Johann - Diana Mandel - E-Book

Johann E-Book

Diana Mandel

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Beschreibung

Johann Ein Buch über das Sterben, das Leben und die Vergebung Johann ist alt und stirbt. Er kommt an in einer Zwischenwelt und trifft Jeremiah. Jeremiah begleitet ihn auf seinem Weg Johanns Lebenszeit anzusehen, seine gemachten Erfahrungen zu begreifen und zu verstehen. Seine eigener Missbrauch in seiner Kindheit, seine innere Entscheidung es abzuspalten und sich auf die andere Seite, der Täter, zu stellen und das ihm Geschehene fort zu führen zeitlebens. Das Buch beschreibt im jeweiligen Erfahren und Begreifens von Johann seine bis dahin bestehende Emotionslosigkeit und die Auswirkungen auf sich selbst und seine Familie. Je mehr sein Weg in der Zwischenwelt voran geht, je mehr er sich wieder spüren lernt beginnt er zu begreifen und zu verstehen. Neben Jeremiah trifft er Elisabeth und auch sie zeigt ihm vieles auf seinem Weg des Begreifens. Die Begegnung mit Gott lässt ihn die Vergebung finden.

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Seitenzahl: 209

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Als er „geboren“ worden, war er Thomas. Doch als er es in ihren Gedanken lebte, war er Michael. Ist es eine Geschichte? Nenne es wie du es willst, sagt die Wahrheit und ist still.

Die Geschichte lebt im Gleichen Emotionslos, wie Johann es lebt. In dem Maße wie er es erfährt was Fühlen ist, in dem Maße erfährt es der Leser wie es lesend ist. Berührend so, wie es dich zu berühren vermag.

Diana Mandel ALLES IST LICHT. August 2018

Kapitelübersicht

Kapitel 1 Johann beginnt

Kapitel 2 Johanns Leben

Kapitel 3 Erna

Kapitel 4 Johanns Leben II

Kapitel 5 Das Bild

Kapitel 6 Johanns Beginn II

Kapitel 7 Simon

Kapitel 8 Johann darf - sehen -

Kapitel 9 Johann und der Schmerz I

Kapitel 10 Johann und Simon

Kapitel 11 Johann trifft Johann

Kapitel 12 Johann - sieht -

Kapitel 13 Johann sieht sich selbst

Kapitel 14 Wieder am See

Kapitel 15 Johann und der Schmerz II

Kapitel 16 Johann trifft Frieda

Kapitel 17 Johann und die Vergebung

Kapitel 18 Johann und der letzte Zweifel

Kapitel 19 Johann hilft Simon

Kapitel 20 Johann besucht Thomas

Kapitel 21 Thomas

Kapitel 22 Thomas hilft Peter

Kapitel 23 Peter denkt nach

Kapitel 24 Erna und die verlorene Seele

Nachwort

Zur Autorin

Kapitel 1 Johann beginnt

Wer bist Du? - Ich bin hier um bei Dir zu sein. - Wo bin ich? - Schau Dich um dann kannst Du es fühlen. Dann war Stille. Johann schaute um sich. Er stand auf einem schmalen Weg. Gras. Überall um ihn herum war Gras. Soweit er sehen konnte war es grün. Eine riesengroße Wiese - scheinbar endlos groß - war um ihn herum. Und mittendrin stand er auf diesem kleinen Weg der sich wie eine Schlange vor ihm durch diese Wiese durch zog. Er drehte sich um sich selbst. Ob nach vorne oder hinter ihm - überall das gleiche Bild. Endlos schien das Grün dieser Wiese. Es ging ein lauer Wind. Es war angenehm warm.

Wie an einem schönen Frühsommertag. Leise war es. Er hörte nichts außer Stille. Er schaute den Mann an, der etwas abseits von ihm in der Wiese stand. - Ich verstehe nicht. Was mache ich hier auf dieser Wiese? Ich weiß nicht was ich tun soll? - Suche Dir eine Richtung aus auf dem Weg und gehe ihn. Ich werde Dich begleiten. Johann stellte sich ein Stück weg vom Weg auf die Wiese. Er schaute nach links den Weg entlang, dann nach rechts den Weg entlang. Beide Richtungen erschienen ihm gleich. Wo sollte er lang laufen? Wo würde er hinkommen? Warum sollte er das tun? Was sollte das alles überhaupt? Er war verwirrt. Und er spürte Unbehagen in sich. Es war fremd - das was er sah - obwohl es nur eine Wiese war, dieser Weg, der sich vor ihm in beide Richtungen öffnete. Was sollte er denn jetzt nur tun? Er schaute den Mann, der da bei ihm war, genauer an: Groß, schlank, im reifen Alter, ein offenes Gesicht umrahmt von halblangen lockigen Haaren. Braune, gütige Augen. - Ich soll jetzt also in irgendeine Richtung laufen und Sie begleiten mich? - Ja, das werde ich. - Und wenn ich nicht auf dem Weg laufen möchte, sondern querfeldein? - Dann gehen wir querfeldein. So wie Du es möchtest. Johann überlegte. Das Ganze war komisch. Die Ruhe die hier vorherrschte, das große endlose Land um ihn herum, er spürte das war ein Moment den er so noch nie erlebt hatte. Ich muss mich in einem Traum befinden, dachte er. Er begann loszulaufen. Aber nicht querfeldein, sondern er folgte dem Weg nach rechts. Der Mann lief neben ihm. Nach einer Weile sah Johann für einen kurzen Moment ein Bild vor seinen Augen. Er sah ein Bett und in diesem Bett lag er. Das Bett stand in einem kleinen weißen Raum, der von einer kleinen Lampe die neben dem Bett stand erhellt wurde. Er sah sich selbst abgemagert, mit schmerzverzerrtem Gesicht und schlafend da liegen. Ein Bild hing mit Reisnägeln an der Wand gegenüber von diesem Bett. Es war ein Bild von einem Kind gemalt, eine große Wiese mit einem kleinen Weg der sich wie eine Schlange durch diese unendliche Landschaft zog. Am violetten Himmel sah man einige kleine grüne Wolken und groß war da eine blaue Sonne gemalt. Johann erinnerte sich. Wie konnte es sein, dass er jetzt hier auf dieser Wiese stand, wo er doch noch eben in diesem Bett lag. Er wusste um die Schmerzen die ihn furchtbar gequält hatten. Er wusste um die Sehnsucht dass es endlich aufhören sollte. Er erinnerte sich an das Urteil der Ärzte, er werde jetzt sterben. Und er erinnerte sich, dass er nicht wusste wie das gehen sollte. Wie sollte er das tun - sterben? Wie macht man das denn?

Kapitel 2 Johanns Leben

Er hatte sein ganzes Leben kontrolliert gelebt. Aufgewachsen in einer Familie in welcher der Vater bestimmt hat – Alles. Es gab kein freies Entscheiden - es wurde entschieden. Der Vater entschied für die Familie. Und Johann hatte in seiner Kindheit nie die Wahl es selbst zu tun. Er lernte schnell zu verstehen dass man nicht dagegen redet. Denn es tat weh - wenn man das tat. Der Vater sorgte immer dafür, dass alle das taten was er wünschte. So gab Johann als ein jüngerer Bruder geboren wurde, sein Erleben mit dem Vater in gleicher Weise an den kleinen Bruder weiter. Machte der Bruder nicht was Johann wollte, zeigte ihm Johann wie es ging, sich an Regeln zu halten.

Als er größer wurde setzte sich das fort. Es wurden insgesamt noch 4 Kinder geboren 3 Jungs und 1 Mädchen. Sie alle lernten durch den Vater und durch Johann den Erstgeborenen was es bedeutete dagegen zu sprechen – alle machten die gleichen Erfahrungen. Das Mädchen hatte eine besondere Rolle innerhalb der Familie. Es wurde zudem dass es Züchtigungen erfuhr noch in besonderer Weise vom Vater bedacht, wenn ihm danach war. Manchmal wünschte dieser sich dass sie auf seinem Schoß sitzen sollte und er streichelte sie dann. Und manchmal machte er das als alle zusammen saßen um den Fernsehgottesdienst zu sehen. Die Mutter, welche anfangs noch versucht hatte ihren Mann von der körperlichen Züchtigung der Kinder abzuhalten, da schon die Nachbarschaft zu reden begann, hörte auf etwas dagegen zu tun, als sie mehrfach von ihrem Mann derart hergenommen wurde dass sie tagelang nicht in der Lage war, auf die Strasse zu gehen. Sie selbst war mit einem Vater groß geworden der das Leben der Familie festlegte und bestimmte wie der Ablauf zu erfolgen hatte. So kam es dass auch sie das Handeln des Vaters der Tochter gegenüber tolerierte, da sie es ja nicht anders kannte. Als Johann zum Militär ging entschied er sich nach der Grundwehrzeit zu verlängern und ein Ingenieurstudium bei der Bundeswehr zu absolvieren. Sonntags ging er, so wie es der Vater wünschte, regelmäßig nach Hause zum Mittagskaffee.

Auch als er seine spätere Frau kennenlernte unterbrach er das nicht. Etwa nach 4 Monaten stellte er sie dem Vater und der Mutter vor. Die Eltern reagierten verhalten auf diese Dame die ihr Sohn an ihren Tisch gebracht hatte. Denn diese Frau hatte studiert und war belesen. Sie arbeitete an ihrer Doktorarbeit in Chemie. Ob sie die Richtige wäre für Johann, das zweifelten sie lange Zeit an. Johann jedoch war verliebt. In irgendeiner Form regten sich Gefühle in seinem Bauch und er konnte von dieser Frau nicht Abstand nehmen – obwohl ihm von Anfang an der Argwohn des Vaters bewusst war. Doch da Johann selbst nun erwachsen war entschloss er sich diese Frau zu heiraten. Denn er wünschte sich ebenso wie sein Vater eine große Familie.

Kapitel 3 Erna

Als er Erna, so hieß diese Frau, fragte, ob sie ihn heiraten möchte war sie sehr glücklich. Johann war bis dahin immer höflich und korrekt mit ihr umgegangen und sie mochte ihn aufrichtig. Er war groß und stark, er würde ein guter Beschützer sein für sie und die zukünftigen Kinder. So kam es dass die beiden heirateten. So wie es der Vater von Johann vorschlug wurde die Hochzeit in der Dorfkirche abgehalten. Die Anverwandten von Erna hatten dadurch eine Anfahrt von gut 4 Stunden. Aber es war einfach schöner wenn diese Vermählung in trauter Umgebung stattfand entschied der Vater.

Und so kam es, dass Johann auch das akzeptierte. Nach der Hochzeit bezogen Johann und Erna zunächst eine Wohnung. Johann hatte sein Ingenieurstudium beendet und war langzeitverpflichtet im Dienst der Bundeswehr tätig. Erna vollendete ihre Doktorarbeit und wie es oft so kommt, noch bevor sie das erste Vorstellungsgespräch hatte, war sie schwanger. Johann empfahl ihr das doch zu lassen mit dem arbeiten, er verdiene doch genug. Und so hörte sie auf sich um Bewerbungen zu kümmern, bzw. nahm die bereits feststehenden Termine von verschiedenen Firmen – die alle sehr positiv auf ihre Bewerbung reagiert hatten – gar nicht erst wahr. Sie genoss ihre Schwangerschaft und freute sich auf das Entstehen der neuen Familie. Johann war meist nett zu ihr. Sexuell war er zwar etwas gehemmt und nicht sehr geübt, doch war das für sie auch nicht das Wichtigste. Dann wenn er Bedürfnisse hatte war es für sie in Ordnung ihn zu befriedigen. An einem Tag im Dezember wurde dann der erste Sohn geboren. Die Geburt war sehr schwierig und die Ärzte rieten Erna evtl. auf eine weitere Schwangerschaft zu verzichten. Nur schwer erholte sie sich von den Folgen. Sie musste aufgeschnitten werden am Scheidenausgang und es war wie verhext. Die Wunde wollte partout nicht heilen. Immer wieder versuchte sie mit verschiedensten Mitteln das Ganze auf ein erträgliches Maß an Schmerzen zu reduzieren.

Ihr Arzt verschrieb ihr immer stärkere Medikamente, unter anderem auch Schlafmittel, dass sie wenigstens für Stunden Erholung erfahren konnte. Die hohe Dosierung der Medikamente wiederum führte dazu dass sie nur schwer das Kind versorgen konnte. So verbrachte das Baby viel Zeit in seinem Bett und weinte. Und Erna schlief totengleich daneben. Johann freute sich wenn er nach Hause kam und seine Frau mit dem Baby erlebte. Er war stolz. Ja, er hatte ein gesundes Kind und eine studierte Frau. Irgendwann nach einigen Monaten meldete sich sein Trieb nach körperlicher Zuneigung. Er suchte eines Nachts die Nähe zu Erna und begann sie zu küssen. Schnell wurde Erna bewusst, dass Johann nun sexuellen Kontakt wünschte. Sie hatte immer noch große Schmerzen, denn der Dammschnitt war noch immer nicht verheilt. So sagte sie ihm, dass es noch nicht der richtige Zeitpunkt wäre. Doch Johann ging nicht darauf ein. Er küsste sie weiter und holte sich das was er brauchte. Erna versuchte ihn zu stoppen. Doch war er ihr körperlich weit überlegen. So ertrug sie erschrocken den Akt der Vereinigung und weinte. Denn es tat sehr weh. Am nächsten Tag nachdem Johann zur Arbeit gegangen war, nahm sie das Kind und besuchte ihre Schwiegermutter. Sie erzählte ihr von dem vehementen Verhalten Johanns. Die Schwiegermutter zeigte kaum eine Regung und teilte Erna mit dass sie zu folgen hatte wenn Johann etwas wünschte.

Das Männer sich das nahmen was sie wollten war immer so gewesen und würde immer so sein. In Ernas Kopf erschien das erste Mal ein Fragezeichen. Wieder zuhause versuchte sie mit Sitzbädern ihre Wunde zu beruhigen. So ging die Zeit dahin. Johann arbeitete und Erna versorgte das Kind und ihre nicht verheilende Wunde. Durch den sexuellen Kontakt war diese wieder ein Stück weiter aufgerissen. Nach einigen Tagen musste sie erneut zum Arzt um sich noch stärkere Mittel zu holen. Sie verbrachte viel Zeit damit zu schlafen. Das Kind entwickelte sich ihrer Meinung nach ganz gut. Und endlich zeigten auch die Medikamente eine Wirkung. Die Entzündung ging zurück. Nach einiger Zeit konnte sie so einiges an Medikamenten weglassen, nur an die Schlaftabletten hatte sie sich gewöhnt. Und so entschied sie sich diese weiter zu nehmen. Als sie das nächste Mal mit Johann sexuellen Kontakt hatte, wurde sie wieder schwanger. Und so kam es dass das nächste Kind geboren wurde. Wobei auch hier die Geburt sehr schwierig war. Und wieder die Ärzte von einer erneuten Schwangerschaft dringend abrieten. Obwohl Erna die ganze Zeit über Schlafmittel nahm hatte es sich nicht auf das Kind ausgewirkt. Es war gesund. Nach ca. 6 Monaten zogen sie um in ein neues Haus. Das hatte Johann gekauft nachdem er Sonderprovisionen seines Arbeitgebers erhielt. Nun hatten sie einen Garten und genügend Platz, genügend Kinderzimmer. Erna zog die Kinder auf, Johann ging seiner Tätigkeit nach. Am Abend freute er sich seine Sprösslinge zu sehen Der Sohn entwickelte sich zunehmend gut. Er war zwar sehr aufmüpfig und laut, doch wusste Johann das würde sich legen wenn er ihm zeigte wie man sich zu benehmen hatte. Das zweite Kind, ein Mädchen schrie zwar sehr viel doch das störte ihn nicht weiter. Denn meistens war er ja auf Arbeit und Erna konnte das schon aushalten. Am folgenden Weihnachten als Johann mit seiner Familie zu Besuch bei den Eltern war, zeigte sich der Sohn von seiner aggressiven Seite. Er stieß die Weinflasche vom Tisch und ärgerte ununterbrochen die Katze der Großmutter. Johann ermahnte ihn wiederholt. Doch der Junge war nicht zu bändigen. Johann holte aus und gab dem Jungen eine Ohrfeige. Sofort verstummte das Kind. Erna schaute sich in der Runde um. Keiner der Erwachsenen machte den Eindruck dass hier nun etwas geschehen war was unrecht ist. Johann unterhielt sich weiter mit seinen Eltern. Der Junge kauerte in einer Ecke am Fußboden und hielt sich die Hände vors Gesicht. Erna wollte aufstehen und zu ihm gehen. Sie erhob sich vom Sofa, da sagte Johann ihr sie solle sich wieder setzen. Er hat das geregelt und jetzt ist Ruhe. Sein Ton war dabei scharf und duldete keinen Widerspruch. Erna setzte sich wieder hin. Das kleine Mädchen saß auf dem Schoß des Großvaters. Und er streichelte sie. Da klingelte das Telefon. Die Großmutter hob den Hörer ab.

Es war die Polizei. Sie sagten sie hätten eine Leiche aus dem Fluss geborgen. Und nach den Personalien nach sei das wohl die Tochter der Familie. Die Großeltern wurden gebeten zur Identifizierung ins Polizeiquartier zu kommen. Als die Großmutter den Hörer auflegte herrschte Schweigen. Emilia, die Schwester von Johann war mit 18 Jahren von zu Hause weggelaufen. Sie wurde nie gefunden. Bis heute. Und jetzt war sie tot. Es waren viele Jahre vergangen doch niemals konnte die Familie Kontakt zu ihr aufnehmen. Sie war damals wie vom Erdboden verschwunden. Erna war schockiert über das Verhalten von Johann und seinen Eltern. Sie zeigten alle kaum eine Reaktion auf diese Nachricht. Johann stand auf und sagte sie werden jetzt nach Hause gehen. Später wurden einige Details zum Tod von Emilia bekannt gegeben. Die Obduktion ergab, dass sie an einer Überdosis Drogen gestorben war. Und irgendwie muss sie in den Fluss gelangt sein und dort viele Kilometer flussabwärts getrieben sein, bis sie nahe der Stadt dann angespült wurde. Was sie die ganzen Jahre gemacht hatte würde wohl immer im Dunkel liegen. Die Zeit verging, Johann und Erna bekamen noch 2 Kinder. 2 Jungs. Im Laufe der Zeit wiederholte sich das was Johann schon in seiner Kindheit erlebt hatte. Johann zeigte seinen Kindern und Erna – den rechten Weg – und sein Erstgeborener gab es an seine Geschwister weiter. Erna nahm noch immer Schlaftabletten.

Zudem hatte sie angefangen zu trinken. Ein Gläschen Wein oder einen kleinen Cognac, es beruhigte sie. Das Mädchen saß genau wie Emilia bei ihrem Vater, aber auch bei Ihrem Großvater auf dem Schoss und wurde manchmal gestreichelt. Und wenn Erna etwas dagegen tun wollte, zeigte Johann ihr dass sein Weg der richtige ist. Und Erna schwieg. Zu müde und zu traurig war sie um etwas dagegen zu tun. Als das Mädchen ca. 10 Jahre war, sie hieß Frieda, ging Johann eines Nachts in ihr Zimmer und legte sich zu ihr ins Bett. Sie wachte auf und erschrak. Was wollte der Vater bei ihr im Bett. Johann streichelte sie. Dann bat er sie dass sie ihn streicheln sollte. Frieda machte was der Vater wollte. Nach einer Zeit ging Johann wieder zurück in sein Schlafzimmer. Erna hatte gehört wie Johann das Zimmer verließ und sie wusste genau was er jetzt tat. Sie spürte es. Doch war sie innerlich einfach zu müde – um etwas dagegen zu tun. Es folgten viele Nächte wie diese. Als Frieda 15 Jahre alt war kam sie nachmittags nicht von der Schule nach Hause. Es wurde Abend und Erna machte sich Sorgen. Johann und sie suchten die Umgebung ab, telefonierten mit den wenigen Freundinnen der Tochter. Niemand wusste etwas. Am nächsten Morgen kam der Anruf der Polizei. Frieda war gefunden worden. Spaziergänger hatten sie im Wald entdeckt. Sie hing an einem Baum. Und sie war tot. Sie hatte sich selbst erhängt.

Erna brach nach diesem Vorfall vollkommen zusammen. Sie konnte nicht mehr funktionieren. Sie erkannte was das Verhalten von Johann und seinem Vater bei ihrer Tochter angerichtet hatte. Sie wählte den Weg des Aufgebens und weigerte sich fortan das Bett zu verlassen. Schlaftabletten und andere Psychopharmaka gemischt mit Wein ließen Erna schlafen. Sie wollte nur noch schlafen. Johann entschied irgendwann Erna in eine Klinik einzuweisen. Er hat sie nie wieder gesehen.

Kapitel 4 Johanns Leben II

Die Söhne lebten weiter bei ihm und die Großeltern kümmerten sich um den täglichen Ablauf in der Familie. Johann war nach wie vor tätig für die Bundeswehr. Er hatte Karriere gemacht und hatte eine gute Position. Der erstgeborene Sohn, er hieß Peter, eiferte sehr seinem Vater nach. Er liebte es der Chef zu sein. Egal ob in der Schule oder in seinem Freundeskreis.

Er sorgte dafür dass jeder seine Position in der Gruppe verstand und auch respektierte. Er machte eine große Karriere als er sich entschied auch seinem Land zu dienen. Er zeigte ein ausgeprägtes Maß an Selbstbeherrschung und doch auch Durchsetzungsvermögen, so dass er alles was er sich vorstellte, erreichte. Irgendwann waren die Söhne dann aus dem Haus. Jeder für sich hatte seinen Weg gefunden. Klaus, der Sohn der nach Frieda geboren war, hatte in einer anderen Stadt einen heruntergekommenen Gemischtwarenladen übernommen und innerhalb einiger Jahre entwickelte sich dieses Geschäft zu einem gut gehenden Laden, der regionale Produkte verkaufte. Hier lernte er seine spätere Frau Mathilda kennen, die als Kundin gerne bei ihm einkaufte. Mathilda war ein Freigeist. Sie sprühte vor Lebensenergie und ermöglichte Klaus seine Hemmungen und Schwächen die er in seiner Kindheit erfahren hatte, gut zu kompensieren. Sie bekamen ein Kind, einen Jungen namens Simon. Johann hatte wenig Kontakt mit Klaus und seiner Familie. Zu fremd war ihm Mathilda in ihrer Art. Jedoch wusste er Klaus wird seinen Weg schon gehen. Nur ein Sohn, der letztgeborene, er hieß Thomas, wurde seinem Vater nicht gerecht. Er rebellierte immer und immer wieder schon von Kindheit an gegen die Erziehungsmethoden innerhalb der Familie. Es kam dass Thomas sich früh von der Familie entfernte und gesellschaftlich weit nach unten rutschte.

Er brach mehrere Ausbildungen ab und endete als Gelegenheitsarbeiter. Schon früh war der Alkohol sein bester Freund. Er lebte viele Jahre am Rande der Existenz und trug keinerlei Hoffnung in sich. Als er eines Tages in der Innenstadt auf einer Bank saß mitten im Vorweihnachtsgewühl, vor sich ein Sixpack Bier und er trank Flasche für Flasche, da setzte sich ein Mann zu ihm und verwickelte ihn in ein Gespräch. Lange unterhielten sich die beiden und irgendwann standen beide auf. Thomas verließ mit diesem Mann die Stadt. Er folgte ihm nach Süden. In einem Kloster weit unten in Spanien fand Thomas ein neues Leben und er lernte Begriffe wie Vergebung, Liebe, Glauben – kennen und verstehen. Er wurde der Gärtner des Klosters und er schenkte vielen Barmherzigkeit. Johann merkte kaum was um ihn geschah. Er machte seine tägliche Arbeit und verbrachte seine freie Zeit mit den Eltern. Die waren beide mittlerweile krank und gebrechlich. Und irgendwann starb erst die Mutter, sie lag eines Tages tot im Badezimmer. Und kurze Zeit später erkrankte der Vater schwer, Darmkrebs im Endstadium. Es ging schnell. Nach nur wenigen Wochen musste Johann auch seinen Vater beerdigen. So kam es dass Johann viel Zeit alleine verbrachte. Seine Pensionierung hatte er hinter sich, und die Zeit die er nun hatte, verbrachte er manchmal auf einer Bank am See im Stadtpark. Er saß dann da und schaute aufs Wasser.

Es verwunderte ihn wie die Menschen um ihn herum mit dem Leben umgingen. Er sah viele die lachten und Spaß hatten, die ihre Kinder toben ließen und ausgelassen miteinander kommunizierten. So kannte er das Leben nicht. Am Abend saß er vor dem Fernseher und verfolgte die Geschehnisse auf der Welt. Doch mehr als Verwunderung konnte er nicht empfinden. Egal wie schlimm die Nachrichten auch waren. Irgendwann bei einer Routinekontrolle stellte der Arzt die Diagnose Darmkrebs. Genau wie bei seinem Vater. Johann nahm es gefasst auf. Er wusste, es könnte nun schnell zu Ende gehen. Er ordnete zuhause seine Angelegenheiten und unterrichtete seinen Sohn Peter. Er besuchte noch einmal Peter und seine Familie zuhause und verabschiedete sich von seinen Enkeln. Dann ging er ins Krankenhaus zur Untersuchung. Es war keine Operation mehr möglich. Der Tumor war zu groß und Metastasen hatten sich gebildet. Einige Wochen noch verbrachte Johann in seinem Haus. Als es mit den Schmerzen immer schlimmer wurde entschied er sich in ein Hospiz zu gehen und dort zu bleiben. Er hatte Peter Vollmacht erteilt sein Haus zu verkaufen. Er bezog ein Einzelzimmer und wartete darauf dass es zu Ende geht. Die Ärzte und Schwestern kümmerten sich gut. Sie versuchten alles um sein Leiden zu lindern. Johann nahm es an und wunderte sich – so wie eigentlich immer in seinem Leben wenn ihm Menschlichkeit begegnete.

Als die Schmerzen zunahmen begannen die Ärzte ihm Morphium in hohen Dosen zu verabreichen. Er verbrachte viel Zeit des Tages im Dämmerzustand. Unaufhörlich schritt der kommende Tod voran. Er hatte schon die letzten Monate sehr viel an Gewicht verloren, doch jetzt kam der Moment wo er nicht mehr essen wollte. Alles erschien ihm in unerträglicher Weise mühsam. Er lag in diesem Bett und wartete. Irgendwann in dieser Zeit bekam er Besuch von Klaus und seinem Enkel Simon.

Peter hatte mit Klaus Kontakt aufgenommen und ihm mitgeteilt, dass es mit Johann zu Ende gehe. Mathilda bestand darauf dass Klaus mit Simon den Großvater besuchen sollten.

Kapitel 5 Das Bild

Simon hatte Johann ein Bild gemalt. Eine große Wiese mit einem kleinen Weg der sich wie eine Schlange durch diese unendliche Landschaft zog. Am violetten Himmel sah man einige kleine grüne Wolken und groß war da eine blaue Sonne gemalt. Johann schaute das Bild an und fragte das Kind, warum die Sonne blau ist. Simon druckste etwas herum dann sagte er, dass er dem Opa wünsche dass viel Kraft ihn begleitet wenn er dann in den Himmel geht. Seine Mama hätte ihm gesagt dass Blau die Kraftfarbe ist und deshalb sei die Sonne blau. Klaus hängte das Bild mit Reisnägeln an die Wand, so dass Johann es gut sehen konnte vom Bett aus. Die nächsten Tage gingen dahin und Stück für Stück Johann.

Eines Abends kam der Arzt zu ihm und sagte, dass der Tod nun bald kommen werde. Wieder war Johann verwundert. Wie sollte der Tod kommen? Was musste er denn jetzt tun? Er lag doch nur im Bett und war unfähig irgendetwas auch nur zu versuchen. Er verstand in seinem Herzen nichts. Es war ihm ein großes Rätsel. An diesem Abend schloss Johann das letzte Mal seine Augen. Er starb in dieser Nacht.

Kapitel 6 Johanns Beginn II

- Bin ich tot? fragte Johann den Mann der neben ihm lief. -Was glaubst Du? fragte der Mann zurück? -Ich weiß nicht. Sagte Johann. - Vielleicht. Vielleicht bin ich tot. Wieder ließ er den Blick über diese unendliche Landschaft vor ihm gleiten. -Ich wusste nicht wie das geht - sterben -. Johann blieb stehen. - Ich verstehe nicht was da passiert ist.-

Der Mann blieb ebenfalls stehen und sagte.

-Wollen wir uns eine Weile hinsetzen? - Johann schaute den Mann an. Neben ihm standen plötzlich 2 Stühle. - Ja. Das wäre glaub ich gut. –

Beide setzten sich. Der Mann schaute Johann an.

-Ich heiße übrigens Jeremiah. Ich verstehe dass Du das alles nicht verstehst. Deshalb bin ich auch bei Dir. Um Dir zu helfen.

Der Moment Deines Weggehens von der Erde war nicht leicht für Dich. Denn Du wusstest nicht was auf Dich zu kommt, noch wie Du Dich verhalten solltest. Ich weiß dass in Dir große dunkle Seen zuhause waren in Deiner Zeit auf der Erde. -

Johann erschrak etwas. Wie kam es das Jeremiah das sehen konnte. Dass er wusste von seinen Dunkelheiten. Niemals hatte er auch nur den Hauch davon nach außen getragen. Es war vor Unendlichkeiten als er beschlossen hatte diese Türen für immer zu verschließen und nie mehr an den Ort des Beginns … zurückzukehren. Alles was er war in seiner Lebenszeit war bestimmt von seiner Entscheidung die er irgendwann getroffen hatte.