Jeesußß - Hans-Gerd Adler - E-Book

Jeesußß E-Book

Hans-Gerd Adler

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Beschreibung

Ein ungewöhnliches Buch. Der Autor wagt es, die Geschichte um Jesus in seiner Eichsfelder Mundart zu verfassen. Das Neue Testament und die Eindrücke von einer Reise ins Heilige Land sind wichtige Quellen der erzählten Geschichten. Dabei werden zwei Ziele verfolgt. Eines ist die Sicht auf das Leben Jesu als Mensch. In Anlehnung an die Berichte von Matthäus und Lukas werden diese als ganz alltägliche Lebensweise dargestellt. Das soll den Leser beflügeln, sich in die geschilderten Situationen hineinzudenken. Auf diese Weise werden Jesus, seine Eltern und andere Protagonisten in einem Umfeld erfahrbar, das nicht sehr weit von der eigenen Lebensweise entfernt zu sein scheint. Ein weiteres Ziel besteht in der erneuten Publikation der Mundart. Der Autor erhofft sich eine Belebung der Mundart als wertvolles immaterielles Kulturgut des Eichsfeldes. So gesehen ist dieses Buch ein Impulsgeber für die Wiederbelebung religiöser Grundhaltungen wie auch des Mutes, wieder Mundart zu sprechen.

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Seitenzahl: 95

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Ein Ratschlag

Zurr Sachche

Värrhaißunk

Daer Friidnzfirrßd wärrt värrhaißn

Wiiß in daem Friidnzraiche zugett

Daer Friidnzfirrßd mußß diijer bezaale

Haimsuuchunk

Enne Aanmärkunk

So fung oalleß aan

Joseef sinne Bedänkn

Marija gett daer Sachche uffn Krunnd

Joseef sinne Entschaidunk

Trannseaamußß

Daer Befael vumm Kaiser Augußdußß

Uff Härrbärrkßsuuche

Jeesußß wärrt geboorn

Enne krooße Äwwerraschunk

Veerschtellunk im Daemmpl

Besuuch ußßem Morjenlanne

Nimm daß Kinnt

D Fluchcht noo Ägibdn

Härroodeß raßßdet uuß

Im Äkßziil

Haimwee

Ändlich ennhaime

Naazaredd

Wärre dahaime

Traddizijoon

Värrloorn un wärregefungn

ß Laemn in Naazaredd

Daer Zimmermann

Epilog

Danksagung

Quellenverzeichnis

Bildnachweis

Vokabular

ß Laemn vunn Jeesußß

Veele kennn nachch d goanze Geschichchdn

äbber Jeesußß vunn Naazaredd

vunn Aanfang biß Änge,

daenn se worrte äbber veele Joore

oalz Evangeelijumm inner

Kärchn veergelaesn.

Daß äßß hidde zwoar ae nachch so,

dachch veele genn j nitt mee jedn

Sunndagg inne Kärchn,

odder laesn drhaim inner Biibel.

Abber ß Laemn vunn Jeesußß

äßß ae in unsen modärnen Ziidn

färr d Männschn vunn Bediidunk

un gett, uff Muuloort värrzoolt,

innz Haerze vunn jedm Aikßfaeller.

Vorwort

Wie kommt man dazu, auf Eichsfelder Mundart über das Leben von Jesus zu schreiben? Bei dieser Frage hätte ich noch im Dezember 2024 meine Stirn in Falten gezogen und etwas verständnislos dreingeschaut. Sicher hätte ich gesagt, dass im Neuen Testament ausgiebig und vor allen in frommer Weise über das Leben und Wirken Jesu zu lesen ist und dass es unzählige Bücher frommer und weiser Autoren gibt, die dieses Thema intensiv darstellen. Also, nichts für mich, schon gar nicht in Mundart. Denn den Leuten eine Geschichte zur Erheiterung vorzulegen, wie ich das mit der Weihnachtserzählung Wii daer Oßße innz Kribpchn koom bezweckt hatte, das wäre ganz und gar nicht meine Absicht gewesen. Aber dann kam es ganz anders als gedacht.

Der Vorsitzende des Heiligenstädter Geschichts- und Museumsvereins, Günter Liebergesell, überraschte mich mit dem Buch Fränggische Bibl – Des Neue Tesdamend. Ich wurde neugierig und meine Schreiblust war angeregt. Wochen später bei meiner Buchvorstellung Unsere Familie liest Weihnachtsgeschichten im Eichsfeldmuseum beflügelte er mich in seiner Dankesrede, ich könne doch im Advent 2025, dem Beispiel der Fränggischen Bibl folgend, die Geburt Jesu nach Lukas in Eichsfelder Mundart vortragen. Ich konnte nur „Ja!“ sagen und befand mich seit dem Tage in einer Phase des Abwägens und Planens.

Zunächst war ich nur auf die Weihnachtsgeschichte Lukas 2 konzentriert. Das hatte ich auch gleich Tage später bei der Zusammenkunft der Plaadschtörjer in der URANIA in Leinefelde kundgetan. Prompt kam die Einladung zur Vorstellung der Geschichte für den Dezember 2025. Ja, dann gab es kein Halten mehr, denn ich hatte zugesagt.

Allerdings blieb jetzt die Planung nicht auf Lukas 2 beschränkt. Denn wenn ich nur über die Geburt Jesu in Mundart schriebe, dann reichte der Text wohl nicht für ein abendfüllendes Programm. Also müsste das Projekt auf die Kindheit Jesu – von der Verkündigung bis etwa zum zwölfjährigen Jesus im Tempel - erweitert werden? Irgendwie widerstrebte es mir, dem Beispiel der Franken zu folgen und mich auf eine Bibelübersetzung in Eichsfelder Mundart einzulassen. Schließlich überwog der Gedanke, dass Großeltern oder Eltern ihren Enkeln oder Kindern Geschichten von Jesus vorlesen könnten. Eine biblische Geschichte zu erzählen, die nicht nur den christlich geprägten Eichsfeldern vertraut ist, würde sich also bestens für mein Bestreben eignen, unsere Mundart hie und da wieder in den Familien aufleben zu lassen.

Damit bewegte mich der Gedanke, auf das ganze Leben Jesu zu blicken und davon zu erzählen. Ich möchte sein Leben und Wirken, seinen Tod und seine Auferstehung wie eine erlebte Geschichte erzählen. Wie es der Untertitel dieses Buches andeutet, beginne ich erst einmal mit der Kindheit Jesu. Ob eine Fortsetzung erfolgen wird, steht noch nicht fest. Selbstverständlich bleiben die Kapitel der Heiligen Schrift maßgebend und ihre Worte sollen keine neue Deutung erfahren. Ich möchte jedoch die Geschehnisse ganz behutsam in einen für uns denkbaren Alltag stellen. Vom ganz normalen Alltag berichtet uns der Evangelist Matthäus im Kapitel 13 Vers 55. Er hat mir damit zum Untertitel verholfen, denn Jesus galt in Nazareth und sicher auch darüber hinaus als Sohn des Zimmermannes.

So hoffe ich, dass ein guter Anreiz besteht, das Leben Jesu auf eine ungewohnte Art neu zu entdecken. Gerade in einer Zeit, die uns voller Hektik, Umbrüche, Zweifel und Ängste ziemlich bewegt, sind Augenblicke der Stille, Sammlung und Orientierung Quellen der Zuversicht und Hoffnung. Das Bild, welches wir von Jesus wiederentdecken oder neu in uns aufleuchten lassen können, zeigt uns, dass trotz aller Unvollkommenheit und Schuld, aller Ausgrenzung, Bosheit und Lüge, allem Hass und Neid die Gottes-und Nächstenliebe die einzigen Eigenschaften sind, die unserem Leben einen Sinn verleihen.

Allerdings ist die Mundart - wie die Umrahmung eines Bildes - eine unerwartete und vielleicht hie und da unverständliche und zusätzliche Herausforderung, die einer Portion Mühe bedarf. Aber gerade diese Anstrengung kann zur Quelle einer wieder entdeckten geistigen Kraft werden und eventuell verbindet sich mit der Mühe, Eichsfelder Mundart zu lesen, auch die Liebe zu dieser.

Heiligenstadt, im März 2025

Hans-Gerd Adler

Ein Ratschlag

Viele Eichsfelder sprechen und verstehen unsere Mundart kaum noch. Sie zu lesen, ist auch nicht einfach, da sie in der altbekannten Literatur den vollen Sprachklang nicht widerspiegelt. In diesem Buch wird nun das neue ungewohnte Schriftbild (Lautschrift) und die vom Hochdeutschen abweichende Orthographie eine gewisse Skepsis hervorrufen. Für den Erhalt des Sprachklangs unserer Muttersprache ist diese Schreibweise jedoch unerlässlich. Daher ein Tipp:

Wenn Du den Text siehst, frage nicht danach, was das für eine Sprache ist und was das einzelne Wort wohl bedeuten mag. Konzentriere Dich vielmehr auf das Wort und seine Buchstaben. Dann sprich zunächst laut und vor allem langsam (Buchstabe für Buchstabe, Silbe für Silbe) das aus, was Du schwarz auf weiß siehst. Wenn Du Dich sprechen hörst, dann wirst Du bestimmt auch das Wort verstehen, Mut zum Lesen finden und schließlich Deinen eigenen Slang sprechen. Nach wenigen Übungen wird Deine Freude an der Mundart erwachen, zu der Dich in diesem Falle die Geschichte Jesu einlädt. Das Vokabular hilft Dir zudem bei der Übersetzung ins Hochdeutsch.

Du leistest einen unschätzbaren Beitrag zur Bewahrung unserer Mundart als hohes Kulturgut, wenn Du Deinen Familien- und Freundeskreis zum Lesen und sprechen begeisterst. Und merke Dir:

Mundart ist zwar Deutsch, aber eben kein Hochdeutsch! Sie ist auch keine Sprachform, die nur früher gebräuchliche Ausdrücke benutzt, sondern auch neue und fremde Begriffe werden im typisch eichsfeldischen Slang gesprochen und müssen daher auch so geschrieben werden.

Zurr Sachche

D maißdn vunn uchch kennn j ß Nuuwe Deßdamännt. Wänn ich in dissm Buuche äbberß Laemn vunn Jeesußß schriibe, sa wäll ich nitt ainfach enne Äbbersiddzunk uff Aikßfaeller Muuloort oabläwwere. Veele mee wäll ich ae dii goanz normoaln Immeschtänne beschriibe, dii aijendlich nitt sa wichchdich sinn, abber unz enne beßßere Veerschtellunk vunn sinnm Laemn oalz Männsch gaenn. Natierlich äßß dißß nitt ainfach, wail me sich nitt sa genau innz Laemn vunn domoolz rinngefinge kann, nachch doozu, wail Jeesußß j ae in ennm Lanne gelaebet hätt, wo ß Laemn dodaal annerte worr oalz bij unz. Deßwaejen kamme ae nitt oalleß, woaßß ich doozu geschrämmn haa, oalz Worrte daer Hailjen Schriffd gedoite. Minne Worrte deyjn nuur doozu, daßßeß Laemn vunn Jeesußß in unz lewaendijer wärrt, wail me daß enne odder annere beßßer värrschtedd. Un wii kimmet me doozu? Goanz ainfachch, wämme äbber ß Laemn vunn Jeesußß sa värrzeelt, wii wänn Kroßßvoatr uuß sinnm Laemn värrzeelt. Dißß gilld abber nitt färr d Värrhaißunk vunn Jesaja. Disse säll waejen eere krooßn Bediidunk nitt oalz Värrzeelunk, sonnern oalz Värrhaißunk värrnummn waere. Deßwaejen äßße ae nuur in Aikßfaeller Muuloort äbbersaßßt.

Domeet me abber d Hailje Schriffd vumm nuuwn Deßdamännt nitt ußßn Aumn värrliirn, wärrt färr jedm Oabschneed d Kwaelln dofeer aangegaenn. Uff disser Wiise kunnt dee do nachchmool noogelaese, woaßß d Evangelißßdn doozu geschrämmn hann.

Värrhaißunk

Krait ungefaer sämmnhunnert Joore färr Jeesußß hätt daer Profeet Jesaja schonn äbber ennn Männschn geschprochchn, daer oalz Meßßijaßß, daß äßß enn vunn Gott Gesallbder, uff d Waellt kimmet un unz daen Friidn brännget, abber sinn Laemn doveer hänngae mußß. D Evangelißßdn hann ß Laemn vunn Jeesußß, sowii daß, woaßß Jesaja proffezait hätt, uffgekreffn un im nuumn Deßdamännt uffgeschrämmn. Woaßß äbber d Geburrd un daen Dood vumm Meßßijaßß uffgeschrämmn äßß, äßß im Buuche Jesaja, Kapittl niine, ellwe un drijnfuchchzich z fingn un säll unz dii krooße Bediidunk vunn Jeesußß sinnm Laemn färr Aumn fiere. Ae wännz in dissm Buuche nuur imme sinne Geburrd un sinn Laemn inner Famillje gett, säll daer Blikk uff sinn Laidn un Schtaermn nitt ungerbliiwe.

Daer Friidnzfirrßd wärrt värrhaißn

Jesaja 9

1Daß Vollk, welcheß inner krooßn Finnzderniß woandert, sitt enn krooßeß Lijcht, un äbber oalln, dii im finnzdern Lanne woonn, lichchdetz haelle. 2Du wekkeßt bij eenen luudn Juubl, du bränngeßt eenen enne krooße Fraide. Veer dich fraijet me sich, wii me sich fraijet inner Aernte, wii me freelich äßß, wänn Boite uußgedailt wärrt. 3Daenn du häßßt daß trikknde Jochch uff eerer Schullder un ae daen Schtokk eereß Aantriiberß kaputtgebrochchn wii am Daage vunn Midijan. 4Daenn jeder Schtäwwel, daer mett luudm Schreed dohaerkimmet, un jeder Manntl, daer mett Bluud besuudlt äßß, wärrt värrbrannt un vumm Fijer värrzeert.

5Daenn unz äßßn Kinnd geboorn, enn Soon äßß unz geschänket, und Härrschafft äßß uff sinne Schullder geläät; un haer haißt Wunner-Raad, Gott-Helld, Eewich-Voatr, Friide-Firrßd. 6Sinne Härrschafft wärrt krooß sij un daer Friide nimmet kenn Änge uffm Droone vunn Doawidt un in sinnm goanzn Kennikraiche. Haer wärrtz schtark machche un schtiddze därch Raecht un Geraechdichkait vunn nunn an biß in oalle Eewichkait. Jou, daer Iifer vunn Jaawe Seebaodt wärrt dißß oalleß machche.

Wiiß in daem Friidnzraiche zugett

Jesaja 11

1 Uuß daem Schtamme Jeßße wärrt enn Riiß waßße un enn Schößßlink brichcht uuß sinnem Worzlschtokke veer un brännget Fruchcht. 2Uff aemm wärrt daer Gaißd vunn Jaawe ruuwe, daß äßß daer Gaißd daer Wiißhait un deß Värrschtanneß, daer Gaißd deß Roodeß un daer Schtärke, daer Gaißd daer Ärrkenndnißß un daer Furcht Jaaweß. 3Un enn Woolgefalln wärrte anner Furcht Jaaweß ha. Haer wärrt nitt richde noo daem, woaßß sinne Aumn sijn, ae kenn Urrdail schpraechche noo daem, woaßß sinne Oorn heern, 4sonnern haer wärrt mett Geraechdichkait d Ormn richde un daen Eelänndn im Lanne wärrte enn raechteß Urrdail schpraechche, un haer wärrt mett daem Schtaabe sinneß Munneß daen Gewalltdätijn schloo un mett daem Oddn sinner Libbm daen Gottloosn doodschloo. 5Geraechtichkait wärrt daer Gurrt sinner Länndn sij un d Troije daer Gurrt sinner Hufft. 6Do wärrt sogoar daer Wollf bijm Lamme woone un daer Bannter läät bijm Zeyjenlaemmchn. ß Kallb un daer Leewe kraasn zesammn uff dr Weesn, un enn klainer Junge kann se gehiede. 7D Kuu un d Baerin waidn zesammn, eere Jungn lään naemnannder, un daer Leewe frißßd Schtroo wii enn Rinnd. 8Ae enn Soiglink kann am Lochche vunner Otter geschpeele, un enn klaineß Kinnt kann sinne Hannt inne Heele vunner Natter geschtikke. 9Kerr wärrt uff minnem goanzn hailjen Baerje Booßhait un Schaadn aanrichde; daenn ß goanze Lannd äßß vuller Ärrkenndnißße Jaaweß, genau sa wiiß Woaßßer ß Meer bedekket.

Daer Friidnzfirrßd mußß diijer bezaale

Jesaja 53

1Abber waer klaubet daem, woaßß unz värrkinndet worrte, un an waem äßß daer Orm vunn Jaawe uffnboart worrn? 2Haer schoßß veer aemm uff wiin Riiß un wii ne Worzl uuß därrem Bonn. Haer hotte kenne Geschtallt un Scheenhait. Me hann ne zwoar gesijn, abber haer worr kerr, daer unz gefalln hette. 3Haer worr daermooßn värrachdet, daß d Lidde een gemednn hann, enn Mann, daer vunn Schmärzn un Krankhait gezaichnet worr. Haer worr so värrachdet, daß me sich sogoar ß Gesichchde veer aemm zugedekket hätt; dorimme hann me een j ae dodaal värroabschoit. 4