Jenseits des Todes - Leslie Kean - E-Book

Jenseits des Todes E-Book

Leslie Kean

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Beschreibung

Gibt es belastbare Beweise für ein Leben nach dem Tod?

  • Eine überraschende Recherche unserer Wahrnehmung
  • Der Bericht einer erfahrenen Journalistin, basierend auf Fakten und wissenschaftlichen Studien



Stirbt mit unserem Körper auch unsere Identität, unser Bewusstsein und bleibt danach von uns nichts weiter übrig als ein Stück Materie? Oder verlässt zum Zeitpunkt des Todes irgendetwas Wesentliches und Bewusstes unseren physischen Körper und geht in eine andere Existenz in einer nichtmateriellen Welt über? Viele Religionen vertreten die Gewissheit, dass unser Bewusstsein oder unsere Seele als innerste Identität unserer Persönlichkeit unsterblich ist.

»Bei meiner Untersuchung der Beweise für ein Leben nach dem Tod erlebte ich unglaubliche Dinge, die in unserer materiellen Welt eigentlich gar nicht möglich sein sollten. Und doch waren sie unweigerlich und unbestreitbar real. Trotz meiner anfänglichen Zweifel musste ich erkennen, dass es noch immer Aspekte der Natur gibt, die weder verstanden noch akzeptiert werden, obwohl ihre Realität tief greifende Auswirkungen auf das Verständnis der wahren Größe der menschlichen Seele und ihres möglichen Fortbestehens nach dem Tod hat.«

So beginnt Leslie Keans hervorragend recherchierte, fesselnde Untersuchung, die erstaunliche und weitreichende Beweise dafür liefert, dass das Bewusstsein den Tod überdauert. In ihrem bahnbrechenden Buch untersucht sie die überzeugendsten Fallstudien von kleinen Kindern, die nachweislich Details aus früheren Leben erzählten, über Medien, die den Beschränkungen des Gehirns und der physischen Welt zu trotzen scheinen, über Geister Verstorbener, die Informationen über ihr Leben auf Erden liefern, und über Menschen, die klinisch tot sind und dann zurückkehren, um von Reisen in andere Dimensionen zu berichten.

Das auf Fakten und wissenschaftlichen Studien beruhende Buch enthält faszinierende Kapitel von Ärzten, Psychiatern und anderen Akademikern aus verschiedenen Ländern.

Als erfahrene Journalistin, deren Arbeit weit über Glaubenssysteme und Ideologien hinausgeht, bereichert Leslie Kean den Bericht mit ihren eigenen unerwarteten und verwirrenden Erfahrungen, die sie machte, als sie der Frage nachging, die uns alle betrifft: Überleben wir den Tod?

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2017

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1. Auflage November 2017 Copyright © 2016 by Leslie Kean Originally published in the United States by Crown Archetype, an imprint of the Crown Publishing Group, a division of Penguin Random House LLC, New York. Titel der amerikanischen Originalausgabe:Surviving Death – A Journalist Investigates Evidence for an Afterlife Copyright © 2017 für die deutschsprachige Ausgabe bei Kopp Verlag, Bertha-Benz-Straße 10, D-72108 Rottenburg Alle Rechte vorbehalten Übersetzung aus dem Amerikanischen: Gisela Bongart Lektorat: Helmut Kunkel Satz und Layout: Helmut Kunkel Covergestaltung: Nicole Lechner ISBN E-Book 978-3-86445-542-1 eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

Gerne senden wir Ihnen unser Verlagsverzeichnis Kopp Verlag Bertha-Benz-Straße 10 D-72108 Rottenburg E-Mail: [email protected] Tel.: (07472) 98 06-0 Fax: (07472) 98 06-11Unser Buchprogramm finden Sie auch im Internet unter:www.kopp-verlag.de

Widmung

Für meinen Vater,Hamilton Fish Kean1925–2016

Einleitung

Einleitung

BEI MEINER UNTERSUCHUNG der Beweise für ein Leben nach dem Tod erlebte ich unglaubliche Dinge, die in unserer materiellen Welt eigentlich gar nicht möglich sein sollten. Und doch waren sie unweigerlich und unbestreitbar real. Trotz meiner anfänglichen Zweifel erkannte ich, dass es noch immer Aspekte der Natur gibt, die weder verstanden noch akzeptiert werden, obwohl ihre Realität tief greifende Auswirkungen auf das Verständnis der wahren Größe der menschlichen Seele und ihres möglichen Fortbestehens nach dem Tod hat.

Ich begegnete Menschen, deren Wahrnehmungsfähigkeiten die Grenzen des physischen Gehirns zu übersteigen schienen; unerklärlichen Kräften, die mit augenscheinlicher Intelligenz wirkten und in der Lage waren, Objekte zu bewegen. Und ich war dabei, als obskure und konkrete Einzelheiten von möglicherweise körperlosen Wesenheiten übermittelt wurden – Wesenheiten, die durch Menschen sprachen, denen sie unbekannt waren. Ich studierte zahlreiche veröffentlichte Schriften, darunter auch solche von Ärzten, die beschrieben, wie klinisch tote Patienten ohne Hirnfunktion von Reisen in eine großartige Jenseitsdimension berichteten.

Meine Untersuchung dieser und anderer bemerkenswerter Phänomene gab Anlass zu vielen Fragen. Wie kann es sein, dass eine Geistererscheinung einem menschlichen Beobachter zurückwinkt? Oder dass Menschen ihrer eigenen Wiederbelebung zusehen, während sie unter der Decke des OP-Raums schweben, in dem Bewusstsein, dass sie ihren Körper verlassen haben? Was ist von einer menschlichen Hand zu halten, die bei verschiedenen Gelegenheiten von einem Wesen materialisiert wurde, das als »Überlebender des Todes« deklariert wurde? Und wie konnte sich ein 2 Jahre alter Junge an zahlreiche konkrete Details aus einem früheren Leben erinnern, von denen niemand in der Familie etwas wusste und die sich später als korrekt erwiesen?

Wie in der wissenschaftlichen Literatur seit über 100 Jahren belegt, haben diese und andere Manifestationen alle eines gemeinsam: Sie legen nahe, dass Bewusstsein – oder irgendein Aspekt von uns – den physischen Tod womöglich überlebt. Ich werde Sie auf eine Reise in diese Welt mitnehmen.

Die Beweise dafür sind nur selten systematisch zusammengetragen und einer gründlichen strengen Überprüfung durch einen Journalisten unterzogen worden. Diese Aufgabe blieb vornehmlich einigen wenigen mutigen Wissenschaftlern, Philosophen, Ärzten, Psychiatern und anderen Ermittlern überlassen, die üblicherweise über ihren speziellen Forschungsbereich berichteten. Mein Anliegen ist es, einige der interessantesten Belege aus verschiedenen Quellen vorzulegen, aufzuzeigen, wie sie miteinander zusammenhängen, und sie somit intelligenten und neugierigen Lesern zugänglich zu machen, die mit diesem Material zum ersten Mal in Berührung kommen. Auf jedes Thema, für das Daten vorliegen, ganz gleich, wie ungewöhnlich oder unklar sie auch sein mögen, lassen sich strikte journalistische Regeln anwenden.

Aber dieses Buch ist keineswegs eine bloße Sammlung mit Beweisen für das Überleben des physischen Todes. Es ist für mich auch eine sehr persönliche Geschichte. Mein Bericht wäre ohne die Erfahrungen und »persönlichen Experimente«, die ein Teil von ihm sind, eindimensional und abstrakt geblieben. In diesem Sinne habe ich innerhalb dieser Untersuchung einen Schritt in eine neue Richtung unternommen, nämlich durch eigene Erfahrung und Überprüfung aus erster Hand. Ich berichte also nicht nur aus der Perspektive eines distanzierten Beobachters, der Fakten studiert und von außen einen Blick in eine fremde Welt wirft. Professionell betrachtet mag es riskant sein, diese äußerst persönlichen Ereignisse offenzulegen, doch ich empfinde es als meine Pflicht, dies zu tun. Es wäre unehrlich, Elemente auszulassen, die einen Einfluss auf mein Denken und mein Bestreben hatten, viele bemerkenswerte Phänomene zu verarbeiten – Elemente, die mich nur umso tiefer in diese Materie hineinzogen. Allerdings habe ich mich anschließend ebenso bemüht, Abstand davon zu nehmen, wodurch ich so analytisch und kritisch blieb, wie ich es bei allem anderen auch war. Verzwickt wird es, wenn man sich daran macht, die außergewöhnlichen Ereignisse zu deuten, sie zu schildern ist nicht das Problem.

Als Journalistin war ich seit über 10 Jahren an der Frage interessiert, ob es Beweise für das Überleben des Todes gibt. 2007 wurde ich Koproduzentin eines Dokumentarfilms über dieses Thema, 1› Hinweis was mir Zugang zu einigen der besten Fälle und Experten in den Vereinigten Staaten und im Ausland verschaffte. Ich reiste nach Glasgow, um mich mit der Familie eines kleinen Jungen namens Cameron zu treffen. Er hatte über ein früheres Leben gesprochen, das ihn in seinen ersten Lebensjahren verfolgt hatte. Die Erinnerungen hatten viel Gefühl und Sehnsucht nach seiner früheren Familie in ihm hervorgerufen. Seine Mutter und der Psychiater Jim Tucker, ein Experte für Reinkarnationsfälle bei Kindern, brachten Cameron schließlich zu seinem »früheren Haus« auf einer Insel namens Barra, wo sie die Genauigkeit seiner Erinnerungen dokumentieren konnten. Obwohl Cameron sehr traurig und verhalten war, während sie durch das Haus gingen, schien er danach geheilt zu sein. Seine Erinnerungen verschwanden, und er war fähig, ein normales Leben in der Gegenwart zu führen. 2› Hinweis

War all das bloß das Wunschdenken einer Mutter mit einem verhaltensgestörten kleinen Jungen? So seltsam es auch scheinen mag: Setzte der 3-jährige Cameron vielleicht eine Art übersinnlicher Mentalkraft ein, um Informationen über diesen Ort zu erlangen, mit dem ihn anscheinend nichts verband? Oder erinnerte er sich tatsächlich an ein Leben vor diesem, was ihm und schließlich auch seiner Mutter zweifellos so zu sein schien?

Ich wirkte auch bei Interviews mit zwei physischen Medien mit – Menschen also, die sich in einem Trancezustand befinden und dabei die Manifestation außergewöhnlicher physischer Phänomene ermöglichen, die, wie sie sagen, von Kräften aus der »geistigen Welt« hervorgerufen werden. In diesem Fall gehörten dazu sich bewegende Lichter, levitierte Objekte, materialisierte Hände, ungewöhnliche Bilder auf einem fabrikneuen, versiegelten Fotofilm und detaillierte Informationen von verstorbenen Verwandten. Zwischen 1993 und 1998 wurden Hunderte von Menschen in dem Ort Scole in England und in anderen Ländern Zeuge dieser Manifestationen. Die erklärte Absicht der Scole-Experimente 3› Hinweis, wie die mehr als 500 Sitzungen genannt wurden, bestand darin, die Realität eines Lebens nach dem Tod aufzuzeigen. Die Sitzungen wurden 3 Jahre lang von drei qualifizierten außenstehenden Forschern genau untersucht, die die Experimente häufig selbst durchführten und überwachten und die Vorfälle in einem ausführlichen wissenschaftlichen Bericht als echt bescheinigten. 4› Hinweis Andere, die die Fakten untersuchten, nachdem sie an nur ein paar Sitzungen teilgenommen hatten, bezweifelten, ob genügend Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden waren, vor allem, weil die meisten Experimente bei Dunkelheit durchgeführt wurden. Ich war entschlossen, diese erstaunlichen Phänomene eines Tages selbst mitzuerleben, was ich im Laufe meiner Recherche zu diesem Buch schließlich bei einem anderen Medium auch tat.

Während dieser Zeit forschte ich nach einer möglichen Antwort auf eine weitere quälende Frage: ob wir eigentlich allein im Universum sind. 1999 begann ich mit einer gründlichen Überprüfung der Hinweise auf unidentifizierte Flugobjekte, die gemeinhin als Ufos bekannt sind. Hierfür sichtete ich offizielle Fallberichte und Regierungsdokumente aus mehreren Jahrzehnten und interviewte Piloten, Militärpersonal und Regierungsbeamte. Im Laufe vieler Jahre fand ich heraus, dass es zuverlässige Beweise für die Existenz von bemerkenswerten unbekannten physischen Objekten an unserem Himmel gibt. Allerdings haben wir noch nicht herausgefunden, was sie eigentlich sind, warum sie hier sind oder woher sie kommen. Mein Werk gipfelte 2010 in der Veröffentlichung von Ufos – Generäle, Piloten und Regierungsvertreter brechen ihr Schweigen5› Hinweis. Verständlicherweise ist dieses Phänomen aus einer Menge von Gründen schwer zu untersuchen, wobei weitere harte Fakten nötig sind. 6› Hinweis Aber es ist bedauerlich, dass die umfangreiche Dokumentation über Ufos von Wissenschaftlern, die nach konventionelleren Anzeichen für außerirdisches Leben suchen, ins Abseits gedrängt und abgetan wurde. Ähnlich wurden die in diesem Buch abgehandelten »paranormalen« Vorfälle vom wissenschaftlichen Establishment lange Zeit für ein Randthema gehalten, obwohl sie es in Wirklichkeit wert sind, ernsthaft akademisch und wissenschaftlich beachtet zu werden.

Neugierde auf das physische Universum ist eine Sache, aber die universale Frage nach dem Zustand des Bewusstseins oder »Geistes« nach dem körperlichen Tod, über den die Menschen seit Anbeginn der Zeit nachdenken, hat auf unserem Planeten eine besondere Dringlichkeit. Wegen ideologischer Differenzen wird Hass geschürt, Menschen bringen sich deswegen sogar gegenseitig um, und Glaubensentstellungen können dazu benutzt werden, um das abscheulichste menschliche Tun zu rechtfertigen. Wie wäre es, wenn wir eine umfassende einheitliche Sichtweise darüber entwickeln würden, wie die Realität des Lebens nach dem Tod aussehen könnte, und zwar basierend auf Fakten? Würde dies nicht das Konfliktpotenzial miteinander konkurrierender, starrer Glaubenssysteme schwächen? Vielleicht könnte ein rationaleres Verständnis vielen Menschen am Ende ihres Lebens Trost spenden und uns zu Lebzeiten dazu motivieren, ethischer und mitfühlender zu sein. Ein besseres Verständnis für die Natur des Bewusstseins und dessen mögliches Überleben über den Tod hinaus könnte weitreichende erhellende Einflüsse auf die Menschheit haben.

Es muss nun klar geworden sein, dass dieses Buch nichts mit Dogmen zu tun hat – sei es das Dogma eines immateriellen Gottes in den verschiedenen Religionen oder das der materialistischen Wissenschaft, die behauptet, Materie sei alles, was es gibt, und alle Phänomene, einschließlich Bewusstsein, ließen sich auf physische Prozesse zurückführen. Dies bedeutet nicht, dass der eigene persönliche Glaube im Widerspruch zu dem hier vorgelegten Material stehen muss. Ich respektiere alle Sichtweisen voll und ganz und hoffe, die Beweise, die auf ein Weiterleben hindeuten, mögen für jeden, der, unabhängig von seinem individuellen Werdegang, nach objektiveren Antworten sucht, eine Hilfe und Bereicherung sein. Mein Anliegen ist es, Klarheit zu stiften, und nicht, Konflikte zu schaffen. Ich hoffe, Sie stimmen mir zu, dass es durchaus interessant wäre, zu schauen, was tatsächlich ist, wenn wir uns mit einer derart wichtigen Frage befassen.

Unabhängig von unserer individuellen Sichtweise müssen wir alle unserem bevorstehenden Tod ins Auge blicken wie auch der Tragödie, diejenigen zu verlieren, die wir lieben. Während ich die letzten 4 Jahre an diesem Buch schrieb, verlor ich meinen Vater, einen jüngeren Bruder und einen von mir hoch geschätzten Onkel. Darüber hinaus war ich dabei, als ein enger Freund mit Krebs 2011 seinen letzten Atemzug tat. Manche Menschen vertrauen auf religiöse oder mystische Glaubenssysteme, um mit der unbegreiflichen, schockierenden und häufig surrealen Endgültigkeit des Todes fertigzuwerden. Aber für viele andere funktioniert das einfach nicht. Wie diese anderen, die vielleicht Agnostiker sind, möchte ich, soweit dies möglich ist, begreifen, was dieses folgenschwere Ende des Lebens tatsächlich bedeutet. Sind wir nur der Körper, der zurückbleibt und daliegt – physische Materie mit einem Gehirn, das alle menschlichen Funktionen und jegliches Bewusstsein eingestellt hat, und zurück bleibt bloß leere Materie, kaum anders als ein Klumpen Lehm? Oder verlässt zum Zeitpunkt des Todes irgendetwas Wesentliches und Bewusstes unseren physischen Körper und geht in eine andere Existenz in einer nichtmateriellen Welt über? Selbst wenn es unmöglich sein mag, das zu beweisen, kann uns der hinreichend objektive Hinweis darauf trösten, dass diejenigen, die wir verloren haben, in einer anderen Form weiterleben und vielleicht sogar in der Lage sein werden, von »der nächsten Welt« aus mit uns zu kommunizieren.

Es wird wohl nur wenigen bekannt sein, dass die »Überlebenshypothese« seit geraumer Zeit innerhalb vieler Disziplinen formuliert und erörtert wurde. Für gewöhnlich in unbedeutenden dicken Büchern, wissenschaftlichen Abhandlungen und unterschiedlichen Forschungsbereichen verborgen, hat sie eine solide akademische und wissenschaftliche Grundlage. Um meinen Bericht aufzuwerten, bat ich zehn führende Experten und wichtige Zeugen, die erstaunliche und bahnbrechende Geschichten anzubieten hatten, exklusive Kapitel beizusteuern, sodass der Leser sie direkt von ihnen, in ihren eigenen Worten, erfahren kann.

Die amerikanischen Gastautoren sind ein Kinderpsychiater von der Universität von Virginia, der Kinder mit Erinnerungen an frühere Leben untersucht; ein Parapsychologe, der ein Experte für Geistererscheinungen ist; eine führende Forscherin, die mentalen Mediumismus unter strengen Auflagen untersucht; eine medizinisch ausgebildete Sozialarbeiterin, die an einem wahrheitsgetreuen Fall außerkörperlicher Erfahrung persönlich mitbeteiligt ist; und die Mutter eines kleinen Jungen mit Dutzenden von Erinnerungen an ein früheres Leben, die sich später als richtig herausstellten. Aus Großbritannien werden Sie mit einem Neuropsychiater Bekanntschaft machen, der sich auf Erfahrungen am Lebensende spezialisiert hat; mit einem pensionierten Psychologen der Universität Nottingham, der Trancemediumismus erforscht; und mit einem angesehenen physischen Medium. Auch ein niederländischer Kardiologe und Experte für Nahtoderfahrungen hat ein Kapitel beigetragen, ebenso ein Psychologe von der Universität von Island, der Indizien für das Überleben nach dem Tod hat, die von einem jungen isländischen Medium geliefert wurden. Viele andere waren bereit, sich interviewen zu lassen und Fallmaterial oder Zeugenberichte für dieses Buch beizusteuern.

Ich will zunächst ein paar grundlegende Punkte behandeln und werde dann mit der Reise beginnen. Am Ende des Buches werden Sie, wie ich denke, zu dem Schluss gelangen, dass das Wesen des Bewusstseins unermesslicher und komplexer ist, als man es zu erfassen vermag, dass ferner der Glaube an ein Überleben des Todes vernünftig ist und von Fakten gestützt wird und dass die Gesamtheit der Informationen weiterer Erforschung durch die Wissenschaft bedarf. Denn schließlich geht es hierbei um eine der grundlegendsten Fragen, die je von Menschen gestellt wurden.

* * *

ZUNÄCHST IST ES WICHTIG klarzustellen, was ich mit »Überleben« meine. Dieser Begriff bezieht sich nicht auf eine unpersönliche Verschmelzung mit reinem Gewahrsein oder darauf, mit einem »universalen Bewusstsein« eins zu werden, wie sich dies viele vorstellen, die meditieren oder von östlichen Religionen beeinflusst sind. Wäre dies der Fall, würden wir unsere Individualität verlieren. Bei der Frage hier geht es um das persönliche Überleben – um eine Post-mortem-Existenz, bei der, zumindest bei einigen von uns, für eine unbekannte Zeitspanne deutliche Charakterzüge und Gefühle aufrechterhalten bleiben. Der Begriff bezieht sich auf ein psychisches Fortbestehen nach dem Tod, was es der körperlosen Persönlichkeit ermöglicht, von den Hinterbliebenen erkannt zu werden, wenn diese eine Botschaft von ihnen erhalten. Die Überlebenshypothese schlägt diese Art von persönlichem Weiterleben als unbewiesene, jedoch sinnvolle Theorie vor, die viele unumgängliche Fakten erklärt. Sie steht mit anderen Worten für das Überleben des individuellen Wesens, der Seele oder des Geistes, ohne damit irgendetwas Religiöses zu meinen.

Innerhalb dieses Kontextes müssen wir uns auch darüber im Klaren sein, dass Menschen außergewöhnliche geistige Fähigkeiten haben, die die Wissenschaft nicht erklären kann. Sie mögen strittig sein, aber sie wurden seit vielen Jahren von seriösen Wissenschaftlern dokumentiert. Auch ich habe sie persönlich in Aktion erlebt. Wir bezeichnen diese Fähigkeiten als »Psi« oder übersinnliches Wirken, was austauschbar mit »außersinnlicher Wahrnehmung« (ASW) ist. Sie beziehen sich auf jene Kraft, die angewandt wird, um Informationen durch den Geist zu erzielen, ohne Einsatz der derzeitig akzeptierten fünf Sinne (Sehen, Fühlen, Schmecken, Hören und Riechen). Von einigen Menschen werden sie daher als der »sechste Sinn« bezeichnet.

Um die Überlebenshypothese zu untersuchen, müssen wir die verschiedenen Formen von Psi verstehen. Telepathie tritt auf, wenn ein Geist einen anderen beeinflusst oder aus ihm »liest«, wenn also jemand die Gedanken eines anderen empfängt. Hellsicht umfasst die Wahrnehmung von Objekten oder physischen Ereignissen aus der Entfernung, wenn man also den Aufenthaltsort von etwas Vermisstem kennt oder weiß, was ein weit entferntes Dokument besagt. Psychokinese (PK) ist der aktive Einfluss des Geistes auf Materie, der beobachtbare physische Effekte wie das Bewegen von Objekten verursacht. Präkognition ist das Wissen um zukünftige Ereignisse, ehe sie eintreten. Die Resultate all dieser Wahrnehmungsfähigkeiten lassen sich dokumentieren und verifizieren.

Wenn zwischen lebenden und körperlosen Wesen aus einer nichtphysischen Welt Kommunikation auftritt, sind die übersinnlichen Fähigkeiten häufig auf beiden Seiten die erforderlichen Werkzeuge, um die Kommunikation überhaupt zu ermöglichen. Das körperlose Bewusstsein kann nicht mehr über physische Sinne kommunizieren und ist auf Psi angewiesen, um aus dem Jenseits die physische Welt zu erreichen. Einige Lebende haben die Fähigkeit, mit einer »übersinnlichen Antenne« für diese andere Welt als eine Art Telefonvermittler zu agieren, indem sie ihre Psi-Kräfte wie unsichtbare Lichtleiter einsetzen, um von dem Körperlosen konkrete Informationen zu erhalten.

Vielleicht ist bei Ihnen gerade die rote Fahne hochgegangen. Sicherlich gibt es rund um dieses Thema reichlich viel Betrug. Viele sogenannte Hellseher und Medien haben lange Zeit leichtgläubige wie auch ernsthafte Menschen ausgenutzt. Doch in bestimmten Fällen haben Individuen mit jahrzehntelanger Erfahrung außergewöhnliche Fähigkeiten an den Tag gelegt, die unter kontrollierten Bedingungen untersucht wurden. Ob Sie es glauben oder nicht: Obwohl die Mainstream-Wissenschaft es nach über 100 Jahren Forschung nicht akzeptieren will, hat diese wiederholte Dokumentation nachgewiesen, dass solche Fähigkeiten echt sind.

Wir verstehen nicht, wie Telepathie oder Hellsicht funktionieren, doch das ist kein Grund, sie zu verwerfen. Wir verstehen ja auch nicht, wie die Schwerkraft funktioniert, und doch bestreitet niemand deren Realität. Und dann gibt es noch etwas, was die Wissenschaftler als »dunkle Energie« bezeichnen, die etwa drei Viertel unseres Universums ausmacht. Sie übertrifft die gesamte Energie von Sternen und Galaxien. 7› Hinweis Dennoch haben die Standardmodelle des Universums, die von der Physik begründet wurden, deren Existenz nicht vorhergesagt, und die Wissenschaftler haben keine Ahnung, was sie ist. »Keine Theorie kann dunkle Energie erklären, obwohl uns die experimentellen Beweise dafür ins Gesicht starren«, 8› Hinweis sagt Michio Kaku, der bekannte theoretische Physiker und Bestsellerautor. Michael S. Turner, Kosmologe an der Universität von Chicago, stuft die dunkle Energie als »das größte Rätsel in der gesamten Wissenschaft« 9› Hinweis ein.

Und innerhalb unseres Universums versteht die Wissenschaft auch die Natur des Bewusstseins nicht. »Bewusstsein wirft in der Wissenschaft vom Geist die verwirrendsten Probleme auf«, sagt David Chalmers, Philosophieprofessor an der Universität New York und an der australischen Nationaluniversität. »Es gibt nichts, was uns vertrauter ist als bewusste Erfahrung, aber es gibt nichts, was schwerer zu erklären wäre.« 10› Hinweis Der Kognitionswissenschaftler Daniel Dennett sagt, wir wüssten zumindest über die unbeantworteten Fragen innerhalb der Kosmologie, der Teilchenphysik und anderer Wissenschaftsbereiche nachzudenken. »Beim Bewusstsein jedoch herrscht immer noch schreckliche Verwirrung«, schreibt er. »Bewusstsein ist heute einzigartig als Thema, das oft selbst die herausragendsten Denker sprachlos und verwirrt zurücklässt.« 11› Hinweis

Übersinnliche Fähigkeiten (Psi-Kräfte) sind ein äußerst rätselhafter Aspekt dieser Bewussteinskonfusion, was das Erforschen des Bewusstseins für diejenigen, die nicht gerne weit vom Status quo abweichen, nur noch schwieriger macht. Wie es scheint, wollen viele Wissenschaftler vor dem ganzen unerklärlichen Durcheinander einfach nur weglaufen und Möglichkeiten finden, es zu vermeiden, sich mit den Beweisen für Psi und verwandte Themen zu befassen.

Eine Ausnahme hierbei ist Dean Radin, 12› Hinweis vielleicht die führende Autorität für die wissenschaftliche Erforschung übersinnlicher Phänomene in Verbindung mit Bewusstsein. Als Doktor der Schulpsychologie ist er leitender Wissenschaftler am Institute of Noetic Sciences (Institut für noetische 13› Hinweis Wissenschaften) in Petaluma/Kalifornien, und er hat auch Ämter an der Universität von Princeton bekleidet. Er arbeitete auch bei einem Geheimprojekt mit, das heute als Star Gate bekannt ist, bei dem er übersinnliche Phänomene für die US-Regierung erforschte. Er schreibt:

Die Realität übersinnlicher Phänomene basiert nicht mehr nur auf Glauben, Wunschdenken oder interessanten Anekdoten. Sie basiert nicht einmal auf den Ergebnissen einiger weniger wissenschaftlicher Experimente. Vielmehr sind wir aufgrund neuer Methoden in der Lage, enorme Mengen wissenschaftlicher Beweise für die Existenz dieser Phänomene auszuwerten, die ein Jahrhundert lang von einer Vielzahl von Forschern gesammelt wurden. 14› Hinweis

Der britische Psychologe David Fontana hat die Beweise für Psi mehr als 30 Jahre lang untersucht. »Übersinnliche Fähigkeiten sind eine Tatsache, kein Glaube«, schreibt er. »Was sie für unsere Sicht der Wirklichkeit sind und bedeuten, ist eine andere Frage, aber man kann sie nicht als Fiktion abtun, ohne dabei seine Glaubwürdigkeit als unvoreingenommener Beobachter einzubüßen.« 15› Hinweis Der Leser wird der Realität hochentwickelten übersinnlichen Wirkens im ganzen Buch begegnen und am Ende keinen Zweifel mehr an dessen Existenz haben.

* * *

DIE VERTRETER DES ÜBERLEBENS, die häufig als »Survivalisten« bezeichnet werden, glauben, die Hypothese des persönlichen Überlebens liefere die beste Erklärung für die Art von Fallbeispielen, die Sie auf diesen Seiten finden werden. (Und dieses Buch liefert nur einen kleinen Teil dieser Beweise.) Michael Sudduth, ein in Oxford ausgebildeter Professor für Philosophie und Religion an der Staatlichen Universität von San Francisco sowie produktiver Autor, merkt an, die Survivalisten seien bei ihrer Aufstellung der Überlebenshypothese in die Irre geleitet worden, ja sie seien sogar unaufrichtig. 16› Hinweis Ihre Version dieser Hypothese bringe »Hilfsannahmen« mit sich, die sie für gegeben hielten, ohne sie als die unbeweisbaren und nicht überprüfbaren Prämissen anzuerkennen, die sie seien. Mit anderen Worten: Bestimmte Glaubensvorstellungen darüber, wie das Überleben aussehen würde, die sich aber nicht beweisen ließen, würden in das eingebaut, was die Survivalisten als ihre »Hypothese« bezeichnen. Sie nähmen dabei an, dass zumindest einige körperlose Personen (diejenigen, die gestorben und ins Jenseits übergegangen sind) Erinnerungen und persönlich identifizierende Wesensmerkmale aufweisen; dass diese Körperlosen beabsichtigen, mit den Lebenden zu kommunizieren; dass sie die übersinnlichen Fähigkeiten haben, die dazu nötig sind, und dass sie über das Wissen verfügen, was in unserer Welt geschieht, wodurch es ihnen möglich ist, jemanden zu finden, durch den sie kommunizieren können. 17› Hinweis

Ohne diese Annahmen als Teil der Überlebensgleichung könnten wir unmöglich wissen, was als Beweis für oder gegen die Hypothese gilt. Woher aber wissen wir, ob diese Annahmen stimmen? Sie werden, so Sudduth, als gegeben vorausgesetzt, damit die Überlebenshypothese zu den Fakten passt. Diese Merkmale der Jenseitswelt und des überlebenden Bewusstseins müssten für wahr gehalten werden, damit die Überlebenshypothese Erklärungskraft hat.

Dieser Vorwurf mag abstrakt erscheinen, aber er stellt ein ideologisches Problem dar, das wir nicht ignorieren können. Wir gehen davon aus, dass die Natur des Bewusstseins »auf der anderen Seite des Todes« Eigenschaften und Beweggründe aufweist, die den unsrigen zu unseren Lebzeiten ähnlich sind. »Wir wissen nicht, wie die Erfahrung des Todes das Bewusstsein, die Mentalzustände oder Kausalkräfte immaterieller Personen möglicherweise verändert«, 18› Hinweis wirft Sudduth ein. Stellen Sie es sich so vor: Wir wissen, dass die Quantenwelt – die unendlich kleinen, mit Leben erfüllten Bestandteile der Materie – von anderen Prinzipien und Gegebenheiten als denen regiert wird, die wir aus unserem alltäglichen Leben kennen. Wie anders und für uns unvorstellbar mag eine Welt sein, in der das Bewusstsein nach dem Tod existiert?

Zum Glück bietet Sudduth eine, wie er es nennt, »gefestigte« oder »robuste« Überlebenshypothese 19› Hinweis an: eine, in der wir die zuvor aufgelisteten Annahmen unterbringen können, solange wir uns dessen bewusst sind, sodass wir etwas haben, womit wir arbeiten können. Das ist die Hypothese, die auf diesen Seiten untersucht wird. Wenn wir diese Annahmen über das Wesen des Daseins akzeptieren, das die Survivalisten für wahr halten, aber nicht beweisen können, dann sind die Beweise in der Tat überzeugend. Sie werden verstehen, warum die Survivalisten an diese Eigenschaften des jenseitigen Daseins glauben, wenn Sie die hier vorgelegten Fallstudien und persönlichen Berichte kennenlernen. Viele Theoretiker folgerten, das Überleben nach dem Tod sei die logischste Erklärung für die gesammelten Fakten. Ferner wurden wissenschaftliche Studien und Forschungsberichte veröffentlicht, die diese Sicht untermauern.

Dies führt uns zu der offensichtlichen Frage: Gibt es eine andere Möglichkeit als die des Überlebens, um die umfangreichen Indizien zu deuten, eine, die sinnvoll ist und sie erklären könnte? (Ich weiß, der Leser hat die Indizien noch nicht gesichtet, aber diese Denkmodelle sind der nötige Hintergrund, um eine vernünftige Einschätzung vornehmen zu können.)

Es gibt eine konkurrierende Hypothese, die in Forscherkreisen für viel Diskussion und Verwirrung gesorgt hat. Sie behauptet, die Indizien könnten einfach durch das übersinnliche Wirken von Lebenden erklärt werden, sodass sich das Modell einer Kommunikation mit Verstorbenen erübrige.

Das würde bedeuten: Wenn Medien verifizierbare Botschaften erhalten, deren Quelle sie z. B. als ein körperloses Wesen interpretieren, setzen sie in Wirklichkeit ihre hochentwickelte Telepathie ein, um aus dem Geist derjenigen zu lesen, die mit dem Verstorbenen verbunden sind, denn auch dort sei die Information ja zu finden. Die menschlichen Quellen könnten physisch weit entfernt sein, das spiele bei Telepathie keine Rolle. Oder aber begabte Menschen, die in der Lage sind, ein verstecktes Testament aufzufinden, dessen Verbleib allen Lebenden unbekannt ist, könnten ihre eigene Hellsicht einsetzen, statt darauf angewiesen zu sein, dass der nun körperlose Verfasser des Testaments ihnen dessen verborgenen Ort übermittelt. Menschen mit hochentwickelten Psi-Fähigkeiten könnten diese Information unbewusst dahingehend interpretieren, dass sie von einem körperlosen Bewusstsein außerhalb ihrer selbst stammt. Aber tatsächlich schlägt die Hypothese vor, alle Informationen seien ausschließlich durch eigene Telepathie und Hellsicht aus irdischen Quellen gewonnen worden, egal wie ausgeprägt die Fähigkeit auch sei.

Diese Gegenerklärung ist bekannt als die Hypothese vom »Psi eines lebenden Akteurs«, kurz PLA, im Gegensatz zur Überlebenshypothese, die vorschlägt, dass die Informationsquelle ein körperloses Wesen sei. Manchmal wurden die extremeren Beispiele für die übersinnlichen Fähigkeiten des Menschen als »Super-Psi« bezeichnet, da sie weit über das hinausgehen, was sich in einem Labor demonstrieren lässt, aber PLA umfasst die volle Bandbreite. Mit anderen Worten steht also nur die Quelle des Psi zur Diskussion, nicht das Psi selbst.

Die Gültigkeit der Hypothese vom lebenden Akteur wurde in allen Einzelheiten von dem Philosophen Stephen Braude, emeritierter Professor an der Universität von Maryland, 20› Hinweis in seinem brillanten und anspruchsvollen Werk Immortal Remains: The Evidence for Life After Death (2003) erörtert und analysiert. Diese akribische Abhandlung hat mir wegen ihrer Stringenz als unverzichtbare Quelle bei meiner Recherche gedient. Zusammen mit Michael Sudduth gehört Braude zu den striktesten und penibelsten aller kritischen Analysten, die sich gegenwärtig mit dem vorliegenden Thema auseinandersetzen.

Doch wie die Überlebenshypothese ist auch die PLA-Hypothese von ihren eigenen Hilfsannahmen oder eingebauten theoretischen Glaubenssätzen abhängig. Im Mittelpunkt steht die auf erwiesene paranormale Vorgänge gestützte Annahme, dass die übersinnlichen Fähigkeiten des Menschen in ihrem Einflussbereich und ihrer Bandbreite praktisch unbegrenzt sein können. »Keine wissenschaftliche Theorie lässt irgendeine Form von Psi abwegig erscheinen«, 21› Hinweis stellt Braude fest. Unter dieser Voraussetzung kann praktisch alles, was sich als Beweis für das Überleben interpretieren ließe, theoretisch auch als ein Produkt unbegrenzter menschlicher Psi-Kräfte gedeutet werden.

Einige Analysten können jedoch nicht akzeptieren, dass Menschen fähig sind, das erforderliche Psi für die dokumentierten Extremfälle hervorzubringen, denen Sie bald begegnen werden. Sie siedeln die Quelle solcher Manifestationen daher irgendwo jenseits des menschlichen Geistes an. Aber dabei gibt es einen Haken. Ist es logisch, zu behaupten, dass diese extremen übersinnlichen Fähigkeiten eher zu akzeptieren sind, wenn sie einer verstorbenen statt einer lebenden Person zugeschrieben werden? Braude bringt auch das Argument an, wir hätten keinen klaren Maßstab oder Standard dafür, was als außerordentlich gelte. Möglicherweise sei das für PLA erforderliche Ausmaß von Psi gar nicht so extrem – es sei bloß besser als das, was wir normalerweise im Labor zu sehen bekommen.

Unabhängig von der Frage nach der Psi-Quelle ist die Demonstration übersinnlichen Wirkens, dem wir in Kürze begegnen werden, wirklich umwerfend. Ich habe Sie in die Diskussion über »PLA versus Überleben« eingeführt, um einen Rahmen abzustecken und einen Bezugspunkt zu schaffen, auf den wir im Verlauf des Buches immer wieder zurückgreifen können.

Braudes vorrangiges Ziel beim Schreiben von Immortal Remains war es, festzustellen, ob eine survivalistische Interpretation der Indizien einleuchtend ist, während er auch die Rolle betrachtete, die das Psi eines lebenden Akteurs spielen könnte.

Er stellt fest: »Ich würde sagen, im Großen und Ganzen bekräftigen die Beweise ziemlich stark die Sichtweise, dass einige Aspekte unserer Persönlichkeit und unseres persönlichen Bewusstseins, eine größere Portion unserer unverwechselbaren Psyche, den Tod unseres Körpers überleben können, zumindest eine Zeit lang.« 22› Hinweis Sudduth schlussfolgert, wie viel von dem Phänomen eine der beiden Hypothesen erklären könne, hänge davon ab, von welchen Prämissen man ausgehe und welche Erklärungskriterien man verwende. Auf dieser theoretischen Ebene sei die Schlussfolgerung eine Frage der persönlichen Meinung. »Braude und ich kritisieren die Argumente für das Überleben, nicht die Überlebenshypothese an sich«, 23› Hinweis sagte er mir.

Ein anderer fachkundiger Kommentator, der in diesem Buch zu Wort kommen wird, ist der zuvor erwähnte britische Psychologe David Fontana, Autor des umfangreichen Klassikers Is There an Afterlife? von 2005. Fontana starb 2010. Er schrieb mehr als zwei Dutzend Bücher über Psychologie, die in 26 Sprachen übersetzt wurden, und war außerdem jahrzehntelang Psi-Forscher und Vorsitzender der bekannten Society for Psychical Research in London. Fontana ist ein sachkundiger Survivalist, mit dem Braude nicht immer einer Meinung ist. Wie Fontana erkannte, können einige der Indizienfälle, die für das Überleben sprechen, ebenso gut durch das Psi eines lebenden Akteurs (PLA) erklärt werden. Dennoch schreibt er: »Die Behauptung, alle oder auch nur die meisten dieser Fälle ließen sich durch solche Fähigkeiten erklären, strapaziert die Hypothese weit über die Belastungsgrenze hinaus.« 24› Hinweis

Noch eine letzte Anmerkung: Bei den hier vorgestellten Fällen können wir das Offensichtliche – was Braude als »die üblichen Verdächtigen« bezeichnet –, wie Betrug, Beobachtungsfehler, Fehler in der Berichterstattung oder jegliche Art von Unehrlichkeit oder Irreführung, ausschließen. Das sind ja stets die ersten Überlegungen, und kämen sie infrage, würden sie in diesem Buch nicht auftauchen. Braudes »unübliche Verdächtige«, die als »abnormale oder seltene Prozesse« definiert sind, 25› Hinweis wie dissoziative Erkrankungen, beispiellose Formen von Inselbegabung oder latente kreative Fähigkeiten, sind in manchen Fällen schwerer auszuschließen, doch das sind eher undurchsichtige Aspekte, die als Erklärung für die hier vorgestellten Phänomene unwahrscheinlich sind.

Der Leser sollte wissen, dass es für jeden Fall oder Zeugenbericht, den ich anführe, viele weitere gibt. Ich entschied mich, weniger Fälle ausführlicher vorzustellen, statt einen Überblick über viele oberflächlich abgehandelte Fälle zu geben. Obwohl ich versucht habe, die beweiskräftigsten Fälle auszuwählen, wird der Leser in der Literatur noch viele weitere finden, die das Nachdenken anregen. In den Anmerkungen am Ende dieses Buches wird auf viele dementsprechende Bücher und Videos verwiesen.

Lassen Sie uns nun also die Reise antreten. Während wir fortfahren, sollten wir uns an die berühmten Worte von William James erinnern: »Um die Behauptung, alle Krähen seien schwarz, zu widerlegen, reicht es aus, eine weiße Krähe zu finden.« 26› Hinweis Vielleicht werden Sie auf den folgenden Seiten Ihre weiße Krähe finden und das Gesetz entkräften, dass der Tod endgültig ist. In jedem Fall hoffe ich, dass Sie die Reise genießen.

TEIL EINS: Gibt es ein »Leben« vor der Geburt?

TEIL EINS

Gibt es ein »Leben« vor der Geburt?

Nach deinem Tod wirst du sein, was du vor deiner Geburt warst.

–– ARTHUR SCHOPENHAUER

KAPITEL 1: »Flugzeugabsturz mit Feuer!«

KAPITEL 1

»Flugzeugabsturz mit Feuer!«

Viele Jahrzehnte lang haben Forscher Fälle von kleinen Kindern dokumentiert, die häufig nicht älter als 2 Jahre alt sind und von Erinnerungen berichten, die, wie sie sagen, aus einem früheren Leben stammen. In einigen Fällen liefern die Kinder genügend konkrete Einzelheiten – wie Namen, Orte und Todesart in diesem früheren Leben –, um den Fall zu »lösen«. Das bedeutet, Dokumente und Familienmitglieder aus diesem angeblichen früheren Leben werden gefunden, und die vom KindübermitteltenFakten erweisen sich als zutreffend für das Leben einer bestimmten Person.

Albträume über einen eigenen vergangenen Tod, Verhaltensweisen und ein Wissen, das mit einem einstigen Beruf zusammenhängt, Sehnsucht nach früheren Familienmitgliedern und Phobien im Zusammenhang mit dem ehemaligen Leben sind zusammen mit den Erinnerungen häufig Teil der Welt des Kindes. Die meisten veröffentlichten Fälle traten in asiatischen Ländern auf, doch kürzlich wurden auch in den Vereinigten Staaten einige gut belegt.

Es versteht sich von selbst, dass diese verwirrenden Ereignisse für die Eltern eines solchen Kindes sehr beunruhigend sein können, besonders wenn Kultur und Religion der Familie den Glauben an die Wiedergeburt nicht unterstützen. Für Familien wie die, die Sie gleich kennenlernen werden, hat die unbestreitbare Stimmigkeit der Erinnerungen ihres Kindes Vorrang vor jeglichem Vorbehalt, den sie vielleicht hegen. Solche Fälle liefern starke Anhaltspunktefür die Möglichkeit, dass wirerneut geboren werden können und somit den Tod überleben.

Bruce und Andrea Leininger, ein attraktives, gebildetes Elternpaar der Mittelschicht aus Lafayette/Louisiana, hatten keine Ahnung, was sie im Jahr 2000 erwartete, als ihr kleiner Sohn James zu sprechen begann. Andrea, einst eine professionelle Ballerina beim San Francisco Ballet und dem American Ballet Theatre, unterrichtet heute einörtliches Tanzensemble. Bruce ist Personalleiter beim Gemeindeschulamt von Lafayette. Nach zahlreichen Gesprächen mit mir stellte er für dieses Kapitel Originalauszüge aus seinen Aufzeichnungen zur Verfügung, die seine emotionale und spirituelle Transformation bei diesem Martyrium27› Hinweisbeschreiben.

ALS JAMES LEININGER noch nicht ganz 2 Jahre alt war, nahm sein Vater Bruce ihn bei einem Besuch der Familie in Dallas mit ins Cavanaugh-Flugmuseum. Als sie draußen auf der Rollbahn waren, kreischte James aus irgendeinem Grund vor Freude auf, als er die F-104 Thunderchief sah, die dort geparkt war. Der ausgeglichene und glückliche Knirps stand still vor den Flugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg, fast ehrfürchtig, wie von einem Magneten angezogen. Nur ein Absperrungsseil trennte ihn von den geparkten Kampfflugzeugen, und er versuchte ständig, näher an sie heranzukommen. Wann immer sein Vater ihn an der Hand nahm und versuchte, ihn zu einem anderen Ausstellungsstück zu führen, wehrte sich James mit verzweifelten, durchdringenden Schreien. Bruce war verblüfft, für ihn fühlte sich das unheimlich an. Nach 3 Stunden konnte er James nur mit dem Versprechen weglocken, einen Ausflug zu einem Flugplatz zu machen, wo er richtige Flugzeuge abheben sehen konnte.

Im folgenden Monat war James’ Mutter Andrea mit ihm in einem Kindersportwagen unterwegs, als sie an einem Hobbyladen mit einem Angebotstisch voller Plastikspielzeug draußen vorbeikam. Sie griff nach einem mit einem Plastikpropeller ausgestatteten Flugzeugmodell, gab es James und zeigte ihm, dass an der Unterseite sogar eine Bombe befestigt war. James untersuchte es einen Moment lang, schaute auf und informierte sie: »Das ist keine Bombe, Mammi, das ist ein Abwurftank.«

Andrea wusste nicht, was ein Abwurftank war. Bruce erklärte ihr später, es sei ein zusätzlicher Benzintank, den Langstreckenflugzeuge mit sich führten. Keiner von ihnen konnte sich erklären, woher James, der kaum sprechen konnte, je von etwas wie einem Abwurftank gehört hatte.

James war das einzige Kind der Leiningers und wurde von ihnen über alles geliebt. Zu der Zeit hatte Bruce gerade begonnen, für die Oil Fields Services Corporation of America zu arbeiten, und Andrea war Vollzeitmutter. Bruce war als Methodist erzogen worden, ging während seiner Kindheit jeden Sonntag in die Kirche und fand dort Trost und Geborgenheit. Als er älter wurde, schloss er sich der evangelikalen Bewegung an und traf sich alle 2 Wochen mit der Full Gospel Business Men’s Fellowship zu Bibelstudien. Er hielt sich selbst für einen »guten Christen auf einem steten Pfad spirituellen Wachstums«. Aber nach kurzer Zeit sah Bruce all dies bedroht von etwas, das seinen Glauben und seine Identität durch und durch erschütterte.

Im Mai, einen Monat nachdem James zwei wurde, nahm Bruce ihn noch einmal mit in das Flugmuseum in Dallas, wo er den Jungen fotografierte, wie er gebannt vor einem Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg stand. Bruce und Andrea hatten beobachtet, dass ihr Sohn seit dem letzten Besuch eine Faszination für Spielzeugflugzeuge entwickelt hatte – er spielte mit nichts anderem. Seine Besessenheit galt nicht x-beliebigen Spielzeugflugzeugen, sondern insbesondere solchen aus dem Zweiten Weltkrieg. Er legte eine seltsame Vertrautheit mit ihnen an den Tag, eine innige Verbundenheit, und er besaß auch Wissen über sie, das wie aus dem Nichts zu kommen schien.

Und dann begannen die Albträume. Sie waren sogar schlimmer als gewöhnliche Albträume. James hatte schreckliche Angst und schlug im Tiefschlaf heftig um sich, während unkontrollierbare, markerschütternde Schreie aus seinem Bettchen drangen. Bis zu fünfmal die Woche wurde die Familie davon geplagt. Die Albträume waren so beunruhigend, dass Andrea mit James zum Kinderarzt ging, der herausfinden sollte, ob mit ihm etwas nicht stimmte. Der Arzt konnte nichts feststellen, aber die wiederkehrenden Träume gingen unerbittlich weiter und torpedierten die Harmonie der Familie.

Nach ein paar Monaten kam es zu einem Wendepunkt, als eines Nachts plötzlich Worte die groben Schreie begleiteten. Andrea rief nach Bruce, er möge bitte kommen. Bruce beschreibt es so:

Ich stand in der Tür zum Kinderzimmer. Auf dem Rücken in seinem Kinderbett liegend, strampelte James wie wild und zerrte an seinen Deckchen, als versuche er, sich aus einem Sarg freizukämpfen. Er warf seinen Kopf hin und her und schrie immer wieder: »Flugzeugabsturz mit Feuer! Kleiner Mann kommt nicht raus!«

James war gerade erst zwei geworden und begann zu lernen, in ganzen Sätzen zu sprechen, doch seine Worte wirkten in ihrer Verzweiflung so unkindlich. »Abgestürztes Flugzeug in Flammen! Kleiner Mann kommt nicht raus!« Ich wollte ihn beschützen, aber ich hatte Angst und war wie gelähmt. Was geschah da mit meinem Sohn?

Die Träume und dieselben Worte wiederholten sich monatelang. Dann begann James, dieselben Worte auch dann zu sprechen, wenn er wach war. Einmal im Auto, als Andrea Bruce wegen einer Geschäftsreise am Flughafen absetzte, wandte sich James, als sein Vater ausstieg, an seine Eltern: »Daddys Flugzeug wird abstürzen! Großes Feuer!«, sagte er zu ihnen. Zu Hause warf er seine Spielzeugflugzeuge mit den Propellern voran so oft auf den Couchtisch, dass die Propeller abbrachen und der Tisch beschädigt wurde. Und nachts schien es, als durchlebte er etwas, das nur allzu real war. Für seine besorgten Eltern ergab dies einfach keinen Sinn. Eines Abends las Andrea ihm im Bett Dr. Seuss 28› Hinweis vor.

In einem sehr entspannten Zustand begann James spontan über den Traum zu sprechen und spielte den Absturz mit seinem Körper nach, während er völlig wach war. Zitternd fragte seine Mutter ihn, wer »der kleine Mann« denn sei. James sagte: »Ich.« Bruce kam ins Zimmer und fragte ihn noch einmal: »Wer ist der kleine Mann?«, und er wiederholte: »Ich.« Bruce beschreibt das Gespräch wie folgt:

»James, was ist mit deinem Flugzeug passiert?«

James antwortete: »Es ist brennend abgestürzt.«

»Warum ist dein Flugzeug abgestürzt?«

»Es wurde abgeschossen.«

»Wer hat auf dein Flugzeug geschossen?«

James warf den Kopf zurück und sah mich an, als wäre die Antwort offensichtlich. Die Frage kam ihm anscheinend so verrückt vor, dass er seine Augen verdrehte.

»Die Japaner«, sagte er verächtlich wie ein ungehaltener Teenager.

Er war gerade mal zwei. Es fühlte sich an, als wäre die Luft aus dem Zimmer herausgesaugt worden.

Bei einer anderen Gelegenheit wurde James noch konkreter. Er sagte ihnen, der Name des kleinen Mannes sei James. Seine Eltern vermuteten, er wiederhole einfach nur seinen eigenen Namen, wie jeder 2-Jährige das macht, und spiele dabei in seinem Kopf irgendein Szenario durch, an dem ein Pilot beteiligt war. Als sie ihn aber mehr über das Flugzeug befragten, sagte James, dass »der kleine Mann« einen Flugzeugtyp namens Corsair flog. Er sagte auch, sein Flugzeug habe von einem Schiff abgehoben. Sein Vater fragte ihn nach dem Namen des Schiffes, und er entgegnete: »Natoma.« Bruce merkte an, der Name klinge japanisch, aber James versicherte seinen Eltern, es sei ein amerikanisches Schiff, wieder mit einem gereizten Blick, als ob sie Idioten wären. Bruce schreibt:

Ich zuckte zusammen, als wäre ich geschlagen worden. Er kannte den Flugzeugtyp. Wie konnte James den Namen eines Kampfflugzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg wissen, ganz zu schweigen von der Gewissheit, dass es das Flugzeug aus seinem Traum war? Und woher zum Teufel wusste James, dass sie von Flugzeugträgern aus starteten? Nichts, was er je gesehen, gelesen oder gehört hatte, hätte ihm diese Erinnerung eingeprägt haben können.

Ich war überzeugt, ich müsse James irgendwie in eine Falle locken, um die Risse und Fehler in seiner Geschichte zu finden. Ich wollte etwas Handfestes auf Papier, das den Beweis dafür lieferte, dass dies irgendeine Art von Fantasie war. Ich tat die Japaner, die Corsair und auch das Schiff als irgendeine seltsame Geschichte in seinem Kopf ab. Aber dann ging ich ins Internet. Nachdem ich ein paar Seiten mit Treffern zu dem Wort »Natoma« gelesen hatte, blickte ich erstaunt auf ein Schwarz-Weiß-Foto der Natoma Bay, eines kleinen Flugzeugträgers der Vereinigten Staaten, der im Zweiten Weltkrieg im Pazifik gekämpft hatte. Andrea kam herein, und ich zeigte ihr das Bild. Wir waren völlig perplex, und uns standen die Haare zu Berge.

Es machte mich auf seltsame Weise verrückt. James ging noch nicht einmal aufs Töpfchen und erzählte mir etwas, das meine Welt erschütterte. Die Geschichte zog mich in mir völlig unbekannte Regionen. Ich begann, in stille Panik zu verfallen. Meine Frau und die Familie machten sich Gedanken über ein mögliches »früheres Leben«. Ich entgegnete ihnen: »Niemals, nicht in meinem Haus!« Ich musste Recht damit haben. Meine spirituelle Seite wurde vom christlichen Glauben bestimmt, der die Wiedergeburt nicht akzeptierte. Punkt. Und die Welt war ein vernünftiger Ort, wo es für alles eine wissenschaftliche Erklärung gab. Es musste einfach eine logische Erklärung geben!

Bruce druckte von einer Website Informationen über die Natoma Bay aus, die in der Fallakte mit dem Ausdruckdatum 27. 08. 2000 aufbewahrt wurden. Das ist ein wichtiges Detail, denn es liefert einen datierten Eintrag, wann Bruce diese Recherche durchführte, und zwar als Reaktion auf James’ Aussage, wodurch klar wird, dass die Aussagen gemacht wurden, ehe irgendetwas über die Person bekannt wurde, die James aus einem »früheren Leben« beschrieben haben mag. Die Corsair war ein amerikanisches Kampfflugzeug, das vorwiegend von den Marines eingesetzt wurde, aber im Zweiten Weltkrieg auch von der U. S. Navy. Es ist wichtig festzuhalten, dass es in dem Flugmuseum, das James besuchte, keine Corsair gab 29› Hinweis und dass er mit nichts in Berührung gekommen war, das mit dem Flugzeug zu tun hatte.

Mittlerweile waren eine Reihe von Familienmitgliedern zu Besuch gekommen und hatten das erschreckende Schauspiel der Albträume miterlebt. Im Oktober, als James zweieinhalb war, erklärte er eines Abends, er könne sich aus seinen Albträumen leider nicht an den Nachnamen des »kleinen Mannes« erinnern. Aber er sagte, dieser James habe einen besten Freund gehabt. Nach dessen Namen gefragt, entgegnete James: »Jack Larsen, er war auch Pilot.« Die Spezifität des Namens veränderte alles. Und es tauchte auch noch ein anderes wichtiges Detail auf. James erzählte seinen Eltern, sein Flugzeug sei am Motor getroffen worden, vorn, wo sich der Propeller befand. Merkwürdigerweise waren bei all seinen einmotorigen Spielzeugflugzeugen die Propeller an der Nase abgebrochen, da James das Absturzszenario immer wieder nachspielte.

Und schließlich lieferte James am Thanksgiving-Wochenende aus heiterem Himmel ein weiteres Puzzlestück. Er wartete auf einen Zeichentrickfilm, der gleich anfangen sollte, und als er ungeduldig wurde, bat sein Vater ihn, auf seinen Schoß zu kommen. Sie begannen, sich das Buch The Battle for Iwo Jima anzuschauen, das Bruce als Weihnachtsgeschenk für seinen Vater, einen ehemaligen Marine, bestellt hatte. (James’ Großvater lebte über 2000 Kilometer entfernt in Pennsylvania und war während dieser Vorfälle nur einmal im Haus gewesen.) Als sie zu einer Seite mit einem Foto von Iwo Jima kamen, zeigte James darauf und sagte: »Daddy, das ist, als mein Flugzeug abgeschossen wurde und abstürzte.« Er benutzte das Wort »als« anstelle von »wo«, als er auf ein Foto von Iwo Jima und ein daneben stehendes Diagramm zeigte, wobei er die Insel nie beim Namen nannte.

Jedes Mal, wenn sich ein neues Detail zum Puzzle hinzufügte, wurde Bruce noch mehr verunsichert. »Je mehr ich von James erfuhr, desto stärker fühlte ich mich berufen, zu beweisen, dass die Albträume und alles andere nichts weiter als das zufällige Geschwätz eines Kindes waren«, schreibt er. »Ich verhärtete mich und wurde zu einem eifrigen Skeptiker. Nun, da ich den Namen Jack Larsen hatte, konnte ich etwas über ihn herausfinden, und damit würde ich meinen Standpunkt untermauern, überlegte ich. Ich musste in der Familie die Stimme der Vernunft hochhalten.«

Zu diesem Zeitpunkt vermutete Bruce, die Person aus dem Traum, die bei dem Absturz umkam, sei Jack Larsen. Wenn Bruce seinen Sohn nach dem Namen des »kleinen Mannes« in seinem Traum fragte, hatte er stets James gesagt, was einfach sein eigener Name gewesen sein musste. Da Bruce nicht akzeptierte, dass James von einem früheren Leben träumte, dachte er, Jack Larsen wäre der wichtige Name, wahrscheinlich die Hauptperson des Traums. (Rückblickend wirkt diese Schlussfolgerung in der Tat seltsam, aber während Bruce noch damit rang, die Geschichte zu leugnen, erschien ihm diese Sichtweise sinnvoll.)

Wenn Larsen derjenige war, der im Traum abstürzte, so war er jetzt tot. Bruce begann, nach Einträgen zu suchen. Er stieß auf die Website der American Battle Monument Commission, kurz ABMC, die US-Soldaten auflistete, die entweder als vermisst galten oder im Ausland begraben wurden. Auf dieser Liste standen 170 Larsons oder Larsens, die im Zweiten Weltkrieg gefallen waren, aber nur zehn von ihnen hatten den Vornamen Jack, James oder John.

Bruce verbrachte damals viele Monate damit, eifrig alles zu recherchieren, was er nur finden konnte, um zu einer Erklärung für das zu gelangen, was James sagte. Er stellte fest, dass die USS Natoma Bay im Oktober 1943 in den Dienst der Navy gestellt wurde. Der Absturz mit Jack (oder John) Larson (oder Larsen) hätte also zwischen diesem Zeitpunkt und dem Kriegsende im August 1945 stattgefunden haben müssen. Die Corsair war vor 1944 nicht auf Flugzeugträgern der Navy zum Einsatz gekommen. Und Bruce fand heraus, dass die Natoma Bay in Iwo Jima gewesen war, um dort im März 1945 die Invasion der US Marines zu unterstützen.

Irgendwann später suchte Bruce nach »Treffen der Kriegsveteranen aus dem Zweiten Weltkrieg«, und Dutzende von Websites tauchten auf. Eine davon, die der Escort Carriers Sailors and Airmen Association, enthielt einen Hinweis auf ein Treffen der »Natoma Bay Association«. Im Laufe von einigen Wochen versuchte Bruce, Männer anzurufen, die dort aufgelistet waren, wobei er vorgab, für ein Buch über die Natoma Bay zu recherchieren. Er erreichte schließlich Leo Pyatt, der sagte, er habe während der Schlacht um Iwo Jima in der Staffel VC-81 insgesamt 36 Kampfeinsätze geflogen, jeweils mit Start vom Flugzeugträger. Bruce druckte während dieser Recherche Informationen aus, die auf das Jahr 2000 datiert sind und seither in der Fallakte aufbewahrt sind.

Bruce fragte Pyatt, ob er einen Jack Larsen kenne, und ohne auch nur zu überlegen sagte Pyatt, ja, er kannte einen Jack Larsen, der »eines Tages abhob, und dann sahen wir ihn nie wieder«. Er erzählte Bruce auch, er wisse nichts von irgendwelchen Corsairs, die von der Natoma Bay gestartet wären. Bruce war sowohl erleichtert als auch beunruhigt:

Die Tatsache, dass James einen Fehler gemacht hatte – die Corsairs – beruhigte mich auf seltsame Weise. Die Corsairs waren für meine Skepsis ausschlaggebend. James bestand darauf, er sei eine Corsair geflogen, aber dies stimmte nicht mit den Fakten überein. Ich spürte wieder Boden unter meinen Füßen. Schließlich war alles doch nur ein Traum.

Aber Leo kannte den Namen Jack Larsen. Wie hätte James vom Namen eines echten Mitgliedes der Staffel träumen können? Es war eine Enthüllung, die mich erschauern und still werden ließ. Dieses Gespräch mit Leo entfachte ein Feuer in mir, das meine Seele auffraß. Ich hatte Angst, war bestürzt und wütend zugleich. Auf jeden Fall bäumte sich etwas in mir auf. Ich war entschlossen, meine Suche so lange fortzusetzen, bis ich die Antwort hatte.

Entsprechend dem Vorschlag der Beraterin Carol Bowman, die über solche Fälle recherchiert und geschrieben hatte, versuchte Andrea, James zu erklären, dass seine albtraumhaften Erinnerungen aus der Vergangenheit stammten, aber hier und jetzt sei er sicher. Allmählich nahm die Häufigkeit der Albträume ab bis auf einen etwa jede 2. Woche. Andreas ausgefeilte Zu-Bett-Geh-Rituale, die den Schrecken aus seinem Kopf trieben und »für gute Träume sorgten«, haben vielleicht geholfen. Aber James’ Spleen für eine Vielzahl von Flugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg hielt an – er verwandelte seinen Halloween-Kürbis in eine F-16 Thunderbird.

Im Frühjahr 2001 dann begann James wie wild Zeichnungen von seinen Erinnerungen anzufertigen, und zwar haufenweise. Sie zeigten Schlachtszenen, zu denen für gewöhnlich der brutale Absturz eines brennenden Flugzeugs zählte, mit Bomben, die drumherum niedergingen. Obwohl er noch nicht schreiben konnte, gelang es ihm, sie mit »James 3« zu unterzeichnen, was seine Eltern erstaunte, da er erst im Mai dieses Jahres drei wurde. Als sie ihn nach dem Grund dafür fragten, entgegnete er: »Weil ich der dritte James bin.« Und er fuhr fort, Hunderte von Zeichnungen zu machen und sie mit »James 3« zu unterzeichnen.

Dem Kinderpsychologen Jim Tucker von der Universität von Virginia, einem Experten für solche Fälle (der ein Kapitel zu diesem Buch beigetragen hat), war ein derartiges Verhalten nicht fremd. »Diese Art von zwanghafter Wiederholung ist ein oft zu beobachtendes Phänomen bei Kindern, die ein größeres Trauma überlebt oder mitangesehen haben; man nennt das posttraumatisches Spiel«, sagt er. »Da das Zeichnen mit den wiederkehrenden Albträumen über die gleiche Art von Szene einherging, deuten sie darauf hin, dass ein Kind versucht, ein traumatisches Erlebnis zu verarbeiten.« 30› Hinweis Ferner berichtet Tucker, der sich mit den Leiningers traf, als James zwölf war, und der Bruce und Andrea ausgiebig interviewte, dass James in einem Abstellraum ein Spielzeugcockpit geschaffen hatte, wobei er auf einem alten Autositz saß. Er spielte Pilot und fiel dann aus der Tür, als würde er mit einem Fallschirm abspringen, nachdem er getroffen worden war. 31› Hinweis Da sein Traum und seine Zeichnungen von einem Mann handelten, der in einem brennenden Flugzeug eingeschlossen war und es nicht schaffte, sich freizukämpfen, erscheint es wahrscheinlich, dass James’ Nachstellung mit positivem Ergebnis einen Versuch dargestellt haben könnte, das vorhergehende Trauma aufzulösen, indem er seine gescheiterte Flucht aus dem brennenden Flugzeug durchspielte, es dabei aber verließ.

Soweit wir wissen, ist James in seinem kurzen Leben nichts zugestoßen, was das potenzielle Trauma erklären könnte, das seinen Geist und seine Gefühle Tag und Nacht beherrschte. Man kann sich nur vorstellen, wie beunruhigend dies für seine Familie war. Zum Glück verging die Zeit, und eine Weile verlief alles ruhig. James spielte, unterhielt sich und wuchs wie jedes andere normale Kind auf. Doch Bruce und Andrea wussten nie, ob die leidige Sache nicht doch wieder zum Vorschein käme.

Durch die Vermittlung von Carol Bowman wurden die Leiningers eingeladen, in einer Pilotsendung für eine neue Fernsehshow namens Strange Mysteries aufzutreten, die vom Sender ABC produziert wurde. Zunächst zögerten sie, doch dann überlegten sie sich, dass das vom Produzenten verwandte Quellenmaterial vielleicht zu neuen Antworten führen würde. Die Eltern willigten schließlich ein, nannten aber nicht ihre Nachnamen und sagten auch nicht, wo sie lebten. Bei den Vorbereitungen zur Show hatte die Moderatorin Shari Belafonte nach einem Navy-Piloten namens Jack Larsen gesucht, der im Zweiten Weltkrieg gefallen war, und dies ist in ihrer Korrespondenz mit Bruce dokumentiert.

Die Sendung wurde im Sommer 2002 aufgezeichnet, als James vier war. Wie es oft der Fall ist, wenn Pilotfolgen für potenzielle Shows produziert werden, wurde sie nie ausgestrahlt, aber es gibt nun wichtiges Filmmaterial, das eine Aufzeichnung von James’ Aussagen enthält, ehe der Fall aufgeklärt wurde. Dies bestätigt, dass der Geschichte später nichts hinzugefügt wurde, nachdem die Fakten da waren. Denn James’ Aussagen wurden aufgezeichnet, ehe bekannt war, ob sie einen Sinn ergaben und ob es je Antworten dafür geben würde.

Als die für diesen Beitrag zuständige ABC-Produzentin Shalini Sharma sich mit James traf, erzählte er ihr unversehens mehr über die Corsair, während er ihr ein Foto des Flugzeugs in einem Buch zeigte. »Sie hatten ständig platte Reifen. Und beim Start wollten sie immer nach links«, 32› Hinweis sagte er. Als Shalini Sharma später zu Corsair recherchierte, stellte sie fest, dass es stimmte. Das waren aber nicht die einzigen Details, die James über die verschiedenen Flugzeuge angab, als er drei und vier war – es gab viele solcher Aussagen.

Im September 2002 nahm Bruce endlich an einem Natoma-Bay-Treffen im kalifornischen San Diego teil, um Antworten auf seine Fragen zu finden. Falls die Leute dort James’ Aussagen bestätigten, wäre er gezwungen, ihnen direkt ins Auge zu blicken, er könnte sie dann nicht mehr länger leugnen. Es war, als würde er von einer Klippe springen und seinen Glauben noch weiter prüfen. Was dort geschah, markierte für ihn den Punkt ohne Wiederkehr.

Als Bruce bei dem Treffen ankam, fragte er den Natoma-Historiker John DeWitt nach einem Natoma-Bay-Piloten namens Jack Larsen. DeWitt zog die aktuelle Mitgliederliste hervor, und tatsächlich gab es dort einen Jack Larsen. Unglaublich – er lebte! Bruce hatte 2 Jahre nach einem toten Jack Larsen gesucht, den es nicht gab, und nun war er plötzlich da, quicklebendig, und er wohnte in Arkansas.

Bruce erhielt außerdem eine Liste mit allen 21 gefallenen Piloten, die von der Natoma Bay gestartet waren, zwanzig davon aus drei Staffeln und einer aus der Begleitung des Schiffs. Da fiel sein Auge auf etwas, das sein Leben schlagartig und für immer verändern sollte: Auf der Liste stand der Name »James M. Huston Jr.«. Huston kam am 3. März 1945 während der Schlacht von Iwo Jima zu Tode, und zwar beim Angriff auf die etwa 240 Kilometer von Iwo Jima entfernte Insel Chichi-jima. Obwohl die Einzelheiten der Todesfälle nicht überliefert waren, war James Huston tatsächlich der einzige Pilot gewesen, der bei der Schlacht von Iwo Jima ums Leben kam, dem Ort, auf den sein Sohn James in dem Buch gezeigt hatte. Wie Bruce sagt, erstarrte er vor Schreck, und zunächst konnte er die Bedeutung all dessen gar nicht begreifen.

Er rief Andrea an. Sie schrie am anderen Ende der Leitung förmlich auf. »Junior« bedeutete, dass der abgeschossene Pilot der zweite James Huston war. Das erklärte, warum James sich selbst als James 3 bezeichnete: Wenn er der wiedergeborene James Huston war, war er der dritte James. Das war für Bruce ungemein schwer zu akzeptieren. Es fühlte sich für ihn an wie ein »spiritueller Krieg«. »Ich hatte das Gefühl, als käme ich etwas Gefährlichem immer näher und näher«, sagte er. »Es war, als würde ich meine Hand ins Feuer halten, dennoch hatte ich keine andere Wahl, als damit weiterzumachen.«

Aber es gab doch noch einen Ausweg für ihn. Die Veteranen erzählten ihm, dass von der Natoma Bay niemals Corsairs abgehoben seien. James Huston sei eine FM-2 Wildcat geflogen, als er getötet wurde. Freudig fixierte Bruce sich darauf: also keine Corsair! Und niemand hatte das Flugzeug abstürzen sehen, daher konnte man nicht wissen, warum er abgestürzt war oder wie. Bruce vertiefte sich in Aufzeichnungen und Dokumente und brachte noch einiges mehr mit nach Hause, aber immer noch hallten diese restlichen Fragen in ihm nach.

Ein paar Wochen später besuchte er Jack Larsen und seine Frau Dorothy in ihrem Haus in Springdale in Arkansas. Jack holte sein Fluglogbuch hervor und zeigte Bruce, dass er am 3. März 1945 auf einer Angriffsmission auf Chichi-jima gewesen war. Erst bei seiner Rückkehr erfuhr er, dass James Huston vermisst wurde. Niemand hatte ihn abstürzen sehen, weil er sich am Ende der Flugformation befand. Für diese jungen Männer war es eine furchteinflößende Schlacht, sie flogen allein in schutzlosen kleinen Flugzeugen, brausten durch dichtes Flugabwehrfeuer und dicke, schwarze Rauchschwaden. »Einige Männer schrien während des Angriffs die ganze Zeit. Einige verloren die Kontrolle über ihre Blase. Manche drückten den Schaltknüppel so fest, dass sie ihn fast mit den Händen abbrachen. Und einige starben«, berichtete Jack ihm.

Am nächsten Morgen erzählte er den Larsens beim Frühstück, dass sein 4-jähriger Sohn irgendwie etwas über die Flieger aus dieser Zeit wusste. »Er kann sogar eine Corsair von einer Avenger unterscheiden, und er kann die japanische Betty und die Zero identifizieren«, sagte Bruce ihnen. Jack ging hinaus zu seiner Garage, kam mit einem alten Leinensack zurück und sagte, der sei für James. Darin befanden sich der Pilotenhelm, die Fliegerbrille und die Sauerstoffmaske, die er genau an jenem Tag getragen hatte, als er direkt vor James Huston geflogen war, genau in dem Moment, als James getötet wurde.

Bruce nahm den Helm und die Ausrüstung mit nach Hause und gab sie James. Obwohl die Sachen nicht James Huston gehört hatten, war es wahrscheinlich, dass sie identisch mit denen waren, die Huston getragen hatte. James hatte nun ein wirkungsvolles Objekt, um eine Verbindung zu seinen Erinnerungen herzustellen. Bruce berichtet:

Er vollzog eine Art düsterer Zeremonie, als er sich das erste Mal in den Helm zwängte. Er setzte ihn fest auf wie ein Profi, drückte die Luftblasen heraus und korrigierte den Sitz, als würde er sich einsatzbereit machen. James trug ihn, wenn er in sein Abstellraum-Cockpit ging, das er sich gebaut hatte. Er trug ihn, wenn er mit seinem Flugsimulator flog und wenn er sich Videos von den Blue Angels 33› Hinweis anschaute. Er und sein Helm waren unzertrennlich.

Und es gab noch etwas, das James mit seinen Erinnerungen verband, das Bruce und Andrea aber erst ein paar Monate später an ihrem nächsten Weihnachtsfest verstanden. Als James drei war, hatte er zwei Actionfiguren von G. I. Joe 34› Hinweis geschenkt bekommen, die er »Billy« und »Leon« nannte. Er hing sehr an ihnen, spielte endlose Schlachtspiele mit ihnen und nahm sie jede Nacht mit ins Bett. Billy hatte braunes Haar, und Leon war blond. An diesem Weihnachten, als er vier war, erhielt er eine dritte G. I.-Joe-Figur, diesmal mit rotem Haar, die er »Walter« nannte.

Seine Eltern waren über die Namen verwundert, da ihre Familie keine Walters und Leons kannte. Nachdem Walter an diesem Weihnachten zu den anderen hinzugekommen war, fragte Bruce seinen Sohn, warum er die Figuren Billy, Leon und Walter getauft habe. James sah von seinem Spiel auf und antwortete ganz nüchtern: »Weil das die sind, die ich traf, als ich in den Himmel kam.« Dann wandte er sich wieder seinem Spiel zu.

Bruce ging in sein Büro und schaute in seiner Liste mit den Namen der getöteten Männer nach, die auf der Natoma Bay dienten. Neben James Huston standen auf der Liste Billie Peeler, Leon Conner und Walter Devlin, und sie alle waren in Hustons VC-81-Staffel gewesen. Als Bruce weiter recherchierte, sah er, dass sie alle Ende 1944 getötet wurden. Sie waren also bereits tot, als auch James Huston zum Todesopfer wurde. Sie waren zuerst »in den Himmel« gekommen.

Die Leiningers nahmen Kontakt zu den Familien dieser drei Männer auf, und wie sie herausfanden, stimmte die Haarfarbe aller drei Männer mit denen der G. I.-Joe-Actionfiguren überein, die ihre Namen trugen. 35› Hinweis Wie konnte es möglich sein, dass James seinen Figuren dieselben Vornamen gab wie die jener toten Piloten, die alle vor James Huston gestorben waren? Als 4-Jähriger hätte er die Liste der 21 Opfer nicht lesen können, und er hatte keine Gelegenheit, ihre Namen in Erfahrung zu bringen, ganz zu schweigen von ihrer Haarfarbe.

Bruce fand noch mehr heraus. Der Historiker John DeWitt schickte ihm das offizielle Kriegstagebuch der VC-81, der Staffel von James Huston. Am 3. März 1945 wurden drei Angriffe auf die nahe gelegene Insel Chichi-jima beschrieben, und über den ersten war zu lesen: »James M. Huston Jr. wurde offenbar von Flakfeuer getroffen. Das Flugzeug machte einen Sturzflug von 45 Grad und schlug direkt im Hafen auf dem Wasser auf. Beim Aufprall explodierte es. Es gab weder einen Überlebenden noch schwimmende Wrackteile.« Darauf war im Tagebuch noch lobend über den gefallenen Piloten vermerkt, er sei »still, bescheiden und stets wachsam« gewesen.

Allerdings gab es für den Absturz keine Augenzeugen. Und es blieb die Unstimmigkeit hinsichtlich der Corsair. Bruce entwickelte geradezu eine Besessenheit, Antworten auf die anhaltenden Unklarheiten zu finden – in ähnlicher Weise, wie James von seinen Zeichnungen besessen war. Zum Beispiel brachte er 3 Wochen in der Bibliothek damit zu, neun Mikrofilmrollen mit Aufzeichnungen über die Natoma Bay zu kopieren – 5000 Seiten –, die ihm DeWitt zugeschickt hatte. »Ich suchte fieberhaft nach Antworten, doch die Antworten wühlten mich nur noch mehr auf, denn sie bestätigten bloß, was er sagte«, berichtete mir Bruce. »Es war jedes Mal das Gleiche: Die Fakten, auf die ich stieß – haufenweise Fakten –, wichen nie ab von dem, was er sagte oder tat.«

Aus den Unterlagen einer Volkszählung in Pennsylvania erfuhr Bruce, dass James Huston Jr. zwei Schwestern namens Ruth und Anne hatte. (Dies entsprach dem, was James ihm erzählt hatte.) Hustons Eltern starben Mitte der 1970er-Jahre, auch Ruth war gestorben, aber Anne Huston Barron, die damals 84 war, lebte in Los Gatos in Kalifornien. Andrea rief sie zunächst an, gefolgt von Bruce, der ihr erzählte, er schreibe ein Buch. Sie war sehr liebenswürdig, sagte der besorgte Vater, und sie versprach, ein Päckchen mit Fotos zu schicken. Es traf am 24. Februar 2003 ein. Auf dem ersten Foto war die ganze Staffel mit einem Flugzeug im Hintergrund zu sehen. Das nächste zeigte James Huston allein vor einem Flugzeug. Alles war gut zu sehen: der Rumpf, die Knickflügel, das hohe Cockpit. Bruce erkannte das Flugzeug sofort: Es war eine Corsair.

Wie Hustons Unterlagen über seinen Militärdienst zeigten, war er vor seinem Eintritt in die Staffel an Bord der Natoma Bay Teil einer Elitestaffel von Piloten gewesen, die damit betraut waren, eine Corsair fliegen zu lernen, die zur damaligen Zeit der führende Jagdflieger war. Nachdem Huston seinen Dienst in jener Staffel abgeschlossen hatte, trat er, etwa 4 Monate vor seinem Tod, der VC-81-Staffel auf der Natoma Bay bei. Als er abgeschossen wurde, flog er keine Corsair, aber die Veteranen erzählten Bruce, die Corsair sei ein ganz besonderes Flugzeug gewesen, das zu fliegen ein Privileg war. Daher war es ein unvergessliches Erlebnis, anders als ein Flug mit der FM-2 Wildcat, die im Vergleich dazu nichts Besonderes war.