalisten, Fernsehleuten und Ufo-Jüngern angelockt, aber diese würden meistens nur einige Tage bleiben. Ihre Berichte würden zumeist bestenfalls an der Oberfläche dessen kratzen, was sich tatsächlich im Becken abspiele.
Seine eigene Ufo-Sichtung hatte Hicks Mitte der 1970er-Jahre. Damals beobachtete er einen orangefarbenen Ball, der mit großer Geschwindigkeit über die Stadt Roosevelt hinwegjagte und dann abrupt nach rechts abbog. Der Ball schwebte eine Weile über der Stadt, dann verschwand er mit unglaublicher Geschwindigkeit aus dem Blickfeld. In mindestens sechs der von ihm untersuchten Fälle gaben Augenzeugen an, sie hätten nicht nur Raumschiffe gesehen, sondern auch deren Insassen. Ein Rancher, Sohn eines indianischen Schamanen, erzählte Hicks, dass auf seinem Land eine silberne fliegende Untertasse gelandet sei und er gesehen habe, wie fünf kleine menschlich aussehende Wesen darin herumgelaufen seien. Die fliegende Untertasse habe über Fenster verfügt und die Wesen darin schienen weiße Overalls zu tragen, so der Zeuge.
Warum sollten Ufos ein so anhaltendes Interesse am Uinta-Becken haben? Hicks glaubt an eine wie auch immer geartete Verbindung zu den starken religiösen Ansichten der einheimischen Bevölkerung. Der Großteil der Einwohner von Uintah County sind gläubige Mormonen, und die dort lebenden Ute verfügen ihrerseits über einen eigenen starken Glauben. Hicks verweist zudem auf die einzigartige geologische Struktur des Beckens als möglichen Grund dafür, dass es hier dermaßen viele Ufo-Sichtungen gibt. Das hier vorkommende Gilsonit beispielsweise findet man nur an wenigen anderen Orten auf diesem Planeten, wobei unklar ist, welches Interesse die mysteriösen Besucher an diesem oder einem anderen Mineral haben sollten. Das Becken biete eine große biologische Vielfalt, sagt Hicks. Mindestens einer der von ihm befragten Ufo-Augenzeugen gab an, er habe Außerirdische beobachtet, die Pflanzenproben gesammelt haben.
Hicks vermutet, dass es sich bei all dem um eine Art psychologisches Experiment der Außerirdischen handeln könnte, die damit in Erfahrung bringen wollen, wie Menschen auf diese bizarren Lichter reagieren. »Sie scheinen für die Leute eine Show abzuziehen«, sagt Hicks. »Als ob es sich um eine psychologische Studie handelt. Ich denke, wir werden von Wesen aus einer anderen Welt oder von einem anderen Ort besucht und es geht um Forschung und Erkundung.« Hicks hat zwei Vorfälle untersucht, bei denen Einheimische angeben, von Außerirdischen entführt worden zu sein.
Mit der »Flugshow« der Ufos gingen Vorfälle einher, die deutlich angsteinflößender waren. Während der 1960er-Jahre und bis in die 1970er-Jahre hinein meldeten Rancher, dass ihr Vieh auf bizarre Weise verstümmelt worden war. Ähnliche Verstümmelungen wurden auch aus anderen Teilen der Welt publik. Die Motive und Methoden der Täter, von denen nie jemand gefasst wurde, sind bis heute unklar. Hicks sagt, er wisse persönlich von zwölf bis fünfzehn Verstümmelungsfällen.
Es ist fast so, als hake Hicks schlichtweg alle Punkte auf der Liste moderner paranormaler Geheimnisse ab. So sagt er zum Beispiel auch, aus der Nachbarschaft würde wiederholt gemeldet, dass Kreaturen gesichtet worden seien, die aussähen wie der legendäre Sasquatch, besser bekannt als Bigfoot. Bei einigen der affenartigen Wesen handelt es sich nach Auffassung der Ute um Sasquatch, andere könnten sogenannte Skinwalker sein – durch und durch bösartige Wesen, die jede beliebige Tierform annehmen können.
Ufo-Sichtungen, verstümmelte Tiere, Bigfoot – in jeder Ecke des Uinta-Beckens scheinen seltsame Dinge vorzugehen. Aber ein Knotenpunkt all dieser hochgradig merkwürdigen Dinge war schon immer der Ort, der die 200-Hektar-Ranch der Gormans werden sollte. Junior Hicks sagt, er habe im Laufe der Jahre ein paar Mal dort gearbeitet, Pumpen repariert und andere kleinere Aufgaben übernommen. Während er dort war, haben er und andere Dinge gesehen, die sich nicht einfach erklären lassen – Kompasse beispielsweise, die völlig außer Kontrolle gerieten und sich wild drehten, als ob unbekannte magnetische Kräfte am Wirken seien.
»Es scheint sich alles auf der Ranch zu konzentrieren«, sagt Hicks. »Die Ute lassen diese Ecke in Ruhe. Seit mindestens fünfzehn Generationen erzählen sie sich Geschichten über diesen Ort. Sie sagen, die Ranch kreuze ›den Pfad des Skinwalkers‹.«
Seit jeher war das Uinta-Becken ein Ort, der mehr als nur ein wenig merkwürdig war.
In den 1860er-Jahren entsandte der Anführer der Mormonen Brigham Young eine kleine Expedition in das Becken. Die Männer sollten herausfinden, ob die Region für eine Besiedelung geeignet sei, doch der Bericht fiel nicht positiv aus. Das Becken sei eine »gewaltige Aufeinanderfolge von Ödland … wertlos, außer für nomadische Zwecke, als Jagdgrund für die Indianer und um die Welt zusammenzuhalten«, meldeten die Kundschafter Young.
Das Uinta-Becken ist als Lebensraum anspruchsvoll, aber eine Ödnis ist es nicht. Seit mehr als 12000 Jahren leben Indianerstämme in dieser atemberaubend schönen Region im Nordosten von Utah. Die ersten Weißen, die in diese Region kamen, waren in den 1770er-Jahren die Teilnehmer der spanischen Expeditionen unter Führung der Pater Domínguez und Escalante. Es folgten Jäger, Fallensteller und Händler. 1861 rief Präsident Abraham Lincoln das Indianerreservat Uintah ins Leben, das den Großteil des Beckens umfasste. Auslöser für diesen Schritt waren zahlreiche bewaffnete Konflikte zwischen den Ute und den Mormonen-Siedlern im Provo Valley gewesen.
Lincolns Erlass bedeutete, dass die Ute das grüne Provo Valley verlassen und ins knapp 250 Kilometer weiter östlich gelegene und deutlich harschere Uinta-Becken umsiedeln mussten. Man versprach dem Stamm, dass ihm das Land im Reservat bis in alle Ewigkeit gehören würde, aber schon nach wenigen Jahren warfen weiße Siedler ein Auge auf die Region, weil sie dort wirtschaftliche Ziele verfolgten. Also wurde das Gebiet der Ute langsam und unaufhaltsam weiter beschnitten.
In den 1880er-Jahren kehrten Mormonen in die Uinta-Region zurück, um sich dort dauerhaft niederzulassen. Für die Ute wurde es immer schwerer, ihr Land zu halten. 1885 entdeckten Bergarbeiter auf Stammesland große Vorkommen eines schwarzen Kohlenwasserstoffs, der sich als wichtig für die Herstellung von Farben, Lacken und Isoliermaterial erweisen sollte. Das seltene Mineral wurde Gilsonit genannt, eine Bezeichnung, die auf Samuel Henry Gilson zurückging, der schon früh den wirtschaftlichen Nutzen des Naturasphalts erkannt hatte. Als bekannt wurde, wie wertvoll Gilsonit ist, steckten Bergbaufirmen aggressiv Claims ab und begannen mit dem Abbau – obwohl sie sich innerhalb des Reservats befanden und ihr Handeln damit gegen das Gesetz verstieß. T. M. Byrnes, ein aufrechter Indianeragent, wies die Bergarbeiter mutig in die Schranken und zwang sie vorübergehend, die Arbeiten einzustellen. Die Unternehmen wandten sich daraufhin an den Kongress mit der Bitte, dieser solle die gut 2800 Hektar gilsonitreichen Indianerlands zurück in Staatsbesitz holen. Da die Eigentumsrechte der Indianerstämme keinen hohen Stellenwert genossen, verabschiedete der Kongress das Gesetz. Den Ute sollte eine Entschädigung von rund 8 Dollar pro Hektar gezahlt werden. Stammesmitglieder, die nicht verkaufen wollten, wurden mit Whiskey gefügig gemacht oder anders aufs Kreuz gelegt. Das ging so lange, bis die Bergbaufirmen 1888 die Kontrolle über das gesamte Land erlangt hatten, das sie hatten haben wollen.
1881 wurde direkt neben dem ersten Reservat ein weiteres ins Leben gerufen, um den Ute, die die Regierung aus Colorado verjagt hatte, ein neues Zuhause zu bieten. Damit waren so viele potenziell feindselig gestimmte Indianer auf einem Fleck versammelt, dass das Militär einen neuen Stützpunkt gründete. Von dort aus sollten die Einheiten an den Grenzen zum Indianerland im Osten Utahs, im westlichen Colorado und im südwestlichen Wyoming patrouillieren. Im August 1886 führte Major Frederick Benteen Einheiten der 9. US-Kavallerie an den Ort im nordöstlichen Utah, wo die Flüsse Duchesne und Uinta zusammenflossen. Benteen war zehn Jahre zuvor Teil der unglückseligen 7. Kavallerie von General George Armstrong Custer gewesen. Er hatte das Massaker am Little Bighorn überlebt und erhielt schließlich den Auftrag, an einem gottverlassenen Flecken im Nirgendwo am Zusammenfluss zweier obskurer Ströme einen militärischen Stützpunkt zu errichten – in einem Gebiet, in dem seit Jahrhunderten die Ute unangefochten regiert hatten, eine Nation stolzer, furchteinflößender und unberechenbarer Krieger.
Als Benteen an dem Ort eintraf, aus dem schließlich Fort Duchesne werden würde, begleiteten ihn 75 schlachterprobte Kavalleristen. Jeder einzelne von diesen 75 Soldaten war schwarz, denn es handelte sich um die legendären Buffalo Soldiers. Die rund 150 weißen Infanteristen, die einige Tage zuvor in die Region marschiert waren, begrüßten die Verstärkung mit lautem Jubel. Die Ute, die das Eintreffen der Neuankömmlinge verfolgten, waren einigen Berichten zufolge weniger begeistert. Den Buffalo Soldiers war ihr Ruf vorausgeeilt.
Das Vermächtnis der Buffalo Soldiers ist in den Geschichtsbüchern gut dokumentiert. Während der blutigen Feldzüge der Indianerkriege Ende des 19. Jahrhunderts stellten Afroamerikaner schätzungsweise 20 Prozent der Kavallerie-Einheiten. Die Stämme der Ureinwohner tauften sie »Büffelsoldaten«, weil sie gewisse Ähnlichkeiten zwischen ihrem heiligen Büffel und diesen dunkelhäutigen Kriegern mit ihrem gekrausten Haar sahen, aber auch, weil sich diese Soldaten als ernst zu nehmende Kämpfer und hervorragende Reiter erwiesen. Mindestens achtzehn Buffalo Soldiers wurden mit der Ehrenmedaille des amerikanischen Kongresses ausgezeichnet, und die farbigen Soldaten waren während der Indianerkriege im Westen an mindestens 177 bewaffneten Kampfeinsätzen beteiligt.
Weniger bekannt dagegen ist, dass viele, wenn nicht die meisten der in Fort Duchesne stationierten Buffalo Soldiers Freimaurer waren. Das läuft unserem derzeitigen Bild zuwider, dass im Freimaurerorden vor allem Weiße und der Oberschicht zugehörige Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik zu finden sind, doch es stimmt.
Der Geheimbund der Freimaurer führt seine Wurzeln auf das alte Ägypten zurück. In Europa tauchte der Bund erstmals im 14. Jahrhundert auf, nachdem die Vorgängerorganisation der Tempelritter bei der Obrigkeit in Ungnade gefallen war und verboten wurde. Der Gründungsvater der heutigen Freimaurer trat im frühen 18. Jahrhundert in London an die Öffentlichkeit und verkündete, Aufgabe des Ordens sei es, wohltätig zu arbeiten und zum Wohl der Gesellschaft beizutragen. Das konnte jedoch nicht verhindern, dass den Freimaurern seit Jahrhunderten wegen ihrer geheimen Handschläge, ihrer Geheimzeremonien, ihrer eigenen Zeichensprache und des offenkundig mystischen Symbolismus Argwohn entgegenschlägt.
Kritiker der Freimaurer – und die gibt es reichlich, man könnte schon fast von einem eigenen Orden sprechen – verweisen darauf, dass die frühen Logen in England von Alchemisten, Sterndeutern und Okkultisten dominiert wurden. Dass der Orden so viel Gewicht auf absolute Geheimhaltung legt, facht seit jeher alle möglichen Spekulationen an. Unter anderem heißt es, die Freimaurer würden Luzifer dienen. Allerdings hat der Orden in den folgenden Jahrhunderten wenig unternommen, um seinen Ruf als gärender Hort dunkler Intrigen und schwarzer Künste abzuschütteln.
Viele Persönlichkeiten, die bei der Gründung der Vereinigten Staaten eine zentrale Rolle spielten, waren Freimaurer, beispielsweise Benjamin Franklin. (George Washington besuchte zwei, drei Treffen, aber konnte sich nicht so recht für die Sache erwärmen, worin auch immer »die Sache« bestanden haben mag.) Die US-Währung ist vollgestopft mit Symbolen und Slogans der Freimaurer, was vor allem auf die Bemühungen eines Freimaurers des 33. Grads namens Franklin D. Roosevelt zurückgeht. Der spätere US-Präsident George H. W. Bush gelangte in den elitären Club, als er in Yale der Studentenverbindung Skull and Bones beitrat. Diese gilt als Nachwuchsorganisation der Freimaurer und nimmt jährlich maximal fünfzehn Mitglieder auf. Ihnen allen ist gemein, dass sie männlich und reich sind.
Verschwörungstheoretiker argwöhnen, dass die Freimaurer dunkle Künste beherrschen, über gewisse übernatürliche Fähigkeiten verfügen und ihre ranghöchsten Mitglieder als Götter ansehen, als Wesen, die spirituelle Vollkommenheit erreicht haben. Auf einer weltlicheren Ebene werfen Kritiker den Freimaurern außerdem vor, dass sie und ihre vermeintlichen Mitverschwörer von den Illuminaten, den Trilateralisten und den Bilderbergern an einer neuen Weltordnung arbeiten, an einer Weltregierung, bei der nationale Interessen hinter ein größeres planetares Wohl zurücktreten müssen. Worin dieses »Wohl« besteht, wird von den Freimaurern bestimmt. Kurzum: Wir haben es mit einer verdammt ehrgeizigen Verschwörung zu tun.
Dass es einen Zusammenhang geben könnte zwischen den schwarzen Soldaten, die Ende des 19. Jahrhunderts auf einem abgelegenen Militärstützpunkt in Utah stationiert waren, und einer geheimnisumwobenen Organisation, die auch Anfang des 21. Jahrhunderts noch die Weltherrschaft anstrebt, erscheint völlig unmöglich. Tatsächlich jedoch waren die Buffalo Soldiers von Fort Duchesne vollwertige, die Rituale befolgende, den geheimen Handschlag beherrschende Mitglieder der bekanntesten, einflussreichsten und geheimnisvollsten Bruderschaft der Welt.
Dass die Soldaten von Fort Duchesne Freimaurer wurden, hängt mit einem freigelassenen Sklaven namens Prince Hall zusammen. Der zog von England nach Amerika und gründete dort in Boston am 3. Juli 1776 (einen Tag bevor dreizehn britische Kolonien in Amerika ihre Unabhängigkeit erklärten) die African Lodge Number 1. Es gibt Zweifel daran, wie zutreffend diese Darstellung ist, doch das ändert nichts daran, dass sich »Prince-Hall-Logen« rasch in der neuen Nation ausbreiteten. Eine dieser Logen entstand Mitte des 19. Jahrhunderts in Texas, und dort kamen Einheiten der 9. und der 10. Kavallerie – die Buffalo Soldiers – mit den Freimaurern in Kontakt. Die Saat, die von den Pionieren der texanischen Freimaurerloge gesät wurde, erreichte wenige Jahrzehnte später die uns inzwischen bekannte abgelegene Ecke Utahs.
Die heute im gleichnamigen Ort Fort Duchesne lebenden Ute sind mit den Geschichten über die Buffalo Soldiers und deren Interesse an der Freimaurerei vertraut. Auf einem Grundstück, das einst als Friedhof für die Buffalo Soldiers vorgesehen war, stehen mittlerweile Häuser für Stammesmitglieder der Ute. Und hier findet sich auch der Anschluss an unsere Geschichte.
»Auf dem Grundstück an der Turnkey Street befindet sich angeblich ein Friedhof«, sagte uns ein ehemaliges Mitglied der Stammespolizei in einem Interview. »Trotzdem haben sie dort Häuser errichtet. Als sie Apartments bauten, haben sie die direkt auf diesen Friedhof gesetzt. Schwarze Soldaten, vor allem schwarze Soldaten liegen dort … Meine Großmutter hat mir vor Jahren davon erzählt.«
Das hat schon einen ironischen Beigeschmack. Jahrzehntelang wurden wir von Hollywood mit Gruselgeschichten bombardiert, in denen gierige Weiße einfach Indianerfriedhöfe bebauen und damit rachsüchtige Poltergeister der amerikanischen Ureinwohner auf den Plan rufen. Und nun haben opportunistische Indianer vielleicht die Geister afroamerikanischer Soldaten gestört, die zu ihren Lebzeiten viel mit dunklen Kräften zu tun hatten? Haben die Ute, als sie auf einem Grundstück bauten, von dem sie wussten, dass es sich um einen Friedhof handelt, eine unbekannte Macht geweckt – und sucht diese Macht sie nun wiederholt mit nicht von dieser Welt stammenden Wesen und anderen unerklärlichen Phänomenen heim? In diesen Fragen schwingen Aberglaube und Effekthascherei mit, aber dennoch stellen sich einige Stammesmitglieder diese Fragen seit Jahren.
Als der Kongress die 2800 Hektar Ute-Territorium zum Gemeingut erklärte, sorgte er versehentlich dafür, dass dieses Land keiner offiziellen Kontrolle oder Rechtsprechung unterstellt wurde. Rasch entstand eine zwielichtige Ansammlung von Saloons und Bordellen, und die Garnison von Fort Duchesne stellte einige der treuesten Kunden, obwohl der sogenannte Duchesne Strip eigentlich tabu für alle Militärangehörigen war. In dieser Region versteckten sich Banditen wie Butch Cassidy und Elzy Lay, weil ihnen hier kein Gesetzeshüter etwas anhaben konnte. Soldaten, schwarze wie weiße, tranken hier und pflegten Umgang mit Bergarbeitern, Kriminellen, Prostituierten und Stammesangehörigen der Ute. Wenn die Soldaten von ihren Zechtouren ins Fort zurückkehrten, passierten sie eine Schlucht, die sich mit der Zeit mit leeren Whiskeyflaschen füllte.
Dermaßen viele Flaschen wurden in dieser Schlucht entsorgt, dass sie schließlich als Bottle Hollow bekannt wurde, ein Name, der sich bis heute gehalten hat. Inzwischen ist Bottle Hollow größtenteils von Wasser bedeckt. 1970 autorisierte die Bundesregierung den Bau eines Stausees auf Ute-Gebiet. Das war Teil der Wiedergutmachung dafür, dass für das Central Utah Water Project Wasser des Stamms umgeleitet worden war. Heute bedeckt das Bottle Hollow Reservoir 170 Hektar und ist bei Anglern beliebt. Dass der Stausee von Bottle Hollow fast direkt an die Skinwalker-Ranch grenzt, ist ein Umstand, der weder den Ute noch den anderen Einheimischen entgangen ist.
Der Stausee kann aber selbst mit einer rätselhaften Geschichte aufwarten, und die scheint untrennbar mit der Ranch in Zusammenhang zu stehen. Analog zu den Seeschlangenlegenden, die sich rund um den Globus um viele andere, deutlich ältere Gewässer ranken, glauben die Ute seit Langem, dass in Bottle Hollow eine oder mehrere große Wasserschlangen leben. Die ersten Schlangen wurden praktisch unmittelbar nach dem Befüllen des Stausees gesichtet. Natürlich ist das Gewässer nicht alt genug, um etwaigen vorsintflutlichen Kreaturen, die es irgendwie bis in die Neuzeit geschafft haben, als Zuhause zu dienen. Aber was fangen wir mit den diversen Aussagen an, die mehrere allem Anschein nach aufrichtige Augenzeugen (die keine öffentliche Aufmerksamkeit wollten) uns gegenüber gemacht haben?
Ein Augenzeuge ist derselbe Stammespolizist, der uns vom Friedhof der Buffalo Soldiers erzählte. »Wir haben im Wasser Dinge beobachtet, die wie riesige Schlangen aussahen«, erzählte er uns. »[Das Wesen] tauchte direkt vor dem Jachthafen auf und schwamm die ganze Strecke bis zum anderen Ufer. In mondbeschienenen Nächten konnte man es sehen. Ich selbst und auch die anderen Jungs haben die Schlange da drin gesehen.«
Im Laufe der Jahre seien in Bottle Hollow überdurchschnittlich viele Personen ertrunken, heißt es bei der Stammespolizei, und inoffiziell werden einige dieser Todesfälle auf die geheimnisvolle Schlange zurückgeführt. In einem Fall, den die Polizei untersucht hat, handelt es sich bei dem Opfer um eine Ute-Frau, die nachts mit einem männlichen Begleiter im See baden ging. Augenzeugen, die sich am Strand aufhielten, berichten, die Frau habe geschrien, dass etwas sie gepackt habe und nach unten ziehe. Ihr Begleiter erklärte gegenüber der Polizei, er sei getaucht und habe mit einer gewaltigen Schlange gerungen, die die Frau umklammert hielt, doch als er sie zurück an die Wasseroberfläche bringen konnte, war sie bereits tot. Natürlich gibt es andere Erklärungsansätze für die Ereignisse jener Nacht, aber die Augenzeugen am Strand stützen diese Aussage, und die Ermittler nahmen den Bericht ernst.
