9,99 €
Buntbarsche (Cichliden) sind, wie der Name schon sagt, ebenso bunt wie auch barsch. Im Althochdeutschen hieß der Barsch "bars", "der Stachelige". Die Bedeutung von "barsch", nämlich "unfreundlich" oder "spitz", dürfte darauf zurückgehen – sie passt also auch zu den nicht stacheligen Arten, denn als überwiegend revierbildende Fische verteidigen die Männchen fast aller Buntbarschspezies aus dem Malawisee ihre Platzansprüche gegenüber Konkurrenten, was besonders in den beengten Verhältnissen eines Aquariums das Aggressionspotenzial oftmals erhöht. Doch zum Glück gehören die Vertreter der Gattung Aulonocara, denen dieses Buch gewidmet ist, zu der Sorte Buntbarsch, bei der bunte Farben überwiegen und die barschen Eigenschaften sich in Grenzen halten. Art für Art stellen Ihnen die Bücher dieser Reihe die beliebtesten Süßwasser-Aquarienbewohner vor. Jeder Band bietet leicht verständliche Informationen über eine bestimmte Gruppe von Aquarienpfleglingen, erläutert die Biologie und beschreibt die Haltung. Experten mit langjährigen Erfahrungen geben detaillierte, praxisnahe Pflegeanleitungen, und Sie finden alle Informationen, die Sie für eine erfolgreiche Haltung brauchen. Das alles durchgängig farbig, großzügig bebildert und attraktiv gestaltet - Art für Art.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 63
Veröffentlichungsjahr: 2017
Janita Webeler
Für meine liebe Familie
Bildnachweis
Titelbild: Aulonocara „Red Rubin“, Aulonocara maylandi kandeensis, subadultes Männchen von Aulonocara baenschi
Rückseite: Aulonocara maylandi
Bild Seite 1: Männchen der Zuchtform Aulonocara „Eureka“
Fotos ohne Bildnachweis von der Autorin
Die in diesem Buch enthaltenen Angaben, Ergebnisse, Dosierungsanleitungen etc. wurden von der Autorin nach bestem Wissen erstellt und sorgfältig überprüft. Da inhaltliche Fehler trotzdem nicht völlig auszuschließen sind, erfolgen diese Angaben ohne jegliche Verpflichtung des Verlages oder der Autorin. Beide übernehmen daher keine Haftung für etwaige inhaltliche Unrichtigkeiten.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, gespeichert oder vervielfältigt werden.
eISBN: 978-3-86659-380-0
© 2010 Natur und Tier - Verlag GmbH
An der Kleimannbrücke 39/41
48157 Münster
www.ms-verlag.de
Geschäftsführung: Matthias Schmidt
Lektorat: Kriton Kunz
Layout: Tanja Denker
Vorwort
Lebensraum Malawisee
Was sind Kaiserbuntbarsche?
Verhalten
Die Aquarienhaltung
Becken
Filterung
Heizung
Beleuchtung
Einrichtung
Bepflanzung
Algenprobleme vermeiden
Wasserwerte
Vergesellschaftung
Besatzdichte
Futter
Gesundheit
Behandlung von Krankheiten
Nachzucht
Zuchtformen und Hybriden
Art für Art
Wissenschaftlich beschriebene, aquaristisch relevante Arten
Aulonocara baenschi
Aulonocara ethelwynnae
Aulonocara gertrudae
Aulonocara guentheri
Aulonocara hansbaenschi
Aulonocara hueseri
Aulonocara jacobfreibergi
Aulonocara koningsi
Aulonocara korneliae
Aulonocara maylandi maylandi
Aulonocara maylandi kandeensis
Aulonocara rostratum
Aulonocara saulosi
Aulonocara steveni
Aulonocara stuartgranti
Wissenschaftlich nicht beschriebene Arten
Aulonocara sp. „Chitande“
Aulonocara sp. „Lwanda“
Aulonocara sp. „Mamelela “
Aulonocara sp. „Walteri“
Zuchtformen
Aulonocara „Albino“
Aulonocara „Eureka“
Aulonocara „Fire Fish“
Aulonocara „OB“
Aulonocara „Red Orchidee“
Aulonocara „Red Rubin“
Aulonocara „Saffron“
Literatur
Subadultes Männchen von Aulonocara jacobfreibergi
Aulonocara stuartgranti „Cobue“
Buntbarsche (Cichliden) sind, wie der Name schon sagt, ebenso bunt wie auch barsch. Im Althochdeutschen hieß der Barsch „bars“, „der Stachelige“. Die Bedeutung von „barsch“, nämlich „unfreundlich“ oder „spitz“, dürfte darauf zurückgehen – sie passt also auch zu den nicht stacheligen Arten, denn als überwiegend revierbildende Fische verteidigen die Männchen fast aller Buntbarschspezies aus dem Malawisee ihre Platzansprüche gegenüber Konkurrenten, was besonders in den beengten Verhältnissen eines Aquariums das Aggressionspotenzial oftmals erhöht. Doch zum Glück gehören die Vertreter der Gattung Aulonocara, denen dieses Buch gewidmet ist, zu der Sorte Buntbarsch, bei der bunte Farben überwiegen und die barschen Eigenschaften sich in Grenzen halten. Vorurteile und alle restlichen Bedenken werden spätestens dann verschwunden sein, wenn Sie das erste Mal ein Pärchen bei der Balz beobachtet haben – ein imposantes Imponiergehabe, kombiniert mit einem harmonischen Paartanz, bei dem sich vor allem das Männchen von seiner schönsten Seite zeigt. Oder haben Sie schon einmal ein Aulonocara-Weibchen, die allesamt Maulbrüter sind, beim Entlassen seiner Jungen bespitzelt? Mögen Sie Abwechslung und sind Sie nicht böse, wenn das Dekorieren des Aquariums von den Fischen persönlich übernommen wird? Sind Sie an Architektur interessiert? Dann schauen sie den Meistern beim Bauen von Höhlen, Burgen und Kratern zu.
Farbvariante von Aulonocara baenschi
Aulonocara sp. „Mamelela“ ist vermutlich mit A. jacobfreibergi verwandt
Sicher ist es nicht ganz einfach, allen Ansprüchen dieser Tiere immer vollständig gerecht zu werden, doch langweilig wird es mit ihnen nie.
Mit diesem Buch möchte ich Ihnen dabei helfen, den prächtigen „Kaisern“ aus dem drittgrößten See Afrikas einen möglichst naturnahen Lebensraum zu bieten und die vielen verschieden gefärbten Arten zu bestimmen. Bei artgerechter Haltung werden Sie lange Zeit viel Freude an lebhaften und farbenfrohen Tieren haben. In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Schmökern!
Janita WebelerAlfeld, im Sommer 2010
Von hier kommen die schönen „Kaiser“. Einige Fundorte und Fanggebiete am Malawisee.
So wie der Malawisee einzigartig ist, so sind es auch seine Bewohner. Dieser See ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Er nimmt im Osten Afrikas ein Areal von ca. 29.600 km2 ein und weist eine maximale Tiefe von 704 m auf. Ein stetiger Wellengang sorgt vor allem in den Uferzonen für einen hohen Sauerstoffgehalt. Kristallklar und sehr keimarm ist er, der neuntgrößte tropische Süßwassersee der Erde. Die Sichtweiten betragen nicht selten bis zu 20 m in die Tiefe. 1980 wurde am Südufer des Sees der Lake Malawi National Park eingerichtet, der zum Schutz vor allem der vielen heimischen Fische dienen soll und der seit 1984 auch auf der Liste des UNESCO-Weltnaturerbes steht. Im Bereich des 94 km2 großen Parks kommt etwa die Hälfte der geschätzt 1.000 Fischarten vor, die im See zu finden sind – 90 % leben nur hier, sind also für den Malawisee endemisch. In Anbetracht der großen Artenzahl scheint das Schutzgebiet sehr klein. Tatsächlich sind aber viele der Fischarten durch ihre Lebensweise an ganz bestimmte Inseln und Küstenabschnitte gebunden. Pro Quadratmeter werden stellenweise sieben, bei gutem Nahrungsangebot auch bis zu zwölf Cichliden in den küstennahen Zonen gezählt. Die Populationsdichte ist also recht hoch und der Erhalt der meisten Arten durch das Schutzgebiet gesichert.
Ein zu den Utakas gehörender Sciaenochromis fryeri
Die im See lebenden Buntbarsche werden zu Recht auch gern die „Korallenfische des Süßwassers“ genannt. Man teilt sie grob in zwei Gruppen auf: Mbunas und Nicht-Mbunas (Utakas). Mbuna bedeutet so viel wie „Felsenfisch“. Die Bezeichnung passt zu ihrer Lebensweise: Mbunas sind Aufwuchsfresser, sie raspeln also Algen und die darin lebenden Kleinstlebewesen von den Steinen, die ihnen als Behausung dienen.
Die Utakas wiederum unterteilen sich nochmals in verschiedene Gruppen, darunter eben auch die Gattung Aulonocara (Kaiserbuntbarsche). Unter den Kaiserbuntbarschen unterscheidet man noch solche, die Felsengebiete mit Höhlen, Sandflächen oder Übergangzonen zwischen beiden besiedeln.
Dimidiochromis compressiceps gehört zu der Gruppe der Fischjäger aus der größeren Gruppierung der Nicht-Mbunas
Bei diesem Aulonocara sp. „Mamelela“ sind die Sinnesgruben sehr schön zu sehen
Alle Aulonocara-Arten kommen endemisch im ganzen Malawisee vor (ausgenommen sind die Zuchtformen, sie sind gar nicht im See zu finden). Durch Isolation und Standorttreue haben sich im Lauf der Jahrhunderte die verschiedenfarbigen Varianten dieser Gattung zu eigenständigen Arten entwickelt. Oft ist jedoch die nahe Verwandtschaft zwischen den Arten nur allzu offensichtlich. Aulonocara-Vertreter bewohnen überwiegend die Übergangszone zwischen Felsen und Sand. Felsen und Steine werden hauptsächlich als Rückzugsmöglichkeit und Revierbegrenzung genutzt. Die Sandflächen dagegen spielen für Nahrungssuche, Balz und Fortpflanzung eine wichtige Rolle. Die Männchen bestechen allesamt durch ihre strahlenden Farben, die von Gelb, Blau und Schwarz bis Rot reichen und auch kombiniert auftreten. Die meisten haben wunderschöne Muster in Rücken- und Schwanzflosse. Viele tragen intensiv gefärbte Eiflecken in der Afterflosse. Die Männchen werden im Mittel zwischen 10 und 13 cm groß, einige Arten, wie z. B. A. gertrudae und A. guentheri, können jedoch durchaus bis auf 17 cm Länge heranwachsen. Weibchen bleiben deutlich kleiner und sind unscheinbarer. Die meisten unter ihnen weisen entweder eine silbrige oder eine olive bis braune Grundfärbung auf. Ihr Farbenkleid wird in der Regel von mehreren dunklen, vertikal verlaufenden Streifen durchzogen.
Aulonocara maylandi kandeensis besticht durch schlichte Schönheit
Die Schwanzflosse von Kaiserbuntbarschen ist eingebuchtet, der Körper leicht gestreckt, der Kopf läuft zur Schnauze hin spitz zu – wobei die Stirnlinie rundlich oder eher gerade sein kann. Diese Kopfform und die vergrößerten Poren im unteren Kopf- und Wangenbereich ermöglichen es den Kaiserbuntbarschen, im Sand verborgene Beute wahrzunehmen und zu fangen. Sie tauchen dann teilweise mit dem ganzen Kopf in den Sand ein und sieben das Substrat durch die Kiemen wieder aus.
Machtkampf unter Männchen – links A. baenschi, rechts Aulonocara „Saffron“
Meinen langjährigen Beobachtungen zufolge sind Aulonocara
