John Quinton - G.F. Barner - E-Book

John Quinton E-Book

G. F. Barner

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Beschreibung

Begleiten Sie die Helden bei ihrem rauen Kampf gegen Outlaws und Revolverhelden oder auf staubigen Rindertrails. G. F. Barner ist legendär wie kaum ein anderer. Seine Vita zeichnet einen imposanten Erfolgsweg, wie er nur selten beschritten wurde. Als Western-Autor wurde er eine Institution. G. F. Barner wurde als Naturtalent entdeckt und dann als Schriftsteller berühmt. Seine Leser schwärmen von Romanen wie "Torlans letzter Ritt", "Sturm über Montana" und ganz besonders "Revolver-Jane". Der Western war für ihn ein Lebenselixier, und doch besitzt er auch in anderen Genres bemerkenswerte Popularität. Miles fror gottsjämmerlich, obwohl sie nun in Sicherheit sein mußten. Wann immer Miles die Augen schloß, sah er die Stagecoach vor sich, den Fahrer, der nicht nur die Hände, sondern auch den Revolver hochriß. Er ist tot, dachte Miles fröstelnd, dieser verdammte Narr Slate mußte gleich schießen. Der ist tot, ich weiß es. Er lebte noch, als wir wegritten, aber er ist gestorben. Mord – und es hatte sich nicht mal gelohnt. »Der Boy kommt!« rief Slate erregt. Sie hatten beschlossen, hier zu teilen. Slate gab einfach keine Ruhe, er war verrückt danach, seinen Anteil in der eigenen Tasche zu haben. Slate hockte mit Denoyer auf den Lavaklippen und sah nun den Boy kommen. Brian Lowell, der Junge, hatte Wasser geholt. Es gab nur die eine Quelle in der Nähe der Lavafelder von New Mexico. Hierher waren sie geflohen, weil Miles die Gegend kannte. Es gab keine Fährten. Der Wind, der Flugsand, die nackte Lava – jede Spur war nach zwanzig Stunden tot. Und nun waren sie sechs-unddreißig Stunden hier. So lange hatte ihr Wasservorrat aus den Schläuchen gereicht. Der Junge kam nun mit frisch gefüllten Schläuchen zurück. »Was ist?«

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Seitenzahl: 144

Veröffentlichungsjahr: 2022

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G.F. Barner – 246 –John Quinton

zähmt Leadville

G.F. Barner

Miles fror gottsjämmerlich, obwohl sie nun in Sicherheit sein mußten. Wann immer Miles die Augen schloß, sah er die Stagecoach vor sich, den Fahrer, der nicht nur die Hände, sondern auch den Revolver hochriß.

Er ist tot, dachte Miles fröstelnd, dieser verdammte Narr Slate mußte gleich schießen. Der ist tot, ich weiß es. Er lebte noch, als wir wegritten, aber er ist gestorben. Mord – und es hatte sich nicht mal gelohnt. »Der Boy kommt!« rief Slate erregt. Sie hatten beschlossen, hier zu teilen. Slate gab einfach keine Ruhe, er war verrückt danach, seinen Anteil in der eigenen Tasche zu haben.

Slate hockte mit Denoyer auf den Lavaklippen und sah nun den Boy kommen. Brian Lowell, der Junge, hatte Wasser geholt. Es gab nur die eine Quelle in der Nähe der Lavafelder von New Mexico. Hierher waren sie geflohen, weil Miles die Gegend kannte. Es gab keine Fährten. Der Wind, der Flugsand, die nackte Lava – jede Spur war nach zwanzig Stunden tot. Und nun waren sie sechs-unddreißig Stunden hier. So lange hatte ihr Wasservorrat aus den Schläuchen gereicht. Der Junge kam nun mit frisch gefüllten Schläuchen zurück.

»Was ist?« schrie Slate. Er schrie fast immer, normal reden konnte er nicht. »Was war, Kid?«

»Nichts«, antwortete Brian Lowell. Er grinste breit, bis er Scotty Miles ansah und sein Lächeln erlosch. »Da ist Wasser. He, teilen wir?«

»Er ließ keine Ruhe«, sagte Scotty Miles düster. »Mir ist es egal. Wenn sie uns verfolgt hätten, dann wären sie längst hier. Die Spuren sind tot, denke ich.«

»Du Angstschlotterer!« brüllte Slate. »Keine Toten, keine Toten, was? Tote reden nicht mehr.«

»Ja«, antwortete Scotty. »Aber Mord, das ist nichts für mich. Du hast den Mann in San Ysidro erschlagen, du Narr. Zuerst schießt du den Driver der Young-Linie nieder, obwohl es nicht nötig war. Dann diesen

Storebesitzer.«

»Fängt das schon wieder an?« fluchte Denoyer. »Hört auf, verdammt. Es war ein Fehler Slates, zugegeben, aber es ist nun mal passiert.«

Scotty schwieg. Er wechselte einen Blick mit Brian Lowell. Der Boy nagte auf der Unterlippe und sah weg.

Diese Narren, dachte Scotty Miles gallenbitter. Sie müssen manchmal den Verstand verlieren. Haben wir Pech, dann hat man nach dem Kutschenüberfall in Trinidad nach einem US Marshal geschickt. Und ist es Quinton, den sie auf unsere Fährte gesetzt haben, dann können wir unser Testament machen. Wen immer John Quinton jagt, er bekommt ihn. Hätten wir uns doch nie mit Denoyer und Slate zusammengetan. Dieser Idiot, er muß töten.

Miles erhob sich. Er war ein kleiner, aber gerissener Trickdieb gewesen, der irgendwo einstieg und lautlos verschwand. Brian Lowell hatte bei Miles sozusagen gelernt, bis sie Slate und Denoyer getroffen hatten. Diese beiden Männer wußten von einem Geldtransport der Young Linie, und die große Beute hatte Miles damals verlockt, sich zu beteiligen. Daß Slate schießen würde, hatte er nicht geahnt.

Nun steckte er mit drin. Mord blieb Mord, etwas, das Scotty verabscheute. Seit Trinidad und San Ysidro hatte er nur noch Angst.

Er ging zu den anderen in die Mulde. Dort kauerte Slate auf den Klippen und zählte das Geld. Es waren viertausend Dollar an Lohngeldern und über tausend aus dem beraubten Store.

Scotty reckte sich. Er spähte über die Lavaklippen hinweg, aber das Land um sie lag wie tot in der Morgensonne.

*

»Tausenddreihundertund…«

Slate war aufgesprungen und schrie triumphierend die Höhe des Anteiles für jeden heraus. Dann brach seine Stimme mit einem schrecklichen Krächzen ab.

Mit innerem Widerwillen hatte Scotty zugesehen, wie Slate die Geldbündel über dem Kopf schwenkte. So sah er auch das Entsetzen Slates und fuhr herum.

Über den Klippen, die Sonne im Rücken, stand ein Mann. Der Mann war groß, hager und hielt sein Gewehr im Hüftanschlag. Er war wie ein Geist aufgetaucht und fauchte, als Slate sich zur Seite warf:

»Nicht bewegen – Hände hoch!«

Der bärtige Slate schleuderte bereits das Geld weg. Er warf sich an Denoyer vorbei, packte den Mann am Arm, riß ihn mit und flog hinter die Klippe. Einen Moment hatte Denoyer Slate gedeckt, nun tat es die Klippe, und Denoyer hörte das Krachen von Slates Revolver in seinem Rücken. Die Kugel strich haarscharf an Denoyer vorbei. Während die Geldscheine zu Boden flatterten, feuerte Slate auf den Mann über der Mulde. Er glaubte ein kurzes Zucken des Menschenjägers zu sehen, ehe das Gewehr losbrüllte und das Geschoß Slate in die Brust traf. Der Anprall der Kugel schleuderte den Bärtigen auf den Rücken. Der Revolver polterte auf die Lavaklippe, glitt hinab und war fort.

Links versuchte Scotty Miles mit einem Hechtsprung hinter die Klippen zu verschwinden. Miles sah nur den Mann und schrie vor Furcht. Er hatte dauernd an diesen Mann denken müssen. Jetzt war er da: der Spürhund Quinton hatte sie gefunden.

Aber noch sah Scotty eine Chance zu entwischen. Er warf sich herum und flog los. Als er sich abstieß, krachte Quintons Gewehr zum zweitenmal. Die Kugel traf Miles’ linkes Bein. Obwohl sie es nur streifte, genügte der Schlag, um Miles’ Satz zu stoppen.

Miles knallte auf die Lavaklippe. Das Gestein war so scharfkantig, daß sich Miles beide Handflächen aufriß und brüllend vor Schmerzen herumwälzte.

Aus dieser Lage sah Miles den Boy. Brian Lowell war vor Sekunden zu den Pferden gegangen, um ihre Wasserflaschen aus den Schläuchen zu füllen. Lowell stand hinter den Klippen.

Beim Krachen der Schüsse und Schreien seiner Partner flog der Junge herum. Zusammen mit Miles hatte er Marshal Quinton vor zwei Jahren in Trinidad gesehen. Damals hatte jemand Quinton aus dem Hinterhalt niederschießen wollen und statt dessen Quintons Frau getroffen. Quinton hatte den Mann erschossen, und jenes Bild stand immer noch vor Lowells Augen.

Lowell warf sich jäh herum. Er flog in den Sattel, riß die anderen Pferde mit und jagte sofort an. Lowell konnte reiten wie kaum jemand, und er sah die Chance, die sich ihm bot, im Bruchteil eines Augenblicks.

Wenn er die Pferde hinter sich herriß und sich duckte, konnte ihn Marshal Quinton nicht erwischen. Das dachte er, als er über die Klippen jagte. Es gelang ihm, die anderen Pferde hinter sich herzuziehen, so daß sie eine lebende Mauer bildeten. Dann kam ein flacher Buckel, über den Lowell reiten mußte. Er duckte sich, so tief er konnte, um kein Ziel zu bieten.

In dem Augenblick feuerte Quinton zum drittenmal. Das Geschoß fauchte keinen Zoll über Lowells Kopf hinweg. Lowell lag auf dem Hals des Pferdes, und so schlug die Kugel in den Schädel des Pferdes ein.

»Halt!« schrie Quinton. »Halt!«

Der Ruf ging im Donnern der Hufe unter. Lowells Pferd stürzte kopf-über zu Boden, und Lowell flog aus dem Sattel. Alles, was er noch sah, war eine Klippe. Er schoß auf sie zu, schrie und streckte die Arme vor, aber er konnte den Sturz nicht abfangen. Dann kam der Aufprall. Der Junge blieb liegen, an der Klippe war Blut, und Lowell war tot. Er hatte Wasser geholt und Quinton so wenig gesehen, wie ihn einer der anderen bemerkt hätte. Lowell war dann zurückgeritten, beobachtet von Quinton.

Der Marshal hatte keine halbe Stunde gebraucht, um von Süden in das Lavagebiet einzudringen und sie zu stellen. Die einzige Wasserstelle war zum Verderben für vier Männer geworden.

Einer lag am Boden und wimmerte vor Schmerz, der durch seine Brust fegte. Scotty umklammerte sein Bein. Denoyer stand mit hochgerissenen Händen und kreideweißem Gesicht an den Klippen.

In der Ferne und im Gewirr der Lavaklippen verlor sich das Trommeln der Pferdehufe. Die Pferde waren davongerannt. Sie im Lavagebiet zu suchen, konnte einen Tag dauern.

»Scotty Miles«, sagte Quinton grimmig. Er kam vom Rand der Mulde aus im Bogen zu ihnen und stand nun genau über ihnen. »Sieh einer an, Scotty Miles. Du hättest dich nie mit Slate einlassen sollen, Scotty. Mord, war das immer deine Sache? Zwei Tote, Scotty. Und ich fürchte, das bricht euch das Genick wie dem Boy da unten. Eure Pferde sind weg, also werdet ihr laufen. Wir marschieren nach Süden. Ich reite, ihr dürft Slate tragen. Irgendwann am Abend werden wir die Quemado Road erreichen. Fünfundzwanzig Meilen, ihr Schurken, weit genug, wie?«

Miles erbleichte. Vor ihnen lag die Hölle, bis zur Quemado Road gab es nichts als Buschland, ödes Gelände und Millionen Kakteen. Dazu aber die glühende Sonne. Die Hölle konnte nicht schlimmer sein.

*

Sie waren acht Meilen weit gekommen und hatten endlich größere Büsche gefunden. Slate war halbtot. Zuletzt mußten sie ihn – und es war wie nackter Hohn, daß sie dazu ein Gewehr hatten, das jedoch entladen war – zwischen sich in einer Art Schaukel schleppen.

Nun lag Slate besinnungslos am Boden. Denoyer kauerte auf Händen und Knien. Sein Kopf war feuerrot, und sein Atem strich heiß über den dürren Grasbewuchs des Bacheinschnittes.

»Los, Scotty, heb das Messer auf, schlag die Stange da ab.«

Quintons Stimme fauchte kalt und erbarmungslos auf sie herab. Sein Messer flog vor Scotty nieder. Scotty sah hoch. Quinton hielt das Gewehr in der Faust und den Finger am Abzug.

»Falls du auf die Idee kommen solltest, es zu werfen«, sagte Quinton eisig. Er stieg langsam ab, um sich die Beine zu vertreten, ließ Scotty aber keine Sekunde aus den Augen. »Du willst doch leben, Scotty, oder?«

»Yeah«, ächzte Miles. Er stieß Denoyer an. »Komm schon, hilf mir eine Schleppbahre für Slate zu machen. Der Narr stirbt, der hat es gut, aber wir werden für seine Verrücktheit bezahlen müssen. Kommst du bald, Denoyer?«

Denoyer stand schwankend auf. Er war froh, daß sie nun nicht mehr

Slate schleppen mußten. Die Bahre würde ihn aufnehmen. Vielleicht aber war Slate tot, ehe sie die Quemado Road im Süden erreichten.

Als sie die ersten Stangen geschlagen hatten, zischte Miles leise.

»Sieh nicht her, Denoyer. Er steht dort oben, paßt auf. Wir haben eine Chance, mit diesen Stangen, Mann. Wenn wir zuschlagen können…«

Denoyer stierte auf seine Hände und dann auf die Stangen. Eine Chance, diesem Spürhund zu entkommen, dachte er, nur eine Chance, dann…

*

Als Quinton, dem Slates Revolverkugel den Arm angeschlagen hatte, Denoyer den Strick zuwarf, riß Scotty die Stange hoch. Es war die Sekunde, auf die sie beide gewartet hatten. Um die Querstöcke an die langen Stangen zu binden, brauchten sie ein Lasso. Quinton würde das Gewehr mit der verletzten linken Hand halten und den Strick mit der rechten werfen müssen.

Genauso kam es nun.

Scotty Miles’ Stange fuhr steil nach oben. Scotty war Quinton so nahe, daß er ihn mit der Stange erwischen konnte. Er sprang nach vorn, während er zuschlug. Die Stange fuhr gegen Quintons Gewehr, aber Quinton riß es in die Höhe, so daß er dem Hieb die Wucht nahm.

»Jim!« schrie Miles heulend. »Schnell, Jim!«

Auch Denoyer sprang wie ein Panther vorwärts. Er holte weit aus, war sicher, daß er Quinton traf, und sah es zu spät: Quinton warf sich unter Scottys Stange durch, indem er sie mit dem Gewehrlauf wegstieß. Im verzweifeltem Bemühen, ihn doch noch zu treffen, ließ Denoyer seine Stange herumfliegen. Er schlug nach Quintons Kopf, aber der Marshal warf sich auf die Knie. So strich Denoyers Stange über die von Scotty. Sie sauste an ihr entlang, dann schmetterte sie über Scottys Hand und prallte danach in Scottys Gesicht.

Scotty heulte wie ein Hund. Er ließ die Stange fallen. Seine Hände fuhren zu seinem Gesicht, und er brach vor Schmerz wimmernd in die Knie.

Im gleichen Augenblick schoß Quinton vom Boden hoch. Nun hatte er beide Hände am Gewehr. Er kam so schnell, daß Denoyer nicht mehr ausweichen konnte. Das Gewehr bohrte sich in Denoyers Bauch, und Denoyer sank ächzend in die Knie.

»Wolltet ihr das?« knirschte John Quinton voller Grimm. »Ich ahnte doch, daß ihr etwas mit den Stangen vorhaben könntet, ihr Schufte. Du störst mich nicht mehr, du Hundesohn.«

Denoyer wollte sich noch ducken, aber das Gewehr war schneller. Es traf ihn, und er fiel wie ein Klotz zu Boden.

»No – no, Marshal«, kreischte

Miles, als Quinton langsam auf ihn zukam.

»Mach die Trage fertig, du Trickdieb!« fauchte Quinton finster. »Ich schwöre dir, Scotty, bis wir an der Road sind und auf die Abendkutsche nach Socorro warten, wirst du glauben, in der heißesten Ecke der Hölle zu sein, du Mörder.«

»Ich bin kein Mörder, ich habe sie nicht…«

»Ihr seid alle blutige Mörder!« unterbrach Quinton eisig. »Und für dich habe ich einmal sogar etwas wie Bewunderung empfunden, zu Langfinger. Jetzt sollst zu bezahlen, Bursche. Mord ist ein schmutziges Geschäft!«

Scotty schloß die Augen.

Er wußte, sie konnten nicht mehr entkommen.

*

Slate lallte irgend etwas, das niemand verstand. Daß er noch lebte, verdankte er nur der Stangenbahre. Denoyer lag reglos am Boden, in einem Kakteenschatten am Rande der Quemado Road. Er war unterwegs zehnmal in die Knie gebrochen. Scotty hatte es trotz seines verwundeten Beines geschafft, auf den Füßen zu bleiben, aber auch er war am Ende. Bunte Kreise tanzten vor seinen Augen. Dann hörte er das Scheppern der Flasche neben sich und Quintons kühle Stimme:

»Trink, du Strolch, verdient hast du es nicht, aber trink. Die Kutsche kommt schon, ich höre sie.«

Denoyer regte sich nun, griff gierig nach der Flasche.

»Oh, by gosh«, lallte er wie ein Betrunkener. »Die Hölle – das war – die Hölle – mein Gott!«

»Rede nicht von Gott«, knirschte Quinton. »Da kommt die Kutsche. Und wenn ich noch Augen habe, ist es eine von Cole Young, dessen Fahrer Slate erschossen hat.«

Seine Worte trafen die beiden Männer wie Revolverkugeln. Denoyer erbleichte. Miles stierte wie gebannt auf die heranrasende Kutsche. Die Quemado Road zog sich hier um die Kehren der Datil Mountains. Auf dem Bock saßen drei Männer. Der mittlere Mister lenkte. Er fuhr wie der Teufel. Die Kutsche schien an der vorletzten Kehre gerade in den Abgrund rasen zu wollen. Einen Moment stand sie auf zwei Rädern. Dann fiel sie krachend zurück und schoß mit unverminderter Geschwindigkeit weiter um die Kehre.

»Allmächtiger!« stöhnte Miles. Die Furcht vor den Fahrern der

Young-Linie steigerte sich. »Die bringen uns um. Marshal, das kannst du nicht zulassen.«

»Auf den Weg, mitten auf den Weg!« knurrte Quinton. Er stieß sie vor sich her. Sie mußten sich hinknien und kauerten nun mit hochgereckten, gebundenen Händen im Staub.

Augenblicke später kam die Kutsche um die letzte Biegung geschossen. Einer der Begleitfahrer schrie etwas, aber die Stage verminderte ihre Geschwindigkeit nicht. Sie raste geradewegs auf die drei Männer auf der Straße zu. Erst wenige Schritte vor ihnen lehnte sich der junge Bursche in der Mitte nach hinten. Staub wallte jäh zu einer Wolke empor, wirbelte Miles und Denoyer entgegen und strich auch um Quinton:

»Zum Teufel!« schrie jemand. »Was hockt ihr mitten auf der Road? Doan, übernimm die Leinen. Diese Narren muß ich mir ansehen.«

Man sah durch den Staub nichts. Jedoch hörte Quinton nun das Gejammer eines Mannes und den Schlag der Kutsche klappen.

Jemand lachte hell. Dann teilte sich der Staub. Der Boy kam mit durchfedernden Schritten zum Vorschein. Und erst da sah Quinton, daß es kein Boy, sondern ein Girl in Männerkleidung war.

Erstarrt blieb das Girl stehen. Erst jetzt schien es zu erkennen, daß die beiden Männer gebunden waren und hinter ihnen jemand mit dem Stern eines US Marshals stand.

»Alle Teufel«, rief das Girl. »Dogan, komm her, sieh dir das an.«

Im nächsten Augenblick nahm das Girl den flachkronigen Hut ab. Es

sah aus, als fiele eine Feuerwolke

von ihrem Kopf auf ihre Schultern hinab.

Einen Moment zuckte Quinton zusammen. Quinton glaubte einen Augenblick Gail vor sich zu sehen. Sie hatte dasselbe Haar gehabt, nur war Gail etwas größer und nicht so schlank gewesen. Die Erinnerung an seine Frau erfüllte Quinton mit neuerlichem Zorn. Seit jenem Tag, als sie starb, hatte er keine Gnade mehr gekannt. Hatte man Quinton vorher gefürchtet – jetzt brach Panik aus, wenn es hieß, daß er hinter jemandem her war.

»Well«, sagte er scharf. »Stehen Sie nicht herum, Miss – sorgen Sie dafür, daß niemand mehr im Kasten bleibt. Die Stagecoach ist beschlagnahmt für den Transport dieser Burschen. Also…«

»Verflucht, Joe, das ist Slate!« brüllte da der eine Fahrer. »Es ist dieser Hundesohn Slate mit Denoyer. Ah, da haben wir sie endlich!«

Der Driver kam angerannt und riß seine Schrotflinte hoch. Der zweite Fahrer sprang vom Bock, ebenfalls die Rifle in der Faust. So liefen sie auf die Gefangenen zu, bis Quintons Gewehr sich hob und auf sie deutete.

»Stehenbleiben!« knirschte Quinton. »Noch einen Schritt, dann drücke ich ab!«

»Hölle!« ächzte der eine Fahrer. Er stierte Quinton an und wich langsam zurück. »Marshal Quinton. Joe, es ist Quinton. Vorsicht, er schießt erst und fragt dann.«

»Manchmal«, bestätigte Quinton grimmig. »Macht keine Narrheiten, Gents. Sie müssen nach Colorado gebracht werden. Und wer immer versucht, sie vorher aufzuhängen, bekommt es mit mir zu tun.«

Das Girl fragte: »Marshal, mit welchem Recht beschlagnahmen Sie meine Kutsche, he?«

»Miss Belinda, es ist Quinton«, japste Doan.

»Und wenn es Abraham Lincoln wäre!« schrie sie ihn an. »Hier bestimme ich! Diese Kerle gehören uns!«

Sie sprang plötzlich auf John zu, entriß ihm blitzschnell das Gewehr und fuhr wieder zurück.

Im selben Moment stand Quinton nach einem Riesensatz vor ihr. Seine Hand schoß nach oben, er packte ihre Waffe, drehte sie mit einem Ruck um. Das Girl konnte das Gewehr nicht festhalten. Es ließ los, flog an Quintons Brust und steckte jäh in der Klammer seines linken Armes.

»Langsam«, sagte Quinton kühl. »Nur immer ruhig, Miss. Sie sind Miss Young? Dann ist das die Linie lhres Vaters.«

Quinton kannte den alten Cole