Jagdmethoden und Fanggeheimnisse - Josef E. von Reuth - E-Book

Jagdmethoden und Fanggeheimnisse E-Book

Josef E. von Reuth

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Beschreibung

Das vorliegende Buch von 1860 wurde sorgfältig überarbeitet, um es für E-Book-Reader verfügbar zu machen. Zudem wurde es mit erläuternden Texten von Josef E. von Reuth versehen und mit Bildern ergänzt. Emil Regener schrieb Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinem Buch "Jagdmethoden und Fanggeheinisse" ein Nachschlagewerk, das selbst heute noch in weiten Teilen aktuell ist und nicht nur von Jungjägern gerne gelesen wird. Von der Anwendung der Jagdmethoden auf die einzelnen Wildgattungen, dem Fang des Wildes, den Fang--Apparaten und ihrer Aufstellung berichtet er. In die Wittrungen führt er ein und gibt sogar Rezeptvorschläge. Natürlich wird heutzutage niemand mehr eine Katze braten und diese als Schleppe benutzen. Auch der Fang von Waldschnepfen und Krammetsvögeln hat nur noch informellen Charakter. Aber das Beurteilen der Wildfährten, das Wissen über Geweihe, das Schießen von Wild, die Beurteilung des Schusses und das Zeichnen des getroffenen Wildes ist auch nach mehr als 160 Jahren für einen gestandenen Jäger essentielles Wissen um eine erfolgreiche Jagd betreiben zu können.

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Seitenzahl: 269

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Jagdmethoden

und

Fanggeheimnisse

Ein Handbuch für Jäger und Jagdliebhaber,

mit

vielen Wittrungen

und mit

52 in den Text gedruckten Abbildungen

von

Fangapparaten, Wildfährten, Fährtenstellungen und Geweihen

Herausgegeben von

Emil Regener

Potsdam

Verlag von Eduard Döring

1860

Bearbeitet und kommentiert von

Josef E. von Reuth

November 2015

*****

Alle Rechte an der nachfolgend bearbeiteten Ausgabe vorbehalten. Nachdruck oder Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Bearbeiters. Kein Teil dieses Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Bearbeiters reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Obwohl ich bestrebt bin, eine inhaltliche und typografische Richtigkeit zu liefern, können Fehler in Inhalt und Typografie auftreten.

Folgende Anmerkungen vorab:

[Seite xx] Seitenangabe nach dem Original

[KvR] Kommentar Josef E. von Reuth

Mit Stern * gekennzeichnete Fußnoten entsprechen dem Original.

Maße, Gewichte und soweit nötig ihre Abkürzungen sind in den Fußnoten erläutert und können somit einfach auf heutige Maße umgerechnet werden.

Bilder

Titelseite: Meister von Werden - Die Bekehrung des heiligen Hubertus; gemeinfrei

Jost Amman - Der Weydmann; gemeinfrei

Jost Amman - Der Jäger; gemeinfrei

Mit „Fig. xx“ bezeichnete Abbildungen sind von Emil Regener

Abbildung

:

Spiegel vom Rehbock und Rehgeiß und Hessen sind eigene Werke und nicht gemeinfrei.

Rückseite: Gustave Courbet - National Museum of Western Art, Tokyo - Gemälde eines mit einem Tellereisen gefangenen Fuchses. [Solche Fallen sind heutzutage in Mitteleuropa verboten.]

Autor

Der kenntnisreiche Jäger Emil Regener weiht den Leser in die Geheimnisse der Jagd ein. Er erläutert anschaulich unterschiedliche Fangmethoden für die verschiedenen Wildarten; erklärt die Fallenjagd, das Fährtenlesen sowie das Zerlegen, die Zubereitung und Konservierung des Wildbrets.

Über das Leben und Wirken Emil Regners ist nichts bekannt. Er wird weder von Jagdkollegen zitiert, noch findet man weitergehende Informationen im Netz. Auch in der Allgemeinen Deutsche Biographie (ADB) findet er keine Erwähnung.

Das vorliegende Werk wurde immer wieder neu aufgelegt, überarbeitet und erweitert. Es ist ein Standardwerk der Jagdliteratur geworden, und das nicht nur weil es mit zahlreichen Abbildungen illustriert wurde. Emil Regeners Text der Originalausgabe aus dem Jahr 1860 wurde sorgfältig bearbeitet.

Regners literarische Werke sind:

Jagdmethoden und Fanggeheimnisse. Ein Handbuch für Jäger und Jagdliebhaber, mit vielen Wittrungen und mit 52 in den Text gedruckten Abbildungen von Fang-Apparaten, Wildfährten, Fährtenstellungen und Geweihen. Potsdam, E. Döring 1860

Erfahrungen über den Nahrungsverbrauch, und über die Lebensweise, Lebensdauer und Vertilgung der großen Kiefern-Raupe. 1865

Bearbeiter und Kommentator

Josef E. von Reuth ist Jäger, Falkner und Imker und somit ist die Natur ein wichtiger Teil seines Lebens. Neben der Falknerei gilt seine Leidenschaft der Wildschweinjagd.

Um alte, wertvolle Jagdliteratur auch auf modernen Medien mit leicht lesbarer Schriftart barrierearm wiedergeben zu können, wurde diese unter einem nicht-wissenschaftlichen Gesichtspunkt bearbeitet. Dadurch wird es möglich, wichtiges Jagdwissen, das zum Großteil auch noch heute angewendet werden kann, allgemeinverständlich, in die eigene Jagdpraxis einfließen zu lassen.

In diesem Sinn wünscht der Bearbeiter: Waidmannsheil

Editionsprinzipien

Es handelt sich nicht um ein wissenschaftliches Werk, deshalb wird keine buchstabengetreue Abschrift der Quelle vorgelegt.

Die Orthographie wurde auf der Grundlage der neuen Rechtschreibung behutsam modernisiert und dem heutigen Gebrauch, sofern es zweckdienlich erschien, angepasst.

Die im 19. Jahrhundert gebräuchliche Schreibweise „th“ wurde in der vorliegenden Fassung meist durch einfaches „t“ ersetzt.

Der Text enthält die tatsächlichen, mit der Druckausgabe von 1860 übereinstimmenden Seitennummern [Seite xx].

Abkürzungen

bzw.- beziehungsweised.h.- das heißtetc.- et ceteraKvR- Kommentar Josef E. von Reuthu.a.- unter anderemusw.- und so weiterz.B.- zum Beispiel

Vorwort

Bei Herausgabe der „Jagdmethoden und Fanggeheimnisse" hat die Absicht zu Grunde gelegen, für den Jäger ein praktisches Vademecum1 zu liefern, nach dessen Anleitung derselbe die Jagd und den Fang des Wildes, sowie alle sonstigen Geschäfte, die in sein Fach schlagen, vorteilhaft betreiben, dabei aber auch den Wildbestand möglichst schonen kann, welches Letztere bei dem gegenwärtigen Zustand unserer Jagden gewiss eine Hauptaufgabe des Jägers sein wird.

Der Verfasser hat keinen Anstand2 genommen, die kostbarsten Wittrungen3 dem Jägerpublikum zum gemeinsamen Nutzen zu veröffentlichen; er kann jedoch den Wunsch nicht unterdrücken, dass diese Geheimnisse nur in geweihte Hände kommen möchten.

Alten Jägern, denen dies Buch zu Gesicht kommt, möge dasselbe eine angenehme Erscheinung sein; den jüngeren Kollegen aber und allen Jagdunkundigen wird es bei Ausübung der Jagd als Führer den wesentlichsten Nutzen gewähren, da sie in demselben alles Nötige und Wissenswürdige in gedrängter Kürze und in bildlicher Darstellung vorfinden.

Potsdam, im März 1860.

Der Verfasser

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Autor

Bearbeiter und Kommentator

Editionsprinzipien

Abkürzungen

Vorwort

Erste Abteilung2

Die Wild-Jagd

Erster Abschnitt

Von den Jagdmethoden

1. Der Anstand

2. Der Pirschgang

3. Das stille Durchgehen einzelner Jäger

4. Die Treibjagd

5. Die Suche

Zweiter Abschnitt

Von der Anwendung der Jagdmethoden auf die einzelnen Wildgattungen

1. Die Jagd auf Rotwild

2. Die Jagd auf Damwild

3. Die Saujagd

4. Die Jagd auf Rehe

5. Die Hasenjagd

6. Die Fuchsjagd

7. Die Dachsjagd

8. Die Jagd auf Fischotter

9. Die Jagd auf Marder

10. Die Jagd auf wilde Katzen

11. Die Jagd auf Iltis und Wiesel

12. Die Auerhahnjagd

13. Die Jagd auf Birkwild

14. Die Jagd auf Haselhühner

15. Die Fasanenjagd

16 Die Rebhuhnjagd

17. Die Schnepfenjagd

a) Auf Waldschnepfe

b) Die Bekassine

c) Die kleine Schnepfe

d) Die Pfuhlschnepfe

18. Die Entenjagd

19 Die Jagd auf wilde Gänse

Zweite Abteilung

Der Fang des Wildes

Erster Abschnitt.

Von den Fang-Apparaten.

1. Der Schwanenhals

2. Das Tellereisen

3. Das Angeleisen

4. Die Dachszange

5. Die Dachsgabel

6. Der Dachshaken

7. Die Prügel- oder Brachfalle

8. Die Mordfalle

9. Der Schlagbaum

10. Die einklappige Marderfalle

11. Die zweiklappige Marderfalle

12. Die Fuchsgrube

13. Dohnen

a) Laufdohnen

b) Hängedohnen

(c Steckdohnen

d) Falldohnen

14. Federlappen

Zweiter Abschnitt

Von den Wittrungen

1. Fuchswittrungen

2. Wittrungen für die Fischotter

3. Marderwittrung

4. Wittrung für wilde Katzen

5. Wittrungen zum Verwittern der Schuhsohlen

6. Schleppen

Dritter Abschnitt

Von den Fangmethoden

1. Der Fuchsfang

2. Der Fang des Dachses

3. Der Fang der Fischotter

4. Der Fang des Baummarders

5. Der Fang des Steinmarders

6. Der Fang der wilden Katze

7. Der Fang der Iltisse

8. Der Fang des Wiesels

9. Der Fang der Waldschnepfen

10. Der Krammetsvogel-Fang.

Dritte Abteilung

Jäger-Allerlei

Erster Abschnitt

Von den Wildfährten und Spuren

1. Die Rotwildfährte

2. Die Damwildfährte

3. Die Schwarzwildfährte

4. Die Rehwildfährte

5. Die Hasenspur

6. Die Spur des Fuchses

7. Die Spur des Dachses

8. Die Spur der Fischotter

9. Die Spur des Baummarders

10. Die Spur der wilden Katze

11. Die Spur des Iltis

12. Die Spur des Wiesels

13. Die Spur des Eichhörnchens

14. Die Spuren des Bären, des Wolfes und des Luchses

Zweiter Abschnitt

Von den Geweihen und Gehörnen

1. Das Geweih des Rotwildes

2. Das Geweih des Damwildes.

3. Das Geweih des Elch- oder Elenhirsches

4. Das Gehörn des Rehbocks

Dritter Abschnitt

Von den Regeln beim Schießen auf Wild

a) Mit der Büchse

b) Mit der Flinte

Vierter Abschnitt

Vom Zeichnen des Wildes und von der Behandlung des angeschossenen Wildes

1. Das Rotwild

2. Das Damwild.

3. Das Schwarzwild

4. Das Rehwild

5. Der Hase

6. Der Fuchs

7. Das Rebhuhn

8. Die Waldschnepfe

Fünfter Abschnitt

Von der Behandlung und Benutzung des erlegten Wildes

1. Vom Abfangen, Abnicken und Abfedern des Wildes

2. Vom Aufbrechen und Auswaiden des Wildes

3. Vom Hessen und Anfedern etc. des Wildes zum Transport

4. Vom Zerwirken und Abstreifen des Wildes und von der Behandlung und Zubereitung der Häute, Schwarten und Bälge.

5. Vom Zerlegen des Wildes

Sechster Abschnitt

Jagd - Kunstsprache

1. Jagd-Kunst-Ausdrücke beim Rot- oder Edelwild

2. Jagd-Kunst-Ausdrücke beim Damwild

3. Jagd-Kunst-Ausdrücke beim Schwarzwild

4. Jagd-Kunst-Ausdrücke beim Rehwild

5. Jagd-Kunst-Ausdrücke beim Hasen

6. Jagd-Kunst-Ausdrucke beim Fuchs

7. Jagd-Kunst-Ausdrücke beim Dachs

8. Jagd-Kunst-Ausdrücke beim Marder

9. Jagd-Kunst-Ausdrücke beim Auerwild

10. Jagd-Kunst-Ausdrücke beim Rebhuhn

11. Jagd-Kunst-Ausdrücke bei den Raubvögeln

[Seite 1]

Erste Abteilung

Die Wild-Jagd

[Seite 2] Leerseite

[Seite 3]             

Erste Abteilung

Die Wild-Jagd

Zur pfleglichen Behandlung einer Jagd gehören hauptsächlich die richtige Auswahl der Jagdmethoden sowie die zweckmäßige Ausführung derselben. Bei Auswahl einer von den Jagdmethoden, die hinten näher beschrieben sind, kommt es am meisten auf die Wildgattung an; ferner aber noch auf die Witterung, Jahreszeit, Tageszeit und schließlich auf den ganzen Zweck der Jagd. Der Zweck einer Jagd, d.h., Wild zu erlegen, lässt sich aber oft durch Anwendung ganz verschiedener Methoden erreichen, und hierzu soll der gute Jäger diejenige Jagdmethode wählen, bei deren Betrieb der Wildbestand am wenigsten beunruhigt wird, und bei der auch am wenigsten zu befürchten ist, dass Wild angeschossen und zu Holz geschossen4, oder dass aus Versehen und Übereilung Mutterwild statt männliches Wild geschossen werden könnte. Von unseren Jagdmethoden steht in dieser Beziehung der Anstand oben an; außerdem kann auch der Pirschgang sehr empfohlen werden, wenn auch bei ihm schon eine geringe Beunruhigung des Wildes nicht zu vermeiden ist, weil der Jäger auf dem Pirschgang das Wild auf seinen Lieblings- und Ruheplätzen aufsuchen und auch in den meisten Fällen beunruhigen muss.

[Seite 4] Der Anstand

Von der zweckmäßigen Ausübung der richtig gewählten Jagdmethode hängt nun noch am meisten ab. Es ist nicht nur erforderlich, dass der Jäger die betreffende Jagd gründlich zu betreiben verstehe, sondern er muss auch diejenigen Eigentümlichkeiten der Wildgattungen genau kennen, die hierauf Bezug haben. Er muss so recht in die Geheimnisse der Natur des Wildes und des Waldes eindringen, und immer bestrebt sein, seine Kenntnisse in dieser Beziehung zu bereichern.

Erster Abschnitt

Von den Jagdmethoden

1. Der Anstand

Der Anstand lässt sich als eine Jagdmethode empfehlen, die alle guten Eigenschaften in sich vereinigt und oft mit dem schönsten Erfolg gekrönt wird. Nebenbei bietet der Anstand die beste Gelegenheit, um das Wild in seiner Lebensweise näher zu beobachten und kennen zu lernen, und mancher interessante Vorfall und manche dem Laien rätselhafte Erscheinung ergötzen dabei den lauschenden Jäger.

Wenn man den Anstand betreiben will, sucht man sich durch Abspüren der Wege, Gestelle etc. genaue Kenntnis zu verschaffen, in welchen Dickungen das zu erlegende Wild seinen Stand hat und wohin und genau auf welcher Stelle es aus seinen Dickungen herauswechselt, um abends auf die Äsung zu ziehen.

Der tüchtige Jäger muss übrigens in dieser Beziehung immer orientiert sein; er muss immer wissen, wie viel Wild im Revier steht, wie stark es ist, ob männliches Wild oder Mutterwild, wo es

[Seite 5] Der Anstand

steht und wohin es zur Äsung wechselt. Wenn nun dem Jäger der Wechsel bekannt ist, so kommt es darauf an, einen Ort zum Anstand auszuwählen, wo man das Wild frei hat, wo man selbst gedeckt steht, wo das Wild langsam vorbeizieht und so früh kommt, dass man noch Büchsenlicht oder überhaupt noch Licht hat; ferner muss der Wind gutstehen, d.h., er muss von der Seite kommen, von welcher man das Wild erwartet. Am zweckmäßigsten setzt man sich 20 Schritte seitwärts vom Wechsel ganz gedeckt hin. Man baut sich, wenn keine natürliche Deckung vorhanden ist, aus Reisern5 einen Schirm, darf aber hierbei, besonders auf Rotwild, keine großen Veränderungen vornehmen. Der Schussbereich muss ganz frei sein und darf nicht durch überhängende Zweige verfinstert werden, weil sonst das Büchsenlicht zu früh ausgeht. Findet man an einem solchen Ort einen Baum, der sich leicht besteigen lässt, so ist es vorteilhaft, sich auf denselben zu platzieren, was beim Anstand auf Hochwild sehr anzuraten, und bei nicht günstigem Wind, oder wenn sich der Wind wirbelt, auch notwendig ist. Kann man den Anstand an einem solchen Ort öfter exerzieren, so richtet man sich auf dem Baum ein bequemes Plätzchen ein. Das Tabakrauchen ist nur bei sehr gutem Wind und wenn man auf einem Baum sitzt, zulässig; es dürfen dabei aber keine Wolken geblasen werden, die sich von fern markieren und vom Wild leicht gesehen werden.

Wenn der Wald des Abends durch Holzsammler usw. beunruhigt wird, verlässt das Wild erst spät seine Dickung, so dass man dann nicht mehr Licht genug zum Schießen hat. An solchen Orten zieht man den Morgenstand dem Rückwechsel vor, und stellt sich dann am besten dicht vor dem Auf-

[Seite 6] Der Anstand

enthaltsort des Wildes an, weil es hier beim Zurückwechseln des Wildes schon am hellsten ist. Beim Abendanstand auf Hochwild begibt man sich eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang auf seinen Posten und verlässt ihn, falls das Wild nicht kommen sollte, ganz geräuschlos erst dann, wenn es vollkommen dunkel geworden ist. Beim Morgenanstand muss man schon vor Tagesgrauen am Wechsel sein, und darf erst eine Stunde nach Sonnenaufgang denselben verlassen.

Man muss sich natürlich auf dem Anstand ganz lautlos verhalten und jede Bewegung vermeiden. Der Hirsch hat, wie man ganz richtig sagt, an jedem Haar ein Auge; er zieht ganz sachte bis an den Saum der Dickung, und äugt, sichert und windet dort erst lange, ehe er aus der Dickung heraustritt. Das Nähere über den Anstand ist noch bei den einzelnen Wildgattungen hervorgehoben worden.

2. Der Pirschgang

Der Pirschgang bietet ebenso wie der Anstand Gelegenheit, seinen Schuss mit gehöriger Ruhe und Überlegung auf ein zweckentsprechendes Stück Wild abgeben zu können. Der Pirschgang ist eine Beschäftigung, bei der sich der junge Jäger so recht zum tüchtigen Jäger ausbilden kann, und den auch jeder Jäger als Bildungsschule betrachten und fleißig betreiben sollte. Man belauscht auf dem Pirschgang die Natur und das Wild; man schärft dabei Aug und Ohr und erlangt mit der Zeit jenen Scharfblick, der den Jäger vor allen übrigen Menschen kennzeichnet, und der auch zu den unentbehrlichsten Eigenschaften des Jägers gehört. Man stählt und stärkt auf dem Pirschgang Leib und Seele, und gewöhnt sich nach und nach

[Seite 7] Der Pirschgang

an Strapazen und Entbehrungen, die bei manchen andern Jagdmetoden und überhaupt im Leben des Jägers gar oft vorkommen und gefordert werden müssen. Nebenbei erlangt man beim Schleichen Körpergewandtheit, man lernt sich leicht orientieren und lernt endlich den Stand und Wechsel des Wildes am besten dabei kennen.

Wenn es laut ist im Wald, d.h., wenn durch starken Wind und Regen Geräusch verursacht wird, lässt es sich am besten pirschen; ebenso wenn nach einem Regen die dürren Zweige angefeuchtet und biegsam geworden sind und nicht knacken. Der Wind muss immer von vorn kommen; man schleicht behutsam diejenigen Bestände ab, wo man Wild vermutet und benutzt dazu krumme Wege, die man sich bei öfteren Gebrauch vom Knack6 reinigt; man schleicht in den Dickungen von Blöße zu Blöße, bleibt augenblicklich stillstehen, sobald man Wild erblickt, und sucht sich erst dann vorsichtig auf Schussweite zu nähern, wenn einen das Wild noch nicht bemerkt hat, was man daran erkennt, wenn das Wild ruhig weiter äßt, oder die Gehöre bewegt und sich die Fliegen abwehrt; im andern Fall, wenn das Wild den Kopf in die Höhe hebt und sichernd stehen bleibt oder sonst Misstrauen und Unruhe an seinen Bewegungen zeigt, bleibt man stillstehen.

Wenn das Wild sehr vertraut ist, trifft man es häufig auch bei Tag außerhalb seiner Dickungen; sonst aber nur des Morgens und Abends bald früher bald später. Nach einem starken Regen auch des Vor- und Nachmittags. Wenn die Äsung knapp ist, und in der Brunftzeit verlässt es gegen Abend früher seine Dickung und kehrt auch des Morgens später in dieselbe zurück, während es in der Feistzeit7, oder wenn es unruhig ist im Wald, erst spät aus seiner schützenden Dickung hervorkommt. Des Mor-

[Seite 8] Der Pirschgang

gens früh ist der Pirschgang in der Regel ergiebiger als am Abend, doch ist er auch gegen Abend zu betreiben und besonders gleich nach einem Gewitter oder Platzregen, wo sich das Wild gern auf die freien Plätze und Blößen begibt, um sich hier zu trocknen.

Der Anzug des Jägers muss dieselbe Farbe haben, wie der Wald. Pirscht man im Winter oder auch im Sommer abwechselnd im Nadelholz und Laubholz, in Schonungen und Stangenhölzern, so tut man gut, sich dazu eines grünen oder dunklen Anzuges zu bedienen, den man ebenso wie die Mütze grau füttern lässt, um den Rock sowohl wie die Mütze sogleich umkehren und die Farbe seines Anzuges ebenso schnell und oft wechseln zu können, wie die Farbe der Bestände sich ändert, die man abschleicht.

Der Mützenschirm muss mit Tuch überzogen sein und darf ebenso wenig wie das Gewehr glänzen. Jagdtasche, Umhängepulverhorn, Schrotbeutel und dergleichen Sachen lässt man am besten zu Hause, weil sie beim Umherkriechen nur hinderlich sind, wohl aber vergisst man das Fangmesser nicht und bewaffnet sich nebenbei noch mit einem guten Fernglas.

3. Das stille Durchgehen einzelner Jäger

Das stille Durchgehen einzelner Jäger ist eine Jagdmethode, bei der sich die Kunst und die Geschicklichkeit des guten Jägers so recht hervortun kann. Es verbinden sich hierbei zwei oder mehrere Jäger, von denen einer in der Dickung leise schleichend das Wild aufsucht und durch ruhiges leises Hin- und Hergehen den übrigen Jägern, die sich auf den bekannten Wechseln vorgestellt haben, zutreibt. Es kommt hierbei hauptsächlich auf die Geschicklichkeit des Treibers an; er darf das Wild nicht flüchtig

[Seite 9] Das stille Durchgehen einzelner Jäger

machen, er darf sich dem Wild nicht zu sehr nähern und muss sich meist ganz auf sein Gehör verlassen, er muss in großen Bogen das Wild umgehen, wenn es nicht die Richtung auf die Schützen genommen hat. Mit besonderem Vorteil lässt sich diese Jagdmethode übrigens nur in nicht allzu dichten Schonungen, in schwachen Stangenhölzern und im Winter in Laubholzbeständen anwenden, ferner bei Plattfrost8 oder gefrorenem Schnee, wo man nicht schleichen kann und in der Feistzeit, wo die Hirsche bei Tag ihre Dickung fast nie verlassen.

4. Die Treibjagd

Die Treibjagd lässt sich bei denjenigen Wildarten, die zur Hohen Jagd gehören, nicht mit großem Vorteil anwenden, weil das Wildbret den Schützen meist flüchtig zu Schuss kommt und deshalb oft zu Holz geschossen wird und weil sich auch die Sauen und Rehe nicht gut treiben lassen, wohl aber ist sie für die Niedere-Jagd ebenso zweckmäßig wie interessant.

Die Treibjagd zerfällt:

A. In Holztreiben, deren regelrechte und zweckmäßige Einrichtung und Leitung nicht so leicht ist, wie man gewöhnlich glaubt. Der Jagdgeber und Jagddirigent hat seinen Gästen gegenüber Pflichten zu erfüllen, die besonders im Winter bei großer Kälte darin bestehen, dass die Reihenfolge der Treiben so gelegt wird, dass die Schützen nicht zu lange auf die Treiber warten müssen, und dass von einem Treiben zum andern keine unnötigen Umwege gemacht werden. Am besten richtet man die Reihenfolge der Treiben so ein, dass die Schützen und Treiber von einem Treiben zum andern gleich lange Wege haben, oder dass die Treiber stehen bleiben, während die Schützen vorgehen. Von der An-

[Seite 10] Die Treibjagd

zahl der Schützen hängt die Anzahl der Treiber und die Größe der Treiben ab, man rechnet auf einen Schützen meist 2—3 Treiber. Bei Plattfrost, in nicht zu dichten Beständen und im Laubholz genügen 2 Treiber; wenn nur auf Fuchs getrieben wird noch weniger. In Dickungen dagegen müssen mindestens 3 Treiber auf einen Schützen gerechnet werden. Die Schützen stellt man gewöhnlich 80 Schritt auseinander, so dass sie noch zusammenschießen können. Junge, hitzige, unvorsichtige Schützen stellt man womöglich so, dass sie beim allerbesten Willen niemanden zu treffen vermögen.

Vor Beginn der Jagd entwirft man sich einen gehörig durchdachten Jagdplan, wobei hauptsächlich der Wind zu berücksichtigen ist. Man fängt mit dem ersten Treiben meist an der Reviergrenze an und rückt dann nach der Mitte hin vor. Die Richtung der Treiben hängt vom Wind und davon ab, wohin sich das Wild erfahrungsmäßig am besten treiben lässt. Im raumen Holz, auf ganz jungen noch nicht geschlossenen Schonungen und auf dem Feld darf man bei Hasen die Windrichtung in Notfällen außer Acht lassen. Fuchstreiben richtet man möglichst groß ein. Die Schützen müssen sich ganz geräuschlos anstellen und werden, wenn sie nicht ausreichen um ein großes Treiben zu besetzen, nur auf die Fuchsposten (wo zwei Dickungen aneinanderstoßen) angestellt.

Die Schützen werden auf größeren Jagden nummeriert und dann in ihrer Nummernfolge so angestellt, dass beim ersten Treiben Nr. 1, beim nächsten Treiben Nr. 2 usw. auf dem Flügel den ersten Posten erhält. Auf schmalen Wegen oder Gestellen zwischen zwei Dickungen stellt man die Schützen, um Unglück zu verhüten, mit dem Rücken oder besser mit dem Gesicht dicht an

[Seite 11] Die Treibjagd

das Treiben, so dass sie erst dann schießen können, wenn das Wild schon die Schützenlinie passiert hat. In keinem andern Fall aber dürfen die Schützen unmittelbar mit dem Rücken oder mit dem Gesicht an das Treiben gestellt werden, weil sie in dieser Stellung das Herankommen des Wildes nicht wahrnehmen können, wenn nicht etwa raschelndes Laub oder lauter Schnee vorhanden ist. Auf Schnepfen und Birkwild werden Schützen, die mit dem Rücken gegen das Treiben stehen, auf einem schmalen Gestell nie fertig werden. Wenn es die Umstände irgendwie gestatten, stellt man die Schützen etwas ab vom Treiben, damit sie das Wild schon herankommen sehen und sich fertig machen können, ehe es die Schneise passiert. Bei einer genügenden Anzahl Schützen besetzt man auch den Haken, besonders wenn erfahrungsmäßig bei einzelnen Treiben das Wild gern dort ausbricht. Beim Mangel an Schützen bildet man in solchen Fällen einen Haken von Treibern, die sich in ihrem richtigen Verhältnis vor der Treiberlinie zu beiden oder zu einer Seite des Treibens vorbewegen. Vor dem Anstellen der Schützen muss denselben gesagt werden, nach welchem Flügel hin die Folge ist, d.h., wo nach Beendigung des Treibens gesammelt werden soll.

Die Treiber werden unter Kommando eines vollkommen lokalkundigen Jägers und mehrerer Führer gestellt, welche letzteren auf die Flügel und in der Mitte der Treiberlinie verteilt werden. Das Anstellen der Treiber geschieht ohne allen Lärm. Auf das von dem Führer der Schützen gegebene Signal gibt der Führer den Treibern das Zeichen zum Antreiben, nach dem vorher den Treibern bestimmt gesagt worden ist, ob sie laut oder ruhig treiben und wo sie sich nach Beendigung des Treibens sammeln sollen. Die Treiberlinie rückt langsam und in

[Seite 12] Die Treibjagd

gehöriger Ordnung vor. Die Führer, welche in der ganzen Linie verteilt sind, lassen bei entstehender Unordnung die Treiberlinie halten und benutzen besonders Gestelle, die von der Treiberlinie überschritten werden, zur Wiederherstellung der Ordnung, indem sie hier halten lassen, bis die ganze Linie wieder gehörig geregelt ist. In Dickungen und bei großen Treiben ist die Aufrechthaltung der Ordnung in der Treiberlinie nicht leicht, während doch der ganze Erfolg der Jagd von dem guten Treiben abhängt. Die Figur des Treibens trägt viel zur Erleichterung bei, man wählt deshalb meist immer regelmäßig viereckige Figuren und instruiert die Flügeltreiber recht genau, wo sie gehen sollen. Wenn es bei den Schützen tüchtig knallt und gegen Ende des Treibens, muss langsam und in bester Ordnung vorgerückt werden. Die Treiber dürfen nie zu früh antreiben und auch nie die Schützen unnütz warten lassen. Bei großem Sturm und wenn das von dem Führer der Schützen gegebene Signal bei den Treibern nicht gehört werden kann, verabreden sich die beiden Führer der Schützen und Treiber eine Zeit, wann das Treiben beginnen soll. Beide Führer müssen genau wissen, wo der rechte und linke Flügel der Schützen steht und umgekehrt, wo die beiden Flügeltreiber gehen.

Die Schützen haben dem Jagdgeber gegenüber auch ihre Verpflichtungen; sie müssen sich, hauptsächlich bei Fuchstreiben, recht ruhig verhalten, und wenn es bei gefrorenem Laub oder Schnee laut und hellhörig ist, dürfen sie nicht unmittelbar am Treiben heruntergehen, sondern müssen sich auf Umwegen ihren Posten nahen. Sie dürfen ihren Posten nicht eigenmächtig verändern und nicht eher verlassen, bis das Treiben zu Ende ist. Auf seinem Posten angekommen, sucht sich der Jäger erst seinen Nebenmann, um zu wissen, in welcher Richtung er nicht schießen darf, dann

[Seite 13] Die Treibjagd

macht er sich seinen Stand zurecht, indem er den etwa vorhandenen Schnee und das knisternde Laub wegscharrt, einzelne ihm im Wege hängende Reiser leise abschneidet oder weg biegt und sich dann die Distanzen bestimmt, bis wie weit er noch schießen will oder sich den Fleck ausspäht, wo er besonders im sehr kupierten Terrain9 abdrücken will. Nachdem all dies geschehen [ist], erwartet der Jäger mit Gewehr unterm Arm10, welches übrigens schon bei Ankunft auf dem Posten gespannt werden muss, regungslos das Wild. Bei der Wahl des Standes bietet eine vorhandene Deckung einen wesentlichen Vorteil, doch stellt man sich nie gern hinter einen Baum, hinter welchem man nicht vorsehen kann; besser ist es, sich gerade davor zu stellen, man darf dann aber nicht auffallend gekleidet sein. Wenn sich die Treiber den Schützen schon zu weit genähert haben, darf nicht mehr in das Treiben hineingeschossen werden. Man muss es überhaupt zu vermeiden suchen, spitz von vorn auf Wild zu schießen.

Angeschossenem Wild darf nur nach Beendigung des Treibens, und wenn es zurückgegangen ist, ohne Genehmigung des Jagdgebers auf einige hundert Schritte gefolgt werden, nie aber wenn es in ein neues Treiben hineingegangen ist. Stets aber muss der Anschuss verbrochen werden, d.h., man legt einen frisch abgebrochenen Zweig darauf, der mit dem Stammende nach der Richtung hinzeigen muss, nach welcher das angeschossene Wild weiter gegangen ist; die untere Seite der Blätter dieses Zweiges muss nach oben gekehrt sein, damit sich derselbe von fern gut

[Seite 14] Die Treibjagd

markiert. Geschossenes Wild darf während des Treibens nicht nach dem Posten herangeholt werden, mit Ausnahme des Fuchses, den man sich sogleich heranholt.

Zu größeren Treibjagden werden einige Tage vorher auf den besten Ständen Schirme von grünem Reisig gebaut, die den dahinter stehenden Schützen bis an die Brust decken müssen. Wenn es tunlich ist, macht man in Dickungen vor solchen Ständen drei schmale, 2´11 breite Lücken; eine rechts, eine links und eine geradeaus, was besonders da notwendig ist, wo die Schützen auf schmalen Gestellen stehen, auf denen sie nicht leicht fertig werden, wenn sie nicht schon vorher die Annäherung des Wildes wahrnehmen können.

B. Die Feldtreiben erfordern eine größere Anzahl Schützen und Treiber, weil man sie größer machen muss als die Holztreiben. Wenn den Feldtreiben auch der Reiz der Mannigfaltigkeit und der Abwechslung, Spannung und Überraschung des Holztreibens fehlt, so haben die Feldtreiben doch auch ihr Angenehmes, besonders wenn man z.B. einen Fuchs im Kessel12 hat.

Die Feldtreiben zerfallen in:

1) Kesseltreiben, bei denen das abzutreibende Stück Feld mit zwei großen Bogenlinien ganz umzingelt und dann auf ein gegebenes Zeichen nach dem Zentrum zu von allen Seiten vorgerückt wird. Die Bogenlinien werden durch Schützen und Treiber gebildet. Die Schützen sind zwischen den Treibern regelmäßig verteilt. An der Spitze beider Bogen geht ein Führer, der vom Jagddirigenten genau zu instruieren ist, wo er gehen soll, um den großen Halbkreis zu schlagen, und wo die beiden Bogen zusammentreffen sollen; wenn dies geschehen ist, wird das Zeichen zum allgemeinen Lostreiben gegeben. Bei dem Kesseltreiben ist

[Seite 15] Die Treibjagd

eine große Vorsicht notwendig und muss diese Vorsicht bei Blachfrost13 verdoppelt werden, wo der Schrot vom hart gefrorenen Boden abspringt und oft in einer ganz anderen Richtung weiter fliegt. Wenn sich der Durchmesser des Kessels bis auf 300 Schritt verkleinert hat, darf niemand mehr in den Kessel hinein schießen, sondern immer erst dann, wenn das Wild die Bogenlinie passiert hat und aus dem Kessel heraus ist.

2) Die Vorstehtreiben auf dem Feld sind ebenfalls größer anzulegen wie im Holz. Die Schützen postiert man hinter kleinen künstlich eingerichteten Schirmen oder in ausgegrabenen Löchern, wenn keine anderen Deckungsgegenstände, wie z.B. Alleebäume usw., vorhanden sind. Wenn es irgendwie möglich ist, so stellt man die Schützen auf Höhenzüge, von welchen sie das Treiben übersehen können. Um das Durchgehen des Wildes durch die Treiber zu verhindern, lässt man einige Schützen mit den Treibern geben, und muss dies wenigstens auf beiden Flügeln geschehen. Die Treiber müssen bei den Feldtreiben in der größten Ordnung vorrücken. Es dürfen bei den Vorstehtreiben ebenso wenig wie bei den Kesseltreiben Säcke14 gebildet und auch nicht von Einzelnen vorgelaufen werden. Im Kesseltreiben dürfen die Schützen nicht stehen bleiben, wenn sie geschossen haben, sondern sie müssen im Gehen laden, weshalb sich hierzu jeder Schütze auch fertige Patronen mitzunehmen hat. Die Mündungen der Gewehre werden bei der Treibjagd, und immer wenn mehrere Jäger zusammengehen, hoch getragen.

5. Die Suche

Die Suche wendet man meist nur auf Federwild und auf Hasen an. Die erste Bedingung bei der Suche ist ein guter

[Seite 16] Die Suche

Hühnerhund15, der eine gute Nase haben muss, und immer mit der Nase hoch im Wind, rasch und womöglich im Galopp das Feld absucht, ohne dabei etwas zu übergehen; er muss ferner fest vorstehen, bis der angekommene Jäger ihn zum Avancieren16 animiert, und muss sehr guten Appell haben, d.h., er muss jeden Ruf und Wink des Jägers befolgen; ebenso muss er aus dem Wasser, sowohl wie aus großer Ferne das Wild apportieren, ohne es zu quetschen und zu beschädigen. Eine gute Anleitung zur Abrichtung und Abführung des Hühnerhundes findet man in Dietzels Fragmenten für Jagdliebhaber, erstes Bändchen.

Die Suche beginnt am besten des Morgens um 8 oder 9 Uhr und kann, bis des Nachmittags um 3 Uhr fortgesetzt werden. Bei sehr warmer Witterung muss man jedoch etwas früher anfangen, um auch früher aufzuhören, weil die Hunde bei großer Hitze gegen Mittag gewöhnlich die Wittrung verlieren. Das beste Wetter zur Suche ist Wärme ohne Sonnenschein mit einem feuchten Westwind. Die Zeit des abnehmenden Mondes soll der Suche günstiger sein, während bei zunehmendem Mond die Treibjagden besser gelingen sollen. Die Richtung der Suche muss immer gegen Wind, oder doch mit halbem Wind genommen werden. Auf Bekassinen sucht man mit Wind, weil die Bekassine mit Wind gesucht ganz gut hält und auch leichter zu schießen ist, da sie dann um den Schützen herumzieht, um nach ihrer alten Gewohnheit gegen Wind fortzustreichen. Suchen mehrere Schützen hinter einem Hund, so muss vorher ausgemacht werden, dass ein jeder nur auf das nach seiner Seite hin herausziehende Geflügel schießen darf.

[Seite 17] Die Jagd auf Rotwild

Zweiter Abschnitt

Von der Anwendung der Jagdmethoden auf die einzelnen Wildgattungen

1. Die Jagd auf Rotwild

Mit dem Abschuss des Rotwilds fängt man im Juni an, nachdem alles Wild gehörig verfärbt hat. Man schießt zuerst Spießer und Gabelhirsche, später Sechsender; stärkere Hirsche jedoch erst im August, wenn der Bast vollkommen vom Geweih abgeschlagen ist, wo dann auch die Feistzeit beginnt, die bis zum 20. September dauert. Während und nach der Brunftzeit, die Ende September beginnt und bis Mitte Oktober dauert, ist es nicht ratsam Hirsche abzuschießen, wohl aber sind zu jener Zeit die alten gelten Tiere am besten. Während des Winters begnügt man sich mit geringen Hirschen.

Der edle Hirsch darf von Rechts wegen nur mit der Büchse erlegt werden, was sich beim tüchtigen Jäger auch von selbst versteht; es darf auch nicht in zu großer Entfernung geschossen werden, das Maximum würden 120 Schritte sein.

Der Anstand lässt sich beim Rotwild am sichersten betreiben, weil dasselbe seinen Wechsel solange regelmäßig hält, als es nicht gestört wird; man nimmt seinen Stand am Wechsel vor großen ruhigen Dickungen, an ruhigen Waldwiesen und an Salzlecken und Suhlen. Die Salzlecken werden besonders im Frühjahr und Vorsommer regelmäßig morgens und abends vom Rotwild angenommen. Man schießt jedoch zu dieser Jahreszeit nicht gern Wild an der Salzlecke, weil der Wildbestand dadurch zu sehr beunruhigt wird. Im Sommer aber, wo nur

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einzelne Stücke noch die Salzlecke besuchen, können diese dort geschossen werden. Die Suhlen werden vom Rotwild im Sommer an schwülen Nachmittagen aufgesucht, um sich darin abzukühlen. Für den Anstand auf Rotwild kann geräuschloses und regungsloses Verhalten gar nicht genug empfohlen werden. Alles Übrige, was der Jäger sonst noch auf dem Anstand zu beobachten hat, ist vorn gesagt worden. Die Regeln für das Verhalten des Jägers vor und nach der Abgabe seines Schusses sind hinten ganz besonders abgehandelt.