Jung und Muslim - Murat Demiryürek - E-Book

Jung und Muslim E-Book

Murat Demiryürek

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Beschreibung

Der Islam. Und die Jugend? Zwei Realitäten. Zwei Gefühlswelten. Ein Hin- und Hergerissensein. Wie lässt sich beides unter einen Hut bringen? Dieses Buch legt die Realität offen. Es ist aus dem Leben gegriffen und kein Theoriebuch. Es wird nichts beschönigt und Klartext gesprochen. Dieses Buch will helfen eines klarzumachen: Islam und Jugend sind kein Widerspruch! Murad Wilfried Hofmann: Die Jugend betreffende Probleme werden geschickt angesprochen. Beeindruckend richtige psychologische Analysen. Abdurrahman Reidegeld: „Hier spricht eine außergewöhnliche Stimme: jugendlich, klar, mit teils recht eigenwillig scharfer Note und bei alldem immer mit dem Blick auf das Ziel gerichtet: jungen und jung gebliebenen Menschen die Konsequenzen ihrer Lebensweise vor Augen zu führen, und zugleich ein schönes praktikables Lebenskonzept zu entwerfen.”

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Jung & Muslim

 

 

Murat Demiryürek

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hayy Verlag

 

 

 

 

Impressum

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 9783757976613

 

3. Auflage, Oktober 2014

Autor: Murat Demiryürek

Herausgeber:  Nurcan Demiryürek

 

1. Auflage, Green Palace, Berlin 2007

2. Auflage, Ilm Verlag, Dortmund 2009

3. Auflage, Hayy Verlag, Bochum 2014

 

 

Für Meinungen und Kontakt:

www.hayy-verlag.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Umschlagsgestaltung:

Man at Work Design Agency

www.manatwork.com

 

I      Vorwort

II Die Hintergründe der jetzigen

Situation

1. Die elterliche Erziehung

2. Die religiöse Erziehung

3. Die gesellschaftliche Prägung

III Der aktuelle Stand

1. Du hast geschworen

2. Die Lebensprüfung und die Drogen

3. Das Auto

4. Die Freundin und die Begleiterscheinungen

5. Die Disko

6. Die Clique Mutproben, Extravaganz und das Ansehen bei Anderen

7. Zeitvergeudung, Planlosigkeit und vom Nichtstun

10. Kriminalität

IV Wege aus der Misere

1. Die Anlaufphase

2. Das Gebet

3. Allah bitten – Dua als Hilfswerkzeug

4. Wissen aneignen

5. Beginn der Aufräumarbeiten - Die Beschäftigung mit dem Koran

6. Von Fehlern Anderer lernen

7. Geschwisterlichkeit leben

8. Krisenbewältigung

 

I      Vorwort

 

Wie kam es zu diesem Buch?

Mein Leben begann in einem kleinen Dorf in der Nähe von Neuss. Wir waren die einzige muslimische Familie dort, wo wir bis zu meinem 21. Lebensjahr wohnten. Meine Eltern haben mit ihren spärlichen Möglichkeiten versucht, ihre sechs Kinder islamisch zu erziehen. Wobei ihre Erziehung eher traditionell türkisch als islamisch war. Viele Dorfbewohner stellten mir Fragen über den Islam. Da habe ich dann einsehen müssen, dass mein islamisches Wissen völlig unzureichend war.

Mit dem 15. Lebensjahr fing ich deshalb an, mich mit dem Islam intensiver zu beschäftigen. Da ich in deutscher Sprache sehr wenig Literatur fand, griff ich zu türkischsprachigen Büchern. Damit fing ein neues Problem an, denn die Inhalte der Bücher waren für mich nur äußerst schwer in die Praxis umzusetzen. Das Problem lag darin, dass diese Bücher nicht meine Probleme als heranwachsender Muslim in Deutschland behandelt haben. Ihre Inhalte waren zu abstrakt, so dass ich nur äußerst schwer den Bezug zu meinem Leben herstellen konnte. Dennoch gelang es mir mit Allahs Hilfe, die gedankliche Brücke zwischen den Inhalten der gelesenen Bücher und meinem Leben als junger Muslim zu schlagen. Dies war ein Kraftakt, der leider vielen jungen Muslimen nicht gelingt.

Vor sechs Jahren fing ich dann an, für mich selbst über Themen zu schreiben, die mich brennend als Heranwachsender interessierten. So füllten sich mehrere Notizbücher, welche ich stets bei mir trug. Das Ergebnis von sechs Jahren Denkarbeit will ich nun mit allen interessierten Menschen, allen voran mit meinen jungen muslimischen Geschwistern, teilen.

Mit diesem Buch soll jungen Menschen geholfen werden, sich einen Zugang zur Religion zu verschaffen. Es soll klar werden, dass Religion durchaus etwas Lebbares ist und keinen Bereich unseres Lebens auslässt.

Es wurden weitestgehend Fremdwörter vermieden und eine einfache Sprache gewählt. Jedoch sind die Inhalte erheblich und von hoher Bedeutung für junge Menschen. Einige werden sich über die Offenheit meiner Worte wundern und die angesprochenen bzw. kritisierten Personen wird es womöglich ärgern. Aber es ist an der Zeit, einige Dinge auf diese Art anzusprechen. Ich bitte verärgerte Leser dennoch weiter zu lesen. Später werden manche Aussagen noch mal aufgegriffen.

 

Die Kapitel dieses Buches bauen aufeinander auf. Deshalb sollte mit dem Lesen nicht mitten im Buch begonnen werden.

 

Murat Demiryürek

Mai 2007

 

 

Vorwort zur 2. Auflage

 

Die meisten Leser haben sich beim Lesen umgeschaut, ob sie jemand beobachtet. Sie glaubten, dass ich sie vor dem Verfassen beobachtet haben muss. Dass teilten mir viele in ihrer Meinung zu dem Buch mit. Das erfreut jeden Autor, zumal damit der Nerv der Jugendlichen getroffen zu sein scheint. Einige haben das Buch in zwei Tagen durchgelesen, was ich schade finde, denn es kann so nur schwer wirken. Effektiver hat es unser Glaubensbruder Yakup getan, der das Buch in verschiedenen Jugendgruppen wöchentlich Kapitel für Kapitel durchgelesen und darüber diskutiert hat. Einige Jugendliche haben, überhaupt zum ersten Mal ein Buch gelesen.

 

Es erschienen zahlreiche Rezensionen u.a. in der IZ, igmg.de, mjd-net.de und ufuq.de. Letztere bezeichneten das Buch als programmatisch (wegweisend). Kritik kam in erster Linie für die ersten drei Kapitel des Buches, weil es manchen zu offen hergeht und für andere S/W-Malerei betrieben wird.

 

Die zweite Auflage wurde von mir in manchen Stellen geändert bzw. vereinfacht, um Missverständnissen vorzubeugen.

 

 

II Die Hintergründe der jetzigen

Situation

 

In diesem Kapitel werden Überlegungen angestellt, wie es zu dieser bedenklichen Lage kommen konnte, in der sich junge Muslime heutzutage befinden.

 

Wenn wir die Ursachen nicht kennen, dann werden wir nur die Anzeichen an der Oberfläche angehen können. Im Folgenden soll deshalb auf drei Einflussfelder eingegangen werden, welche meiner Meinung nach den Ursachen der problematischen Lage von heranwachsenden Muslimen maßgeblich darstellen. Ich werde versuchen aufzuzeigen, dass viele Umstände von uns Muslimen hausgemacht sind.

 

1. Die elterliche Erziehung

 

Um die verkorkste Situation beschreiben zu können, in der junge Muslime aufwachsen, beschreiben wir jetzt einen kleinen Film. Dieser besteht aus acht Szenen, welche wirkungsvoll genug sind, um das Leben eines heranwachsenden Muslims zu prägen.

 

 

 

Szene 1

Eine junge Mutter geht mit ihrem einjährigen Sohn spazieren. Das Kind läuft ein paar Schritte voraus und fällt. Noch bevor es versuchen kann, von selbst aufzustehen, eilt die Mutter zu ihm und hebt es auf.

 

Szene 2

Das Kind ist jetzt ein Jahr älter. Es sitzt im Wohnzimmer und weint, weil es raus will.

Doch es wird ihm verwehrt und zwar ohne Angabe von Gründen. Wenn es weiter weint, wird aus Bequemlichkeitsgründen mit dem Rufen des deutschen Nachbarn oder mit dem Ruf des bösen Polizeionkels gedroht. Hauptsache das Kind ist ruhig.

 

Szene 3

Mit fünf Jahren geht das Kind mit Mutter und Vater auf Einkaufstour. Das Kind braucht Kleidung. Die Mutter sucht aus. Der Vater gibt sein Einverständnis. Derjenige, für den die Kleidung bestimmt ist, bleibt kurioserweise beim Entscheidungsprozess außen vor. Die verdutzten Blicke des Kindes gehen zu einem anderen Kind, dessen Mutter mit drei Jacken in der Hand das Kind entscheiden lässt.

 

Szene 4

Mit den besten Schulsachen ausgerüstet, fängt das Kind in der Grundschule an. Aber das Kind besitzt keine Schultüte, weil die Eltern dies für unnötiges Zeug hielten. Das Kind spricht, sagen wir mal, sehr dürftig deutsch. Seine eigene Muttersprache spricht es noch schlechter. Irgendetwas muss schiefgelaufen sein.

 

Die Eltern erscheinen manchmal zum Elterngesprächstag. An sonstigen Aktivitäten der Schule, welche mit dem Islam eigentlich nicht in Widerspruch stehen, beteiligen sie sich noch seltener. Die Lehrer wundern sich über das stille und leicht reizbare Kind.

 

Szene 5

Bei den Hausaufgaben tauchen Probleme auf. Das Kind sucht Hilfe bei den Eltern. Diese können keine Fragen beantworten und scheinen sich auch nicht wirklich für die Fragen zu interessieren.

 

Szene 6

 

Das Kind bekommt Schläge wegen schlechter Schulnoten. Noten von eben dieser Schule, für die sich die Eltern nicht so recht interessieren.

 

Szene 7

 

Eine Meinungsverschiedenheit mit den Eltern ist mal wieder aufgetreten. Aber das Kind darf nicht widersprechen. Obwohl es für jeden Außenstehenden offensichtlich ist, dass das Kind Recht hat, bekommt es ständig zu hören, dass der Respekt vor den Eltern eine islamische Pflicht sei und dass es deswegen seinen Eltern zu gehorchen habe.

 

Szene 8

 

Das Kind wird zum Schulabbrecher.

 

Ende des Films.

 

Fast jedem hier in Deutschland aufgewachsenen Muslim müssten solche Szenen vertraut erscheinen. Diese Ereignisse haben weit reichende negative Folgen. Denn damit ein junger Muslim überhaupt seine Religion praktizieren kann, braucht er vor allem eines:

 

Selbstbewusstsein.

 

Doch wir werden eher zum Selbstzweifel erzogen. Es entstehen eher Minderwertigkeitskomplexe als starke Charakterzüge. Dabei ist Selbstbewusstsein etwas, was heute mehr denn je gefragt ist. Deshalb sind wirklich praktizierende Vollzeitmuslime in der Minderheit, egal ob in Europa oder in den vermeintlich islamischen Ländern. Wer Nein sagen will zu Alkohol, Drogen und Zina1, braucht vor allem einen starken Charakter und eine starke Meinung. Denn dem Einzigen, dem die starke Strömung des Flusses nichts ausmacht, ist der Fels. Wir werden aber eher zu Treibhölzern erzogen als zu Felsen.

 

Die oben aufgeführten Szenen helfen schon mal, dass aus uns kein Fels wird. Es soll nun aufgezeigt werden, wozu die Szenen im Einzelnen führen:

 

In Szene 1 (das Hinfallen) sehen wir, wie wir zu völliger Unselbständigkeit erzogen werden. Die Mutter meint es zwar gut mit ihrem Kind, jedoch erwartet man dadurch immer bis ins hohe Alter, dass jemand einem aufhilft. Bei jeder Lebenskrise versuchen wir, nicht selbst aufzustehen, sondern warten lieber. Wenn dies später in der islamischen Jugendarbeit richtig kanalisiert wird, kann das in Vertrauen auf seinen Schöpfer (Tawwakul) münden. Das Kind müsste aber dazu übergehen, die Hilfe zum Aufstehen von seinem Schöpfer einzuholen.2 Aber in den meisten Fällen kommt es jedoch nicht bis dahin.

 

Die Szene 2 (Der Wunsch des Rausgehens) lässt uns mit unnötigen Ängsten groß werden. Ängste, die sich vielleicht erst im weiteren Verlauf des Lebens zeigen werden, wenn man im jugendlichen Alter große Probleme hat, auf Menschen zuzugehen.

 

Durch die Szene 3 (Einkauf) versteht man schnell, warum muslimische Kinder keine eigene Meinung haben. Wer keine eigene Meinung hat, wird zum Mitläufer. Viele meiner muslimischen Brüder taten nur das, was die Gruppe machte, nicht etwa, weil sie es für gut hielten, sondern weil sie keine eigene Meinung hierzu hatten.

 

Die Szenen 4 (Einschulung), 7 (Meinungsverschiedenheit) und 8 (Der Schulabgang) machen deutlich, wie bei muslimischen Kindern Minderwertigkeitskomplexe entstehen und wie diese ohne die Hilfe der Eltern groß werden müssen. Diese Komplexe führen dazu, dass sich muslimische Jugendliche vermehrt über die Wertschätzung anderer Menschen definieren. Alles wird in Kauf genommen, damit die unmittelbare Umgebung sie akzeptiert.

 

Die Szene 5 (Hilfe bei Hausaufgaben) hat einen besonderen Stellenwert. Diese signalisiert dem Kind, dass die Eltern keine Ahnung von der Welt haben. Folglich schafft das Kind nicht, seine Eltern zu bewundern. Da es seine Eltern als unwissend ansieht, verbindet es die Unwissenheit der Eltern mit ihren Aktivitäten und erst recht mit deren Religion.

Da darf man sich nicht wundern, wenn das Kind keine Lust dazu hat, ebenfalls zu beten oder insgesamt negativ dazu steht.

 

Man könnte noch weitere Szenen aufführen. Aber es ist meines Erachtens klar geworden, dass viele muslimische Kinder nicht nur mit den Problemen eines gewöhnlichen Kindes groß werden müssen, sondern zusätzlich mit hausgemachten Problemen konfrontiert werden. Dabei sind die meisten Erziehungspraktiken von einigen muslimischen Eltern nicht etwas bewusst Ausgeführtes, sondern eher etwas, was sie so erlebt haben.

Derselbe Erziehungsstil wird bei den eigenen Kindern angewandt. Das Kritische daran ist die Tatsache, dass sie an ihren Handlungen festhalten, als wären es religiöse Praktiken, die vom Propheten überliefert wurden. Ein Blick in einschlägige Ahadith3 zeigt allerdings, dass der Prophet ein ganz besonderes Verhältnis zu Kindern hatte und sie immer sehr respektiert hat.

 

Die meisten Muslime der ersten Generation hatten bei ihrer Immigration einen ziemlich niedrigen Bildungsstand vorzuweisen und hatten die Religion von ihren Eltern bloß übernommen, ohne sie wirklich begriffen zu haben.

 

Leider merkten sie äußerst selten, dass bestimmte Praktiken nicht religiöser, sondern traditioneller Herkunft waren. Das Lesen hatte man ihnen geschickterweise schon in ihrem Herkunftsland abgewöhnt, so dass sie nie auf die Idee kamen, ein Buch zum Thema zu lesen oder anderweitige Nachforschungen anzustellen.

 

Was sie folglich ihren Kindern mitgeben konnten, reichte nicht aus, um sie für diese Gesellschaft überlebensfähig zu machen.

 

Zudem waren sie von ihrem Umfeld und dem Dasein in einem fremden Land ziemlich überfordert, so dass die Kindererziehung als Hauptaufgabe vernachlässigt wurde.

 

Auch waren sie nicht wie die ersten Muslime aus religiösen Gründen ausgewandert, sondern eher, milde gesagt, aus wirtschaftlichen Gründen. Dafür waren sie bereit, Tausende von Kilometern von ihrer Heimat wegzuziehen. So kam es dann auch, dass ihre nachgeholten Kinder aus der Heimat schnellstmöglich als Arbeiter tätig werden sollten, statt eine Ausbildung zu machen oder zu studieren.4

 

Durch diese Denkweise haben schon einige helle Köpfe Maschinen bedienen müssen, anstatt im Hörsaal nach freien Plätzen Ausschau zu halten. Die Lehrer, welche extra zu Hause erschienen, um die Eltern vom weiteren Schulbesuch ihres Kindes zu überzeugen, konnten sich bei diesen kläglichen Versuchen an der Sturheit des Vaters die Zähne ausbeißen.

 

Vielleicht wurde dieser Umstand von der Tatsache verstärkt, dass die erste Generation mit gepackten Koffern kam und diese nur provisorisch auspackte, weil sie schnellstmöglich zurück in ihre Heimat wollten. Wie sollen Menschen, die jahrelang auf dem Sprung sind und noch förmlich die Einreisejacke nicht abgelegt haben, ein Kind auf das Leben in der Mehrheitsgesellschaft vorbereiten?

Als sie begriffen hatten, dass sie nicht mehr so einfach zurück konnten, bemühten sie sich darum, ihren Kindern ein materiell sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Ihr Erspartes aus jahrelanger Arbeit hierzulande half ihnen dabei. Da sie meist selbst eine verarmte Jugendzeit hatten, sollte das Verwöhnen der Kinder als Ausgleich für die eigene Jugendzeit dienen. Es geschah frei nach dem Motto: „Wir haben gelitten. Sie sollen es besser haben!“

 

Aber das Ganze konnte erst erfolgen, nachdem in der Heimat vorzeigefähige Immobilien erworben wurden. Verzogene, völlig perspektivlose, aber dafür umso mehr verwöhnte Kinder sind das Resultat. Diese füllen die Hauptschulen, die Diskotheken, die Spielhallen und die Gefängnisse dieser Nation. Keine guten Voraussetzungen also für die jugendlichen Muslime in Deutschland.

 

 

Als die erste Generation begriff, dass es keine baldige Rückkehr in die Heimat geben würde, fing sie an, die berühmten Hinterhofmoscheen zu errichten. Womit wir hiermit beim nächsten Thema angelangt wären.

Es gibt eine Menge Aufgaben, für Menschen, die etwas tun wollen und können.

 

2. Die religiöse Erziehung

 

Die Muslime der ersten Generation waren es gewohnt, dass in punkto religiöser Erziehung zumeist andere für sie die Arbeit erledigten.

 

Früher hatte es gereicht, zumindest wurde es so angenommen, sein Kind in der Moschee abzugeben. Nach etlichen Wochenenden und Schulferien bekam man dann einen halben Gelehrten wieder. Eine hochgradig bequeme Sache für die Eltern.

 

Zudem waren sie sehr gewissenhafte Menschen, die mit einem schlechten Gewissen nicht leben konnten. Sie wussten, dass sie ihrem Kind die Religion beibringen müssen, um am Tage der Abrechnung aufgrund dieser Angelegenheit nicht in Bedrängnis zu geraten.

 

So kam es dann, dass muslimische Kinder in jungen Jahren in die Moschee geschickt wurden.

 

Dort sollten sie ihre Religion lernen. Diese besteht vornehmlich aus dem Lesen des Korans und des Erlernens von verschiedenen religiösen Praktiken.

 

Damit war das Gewissen der Eltern dann auch schon beruhigt. Aus der Sicht des Kindes verlief die Sache allerdings anders. Bei den Kindern besteht eine große Ehrfurcht vor der Moschee und speziell vor dem Koranlehrer, welchem man sich mit dem Einverständnis der Eltern völlig unterwirft.

 

Das Erste was sie über ihre Religion erfahren, ist der Zorn Allahs und alle Facetten des Höllenfeuers. Das wäre ja eigentlich nicht schlimm, würde man ihnen auch im gleichen Atemzug mitteilen, dass Allah von sich selbst sagt, dass seine Barmherzigkeit seinen Zorn überwiegt. Sprich also, dass es einen Schöpfer gibt, der gerne belohnt und verzeiht, aber auch hart in seiner Strafe ist.

Sobald das Kind in die Moschee eintritt, befindet es sich in einer anderen Welt. Dort sind nicht mehr die Eltern anwesend, denen nach Belieben auf der Nase herumgetanzt werden kann, sondern alte, teilweise vollbärtige und strenge Helfer. Zu den Gebetszeiten erscheinen dann auch noch alte Leute, die für die typisch kindlichen Lautstärken wenig übrighaben und gerne mal die Kinder lautstark ermahnen, wenn es lauter wird. Der Koranlehrer, meist des Deutschen nicht mächtig, ist die Strenge in Person. Nicht nur das er aus seltsamen taktischen Gründen kaum lächelt, er hat Verhaltensweisen, die das Kind bis zum Lebensende nie vergessen wird. Diese zeigen sich vermehrt in folgender Situation5:

 

Das Kind hat die Buchstaben des arabischen Alphabetes gelernt und macht erste Wortübungen vor dem Lehrer. Wenn es ihm nicht gefällt, liest es das Kind noch einmal vor. Sollte es spätestens beim dritten Mal nicht besser werden, bekommt das Kind eine Backpfeife, die sich tief bei ihm ins Gedächtnis einprägt. Das Kuriose ist, dass das Kind gar nicht weiß, warum es diese bekommen hat. Die Eltern interessiert es nicht besonders, und außerdem habe der Koranlehrer schon bestimmt seine berechtigten Gründe gehabt.

 

Bleibt dem Kind die Überlegung, wie es den Koran-unterricht umgehen kann. Wenn der Koranlehrer etwas über Religion erzählt, dann versteht das Kind meistens wenig davon. Was das Erzählte mit der Welt außerhalb der Moschee zu tun hat, bleibt dem Kind ein Rätsel. Irgendwie sind die Inhalte viel zu abstrakt und nur schwer in die Praxis umzusetzen.

 

Aber das wird erst so richtig problematisch, wenn das Kind älter wird.

 

 

Sobald das Kind den Koran so richtig schön lesen kann, wird es aus dem Korankurs entlassen.

 

Immer öfter wird dies auch gefeiert. Das trügerische Bild besteht dort aus stolzen Eltern, noch stolzeren Koranlehrern und den erleichterten Kindern.6

 

Von nun an befindet sich das Kind in einer religiösen Leere. Die Eltern sind beruhigt und das Kind vom Stress befreit. Ab und zu liest es zu heiligen Tagen und Abenden aus dem Koran. Noch gewissenhaftere Eltern hämmern weiterhin täglich mit der Religion auf die Kinder ein. Obwohl im Koran (20. Sure, Ta-Ha, Vers 43) dazu aufgefordert wird, mit sanften Worten zur Religion zu rufen. Sie nerven ihren Nachwuchs so lange, bis diese Trotzreaktionen gegen die Religion zeigen und sie die gottesdienstlichen Handlungen, wenn überhaupt, nur widerwillig ausführten. Halbherzig getragene Kopftücher und gequälte Gebete neben dem Vater in der Moschee sind oft beobachtete Ergebnisse der elterlichen Bestrebungen.

---ENDE DER LESEPROBE---